Spie­len oder aus­ge­spielt wer­den (t3n 61)

felix schwenzel in t3n, teil der sammlung: t3n

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Ich bin alt und er­fah­ren ge­nug, um zu wis­sen, dass auch ich ma­ni­pu­lier­bar bin. Als wir in der Schu­le Wer­bung ana­ly­si­ert und über ihre Stra­te­gien und Funk­ti­ons­wei­sen ge­spro­chen ha­ben, war ich eine Zeit lang über­zeugt, dass mich die­se paar Wis­sens­bro­cken ge­gen Wer­be­bot­schaf­ten im­mu­ni­sie­ren wür­den. Was na­tür­lich Quatsch ist. Wer­bung wirkt – und zwar im­mer an an­de­ren Stel­len, als wir an­ti­zi­pie­ren oder zu wis­sen glau­ben. Ge­nau­so wie Al­ko­hol wirkt: Das Wis­sen um sei­ne Schäd­lich­keit macht mich beim Trin­ken we­der zu­rück­hal­ten­der noch nüch­ter­ner.

Na­tür­lich wird auch Spaß zur Ma­ni­pu­la­ti­on ein­ge­setzt; das wuss­ten schon die rö­mi­schen Kai­ser, die si­cher nicht als ers­te die po­li­ti­sche Di­men­si­on von Spie­len (und Ge­trei­de) er­kann­ten. Auch ich las­se mich ger­ne auf Spie­le ein, hin­ter de­nen Pro­fit­in­ter­es­sen, Ma­ni­pu­la­ti­on oder Auf­merk­sam­keits­len­kung er­kenn­bar sind. So habe ich vor ei­ni­gen Jah­ren bei Fours­qua­re mit­ge­macht und Check-ins und ein paar Ma­yor­ships ge­sam­melt. Auch auf Face­book und Twit­ter habe ich ein paar Jah­re lang bei der Jagd auf Favs und Li­kes mit­ge­spielt, fand dann aber ir­gend­wann Be­schäf­ti­gun­gen, die mich mehr in­ter­es­sier­ten.

Spie­len zur Ver­hal­tens­for­mung wird auch in­ten­siv in der Hun­de­er­zie­hung ein­ge­setzt. Das ist für Hun­de eine gute Nach­richt, weil man frü­her glaub­te, (ver­meint­li­chen) Ge­hor­sam am bes­ten über Zwang, Stra­fe und Do­mi­nanz zu er­rei­chen. Ge­zielt ge­lenk­tes Spiel und po­si­ti­ve Ver­stär­kung ha­ben die al­ten Er­zie­hungs­me­tho­den – zu­min­dest bei Hun­den – mitt­ler­wei­le weit zu­rück­ge­drängt. Und wie man in die­sem Heft le­sen kann, ha­ben vie­le Un­ter­neh­men er­kannt, dass sich ge­schickt ge­lenk­tes Spiel und Spaß po­si­tiv auf die Un­ter­neh­mens­zie­le, Wer­be­er­lö­se oder das Er­rei­chen von ge­wünsch­ten Ver­hal­tens­wei­sen aus­wir­ken kön­nen. Das ist für uns Men­schen nicht un­be­dingt eine gute Nach­richt, auch wenn Ga­mi­fi­ca­ti­on, Nud­ging, Brot und Spie­le si­cher an­ge­neh­mer als Peit­sche oder Ge­heim­po­li­zei sind.

Der Knack­punkt beim Spie­len, bei der Un­ter­hal­tung und dem Ver­gnü­gen ist, dass sie sich re­la­tiv schnell ab­nut­zen und die An­sprü­che im­mer wei­ter stei­gen – zu­min­dest wenn man Men­schen zum Spie­len ani­mie­ren will (Hun­de sind da ge­nüg­sa­mer). Ir­gend­wann ist je­des Spiel durch­ge­spielt, und schlecht ge­stal­te­te und an­ge­leg­te Spie­le spielt eh kei­ner lan­ge.

