dank der html5-vorschau der @t3n kann man meine kolumne am ende des hefts auch dieses mal vor erscheinen des hefts lesen. @papierjunge fand, dass es eine meiner besseren kolumnen sei. ix auch.
Auch unter Präsident Donald Trump lautet das offizielle Staatsmotto der USA: „aus den Vielen das Eine“. So steht es seit 1776 (auf Latein) im Staatswappen der USA: „E pluribus unum“. Aus den folgenden knapp 250 Jahren amerikanischer Geschichte kann man ablesen, dass sich dieses Motto als eine Art Zauberformel für wirtschaftlichen und politischen Erfolg bewiesen hat.
Diese Zauberformel, Stärke durch Einheit und Vielfalt, ist ein universelles Prinzip. Komplexe, diverse Ökosysteme funktionieren stabiler als Monokulturen, Staatsgebilde, die offen, pluralistisch und integrativ organisiert sind, die das Gemeinsame, statt Unterschiede betonen, sind stärker — und innovativer — als solche die Vielfalt zu ersticken versuchen.
Nationalisten, Protektionisten und Spalter haben nie verstanden wie Stärke (und Innovation) entsteht: sie entsteht nicht durch Gleichschaltung, Ordnung, Trennung, Reinheit oder Entschlossenheit, sondern, im Gegenteil, durch Vielschichtigkeit, kontrolliertes, kreatives Chaos und das richtige Mass an Unordnung und Freiheit.
Eine der Stärken der Vereinigten Staaten von Amerika war und ist ihre Fähigkeit zur Integration. Nur zur Erinnerung, Elon Musk wurde in Südafrika geboren, Nikola Tesla war Österreicher, Steve Jobs war der Sohn eines syrischen Politikstudenten, Sergey Brin wurde in Moskau geboren und einer der erfolgreichsten Investoren der Digitalökonomie, Peter Thiel, wurde in Frankfurt am Main geboren. Auf einer anderen Ebene hat auch China diese Fähigkeit zur Integration: in China hat man es geschafft ausländische Technik und Technologie so gut zu integrieren, dass China zu einem unverzichtbaren Teil industrieller und digitaler Lieferketten geworden ist. In China adaptiert man Technologie und Technik schneller, als ein deutscher Minister das Wort Strukturwandel auch nur aussprechen kann.
Die Integration von Fremden und Fremdem, gepaart mit einer ausgeprägten Willkommenskultur, die Fähigkeit aus Vielem Eines zu machen — ohne die Vielfalt zu zerstören — dürfte eine der wichtigsten Antworten auf die Frage sein, wie Europa im weltweiten Wettbewerb mit den grossen Blöcken USA, China und Russland bestehen kann.
Das grösste Hindernis auf dem Weg zu so etwas wie den Vereinigten Staaten von Europa ist allerdings die Überwindung einer Art Denkblockade: der Glaube dass wir verlieren (Identität, Sicherheit), wenn wir uns Fremdes und Veränderungen zu eigen machen und integrieren. Aber das Gegenteil ist der Fall, was bereits die jüngere Geschichte der bisher eher zaghaft verlaufenden europäischen Einigung zeigt. Wissenschaftliche Erfolge wie die European Space Agency oder das CERN, wirtschaftliche Erfolge wie Airbus oder politische Erfolge wie innereuropäische Grenzöffnungen und langanhaltender Frieden, werden all zu schnell als Selbstverständlichkeiten gesehen.
Die Skepsis gegenüber grundlegenden Veränderungen sitzt tief in uns allen, weshalb immer wieder nach neuen, besseren, mitreissenderen Visionen für Europa und die europäische Einigung gerufen wird. Aber vielleicht reicht ja schon ein bildlicher Vergleich, zum Beispiel Europa als Mischwald. Ein gesunder Mischwald ist nicht besonders übersichtlich, bietet aber auch zarten Pflanzen Nischen, genauso wie grossen Bäumen. Und auch umgefallene Bäume sind keine Katastrophe, sondern bilden weitere Nischen, in denen Neues und Frisches entstehen kann. Auch ein Mischwald muss gehegt und vor allzu invasiven Arten geschützt, also reguliert werden. Aber anders als ein reiner Fichtenforst, ist ein Mischwald viel robuster und kann auch mal ein paar Jahre lang sich selbst überlassen werden.
