drei nächte mit der schlafnuss

felix schwenzel, , in artikel    

der erste eindruck nach einem tag und einer nacht mit der sen.se-schlafnuss hat sich nach drei tagen verfestigt. die sleeppeanut ist ein solider temperatur- und bewegungssensor, den man sich ins bett legt und der daraus rückschlüsse auf das schlafverhalten ableitet und noch grosses entwicklungspotenzial hat. über die API lassen sich die werte auslesen, die die schlafnuss per bluetooth low energy über die handy app nach hause funkt. ich kann den batteriezustand auslesen, die temperatur und registrierte bewegungen. aus diesen daten — und der tageszeit — leitet sen.se dann schlafdaten ab. leider funktioniert das nicht für mittagsschläfe. bettzeiten vor den abendstunden werden für die schlafauswertung komplett ignoriert.

was den schlafalgorithmus zudem komplett durcheinander bringt: wenn man sich in den abendstunden einmal kurz ins bett legt, zum lesen oder fernsehgucken, dann wieder ein paar stunden aufsteht und später wieder hinlegt. am abend des ersten april habe ich mich beispielsweise um 22 uhr für 20 minuten hingelegt und bin dann erst gegen zwei uhr morgens wieder ins bett.

nacht vom 1. zum 2. april

in der zeit, die ich in der küche verbracht habe, sah sen.se zwei tiefschlaf- und zwei halbschlafphasen und macht aus sechs stunden nachtruhe einfach neun.

auch heute nacht hat der sen.se-algorithmus meine einschlafzeit falsch eingeschätzt. ich bin zwar in der tat um 22:48 uhr ins bett gegangen, aber nach 10 minuten eingeschlafen, nicht erst nach über einer stunde.

nacht vom 3. zum 4. april

korrekt verzeichnet ist meine aufstehzeit. weil ich über die API die temperatur und den bewegungsmelder auslese, kann ich die nachtauswertung des sen.se-algorithmus mit den sensordaten vergleichen. so wie es aussieht, werden phasen, in denen ich mich wenig oder nicht bewege als tiefschlafphasen gewertet und andere bewegungen, je nach intensität als wach-, halb- oder leichtschlaf. die auswertung der bewegungen ist recht detailiert, sen.se erfasst die anzahl der bewegungen pro 5 minuten-interval und deren intensität. ich lese lediglich das vorhandensein von bewegungen aus und habe mir so über meine heimautomatisierungssoftware eine art bett-bewegungsmelder gebaut.

per api ausgelesene bewegungsdaten der schlafnuss

aus dem temperaturverlauf der schlafnuss, lässt sich dann hervorragend (im homeassistant) ein bett-anwesenheitssensor bauen. sobald die temperatur der schlafnuss ca. 5° über der raumtemperatur liegt, kann ich davon ausgehen, dass mein bett besetzt ist. damit liessen sich dann automatisierungen bauen, fielen mir welche ein.

per api ausgelesene temperaturdaten der schlafnuss

* * *

mir gefällt, dass sich die sensordaten der schlafnuss relativ unproblematisch über die API auslesen lassen, auch wenn sie aus technischen gründen immer erst leicht verzögert vorliegen. die schlafnuss muss sie erst an die handyapp funken, die app muss vom handy rechenzeit zugewiesen bekommen und dann die daten nachhause funken. dort kann ich sie dann per API auslesen und entsprechend mit 2-10 minuten verzögerung agieren. erstaunlich erscheint mir die funkreichweite der schlafnuss. von meinem bett zur küche sind es ungefähr 10 meter und zwei wände dazwischen. trotzdem schafft es die handy-app regelmässig die daten der schlafnuss über diese distanz zu erfassen, ohne dass das handy direkt neben der schlafnuss liegen muss.

wirklich enttäuschend hingegen ist der weckmechanismus. immerhin ist die weckfunktion eins der hauptmarketingelemente von sen.se. so steht auf der verpackung „smart wake up alarm clock“. der wecker ist per app einerseits umständlich zu bedienen und relativ unflexibel, wenn man mal schnell die weckzeit anpassen will. ausserdem ist der wecker strunzdumm: obwohl das system weiss, dass ich um 4:48 uhr aufgestanden bin, plärrte die nuss um 6 uhr (die eingestellte weckzeit) im bett los. noch dümmer: die app schafft es nicht, sich dem handy als wecker vorzustellen und damit die stummschaltung des handys zu umgehen. ich habe (natürlich) mein handy stets stummgeschaltet, was aber zumindest den eingebauten ios-wecker nicht stört. der plärrt genau dann so laut los, wie ich es vorher eingestellt habe, egal ob das gerät stummgeschaltet ist oder nicht. die sen.se app geht davon aus, dass mich eine stumme benachrichtigung auf dem sperrbildschirm wecken würde, wenn ich nicht möchte dass die schlafnuss zur weckzeit fiept. hier besteht eindeutiger nachbesserungsbedarf und sen.se sollte vor allem nochmal kräftig überlegen, ob es wirklich „smart“ ist, leute zu wecken zu versuchen, von denen man weiss, dass sie wach sind.

auch im senseboard, dem dashboard auf dem sen.se die sensordaten aller registrierten peanuts anzeigt, herrscht noch starker nachbesserungsbedarf. derzeit präsentiert sich mir das senseboard nämlich so:

leeres senseboard

um die daten meiner nuss zu sehen, muss ich jedes mal auf „mein erstes gerät hinzufügen“ klicken und mich über die „sleep“ anwendung zu meiner „bereits installierten“ schlafnuss durchklicken. möchte ich im senseboard einstelliungen an der schlafnuss vornehmen, antwortet sen.se mit 404 (einstellungen in der app funktionieren).

einstellungen nicht gefunden: 404

auch wenn der weckmechanismus noch strunzdumm unausgereift ist, das webportal erst halbfertig, die schlafauswertungen fehlerhaft und hochspekulativ sind, bereue ich nicht 30 euro für die sen.se sleeppeanut ausgegeben zu haben. es ist ein ausgefeiltes stück technik, das präzise sensordaten per BLE über grosse distanzen funken kann und aus dem sich nützliche daten gewinnen lassen. über kurz oder lang wird es mir sicher gelingen die daten direkt auszulesen und an echtzeitdaten zu kommen. ich überlege auch ernsthaft eine zweite schlafnuss zu kaufen, um sie der beifahrerin ins bett zu legen.

schlafnuss

felix schwenzel, , in artikel    

sen.se stellt peanuts her, oder wie sie selbst sagen: smarte sensoren in form von kleinen nüssen. volker weber hat eine nuss zum temperaturmessen und ist relativ angetan von ihr: „This is all I ever wanted from IoT: simple, one-purpose devices that don't cost a fortune.“

ich kann mit den temperaturnüssen nichts anfangen. meine temperatursensoren sind um ein vielfaches günstiger als die 30 euro nüsse und sprechen ohne allzu viele verrenkungen mit meiner wohnung. allerdings legt sen.se grossen wert darauf, mich regelmässig über ihre produkte zu informieren. jede woche bekomme ich werbemails aus frankreich, die alte oder neue nüsse anpreisen. vor ein paar monaten wurde in einer dieser werbemails eine nuss angekündigt, die schlafphasen aufzeichnen können sollte. meine rückfrage, ob so eine nuss als rezensionsexemplar verfügbar wäre wurde komplett ignoriert. ein paar wochen später, versprach eine der sen.se-werbemails, dass die sleep peanuts jetzt zur vorabbestellung zur verfügung stünden. für 30 euro bestellte ich mir so eine sleeppeanut, gestern kam sie an.

die verpackung war nicht besonders frustfrei, aber immerhin ohne werkzeug zu öffnen.

schlafnussverpackung

obwohl die schlafnuss dafür gedacht ist, sie unter dem laken, auf schulterhöhe auf die matraze zu legen, wurde ein ominöser clip mitgeliefert um sich die nuss ans revers heften zu können. klebestreifen lagen der packung auch bei. ich habe die nuss nach der paarung mit dem telefon, bzw. der sensepeanut-app einfach unters laken ins bett gelegt.

die einrichtung der schlafnuss war erstaunlich unspektakulär, ein bisschen hakelig war die einstellung des weckers in der app, die benutzerschnittstelle hat apple mit seinem ios-wecker und der schlafzeit-app um längen besser hinbekommen. diese app habe ich in den letzten monaten aus zwei gründen sehr gerne benutzt: mit ihr lässt sich der wecker nicht nur nach der weckzeit einstellen, sondern auch nach der schlafzeit. ich brauche ungefähr sechs stunden schlaf pro nacht und sollte ich mal später als üblich ins bett gehen, konnte ich meine weckzeit einfach visuell, ohne rechnerrei verstellen (eine anmerkung dazu weiter unten). ausserdem lieferte die apple-app einen wunderbaren weckton mit: vogelgezwittscher. mich weckte das über monate zuverlässig auf, die beifahrerin nicht ein einziges mal.