Dass das Volk nach im­mer neu­en Ver­gnü­gungs­for­men giert, be­ka­men be­reits die rö­mi­schen Kai­ser zu spü­ren. Für ein paar Jah­re fand der „Plebs“ Ge­fal­len dar­an, da­bei zu­zu­se­hen, wie ein paar Gla­dia­to­ren dazu ge­zwun­gen wur­den, sich ge­gen­sei­tig ab­zu­ste­chen oder in der Are­na wil­de Tie­re zu tö­ten. Aber das reich­te re­la­tiv schnell nicht mehr. Karl-Wil­helm Weeber schreibt in Pa­nem et Cir­cen­ses, dass vie­le Kai­ser des­halb dar­in wett­ei­fer­ten, „ihre Vor­gän­ger an Pracht, Aus­stat­tung und Häu­fig­keit der Spie­le zu über­trump­fen“.

Beim mo­der­nen Kai­ser Zu­cker­berg ver­hält es sich ähn­lich: Wenn Face­book nicht stän­dig kon­kur­rie­ren­de Spaß- und Un­ter­hal­tungs-Un­ter­neh­men kauft oder ko­piert, wen­det sich das Pu­bli­kum ab.

Was Macht­ha­ber un­be­dingt ver­hin­dern wol­len, ist für das Volk da­bei eine Chan­ce: Mal nach ei­ge­nen Spiel­re­geln zu spie­len. Über­haupt spie­len zu kön­nen, ist näm­lich eine der gro­ßen Stär­ken der Mensch­heit. Ne­ben Hun­den und ei­ni­gen Haus­tie­ren sind Pri­ma­ten eine der we­ni­gen Tier­ar­ten, die bis ins hohe Al­ter ger­ne spie­len. Durch Spie­len er­fah­ren und eig­nen wir uns die Welt auch im Er­wach­se­nen­al­ter an.

Der nie­der­län­di­sche Kul­tur­his­to­ri­ker Jo­han Hui­zin­ga be­haup­te­te schon 1938 in Homo Lu­dens, dass das Spiel neue Wel­ten jen­seits der All­tags­welt her­vor­zu­brin­gen ver­mag, ge­ra­de weil es et­was Über­flüs­si­ges ist. Spiel, schreibt er, trei­be die kul­tu­rel­le Ent­wick­lung in den un­ter­schied­lichs­ten Be­rei­chen – von Recht über Wis­sen­schaft bis zu Dich­tung und Kunst – vor­an.

Vor­ge­fer­tig­te Spie­le mit­zu­spie­len, sich auf ga­mi­fi­zier­tes Ge­döns ein­zu­las­sen, hilft si­cher beim Ver­ständ­nis der Welt, aber selbst­be­stimm­tes Spiel nach ei­ge­nen Spiel­re­geln schafft po­ten­zi­ell Neu­es, in­spi­riert die Krea­ti­vi­tät — und wer frei spielt, lernt, sich selbst zu ma­ni­pu­lie­ren, statt sich nur von an­de­ren len­ken zu las­sen.

Denn: Wer nach ei­ge­nen Re­geln spielt, be­lohnt sich selbst und ist nicht dar­auf an­ge­wie­sen, Be­loh­nun­gen im Netz oder auf der Ar­beit hin­ter­her­zu­het­zen. 


fern­se­her zu fens­tern

felix schwenzel in notiert

man könn­te mei­nen, wir hät­ten jetzt ein fens­ter in un­se­rem düs­te­ren flur.
ist aber nur ein teil ei­nes al­ten mo­ni­tors aus dem sperr­müll, den ich mit 50 adres­sier­ba­ren LEDs (sk6812-LED-strei­fen und es­phome) ge­tu­n­ed habe, frei nach die­sem vi­deo.

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ein biss­chen schrot­tig, wie un­ser flur, aber ich fin­de die­ses fal­sche fens­ter toll. vor al­lem war das so um die 55,00 bis 100,00 € güns­ti­ger und 1000,00 € bes­ser als die ei­gent­lich ganz güns­ti­gen ikea flo­alts. 

