[Blog­ein­trag]

Sascha Lobo

Heu­te möch­te ich end­lich drü­ber schrei­ben, wie [schein­ob­jek­ti­ve Be­find­lich­keit], vor al­lem, weil ich [ab­stru­se kau­sa­le Ver­ket­tung]. Den An­lass dazu hat mir [Blogroll­mit­glied] ge­lie­fert, der neu­lich mit [Nicht­blogroll­mit­glied] an­ein­an­der­ge­ra­ten ist, es ging um ir­gend­was [ir­gend­was], so ge­nau habe ich es nicht ver­stan­den [op­tio­na­le Iro­nie­an­zei­ge]. [Un­nö­ti­ge Be­mer­kung zu Recht­schreib­feh­lern].

Das The­ma ist na­tür­lich ziem­lich kom­plex, wur­de aber neu­lich schon von [A-Blog­ger] su­per auf den Punkt ge­bracht: [ver­link­tes Zi­tat aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen, das die zu be­spre­chen­de The­ma­tik al­len­falls streift]. Ich sage ja schon längst, dass [A-Blog­ger] ganz im Ge­gen­satz zu [an­de­rer A-Blog­ger, je nach Mut auch B- oder C-Blog­ger] wirk­lich ein ganz tol­ler [irr­wit­zig un­sub­ti­le Schlei­me­rei]. Ja, [wie­der ers­ter A-Blog­ger] soll­te end­lich [Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­va­ri­an­ten].

[Kat­zen­fo­to]

Aber zu­rück zum The­ma [nichts­sa­gen­des Schlag­wort in An­füh­rungs­zei­chen], das in Ame­ri­ka üb­ri­gens [ei­lig mit Tech­no­ra­ti und dict.leo.org zu­sam­men­ge­klopp­ter, ver­link­ter Zu­sam­men­hang] wie auch [noch­mal], [noch­mal] und [noch­mal] be­wei­sen! [Ta­ges­ak­tu­el­le An­deu­tung], nanu, dach­te ich, das habe ich doch schon ir­gend­wo mal ge­hört [mas­si­ver Ein­satz von Iro­nie­ele­men­ten]. Stimmt, [flä­chig vor­ge­tra­ge­ne All­ge­mein­plät­ze mit Ex­press-On-Co­ver®], [dif­fu­ser emo­tio­nal-pri­va­ter Be­zug], und ge­nau das ist auch der Grund, wes­halb ich mit [be­lie­bi­ges Blog] nichts an­fan­gen kann. Ganz ne­ben­bei ist [be­lie­bi­ges Blog] nicht mal ein ech­tes Blog, weil [be­lie­bi­ges Fea­ture] fehlt! Auch heisst es [Ar­ti­kel] Blog und nie­mals [an­de­rer Ar­ti­kel] Blog!

Mehr noch, [zu­sam­men­hangs­lo­ses Be­schimp­fungs­ri­tu­al des im­mer­glei­chen Per­so­nen­krei­ses]. [Von Ver­zweif­lung zeu­gen­de Rück­ver­si­che­rung, dass die als ei­ge­ne Crowd emp­fun­de­nen Per­so­nen hin­ter ei­nem ste­hen], oder irre ich mich?

Mei­ne Mei­nung sage ich da ganz of­fen, näm­lich [Un­sinn] und [Quatsch], ob­wohl [kein Ge­gen­satz]. Ein­deu­tig am wich­tigs­ten ist [Ge­schwur­bel]. Aber es herrscht Mei­nungs­frei­heit, das fin­de ich ganz be­son­ders für Blogs wich­tig, des­halb ak­zep­tie­re ich auch an­de­re Mei­nun­gen, wenn sie [um­for­mu­lier­te ei­ge­ne Mei­nung] ent­spre­chen. Aus­ser­dem weiss ich nicht, ob [ir­gend­was an­de­res als Blog­gen] für das Pro­blem das [falsch be­nutz­tes Fremd­wort für ‚rich­ti­ge’] Mit­tel ist. Aber ich bin auch ja nur [kei­nes­falls Ernst ge­mein­te Ver­min­de­rung der ei­ge­nen Per­son mit der im­pli­zi­ten Hoff­nung auf Wi­der­spruch in den Kom­men­ta­ren].

[Ab­gren­zen­de Schluss­for­mel mit un­ge­len­ker Re­ak­ti­ons­auf­for­de­rung], sage ich mal und dann geht es wirk­lich [ha­ne­bü­che­ne, nichts­des­to­trotz mas­siv ab­ge­lutsch­te Me­ta­pher].


auf­ge­taucht

felix schwenzel


Hass

Stefan Niggemeier

Der Pau­le aus Wup­per­tal hat jetzt mal ein Foto ge­macht von dem Feind. In der Wup­per­ta­ler Schwe­be­bahn ha­ben sie ge­ses­sen, Va­ter mit Voll­bart, Mut­ter und drei Kin­der ver­schlei­ert, klar: Is­la­mis­ten. Die woll­ten das nicht, klar, und ei­ni­ge Fo­tos, die er ge­macht hat, konn­te der Pau­le prak­tisch weg­wer­fen hin­ter­her, weil die Frau ihre Au­gen mit ih­ren Hän­den ver­deckt hat. Aber der Pau­le ist nicht blöd, und so hat er beim Aus­stei­gen noch mal die Ka­me­ra auf die El­tern ge­rich­tet, „so dass die nicht er­war­tet ha­ben, daß man sie fo­to­gra­fiert“. Das Foto hat er dann an den Ste­fan Her­re ge­schickt, der be­treibt „das po­li­tisch in­kor­rek­te Web­log in Deutsch­land“, das wird so­gar von be­kann­ten Ver­tre­tern des po­li­ti­schen In­kor­rek­tis­mus wie Hen­ryk M. Bro­der emp­foh­len. Und die­ser Ste­fan Her­re also hat das Foto von den bei­den Men­schen, die nicht fo­to­gra­fiert wer­den woll­ten, auf sei­ne Sei­te ge­stellt und aus der E-Mail von Paul zi­tiert. Er hat „Mehr Bur­kas und Bär­te in Wup­per­tal“ dar­über­ge­schrie­ben und sei­ne Le­ser auf­ge­for­dert, ihm ähn­li­che „aus­sa­ge­kräf­ti­ge Zu­sen­dun­gen“ zu­kom­men zu las­sen.

