#rp26, tag 1
sehr schöner, langer tag auf der republica. ich glaube, ich war noch nie so früh auf einer republica. keine ahnung warum. vielleicht weil ich dachte, ich könne dort frühstücken.
ich glaube auch, einen ticken mehr leute als sonst getroffen und gesprochen zu haben als sonst. die sessions, die ich heute gesehen habe, haben mich nicht umgeworfen, aber ein paar überraschende momente gab’s doch. luisa neubauer ist zum beispiel ein rhetorisches schwungrad. sie fängt langsam und zögerlich an zu sprechen, aber dann kommt sie in schwung und noch mehr schwung und schleudert überraschend gute worte ins publikum. sehr beeindruckend. auch cory doctorow schien beflügelt. während seine letzten talks auf der republica wie gelangweilte vorlesungen auf mich wirkten, wirkte er heute wie ausgewechselt, ein feuerwerk der guten laune.
man kann seinen 45-minütigen vortrag mit wenigen sätzen zusammenfassen: 1) kamerad trump und kamerad putin haben in 1-2 jahren so viel für die europäische unabhängigkeit getan, wie er nicht mal im ansatz in seiner 20-30-jährigen aktivisten-tätigkeit erreicht hat. 2) die gesetze gegen das umgehen technischer sperren (DRM, Jailbreak-Schutz usw.) müssen weg, damit die europäer bzw. die länder der welt sich unabhängig(er) von amerikanischer technologie machen können. 3) er sagt „fuck optimism“, nennt sich aber so hoffnungsfroh wie lange nicht mehr. optimismus sei passiv, hoffnung sei aktiv. man könne auch frustriert und verängstigt hoffnung haben, aber optimismus lähme genau wie pessimismus. ich argumentiere morgen um 13 uhr genau gegenteilig und definiere optimismus kurzerhand um. wahrscheinlich weniger wortmächtig und mit weniger intellektueller und semantischer schärfe als doctorow, aber hoffentlich genauso nachvollziehbar.
die bühne am energiemobil fasst auf jeden fall einen guten ticken mehr als 20 leute und ich gehe davon aus, dass es ganz flauschig dort werden könnte.
das von alex matzkeit organisierte panel zur frühen blogosphäre heute abend war auch sehr flauschig und erinnerte mich vor allem daran, was ich alles im laufe der jahre vergessen habe, obwohl es ja theoretisch (fast) alles hier im archiv nachlesbar wäre. der schönste gedanke, den die kaltmamsell mir heute abend wieder in erinnerung rief: wir waren damals, bei unserem ersten großen treffen, der „blogmich“-party 2005, (fast) alle fanboys und -girls voneinander. und christian buggisch erinnerte uns daran, dass auch wenn relevanz und reichweite firlefanz sind, blogs oder einfach ins internet zu schreiben (egal wo), durchaus inspirierend waren, sind und sein können.
kurz gesagt: ein sehr schöner tag.


