reich­wei­ten

felix schwenzel in artikel

über den me­t­abe­ne news­let­ter bin ich auf die­ses vi­deo ge­stos­sen, in dem ro­bin thies­mey­er (meta bene), rocko scha­mo­ni und marc-uwe kling über „of­fe­ne so­zia­le Net­ze“ re­den.

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am an­fang zeigt ro­bin eine kur­ze prä­sen­ta­ti­on, in der er sich vor­stellt. ich fand das sehr wit­zig.

… weil ich mi­ni­ma­list bin, als äs­the­ti­sches kon­zept, das ken­nen sie viel­leicht, das is ne sehr an­stren­gen­de art von faul­heit …

der rest war nicht so lus­tig, weil die drei, vier auf der büh­ne, dann über reich­wei­te und mo­ne­ta­ri­sie­rung re­den. über reich­wei­te re­den oder nach­den­ken ist im­mer ir­gend­wie trau­rig. wenn ei­nen kei­ner liest (oder sieht), ist man trau­rig, wenn man merkt dass ein paar leu­te das le­sen oder se­hen was man ins netz ver­öf­fent­licht, ist man auch trau­rig, weil an­de­re ja be­stimmt mehr auf­merk­sam­keit be­kom­men. und wenn man 1000 fol­lower oder abon­nen­ten hat, ist man trau­rig, dass man nicht 2000 hat.

da­mit will ich mich kei­nes­falls über die drei auf der OMG 2MR-büh­ne lus­tig ma­chen, son­dern es ist eine er­fah­rung die ich in den letz­ten 30 jah­ren ge­macht habe. noch trau­ri­ger wird es, wenn dann ne­ben reich­wei­te auch noch über mo­ne­ta­ri­sie­rung ge­spro­chen wird, weil bei­des wahn­sin­nig schwer ist und mit die­sen „of­fe­nen so­zia­len netz­wer­ken“ noch schwe­rer. und wenn man wirk­lich vie­le leu­te er­rei­chen will, muss man sich ge­ge­be­nen­falls auch noch ver­bie­gen und die an­ge­bo­te von ame­ri­ka­ni­schen tech-bu­den in an­spruch neh­men und sich da an ab­sur­de re­geln hal­ten oder mit bü­ro­k­ar­ti­schen bots aus­ein­an­der­set­zen.

wenn mich am mon­tag alex matz­keit in sei­nem pa­nel auf der re­pu­bli­ca fragt, wie es denn da­mals in den frü­hen ta­gen der blogo­sphä­re war, wer­de ich mög­li­cher­wei­se (auch) sa­gen: wir konn­ten uns für eine kur­ze wei­le ein­bil­den viel reich­wei­te und eine ge­wis­se re­le­vanz zu ha­ben. ein­bil­dung des­halb, weil das viel­leicht eine re­la­tiv hohe reich­wei­te war, aber ab­so­lut eher nicht. wir ha­ben halt in un­se­rer bla­se „ge­bloggt“ und ge­le­gent­lich ver­ges­sen, dass un­se­re bla­se ei­gent­lich teil ei­nes rie­si­gen schaum­tep­pichs mit mil­li­ar­den an­de­ren bla­sen ist.

un­se­re blogo­bla­se (viel­leicht ein bes­se­res wort als blogos­hä­re?) hat­te al­ler­dings eine ei­gen­schaft, die die reich­wei­te ver­meint­lich mas­siv er­höh­te: die blogo­bla­se hat­te vie­le schnitt­stel­len mit der jour­na­lis­ten-bla­se. des­halb gab es mul­ti­pli­ka­ti­ons­ef­fek­te und ge­le­gent­lich so­was wie ge­fühl­te re­le­vanz. aber mei­ne the­se ist, dass „wir“, die blog­gen­den men­schen der frü­hen 2000er und 2010er, un­se­rer reich­wei­te aus ei­nem sehr be­grenz­ten um­kreis re­kru­tier­ten.

ir­gend­wann (vor 10 jah­ren) wur­den mal ein paar er­folg­rei­che you­tuber auf die re­pu­bli­ca ein­ge­la­den. als die ihre zu­schau­er- und abon­nen­ten­zah­len nann­ten, fiel den meis­ten blog­gern, min­des­tens mir, die kinn­la­de run­ter. trotz der be­ein­dru­cken­den zah­len der you­tuber wa­ren sie trotz­dem ex­tre­me ni­schen­an­bie­ter. auch die you­tuber-bla­sen wa­ren bei wei­tem nicht so gross, dass mei­ne el­tern ei­nen oder eine von ih­nen je­mals ge­se­hen hät­ten oder freun­de und be­kann­te aus­ser­halb mei­ner in­ter­net-bla­se die kann­ten.

was ich sa­gen will: reich­wei­te ist re­la­tiv. und sehr, sehr schwer zu er­rei­chen und noch schwe­rer zu hal­ten. und mo­ne­ta­ri­sie­rung ist noch schwe­rer. elen­dig viel ar­beit.