Es gab dann in den Kom­men­ta­ren ein paar ver­ein­zel­te kri­ti­sche Stim­men, ob das nicht und­freund­lich oder gar ver­bo­ten sei, Leu­te ge­gen ih­ren Wil­len zu fo­to­gra­fie­ren und das dann zu ver­öf­fent­li­chen. Aber ers­tens sind die ja selbst schuld, wenn sie sich ver­schlei­ern und nicht ra­sie­ren und so. Und zwei­tens kann man die­se Is­la­mis­ten doch eh nicht aus­ein­an­der­hal­ten, des­halb ha­ben sie auch kein Recht am ei­ge­nen Bild: „zu­min­dest ver­schlei­er­te frau­en darf man auf­neh­men wo und wann man will, da sie nicht als in­di­vi­du­en er­kenn­bar sind.“

Die Dis­kus­si­on da­nach ist ein­drucks­voll. Das Syn­onym für Deut­sche lau­tet „‚nor­ma­le’ Ein­woh­ner“, Aus­län­der sind Kri­mi­nel­le und Schlä­ger. Über das Foto, das – wie ge­sagt – nichts wei­ter zeigt als ei­nen bär­ti­gen Mann und eine ver­schlei­er­te Frau, die in der Schwe­be­bahn sit­zen, schreibt je­mand: „Eine Ge­sell­schaft, die sich das bie­ten lässt, ist selbst schuld, wenn sie un­ter­geht.“ Und ein an­de­rer: „Al­lei­ne wenn ich mir die­sen Ty­pen auf dem Bild an­se­he,kann es ja wohl nicht ver­kehrt sein, wenn sein Bild ir­gend­wo ge­spei­chert bleibt. Denn so­was, wie der, passt zu­min­dest von der Op­tik ge­nau in das Ras­ter de­rer, die Flug­zeu­ge klau­en U-Bah­nen ind die Luft ja­gen usw. (...)“ Und ein drit­ter: „(...) wer­de ich wei­ter­hin ver­su­chen un­se­ren Mos­le­mi­schen ‚Freun­den’ [Feu­er] un­term Hi[n]tern zu ma­chen (...)“ Ei­ner schreibt von den „Sä­cken“ und tut es so, dass nicht ganz klar ist, ob er da­mit die Bur­kas meint oder die Mos­lems.

Noch be­ein­dru­cken­der als den Frem­den­hass an sich fand ich zu­nächst den Stolz, mit dem er hier zur Schau ge­stellt wird, ge­le­gent­lich noch als Ver­tei­di­gung der De­mo­kra­tie ver­brämt. Aber das liegt si­cher nur an mei­ner Nai­vi­tät, denn be­stimmt kommt der Frem­den­hass schon längst be­vor­zugt in die­ser Form da­her: nicht ver­druckst, la­tent, un­ter­schwel­lig, son­dern mit der Fan­fa­re: Wir ret­ten das Land, das Volk, die De­mo­kra­tie! Das ko­ket­te mo­di­sche La­bel „po­li­tisch un­kor­rekt“ ist ein Mar­ken­zei­chen da­für: Man hält sich na­tür­lich für po­li­tisch kor­rekt und gibt sich als un­ter­drück­te Min­der­heit - so als hät­te man nicht zum Bei­spiel die mit Ab­stand größ­te deut­sche Ta­ges­zei­tung auf sei­ner Sei­te. Und wo­mög­lich den Volks­zorn ei­ner schwei­gen­den Mehr­heit.

Vie­le Kom­men­ta­re sind von him­mel­schrei­en­der Ah­nungs­lo­sig­keit. Als ei­ner meint, dass der Ab­druck von Fo­tos, die ohne Ein­wil­li­gung ent­stan­den sind, doch ver­bo­ten sei, ant­wor­tet ein an­de­rer: „Nein - nur die kom­mer­zi­el­le Nut­zung wäre ver­bo­ten.“ Hey, das stimmt zwar nicht, klingt aber su­per sou­ve­rän. Wo­her der Hass kommt, das kann ich theo­re­tisch noch nach­voll­zie­hen. Aber wo­her neh­men die­se Leu­te das Selbst­be­wusst­sein, ne­ben ih­rer Men­schen­ver­ach­tung auch ihre Dumm­heit so de­mons­tra­tiv zur Schau zu stel­len?

Der Pau­le ist un­ter­des­sen be­stimmt schon wie­der mit sei­ner Ka­me­ra un­ter­wegs und kämpft für eine bart­lo­se Ge­sell­schaft. Viel­leicht hat er die Ka­me­ra auch weg­ge­legt und macht den Mos­lems schon Feu­er un­term Hin­tern. Ei­ner muss es ja tun.

[Up­date hier]


Der zwei­te Obst­gar­ten

Sascha Lobo

Ei­gent­lich bin ich ge­ra­de dem Glück am Tag auf der Spur. Mei­ne ak­tu­el­le Theo­rie ist, dass zwei un­ter­schied­li­che Her­an­ge­hens­wei­sen Glück in­du­zie­ren kön­nen. Zum ei­nen der Glück­step­pich, also ein be­stän­di­ges Ge­fühl, fein ge­wo­ben aus vie­len gu­ten und schö­nen Din­gen, von de­nen man weiss oder glaubt zu wis­sen, dass sie mor­gen auch noch da sind. Zum an­de­ren ein Stak­ka­to von Glückspeaks. „Alt wie die Nacht, Du Arsch­na­se’ muss ich mir jetzt von den Kno­wing Peo­p­le an­hö­ren, aber ich wuss­te bis zur Gen­der-Vor­le­sung Som­mer­se­mes­ter 1998 „Li­te­ra­tur und Frau“ an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin auch nicht, dass Shake­speare ei­gent­lich drei Les­ben wa­ren.

Mei­nen lös­li­chen Kaf­fee trin­ke ich aus ei­nem gros­sen Glas und das passt in die Beu­le der Hei­zungs­ab­de­ckung ne­ben mei­nem Schreib­tisch, so bleibt der Kaf­fee ganz lan­ge warm und das ist ja wohl nur geil. Noch dazu wur­de mei­ne Hei­zung wahr­schein­lich von Leu­ten ent­wor­fen, die die Um­welt has­sen, denn sie heizt so un­wahr­schein­lich schnell und gut, das kann nicht öko­lo­gisch sein. Aber man macht sie an und die Hit­ze schiesst ei­nem über die Haut, dass es krib­belt. Mei­ne Hei­zung. Im Win­ter.

Im Som­mer; zwi­schen den Kas­ta­ni­en­blät­tern blin­zelt die Son­ne hin­durch und ich blin­ze­le zu­rück, schaue run­ter, zwi­schen den Köpf­chen­stein­pflas­ter­stei­nen des Geh­wegs ist ein Amei­sen­auf­wurf, aber nein - eine Hum­mel klet­tert her­aus und es ist ein Hum­mel­auf­wurf! Ewi­ges Rät­sel Hum­mel, war­um gräbst Du Dich in die Erde, wo Du am höchs­ten Punkt der Kas­ta­nie Dein Nest bau­en könn­test? Rat­los, aber trun­ken vor Glück, man muss dann ste­hen blei­ben und wird un­si­cher in den Knien.

Jen­ni­fer. Wir ha­ben ver­sucht, Sex zu ma­chen, als wir sechs wa­ren. Ich wuss­te noch nicht, dass eine Erek­ti­on hilft und dass es um eine Rein-und-Raus-Be­we­gung geht. Trotz­dem su­per.