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ro­si­nen­bröt­chen

felix schwenzel in notiert

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die­se ro­si­nen­bröt­chen habe ich in den letz­ten mo­na­ten sehr, sehr oft ge­ba­cken. ei­ner­seits weil sie sehr le­cker sind und an­de­rer­seit … hm, ei­gent­lich gibt’s kein an­de­rer­seits. die sind ein­fach le­cker.

für den he­fe­teig steht im re­zeot tro­cken­he­fe. hab ich mein le­ben lang be­nutzt, aber in letz­ter zeit be­nut­zen wir fast nur noch fri­sche hefe, be­vor­zugt bio. ich habe ir­gend­wo auf­ge­schnappt, dass die her­stel­lung von hefe eine ziem­li­che schwei­ne­rei ist und die bio-va­ri­an­te ei­nen et­was we­ni­ger pro­ble­ma­ti­schen her­stel­lungs­pro­zess hat. die wi­ki­pe­dia schnei­det das nur kurz an:

Ins­ge­samt fal­len bei der Her­stel­lung auf Me­las­se­ba­sis grö­ße­re Men­gen or­ga­ni­scher und che­mi­scher Stof­fe so­wie Mi­kro­or­ga­nis­men-hal­ti­ges He­fe­was­ser an, die nach wie vor ein Ent­sor­gungs­pro­blem dar­stel­len.

aber des­halb schrei­be ich das nicht auf, son­dern we­gen mei­ner un­ge­duld. es heißt ja im­mer, man sol­le die hefe, die eier, die but­ter am bes­ten auf zim­mer­tem­pe­ra­tur ver­ar­bei­ten, weil die hefe sich sonst „er­schre­cke“.

ich hab mir ge­dacht, wenn ich hefe, milch, eier und but­ter eh im kühl­schrank habe, also alle die glei­che tem­pe­ra­tur ha­ben, wer soll sich da denn er­schre­cken? aus­ser­dem ge­lin­gen he­fe­back­wa­ren be­son­ders gut (sagt man, und es deckt sich mit mei­ner er­fah­rung), wenn der he­fe­teig eine Nacht im kühl­schrank geht. da­bei wird die he­fe­ak­ti­vi­tät ge­bremst und der teig wird schön fein­po­rig.

also seit dem ich mir das ge­ad­cht habe, ver­ar­bei­te ich den teig im­mer mit zu­ta­ten aus dem kühl­schrank, kal­te hefe, kal­te milch, kal­te eier, kal­te but­ter. das re­sul­tat ist mei­ner mei­nung meis­ten so­gar bes­ser. 


viel ge­übt in den letz­ten ta­gen : auf die de­cke le­gen, so tun als sei man ent­spannt und blei­ben, no mat­ter what. #fri­da hat das ziem­lich schnell be­grif­fen. 




Photo shared by felix schwenzel on June 27, 2020 tagging @katia__kelm. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

geht gut vor­an mit dem ich-näh-dir-eine-jog­ging­ho­se pro­jekt der bei­fah­re­rin. und ich muss jetzt erst­mal 80 kilo bein­mus­kel­mas­se auf­bau­en. 



Als al­ter, wei­ßer Mann im ku­sche­lig-pri­vi­le­gier­ten deut­schen Ho­me­of­fice fällt es mir schwer, die Nach­rich­ten, Ar­ti­kel und Vi­de­os zu den Black-Li­ves-Mat­ter-Pro­tes­ten und den Ru­fen nach der De­fi­nan­zie­rung der US-Po­li­zei („De­fund the Po­li­ce!“) rich­tig ein­zu­ord­nen oder gar zu be­wer­ten. Al­ler­dings hat der hier ge­pi­q­te, sa­ti­risch-über­höh­te Text von Car­los Gre­a­ves heu­te früh ei­nen deut­li­chen 💡-Ef­fekt bei mir hin­ter­las­sen.

This in­itia­ti­ve, also known as Sky­net, was crea­ted by Cy­ber­dy­ne Sys­tems for the De­part­ment of De­fen­se as a way to keep Ame­ri­cans safe. Cri­tics have said that spen­ding half of our coun­try’s GDP on de­ve­lo­ping an army of sta­te-of-the-art cy­borgs with ad­van­ced wea­pons sys­tems and an AI spe­ci­fi­cal­ly trai­ned to neu­tra­li­ze th­re­ats was a bad idea. And while the re­cent kil­lings might seem to con­firm that, we feel that, de­spi­te a few stumbles here and the­re, this pro­gram has still been an over­whel­ming suc­cess.

