blog­gen, als ob …

felix schwenzel in artikel

ins in­ter­net schrei­ben­de lie­ben es über das ins-in­ter­net-schrei­ben ins in­ter­net schrei­bend nach­zu­den­ken und sich da­bei die köp­fe ein­zu­schla­gen. da­bei ha­ben tat­säch­lich im­mer alle recht.


20.05.2004

Blog like no­bo­dy­'s re­a­ding
os­hero­ve.com

screenshot eines artikels von osherove.com mit der artikelüberschrift „blog like nobody’s reading“

vor > 10 jah­ren

blog like no­bo­dy’s wat­ching
an­ke­groe­ner.de

screenshot eine alten version von ankegoener.de mit dem motto „blog like nobody’s watching“ im header.“

08.10.2026

Blog like no­bo­dy’s re­a­ding
kue­chen­la­tein.com

screenshot eines artikels von koechenlatein.com mit der artikelüberschrift „blog like nobody’s reading“

12.10.2026

Blog­gen, als wür­de ir­gend­je­mand mit­le­sen
mar­tin.cafe

screenshot eines artikels von martin.cafe mit der artikelüberschrift „Bloggen, als würde irgendjemand mitlesen“

12.10.2026

»Als wür­de ir­gend­je­mand mit­le­sen«
li­gne­clai­re.de

screenshot eines artikels von ligneclaire.de mit der artikelüberschrift »als würde irgendjemand mitlesen«

12.10.2026

die leich­ten va­ria­tio­nen des sat­zes „blog­gen als ob …“ be­deu­ten fünf mal für un­ter­schied­li­che leu­te ganz un­ter­schied­li­che din­ge.

wäh­rend roy os­hero­ve noch dar­über re­flek­tiert, was es be­deu­tet, dass blogs plötz­lich goo­g­le­bar sind, re­flek­tiert ul­ri­ke dar­über, was es be­deu­tet, wenn goog­le zwar mit­liest, aber nie­man­den mehr vor­bei­schickt. wäh­rend anke grö­ner sich wahr­schein­lich mit ih­rem „blog like no­bo­dy is wat­ching“ auf ka­thy mat­te­as songzei­le „You’ve got to dance like no­bo­dy’s wat­chin’“ be­zieht und da­mit zum aus­druck bringt, dass sie sich kon­ven­tio­nen, und (ver­meint­li­chen) blog­re­geln ent­zieht.

mar­tin nimmt „Blog like no­bo­dy’s re­a­ding“ wört­lich und spal­tet ein haar. wenn er für sich schrö­be, wür­de er das im le­ben nicht ver­öf­fent­li­chen. dirk hes­se lobt das ge­spal­te­ne haar und re­flek­tiert über al­ter­na­ti­ve for­men des halb öf­fent­li­chen schrei­bens, zum bei­spiel per news­let­ter, zu dem „Bots kei­nen Zu­gang“ ha­ben, weil die voll­tex­te nur in den in­bo­xen der news­let­ter­emp­fän­ge­rin­nen lan­den.

das er­in­nert mich wie­der­um an eine idee von dave ru­pert, den RSS Club:

RSS Club is a coll­ec­tion of blogs (per­so­nal and other­wi­se) com­mit­ted to pro­vi­ding RSS-only con­tent. It’s like a news­let­ter de­li­ver­ed to your feed rea­der to ce­le­bra­te the me­di­um of RSS and breaka­way from so­cial me­dia.

wäh­rend ich die idee von RSS-only bei­trä­gen wit­zig fin­de und tech­nisch schon vor ei­nem hal­ben jahr vor­be­rei­tet habe (in­dem ich kir­by-blö­cke als front­end- und/oder RSS-only mar­kie­ren kann), fin­de ich mei­ne um­set­zung des hin­ter­grund­rau­schens auch nicht doof. ne­ben den in­hal­ten die ich auf der start­sei­te und dem in­dex ver­öf­fent­li­che, rauscht im hin­ter­grund ein fluss an book­marks, favs, ge­se­he­nem und ge­le­se­nem und ge­le­gent­lich in den fluss ge­wor­fe­nen no­ti­zen, check­ins oder bil­dern, die man nur sieht wenn man sich durch­klickt oder so wahn­sin­nig ist mei­nen voll­fe­ed zu abon­nie­ren.