klingeltöne bringt auch die sensepeanut-app mit, probehören kann man die allerdings nur in voller lautstärke. zum probehören ignoriert die sensepeanut-app den lautstärkenregler, was ich völlig bescheuert finde. die peanut selbst kann auch geräusche machen, was aber keine sonderlich gute idee ist, weil der piepton, den die nuss von sich gibt äusserst jämmerlich und billig klingt, in etwa so nervig wie eine elektronische grusskarte.

leider wirkt auch die nuss selbst ein bisschen billig. sieht sie auf den hochglanz-produktfotos edel mattiert, fast silikonbeschichtet, aus, wirkt sie bei licht betrachtet wie aus billigem spritzguss.

schlafnuss

aber wie sie aussieht ist mir letztlich auch egal, schliesslich liegt sie unter meinem laken und ich muss sie fast nie sehen.

gestern abend bin ich dann, relativ gespannt, um halb zwölf ins bett gegangen. die standardeinstellungen fürs wochenende verzichten auf eine weckung, ich bin trotzdem um kurz vor sechs aufgewacht. auch wenn ich wusste, dass ich gegen zwölf uhr eingeschlafen bin und um kurz vor sechs aufgewacht bin, wollte ich gleich nachsehen was die app zu meinem schlaf meinte. die app bat mich um geduld, weil sie „meine nacht“ erst auswerten wolle.

ein paar minuten später, in meinem „senseboard“, war die auswertung dann abgeschlossen. das ergebnis der messung fand ich respektabel. ohne jede kalibrierung oder grossartige konfiguration, hat die schlafnuss erfasst, dass ich um halb zwölf ins bett gegangen bin und um kurz vor sechs aufgewacht und -gestanden bin. bei der einschlafzeit möchte ich widersprechen, die nuss meint ich hätte eine stunde gebraucht einzuschlafen, ich meine, dass ich nach ca. 20 bis maximal 30 minuten eingeschlafen bin. mal schauen ob sich das noch justiert.

schlafnussboard

ansonsten schenke ich den messergebnissen erstmal glauben. zumindest die letzte tiefschlafphase müsste hinkommen, denn ich erinnere mich, vor dem aufwachen heftig geträumt zu haben. das kommt mit der anzeige also hin, sofern ich mich korrekt erinnere, dass REM-schlafphasen tatsächlich tiefschlafphasen sind (nachgelesen: sind sie nicht. aber vielleicht passt es ja trotzdem, weil ich aus der tiefschlafpahse gegen 05:20 kommend über eine REM-phase langsam aufwachte).

ich bin jetzt auf die messergebnisse der nächsten nächte gespannt und was die app mit meinen mittagsschläfen anfängt. so wie die funktion der schlafnuss verkauft wird und nach dem was ich meine beobachtet zu haben, funktioniert die auswertung meiner nacht serverseits. dass heisst, die messwerte der nuss werden über die app an die sen.se-server übermittelt und die berechnen die kurven und phasen auf ihrem server, bevor sie die ergebnisse wieder an die app und das dashboard senseboard senden. auch wenn dieser ansatz meine schlafdaten auf einem fremden server irgendwo im JWD speichert, bsteht die hoffnung, dass die auswertungsalgoritmen lernfähig sind und in der folge immer bessere daten liefern. für den ersten schuss finde ich die daten, wie gesagt, schon mal ganz passabel.

mich beunruhigt die externe datenspeicherung nicht all zu sehr, was mich aber wirklich stört, ist dass die sen.se-app die schlafdaten (noch?) nicht an die ios-health-app weitergibt. dort könnte ich sie zumindest langfristig speichern und nicht nur solange die firma aktiv ist. die macher der firma haben nämlich bereits einmal eine ihrer kreationen links liegen lassen. die gründer von sen.se, waren auch mal an violet beteiligt, der firma die den nabatztag gebaut, vermarktet und in der cloud betrieben hat. als sie ihre firma aufgaben, bzw. verkauften, hörten auch die smarten nabatztag-hasen auf zu funktionieren, weil sie ihren lebenssaft aus der cloud bezogen.

auch die schlafnuss bezieht ihren lebenssaft aus der cloud. die nuss selbst scheint lediglich eine sammlung einfacher sensoren (temperatur und bewegung) zu sein, die ihre messergebnisse per bluetooth BLE (via telefon-app) in die cloud schicken. gleichzeitig scheint mir das an sich auch sehr smart, denn hardwaremässig scheinen die nüsse, die sen.se verkauft, alle mehr oder weniger gleich zu sein. sowohl die sleep-, als auch die thermo- und die guardpeanut sind hardwaremässig gleich: temperatur- und/oder bewegungssensoren. die intelligenz steckt in software. ebenso wird die angekündigte medpeanut in der hardware nichts anderes sein als ein bewegungssensor, dessen erinnerungsfunktion komplett in der cloud werkelt und die app als kommunikationshub und schnittstelle zum benutzer und der hardware nutzt.

ich halte 30 euro für die meisten sen.se nüsse für überteuert, aber für die schlafnuss gerechtfertigt. ich habe viel und lange überlegt, wie ich selbst sensoren bauen könnte, mit denen ich die besetzung meines/unserer betten messen könnte. so richtig gute, elegante und vorl allem kabellose lösungen sind mir nicht eingefallen. vor allem aber möchte ich zum schlafen kein armband anziehen oder einen clip anstecken. die lösung der sleeppeanut hingegen ist so wie ich mir das vorstelle: ins bett legen (die nuss, aber auch mich selbst) und an nichts anderes denken müssen — ausser den batteriewechsel nach 3-4 monaten (wobei ich hoffe, dass die app mich daran erinnern wird). insofern finde ich die 30 euro, zumindest für die schlafnuss, angemessen.

in der ersten nacht habe ich die nuss übrigens nicht gespürt. ich hoffe das bleibt so und dass ich keine prinz-auf-der-erdnuss-sensibilität entwickle.

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anmerkung zu schlafzeit-app:
obwohl ein iphone alle möglichen sensoren mitbringt und meine gewohnheiten über jahre hinweg beobachten kann, macht die schlafzeit app keinerlei anstalten auf meine gewohnheiten zu reagieren. stelle ich eine schlafzeit ein, wird diese nicht etwa automatisch verstellt, wenn das iphone bewegt wird oder benutzt wird. all die interaktionsdaten die das telefon aus meinem verhalten ablesen könnte, werden für die schlafzeit-erinnerung oder einstellung offenbar vollkommen ignoriert. ich halte das für eine weitere von 34394 verpassten chancen von apple.

motorisierter, chinesischer gong

felix schwenzel, , in artikel    

mein tageswerk.

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lange geplant, endlich (so einigermassen) umgesetzt. der gong, den sich die beifahrerin zu weihnachten hat schenken lassen (hier gekauft), zu automatisieren. diesen chinesischen gong hatte sich die beifahrerin vor ein paar jahren mal geliehen und eine arbeit damit ausgestattet.

chinesischer gong, in einer arbeit von katia kelm (der beifahrerin)

damals, für die arbeit, wurde der gong, wenn ich mich recht erinner, mit einem hubmagneten betätigt. das hatte relativ viel bums. nachdem ich diesen blogeintrag gefunden hatte, wusste ich, dass ich das mit einem schrittmotor nachbauen wollen würde. erste versuche zeigten, dass der schrittmotor, zumindest wenn er mit den 5 volt eines esp8266 betrieben würde, nicht besonders viel bums hat. der schrittmotor den ich kaufte hat zwar (angeblich) ein ganz gutes drehmoment, aber es zeigte sich schnell, das der gong mit schrittmotor nur hängend funktionieren würde.

aber so, hängend, haben es die leute von senic auch gemacht. die schaltung habe ich auch mehr oder weniger von dort übernommen. neben einem esp8266 brauchte ich noch einen (hardware) schrittmotor-treiber, einen easy-driver. mit der schaltung von senic kann man einfach in einer schleife impulse an den treiber senden, jeder impuls ist dann eine bewegung nach vorne. bei meinen ersten tests zeigte sich, dass 500 schritte vorwärts (und zurück) ganz gut funktionierten. aber ich merkte auch, dass der schrittmotor-treiber sehr heiss wurde und der schrittmotor anfing leise zu singen. auf beiden systemen war ständig strom. in der dokumentation des schrittmotor-treibers stand allerdings, dass man den treiber auch abschalten könne. also habe ich die schaltung von scenig ein bisschen erweitert:

GPIO 13 — puls
GPIO 12 - richtung
GPIO 14 - an/aus (SLP)

schaltung für die schrittmotor ansteuerung

mit der an/aus schaltung wird der schrittmotor-treiber nicht mehr heiss und der motor entspannt sich ebenso. als sketch habe ich diesen sketch modifiziert, der einen schrittmotor zur gardinensteuerung antreibt und die AccelStepper-bibliothek nutzt, um den motor (etwas) sanfter anfahren zu lassen. weil ich (natürlich) keine dreieinhalb vollumdrehungen benötige um den klöppel für den gong zu schlagen, habe ich den sketch entsprechend angepasst, ebenso die erfassung der mqtt-server daten. meinen sketch habe ich als gist hochgeladen: https://gist.github.com/diplix/d85c2dd87f66da601480009df49ad4e5

die entscheidenden stellen sind die beschleunigungsdaten und die vor- und zurückbewegung:

//configure stepper
stepper.setAcceleration(4000);
stepper.setCurrentPosition(0);
stepper.setMaxSpeed(1500);
 
stepper.runToNewPosition(-200);
stepper.runToNewPosition(0);

an den werten werde ich wahrscheinlich noch drehen, aber soweit funktioniert das eigentlich ganz gut. wichtig ist: der gong-antrieb ist per mqtt ansprechbar und so auch in den home-assistant integriert. damit kann ich ihn per knopfdruck auslösen oder eben per alexa. wenn ich sage „alexa, sag küche essen ist fertig“ wird ein custom skill mit dem aufrufnamen „küche“ ausgelöst, der die home-assistant-automation essen_fertig.yaml aufruft:


alias: long gong abspielen
sequence:
  - service: mqtt.publish
    data:
      topic: "gong/Control"
      payload: "2"

für die halterung habe ich, wie üblich, improvisiert. baumarktteile statt 3d-druck. aus einem kiefernholzregalbrett ein stück ausgeschnitten, darauf mit einer metallasche den motor festgeschraubklemmt, den klöppel direkt auf die achse geklemmt, fertig. den klöppel werde ich wohl noch mit heisskleber fixieren müssen, bisher funktioniert das aber stabil.

schaltung für die schrittmotor ansteuerung

entscheidend ist natürlich die idee, den klöppel von hinten schlagen zu lassen. so kann man mit einem langen arm und einem zweiten klöppel, den gong auch immer noch per hand bedienen. und der technik-kram macht sich relativ unsichtbar.

so hängt der gong über der tür

yamaha RX-V581

felix schwenzel, , in artikel    

vor ein paar monaten gab der verstärker auf, den die beifahrerin in die ehe mitgebracht hatte. er knackte immer wieder und hatte aussetzer. zuerst wollten wir ihn reparieren lassen, ein anruf bei einer werkstatt endete mit der empfehlung, erstmal die lautsprecherkabel zu überprüfen. die kabel mit denen wir die kleinen canton-boxen angeschlossen hatten, waren wirklich nicht mehr die neuesten, also verkabelte ich die anlage neu, mit frischen lautsprecherkabeln. für eine weile lief das ganz ok, dann fing das knacken wieder an.

der verstärker, eigentlich receiver, den die beifahrerin damals gekauft hatte, war zu seiner zeit relativ hochwertig. er hatte auch aufschriften die suggerierten, er könne auch surround-sound und dolby-gedöns, sogar ein video-eingang war an dem teil. heutzutage, im zeitalter von HDMI und digital-gedöns war das alles aber ohnehin nicht mehr wirklich brauchbar. ich drängte auf eine neuanschaffung und fing an zu recherchieren.

was ich wollte waren grundsätzliche multiroom-fähigkeiten, also die möglichkeit den sound in mehrere räume zu verteilen, anschlussmöglichkeiten für den fernseher und ansatzweiser kino-sound, ohne dass wir unsere vorhandenen canton-boxen (canton plus xl, erste oder zweite generation) in rente schicken müssten. ganz wichtig auch eine funktionierende anbindung an unsere mobiltelefone, so dass man problemlos musik auf die anlage schieben könnte. mein erster blick auf das sonos-system endete in lachsalven. die preise fand ich lächerlich hoch. die rezensionen, beispielsweise des sonos playbar, waren durchwachsen, trotz des guten sonos-rufs und des stolzen preises von um die 700 bis 800 tacken. um unsere eigenen boxen weiterbenutzen zu können, hätten wir nochmal 350 euro investieren müssen.

später fiel mein blick auf den yamaha RX-V481 für knapp 350 euro. den gabs bei amazon im paket mit einem netzwerklautsprecher für um die 600 euro. das teil kann airplay, bluetooth, spotify, multiroom, HDMI und alles, was mir damals wünschenswert erschien — vor allem aber eine grundsätzliche integration in unsere hausautomatisierung. auch hier waren die amazon-rezensionen eher durchwachsen, die bedienung sei nicht so besonders gut gelungen, weder über die app, noch über die fernbedienung, die einrichtung sei hackelig. ich suchte und fand im netz seriös wirkende lobeshymnen auf das multiroomsystem von yamaha (musiccast), aber die beifahrerin blieb skeptisch.

mein lösungsansatz, der in den letzten monaten schon ein paar mal funktioniert hatte, war den hersteller, bzw. seine pressestelle anzuschreiben und um ein testgerät zu fragen, mit der option auf einen späteren kauf. die yamaha-pressestelle, ausgelagert an die public-relations-agentur RTFM (zum glück nicht WTF) entschied sich, meine anfragen (plural) komplett zu ignorieren. hätte ich mir auch denken können, dass eine agentur die das akronym für read the fuckinhg manual als namen benutzt, blogger oder online-fuzzis nicht ernstnimmt und die aufregung um dieses online-gedöns nicht verstehen will oder kann.

die presseabteilung von pioneer, die ähnliche geräte im programm haben, reagierte promt, wies aber darauf hin, dass die geräte (damals) noch nicht multiroom-fähig seien. man arbeite noch an der firmware. meine zweite nachfrage verlief dann irgendwie im sande, auch weil ich mich innerlich schon auf den kauf des yamaha-geräts eingestellt hatte und nicht mehr nachhakte.

also war der neue plan: den yamaha kaufen, angucken, und falls das gerät den WAF-test nicht bestehen würde, zurückgeben. yamaha deutschland hatte gerade eine aktion laufen, in der das bündel RX-V481-receiver und ein netzwerklautsprecher rabattiert wurden. media-markt hatte hier den besten preis, 530 euro für das paket, es war aber schwer eine filliale in berlin zu finden, die sowohl den RX-V481, als auch den WX-030 netzwerklautsprecher auf lager hatten. also ging ich mit unserem budget von 530 euro in den media-markt am alexanderplatz und fragte nach den geräten. der RX-V481 war nicht auf lager, dafür gab es den netzwerklautsprecher WX-030 als ausstellungsstück. als ersatz für den RX-V481 bot mir ein freundlicher verkäufer das nächstbessere yamaha gerät auf lager an, den RX-V581. der verkäufer zimmerte mir aus dem aktions- und einem ausstellungsstückrabatt einen ganz okayen preis zusammen: 536 euro. fast der gleiche preis wie für einen neuen netzwerklautsprecher und den RX-V481. mit der skeptischen beifahrerin musste ich dann allerdings noch 30 minuten chatten und telefonieren, um sie zu überzeugen hier zuzuschlagen: „ja, klar, wir können das gerät zurückgeben. ja der preis ist OK. ja das ausstellungstück sieht gut aus.“

(interessant übrigens, dass die verkäufer bei media-markt rabatte freihändig vergeben können, wenn sie nicht unter dem günstigsten preis von idealo.de liegen. oder andersrum gesagt: es sieht aus, als könne man bei media-markt alles zum idealo-preis bekommen, wenn man danach fragt.)