Erstaunlicherweise ist die Förderung von Mischwäldern inzwischen sogar ein politisches Ziel im multikulturell eher skeptischen Bayern. Wenn man sich vorstellen kann, dass eine Eiche auch in einem Mischwald keinesfalls ihre Eichen-Identität verliert, sondern im Gegenteil, viel bessere Lebensbedingungen in der Vielfalt eines Mischwaldes vorfindet, müsste man sich doch eigentlich auch mit der Idee eines vereinten Europas anfreunden können, ein Europa, das aus Vielen Eines schafft und die Vielfalt als Wert an sich schätzt und schützt.
Wenn wir wirtschaftlich, digital, sozial und weltpolitisch erfolgreich sein wollen, müssen wir uns, um es mit Konrad Adenauer zu sagen, aus der Enge und Kleinheit Europas „herausdenken“.
So wie ein Wald mehr ist als die Summe der Bäume, ist auch Europa mehr als die Summe der europäischen Staaten und Regionen — und funktioniert doch dann am besten wenn es genau Eins ist.
auch arschlöcher, nazis, kindermörder, vergewaltiger verdienen eine anständige verteidigung vor gericht. es gibt, gab und wird immer menschen geben, die dieses an sich einfache, und vor allem wichtige grundprinzip des rechtssystems nicht verstehen wollen oder können — und die dieser grundlegende baustein des rechtsystems agitiert. das aber mit der hexenverfolgung gleichzusetzen, einem grausamen phänomen, bei dem über jahrhunderte 40 bis 60 tausend betroffene ihr leben verloren, oft auf grausame weise und nach folter, halte ich für höchst unangemessen und hysterisch.
abgesehen von dieser aufbauschung mangelt es sowohl deinem piq, als auch der verlinkten kurzmeldung an tiefe und differenzierung. tatsächlich hat sullivan seine professorenstelle nicht verloren, sondern lediglich die als dekan einer fakultät. ich finde das auch falsch, aber wenn man etwas mehr liest als diese lieblose kurzmeldung auf derstandard.at (hier zum beispiel), sieht man, dass es durchaus auch nachvollziehbare gründe der hochschule gibt, die zu dieser entscheidung geführt haben. darüber kann man sicher ausgiebig streiten, aber ich bezweifle, dass es eine gute idee ist diesen komplizierten vorgang maximal undifferenziert mit donald-trump-vokabular als „hexenjagd“ abzutun.
auf piqd.de poste ich in unregelmässigen abständen meine liebsten republica-vorträge. in den letzten tagen diese beiden:
sollte ich irgendwann in die politik gehen, dürfte das an diesem #rp19-vortrag gelegen haben. pragmatismus, praxis und daten sind glaube ich mächtige und schwer unterschätzte politische werkzeuge.
wegen erreichen der maximalen zeichenzahl passte dieser link, dieses video und 2000 andere gedanken nicht mehr in den piq. aber dieses beispiel zeigt einleuchtend, was gutes design bewirken kann (das eingebettete video fasziniert mich seit tagen, es ist fast meditativ. „meditativ“ als adjektiv für eine grossstadt-kreuzung ist gewagt, passt aber in diesem fall).
Auf der republica wurde dieses jahr (zu Recht) viel über Aktivismus geredet. Ein paar Stunden bevor Sascha Lobo seinen Vortrag mit Greta Thunbergs Aktivismus-wirkt-Zitat beendete, zeigte Mikael Colville-Andersen was Aktivismus erreichen kann. Er skizzierte nicht nur die Zukunft der Stadt, sondern zeigte sie auch, unter anderem am Beispiel Kopenhagens.