was ich auch sa­gen will: ich bin froh dass mir bei­de the­men, reich­wei­te und mo­ne­ta­ri­sie­rung, mitt­ler­wei­le (gröss­ten­teils) völ­lig egal sind. das hat eine sehr ent­spa­nen­de wir­kung. an­de­rer­seits muss ich da­von was ich in der öf­fent­lich­keit ver­an­stal­te auch nicht le­ben.

eay hat heu­te ein zi­tat von jim niel­sen ver­bloggt:

John Gru­ber, quo­ting Walt Dis­ney:

We don’t make mo­vies to make mo­ney; we make mo­ney to make more mo­vies.

Gru­ber’s ver­si­on: don’t make soft­ware to make mo­ney, make mo­ney to make more soft­ware.

My ver­si­on: don’t make web­sites to make mo­ney, make mo­ney to make more web­sites.

das ist ge­nau mein der­zei­ti­ger ar­beits­mo­dus im netz: das was ich hier ver­an­stal­te tue ich nicht um geld zu ver­die­nen, son­dern ich ver­die­ne geld, da­mit ich das hier ma­chen kann. der grund war­um ich an­fing öf­fent­lich zu schrei­ben, zu­erst in ei­nen news­let­ter, dann un­ter mei­ner ei­ge­nen do­main wir­res.net, war mein be­dürf­nis zu schrei­ben. ein be­dürf­nis et­was zu tun, was sich krea­tiv an­fühlt und mich zwingt um und in mich zu schau­en — und das was ich sah in wor­te zu fas­sen.

und das ma­che ich seit­dem. reich­wei­ten und mo­ne­ta­ri­sie­rungs­fra­gen ha­ben mich auf die­ser rei­se ge­le­gent­lich neu­gie­rig ge­macht und ich habe da­mit viel ex­pe­ri­men­tiert, aber die ei­gent­li­che mo­ne­ta­ri­sie­rung kam im­mer aus der lohn­ar­beit.

ich bin dar­über nicht trau­rig, im ge­gen­teil, aber trotz­dem ist es doch trau­rig, dass krea­ti­ve ar­beit mit krea­ti­ver ar­beit al­lein so schwer fi­nan­zier­bar ist. ich glau­be auch nicht dass es da­für te­chi­sche lö­sun­gen gibt. die gibt und gab es schon län­ger, ste­ady, pa­tre­on oder you­tube — und frü­her mal flattr. aber bis auf ganz we­ni­ge aus­nah­men, kön­nen da die we­nigs­ten von le­ben.

vor zwan­zig oder dreis­sig jah­ren hat­ten wir mal die hoff­nung, dass das netz die gate­kee­per da­von­schwemmt und auf­merk­sam­keit de­mo­kra­ti­scher oder ge­rech­ter ver­teilt wer­den könn­te. oder dass die 15 mi­nu­ten fame die uns andy war­hol in den 60ern ver­spro­chen hat, sich durchs netz und neue tech­no­lo­gien ver­viel­fa­chen lies­sen. statt­des­sen ka­men neue gate­kee­per und die kon­ku­renz um die ware auf­merk­sam­keit wird im­mer schär­fer.

ich lie­be wei­ter­hin auf­merk­sam­keit, aber um sie erst­haft zu ver­fol­gen bin ich wahr­schein­lich ein­fach zu müde und zu alt. mir ge­fällt, dass ich die­sen text hier ein­fach raus­rot­zen kann und ihn erst spä­ter, lan­ge nach dem drü­cken des ver­öf­fent­li­chen-knopfs, noch­mal ge­gen­le­se und die gröbs­ten or­tho­gra­phi­schen schnit­zer raus­kor­ri­gie­re.

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3 kommentare
lon

@ix Was machen eigentlich die Menschen, welche früher (tm) Reichweite für Blogs waren? Oft altert die Zielgruppe mit den Medien und Medienmachern. Instagram, Tiktok und Snapchat habe ich bereits nicht mehr mitgemacht, aber Blogs waren in meiner Generation bereits dabei, Platz für Foren, Facebook oder StudiVZ zu machen. Schon weniger Text und ganz andere Schwerpunkte, weniger Tiefgang. Trotzdem haben die am selben Zeitbudget geknabbert. Sind Menschen mit 60 nun auf Tiktok oder Offline?

Gastrohedonist™️

@lon @ix Ich zum Beispiel blogge auch immer noch … 😜

Gastrohedonist™️

@ix In der Endausbaustufe (die ich persönlich erfreulicherweise gerade erreicht habe) hat man das Geld einfach … und braucht ab dann nur noch zu machen, was auch immer man gerade gerne machen möchte - Websites, Blogs, Apps oder einen erfüllenden Job (endlich). Bemerkenswert erhebendes Gefühl.