Das fik­ti­ve Sky­net und die US-ame­ri­ka­ni­sche Po­li­zei gleich­zu­set­zen er­scheint al­ler­dings gar nicht mehr so ab­surd, wenn man sich ent­we­der ein biss­chen in die Ma­te­rie ein­ar­bei­tet oder wenn man von aus­ufern­der Po­li­zei­ge­walt be­trof­fen ist, weil man dunk­le Haut hat. Denn die Po­li­zei­ge­walt ge­gen Schwar­ze, ge­gen die in den USA und vie­len an­de­ren Tei­len der Welt (wie­der) pro­tes­tiert wird, lässt sich schon lan­ge nicht mehr mit ein paar aus der Rei­he tan­zen­den Po­li­zis­ten („schwar­zen Scha­fen“ oder „bad app­les“) er­klä­ren. Die Pro­ble­me sind struk­tu­rell, in­sti­tu­tio­nell, po­li­tisch und his­to­risch be­grün­det.

John Oli­ver, der im­mer ei­nen gu­ten Über­blick über viel­schich­ti­ge, kom­ple­xe und ver­fah­re­ne Si­tua­tio­nen gibt, er­klärt auch in die­sem Vi­deo bril­lant, wie die Ge­schich­te der US-ame­ri­ka­ni­schen Po­li­zei und die Ideo­lo­gie der wei­ßen Vor­herr­schaft struk­tu­rell ver­wi­ckelt sind. Die 30 Mi­nu­ten John Oli­ver sind gut in­ves­tier­te Zeit (und Oli­ver er­klärt auch die kil­lo­lo­gy-An­spie­lung in Gre­a­ves Sa­ti­re), aber eins der Haupt­pro­ble­me, die Ver­ne­be­lungs­aus­re­de, die Po­li­zei­ge­walt im­mer wie­der auf schwar­ze Scha­fe zu­rück­zu­füh­ren ver­sucht, zer­brö­selt Chris Rock hier in nur an­dert­halb Mi­nu­ten; in man­chen Be­ru­fen wie Po­li­zis­ten oder Pi­lo­ten kann man sich eben kei­ne schwar­zen Scha­fe leis­ten.

Zum The­ma De­fi­nan­zie­rung des Sky­nets, äh, der Po­li­zei, hat die Zeitei­nen Text von My­chal Den­zel Smith über­setzt, der (un­ter an­de­rem) ein wei­te­res zen­tra­les Pro­blem be­leuch­tet:

Statt stets die Po­li­zei los­zu­schi­cken, um ge­sell­schaft­li­che Pro­ble­me zu lö­sen, auf die de­ren be­grenz­tes In­stru­men­ta­ri­um gar nicht aus­ge­legt ist, könn­te man an­de­re Wege fin­den, um den An­lie­gen der Be­völ­ke­rung ge­recht zu wer­den.

Dass die Ge­sell­schaft von der Po­li­zei er­war­tet, Pro­ble­me zu lö­sen, für die sie gar nicht ge­eig­net ist, ist al­ler­dings nicht nur in den USA ein rie­si­ges Pro­blem. Auch Deutsch­land zeigt Ten­den­zen, auch bei Ba­ga­tell­de­lik­ten oder Sach­be­schä­di­gun­gen das vol­le Exe­ku­tiv-Ar­se­nal auf­zu­fah­ren und die ak­tu­el­le Recht­spre­chung sieht Sitz­blo­cka­den in Deutsch­land wei­ter­hin ger­ne als nö­ti­gen­de Ge­walt­an­wen­dung.

Zu­rück zur 💡 und war­um die bei mir beim Le­sen der Sky­net-Ana­lo­gie an­ge­gan­gen ist: Die wah­ren Be­dro­hun­gen und Ge­fah­ren für un­se­re Ge­sell­schaft lie­gen oft gar nicht in der Zu­kunft, im Un­be­kann­ten oder Neu­en, son­dern ganz oft in un­se­rer Ver­gan­gen­heit, vor der wir all zu ger­ne die Au­gen ver­schlie­ßen und uns wei­gern, sie ad­äquat auf­zu­ar­bei­ten. Statt uns vor aus dem Ru­der lau­fen­der KI be­droht zu füh­len, soll­te uns der Preis, den wir für un­se­re ver­meint­li­che Si­cher­heit zu zah­len be­reit sind, Sor­gen be­rei­ten.

