ste­phen col­bert hat nur noch ein paar wo­chen, be­vor sei­ne late-night-sen­dung ein­ge­stampft wird. ich fand sei­ne late-night-sen­dung im­mer ganz okay, aber ein fan war ich nie. ge­le­gent­lich stol­per­te ich auf you­tube über sen­dungs­aus­schnit­te, und ge­le­gent­lich war das eben okay. wäh­rend ich von let­ter­man und fer­gu­son nie ge­nug be­kom­men konn­te, reich­ten mir die schnip­sel von col­bert. bei kim­mel fin­de ich das ganz ähn­lich, haut mich meis­tens nicht von den so­cken.

im letz­ten hal­ben jahr war ich all­ge­mein zu­neh­mend ge­nervt von der ver­wurs­tung und läng­li­chen auf­be­rei­tung von trumps schwach­sinn. ich fin­de es na­tür­lich gran­di­os, dass trump so dünn­häu­tig ist, dass er von wit­zen über ihn ge­nervt ist und sich nicht zu scha­de ist, mit sei­nen klei­nen hän­den zu­rück­zu­bo­xen und sei­ne spei­chel­le­cken­den un­ter­ge­be­nen auf col­bert, kim­mel und sonst­wen, der oder die es wagt, sich über ihn lus­tig zu ma­chen, zu het­zen. ich habe kei­ne lust mehr, do­nald trump über­haupt noch auf­merk­sam­keit zu schen­ken.

ich habe ein biss­chen das ge­fühl, dass auf­merk­sam­keit für do­nald trump das ist, was zeit für die grau­en män­ner in momo ist. in mi­cha­el en­des er­zäh­lung kön­nen die grau­en män­ner den men­schen die zeit steh­len, in­dem sie die men­schen da­von über­zeu­gen, zeit spa­ren zu müs­sen. wie die grau­en män­ner mit der zeit macht do­nald trump mit der auf­merk­sam­keit, die er uns stiehlt, nichts be­son­de­res oder sinn­vol­les — aus­ser im ram­pen­licht zu exis­tie­ren und an­de­ren men­schen die lau­ne oder die exis­tenz­grund­la­ge zu zer­stö­ren.

um bei dem bild zu blei­ben: die zeit, die wir durchs spa­ren an die grau­en män­ner ver­lie­ren, hält uns, ge­nau wie die auf­merk­sam­keit, die wir do­nald trump schen­ken, da­von ab, die zeit et­was sinn­vol­lem zu wid­men und un­se­re auf­merk­sam­keit auf et­was kon­struk­ti­ves, schö­nes, sinn­stif­ten­des zu len­ken.

je­den­falls fand ich es sehr wohl­tu­end, ste­phen col­bert da­bei zu­zu­se­hen, wie er ba­rack oba­ma in­ter­viewt und sich von ihm durch oba­mas noch zu er­öff­nen­de pre­si­den­ti­al li­bra­ry cen­ter füh­ren lässt. ex-prä­si­den­ten wer­den mit ab­stand zum amt ja oh­ne­hin im­mer sym­pa­thi­scher, aber oba­ma ist so sym­pa­thisch, dass ich ihn knud­deln möch­te. und ste­phen col­bert ist teil­wei­se wirk­lich wit­zig, so wit­zig, dass ich ein paar­mal laut la­chen muss­te. und auf ge­wis­se wei­se ist das was oba­ma sagt auch er­bau­lich, op­ti­mis­tisch stim­mend und eben nicht voll­ge­so­gen mit der end­zeit- und angst­in­du­zie­ren­den rhe­to­rik der po­pu­lis­ten-fa­schis­ten, die uns seit jah­ren zu­neh­mend auf al­len wahr­neh­mungs­ka­nä­len über­schwemmt. des­halb: col­bert bei oba­ma fand ich se­hens­wert.