Ich fand es extrem inspirierend und augenöffnend, wie Anderson von den ziemlich erfolgreichen Bemühungen erzählte, um das Auto in Kopenhagen und anderen Städten zurückzudrängen und damit die Lebensqualität für alle zu heben. Er zeigte keine politischen Visionen, sondern seit Jahrzehnten erprobte Erfahrungen, best practices und Erfolge. Kopenhagen ist so fahrradfreundlich, dass sogar im Winter über 70 Prozent der Fahrradfahrer weiter mit dem Rad zur Arbeit fahren. Fast zwei Drittel der Politiker in Kopenhagen nutzen Fahrräder, um zur Arbeit zu kommen.
Anderson setze bei seinem Vortrag weniger auf Wut als Motor um Aktivismus zu säen, sondern tatsächlich auf Inspiration, beinahe Wehmut — und Daten. Er zeigte, dass Städte und Straßen wieder zu demokratischen Räumen werden können, statt Spielwiesen für Straßenbauingenieure und Verkehrslenker und dass man, um schnell von A nach B zu kommen, eben nicht unbedingt ein Auto braucht, sondern kluge Infrastruktur, die allen nützt und nicht nur ein paar Autofahrern.
Alles was Anderson zeigte war schlüssig, logisch und keine Spur radikal. Nach dem Vortrag war ich überzeugt, dass die Zukunft der Städte nicht im Hofieren des Autoverkehrs liegt und das Zurückdrängen des Autoverkehrs aus Städten auf eine Art alternativlos und zwangsläufig ist.
Eine gewisse Dosis Wut kam dann doch noch in mir auf, vor allem angesichts der Tatsache, dass sich in unseren Nachbarländern die Bürger schon seit Jahrzehnten die Städte und Strassen von den Autos zurückholen und wir uns hier aus unerfindlichen Gründen weiter scharenweise von Autos von den Fahrrädern fegen lassen und das offenbar als normal empfinden.
weder fahrradfahrer zu rammen, noch audi A8-waffen halte ich für besonders empfehlenswert.
der @TspCheckpoint ist mit der neuer gestaltung viel lesefreundlicher geworden, aber an die template-formulierungen müsste nochmal ein wortfindungsausschuss.
eins der wenigen geräte denen ich erlaube sich in die cloud zu verbinden (nach hause zu telefonieren) ist unser reinigungsroboter markus. damit bekommt man nach jeder „mission“ eine karte in der irobot-app serviert. lokale karten oder sogar „live-maps“ sind über die homeassistant roomba komponente, bzw. die python-bibliothek von nick waterton auch möglich, aber ziemlich resourcen-fressend. der server auf dem die roomba-bibliothek ausgeführt wird, muss ständig ein bild generieren, was bei meinen letzten versuchen zu einer stetigen server-auslastung von 80 prozent geführt hat. das ist nicht wirklich praktikabel.
weil die bibliothek aber die koordinaten des roomba ständig erfasst, dachte ich diese koordinaten könnte man doch auch vielleicht meiner seit jahren auf dem server laufenden owntracks-recorder-instanz übergeben. owntracks läuft immer im hintergrund auf meinem (und dem beifahrerinnen) handy und erfasst unsere position. das nutze ich vor allem für die anwesenheitserkennung der automatischen wohnung. wenn wir beide weg sind, gehen alle lichter aus, die heizung fährt runter und eine kamera, die die balkontür erfasst, schaltet sich ein. mit dem recorder kann man unsere positionsdaten permanent, lokal, speichern. so sieht das für meine positionsdaten der letzten zwei jahre aus:
für meine berlin-daten eignet sich das tool ganz gut, um die schwarzen flecken zu finden, in denen ich mal die stadt kennenlernen könnte oder spazieren gehen könnte.
für ausflüge in fremde städte eignet sich das tool ganz gut, um zu sehen, wo man überall war — und wo nicht.