Die graue Hose, eine Jeans­ho­se, die ich in Rom ge­kauft habe. Ge­tra­gen Tag um Tag, bis sich eine stren­ge Kopf­no­te im Bou­quet kaum mehr leug­nen liess. Dann aus pu­rer Ho­sen­lie­be mit der Hand ge­wa­schen und auf dem Dach­bo­den, von meh­re­ren Fa­mi­li­en ge­nutzt, auf­ge­hängt. Ich habe die Hose ver­ges­sen und die Stra­fe war, dass sie nach zwei oder drei Wo­chen von lust- und sinn­lo­sem Her­um­ge­trock­ne ver­schwun­den war. Viel, viel spä­ter, eher Jah­re als Mo­na­te, muss ich ei­nen Ka­ter su­chen, auch auf dem Dach­bo­den, gehe um die Ecke, um die ich nie ging, weil ein­mal ein ske­let­tier­ter Pfer­de­schä­del an ei­nem Dach­bal­ken hing und auf ei­nem Hau­fen stau­bi­ger Stei­ne liegt kein Ka­ter, aber Müll und mei­ne Hose und ich muss nie­der­knie­en und ir­gend­je­man­dem dan­ken, und weil ge­ra­de nie­mand an­de­res da ist, neh­me ich halt Gott, so what, hier, Gott, ich glau­be nicht an Dich aber ge­nau jetzt möch­te ich Dir mei­ne Freu­den­trä­ne wid­men, wär­di­to­kee, ja, wa? War okay, kei­ne Be­schwer­den.

Frü­her, ganz früh so­gar, war­um spielt frü­her im­mer im Som­mer oder es liegt Schnee? Es war je­den­falls Som­mer, bei mei­ner Tan­te im Haus, mein On­kel ist Im­ker. Als Hob­by, ei­gent­lich Ar­chi­tekt, „Bie­nen be­frei­en“, sagt er mit sei­nem Au­gen­brau­en-Ge­sicht, die Hän­de stop­fen die Pfei­fe mit exo­ti­schem Frucht­ta­bak. Nachts ma­che ich ins Bett im Schlaf; gu­ter Trick, bis heu­te stolz drauf: Gross­flä­chig Oran­gen­saft über Bett und im gan­zen Zim­mer und schnell für die Un­ge­schickt­heit ent­schul­di­gen. Ir­ri­tier­ter Blick der Tan­te, aber sie ahnt nichts, und als mich eine von den Bie­nen sticht, ob­wohl sie Bir­ken­ho­nig sam­meln soll­te, darf ich ei­nen Obst­gar­ten von Ger­vais. Nur ei­nen, aber der war so gut, so gut, cre­mig und sah­nig und al­les, das gab es zu Hau­se nie.

- Darf ich noch ei­nen?
- Nein, man muss auch ver­zich­ten kön­nen!

Den zwei­ten klaue ich aus dem Kühl­schrank und esse ihn mit der zu­sam­men­ge­roll­ten Deck­fo­lie als Löf­fel­er­satz hin­ten im Gar­ten, ganz in der Nähe von dem Ort, wo mich die Bie­ne ge­sto­chen hat, als ich das Nach­bars­mäd­chen beim pin­keln in der Ho­cke be­ob­ach­tet habe. Der zwei­te Obst­gar­ten, was soll ich sa­gen, der zwei­te Obst­gar­ten, das ewi­ge Pa­ra­dies, nichts wird je her­an­rei­chen.


Un­epi­so­de 15

Sascha Lobo

Über Schimpf­wör­ter im All­ge­mei­nen nach­ge­dacht, als mich ein Su­per­hir­sel auf der Stras­se ge­schnit­ten hat, als ich ge­ra­de ei­nen an­de­ren Su­per­hir­sel schnei­den woll­te - Spur-Nap­ping, der neue ur­ba­ne Trend für den le­ge­re-ag­gres­si­ven Kraft­fahr­zeug­füh­rer. Ich woll­te sei­ner­zeit zu die­ser Dis­kus­si­on auch et­was schrei­ben, habe ich dann aber nicht, weil ich Jan noch ein T-Shirt-Shul­de. Hier­mit nach­ge­holt: Wich­ser ist ei­nes mei­ner be­vor­zug­ten Schimpf­wor­te, aber wenn ich wich­sen für et­was Schlech­tes hiel­te, wür­de ich wohl auf dem fal­schest­mög­li­chen Blog Ur­laubs­ver­tre­tung ma­chen. Und was ist jetzt mit ‚schwul’ als Schimpf­wort? Ich weiss es doch auch nicht, po­li­ti­cal cor­rect­ness ist ein Krampf, Ho­mo­pho­bie ein Su­per­krampf, gleich­zei­tig prä­gen Wor­te durch­aus das Be­wusst­sein, ver­damm­te Ka­cke, ein Di­lem­ma, also ein Pro­blem ohne Lö­sung. Viel­leicht schon mal drin suh­len, so als Übung für den Um­gang mit dem Nah­ost­kon­flikt.


Un­epi­so­de 16

Sascha Lobo

Heu­te ei­nen Geis­tes­kran­ken mit ei­ner His­bol­lah-Fah­ne am Auto ge­se­hen. Was die WM al­les mög­lich ge­macht hat. Was soll man ei­gent­lich von Leu­ten hal­ten, die jetzt im­mer noch Deutsch­land-Fah­nen an Haus- und Au­to­fens­tern ste­hen ha­ben. Das Glei­che wie frü­her? Ich den­ke schon.


Un­epi­so­de 17

Sascha Lobo

Die Stadt liegt sinn­los heiss und leer da wie eine Herd­plat­te, von der man den bro­deln­den Topf her­un­ter­ge­nom­men hat. Alle sind im Ur­laub, die Leu­te, die man noch auf der Stras­se sieht, auch. Und Ju­ra­stu­den­ten, die für Klau­su­ren ler­nen, die sind auch da, die sind im­mer da, aus ih­nen wer­den spä­ter wohl vie­le, vie­le, über­vie­le An­wäl­te. Schlimm, was ist ge­fähr­li­cher als ein un­ter­be­schäf­tig­ter Rechts­an­walt? Ein Affe mit ei­nem Ge­wehr? Ein her­ren­lo­ser Gar­ten­schlauch, aus dem Salz­säu­re spritzt?


Er­fah­rungs­be­richt

Sascha Lobo

Ich hat­te mal zwei kas­trier­te Hams­ter, die sich hef­tig quie­kend strit­ten; ich war erst et­was be­sorgt, habe dann aber den Kä­fig in den Kel­ler ge­stellt, das Licht aus­ge­macht und das Pro­blem war er­le­digt. Die Woh­nung roch auch viel bes­ser, wie mir Be­su­cher spä­ter mehr­fach be­stä­tig­ten.


raus­ge­goo­gelt?

