das ist keine kunst, sondern eine warnung in einer dönerthek, dass der käse den man auf wunsch ins döner bekommen kann, kein echter käse ist:
KÄSE ART LEBENSMITTELZUBEREITUNG AUS MAGERMILCH UND PFLANZLICHEM ÖL IN SALZLAKE 45% FETT .I. TR
8:15 aufgewacht. wollte eigentlich um 7:30 aufstehen, aber der wecker sah das anders. ix war dem wecker dann aber doch dankbar, weil ich eh vergessen hatte, warum ich so früh aufstehen wollte.
kollegin angerufen, um zu fragen ob sie schon auf der republica ist. kollegin ist nicht rangegangen.
09:41 kollegin ruft zurück, bin nicht rangegangen, weil ich mich gerade über typo3 ärgerte. noch nen kaffee getrunken.
09:50 kollegin angerufen, um zu fragen ob sie schon auf der republica ist. kollegin ist nicht rangegangen.
10:30 zum friedrichstadtpalast gegangen und im friedrichstadtpalast rumgelaufen. viele bekannte gesichter gesehen und viele unbekante gesichter gesehen, die mich ansahen, als ob ich ein bekanntes gesicht hätte.
11:00 vortrag mit vielen bunten visualisierungen der vernetzung der internationalen und amerikanischen blogosphäre gesehen. war fasziniert, wie genaue aussagen man über die deutsche blogoshäre treffen kann, ohne auch nur die leisteste ahnung von deutschen blogs zu haben. ahnung von statistik kann also durchaus zu was nütze sein.
11:30 die kollegin setzte sich neben mich.
11:32 im publikum läuft ein fonsi look-alike herum: cordaustattung, schirmmütze, n bisschen pummelig.
11:50 die diskussion zum status quo des blogdings in deutschland („blogs in deutschand“) angeguckt. das war eine ganz okaye nabelschau, auch wenn robert basic, glaube ich, die ganze zeit kroatisch sprach. ich habe zumindest kein wort von dem verstanden was er sagte. ausser einmal, da hat er einen wutanfall bekommen. er meinte sinngemäss, dass ihn „das negative“ in deutschland total ankotzen würde, diese scheiss negative haltung deutscher blogger, da würde er zuviel kriegen, er fände das total scheisse, dass die leute alles so scheisse fänden. man merkte, diese verdammte negative aggro-haltung in der deutschen blogosphäre kotzt robert basic total an, es schüttelte ihn und er wurde laut. kurz hatte ich das gefühl, dass er kurz davor war auszurasten und selbst was negatives zu sagen. er fing sich dann aber wieder und sprach dann irgendwann wieder im gewohnt ruhigen kroatisch — oder so — weiter.
13:00 döner gegessen, dritten kaffee gekauft, zurück in die firma gegangen um den launch der neuen site zu betrinken. hatte als erster von neun leuten mein sektglas leer. das buffet wurde auch von mir eröffnet.
14:00 in die sonne gesetzt und aufgeschrieben wie ich bisher den tag verbracht habe. gedanken ob das jemanden interessieren würde beiseite gewischt, wie ich das bereits seit 10 jahren tue.
14:30 im friedrichsstadtpalast fiel mir auf, dass ich lieber im dunkeln sitze als in der sonne. trotzdem: es ist sehr, sehr dunkel im friedrichstadtpalast. das publikum ist hier und da durch ein paar spots schummrig beleuchtet, die gesichter der anderen hälfte sind durch die displays ihrer laptops oder netbooks oder ihre mobiltelefone beleuchtet. schön. aber dunkel.
16:20 wieder aufgewacht.
16:30 habe erfahren was rickroling ist und das das 4chan-board postings nach wenigen minuten wieder vergisst. fühle mich in meiner alten these bestätigt, dass einschränkungen und technische beschränkungen der beste dünger für kreativität sind. irgendwann guck ich mir dieses 4chan auch mal an.