je­den­falls scheint die­ses blog­gen als ob nie­mand/je­mand mit­liest/zu­guckt für je­den et­was an­de­res be­deu­ten. und das ist ei­ner­seits ein­fach gut so und an­der­seits ziem­lich in­ter­es­sant. ich glau­be näm­lich dass es gut ist über das was man tut, zum bei­spiel blog­gen, auch ge­le­gent­lich zu re­flek­tie­ren. vie­le in blogs le­sen­de (und schrei­ben­de) se­hen das an­ders und be­kla­gen sich über na­bel­schau und über­flüs­si­ges mit sich selbst be­schäf­ti­gen. nie­mand be­klagt sich dar­über, dass ärz­te sich auf kon­gres­sen tref­fen und ta­ge­lang über das ver­arz­ten re­den, aber blog­ger und me­di­en­schaf­fen­de die sich auf der re­pu­bli­ca tref­fen um übers me­di­en­schaf­fen und die welt zu re­flek­tie­ren wird ger­ne als or­ga­ni­sier­te eit­le selbst­ver­liebt­heit dar­ge­stellt.

zum the­ma „als ob nie­mand mit­liest/zu­schaut“ möch­te ich je­den­falls noch eine an­mer­kung ma­chen. ich glau­be tat­säch­lich, dass hier auf eine art nie­mand mit­liest und zu­guckt und schrei­be des­halb auch so. denn „nie­mand“ ist ja auch im­mer re­la­tiv.

im DACH raum (D AT CH) le­ben un­ge­fähr hun­dert mil­lio­nen men­schen. selbst wenn — zu­fäl­li­ges bei­spiel — 8% die­ser men­schen sa­scha lobo ken­nen wür­den, wä­ren das im­mer noch fast 94 mil­lio­nen men­schen, die ihn nicht ken­nen. oder von den men­schen die in mei­ner stras­se woh­nen oder ar­bei­ten wis­sen 10-20% dass ich re­gel­mäs­sig mit ei­nem schwar­zen klein­pu­del spa­zie­ren gehe aber ma­xi­mal zwei bis vier per­so­nen, dass ich re­gel­mäs­sig ins in­ter­net schrei­be. mit ei­ner die­ser per­so­nen bin ich ver­hei­ra­tet und von der weiss ich, dass sie ma­xi­mal 20% von dem was ich ins in­ter­net schrei­be über­haupt liest. es gibt si­cher ein paar men­schen die hier fast al­les le­sen, aber sta­tis­tisch ge­se­hen könn­te man die­se teil­men­ge der be­völ­ke­rung gu­ten ge­wis­sens mit nie­mand um­schrei­ben — selbst wenn die­se teil­men­ge über 100 oder 1000 liegt.

aber „blog­ging like no­bo­dy’s re­a­ding“ hört sich halt um län­gen bes­ser an als: „Blog like only a sta­tis­ti­cal­ly in­si­gni­fi­cant frac­tion of the po­pu­la­ti­on is re­a­ding, and not­hing you say re­al­ly mat­ters in the grand sche­me of things.“ 

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4 kommentare
Sebastian

@ix "Blog like only a sta­tis­ti­cal­ly in­si­gni­fi­cant frac­tion of the po­pu­la­ti­on is re­a­ding" ist schön, das möchte ich behalten. Auch mögliche Variante: Blog like it's 2001, aber das führt jetzt auch zu weit vom Ursprungsgedanken weg.

Ich denke beim bloggen auch manchmal an hypothetische Datenforensiker. Zeitgeist und Literaturwissenschaftler, auf der Suche nach Textfragmenten aus dem Internet von Vorvorgestern.

Sebastian

@ix Irgendwann in einer fernen Zukunft dabei entdeckt zu werden macht mich dann ein kleines bisschen glücklich.
Wie diese Dudes hier:

Digitale Zeitkapsel: C64-Mailbox nach 40 Jahren wieder online.

pcgameshardware.de/Retrospekti