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Der Elek­tri­ker riet uns ein­dring­lich zum knx-System und weil uns das als das System mit den meisten Mög­lich­kei­ten erschien, haben wir das auch so be­auf­tragt. […]

Die Grund­la­gen der Technik sind also maximal vor­be­rei­tet, jetzt muss nur noch ich begreifen, wie ich das System am op­ti­mals­ten einrichte und benutze. Meine Traum­vor­stel­lung wäre, ich finde jemanden, der sich nicht nur richtig viel Zeit nimmt, alle meine Fragen zu be­ant­wor­ten, sondern mir vor allem auch prak­ti­sche Tipps gibt, wie ich das System am prag­ma­tischs­ten auf meine Ansprüche und auf meine Be­dürf­nis­se einrichte.
Aktuell habe ich nur sehr wenig Vor­stel­lun­gen, wie man das alles am besten machen könnte

KNX ist bestimmt erstmal keine schlechte wahl, obwohl ich glaube, dass es alles andere als günstig ist. ich habe vor 10 jahren mit ho­me­as­sistant an­ge­fan­genm nicht weil ich das fummeln an technik so toll finde, sondern weil das schlicht und er­grei­fend der einzige weg war meine vor­stel­lun­gen von au­to­ma­ti­sie­rung um­zu­set­zen. zuerst fand ich es toll, alles mit der apple home app verwalten zu können, aber au­to­ma­ti­sie­run­gen waren mit „home“ erst nicht möglich und später dann eine qual. mit der hue bridge und app liess sich damals auch nichts au­to­ma­ti­sie­ren.

die idee von KNX ist, soweit ich das verstehe, dass man damit alle aktoren und sensoren verwaltet und dann eben auch au­to­ma­ti­siert. ich vermute mal, fremd­sys­te­me, zigbee oder tado oder hue sind da eher schwer bis gar nicht zu in­te­grie­ren. ho­me­as­sistant ist system-agnos­tisch. knx, zigbee, hue, tado — alles lässt sich damit verbinden und über die sys­tem­gren­zen hinweg au­to­ma­ti­sie­ren.

vor langer zeit habe ich mal gesagt, dass man für gute heimaut­ma­ti­sie­rung vor allem sensoren, viele sensoren, braucht. ohne sensoren, keine or­dent­li­chen au­to­ma­ti­sie­run­gen. kürzlich fiel mir dann auf wie die biologie das macht: nicht 10, 20 oder hundert sensoren, sondern aber­mil­lio­nen. damit lassen sich dann sehr komplexe au­to­ma­ti­sie­run­gen umsetzen, wie zum beispiel einen ball zu werfen. einen ball zu werfen ist ein hoch­kom­ple­xer vorgang, einer der so komplex ist, dass (humanoide) roboter es nach wie vor nicht können. hunderte von mus­kel­be­we­gun­gen müssen ko­or­di­niert und syn­chro­ni­siert werden. irgendwer sagte mal: wenn roboter das konnen, müssen wir anfangen uns sorgen vor den maschinen zu machen.

heim­au­to­ma­ti­sie­rung muss aber keine bälle werfen können. das was für be­frie­di­gen­de au­to­ma­ti­sie­rung nötig ist, ist wenig an­spruchs­voll. aber der automat muss augen, aktoren und ein flexibles gehirn haben.

ich zähle mal die wich­tigs­ten grund­prin­zi­pi­en für gute au­to­ma­ti­sie­rung auf, die ich meine, im laufe der jahre iden­ti­fi­ziert zu haben.

an­we­sen­heit, licht­stim­mun­gen, schalter, sta­tus­an­zei­gen, sensorik.

an­we­sen­heits­er­ken­nung ist das a und o. wenn das system weiss ob die wohnung, ein raum oder eine sitz­ge­le­gen­heit besetzt oder leer ist, kann es daraus bereits die wich­tigs­ten in­for­ma­tio­nen und aktionen ableiten: heizung, kameras und licht ein oder aus­schal­ten. wenn das system auch noch weiss wer da ist oder ob gäste anwesend sind, lassen sich weitere aktionen ableiten.

licht­stim­mun­gen lassen sich aus vorlieben, vom son­nen­stand und der tages- oder nachtzeit ableiten. op­ti­ma­ler­wei­se wird das licht mit der richtigen stimmung beim betreten eines raums ein­ge­schal­tet und nach dem verlassen des raums wieder aus. an­pas­sun­gen der licht­stim­mung lassen sich am ein­fachs­ten klassisch mit schaltern umsetzen oder ge­ge­be­nen­falls aus sen­sor­da­ten ableiten. wenn ich mich nach 17 uhr auf sofa setze, möchte ich gerne etwas ge­dimm­te­res licht haben als am schreib­tisch. wenn ich mich nach 21 uhr ins bett lege, soll das licht ausgehen — ausser es sitzt noch jemand auf dem sofa oder es sind mehr als eine person im raum. dann ist es wahr­schein­lich, dass das bett als sitz­ge­le­gen­heit genutzt wird und noch nicht zum schlafen.