* * *

am ende durfte ich die geräte aus dem media-markt schleppen und zuhause aufbauen. unglücklicherweise dengelte ich beim aufbau als erstes eine delle in die blechhülle des neuen receivers. das verursachte grosse panik bei der beifahrerin, weil wir die kiste jetzt nicht mehr ohne weiteres zurückgeben könnten: „was machen wir denn jetzt, wenn das ding scheisse ist?“

stark schwitzend konfigurierte ich den receiver weiter, quälte mich durch die wirklich nicht besonders intuitive wlan-konfiguration und die leicht übertwältigenden lautsprecher-einstellungen. zuerst klang die kiste tatsächlich scheisse, weil ich noch das falsche soundprogramm, für 5+1 lautsprecher, ausgewählt hatte, statt für die angeschlossenen zwei lautsprecher. als das in ordnung war, hellte sich das gesicht der beifahrerin auf. obwohl unsere canton-boxen klein und alt waren, klang das, was aus dem receiver rauskam, sehr, sehr gut. voluminös, raumfüllend und klar.

ich startete den entscheidenden test, schaltete den receiver aus, lehnte mich zurück und bat die beifahrerin spotify auf ihrem handy anzumachen und über den neuen receiver abzuspielen. erstaunlicherweise klappte das auf anhieb. obwohl der receiver ausgeschaltet war, bot spotify ihn als ausgabeziel an, die beifahrerin wählte den receiver aus, der receiver schaltete sich aus dem netzwerkstand-by ein und die musik fing an zu spielen, ruckelfrei und knackfrei. die beifahrerin hatte den receiver ab jetzt ins herz geschlossen, ich auch.

eigentlich könnte ich den text hier beenden. die beifahrerin konnte endlich wieder ihre musik vom handy laut und ihren qualitätsansprüchen entsprechend anhören, ohne dass es wie bei der vorherigen airplay-lösung über ein altes apple airport-express-dings und den alten verstärker, ständig ruckelte oder knackte.

aber ich wollte ja mehr. der fernseher, die fire-tv box mit plex und netflix drauf, sollte auch mit dem teil zusammenspielen. radio natürlich auch und der netzwerklautsprecher musste auch ans netz.

der anschluss des fernsehers war eigentlich unproblematisch, das einzige problem war, dass unser fernseher dumm ist. das wollten wir damals, bei der anschaffung, auch so. als ich meinen eltern, ein paar jahre zuvor, einen angeblichen smarten fernseher von samsung zurecht konfigurierte, hatte mich das nachhaltig beeindruckt und mich schwören lassen, sowas niemals in unsere wohnung zu lassen. die angebliche smarte samsung-software war der grösste, bedienungsfeindlichste müll, den ich seit windows XP gesehen hatte. ich wollte die smartness amazon und seiner fire-tv-kiste überlassen. das funktioniert auch grundsätzlich super, mit der einschränkung, dass wir den fernseher nicht über HDMI ein und ausschalten können. der yamaha-receiver könnte das zwar, aber der fernseher ignoriert HDMI-steuerbefehle dank eingeschränktem IQ. trotzdem, der sound der über HDMI aus der fire-tv-kiste in den receiver gelangte war super. mit unbekannter magie, schaffte es der receiver aus den zwei kleinen mini-boxen einen raumfüllenden, surround-ähnlichen klang zu zaubern.

enttäusched war hingegen der klang des WX-030 netzwerklautsprechers. ich dachte zuerst, dass die kiste be den vorführungen im media-markt durchgebrannt sei, so muffelig klang der ton, der ihm entfleuchte. mit massiver runterregulierung der bässe und aufdrehen der höhen, liess sich das problem einigermassen beheben, aber die beifahrerin war nicht begeistert. die einrichtung und einbindung des netzwerklautsprechers hingegen war einfach und auch die beschickung mit musik per spotify, airplay oder bluetooth war genauso schmerzfrei und einfach wie beim receiver. das urteil, ob wir den netzwerklautsprecher zurückgeben würden, überliesen wir dem kind, in dessen zimmer wir den netzwerklautsprecher gestellt hatten.

erstaunlicherweise war das kind zufrieden mit dem klang und wir entschieden uns, die kiste zu behalten, bzw. sie dem kind beim baldigen auszug zu überlassen.

* * *

damit waren die beifahrerin und das kind zufriedengestellt, nur mich interessierte jetzt noch, was man mit dem RX-V581 in sachen automatisierung anstellen könnte. tatsächlich konnte ich das gerät problemlos in meinen home-assistant einbinden, dort wird der aktuelle status, die eingabequelle, lautstärke und was gerade spielt angezeigt.

receiversteuerung im home-assistant

der receiver lässt sich manuell oder automatisiert ein- und ausschalten, die quellen verstellen und abfragen, die lautstärke lässt sich verstellen, nur die zonen-erkennung funktioniert nicht — was aber an der implementierung der python-bibliothek lag, die mit dem yamaha kommuniziert. das was die bibliothek, die dem home-assistant zuarbeitet, nicht kann, lässt sich aber leicht per http-request erledigen. denn der yamaha-receiver lässt sich eben nicht nur per infrarotfernbedienung steuern, sondern komplett, in allen funktionen, auch per http. so konnte ich auch die kaputte zonensteuerung im homeassistant nachrüsten, hier habe ich aufgeschrieben, wie das geht.

dank der automatisierungsfähigkeiten ist es leicht den receiver mit der richtigen eingabequelle zu starten, wenn die beifahrerin beispielsweise den (das?) fire-tv startet, startet auch der receiver und wählt HDMI als eingabequelle aus. umgekehrt genauso: wird auf der fernbedienung die blueray-player-szene (aka fire-tv) gedrückt, aktiviert sich auch die fire-tv-kiste. unser wohnzimmer lässt sich jetzt auch an beiden türen per lichtschalter komplett „runterfahren“, ein tastendruck stellt die lichter aus, den verstärker und, per fernschaltsteckdose, den fernseher.

die aktuellen yamaha-receiver können alle musiccast, also synchron musik auf beliebigen (mussiccast-fähigen) netzlautsprechern musik abspielen. die meisten receiver haben zusätzlich eine interne multizonen-funktion (die, siehe oben, beim RX-V581 nicht korrekt von der automatisierungsoftware erkannt wird). die Main Zone ist bei uns das wohnzimmer, in der Zone B kann man ein lautsprecherpaar anschliessen, bei uns hängen die, durch die wand verkabelt, in der küche.

grundsätzlich ist diese funktion sehr toll: statt einen teuren (mono) netzlautsprecher, können wir hier zwei günstige (stereo) lautsprecher einfach per kabel in der küche aufhängen und vom verstärker aus mit musik beschicken. wir haben für knapp 100 euro ein paar canton-minilautsprecher in der küche aufgehängt, 200 euro günstiger als per netzwerklautsprecher.

canton plus GX-3 in der küche

etwas undurchsichtig ist allerdings die bedienung dieser zonen-fähigkeit. die app visualisiert die situation relativ klar, allerdings fällt es der beifahrerin schwer nachzuvollziehen, warum sie spotify sagen soll, musik ins wohnzimmer zu projizieren, wenn sie doch eigentlich in der küche musik hören will. die zonen-fähigkeit hat yamaha für den RX-V581 leider einen tacken zu sehr kastriert. eigentlich handelt es sich hier nicht um zonen, sondern um die aktivierung verschiedener ausgabekanäle, die gleichzeitg (leider) auch nur die selbe eingabequelle abspielen können.

yamaha musiccast-app

trotzdem kann man hier dank automatisrungsfähigkeiten drumrum arbeiten. wir haben in der küche jetzt einen knopf, der bei ausgeschaltetem receiver deutschlandradio in der küche aktiviert. läuft der receiver schon in der hauptzone, wird einfach die küchenzone mitaktiviert. ein erneuter knopfdruck deaktiviert die küchenzone. was die multizonenumsetzung von yamaha an eleganz vermissen lässt, muss man dann mit kluger automatisierung oder app-nutzung wettmachen.

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im wohnzimmer gab sich die beifahrerin nach ein paar tagen nutzung nicht mehr mit den zwei vorhandenen lautsprechern zufrieden. sie hatte schwierigkeiten in filmen und serien den dialogen zu folgen und wollte einen zusätzlichen center-lautsprecher. auch hier wollte sie wieder einen canton-lautsprecher: den CD-150 für knapp 120 euro. das teil ist klein und hört sich genauso gut an wie alle anderen canton boxen die ich in meinem leben bisher gehört habe. vor allem löste der lautsprecher aber das dialogproblem: schauspieler und sprecher waren jetzt bestens zu verstehen und zu lokalisieren. der sound der anlage wurde nochmal ein bisschen satter. irgendwann wird die beifahrerin auch satellitenboxen und einen subwoofer haben wollen (von canton), aber ich finde den sound bereits jetzt nahezu perfekt.

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werbeblock

bisher habe ich die links affiliate-/partnerlinkfrei gehalten. die folgenden links gehen alle zu als partnerlinks amazon, wir haben allerdings, wie oben erwähnt, nichts von der anlage bei amazon bestellt, sondern bei media-markt im laden und bei ebay. wir haben jetzt insgesamt für die anlage das folgende ausgegeben:

macht zusammen 761 euro für eine 3.0-anlage (drei lautsprecher, kein subwoofer) und zwei zusätzlich bespielbare räume. für den preis hätten wir bei sonos gerade mal einen playbar bekommen.

