jo­han­nes kuhn (via):

Kurz: Das öf­fent­li­che, text­ba­sier­te So­cial Me­dia ist wei­ter auf dem ab­stei­gen­den Ast. Für Freaks gibt es die Mög­lich­keit, zu blog­gen, aber ins­ge­samt ver­schiebt sich das Gan­ze dann doch eher in die pri­va­ten Ka­nä­le.

je län­ger ich über das ins-in­ter­net-schrei­ben, neue kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men oder öf­fent­li­che und pri­va­te ka­nä­le so­zia­ler kom­mu­ni­ka­ti­on nach­den­ke, des­to mehr fra­ge ich mich ob wir das mit den „pri­va­ten ka­nä­len“ nicht ekla­tant falsch ein­schät­zen, bzw. das po­ten­zi­al die­ses öf­fent­lich nicht be­son­ders gut sicht­ba­ren kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nals un­ter­schät­zen.

ich wür­de zum bei­spiel be­haup­ten, dass sich die reich­wei­te öf­fent­li­cher „leit­me­di­en“ wie faz, spie­gel, zeit oder bild über die letz­ten 30 jah­re gar nicht mal so krass ver­än­dert hat. ja, die wer­be­ein­nah­men sind ins in­ter­net dif­fun­diert, aber wenn man sich abo-zah­len aus den 90er jah­ren an­sieht, dann mö­gen me­di­en wie der spie­gel oder die bild zwar die eine oder an­de­re de­bat­te ge­prägt ha­ben, aber das — wie auch jetzt — mit ei­ner re­la­tiv ge­rin­gen reich­wei­te im ver­gleich zu be­wegt­bild, au­dio oder „pri­va­ten“ ka­nä­len.

oder an­ders ge­sagt: text war schon im­mer ein ni­schen­phä­no­men. und die­se pri­va­ten ka­nä­le wur­den wahr­schein­lich auch schon im­mer ein biss­chen un­ter­schätzt. um mei­ne stei­le the­se wei­ter aus­zu­bau­en: wäh­rend sich die reich­wei­ten der „öf­fent­li­chen“ ka­nä­le in den letz­ten 30 jah­ren nicht wirk­lich si­gni­fi­kant ver­än­dert ha­ben, ha­ben die pri­va­ten ka­nä­le in den letz­ten jah­ren ei­ner­seits viel an sicht­bar­keit, aber auch an ef­fi­zi­enz ge­won­nen.

ich er­in­ne­re mich an die jam­ba-ge­schich­te von spree­blick vor > 20 jah­ren (wie die zeit ver­geht!). john­ny haeus­ler schrieb da­mals we­nig schmei­chel­haf­tes über das ge­schäfts­mo­del des klin­gel­ton-an­bie­ters jam­ba und die ge­schich­te ging vi­ral. ich er­in­ne­re mich aber auch dar­an, dass eine der trei­ben­den kräf­te hin­ter der vi­ra­li­tät des spree­blick-ar­ti­kels da­mals im dun­keln lag, also be­su­cher nicht haupt­säch­lich von an­de­ren blogs oder web­sei­ten ka­men, son­dern aus dem „nichts“. die ge­schich­te wur­de ganz of­fen­bar vor al­lem über „pri­va­te kan­nä­le“ ver­brei­tet, also via email oder mes­sen­ger (icq, aim).

die­se „dunk­le“ (also nicht ohne wei­te­res track­ba­re) ver­net­zung durch „pri­va­te ka­nä­le“ soll­te man ge­ra­de in der heu­ti­gen (so­zi­al-) me­di­en­land­schaft nicht un­ter­schät­zen. ob wir freaks, also ins in­ter­net­schrei­ben­de, da eine si­gni­fi­kan­te rol­le spie­len ist eine ganz an­de­re fra­ge (höchts­wahr­schein­lich nicht).