und warum sollte ich das tool nicht auch benutzen, um die fahrten des putzroboters zu erfassen? die roomba komponnete/bibliothek gibt koordinaten aus, die sich immer relativ zum startpunkt befinden, in millimetern, positiv oder negativ zum startpunkt (oder zur ladestation). die relativen roomba-koordinaten lassen sich relativ leicht in geokoordinaten umrechnen. owntracks erwartet mindestens werte für lon und lat, nimmt aber auch die orientierung dankend an, die der roomba auch liefert. wenn die koordinaten in sensordaten vorhanden sind, kann ich eine automation bauen, die diese daten umrechnet und an den owntracks recorder schickt:
(kleines technisches problem: die homeassistant komponente aktualisiert die koordinaten nur alle 20 sekunden. weil die bibliothek von nick waterton aber auch die roomba-daten kontinuierlich per mqtt versenden kann — und da alle 1-2 sekunden aktualisiert — greifen die koordinaten-sensoren die daten dort ab.)
nehme ich die variable, die den radius der erde speichert (earth_r_mm) mit einen millimeter-wert, bekäme ich im recorder eine korrekt skalierte bewegungskarte. ich fand den kilometerwert aber anschaulicher, mit dem aus den roomba millimeter-werten kilometer werden. dann sieht eine „spot-reinigung“ des roomba in owntracks so aus:
normale reinigungsvorgänge sollten dann von schweden, über polen bis nach bayern reichen. das beste ist aber, dass hier zwar sehr viele daten anfallen, aber, soweit ich sehe, passiert das äusserst resourcenschonend — und zur not lässt sich die datenübertragung zum owntracks recorder auch deaktivieren.
ok, das schlafzimmer reicht nicht ganz bis schweden. aber bis dänemark.
ups, gerade gemerkt, das bild hatte die falsche zeiteinstellung. markus ist natürlich viel gründlicher, als es auf dem vorherigen bild scheint.
stand nach 10 wochen #speisekammergarten: der pak choi macht sich nach anfänglichem zögern prächtig, dahinter nochmal frischer mangold.
nach 3 wochen keimzeit ist der koriander endlich gekommen, der ahorn aus dem wald spriesst wie unkraut. den haltlosen mangold habe ich letzte woche, beim reinigen der schüssel, komplett umgepflanzt. dabei musst er so gut wie alle wurzeln verlieren. dafür steht er jetzt gut und offensichtlich hat er mir den wurzelverlust und das umtopfen nicht überlgenommen: unten spriessen schon wieder drei neue blätter. die beifahrerin meint zum mangold: sieht toll aus, schmeckt aber leider langweilig. ich widerspreche energisch!
der basilikum stellt sich je nach sorte ein bisschen an, aber ganz grossartig ist die rauke. sieht ein bisschen schlimm aus, schmeckt aber irre würzig (habe gestern ein blatt zum probieren abgeschnitten). davon mach ich künftig mehr (statt kopfsalat).
ganz unten in joghurteimern: kopfsalat, langsamer endiviensalat und der supermarkt-basilikum, der jetzt schon zwei monate mit uns lebt. #växer
beeindruckender, neuer LKW-fahrer filter von snapchat.
Dieser Vortrag auf der republica von Christian Mio Loclair triggerte bei mir ein ganzes Set an Aversionen: ein Deutscher der Englisch spricht, um eine bessere Reichweite zu erzielen, die explizite, plakative Behauptung mit seiner Arbeit nach Bedeutung und Poesie im Digitalen Raum zu suchen, statt potenzielle Fundstücke einfach zu zeigen und sich auf die implizite Wirkung und potenzielle Poesie der eigenen Arbeit zu verlassen, sowie die Verwendung von Kitsch, Überästhetisierung und gefälliger Musik, um Emotionen im Publikum zu wecken.