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  • grossartig am RX-V581 finde ich die fernbedienbarkeit per app, fernbedienung, heimautomatisierungssystem oder http, die app ist OK, aber das gute ist ja: die app lässt sich verbessern oder eben auch von drittherstellern besser machen. das yamaha-system ist von der fernsteuerbarkeit grundsätzlich offen.
  • mir gefällt die ausbaubarkeit und erweiterbarkeit des systems, eine gewisse zukunftsfähigkeit.
  • durch die neue anlage und die boxen in der küche bin ich von völliger spotify-ignoranz und desinteresse langsam zu einem (kleinen) spotify-fan geworden. wir sind alle drei in einem familienkonto für 15€/monat, können mehr oder weniger hören was wir wollen — und wo wir wollen. ich höre plötzlich tatsächlich (wieder) musik.
  • möglicherweise war es naiv von mir das zu erwarten, aber ich bin enttäuscht das die yamaha receiver zwar airplay können, aber nur für audio. technisch kann der receiver mit videoquellen umgehen und nach meinem verständnis steht technisch video-airplay nichts entgegen. wahrscheinlich sind es eher lizenzfragen oder dass apple keine konkurrenz zu seinem überteuerten apple-tv duldet. was weiss ich, schade ist es auf jeden fall.
  • sehr elegant und befriedigend finde ich den netzwerkstandby des yamaha. das gerät schaltet sich einfach ein, wenn es mit musik beworfen wird. das klappt zuverlässig und relativ schnell und lässt sich obendrein auch noch scripten und automatisieren.
  • spotify ist technisch faszinierend umgesetzt. lasse ich musik über meinen laptop in die küche laufen, kann ich den laptop zuklappen und spotify spielt die playlist einfach weiter ab. genauso mit dem handy. den receiver kann ich theoretisch sogar von unterwegs mit musik beschicken. tatsächlich holt sich der receiver die musik auch nicht vom handy oder dem laptop, sondern direkt von spotify.
  • der wlan-empfang des receivers ist entweder etwas schwächlich oder die empfangssituation an der stelle wo er steht ist wirklich unglücklich. gelegentlich gab es nach ein paar wochen testbetrieb nämlich doch abbrüche beim spotify-abspielen. seitdem das LAN verkabelt ist, läuft wieder alles super.
  • es gibt eine variante des RX-V481 mit DAB-radio-empfang. unser RX-V581 hat nur netzradio, aber das funktioniert super und lässt sich sogar relativ einfach konfigurieren. für notfälle oder krisensituationen haben wir immer noch ein altes UKW-radio im bad stehen. obwohl, wird das nicht auch bald abgeschaltet?

ich, wir sind super zufrieden mit dem yamaha. eigentlich würde ich 5 sterne geben, nur für die verkackte kastrierte und doof umgesetzte multizonen-funktion des RX-V581 ziehe ich dann doch einen punkt ab.

Gemeinsam ist besser als einsam

felix schwenzel, , in artikel    

Es ist leicht, sich über Konzepte wie Coworking oder Coliving lustig zu machen – so wollte ich das in dieser Kolumne eigentlich auch machen. Coworking oder Coliving wirken wie fluffige, unscharfe Marketingbegriffe für Ideen, die ungefähr so alt wie die Menschheit sind. Was ist so neu an Wohngemeinschaften oder Menschen, die Wohn- und Lebensraum aus wirtschaftlichen Gründen teilen, dass man sie umbenennen sollte? Schon in der Steinzeit zeigte sich, dass Cohunting und Coliving Vorteile bieten. Menschen haben sich immer schon in Gemeinschaften zum Leben, Arbeiten oder Schutz gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen. Oft waren diese Gemeinschaften aus der Not oder wirtschaftlicher Notwendigkeit geboren, und manche dieser Zusammenschlüsse waren über Jahrhunderte hinweg sehr erfolgreich.

So bekannt einem das Konzept auch vorkommen mag – ist es nicht sensationell, dass es plötzlich möglich ist, sich spontan und für überschaubare Kosten einfach ein voll ausgestattetes Büro in jeder größeren Stadt zu mieten? Oder einen Konferenzraum? Dass man sich einfach in ein Auto am Straßenrand setzen und losfahren kann?

Die Privilegien, die sich früher erst genießen ließen, wenn man sich einer Gruppe anschloss, lassen sich jetzt auch von Einzelnen nutzen, ohne dass sie sich fest binden müssen. Der Fortschritt erlaubt plötzlich Einzelgängern, beides zu haben: die Vorteile der Selbstständigkeit und gleichzeitig die von geschlossenen Gruppen.

Auf t3n.de weiterlesen, meine andern t3n-kolumnen.

die waschmaschine ist fertig!

felix schwenzel, , in artikel    

früher sass ich manchmal stundenlang vor der waschmaschine und beobachtete den waschvorgang durch das bullauge. jetzt sitze ich manchmal stundenlang vor dem monitor und beobachte den waschvorgang durch die daten eines strommessgeräts.

gemessener waschgang

(das ist die fortsetzung von „stromverbrauch messen“)

auf dem bild sieht man die gesammelten daten der 14 euro teuren revolt SF-436 (NC-5461) strommessfunksteckdose während einer 60°-wäsche. der waschvorgang dauerte 70 minuten, begann mit ein bisschen gerödel, wahrscheinlich der pumpe, und einer 13-minütigen aufheizphase die stolze verbrauchswerte um die zwei kW zeigt. darauf folgen drei oder vier waschvorgänge, abpumpen und schleudern. nach 70 minuten ist die wäsche fertig. was man auch (schlecht) sieht: eine wäsche verbraucht in etwa 0,48 kWh, was in etwa 12 cent entspricht (siehe auch).

dieses verbrauchsprofil eignet sich prima um daraus eine anzeige von waschaktivität und eine benachrichtigung nach dem waschvorgang per home-assistant (oder anderen heimautomatisierungssystemen) zu generieren. denn auch wenn die waschmaschine im standbymodus geringe strommengen zieht, zeigt das messgerät null watt an. der waschvorgang-sensor kann also mit dem ersten anstieg des verbrauchswerts ausgelöst werden. während des waschvorgangs fällt der verbrauch gelegentlich wieder zurück auf null watt, allerdings nie länger als zwei minuten. also löst der sensor für „waschmaschine ist fertig!“ aus, wenn der verbrauch mindestens vier minuten auf null ist. das scheint ziemlich zuverlässig zu funktionieren, vor allem implizit, also ohne dass man mehr als die start-taste der waschmaschine drücken müsste. wenn die wäsche fertig ist, werden wir benachrichtigt.

ich hatte mir das eigentlich komplizierter vorgestellt, als ich vor monaten im internet las, dass eine stromverbrauchsmessung an der waschmaschine eher ungenaue werte für eine benachrichtigungsfunktion liefert. deshalb hatte ich überlegt einen reed-sensor in die tür einzubauen oder den zustand der waschmaschineneigenen „fertig“-LED auszulesen oder abzugreifen. selbst einen rüttelsensor hatte ich in betracht gezogen.

umgesetzt ist das alles mit drei komponenten. der strommessfunksteckdose, dem rfxtrx-funkempfänger und decoder und dem home-assistant, der für die einbindung der dose als sensor die pyRFXtrx-bibliothek benutzt. nachdem ich durch ein firmwareupdate dem rfxtrx das entsprechende protokoll beigebracht hatte, fehlte das entsprechende protokoll aber leider in der pyRFXtrx-bibliothek. der pfleger der bibliothe wies mich, auf meine frage ob man das nachrüsten könne, freundlich drauf hin, dass ich das selber machen könne.

tatsächlich war das dann weniger kompliziert als zuerst gedacht. die pakete die der rfxtrx in einen bytestring decodiert waren bereits in dieser bibliothek entschlüsselt und ich musste das nur noch für die python-bibliothek umformulieren. also habe ich einen pull-request gestellt und den code per github erweitert.

bei der gelegenheit muss ich auch mal, ganz allgemein, open source software und open-source-werkzeuge loben. versionsverwaltungssysteme, in diesem fall git, bzw. github sind immer noch kompliziert komplex und gewöhnungsbedürftig, aber mit der weboberfläsche von github auch ganz schön toll. wenn man erstmal hinter die kryptischen begriffe und konzepte wie commit, pull request oder das konzept von automatisierten tests gestiegen ist, macht das hinzufügen von teilen zu einem komplexen softwareprojekt genausoviel spass wie das lösen eines kreuzworträtsels. der gewinn, wenn man das rätsels gelöst hat, ist zusätzliche funktionalität für einen selbst und andere. jedenfalls habe ich nun auch einen winzigen teil zur weiterentwicklung des home assistant beigetragen.

jeder der den home-assistant und einen rfxtrx betreibt, kann jetzt für 14 euro einen strommesssensor zu seinem system hinzufügen. die benachrichtigungsfunktion im home assistant habe ich so gebaut, wie @rpitera das vorgeschlagen hat.


