brie­fe schrei­ben

felix schwenzel in artikel

ich habe frü­her re­gel­mäs­sig brie­fe ge­schrie­ben. auch wenn es über 30 jah­re her ist, er­in­ne­re ich ich dar­an, dass es ein gross­ses ver­gnü­gen war. denn wenn man brie­fe schreibt, be­kommt man auch brie­fe zu­rück. also nicht die un­an­ge­neh­men oder lang­wei­li­gen din­ger die die post heut­zu­ta­ge in den brief­schlitz drückt (wer­bung, (ab-) rech­nun­gen, to­des­an­zei­gen), son­dern tex­te die nicht nur an ei­nen ad­res­si­ert wa­ren, spn­dern die sich eine per­son für mich per­sön­lich aus­ge­dacht hat­te. ent­we­der um mich zu un­ter­hal­ten, zu in­for­mie­ren, zu er­freu­en oder nach mei­nem wohl­erge­hen zu er­kun­di­gen. ohne die in­ten­ti­on mir et­was ver­kau­fen zu wol­len oder nach geld zu fra­gen (meis­tens).

der un­ter­schied zwi­schen brie­fen und mo­der­nen kom­mu­ni­ka­ti­on­for­men ist nicht in ers­ter li­nie das me­di­um. brie­fe wur­den zwar meis­tens auf pa­pier ge­schrie­ben oder ge­druckt und in pa­pier­um­schlä­gen ver­schickt, aber das ent­sch­ei­den­de war die sorg­falt, die mühe und die zeit die man in brief­form goss.

brie­fe schrieb man da­mals nicht um auf­merk­sam­keit zu be­kom­men, son­dern um auf­merk­sam­keit zu ge­ben.

mo­der­ne text­for­men die brie­fen na­he­kom­men gibt es na­tür­lich wei­ter­hin: news­let­ter, blog­bei­trä­ge, es­says die mit mühe und sorg­falt er­stellt wer­den.

aber wer schreibt heu­te noch es­says für eine ein­zi­ge per­son?

ich nicht. da­mit habe ich tat­säch­lich vor et­was über 30 jah­ren auf­ge­hört — ver­mut­lich aus ef­fi­zi­enz­grün­den.

da­mals hab ich mir über­legt, dass es doch viel ef­fek­ti­ver wäre, wenn ich brie­fe so ver­fas­se, dass ich sie an meh­re­re leu­te sen­den kann. des­halb setz­te ich in mit ya­hoo eine lis­te auf, füg­te alle mei­ne freun­de hin­zu, die da­mals schon email hat­ten, und schick­te ih­nen up­dates aus mei­nem le­ben. im ge­gen­teil zu brie­fen die man ei­ner ein­zel­nen per­son schickt, schrieb nie je­mand zu­rück. aber das ge­fiel mir trotz­dem, bis auf die auf­dring­lich­keit die so ein news­let­ter hat. die­se ef­fi­zi­en­te­ren, aber eben auch un­per­sön­li­che­ren brie­fe buhl­ten um die glei­che auf­merk­sam­keit und drück­ten sich in die glei­che in­box, in die ei­gent­lich nur brie­fe ge­hör­ten.

statt mit druck, woll­te ich lie­ber mit sog ar­bei­ten. un­ter ei­ner fes­ten adres­se ins in­ter­net schrei­ben schien mir eine gute lö­sung und klü­ge­re leu­te als ich hat­ten da­für auch ge­ra­de kos­ten­lo­se soft­ware ent­wi­ckelt mit der man ge­nau das ma­chen konn­te.

seit­dem ich mir ez­pu­blish auf ei­nem ser­ver in­stal­liert habe, schrei­be ich brie­fe an vie­le ins in­ter­net. aber ei­nen brief an eine ein­zel­ne per­son hab ich seit­dem nicht mehr ge­schrie­ben. oder er­in­ne­re mich nicht mehr dar­an. scha­de ei­gent­lich. 

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