Ich habe den Vortrag trotz der Überdosis Pathos, der bedeutungslosen übersteigerten Schönheit der Einspielfilme, nicht verlassen, weil Loclair irgendwann auf Technologien kam, die mich brennend interessieren. Unter anderem: lernende, künstliche, neuronale Netzwerke oder genauer: Generative Adversarial Networks (GANs). Ein Ergebnis dieser selbst oder unüberwacht lernenden neuronalen Netzwerke fegte kürzlich durch alle meine Timelines: Synthetisch erzeugte Bilder von Gesichtern, die de facto nicht von echten zu unterscheiden sind. Beeindruckende Beispiele hier: thispersondoesnotexist.com
Loclair jagt in seinem Waltz Binaire Studio alle möglichen Datensets durch GANs, um zu sehen, ob das, was die Algorithmen am Ende ausgeben, ästhetisch verwertbar ist oder mit bombastischer Musik poetisch wirkt.
Und dann passierte gegen Ende des Vortrags doch noch ein Wunder und es wurde, auf eine Art, wirklich poetisch. Als Loclair und sein Team nämlich versuchten ein GAN auf Kinderbilder zu trainieren, versagte das maschinelle Lernen und produzierte nichts anderes als poetisch unverwertbaren Farbmatsch. Konfrontiert mit der kreativen Willkür kindlicher Kreativität oder der potenziell immer noch vorstellbaren, indeterministischen Willensfreiheit des Menschen, kommen Algorithmen ins Schleudern. Das ist nicht nur poetisch, sondern in gewisser Weise auch beruhigend.
I just learned that nearly every site running ads has a standardized ads.txt file that helpfully shows you how badly it murders your privacy. The file is a whitelist of all authorized resellers for programmatic advertising. For example, bostonglobe.com/ads.txtpic.twitter.com/mzJVtk6RWm
heute den 9 wochen alten salatkopf geköpft und zu spargelsalat angemacht. erntehewicht ca. 100 gramm. hat zwei menschen gesättigt. #ikeaväxer#växer
der #rp19 vortrag von @papierjunge hatte alles was ein guter vortrag braucht (sorgfältige vorbereitung, eine gute folienchoreografie, logik, erkenntnisgewinn, struktur) — ausser witz. pic.twitter.com/iWvEHl5bHg
vergessen habe ich im tweet oben noch, dass sein vortrag auch „selbstkritisch“ war. ich weiss wie schwierig das thema ist, weil ich mich auch schon mehrfach daran abzuarbeiten versucht habe, vor vielen jahren mal auf der republica in der kalkscheune. sein vortrag war gut strukturiert, pragmatisch und hilfreich, um künftig hypes und technologien besser einschätzen zu können. das mit dem „mangelnde witz“ fiel dann vor allem im kontrast zum folgenden vortrag von theobald fuchs auf.
der hatte sich auch ein dankbareres thema ausgesucht, nämlich das ridikülisieren von vergangenen zukunftsvisionen. auch wenn das allgemein schon nicht allzu schwer ist — meistens reicht es einfach nur die zukuntsvisonen zu zeigen um lacher zu bekommen — wies er immer wieder gekonnt auf einzelne details hin, die besonders witzig waren. aber details waren auch theobald fuchs selbst nicht so wichtig, weil er wiederholt die doofheit von elon musk herauszuarbeiten versuchte, der seiner meinung bei seinem hyperloop-projekt wichtige pysikalische details ausser acht liess oder zur späteren lösung verschob. das problem ist allerdings, dass elon musk mit der hyperloop-projekt, bzw. dessen umsetzung so gut wie nichts zu tun hat und die illustrationen die fuchs nutzte ein ganz anderes musk-projekt zeigten.
netter, unterhaltsamer #rp19 vortrag von theobald fuchs auf #stage5 mit teilweise recht naheliegenden, teilweise grandiosen witzen. aber das bild zeigt keine hyperloop-tunnel, sondern tunnel der boring company. musk hat operativ nix mit dem hyperloop zu tun. pic.twitter.com/u5QfZ4lZcQ
danach kam felix hartenstein 15 minuten zu spät, um über amazons rolle als städtebauer zu reden. darin erfuhr ich zwar nicht viel neues, aber das nachdenken darüber, wie amazon mit seinem vergangenen und aktuellen agieren städte verändert, wie grossunternehmen städte formen, und ob und wie wir das als gesellschaft mitgestalten oder ertragen wollen, scheint mir wichtiger denn je. von daher: inspirierender vortrag.