# input boolean
input_boolean:
  waschmaschine_status:
    name: Status Waschmaschine
    initial: off
# sensor
sensor:
  platform: template
    washer_pwrdn:
    value_template: "{{ states('sensor.revolt_1_watt') | int < 3.4 }}" # automation start automation:   - alias: 'Waschmaschine Start'     trigger:       platform: state       entity_id: sensor.washer_pwrdn       from: 'True'       to: 'False'     action:       service: input_boolean.turn_on       entity_id: input_boolean.waschmaschine_status # automation fertig   - alias: 'Waschmaschine fertig'     trigger:       platform: state       entity_id: sensor.washer_pwrdn         from: 'False'         to: 'True'         for:           minutes: 4     condition:       condition: state       entity_id: input_boolean.waschmaschine_status       state: 'on'     action:       - service: notify.notify           data:           message: 'Waschmaschine ist fertig!'       - service: shell_command.play_bike_horn       - service: input_boolean.turn_off           entity_id: input_boolean.waschmaschine_status

jetzt will ich natürlich mehr von diesen funkstrommessdingern haben, eines um zu messen was unser serverpark verbraucht, in dem der home-assistant, plex, diverse festplatten auf einem mac-mini, der dsl-router, die fritz-telefonanlage, sensoren, hubs und brücken (hue, tado) laufen. für die spülmaschine wäre das eventuell auch nett, aber da hätte ich gerne zusätzlich zur benachrichtigung eine (oder mehrere) rote LED, die die den betrieb visuell anzeigt.

* * *

am ende nochmal werbung. den revolt funkstrommesser kann man bei pearl kaufen oder bei [-werbelink] amazon. bei amazon schwanken die preise heftig, ich habe ihn dort versandkostenfrei (per prime) für 14 euro (so viel wie bei pearl) gekauft, derzeit kostet er bei anmazon knapp 17 euro. geliefert wird er in beiden fällen direkt von pearl. wenn man direkt bei pearl bestellt, muss man allerdings eventuell noch versandkosten bezahlen.

100 jahre hausautomatisierung

felix schwenzel, in artikel    

die optimale hausautomatisierung ist implizit oder gestengesteuert. das grundprinzip ist wahrscheinlich um die 100 jahr alt und in jedem kühlschrank verbaut: wenn ich die türe öffne, geht das licht an, schliesse ich die türe geht’s aus. eigenartig, dass sich dieses prinzip nur für kühlschränke durchgesetzt hat. alle anderen schränke blieben bei öffnung mehr oder weniger dunkel, bis ikea die striberg leuchte auf den markt brachte. die kann man in pax- oder anderen schränken anbringen, so dass der schrank wie ein kühlschrank funktionieren — minus der kühlung.

auch für zimmer hat sich das prinzip bisher kaum durchgesetzt. um ein zimmer zu beleuchten muss man in der regel nicht nur die tür öffnen, sondern auch noch einen schalter betätigen.

wie sehr die haustechnik den eigentlichen bedürfnissen der menschen hinterher ist, zeigt dieser uralte witz:

— wo warst du denn?
— auf dem klo. irre. ich bin zum klo, hab die tür aufgemacht und das licht ging automatisch an! automatisch!
— ach hermann, hast du wieder in den kühlschrank gepinkelt?

(sorry)

* * *

ich habe bei uns in der wohnung mittlerweile in fast jedem raum bewegungsmelder angebracht. im flur geht (auch tagsüber) ein nachtlicht an — und bleibt so lange an, wie jemand dort ist. in der küche geht die arbeitsplattenbeleuchtung an. auf dem klo und nachts im wohnzimmer geht ebenfalls ein nachtlicht an. meine letzte grosstat war die beleuchtungsmässige aufrüstung der speisekammer zum kühlschrank. wenn die tür aufgeht, geht das licht an und 30 sekunden später wieder aus. ausser jemand bewegt sich in der kammer, dann bleibt’s an.

das bewegungsdetektieren funktioniert seit monaten zuverlässig, ausser wenn das wlan zickt. aber wenn die bewegungsmelder ausfallen sollten, gibt es als notbehelf immer noch in jedem zimmer funktionierende lichtschalter.

natürlich zählen auch wasch- oder spülmaschinen zur heimautomatisierung: schmutzige sachen rein, knopf drücken, ein, zwei stunden später saubere sachen wieder rausholen. ebenso ein klassiker der hausautomatisierung: der türsummer. dank türsummern muss ich (oder mein diener) nicht mehr runter zur haustür laufen, um sie zu öffnen (auch wenn das genaugenommen eine fernbedienung ist und keine automatisierung).

aber ganz besonders mag ich implizite automatisierungen. mein telefon fängt eine tonaufnahme an, wenn ich es im chatmodus ans ohr halte — oder es spielt eine empfangene tonaufnahme ab, wenn ich’s ans ohr halte. es gibt autos, die öffnen den kofferraum wenn ich den schlüssel in der tasche habe und einen tritt unter die stossstange andeute. manche autos öffnen die verriegelung, wenn ich mich mit dem schlüssel in der tasche nähere. im coffeemamas hat man mir eine grosse melange gemacht, wenn ich vor 10 jahren den laden betrat — ohne dass ich ein wort sagen musste. bei real öffnen sich die türen, wenn ich den laden betrete.

* * *

gestern auf dem weg nachhause hatte ich eine idee, wie ich den kaputten dash-button durch eine implizite geste ersetzen könnte. bisher mussten wir den dash button, einen button in der home-app drücken oder mit siri kämpfen, damit der ventilator nach einem grossen geschäft anging. beim duschen geht er, dank luftfeuchtigkeitssensor, alleine an. jetzt habe ich eben ausprobiert einen bewegungsmelder hinter dem klo zu positionieren, der auf die klobürste blickt. beim kleinen geschäft schlägt der bewegungsmelder nicht aus. beim grossen, wenn man wie vorgesehen, kurz mit der klobürste wischt, geht die lüftung an. das finde ich ungefähr zweitausend mal besser als einen knopf zu drücken.

ausserdem neu: wenn die firetv-fernbedienung gedrückt wird, schaltet sich automatisch der fernseher und der verstärker ein. der verstärker wählt ausserem den richtigen eingabekanal.

* * *

was ich eigentlich sagen möchte: ich glaube die zukunft der hausautomatisierung ist nicht sprache, sondern implizite, subtile automatisierung. ich will nicht ausschliessen, dass ich hier zu sehr von meinem befindlichkeiten ausgehe und die verallgemeinere, aber ich bin sicher, dass ich nicht der einzige bin, der jedem navigationsgerät zuerst das sprechen verbietet. ich möchte in meinem stammkaffee nicht jeden morgen das gleiche bestellen, sondern das was ich ohnehin jeden morgen zu mir nehme still serviert bekommen. sinnvolle automatisierung sollte lernen können, muster in meinem (und anderer) verhalten erkennen. wie ein guter butler.

wenn ich schon sprechen muss, möchte ich das implizite botschaften erkannt werden und sie nicht explizit ausführen müssen.

siri, es stinkt

runter vom eis

felix schwenzel, , in artikel    

so dürfte es momentan relativ vielen menschen gehen. was mir derzeit aber wirklich sorge bereitet: ich möchte am liebsten vom verlauf der weltgeschichte allein gelassen werden. eigentlich geht mir das seit der wahl von trump so. ich habe das gefühl, die welt richtet sich mehr und mehr darauf aus, mich zu provozieren, mich aufzuregen, als sei der kampf um meine (und aller anderen) aufmerksamkeit plötzlich die parole des jahres. trump provoziert durch versprechen, ankündigungen und seit ein bis zwei wochen durch dekrete, damit sich alle welt aufregt und ein paar seiner anhänger sich freuen. die trumpschen aufregungswellen werden verstärkt durchs medienecho und weil medien mittlerweile überall sind, nicht mehr nur im fernseher, radio oder auf papier, sondern auch an den plätzen an denen ich freunde sehe und treffe, vibriert alles.

ich bin aber müde geworden und mag nicht mehr über jedes aufregungsstöckchen springen, das mir in den weg gehalten wird, oder das nach mir ausschlägt. einmal aus prinzip, bzw. der mir eigenen reaktanz: wenn alle sich aufregen, mag ich mich allein deshalb nicht aufregen, weil es ohnehin schon alle tun. dann aber auch aus kalkül: wer ist dieser trump, dass er die themen vorgeben können soll, über die ich mich derzeit echauffiere, die probleme über die ich nachdenke oder über die ich diskutiere?

nur weil ein aufmerksamkeitsgestörter narziss gerade politiker spielt und den eindruck zu erwecken versucht, er habe uneingeschränkte macht und durchsetzungskraft, soll ich mir jetzt gedanken um innere sicherheit machen?

das ärgerliche ist: ich mache es, ich verspüre das bedürfnis mitzudiskutieren, falschwahrnehmungen zu korrigieren, andere von ihren überzeugungen abzubringen. ein amerikanischer freund von mir, den ich lange aus den augen verloren habe und mit dem ich jetzt dank facebook wieder in kontakt stehe, schrieb vorgestern, dass er blumen gekauft habe und mit diesen blumen in eine moschee gegangen sei, einfach nur um ein zeichen zu sezten und solidarität und gemeinsinn zu zeigen.