18:00 auf der bühne unterhalten sich drei techniker über technik und twitter und twitter-technik. hinter mir unterhalten sich zwei pappnasen darüber, dass sie es scheisse finden wenn die da unten über technik reden. auf der twitterwall wird moniert, dass die techniker sich über technik unterhalten und dass das ja eh schon alles bekannt sei, über was die da reden. ich entscheide mich das gespräch gut zu finden, schweife aber immer wieder in meinen gedanken ab, wenn der twhirl-programmierer monologe hält. max winde versteh ich kaum. cem basmann kann eh sagen was er will, auch langweiliges zeug, ich fände es nicht langweilig.
18:30 johnny haeusler, tanja kreitschmann, nilz bockelberg und eine frau mit CB-funk zeug am kopf laufen 10 minuten auf der bühne auf und ab und stellen sachen auf, verschieben die sachen, spielen an einem laptop rum und gegen 18:40 fangen johnny und nilz an zu schreien. danach gibts technische probleme (kein internet, keine sms-wall, keine twitterwall) die deshalb doof sind, weil das publikum im saal quiz-fragen auf der sms- oder twitter-wall beantworten soll. um die technischen probleme zu überbrücken versucht nilz bockelberg lustig zu sein. johnny ist lustig. ix bin trotzdem gelangweilt und gehe raus.
18:50 holm friebe grüsst mich nachdem ich aus dem klo komme. robert basic grüsst mich und fängt an mit mir zu reden. ich verstehe jedes wort. er ist wirklich nett. allerdings finde ich heraus, dass er gar keine getönte brille trägt, sondern seine dunklen augenringe schatten aufs brillenglas werfen. kosmars neue brille ist dagegegen getönt.
19:30 ich leihe mir in der DVDhek „der mann, der niemals lebte“ aus. mal sehen ob ich der mann werde der niemals den mann der niemals lebte sah, weil er zu müde war.
ich bin ja seit dem 1. januar stolzer besitzer einer bahncard 100. so stolz, dass ich sie bei jeder gelegenheit rumzeigen muss und beinahe gekränkt bin, wenn im montag-morgen zug hamburg-berlin vier andere pappnasen mit der bahcard 100 sitzen. von wegen exklusivität und mal was besonderes haben. neuerdings bekomme ich auf der strecke berlin-hamburg mit der bahncard 100 sogar was zu essen. weil die fahrt ne stunde länger dauert, bekommen fahrgäste auf jeder fahrt nen o-saft, ne käse-schinken-gummi stange oder nen schoko-zucker-donut und 2-4 pralinen. theoretisch könnte ich mich also in den zug nach hamburg setzen, zurückfahren und komme nach 4-5 stunden satt wieder in berlin an.
ausserdem habe ich durch den kauf der bahncard 100 soviele bonus-punkte gesammelt, dass ich 12 mal erste klasse fahren darf. und fahrradfahren mit den bahn-mietfahrrädern kostet mich den rest des jahres auch nichts mehr, zumindest für die ersten 30 minuten. dafür muss man nur einmalig für 25 euro den tarif umstellen lassen, fertig. so bin ich also auch ohne auto ziemlich mobil: ich kann in berlin, hamburg und fast allen anderen grossstädten kostenlos mit bus und strassenbahn fahren, kann jederzeit in einen zug steigen, kann mir ein fahrrad leihen und — das war mir neu — auch autos stundenweise mieten. normalerweise kostet die anmeldung für das db-carsharing knapp 100 euro, für bahncard 100 kunden kostet es nix.
am samstag habe ich es mal ausprobiert. das auto muss man vorher im internet reservieren, ich habe morgens einen ford „fusion“ für anderhalb stunden gebucht, was knap 9 euro kostet, plus neunzehn cent extrakosten pro kilometer (neben dem fusion gibts auch jede menge anderer autos). machte knapp 11 euro, was für das rumgurken durch die halbe stadt zumindest billiger als ein taxi ist. die abwicklung des mietvorgangs scheint auch ziemlich einfach zu sein. nach der reservierung geht man zum parkplatz des autos, in meinem fall ein parkhaus hinterm schaupielhaus am hauptbahnhof, sucht das auto, hält die bahncard 100 an ein kartenlesegerät, das auto enriegelt sich, man steigt ein, nimmt den schlüssel aus dem handschuhfach und fährt los. falls getankt werden muss benutzt man die ebenfalls im handschuhfach liegende tankkarte und lässt die bahn den sprit zahlen. für die abgabe parkt man das auto dort wo man es abgeholt hat, legt den schlüssel zurück ins handschuhfach, und legt die karte erneut aufs kartenlesegerät, was das auto wieder verrieglt.