danach blieb ich natürlich sitzen, weil danach die frage „Raumfahrt und Gesellschaft – wohin geht die Reise?“ von alexander gerst und seinem chef diskutiert werden sollte. der chef von gerst, jan wörner, der generaldirektor der european space agency, ist eine ziemlich lustige und manchmal ein bisschen nervige rampensau. im kontrast zu gersts tiefenentspannter art und mit den moderationsversuchen von chiara manfletti wurde das aber zu einer sehr unterhaltsamen und bewegenden veranstaltung. fürs bewegen der raumfahrzeuge sind manfletti und wörner zuständig, fürs herz gerst. und wie letztes mal, als er auf der republica sprach, bewegte mich gerst tief. nicht mit den bildern aus dem nahen erdorbit oder aus der saturn-umlaufbahn (auch), sondern mit der art wie er nachwuchsfürderung praktiziert. seine aufgabe sehe er hauptsächlich darin, jungen menschen, jungen mädchen, frauen und kindern (männer sind mitgemeint) klar zu machen: das was der gerst kann, kann ich schon lange oder besser. diese selbstmarginalisierung seiner leistungen fand ich so sympathisch, so beeindruckend, dass mir kurz (beinahe) die tränen kamen.
am ende wurde mir klar, dass das grösste kompliment, was ix der #rp19 machen kann lautet: dass trotz immer grösser, immer mehr, immer prominenter alles wie immer war.
es ist erstaunlich, wie die republica ständig wächst, dieses jahr auch noch die tincon mit aufnahm, immer diverser wird, im publikum wie auf den bühnen und es doch weiter schafft eine art safespace zu sein, in dem sich alle wohl fühlen, respektiert oder geschätzt fühlen. was sich allerdings verändert hat: auf der republica wird nicht mehr nur das wesen ursprünglich digital entstandener blasen und gemeinschaften gesucht, nicht mehr nur die räume des digitalen exploriert oder versucht die grenzen der digitalen räume zu verschieben. auf der republica versuchen die anwesenden, wir, gemeinsamkeiten und verbindendes zu finden, statt unterschiede oder trennendes zu konstruieren. und das über immer mehr gesellschaftsschichten hinweg.
ich mag es sehr gerne auf dem hof der #rp19 zu sitzen und die verschiedenen geh- und steharten zu studieren.
anders als gedacht fing das streitgespräch zwischen axel voss und markus beckedahl nicht um 10:15, sondern um 11:15 an. so früh an bühne 2 zu sein war aber sehr gut, einerseits weil ich mir dann ein panel über „made in europe“ ansehen konnte und vor allem weil ix so überhaupt in die voss vs. beckedahl veranstaltung reinkam. die türen wurden nämlich schon kurz nach dem ende des made-in-europe-panels wegen überfüllung verrammelt. aus dem made in europe-panel blieb nicht viel hängen, ausser dass china einen plan hat und europa nicht (felix lee) oder dass man in europa ja (quell) offene, modulare, „nachhaltige“ hardware fördern könnte und damit einen offenbar bestehenden bedarf bedienen könnte (anke domscheid-berg). anke domscheid berg zitierte in anderem zusammenhang auch gregor gysi mit „opposition ist zeitgeist“ (so habe ichs verstanden), meinte aber wahrscheinlich: „In Opposition kann man Zeitgeist verändern.“ wenn ich mir die derzeitige opposition im bundestag so angucke, zumindest die rechts sitzende, hoffe ich doch sehr dass das entweder nicht stimmt oder zeitgeist stärker aus der gesellschaft verändert wird, als aus dem parlament. die vertreterin der telkom auf der bühne, claudia nemat (verantwortet im vorstand der telkom das ressort technologie und innovation), stimmte grundsätzlich allem und jedem zu, sogar zwei kritsch fragenden aus dem publikum. die kunst des lauten „ja“, kombiniert mit einem leisen „aber“ habe ich jetzt schon mehrfach auf der republica beobachtet und sie wird ausschliesslich von frauen beherrscht.