gestern vermerkte er, dass in seattle eine moschee in flammen aufgegangen sei, kurz nach der unterzeichnung der einreisestopp-dekrete. unter dem artikel entspann sich eine diskussion über die potenzielle kriminalität von muslimen und ob sie die moschee nicht auch selbst angezündet haben könnten. in meinem kopf brodelte es und ich formulierte eine antwort an einen der diskussionsteilnehmer (mit dem ich ebenfalls ein jahr gemeinsam zur schule gegangen bin):

here’s a thought. if you think about patterns you’ll find plenty of patterns that endanger american lives and kill thousands of people a year. there’s one very obvious pattern that kills 30 to 40 thousands americans a year. it’s traffic. if you really care about making american cities safe “again” why not ban cars? why not ban tobacco, firearms, which kill even more americans a year than traffic?

the answer is probably that more safety means less freedom and opportunity. eliminating risk also eliminates freedom. society always strives to balance this in reasonable ways. eliminating some risk, without taking away to much freedom or opportunity. it’s always been a process, aiming to find a reasonable middle ground.

my guess is, what trump is trying to achive is not about a safer country, saving american lives or safety at all, it’s about blame. putting the blame to others, blaming people that look different, have the “wrong” faith or skin color. it’s about dividing the country and the people into “us” and “them” stirring up hate, creating chaos. it’s about eliminating the process of finding a reasonable middle ground, which i believe is the heart of democracy. democracy is not so much about the will or rule of the people (which might quickly lead to mob mentality), it’s about balance; balance of power, balance of interests and rule of law, justice and reason. trump is working hard to make all of that disapear, while giving you the illusion of safety.

ich habe diesen kommentar aber nicht abgeschickt, weil ich keine weitere lust auf folgediskussionen habe.

ich mag sportliche diskussionen, die auseinandersetzung mit anderen argumenten und ich führe die auch oft so weit, dass ich am ende der einzige bin der weiterdiskutieren möchte. ich bin extrem fasziniert von tyler cowens idee um eigene filterblasen zu durchbrechen: er schlug vor ein paar tagen vor, das es nicht reiche andere meinungen zu lesen, sondern dass man sich eigentlich, zeitweilig, die schuhe der anderen anziehen müsse und aktiv argumente der gegenseite sammeln und gegen seine eigenen überzeugungen ausformulieren solle.

Keep a diary, write a blog, or set up a separate and anonymous Twitter account. And through that medium, write occasional material in support of views you don’t agree with. Try to make them sound as persuasive as possible. If need be, to keep your own sense of internal balance, write a dialogue between opposing views, just as Plato and David Hume did in some of their very best philosophical works.

um die (vermeintlich) andere seite zu verstehen, sollte man lernen wie sie zu denken. es geht nicht um immunisierung gegen andere überzeugungen oder ansichten, sondern um verständnis, durchdringung.

wie gesagt, als übung, als intellektuelle strategie finde ich das faszinierend und richtig. aber meine reaktanz setzt ein, sobald ich das gefühl habe, dass ich provoziert werde, dass jemand mit mir spielt und mich gezielt aufs eis führt. auf dem eis stehend mag ich dann alles richtig machen, stechende argumente hervorbringen, vielleicht sogar das gefühl haben, die andere seite in einzelnen aspekten überzeugt oder geöffnet zu haben. aber ich stehe auf dem eis, auf das mich jemand gezielt geführt hat. und genau da werde ich bockig. ich diskutiere gerne, aber den ort, die themen, die regeln möchte ich mir nicht vorgeben lassen von einem kränkbaren irren mit orangenen haaren, der auf anstand, regeln und würde scheisst.

* * *

trump ist nicht zu schlagen, wenn wir nach seinen regeln spielen, wenn wir auf seine aktionen lediglich reaagieren. das was rechte in diesem land immer wieder erzählen, die mär einer gleichegeschalteten presse, die zentral gesteuert stimmung mache, hat trump absurderweise auf gewisse weise weltweit geschafft: die presse, unsere diskussionen, unsere sorgen, wir, sind gleichgeschaltet — auf trump. statt über politik und lösungen, reden wir über seine politik, seine absurden lösungsvorschläge und seine provokative symbolpolitik. er zieht alle aufmerksamkeit auf sich. er hat uns alle im intellektuellen schwitzkasten. unsere waffen sind stumpf, weil er die regeln diktiert, weil er und seine anhänger es schaffen, uns zum diskutieren aufs eis zu ziehen und die regeln des spiels zu kontrollieren.

* * *

ich will nicht ausschliessen, dass das was ich hier schreibe nichts weiter als eine rechtfertigung meines eskapismus ist, eine erklärung dafür, dass ich mir seit monaten die augen, die ohren und den mund zuhalte. vielleicht ist mein unbehagen der versuch die kognitiven dissonanzen ausklingen zu lassen und endlich wieder zu klarem denken zu kommen. klar ist aber so oder so, dass wir am grossen bild zeichnen müssen, an unserem bild, welche gesellschaft wir uns wünschen. wir sollten nicht am trumptower rütteln, sondern bessere buden bauen. wir sollten trump nicht ignorieren, sondern mehr aufmerksamkeit auf alternativen lenken, praktisch und intellektuell.

ich bin auch nicht zufrieden mit dem derzeitigen „Verlauf der Weltgeschichte“, ich bin desillusioniert und erstaunt und sehr, sehr müde. aber ich werde mich sammeln. wir werden uns sammeln.

altkundenverarschung

felix schwenzel, , in artikel    

schöne musik haben sie bei 1und1 in der warteschleife wirklich. nach 10 minuten musik, meldet sich jemand der mich fortan herr wenzel nennt und sein mikrofon offenbar vor dem nasenloch montiert hat. ich höre jeden einzelnen atemzug und, das bilde ich mir zumindest ein, auch verdauungsgeräusche.

ich erzähle, dass ich gestern bei meiner schwiegermutter gewesen sei und updates für ihren rechner über mein handy runtergeladen hätte, weil das DSL so lächerlich langsam gewesen sei. sie hat einen „1&1 Doppel-Flat 6.000“-vertrag für den sie jeden monat 30 euro zahlt, und von dessen 6 mbit/s an der fritzbox gerade mal 2,3 mbit/s ankommen. das ist die geschwindigkeit, mit der andere DSL-anbieter ihre kunden bestrafen, wenn sie ihr download-kontingent erschöpft haben.

also frage ich nach möglichkeiten den vertrag in einen normal nutzbaren anschluss umzuwandeln. leider macht mich die antwort aus dem call-center sehr aggressiv. meine schwiegermutter könne eine doppelflat 50.0000 für 29,99 haben, bekäme für eine einmalzahlung von 24,89 eine neue fritzbox und für eine monatliche zahlung von 10 euro, bekäme sie fernsehgedöns übers internet und da würde er auch noch einen fernseher von samsung und einen chromecast drauflegen. jetzt hört er sich tatsächlich wie ein kirmesansager an, die halten ihre mikrofone auch oft vors nasenloch oder in den mund.

dass der vertrag alleine, nach der mindestvertragslaufzeit von 2 jahren, fast 40 euro kostet, erwähnt die pflanze am telefon nicht, bestätigt das aber auf nachfrage.

ich bin auf 50.

neukundenangebote bei 1und1

ob es auch etwas günstiger gehe, mit 16tausend vielleicht. tatsächlich betet er mir das unattraktive angebot runter, dass mir auch schon die 1und1 webseite als wechseloption angeboten hat: zwei jahre würde meine schwiegermutter 30 euro zahlen, danach 35 euro. ich weise den mann mit dem mikro vor dem nasenloch darauf hin, dass neukunden dieses paket sehr viel günstiger angeboten bekommen (nämlich für ein jahr zu 15, danach für 30 euro). das sei richtig, bläst er mit der nase ins mikro. ob er da nichts machen könne, ob die einzige möglichkeit ein günstiges angebot zu bekommen eine kündigung sei? auch das bejaht er.

ich bin auf 100.

altkundenangebote bei 1und1

und ich frage mich, was für ein verkacktes, unmoralisches geschäftsmodell die grossen DSL-anbieter fahren (macht ja nicht nur 1und1 so); alt- und neukunden werden mit irreführenden, schwer verständlichen und mit sternchentexten durchsääten angeboten geködert, die an sich schon saftig bepreist sind, aber für altkunden nochmal einen ticken teurer. die anbieter rufen einem zwischen den zeilen zu: wer länger als zwei jahre unser kunde bleibt ist ein vollidiot. auch auf explizite nachfrage, liess mich die telefonpflanze von 1und1 wissen, dass anpassungen des vertrags auf den stand der technik oder das aktuelle preisniveau nicht vorgesehen sind: „wieso sollten wir irgendwas ändern, wenn der kunde zufrieden ist?“ die korrekte antwort, die mir während des telefonats leider nicht eingefallen ist lautet natürlich: „ihre kunden sind nicht zufrieden, wenn sie einen anschluss kaputtdrosseln und für ein technisch minderwertiges produkt premiumgebühren kassieren.“

aber vielleicht ist meine logik, dass man sein produkt, auch bei langer vertragslaufzeit, ohne aufpreis und bohei an den stand der technik anpassen könnte auch einfach nicht mit der logik von betriebswirten kompatibel. betriebswirte glauben vielleicht tatsächlich, dass ein kunde der noch nicht gekündigt hat, zufrieden sei.