wenn alles gut läuft, bekomme ich in 2-3 wochen eine rechnung auf der alles stimmt, wenn nicht, eine rechnung die voller sonderposten und extrakosten ist, weil ich das auto 5 minuten zu früh geöffnet habe und im auto gepupst habe.
trotzdem. eigentlich finde ich das ziemlich klasse.
im auto kostete ein monat pendeln zwischen hamburg und berlin (4*2*288 km*35,3 cent) bereits 813 euro. bei sporadischen fahrten ins grüne oder zu meinen eltern ins rheinland oder sonstwohin (mindestens 6 mal jährlich, also 6*2*600km*35,3 cent = 2550 euro) spar ich mich auch reich. die knapp 300 euro die mich die bahncard 100 monatlich kostet, rentieren sich aber auch wenn man die bahnfahrtkosten mit einer bahncard 50 vergleicht.
das wöchentliche pendeln kostete mit einer bahcard 50 ca. 240 euro, monatskarten in hamburg und berlin kann ich mir sparen, macht ca. 100 euro und die 6 grösseren fahrten die ich so im jahr unternehme wären auf den monat runtergerechnet ca. 60 euro, macht pro monat etwas über 400 euro. macht mit der bahncard 100 also 100 euro ersparnis gegenüber der bahncard 50 und 700 euro monatliche ersparnis gegenüber einem golf. für das geld kann ix mir ziemlich oft nen wagen „teilen“ oder mieten. oder taxi fahren.
soll ix dem mehrdorn jetzt irgendwie dankbar sein, oder was?
moni hat bei ihrem sohn an der schule ein plakat gesehen, auf dem die berliner polizei (oder genauer, der „kriminalpolizeiliche staatsschutz“) fotos von schülern wurden abgebildet hat, die bei einer schüler-demo fotografiert wurden. der „staatsschutz“ bittet auf dem plakat um „angaben zur identität“ der „abgebildeten personen“. moni meint, dass es sich bei den abgebildeten offensichtlich um ganz normale schüler handele und auch der fahndungstext ist eher nebulös: die abgebildeten personen seien bei delikten wie „besonders schwerer landfriedensbruch, gefährlicher körperverletzung, volksverhetzng, diebstahl, hausfiredensbruch usw.“ „festgestellt“ worden. festgestellt?
versteh ich nicht. sind sie bei den delikten beobachtet worden? sind sie der tat verdächtig? oder bereits irgendwie in abwesenheit verurteilt worden? ist der vedacht zweifelsfrei vorhanden, dass man die gesichter der schüler einfach so auf ein fahndungsplakat drucken kann und mit den genannten delikten in direkten zusammenhang bringt? macht die polzei das neuerdings bei allen verdächtigen deren identität nicht zweifelsfrei feststeht?
ich mein, es kann ja sein, dass man ladendiebstähle schneller aufklärt, wen man alle kunden eines supermarktes fotografiert und alle die verdächtig aussehen oder zu einem bestimmten zeitpunkt an der ausgeraubten käsetheke standen, auf einem plakat abbildet und die gesichter in der ganzen stadt aushängt. auch mehdorn wäre sicher schneller zurückgetreten, wen die berliner polizei ihn auf einem fahndungsplakat abgebildet hätte und ihn darauf einfach mal vorsorglich öffentlich des bruchs des fernmeldegeheimnisses oder bahnfriedensbruchs verdächtigt hätte.
Was ist das nun aber für eine Gesellschaft, in der junge Menschen, die einmal über die Stränge geschlagen haben, an öffentlichen Orten auf großen Fahndungsplakaten wie Terroristen gesucht werden? Genau wie die penetrante Fotografiererei der Polizei ist diese überbordende Kriminalisierung ein für meine Begriffe völlig unzulässiges Mittel der Repression.
apropos staatsschutz. es wird wirklich zeit, dass mal jemand anfängt bürger vor dem staat zu schützen.
noch nie haben mir regierende, die es ja wahrscheinlich irgendwie „gut meinen“, mehr angst gemacht als in diesen wochen. bekanntlich ist das gegenteil von gut, gut gemeint.
ix hab keine ahnung was die da mit der fläche auf der mal der palast der republik stand machen, ausser, dass dort enorme massen sand angekarrt und verteilt werden.