das streitgespräch voss vs. beckedahl begann mit einer dreifach anmoderation; zuerst der bühnen-moderator, dann der gesprächsmoderator jo schück, der erklärte dass das gespräch als zdf-kultur-sendung aufgezichnet würde und dass er gleich, „absurderweise“, nochmal auf die bühne kommen würde, als würde er das zum ersten mal tun. das tat er auch und moderierte das panel dann wirklich brilliant, gut vorbereitet und unterhaltsam durch.
bei voss vs. beckedahl hat der moderator gewonnen. (beckedahl und voss haben sich beide gut geschlagen, aber jo schück hat das wirklich sehr brilliant moderiert) pic.twitter.com/LR9h0FKOfv
neben mir sass jens schröder und sagte vor dem voss vs. beckedahl-gespräch, dass er ein bisschen angst vor dem gespräch habe. diese angst, dass das publikum all zu höhnisch und unfair mit axel voss umgehen könnte teilte ich mit ihm, es zeigte sich aber, dass sie unbegründet war. bei markus beckedahl brachen zwar ein, zwei mal kurz emotionen und polemische ansätze durch, aber das gespräch empfand ich als zivilisiert und erhellend — und das publikum als fair. anders als erwartet, brabbelte axel voss nicht nur unzusammenhängendes zeug vor sich hin, sondern schaffte es beinahe eine schlüssige argumentation dafür abzuliefern, warum artikel 13 eben so verabschiedet wurde, wie er verabschiedet wurde. der artikel, der das urheberrecht beträfe sei eben nur eine grobe vorgabe (richtline), die, im gegensatz zu verordnungen, eben nicht eins zu eins, sondern mit grossem spielraum national umgesetzt werden könnten. man muss mit dem inhalt und dem geist der richtlinie nicht übereinstimmen, aber dass es spielraum bei der umsetzung gibt ist relativ unbestreitbar. dass auch gut geschriebene gesetze rechtsunsicherheiten schaffen, und nicht nur schlecht geschriebene wie die von ihm begleitete richtlinie, hat er leider nicht gesagt, aber auch das dürfte relativ unbesteritbar sein. ganz abgesehen davon zog markus beckedahls kernargument wesentlich besser, nämlich dass das urheberrecht ganz grundsätzlich an das digitale zeitalter angepasst werden müsste und grosszügigere, explizitere schrankenregelungen umfassen müsste, damit das kreieren, dass publizieren im netz unkomplizierter, verständlicher und nachvollziehbarer wird.
axel voss beharrte im gespräch auch darauf, dass die ausnahmeregelungen die man in der richtlinie festgelegt habe (artikel 5?), auch ausnahmen im zitatrecht von bildern („memes“) beinhalten würde: wenn das nicht so umgesetzt würde, meinte voss zu beckedahl, könne man sich mnochmal zusammensetzen und das dann wieder ändern. das ist aus dem mund von jemandem, der in der zeit behauptete, dass man fremde texte auf privaten homepages in gänze veröffentlichen dürfe (weil „privatkopie“) nicht so irre beruhigend, aber immerhin eine deutliche festlegung. der passend zynische kommentar, der in etwa lautete: „anpassungen lassen sich dann ja problemlos vom europaparlament verabschieden“ kam dann glaube ich von jo schück.
danach blieb ich für bernhard pörksen sitzen. eigentlich ertrage ich dessen vortragsstil nicht — auch wenn er den vorteil gegenüber vielen anderen vortragenden hat, dass er sich sorgfältig vorbereitet, bzw. seinen text auswändig lernt.
