Die Welt: „Der Artikel be­schreibt, wie günstige Drohnen die klas­si­sche mi­li­tä­ri­sche Über­le­gen­heit in der Luft verändern. Während teure Ab­wehr­sys­te­me wie die MIM-104 Patriot Millionen kosten, sind einfache Drohnen extrem billig – wodurch Angriffe wirt­schaft­lich im Vorteil sind.

ich bin ja ein großer freund der be­haup­tung, dass viele ent­wick­lun­gen und phänomene unserer zeit ei­gent­lich gar nicht neu sind, sondern alt­be­kann­te vorgänge in neuem anstrich oder mit anderem tech­no­lo­gi­schem unterbau. ohne hier eine besondere expertise vor­täu­schen zu wollen: kriege sind, soweit ich es mit­be­kom­men habe, noch nie alleine mit tech­no­lo­gi­scher oder öko­no­mi­scher übermacht zu gewinnen gewesen. das haben die ame­ri­ka­ner in vietnam erfahren, nur dass der vietkong dort statt drohnen menschen ein­ge­setzt hat, um das öko­no­mi­sche gleich­ge­wicht des krieges zu seinen gunsten zu kippen.

wo kriegs­her­ren (das wort braucht man derzeit wahr­schein­lich nicht zu gendern) oder der wi­der­stand gegen invasoren heute drohnen einsetzen, wurden früher men­schen­schwär­me oder sa­bo­ta­ge­ak­te genutzt. in af­gha­ni­stan und im irak waren im­pro­vi­sier­te spreng­fal­len der wi­der­stands­grup­pen die drohnen der 2000er; die ka­mi­ka­ze­f­lie­ger der japaner im zweiten weltkrieg sind die kon­zep­tio­nel­len ur­groß­vä­ter der heutigen drohnen. drohnen sind in diesem sinne die kon­se­quen­te fort­füh­rung von guerilla-taktiken mit digitalen mitteln.

es bleibt — mehr oder weniger — auch beim krieg alles beim alten: krieg ist scheisse und im prinzip auch nicht zu gewinnen. öko­no­misch lohnt sich der scheiss kaum noch und zi­vi­li­sa­to­risch oder moralisch sowieso nicht. egal wie über­mäch­tig man sich fühlt, egal wie „günstig“ drohnen oder wi­der­stand auch sind oder werden: am ende ist der preis von krieg immer um ein viel­fa­ches höher als der wert des friedens vorher. nur leider erinnern sich die ent­schei­den­den deppen da nie dran.

sehr gute app enmp­feh­lung von eay.cc: On This Day Rewind
die app macht nicht viel anderes als fotos an­zu­zei­gen die in den vorjahren dieses tages auf­ge­nom­men wurden (und in der iphone bild­me­dia­thek sind). 365 × x tage sind zwar ein her zu­fäl­li­ger, will­kür­li­cher parameter, aber immer gut um eine er­in­ne­rung zu wecken. hier auf wirres.net habe ich diese funktion auch in jeder artikel-beilage.

… und das führt mich dann zum bei­spiel zu posts wie die­sem von vor ge­nau 10 jah­ren:

If Do­nald Trump re­places Oba­ma it only fur­ther pro­ves Oran­ge Is The New Black

Ab­di­noor² (@ab­di­noorx231.03.2016 23:11

ursprünglich veröffentlicht am 11.04.2016

4 kommentare
Enno Park

@ix Ja, aber das ist nicht der Punkt. Drohnen lassen sich so massenhaft und billig herstellen, dass sie skalieren. So zynisch das jetzt klingt, aber menschliches Kanonenfutter skaliert schlecht (Putin versucht es trotzdem). Kamikaze-Flieger skalieren so richtig schlecht, trotz der konzeptionellen Ähnlichkeit.

ix

@ennopark die punkte sind das krieg (auch wenn man ihn „spezialoperationen“ nennt) sich nicht lohnt, nicht gewinnen lässt und grossmachtsgelüste und vermeintliche militärische überlegenheit besonders schlecht skalieren (und funktionieren). und dass kriegstreiber das immer wieder vergessen.

Enno Park

@ix Wenn das noch jemand Putin sagen würde...

Poupou

@ennopark @ix ich denke, Putin weiß das, trotzdem bringt der Krieg ihn über die Zeit und lenkt vom Rest ab