und vielleicht sollte man der logik der betriebswirte tatsächlich einfach folgen und alle ein bis zwei jahre seinen DSL-vertrag kündigen und woanders neu abschliessen. solange bis die pappnasen irgendwann einmal verstehen, dass bestandskunden auch der pflege bedürfen — und das auch zu schätzen wüssten.

das neuabschliessen eines neuen DSL-vertrags für meine schwiegermutter, inklusive telefonnummern-umzugsbeauftragung ging dann übrigens schneller als das unerfreuliche telefonat mit der kundenverarschungshotline von 1und1.

trådfri, vernetzbare lampen von ikea

felix schwenzel, , in artikel    

im oktober ging eine pressemitteilung durchs netz, dass ikea ab sofort in 4 ländern (belgien, tschechien, schweden, italien) eine art hue-alternative verkaufen würde. im rest der welt (und deutschland) würde die trådfri-reihe ab april 2017 verkauft. ich habe mir eine lampe aus belgien besorgen lassen und von meiner mutter zu weihnachten schenken lassen.

trådfri

es handelt sich um eine LED-lampe mit 980 lumen (und 12 watt), die drei verschiedene weiss-töne darstellen kann (grün-bläuliches weiss, rot-gelbliches weiss und weiss-gelbliches weiss).

die 3 weisstöne der trådfri

dazu kommt eine fernbedienung mit der man die helligkeit einstellen kann, den farbton verstellen kann und die lampe schalten kann (wenn sie an eine stromversorgung angeschlossen ist). die fernbedienung wird von einer knopfzelle versorgt und soll laut ikea zwei jahre halten. gekostet hat das set aus lampe und fernbedienung 35 euro.

das ist in etwa der preis, den philips [-werbelink] für ein set aus schalter und reinweisser („warmweisser“) lampe ohne farbvarianten nimmt. bei ikea bekommt man für 35 euro dann eben noch einstellbare weisstöne dazu.

die einzelpreise sind bei ikea unterm strich einen ticken günstiger: 15 euro für den schalter ([-werbelink] 23 euro bei philips), 25 euro für die lampe ([-werbelink] 19 euro bei philips), teuer wird’s bei philips, wenn man die „[-werbelink] ambience white“ lampen kaufen will, bei denen man die weisstöne wählen kann: 30 bis 35 euro für die lampe alleine.

in erster linie war ich gespannt ob die trådfri-lampe und der trådfri-schalter sich mit der hue-bridge verbinden liessen und damit über mein wohnungsautomatisierungssystem steuern liessen. ein paar leuten ist das mit älteren firmwareversionen der hue-bridge gelungen, mit aktueller firmware weigert sich die hue-bridge (noch) die lampen oder schalter zu registrieren. ich habs ausprobiert, die einzige reaktion die man der hue-bridge abgewinnen kann ist ein kurzes aufleuchten beim versuch den schalter zu verbinden. alles andere ignoriert sie stoisch. lampe und schalter lassen sich hingegen problemlos verbinden — und genauso leicht wieder lösen (lampe sechs mal hintereinander ein und ausschalten).

in einem diskussionsstrang im hue-entwicklerforum kann man auch die offizielle stellungnahme von philips dazu lesen:

The non-interoperability between the newly launched IKEA smart lighting products and the Philips Hue bridge has been analyzed. One of the issues found is that the IKEA bulbs report their ProfileID as corresponding to the ZigBee Home Automation (ZHA) profile rather than the ZigBee Light Link (ZLL) profile. As the IKEA bulbs do not behave fully compliant with the ZLL standard, they are rejected by the Hue bridge. IKEA is aware of this and informed us their intent is to have the IKEA smart lighting bulbs to work with the Philips Hue bridge. We offer our support to realize this in the future.

für mich hört sich das ein bisschen vorgeschoben an und ich vermute, dass es noch viele monate dauern wird, bis hier einigung darüber herrscht, wie der offene zigbee-standard, dem angeblich sowohl philips, wie auch ikea folgen, zu interpretieren ist. in absehbarer zeit soll es von ikea auch eine eigene bridge geben, die aber wohl mit ziemlicher sicherheit, im gegenteil zur hue-bridge, keine offene API bieten wird.

für meine automatisierungsambitionen ist das einerseits sehr schade, andererseits gefällt mir die lampe sehr und ich habe auch einen weg gefunden, sie doch, indirekt automatisierbar zu machen. kürzlich habe ich ja die küchenbeleuchtung ein bisschen umgebaut und den lichtschalter für die deckenbeleuchtung mit diesem unterputz funkschalter aufgerüstet. mit dem ding hinter dem lichtschalter lässt sich die deckenbeleuchtung weiterhin per lichtschalter schalten, aber auch per 433mhz-funk-signal. bis jetzt war in der deckenleuchte eine dimmbare LED, deren helligkeit sich per ein/aus-schalten regeln liess. das war in mehrfacher hinsicht albern. manchmal standen wir am lichtschalter und schalteten den mehrfach ein und aus, bis die gewünschte intensität erreicht war, mal klickte ich wie wild auf meinen telefon rum, um die lampe per homekit ein und auszuschalten. besonders doof: die LED merkte sich die vorherige einstellung nicht — wie auch die hue-lampen es nicht können: sobald sie von der stromzufuhr abgeschnitten sind vergessen sie alle licht-einstellungen. die trådfri merkt sich die lichtfarbe und die helligkeit, auch wenn sie stundenlang vom stromnetz getrennt ist.

das ist in der tat ziemlich praktisch und qualifiziert die lampe für viele anwendungen mit vorhandenen leuchten; die lassen sich wie bisher schalten und zusätzlich permanent oder flexibel dimmen und färben, oder auch per fernbedienung schalten. hue-lampen hingegen sind in kombination mit herkömmlichen lichtschaltern mehr oder weniger unbrauchbar.

trådfri puck-schalter

der mitgelieferte schalter gefällt mir auch, er besteht aus zwei teilen, einem magnetischem tellerchen, das man an die wand kleben oder schrauben kann, in das das fernbedienungsteil einschnappen kann. so macht das auch der hue-schalter, er sieht gut auf der wand aus, man kann ihn aber auch als mobilteil benutzen. die liebe zum detail bei ikea zeigt sich aber auch hier: auch das tellerchen hält selbst auf metall, so kann man es statt an die wand zu kleben oder schrauben, eben auch einfach auf den kühlschrank pappen. die fernbedienung macht auch einen stabilen eindruck, ist an den seiten und hinten gummiert und mir auch schon zweimal runtergefallen. sie reagiert sehr schnell, die leuchte schaltet schon, bevor der schalter klickt, beim ausschalten lässt sich die leuchte einen moment zeit. beim ersten klick, nach dem einschalten per wandschalter, hängt die fernbedienung gelegentlich, spätestens beim zweiten klick reagiert die trådfri dann aber. das schalten der weisstöne, helligkeit, alles lässt sich gut bedienen. wobei die form und ergonomie der trådfri fernbedienung natürlich an den unseeligen „puck“-maus-ergonomieunfall erinnert.

apple puck-mäuse
bild: CC BY 2.0, @raneko

wie bei der puck-maus lässt sich der schalter nicht ohne hinsehen bedienen.

* * *

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ich mag die trådfri, auch wenn sie sich nicht besonders weit runterdimmen lässt und sich noch nicht automatisieren lässt, bzw. per api ansprechen lässt, trotz standard zigbee-protokoll. ich hoffe ikea und philips raufen sich hier zusammen, zum nutzen der kunden. oder das ding wird bald mal gehackt. das killerfeature ist trivial aber genial: die trådfri merkt sich ihre lichteinstellungen, ist kinderleicht einzurichten und mehrere leuchten dürften sich ähnlich einfach um eine fernbedienung gruppieren lassen. insgesamt scheint ordentlich bewegung im markt der vernetzbaren, „intelligenten“ beleuchtung gekommen zu sein.

* * *

nachtrag: ich sollte das eigentlich gelernt haben: lampen nennt man die birnen oder leuchtmittel die eine leuchte beleuchten. ich hatte das im text oben teilweise umgekehrt geschrieben und jetzt korrigiert. (leuchten werden in der alltagssprache zwar oft lampen genannt, aber das ist genaugenommen falsch. lampen bezeichnen eigentlich nur das leuchtmittel.)