[nachtrag 26.03.2009] ich habe doch noch rausgefunden was auf der fläche des ehemaligen palasts passieren soll: eine grosse grünfläche mit holzstegen, geplant vom landschaftsarchitekten-büro „relais“. sieht gut aus. und ich wette, es bleibt bis zum jahr 2020 bei der provisorischen grünfläche.
[nachtrag 27.03.2009] mit freundlicher genehmigung der relais landschaftsarchitekten diese visualisierung der übergangsnutzung am schlossplatz.
gestern hab ich im fernsehen wieder ein paar sachen gelernt. die letzte sendung des „kölner treffs“ erfüllte also quasi den öffentlich rechtlichen bildungsauftrag.
1. ich ertrage gundrun landgrebe nicht irgendwie sieht sie ja ganz bezaubernd aus, die landgrebe. so ertrug ich die kameraschwenks die sie zeigten im laufe der sendung völlig problemlos. allerdings — und ich übertreibe nicht — beim ersten satz aus ihrem mund, musste ich sofort vorspulen. ich finde das deshalb bemerkenswert, weil ich sie als schauspielerin, beispielsweise in „das merkwürdige verhalten geschlechtsreifer großstädter zur paarungszeit“ sehr gut aushielt. bemerkenswert auch deshalb, weil ich selbstgefälliges, humorloses und wichtigtuerisches rumgerede manchmal durchaus 5-10 minuten aushalte, zum beispiel bei guido cantz.
2. guido cantz ist nicht witzig guido cantz scheint ganz ausserordentlich diszipliniert und fleissig zu sein, ein echtes arbeitstier, einer der seit bald zwanzig jahren die immergleichen auswendig gelernten pointen in bierzelten und karnevalssitzungen abfeuert, einer der sich für harte und stumpfsinnige arbeit nicht zu schade ist. diese disziplin nötigt mir respekt ab, aber er ringt mir nicht ein einziges müdes lächeln ab.
3. lächeln kann schmerzen die geschwister hofmann, zwei schwäbische schwestern die ihr geld unter anderem mit volksmusik und lächeln verdienen, sehen aus, wie sich die moderatoren in privatradios anhören: immer am lächeln und sich über irgendwas am freuen. die schwestern haben in der sendung 45 minuten dauergelächelt.
4. ich ertrage bettina böttinger nicht also eigentlich ertrage ich sie schon, aber eher mit der eigentümlichen faszination die mich beim betrachten von überfahrenen tieren ergreift. sie schafft es trotz einer mit plattitüden und betroffenheitsrhetorik triefenden gesprächsführung, mit todernstem gesicht und völliger abwesenheit von humor, immer mal wieder gar nicht mal so uninteressantes gespräche hinzubekommen. wirklich unerträglich war wiederum, als sie den kölner oberbürgermeister und einen pfarrer zum eingestürzten kölner stadtarchiv befragte. da wirkte ihre mimik noch staatstragender und maskenhafter als die des oberbürgermeisters. das muss man erstmal hinbekommen.
aber besonders unerträglich ist ihre stolz vorgetragene ignoranz. da fragt die moderatorin diverser fernsehsendungen, in denen prominenten und weniger prominenten teils sehr persönliche fragen gestellt werden, doch tatsächlich, wie man so gestört sein könne, persönliches im internet zu veröffentlichen. wedekind, die seit einiger zeit bloggt, fragt sie:
sie schreiben persönliche dinge, aber die adressaten kennen sie nicht persönlich. ich persönlich unterhalte mich […], sehr altmodisch, lieber mit ner freundin. was ist der sittliche mehrwert […], dass sie das [gegenüber anonymen menschen] im internet tun? sie kennen die die es lesen […] nicht.
faszinierend, wie man im fernsehen sitzen kann und auf eine karriere zurückblickt, die zum allergrössten teil darauf aufbaut, möglichst vielen menschen spanende persönliche geschichten vor der kamera, vor tausenden anonymen zusehern, aus der nase zu ziehen. und wie man das, wenn es im inernet geschieht, in eine frage verpackt, verurteilen kann. aber wahrscheinlich ist das gar keine ignoranz, sondern arroganz.
immerhin antwortete beate wedekind darauf genau richtig, indem sie böttinger darauf hinwies, dass das im journalismus ja nun leider fast immer so ist, dass man die adressaten von dem was man schreibt nicht persönlich kennen würde.