Stefan Niggemeier

Viel­leicht kann ich den Lu­xus, ver­tre­tungs­wei­se über ein Blog mit Kom­men­tar­funk­ti­on (!) zu ver­fü­gen, mal nut­zen, um auf die Kom­pe­tenz der wir­res-Le­ser­schaft zu­rück­zu­grei­fen:

Seit ganz kur­zem taucht BILD­blog nicht mehr un­ter den ers­ten Tref­fern auf, wenn man nach „Bild“ goo­gelt. Vor­ges­tern noch wa­ren wir der zwei­te Tref­fer (gleich nach „Bild“ selbst), im Mo­ment tau­chen wir nicht mal un­ter den ers­ten 100 Tref­fern auf (wei­ter habe ich nicht ge­sucht). Un­ser Pa­ge­rank ist, so­weit ich das er­ken­nen kann, un­ver­än­dert. Was ist da pas­siert?


In me­mo­ri­am

Stefan Niggemeier

Eli­sa­beth Volk­mann

Tu­ri & Fon­si

Stefan Niggemeier

Von Paul Watz­la­wik stammt der be­kann­te Satz: „Man kann in ei­ner so­zia­len Si­tua­ti­on nicht nicht-kom­mu­ni­zie­ren.“

In Blogs ver­schärft sich die Lage dra­ma­tisch. Hier gilt der nicht so be­kann­te Satz: „Man kann in Blogs nicht nicht-kom­men­tie­ren.“

Die Mög­lich­keit, je­man­den, den man für drin­gend igno­rie­rens­wert hält, ein­fach zu igno­rie­ren, exis­tiert hier nicht. Statt­des­sen schreibt man in sein Blog, war­um je­mand drin­gend igno­riert wer­den soll­te, und igno­riert ihn also nicht. Es folgt eine län­ge­re Kom­men­tar­schlacht, in der es wie­der­um un­mög­lich ist, ver­nach­läs­si­gens­wer­te Be­mer­kun­gen ein­fach zu ver­nach­läs­si­gen. Bes­ten­falls wer­den aus be­son­ders ab­we­gi­gen Dis­kus­sio­nen Me­ta­dis­kus­sio­nen über ihre Ab­we­gig­keit.

Es scheint kei­ne [igno­re]-Funk­ti­on im Netz zu ge­ben.

Bei der „Tier-Nan­ny“ im Fern­se­hen sieht man fast jede Wo­che, dass es nicht hilft, das Ver­hal­ten ei­ner kläf­fen­de Töle zu än­dern, in dem man sie am Hals­band zieht, an­brüllt, schlägt, tritt, ein­sperrt, mit ihr schimpft, ihr das Spiel­zeug oder das Fres­sen weg­nimmt. Das ein­zi­ge, was ko­mi­scher­wei­se fast im­mer hilft, je­den­falls bei der „Tier-Nan­ny“ im Fern­se­hen: sie nicht be­ach­ten. (Die Töle, nicht die „Tier-Nan­ny“.)

Men­schen sind nicht gut dar­in, und Blog­ger kön­nen es gar nicht. Ich auch nicht. Des­halb ist auch dies ei­ner die­ser Mil­lio­nen Ein­trä­ge, die ei­gent­lich nicht ge­schrie­ben wer­den soll­ten, weil sie nur Auf­for­de­rung zum Igno­rie­ren sind und das Ge­gen­teil tun und er­rei­chen. Aber ich trös­te mich da­mit, dass ix auch nie sei­ne Klap­pe hal­ten kann, wenn es bes­ser wäre zu schwei­gen, und auch et­was dazu ge­bloggt hät­te, nur wahr­schein­lich kür­zer und wit­zi­ger.

Und jetzt kommt, was ich im­mer schon mal schrei­ben woll­te: ein Dis­clai­mer. Nein, gleich zwei.

1.) Ich habe Ende der 90er Jah­re als frei­er Mit­ar­bei­ter für den „Kress Re­port“ ge­ar­bei­tet, als Pe­ter Turi dort Chef war. 1999 habe ich ge­kün­digt und war nicht un­glück­lich, in der Zeit da­nach un­ge­fähr nichts mit Pe­ter Turi zu tun ge­habt zu ha­ben.
2.) Ich habe im Som­mer 2004 im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Ar­ti­kel, den ich über die „Net­zei­tung“ ge­schrie­ben habe, und der nach­fol­gen­den, lan­gen und hef­ti­gen ju­ris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung sehr un­an­ge­neh­me Er­fah­run­gen mit Rai­ner Mey­er Don Al­phon­so ge­macht, der sich ei­nen Kör­per mit Don Al­phon­so Rai­ner Mey­er teilt.

Turi und Fon­si mö­gen sich nicht. Wenn die bei­den öf­fent­lich mit Förm­chen auf­ein­an­der wer­fen oder sich an den Haa­ren zie­hen, weiß ich nicht, wen ich ge­win­nen se­hen möch­te. Ei­gent­lich wäre dann die nor­ma­le Re­ak­ti­on, weg­zu­gu­cken – die Freu­de und Span­nung beim Ver­fol­gen ei­nes Wett­kamp­fes ent­steht doch auch vor al­lem da­durch, dass man ei­ner Sei­te die Dau­men drückt. Oder na­tür­lich da­durch, sich ganz all­ge­mein an der Tech­nik, dem Ta­lent, der Kunst der Wett­kämp­fen­den zu er­freu­en – aber da­von kann hier wirk­lich kei­ne Rede sein.

Nein, ich weiß nicht, war­um ich mir das im­mer wie­der an­gu­cke und durch­le­se, wenn die sich mit­ein­an­der kab­beln. Das ist ein ge­ne­ti­scher De­fekt von mir: Ich kann auch nicht um­schal­ten, wenn mich auf Neun Live zu­ge­koks­te Mo­de­ra­to­ren an­brül­len, dass der Hot But­ton je­den Au­gen­blick zu­schla­gen kann und die Uhr nicht auf Null läuft. Das ist die­ser be­kann­te Ef­fekt, den Blick nicht von über­fah­re­nen Tie­ren am Stra­ßen­rand ab­wen­den zu kön­nen. Je­den­falls: Ich les mir das al­les durch, und das ist na­tür­lich mei­ne ei­ge­ne Schuld und die von nie­man­dem sonst.

Und, ja, ich kann es ver­ste­hen, dass man ir­gend­wann denkt, man müs­se das end­gül­tig ver­nich­ten­de Fon­si-Stück auf­schrei­ben, dem Ter­ror, der aus je­der Dis­kus­si­on ei­nen Brüll­wett­be­werb macht, end­lich ein Ende set­zen, die­ses auf­ge­bla­se­ne, wich­tig­tue­ri­sche, selbst­ge­fäl­li­ge… oh, ich ver­zet­tel’ mich. Ich kann den Ge­dan­ken gut nach­voll­zie­hen. Ein­mal, ein ein­zi­ges Mal, habe ich es ge­schafft, Fon­si auf eine län­ge­re Mail nur zu ant­wor­ten: „Nein, dis­ku­tie­ren woll­te ich mit Ih­nen nicht.“ Da war ich ziem­lich stolz auf mich. Naja, ein ein­zi­ges Mal. Und nun kriegt er hier schon wie­der x Zei­len.