folgende licht­stim­mun­gen habe ich für jeden raum definiert: flutlicht (ar­beits­licht, volle be­leuch­tung, meist kaltweiss), gedimmt (stan­dard­licht, nicht zu hell, nicht zu düster, geeignet für den alltag), ge­müt­licht (warmweiss, eher für die abend­stun­den oder nach dem aufstehen), nacht­licht (wenn man nachts aufstehen muss und auf dem weg zum klo nicht geblendet werden will, aber auch nirgendwo anstossen will), schlaf­licht (aus, viel­leicht mit einem subtilen grund­leuch­ten).

ich mag es, wenn die au­to­ma­ti­sche wohnung mir hinweise zum status gibt. nicht per no­ti­fi­ca­ti­on, die nerven nur, sondern durch subtile signale: zur vollen stunde ein leiser gong, ab sechs uhr leises vo­gel­ge­zwit­scher, ein tusch wenn die wasch- oder spül­ma­schi­ne fertig ist, rotes licht an fridas was­ser­napf, wenn er fast alle ist, kerzen die zum son­nen­un­ter­gang an gehen, wenn das zimmer besetzt ist. ein rotes hin­weis­licht, wenn der CO₂-gehalt zu hoch ist und gelüftet werden sollte, ein kurzes blinken der bad­be­leuch­tungm wenn man länger als 5 minuten geduscht hat (oder 10, 15 oder 20 minuten). ein tusch, wenn ich länger als 5 minuten auf dem klo sitze. eine strenge ermahnung, wenn die kühl­schrank- oder woh­nungs­tür zu lange offen sind.

ich mag adaptives licht sehr. die bei­fah­re­rin hasst es, zumindest in ihrem zimmerm wenn die licht­far­be sich dem son­nen­stand anpasst. so bleibt es im wohn­zim­mer (das zimmer der bei­fa­he­rin) und im schlaf­zim­mer bei festen licht­stim­mun­gen, in der küche ist es zwischen 8 und 22 uhr immer hell, aber in alle anderen zimmerm passt sich die licht­far­be dem son­nen­stand an. wenn jemand von draussen nach hause kommt, schaltet das flurlicht sich immer ganz hell ein. sonst tut die flurbleuch­tung so, als hätte der flur ein fenster.

auch gelernt: vorhänge oder rollos sollten sich bei an­we­sen­heit nicht au­to­ma­tisch öffnen oder schließen. das wirkt pa­ter­na­lis­tisch. auf wunsch, am besten per schalter oder sprach­be­fehl, ist das au­to­ma­ti­sche öffnen oder schließen OK.

es ist irre be­frie­di­gend, wenn sich das licht bei der bewegung durch die wohnung au­to­ma­tisch, zum genau richtigen zeitpunkt und in der richtigen stimmung ein­schal­tet und später wieder aus­schal­tet. aber genauso wichtig ist es sowohl das ein- als auch das aus­schal­ten per schalter voll­zie­hen zu können. das ist wichtig für gäste, aber auch wichtig für die ur­ein­woh­ner der wohnung. ich beobachte mich ständig selbst dabei, wie ich das kü­chen­licht beim verlassen der küche re­gel­mäs­sig aus­schal­te, obwohl es ein paar sekunden später zu­ver­läs­sig au­to­ma­tisch aus geht.

weil sich ge­wohn­hei­ten und be­dürf­nis­se ständig ämdern, ist es meiner meinung nach wichtig, dass man an­pas­sun­gen an den au­to­ma­ti­sie­runen schnell und flexibel umsetzen kann. ich habe die grund­sätz­li­chen au­to­ma­ti­ons­re­geln zwar seit über 2 jahren nicht mehr angefasst, aber gerade für die bei­fah­re­rin muss ich immer wieder fine­tu­ning machen.

mög­li­cher­wei­se sieht man auch an dem was ich hier schreibe, wie wichtig die sensorik ist. gerade für prä­senz­er­ken­nung gab es mit mmwave-sensoren in den letzten jahren grosse fort­schrit­te. es­sen­ti­ell finde ich auch unsere bett-sensoren. wenn beide betten besetzt sind soll dun­kel­heit und ruhe herrschen. wenn wir ein ver­netz­tes tür­schloss hätten, sollte das spä­tes­tens dann zugehen. aber genauso sollte ein schumm­ri­ger lichtpfad angehen, sobald einer von uns beiden aufsteht.

ich könnte dazu stun­den­lang re­fe­rie­ren, aber das soll erstmal reichen.