5. bloggen funktioniert beate wedekind wurde unter anderem als „vollblutjournalistin“ vorgestellt. was auch immer das bedeuten soll. es bedeutet wahrscheinlich das gleiche wie „powerfrau“, nämlich gar nix. tatsache ist, dass beate wedekind offenbar gerne und viel zeitungen liest und ein grosses mitteilungsbedürfnis hat. also hat sie angefangen ins internet zu schreiben. in der sendung erfuhr man, dass sie dort ihren speiseplan veröffentlicht, ihre weltsicht und teilweise auch „persönliches“. ausserdem erfuhr man dass sie das quasi als hobby täte, also nichts damit verdient. was ich während der sendung sympathisch fand, war wie wedekind darstellte was daran spass macht: das veröffentlichen und schreiben an sich, das teilen von erlebtem und gelernten, sich dialogen öffnen und die freude daran zu haben, zu sehen, dass es andere (nicht alle) auch interessiert was man so denkt oder tut. ich hatte das gefühl, dass sie begriffen hatte, dass man, wenn man dinge teilt, erfahrungen, gefühle, scheitern aufschreibt, mehr zurückbekommt als man reingesteckt hat. also, dass sie die sogwirkung die „bloggen“ erzeugt oder erzeugen kann, erkannt hat.
wenn man sich dann aber ihr blog ansieht, schüttelt es einen erstmal. ästhetik ist frau wedekind offenbar ein fremdwort, dafür sind ihr begrüssungsformeln und grüsse ein grosses anliegen: jeder eintrag beginnt mit „Liebe Freundinnen und Freunde“ und endet mit
Beste Grüsse Ihre Beate Wedekind Eure Beate
wirklich erschütternd sind ihre vielfältigen meinungen, hier die vom 14.03.2008:
Meine Meinung? Nicht einmal die Eltern scheinen ja an ihn heran gekommen zu sein. Meine Meinung? Unglaublich Meine Meinung? Sauber! Gute Arbeit Meine Meinung? Eine durch und durch undurchsichtige Geschichte. Gut, dass er sich äußert. Meine Meinung? Eine prima Aktion Meine Meinung? Welch brutale Parallelwelt. Meine Meinung? Fataler Kreislauf Meine Meinung? Florian Gallenbergers erster Spielfilm; für einen Kurzfilm hat er schon einen Oscar bekommen. Hauptdarsteller Ulrich Tukur: grandioser Schauspieler Meine Meinung? Die Kölner Gebäude sind wirklich spektakulär. Die Nachbarschaft hat dennoch unter ihnen gelitten. Meine Meinung? Thesen, die unsere Hilflosigkeit nur unterstreichen. Meine Meinung? Das greift tatsächlich um sich. Meine Meinung? Sie hat sich doch gut wieder gefangen. Meine Meinung? Sehr sehr traurig und vollkommen unverständlich. Meine Meinung? Die armen Kinder. Meine Meinung? Eine der entwürdigendsten Gesten auf der ganzen Welt Meine Meinung? Interessant Meine Meinung? Vom alten Wissen der Hexen und Heiler. Meine Meinung? Da kommt der Appetit von ganz allein. Meine Meinung? Nur was für Schwindelfreie.
meine lieblingsmeinung? eindeutig das prägnante und differenzierte „Die armen Kinder“!
trotzdem. trotz all der typografischen und sprachlichen schrecklichkeiten, das blog von beate wedekind zeigt das grossartige am bloggen: jeder kann es. journalisten und manche blogfatzkes finden das ganz schrecklich, dass einfach jeder seine meinung, seine ergüsse veröffentlichen kann (obwohl die journalisten und fatzkes meisten das wort „dürfen“ wählen). ich finde es grandios. und es funktioniert. na gut. bei mir persönlich funktioniert „WAS GIBT’S NEUES.... ? Von Beate Wedekind, 57“ nicht, aber irgendwo, bei irgendwem, funktionierts. im prinzip.
ein kommentator bei stefan niggemeier schrieb heute:
Nur Menschen, die sich für so wichtig halten, dass sie der Welt miteilen müssen, was sie grade tun und denken, twittern. Und im Zweifelsfall ist alles von Belang.