 



Photo by felix schwenzel on June 04, 2020. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

ot­to­lenghis bul­gur pi­law wie­der­ent­deckt. in den letz­ten ta­gen fünf­mal ge­kocht: 3 pa­pri­ka, zwei zwie­bel in strei­fen 20 mi­nu­ten in 90ml öl düns­ten, ko­ri­an­der­sa­men, to­ma­ten­mark, 1EL zu­cker, salz und 300g bul­gur 2 mi­nu­ten mit­schmo­ren, 300 ml was­ser dazu, auf­ko­chen, aus­ma­chen 30 mi­nu­ten war­ten. 


Was bleibt (t3n 60)

felix schwenzel in t3n, teil der sammlung: t3n

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Der Fir­nis der Zi­vi­li­sa­ti­on ist ex­trem dünn. Mir fiel das zum ers­ten mal 1992 auf, nach den ge­walt­tä­ti­gen Un­ru­hen in Los An­ge­les. Die Un­ru­hen bra­chen aus, nach­dem Po­li­zis­ten den Afro­ame­ri­ka­ner Rod­ney King bei ei­ner Ver­kehrs­kon­trol­le schwer miss­han­del­ten und hiel­ten meh­re­re Tage an. Am Ende gab es über 50 Tote und meh­re­re tau­send Ver­let­ze zu be­kla­gen. Mir wur­de klar, dass un­se­re po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Ord­nung kei­nes­falls so sta­bil sind, wie ich mir das bis da­hin ge­dacht hat­te. Mich ha­ben die Un­ru­hen von Los An­ge­les po­li­tisch sen­si­bi­li­si­ert.

Die Co­ro­na-Kri­se dürf­te ein ähn­li­ches Po­ten­zi­al ha­ben. Sie könn­te uns da­für sen­si­bi­li­sie­ren, dass nicht nur die ge­sell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se auf wa­cke­li­gen Füs­sen ste­hen, wenn wir sie nicht ak­tiv stüt­zen, son­dern dass wir, trotz enor­men Fort­schrit­ten in Wis­sen­schaft und Tech­nik, im­mer noch ein ver­letz­li­cher Teil der Na­tur sind. Co­ro­na er­in­nert uns dar­an, dass die Kraft der Na­tur al­les an­de­re als ge­bän­digt ha­ben, wir sind ihr, wie die Men­schen vor Jahr­hun­der­ten, im­mer noch gröss­ten­teils aus­ge­lie­fert.

Vor Co­ro­na hat­te ich im­mer wie­der das Ge­fühl, ins­be­son­de­re bei Dis­kus­sio­nen um den Kli­ma­wan­del, dass vie­le Men­schen glaub­ten, das wir den Kli­ma­wan­del, die Zer­stö­rung un­se­rer Le­bens­grund­la­gen, schon ir­gend­wie mit Tech­no­lo­gie in den Griff zu be­kom­men. Co­ro­na hat uns ge­lehrt, dass wir al­lein mit Wunsch­den­ken, Tech­nik­gläu­big­keit oder kon­zen­trier­tem Op­ti­mis­mus den Fort­be­stand un­se­rer Zi­vi­li­sa­ti­on nicht si­chern wer­den.

Co­ro­na hat aber auch ge­zeigt, dass wir an­ge­sichts aku­ter Ge­fah­ren­la­gen als Ge­sell­schaft durch­aus zu Ver­zicht und ver­nunft­ba­sier­tem Han­deln fä­hig sind. Markt­li­be­ra­le ha­ben es für lan­ge Zeit als Ding der Un­mög­lich­keit an­ge­se­hen, dass Men­schen dazu be­reit wä­ren Ein­schrän­kun­gen ih­rer Le­bens­qua­li­tät hin­zu­neh­men um an­de­re zu schüt­zen oder glo­ba­le Ge­fah­ren ab­zu­weh­ren.

Co­ro­na öff­net die Chan­ce uns dar­an zu er­in­nern, dass die Zu­kunft prin­zi­pi­ell nicht plan­bar ist und dass der Markt al­lein we­der die öko­no­mi­schen oder ge­sell­schaft­li­chen Fol­gen ei­nes Vi­rus ab­weh­ren, noch den Kli­ma­wan­del stop­pen kann. Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve zum ge­mein­schaft­li­chen Han­deln, zur Ver­nunft, zu So­li­da­ri­tät, also zum Staat und zur Zi­vil­ge­sell­schaft.

