ich finde nicht dass es martenstein in der diskussion um falsch liegen oder richtig liegen geht, also um das bekennen zu fehlern. damit haben beide, martenstein und niggemeier, glaube ich wenig probleme.

martenstein macht aber deutlich, dass es ihm nicht wichtig ist ob seine positionen richtig oder falsch sind, ob sie missverständlich oder verletztend sind, sondern dass es ihm eben (vor allem) um meinungspluralismus gehe. ich halte das durchaus für eine rationalisierung um fragen nach moral und reflektion über die wirkung der eigenen worte aus dem weg zu gehen.

meine einschätzung von martenstein ist übrigens eher, dass er wirklich naiv an die themen rangeht, unbelastet von vordiskussionen, forschungsergebnissen oder anderen meinungen. er geht mit dem mal-schauen und hier-ist-was-ich-mir-dazu-gedacht-habe-prinzip an seine kolumnen ran. das ist früher seine grosse stärke gewesen, finde ich, und jetzt, wo er sich der politik zughewendet hat seine grösste schwäche. „gesunder menschenverstand“ funktioniert oft sehr schlecht, wenn er von hohen tellerrändern begrenzt wird.

mir fehlt oft der mut positionen zu veröffentlichen, hinter denen ich nicht stehe. diskussionen oder der debatte würde das sicher dienen, im sinnes eines advocatus diaboli. wenn ich sportlich oder auf randale getrimmt bin oder bock auf ausufernde diskussionen habe, dann veröffentliche ich gelegentlich auch positionen hinter denen ich gerade mal so halb stehe.

allgemein möchte ich positionen aber nicht sportlich vertreten, sondern auf überzeugungsbasis oder als ergebnis von abwägungsprozessen. das ist auch mühsam, aber weniger anstrengend als das provozieren um des provozieren willen. und deshalb wäre es hier wohl auch verständlicher gewesen von sportlichen ehrgeiz, als von mut zu sprechen.

ich hatte einen ähnlichen impuls, der mich nach meiner tischlerlehre dazu gebracht hat architektur zu studieren: ein artikel in der zeit über den architekten peter hübner, der nicht für, sondern mit den künftigen bewohnern/benutzern baut.

möglicherweise war das dieser artikel in der zeit: zeit.de/1992/15/meister-unordentlicher-haeuser/komplettansicht

wie ingo sagt, die sensorik ist das problem. die meisten deutschen müllabholer hüten ihre abholdaten aber offenbar wie augäpfel. keine APIs, keine einfachen abfragen. von daher lautet die antwort: eher nicht.
ne #offenemülldateninitiative, das wär aber mal was.

genau diese haltung ist es, die ich an vielen dystopien nicht mag. einerseits weil das nicht die einzige möglichkeit ist, die weltläufte zu interpretieren, aber auch, weil diese weltsicht bereits mindestens 20.000 jahre alt ist, also keine einmalige (neue) herausforderung ist.

ums dürfen, die aufgaben der kunst oder gar die kunstfreiheit gings (mir) ja nicht. mir gings ums mögen, wie der erste satz in meinem text bereits andeutet. es darf ja auch porno oder horror oder helene fischer geben. nur mögen muss man die eben nicht. 1984 mochte ich übrigens auch nie besonders und ja, ich finde und fand 1984 zu pessimistisch.

naja, modern family geht immer. ist zwar nicht neu, aber ich finde es nach wie vor teilweise sehr, sehr witzig.

auf eine art witzig und fast neu: die zweite staffel von BBC americas dirk gently’s holistic detective agency (staffel zwei ab. 5. januar auf netflix). während ich die erste staffel eher scheisse fand (und trotzdem zu ende schaute), gefiel mir die zweite staffel irgendwie. sie war so absurd, abgedreht und idiotisch, dass man über die miesen schauspielerischen fähigkeiten von elijah wood hinwegsehen konnte und sich von der absurdität und blödsinnigkeit der geschichte fesseln lassen konnte. die erzählte geschichte ist tatsächlich so bekloppt, dass sie schon fast wieder gut ist.

auch nicht neu, im gegenteil, bald andertalb jahrzehnte alt, startrek enterprise, die star trek serie die vor kapitän kirk im jahr 2151 angesiedelt ist und 90 jahre nach dem ersten kontakt. die serie hat keinen besonders guten ruf, fiel in der zuschauergunst durch und wurde in der vierten staffel abgesetzt. sie läuft, wie alle star-trek-serien, auf netflix und ich habe mir bereits 82 der 98 folgen angesehen. die serie ist wie die meisten star-trek-serien ein bisschen holzschnitt- und kammerspielartig, vollgestopft mit billig produzierten kulissen, durchzogen von schlechten spezialeffekten und stereotypen rollenmustern.

sieht man die serie ohne grossen erwartungen, kann sie unterhaltsam wirken. in den ersten beiden staffeln stehen die einzelnen episoden meist für sich, in mehr oder weniger abgeschlossenen handlungen, mit einem feinen, fast unsichtbaren roten faden. die dritte staffel hat dann einen gut sichtbaren, etwas überdramatisierten roten faden, der mich zum milden rauschsehen brachte. wie gesagt, technisch und von der produktionsqualität ist das alles eher schlecht bis mittelgut, aber der kern der erzählungen, die metaebene, die intention der serie finde ich sympathisch, wie fast alles aus dem star trek universum.

das kernproblem der serie könnte die besetzung der kapitänsrolle gewesen sein. scott bakulas als jonathan archer funkt nicht besonders. archer ist weder besonders sympathisch, noch doppelbödig. er ist einfach da und erfüllt seine pflicht, man kann ihn gut ertragen, aber identifizieren mit ihm wollte ich mich irgendwie nicht. wäre archer ein auto, wäre er früher ein passat gewesen, heute ein prius; ein vernünftiges, effizientes, fleissiges arbeitstier, ohne charme und reiz. ganz schlimm auch die vulkanierin t’pol, gespielt vom ehemaligen model jolene blalock, deren aussehen in der serie wohl nicht nur vom kostüm- und maskenbildner, sondern auch von plastischen chirurgen gestaltet wurde.

trotzdem. ich habe startrek enterprise gerne gesehen, auch wenns weder (wirklich) gut, noch eine sitcom war.

* * *

ganz abgesehen davon; gestern habe ich zufällig diesen ausschnitt aus einem clouseau (mit peter sellers) gesehen:

youtube-video
youtube

eigentlich dachte ich, kenn ich die filme aus der clouseau-reihe alle auswendig, aber an diese szene konnte ich mich nicht mehr erinnern. aber sie erinnerte mich daran, dass ich die eigentlich alle noch ein paar mal wieder sehen müsste.