Aber wenn ich es dann schrie­be, das gro­ße Fon­si-Ab­rech­nungs­stück, dann hät­te ich mir im Ge­gen­satz zu Pe­ter Turi bes­se­re Be­schimp­fun­gen über­legt als die, die ich vom Schul­hof ken­ne: „er ist nur Rai­ner Mey­er: gro­ßes M* * * und klei­ne E* * *“. Oder den längst tot­zi­tier­ten und da­durch poin­ten- und geist­frei­en Satz: „Kei­ner ist un­nütz auf Got­tes schö­ner Erde - er kann im­mer noch als ab­schre­cken­des Bei­spiel die­nen.“ Ich hät­te mir bes­se­re Ar­gu­men­te ge­sucht, als das, dass Fon­sis Buch in­zwi­schen auch ge­braucht ver­kauft wird und sich an­de­re Bü­cher bes­ser ver­kauft ha­ben. Und vor al­lem hät­te ich vor­her re­cher­chiert, was Rai­ner Mey­er nun tat­säch­lich ge­macht hat bei und mit dem „Auf­bau“ und was nicht. Ich hät­te, kurz ge­sagt: noch ein­mal drü­ber ge­schla­fen, be­vor ich die rei­ne ge­ron­ne­ne Wut in all ih­rer Dumm­heit, die Wut so an sich hat, in mein Blog ge­kippt hät­te. Und wenn ich schlau ge­we­sen wäre, hät­te ich am nächs­ten Tag gar nichts über Rai­ner Mey­er ge­schrie­ben. Und wenn ich we­ni­ger schlau ge­we­sen wäre, hät­te ich mei­nen Text noch ein­mal kri­tisch durch­ge­le­sen und dann erst ge­bloggt.

Aber, ja: Das wäre nicht Blog­gen. Blog­gen ist Schrei­ben ohne noch­mal drü­ber schla­fen. Oder, im Fall von Turi und Fon­si: Schrei­ben ohne nach­den­ken.

Fon­si hät­te tat­säch­lich ein paar Punk­te bei mir gut­ma­chen kön­nen (nicht dass ihn das in­ter­es­siert, bei mir Punk­te gut­zu­ma­chen), wenn er aus die­sem Blog­ein­trag bei Turi den ver­mut­lich ein­zi­gen Blog­ein­trag über­haupt ge­macht hät­te, in dem er vor­kommt, aber sich nicht zu Wort mel­det. Aber das kann er nicht. Wenn man ihn ei­nen all­ge­gen­wär­ti­gen Rum­kra­kee­ler nennt, kommt er so­fort und kra­keelt rum. Turi nennt ihn ei­nen Pro­zess­han­sel, und Fon­si droht mit An­wäl­ten! Glaubt, dass man Stra­fe zah­len muss, wenn man aus sei­nem 416-Sei­ten-Werk zwei klei­ne Ab­sät­ze zi­tiert! Be­schimpft Turi als „Plei­tier“, was er schon so oft ge­macht hat, dass es ihn selbst schon lang­wei­len müss­te. Aber das ist ein Hass­text­bau­stein, der muss dann raus, so wie „Web2.0“ oder „Pro­Blog­ger“ oder „New Eco­no­my“. Und auch das ist noch nicht ge­nug, Fon­si muss auch noch in sei­nem ei­ge­nen Blog eine Sze­ne er­fin­den, die mit all ih­rer wich­tig­tue­ri­schen Ver­schwur­belt­heit noch je­den Vor­wurf von Turi be­stä­tigt.

Und das Schlimms­te: Ak­tu­ell ste­hen un­ter den bei­den Ein­trä­gen zu­sam­men 46 Kom­men­ta­re von Leu­ten, die nicht es nicht schaff­ten, das Elend nicht zu kom­men­tie­ren. Man müss­te klei­ne Blog­schutz­po­li­zis­ten an die­sen Ein­trä­gen auf­stel­len, die die Schau­lus­ti­gen ver­scheu­chen: „Ge­hen Sie wei­ter, hier gibt es nichts zu se­hen!“ Aber nein, man steht da, starrt auf das über­fah­re­ne Tier am Stra­ßen­rand und dar­auf, wie sich zwei Men­schen vol­ler Stolz in al­ler Öf­fent­lich­keit zu Kom­plett­dep­pen ma­chen, und schreibt auch noch gan­ze Blog­ein­trä­ge dar­über.


Freu­bier für al­le!

Sascha Lobo

Wenn man frü­her, als es noch Kon­takt­an­zei­gen gab, Kon­takt­an­zei­gen las, dann konn­te man schnell fest­stel­len, dass die wich­tigs­te Ei­gen­schaft ‚Hu­mor ha­ben’ hiess. Das ist na­tür­lich Quark aus ganz vie­len Grün­den. Hu­mor ha­ben ist eine Null­ei­gen­schaft, weil [bit­te hier selbst Ar­gu­men­te aus­den­ken]. Eine wirk­lich wich­ti­ge Ei­gen­schaft wird oft mit die­sem Hu­mor­ge­ha­be ver­wech­selt, ich habe sie mir erst jüngst ver­ge­gen­wär­tigt: sich freu­en kön­nen. Ich möch­te ein Lo­bo­lied sin­gen auf alle Men­schen, die sich freu­en kön­nen, Scha­den­freu­de aus­ge­nom­men. Freu­de ist eine Top­ei­gen­schaft. Ich freue mich im­mer, wenn an­de­re sich freu­en, dann freue ich mich dar­über, dass ich mich freue, dann setzt eine Freu­spi­ra­le ein, ein Freu­fels­kreis prak­tisch, ein En­dor­phin­mas­sa­ker. In die­sem Zu­sam­men­hang muss ich kurz mit ei­nem al­ten Sprich­wort ab­rech­nen, ‚Vor­freu­de ist die schöns­te Freu­de’, das muss aus der Zeit stam­men, als man mit Sex noch bis zur Ehe ge­war­tet hat, mit dem Ef­fekt, dass sich in der ers­ten Nacht zwei weit­ge­hend un­ge­üb­te Fi­cker ge­gen­über­stan­den, bzw. ge­gen­über­la­gen. Vor­freu­de ist nicht schlecht, klar, aber gar nichts ge­gen zum Bei­spiel die Tufreu­de, die Nach­freu­de oder die Er­kennt­nis­freu­de. ‚Vor­freu­de ist die viert­schöns­te Freu­de’, dar­über könn­te man ver­han­deln.

Er­kennt­nis­freu­de ist ein lus­ti­ges Ding, das umso öf­ter auf­tritt, je we­ni­ger man weiss, aber je in­ter­es­sier­ter man ist. Über­haupt soll­te man mehr über die ab­brü­hen­de Wir­kung der Wis­sens- und Er­fah­rungs­an­häu­fung nach­den­ken. Bis ich sieb­zehn Jah­re alt war, wuss­te ich zum Bei­spiel nicht, wie un­fass­bar gut feuch­ter Quarz­sand in Na­del­wäl­dern riecht, dann stell­te sich durch simp­les dran Rie­chen die Er­kennt­nis ein und ich freu­te ein gan­zes nie­der­län­di­sches Dorf in die Angst­star­re, weil sich bei mir die Freu­de über den Sand­ge­ruch in ei­ner Freu­den­schrei­at­ta­cke ent­lud. Die meis­ten Ver­liebt­heits­mo­men­te mei­nes Le­bens kann ich auf ge­mein­sa­me Freu­se­kun­den her­un­ter­iso­lie­ren.