Der welt­wei­te Ver­nunft­aus­bruch, den wir zur Zeit er­le­ben, sin­ken­de Luft­ver­pes­tung, weil vie­le aufs Au­to­fah­ren und Flie­gen ver­zich­ten, die Er­kennt­nis, dass man auch in Da­ten­net­zen Ge­schäfts- und So­zi­al­kon­tak­te pfle­gen und auf­bau­en kann, die Po­pu­la­ri­sie­rung des bar­geld­lo­sen Be­zah­len und des Ge­sichts­schlei­ers, könn­te aber auch ein jä­hes Ende er­le­ben, wenn wir nicht auf der Hut sind.

1973 zum Bei­spiel, als Deutsch­land in ei­ner Wirt­schafts­kri­se steck­te und der Jom-Kip­pur-Krieg denn Öl­preis ex­plo­die­ren liess, ver­ord­ne­te die Bun­des­re­gie­rung deutsch­land­weit Fahr­ver­bo­te und ein Tem­po­li­mit von 100 km/h auf Au­to­bah­nen.

Of­fen­bar brach­te das Sonn­tags­fahr­ver­bot eine Er­spar­nis beim Ben­zin­ver­brauch von 7 bis 12 Pro­zent. Vie­le spar­ten Strom, dros­sel­ten die Hei­zung und hiel­ten das Tem­po­li­mit ein. Aber die­se öko­no­mi­sche und öko­lo­gi­sche Sen­si­bi­li­tät hielt nicht lan­ge an. Schon we­ni­ge Wo­chen spä­ter, als der Krieg im Na­hen Os­ten vor­bei war, wur­den die Fahr­ver­bo­te und Tem­po­li­mits in Deutsch­land wie­der auf­ge­ho­ben, als sei nichts ge­we­sen. Im eu­ro­päi­schen Aus­land, um Deutsch­land her­um, blie­ben die Tem­po­li­mits üb­ri­gens be­stehen, in Deutsch­land wag­te man sich seit­her selbst bei wei­te­ren Öl- und Öko­kri­sen nicht mehr ans Tem­po­li­mit her­an.

Aber viel­leicht bleibt ja doch et­was vom Co­ro­na-Ver­nunft- und So­li­da­ri­täts­aus­bruch hän­gen. Zum Bei­spiel:

  • die Er­kennt­nis, dass Ver­zicht nicht nur Ver­lust be­deu­tet, dass tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen am Le­bens­wan­del durch­aus von ei­ner brei­ten ge­sell­schaft­li­chen Mehr­heit ge­tra­gen wer­den kön­nen — wenn die Grün­de nach­voll­zieh­bar und ver­nünf­tig sind.
  • dass das In­ter­net, or­dent­li­cher Zu­gang zum Netz, ein un­ver­äu­ßer­li­ches Grund­recht ist, dass ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be er­mög­licht und nicht ein­fach ge­sperrt oder we­gen In­fra­struk­tur­eng­päs­sen ver­wehrt oder ka­putt­ge­dros­selt wer­den darf.
  • die Er­kennt­nis das Ho­me­of­fice, oder wie man frü­her, zu Zei­ten der Öl­kri­se, sag­te, Te­le­ar­beit, nicht nur ein In­cen­ti­ve für Mit­ar­bei­ter ist, son­dern dass die Mög­lich­keit sei­ne Ar­beit­neh­mer de­zen­tral und orts­un­ab­hän­gig ein­zu­set­zen ein hand­fes­ter Wett­be­werbs­vor­teil für Un­ter­neh­men ist.

Was al­ler­dings mit ziem­li­cher Si­cher­heit blei­ben wird, bei al­len künf­ti­gen Kri­sen: die Angst ums Klo­pa­pier.


die­se ko­lum­ne er­schien zu­erst in der t3n 06/2020 und auf t3n.de. 


Auch wenn Wer­ber im­mer wie­der be­haup­ten, dass Wer­bung Pro­dukt­na­men ver­an­kern soll, dürf­te das ei­gent­li­che Ziel von Wer­bung die Be­ein­flus­sung un­se­rer Wahr­neh­mung sein. Es geht nicht in ers­ter Li­nie um Raf­fa­el­lo oder Marl­bo­ro, son­dern dar­um, beim An­blick von Glimm­stän­geln nicht an Krebs und Hus­ten zu den­ken oder beim An­blick von Ver­gnü­gungs­spei­sen nicht an Ka­lo­rien oder Ka­ri­es zu den­ken.