[den kommentar halte ich für eine relativ exemplarische meinung zu twitter, insbesondere in diesem kommentarstrang. ich habe den jetzt nur zufällig rausgepickt.]
hm. das gegenteil von der welt etwas mitzuteilen ist schweigen. wäre die welt besser, wenn alle schwiegen? sollte der mitteilungsdrang reguliert werden, so dass sich nur noch zertifizierte meinungs-, befindlichkeits- und denk-experten mitteilen dürfen? oder anonyme supatopchecker in niggemeiers kommentaren?
naja. ich rege mich manchmal auch über den quark auf, der am nebentisch geredet wird. oder über die blödsinnigen kommentare bei stefan-niggemeier.de. oder über den hirnlosen mist, den turi2 schreibt. nur stelle ich deshalb nicht die gesprochene sprache in frage, oder verurteile andere, die zufällig auch die gesprochene sprache, blogs, twitter oder das fernsehen benutzen um sich, ihre meinung oder ihr wissen mitzuteilen.
was genau ist daran so schwer zu verstehen, dass nicht twitter der grund für den blödsinn ist der auf twitter zuweilen steht, sondern dass blödioten der grund sind für den blödsinn der auf twitter steht?
Christian Rach ist Saarländer. Er hat daher einen guten Draht zu Leuten auf jedem Level. Da gibt es keine Attitüde, aber auch keine bemühte Leutseligkeit. Es geht um die Sache, ohne die Personen dabei gering zu schätzen. Rach verliert bei solchen Besuchen zwar oft die Fassung, aber er brüllt und tobt nie, wie sein britischer Kollege Gordon Ramsay, sondern findet für seine Empörung deutliche, aber nie demütigende oder herabsetzende Worte. […] Rachs Kriterien sind, wie die eines jeden guten Kritikers, klar und für jeden nachvollziehbar: Einrichtung übersichtlich halten, viel selber kochen, viel sparen und allgemeine Sauberkeit und Umsicht walten lassen. Es sind Kriterien, die sich auf nahezu alle Branchen übertragen lassen.
das ist ganz grossartig geschrieben und der text kommt zudem ganz ohne katzen aus. würde man mich in die grimme online jury wählen, würde ich minkmar für diesen artikel einen goldenen dings verleihen.
ebenso verdient malte welding allein für diesen satz einen preis:
Wir sind im Arsch, aber dafür riecht’s hier gar nicht schlecht.
eigentlich verdient er für jeden satz dieses artikels einen preis.
um den bogen zu schliessen, zitiert malte am ende des artikels nils minkmar, der sagt, dass der letzte satz in camus „Der Mythos des Sisyphos” unsinn sei (der satz lautet „Man muß sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“). er schliesst sich minkmar an und sagt:
So einfach, so wahr. Man muss sich Franz Müntefering als unglücklichen Menschen vorstellen.
ich habe camus übrigens nie verstanden. ich wollte ihn immer verstehen, weil ich ahnte, dass das was er schreibt klug sein könnte und weil er immer so schicke klamotten trug. aber ich habe ihn nie wirklich verstanden. trotzdem glaube ich, dass eher camus als welding und minkmar recht haben. den stein muss sisyphos eh hochrollen, dazu hat ihn ja irgendein arschloch verdammt. wäre er unglücklich, hätte er eine doppelte last zu rollen: den stein und sein unglück. sich bei dieser scheiss-arbeit glücklich zu fühlen, darin eine erfüllung zu sehen, macht die ganze sache erheblich einfacher. ich arbeite im übrigen auch daran, künftig glücksgefühle beim erstellen meiner steuererklärung zu erleben. noch schaffe ich das nicht, aber ich weiss, ich kann es. irgendwann einmal.