Dem­entspre­chend bin ich der Mei­nung, dass sich die meis­ten Men­schen zu we­nig freu­en. Der ge­sam­te Freu­de-Kom­plex birgt na­tür­lich eine ex­trem hohe Pe­ter-Hah­ne-Ge­fahr, der ich durch das eben­so simp­le wie sinn­lo­se Ein­fü­gen der Ver­mu­tung ‚even­tu­ell gibt es Leu­te, die Pe­ter Hah­ne für eine Vot­ze hal­ten’ be­geg­nen möch­te. Trotz­dem soll­te man auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne über die Ein­füh­rung ei­ner Freu­pflicht nach­den­ken.


„und“

Stefan Niggemeier

Am Ein­gang ei­ner Buch­hand­lung in Oberstorf. Foto: Arne S.

Ich mal das hier mal grün

Stefan Niggemeier

Ich hät­te dann noch ein Wört­chen zu re­den mit dem Men­schen, der für die „ADAC Län­der­Kar­te Ber­lin und Bran­den­burg“ die Ent­schei­dun­gen ver­ant­wor­te­te, an wel­che Stra­ßen die grü­nen Stri­che kom­men, die sie zur „land­schaft­lich schö­nen Stre­cke“ auf­wer­ten. Das ist, wenn man so ei­nen Wo­chen­end­aus­flug macht, ja kei­ne ganz un­wich­ti­ge In­for­ma­ti­on: Man guckt sich in ei­nem Rei­se­füh­rer zwei, drei schö­ne Zie­le aus und ver­sucht sie so mit­ein­an­der zu ver­bin­den, dass man mög­lichst vie­le grün mar­kier­te Stra­ßen be­nutzt. So ma­che ich das je­den­falls.

Und ich habe mich im­mer schon da­für in­ter­es­siert, wer das ei­gent­lich ent­schei­det, ob eine Stre­cke „land­schaft­lich schön“ ist oder nicht. Gibt es da Stra­ßen­tes­ter, die kri­tisch die Stre­cken ab­fah­ren und sich No­ti­zen ma­chen? Gibt es stren­ge Kri­te­ri­en: kei­ne grü­ne Mar­kie­rung bei mehr als drei Wind­rä­dern in Sicht­wei­te? Gibt es re­gio­na­le Un­ter­schie­de: Ist es im un­auf­re­gen­den fla­chen Ham­bur­ger Um­land leich­ter für eine Stra­ße, grün mar­kiert zu wer­den, als in der oh­ne­hin sa­gen­haf­ten Säch­si­schen Schweiz, in der ei­gent­lich jede Stra­ße grün mar­kiert wer­den müss­te, wenn man die Maß­stä­be des Ham­bur­ger Um­lan­des an­legt? Und darf je­der Kar­ten­ver­lag selbst ent­schei­den, wel­che Stre­cken er „land­schaft­lich schön“ nennt und wel­che nicht, oder gibt es eine staat­li­che Stre­cken-Mar­kie­rungs-Kom­mis­si­on, die in ei­nem lan­gen bü­ro­kra­ti­schen Pro­zess über Grün oder Nicht-Grün ent­schei­det?

Je­den­falls ha­ben wir am letz­ten Wo­chen­en­de süd­öst­lich von Ber­lin eine Wei­le ge­braucht, bis wir ge­merkt ha­ben, dass der Mensch, der für die grü­nen Mar­kie­run­gen in un­se­rer Kar­te ver­ant­wort­lich war, of­fen­bar we­nig mit den schö­nen, hü­ge­li­gen, ab­wechs­lungs­rei­chen Land­stra­ßen im Land­kreis Oder-Spree an­fan­gen konn­te, aber je­den ein­tö­ni­gen Na­del­baum­wald rechts und links der Stra­ße Grund ge­nug fand, sie grün zu mar­kie­ren. Und seit­dem fra­ge ich mich, ob der Mann wirk­lich nichts gei­ler fin­det, als ki­lo­me­ter­lang schnur­ge­ra­de an Baum-Mo­no­kul­tu­ren vor­bei­zu­fah­ren. Oder ob sich da ein Ab­grund an Kor­rup­ti­on auf­tut und ein paar cle­ve­re Bür­ger­meis­ter und Gas­tro­no­men in der Ge­gend ein­fach wis­sen, wie hilf­reich es für das Ge­schäft (und den tou­ris­ti­schen Durch­gangs­ver­kehr) sein kann, wenn man so ei­nem Stre­cken­tes­ter und Grün­mar­kie­rer ein­fach ein paar Jung­frau­en aus dem Dorf op­fert zur Ver­fü­gung stellt.

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Lis­te noch her­aus­zu­fin­den­der Din­ge (Aus­zug)

Sascha Lobo

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226) Was war noch gleich das Fas­zi­nie­ren­de an my­space.com?

227) Gibt es ir­gend­et­was er­fri­schen­de­res, als an ei­nem heis­sen Spät­nach­mit­tag un­ter der Du­sche Bier aus der eis­kal­ten Fla­sche zu trin­ken?

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308) Steigt man bei Ste­fan Nig­ge­mei­er au­to­ma­tisch jede Mi­nu­te in der Gunst, wenn man mit sei­nem Nach­na­men kei­ne na­he­lie­gen­den, mehr­fach­däm­li­chen Wort­spie­le macht?

309) Ist es nicht, um mit Jo­seph von West­pha­len zu spre­chen (Nau­ti­scher Rabe, Es­say Tret­boot), ver­werf­lich und letzt­lich doof, dar­über zu spot­ten, was ge­sell­schaft­lich so­wie­so als lä­cher­lich ge­äch­tet ist, also etwa Flip­flops?

..

734) Wie oft rei­chen al­lein die Re­pli­ca Wat­ches in mei­ner Mail­box zum Mond und zu­rück?


Sym­bol­fo­to

Stefan Niggemeier

Fra­ge: Wel­ches The­ma ha­ben die Leu­te von sued­deut­sche.de mit die­sem Foto be­bil­dert?

a) Ärz­te ra­ten Men­schen mit Wurst­fin­gern von Lap­tops ab.
b) Blin­de DJs.
c) Frosch­men­schen er­obern das In­ter­net.
d) Stif­tung Wa­ren­test warnt vor bil­li­gen Fo­to­la­bo­ren.
e) Schleich­wer­bung be­droht die Glaub­wür­dig­keit von Blogs.

Na?