Im Be­reich der po­li­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert das ge­nau so. Das Ziel von Lob­by­is­mus ist nicht al­lein die vor­teil­haf­te Be­ein­flus­sung von Po­li­ti­kern, son­dern die Kon­trol­le und Ge­stal­tung von Nar­ra­ti­ven – also die Be­ein­flus­sung un­se­rer Wahr­neh­mung.

Zum ers­ten Mal rich­tig klar ist mir die­ses Prin­zip nach dem Le­sen die­ses Ar­ti­kels ge­wor­den: The In­ven­ti­on of Jay­wal­king.

Durch jah­re­lan­ges Lob­by­ie­ren und Be­ein­flus­sen hat es die Au­to­in­dus­trie ge­schafft, ein po­li­tisch-ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem, näm­lich, dass Au­to­mo­bi­le mas­sen­haft tö­ten, zu ei­nem in­di­vi­du­el­len Pro­blem um­zu­de­fi­nie­ren. Die Ar­beit der Au­to­in­dus­trie war so wirk­sam, dass nicht mehr ihre Spre­cher und Lob­by­is­ten Op­fern des Stra­ßen­ver­kehrs die (Mit-)Schuld an Un­fäl­len an­hän­gen müs­sen, das ma­chen wir jetzt selbst, un­ser durch­lob­by­ier­ter „ge­sun­der Men­schen­ver­stand“ oder un­se­re Ge­rich­te – frei­wil­lig, in­spi­riert durch to­xi­sche Nar­ra­ti­ve.

Wer kei­nen Helm trägt, zu we­nig de­fen­siv Fahr­rad fährt oder kei­ne Warn­wes­te an­hat, trägt min­des­tens Mit­schuld an Un­fäl­len.Dass es auch an­ders geht, sieht man in Hol­land, wo das Pro­blem, dass Fahr­rad­fah­ren all­zu oft töd­li­chen­det, po­li­tisch ge­löst wur­de, nicht al­lein durch Ei­gen­ver­ant­wor­tung.

Die­ses Prin­zip der Ent­po­li­ti­sie­rung von Ver­ant­wor­tung durch ge­schick­te Be­ein­flus­sung der öf­fent­li­chen Mei­nung ist eine höchst er­folg­rei­che Stra­te­gie. Ne­ben der Au­to­in­dus­trie be­herrscht es auch die Kunst­stoff-, Zi­ga­ret­ten- oder die Öl­in­dus­trie meis­ter­haft. Wir alle lei­den un­ter die­sen to­xi­schen Nar­ra­ti­ven, die de­ren Lob­by­is­ten in die Welt bla­sen.

Auch beim Kampf ge­gen die Kli­ma­ka­ta­stro­phe.

 




ges­tern zum ers­ten mal am flug­ha­fen­see mit dem hund spa­zie­ren ge­we­sen (um wei­ter in den jung­fern­hei­de forst, wo hun­de- und wild­schwein­aus­lauf­ge­biet ist, zu wan­dern).

der fkk-strannd am flug­ha­fen­see war prop­pe­voll und, ich fand das wit­zig, mund­schutz tru­gen die auch nicht.

im jung­fern­hei­de forst sind wirr dann tat­säch­lich über ein wild­schwein ge­stol­pert als wir ein klei­nes biss­chen vom haupt­weg ab­ka­men. kurz da­nach sa­hen wir, wie ein frei­lau­fen­der hund ohne wei­te­re be­glei­tung mit ei­nem an­de­ren wild­schwein fan­gen spiel­te. 


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seit ich un­se­ren al­ten gas­ofen mit ei­ner ein-euro-tem­pe­ra­tur-son­de und ei­nem vier-euro-ar­dui­no di­gi­ta­li­siert habe, ge­lin­gen auch de­li­ka­te back­her­aus­for­de­run­gen, wie ein new-york-cheese-cake der erst 15 mi­nu­ten bei 180° und dann 70 mi­nu­ten bei 120° ba­cken sol­len.

unser alter ofen
un­ser al­ter ofen

und seit letz­ter wo­che ist die an­zei­ge der ofen-tem­pe­ra­tur, nach ei­ner 15-euro-in­ves­ti­ti­on, auch noch nen ti­cken prak­ti­scher. 

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