alles was pörksen eben auf #stage2 sagte haben andere auch schon mal gesagt, nur nicht so geschwiffen und gedrechselt — und auch wenn er wie eine eitle akademiker-karikatur wirkt, habe ich heute seinen #rp19 vortrag ertragen und gut gefunden.wahrscheinlich weil ich gut sass. pic.twitter.com/PNlw3tvhmR
beim „The Algorithmic Boss“ von alex rosenblat wurde auf eine art davon abgeraten für uber zu fahrenZzu arbeiten, aber das problem, das sie beschrieb, dürfte uns allen noch im alltag begegnen; nicht nur dass wir in der einen oder anderen form anweisungen von algorithmen erhalten werden, sondern eben auch, dass wir künftig hilfestellungen eher von algorithmen als menschen bekommen werden. und wenn wir doch mal an menschen geraten, dürften das meist menschen sein, die sehr weit von uns und unseren problemen sitzen und auch algorithmische chefs haben.
bei „Building Joyful Futures“ von alexis hope habe ich dann wieder geschlafen, obwohl das thema eigentlich gut und wichtig ist. nämlich dass apparate, maschinen, hilfsmittel oft von menschen gebaut werden, die sie gar nicht benutzen. diese apparate und maschinen dann gemeinsam selbst zu entwickeln ist auch meiner meinung nach eine der grössten chancen der digitalisierung und weht natürlich auch schon länger unter dem label maker-movement durch das netz, die welt und die republica. letztendlich sehe ich auch das bloggen als ein ergebnis dieser bewegungen. wenn nicht über die welt, die blasen, die gemeinschaften berichtet wird, deren teil man ist, macht man es eben selbst. so ist das bloggen entstanden und diese idee steht eben auch hinter facebook und twitter (wenn man das werbegedöns mal ausblendet).
nach einer weiteren kurzen pause im hinterhof, bzw. der hinteren freifläche, ging ich in christian mio loclairs vortrag artificial vanity. den vortrag hielt er aus gründen der eitelkeit besseren werbewirkung/reichweite auf englisch, obwohl das nicht seine stärkste muttersprache ist.
zugleich furchtbar pathetisch, die arbeit und #rp19 präsentation von christian @Mio_Loclair in „artificial vanity“ auf #stage1, als auch tief beeindruckend und faszinierend. und am ende gabs nen schönen talk-twist und ne befriedigendes fazit. pic.twitter.com/tt8p5zpgBA
seine arbeiten und das was sein studio walz binaire macht sind grösstenteils wirklich wunderschön, sehr digital, sehr cutting edge, aber zum teil eben auch sehr inszeniert, leer und willkürlich. was mir aber sehr gefallen hat, war die kurve die er am ende hinbekommen hat. nachdem er zwei drittel seines vortrags damit zugebracht hat zu zeigen, wie maschinen — oder genauer systeme zum maschinellen lernen — offenbar schöpferisch tätig sein können, wie man sie auf bestimmte stile oder ziele trainieren kann — mit teilweise erstaunlichen ergebnissen — zeigte er am ende eben auch die grenzen dieser technologie auf. die waren nämlich genau dann erreicht, als er und sein team versuchten die systeme auf kinderbilder zu trainieren. weil kinder eben keinen stil haben, oder besser, die bilder von kindern eben alles sein können, kinder eben keine lieblingsfarbe haben (sondern alle farben mögen), keine bestimmte art tiere zu malen (sondern alle vorstellbaren und unvorstelbaren arten tiere zu malen nutzen), ist das was aus dem trainingsset von tausenden (millionen?) kinderbildern herauskam einfach nur farb-matsch. diese magie der kindlichen, der menschlichen kreativität, diese potenzielle unberechenbarkeit des menschlichen geistes, die maschinen zur verzeiflung bringen kann und die auch schon charlie chaplin visualisiert hat, waren ein starkes fazit von loclairs vortrag, das jeden vorhergehenden pathos entschuldigt und wett macht. wenn das video online ist: unbedingt nachschauen!
@publictorsten kleinz gewohnt fachkundig und verpeilt bei seinem #rp19 vortrag über adblocker. fühlte sich an wie in einem der seminarräume in der kalkscheune. pic.twitter.com/IygcIAbPhp