heute abend war ich um 20 uhr mit zwei freunden im prassnik verabredet. ich habe in den letzten 5 jahren in berlin nicht herausfinden können, wann das prassnik aufmacht, ausser, dass es immer zu ist, ausser es ist nach 20 uhr. also habe ich mich die zweieinhalb stündchen bis acht in die neue odessa bar in der torstrasse gesetzt. das habe ich im sommer hin und wieder gemacht, wenn ich im prassnik verabredet war oder wenn die bvg streikte und ich zu fuss nach hause laufen musste und auf dem weg ein, zwei bierchen zu mir nehmen wollte. das eine oder andere mal habe ich mich auch gleich in der neuen odessa bar verabredet, es soll ja leute geben, die auch gerne schon vor 20 uhr bier trinken. beim biertrinken schaue ich — zumindest solange ich alleine bin — bevorzugt in meinen laptop. da stehen meistens dinge drin, die mich interessieren, manchmal schreibe ich beim biertrinken auch dinge in meinen laptop rein. so verbringe ich im übrigen meinen feierabend am liebsten. biertrinkend in den laptop schauend. (arbeit ist, kaffee-trinkend in den laptop zu schauen.)
nachdem ich heute abend dann in der odessa bar nach zwei stunden und zwei bier (mit zwanzig prozent trinkgeld) bezahlte, kam die bedienung nach 5 minuten nochmal angetrippelt, beugte sich zu mir herunter und sagte mir „eigentlich sind hier laptops nicht so gerne gesehen“.
bisher hat mein laptop in der gastronomie nie zu problemen geführt, ausser einmal glaube ich, da wollte das fellas in der stargarder mal für ne weile laptop-benutzer verscheuchen, damit die anderen gäste besser fussball gucken konnten oder sich nicht von laptops belästigen lassen mussten. ich weiss nicht ob das mittlerweile, wo kaum noch fussball gespielt, bzw. gezeigt wird, geändert hat, ich kanns ja nicht nachprüfen, wenn ich dort nicht mehr hingehe.
auch in der odessa bar kann ich nicht nachprüfen ob dort demnächst handys nicht mehr „so gerne gesehen“ werden, oder ob die betreiber künftig die lektüre der FAZ in ihren räumlichkeiten unterbinden wollen. kann ja sein und ist auch deren gutes recht. wo kämen wir denn hin, wenn jeder selbst bestimmen kann wie und welche medien er in der gastronomie zu konsumiert.
twitter hat, wie das geasamte internet, ungeahnte potenziale. man denkt ja, nicht nur in seriösen redaktionsstuben, dass das was auf twitter so abgesondert wird, völlig irrelvanter quark ist. tatsache ist aber, dass twitter ein kommunikativer sprengsatz innewohnt. befindlichkeiten kann ich nirgendwo effektiver kommunizieren als bei twitter. nur ein beispiel: als ich aus der premiere von „matrix revolutions“ spazierte, fing mich damals ein fernsehteam vom 2DF ab und interviewte mich kurz zu meinen eindrücken. meine unmassgebliche meinung (dass der film scheisse ist) wurde damals wirklich zur primetime im 2DF gesendet. das feedback dazu waren ca. 3 SMS von leuten die mich erkannt hatten. sondere ich meine meinung zu einem gesehenen film über twitter ab, sprechen mich danach mindestens doppelt so viele menschen darauf an, wie damals, zur primetime im 2DF.
ähnlich verhält es sich mit persönlichen mitteilungen. als die beifahrerin achtlos und stark verschlüsselt twitterete, dass wir überlegten uns aus steuerlichen gründen zu vermählen, wusste kurz danach die gesamte verwandschaft bescheid ohne dass wir auch nur einen einzigen angerufen hatte. ein einziger tweet kann in etwa so effektiv wie 60 minuten am telefon sein.
mittlerweile erfahre ich über twitter mehr über die befindlichdlichkeiten und den gesundheitszustand der verwandschaft, als über das telefon (und als mir lieb ist). hier kommt neuerdings ein gehöriges digitales gefälle ins spiel. am wochenende erreichte mich ein besorgter anruf der verwandschaft, dass ich das was ich auf twitter gelesen haben könnte, doch bitte nicht unbedacht telefonisch weitergeben solle, da man es der offline-verwandtschaft doch lieber persönlich, telefonisch mitteilen wolle.