Kla­re Sa­che: e). Und un­ter das Foto, das fast so viel Platz ein­nimmt wie der gan­ze Ar­ti­kel, ha­ben die Pro­fis von der Süd­deut­schen als Bild­text zur Er­klä­rung ge­schrie­ben:

Mei­nung - zum Grei­fen nah.

Und ir­gend­wann, wenn alle „Frei­zeit­schrei­ber“ ihre Glaub­wür­dig­keit lan­ge an die „Mar­ke­ting-Fuz­zis“ ver­kauft ha­ben, wird man auch bei der Süd­deut­schen eine ty­po­gra­phi­sche Mög­lich­keit ent­de­cken, An­füh­rungs­zei­chen un­ten zu set­zen, ohne müh­sam klei­ne Frucht­flie­gen da­für ab­rich­ten zu müs­sen, sich schräg ne­ben­ein­an­der vor die Buch­sta­ben zu le­gen.


Oben oh­ne

Stefan Niggemeier

Ver­gan­ge­nes Wo­chen­en­de hat­te ich ein Ca­brio ge­mie­tet. Seit­dem weiß ich, dass es ein Irr­glau­be ist, sich beim Ca­brio­fah­ren zwi­schen Ver­deck-Auf und Kli­ma­an­la­ge-An ent­schei­den zu müs­sen. Geht bei­des. Die Kli­ma­an­la­ge pus­tet die Füße ei­sig, der Fahrt­wind den Kopf, und man schwitzt dann nur noch ein biss­chen in der Mit­te.

Wirk­lich ner­vig am Ca­brio­fah­ren sind nur die Leu­te, die ei­nem beim mes­ser­schar­fen Vor­bei­schram­men am vor­de­ren Auto aus den Stra­ßen­ca­fés Din­ge zu­ru­fen wie: „Hin­ten wä­ren lo­cker noch drei Me­ter ge­we­sen.“ (Ich fra­ge mich, ob mir die Men­schen so­was im­mer zu­ru­fen, wenn ich ein­par­ke, und ich das nur sonst nur nicht höre.)


Dop­pel­gän­ger

Stefan Niggemeier

Ge­ra­de Je­sus ge­trof­fen. Sagt, er wäre schon wie­der auf der Stra­ße mit Sa­scha Lobo ver­wech­selt wor­den!


Fnoptsch!

Stefan Niggemeier

Ich hab so­gar nach Be­find­lich­keit ge­goo­gelt. Half al­les nichts. Ich glau­be, die ers­te Re­gel beim Be­find­lich­keits­blog­gen ist, die in­ne­re Stim­me aus­zu­stel­len, die fragt: Und wen soll das in­ter­es­sie­ren? Ha­ben das nicht alle an­de­ren schon auf­ge­schrie­ben, und bes­ser? (Oder lau­tet die ers­te Re­gel beim Be­find­lich­keitblog­gen, al­les, was die in­ne­re Stim­me sagt, auf­zu­schrei­ben? Schwie­rig.)

Aber da der Ur­laubs­ver­tre­tungs­prak­ti­kan­ten­kol­le­ge ge­nau den Be­griff in sei­nem ers­ten Bei­trag er­wähnt hat, über den ich auch ge­schrie­ben hät­te, wenn ich mich nicht ge­fragt hät­te: Wen soll das in­ter­es­sie­ren? Ha­ben das nicht alle ... Also, je­den­falls: Flip­flops.

Ich fin­de ja, dass schon das Tra­gen von San­da­len eine be­wuss­te Ver­wei­ge­rung ge­gen­über dem zi­vi­li­sa­to­ri­schen Fort­schritt dar­stellt, etwa als wür­de man der Evo­lu­ti­on den Stin­ke­fin­ger zei­gen. Ich bin mir (nach meh­re­ren Dis­kus­sio­nen mit San­da­len­trä­gern) schmerz­haft be­wusst, dass mir in die­ser Sa­che sach­li­che Ar­gu­men­te feh­len, aber das ist mir al­les egal: San­da­len sind ek­lig. Ja, auch in der von wei­ten Tei­len der Ge­sell­schaft ak­zep­tier­ten Va­ri­an­te ohne So­cken. Rie­men um nack­te Füße: Buäh.

Und dann Flip­flops. Es ist nicht nur, dass ich Flip­flops has­se wie alle an­de­ren San­da­len. Ich ver­ste­he sie auch nicht. Ich habe das vage Ge­fühl, dass Flip­flops so­was sind wie San­da­len mit Ab­sicht. Also: nicht nur aus Not­wehr ge­gen die Hit­ze ge­tra­gen, son­dern ex­tra.

Ist das so?

Ich wüß­te es ger­ne. Ich wüß­te vor al­lem ger­ne, ob die Leu­te, die Flip­flops tra­gen, das Ge­räusch, das sie ma­chen (und das gar nicht so nied­lich klingt, wie ihr Name sug­ge­riert, son­dern -- je­den­falls bei Schweiß­fü­ßen -- eher ein fie­ses Fnoptsch! ist), ob sie also die­ses ewi­ge Fnoptsch! Fnoptsch! Fnoptsch! ei­ni­ger­ma­ßen be­schämt als Preis für Freie Füße er­tra­gen. Oder ob auch das Teil des Flip­flop-Stol­zes ist, so etwa: „Ja­wohl, mei­ne Füße ma­chen beim Ge­hen lau­te schmat­zen­de Ge­räu­sche, weil sie in Flip­flops ste­cken, und das ist auch gut so“?

Schön üb­ri­gens, dass die Wi­ki­pe­dia beim The­ma Flip­flops von ih­rem Neu­tra­li­täts-Grund­satz ab­weicht und das Elend die­ses Som­mers und der dar­aus re­sul­tie­ren­den Schuh­mo­de sehr tref­fend zu­sam­men­fasst:

Seit die­ser San­da­len­typ in Mas­sen pro­du­ziert wird, sieht man Flip-Flops ver­mehrt auch an den Fü­ßen sehr ar­mer Men­schen in vie­len kli­ma­tisch war­men Tei­len der Welt.
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Som­mer­tau­mel

Sascha Lobo

In mei­nem ers­ten rich­ti­gen Blog­ein­trag hät­te ich ger­ne et­was wich­ti­ges be­spro­chen, zum Bei­spiel Net Neu­tra­li­ty, bei de­ren Fron­ten­bil­dung man ein ir­ri­tie­ren­des ame­ri­ka­ni­sches Phä­no­men be­ob­ach­ten kann, näm­lich ein or­ga­ni­sier­ter Pro­test quer durch alle ge­sell­schaft­li­chen Strö­mun­gen. Die Co­ali­ti­on ge­nann­te Ver­ei­ni­gung reicht von Gu­now­ners of Ame­ri­ca ein­mal im Kreis bis wie­der zu­rück zu den Gu­now­ners of Ame­ri­ca, da­zwi­schen sol­che wie die Fe­mi­nist Ma­jo­ri­ty, der Grün­der von Craigs­List.org, Craig New­mark, eben­so wie ir­gend­wel­che Ul­tra­ch­ris­ten.

Ich habe mal ein Foto ge­se­hen, da ha­ben in den USA an­ar­chis­ti­sche His­pa­nic Punks di­rekt ne­ben Neo­na­zis mit Ha­ken­kreuz­flag­gen für Mei­nungs­frei­heit de­mons­triert! Gut, ich habe das Foto nicht ge­se­hen, aber eine Lis­te von ge­mein­sam or­ga­ni­sier­ten Un­ter­stüt­zern der Mei­nungs­frei­heit, da wa­ren bei­de drauf und also habe ich mir das Foto vor­ge­stellt. Über die­ses wich­ti­ge The­ma Net Neu­tra­li­ty kann man nicht ge­teil­ter Mei­nung sein, wenn man bei un­ge­kauf­tem Ver­stand ist und die­ses In­ter­net, von dem jetzt alle re­den, auch nur an­satz­wei­se ver­stan­den hat. Auf wel­cher Sei­te man ste­hen soll­te, da­für kann man ein In­stru­ment be­nut­zen, was ich jüngst ent­wi­ckelt habe: Den Anti-Lott-Trend.

Das funk­tio­niert ganz ein­fach, denn Trent Lott ist ame­ri­ka­ni­scher Se­na­tor der Re­pu­bli­ka­ner, fa­schis­to­ider, na­tio­na­lis­ti­scher, ras­sis­ti­scher, ho­mo­pho­ber, se­xis­ti­scher Erz­re­ak­tio­när; also in wirk­lich sämt­li­chen, al­len, prak­tisch über­haupt al­len­al­len ge­sell­schaft­li­chen Fra­gen auf der fal­schest­denk­ba­ren Sei­te, so dass man nie ver­kehrt fährt, wenn man im­mer das Ge­gen­teil von Trent Lott als Mei­nung hat. Es han­delt sich um eine Art ame­ri­ka­ni­sche Ver­si­on von Ed­mund Stoi­ber mit Ge­schmacks­ver­stär­ker, und Trent Lott ist ge­gen Net Neu­tra­li­ty.

Scha­de also, dass ich über Net Neu­tra­li­ty nicht schrei­ben kann, das The­ma ist eben­so er­gie­big wie wich­tig, es geht aber nicht, weil es un­fass­bar heiss und sti­ckig ist, dass nicht nur die Luft kleb­rig wird, son­dern ich auch ver­ges­sen habe, dass es to­tal un­cool ist, über die Hit­ze zu jam­mern. Aber wann un­cool sein, wenn nicht jetzt bei 350° Cel­si­us? Statt­des­sen be­schrei­be ich ein we­nig den Hit­ze­tau­mel, seit Ta­gen tau­me­le ich durch die Stadt, das Ozon hat mein Ge­hirn po­rös ge­macht. Vier oder fünf Mal hat das Wet­ter schon so ge­tan, als wol­le es gleich reg­nen und es war im­mer ein Ge­fühl, als müs­se man nies­sen, aber es geht ein­fach nicht. Wenn man sich bei Hit­ze selbst be­ob­ach­tet, fängt man in­stantan an, sich zu schä­men, weil die Mo­to­rik sich un­ter ir­gend­ei­nem küh­len Hirn­lap­pen ver­kro­chen zu ha­ben scheint. Es wird bes­ser, wenn man die an­de­ren Men­schen be­ob­ach­tet; kaum ei­ner, der nicht schwe­re Geis­tes­stö­run­gen zur Schau trägt - vie­le tra­gen so­gar Flip­flops, al­lein das Wort kann Zit­ter­krämp­fe ver­ur­sa­chen. Auf mei­nem Grab­stein soll der­einst ste­hen ‚Trotz al­lem hat er dem Flip­fl­op­tra­gen wi­der­ste­hen kön­nen.’

Ges­tern habe ich end­lich das ein­zig Ver­nünf­ti­ge ge­tan, zur Er­klä­rung muss ich et­was aus­ho­len. Es gibt seit ei­ni­gen Jah­ren den be­kann­ten Buy Not­hing Day, ins Le­ben ge­ru­fen von Ad­bus­ters. Die­ser in Deutsch­land un­ter ei­ner un­sag- und un­schreib­ba­ren Na­mens­ad­ap­ti­on weit­hin un­be­kann­te ge­blie­be­ne Tag soll dazu die­nen, be­wuss­tes Kon­sum­ver­hal­ten zu pro­vo­zie­ren. Et­was gym­na­si­as­tisch un­dif­fe­ren­ziert, sage ich als Wer­be­ha­si mal, aber kei­ne schlech­te Sa­che ei­gent­lich, die Hit­ze je­doch setzt die Prio­ri­tä­ten neu und an­ders, und so habe ich ges­tern end­lich den Do Not­hing Day er­fun­den. Er­fun­den ist viel­leicht ein biss­chen dick auf­ge­tra­gen, aber eben erst­mals ge­macht, bzw. das ist jetzt be­griff­lich schwie­rig, erst­mals nichts ge­macht. Von mor­gens, das in echt nach­mit­tags war, bis abends, das in echt nach­mit­tags war, nur rum­ge­le­gen, da­vor, da­nach und auch wäh­rend­des­sen ge­schla­fen und 24, vier­te Staf­fel ge­se­hen, copy that. Do Not­hing Day, un­be­dingt mer­ken, auch, wenn er irr­sin­nig an­stren­gend war. Ich muss­te acht, neun Mal das ver­schwitz­te T-Shirt wech­seln und hat­te am Ende Kopf­schmer­zen vom in­ten­si­ven Nichts­tun. Aber es tut gut, mal wie­der so rich­tig ge­gen den Uhr­zei­ten­ter­ror der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft lie­gend an­zu­kämp­fen und erst ins Bett zu ge­hen, wenn an­de­re schon wie­der ins Bett ge­hen. Eine Er­kennt­nis des Do Not­hing Day al­ler­dings hat sich her­aus­ge­schält und wird die Welt be­rei­chern auf im­mer­dar: Ge­gen je­des Un­wohl­sein beim Her­um­lie­gen in der Hit­ze hilft eine gros­se Schüs­sel Jo­ghurt mit ge­fro­re­nen Him­bee­ren drin und Ho­nig.


ix noch­mal

felix schwenzel

manch­mal sitzt man im büro, am kör­per kaum noch eine tro­cke­ne stel­le, aus­ser im mund, und dann is­ses doch wie weih­nach­ten, wenn das te­le­fon klin­gelt und ei­nen zwei der au­toren die man ne­ben ha­rald mar­ten­stein und der nuf am meis­ten be­wun­dert ei­nen fra­gen ob sie ei­nen wäh­rend des ur­laubs ver­tre­ten „dürf­ten“. so mach ich jetzt also wie an­ge­kün­digt schreib­pau­se und freu mich, dass sa­scha lobo und ste­fan nig­ge­mei­er wäh­rend­des­sen die be­find­lich­kei­ten die sie sich auf ih­ren ei­ge­nen sei­ten ver­bie­ten, hier ein­fül­len.