re­pu­bli­ca vor­trä­ge schrei­ben

felix schwenzel in notiert

vor­trä­ge für die re­pu­bli­ca schrei­ben ist nicht das al­ler­gröss­te ver­gnü­gen. aber alle paar jah­re ent­sch­ei­de ich mich dazu, mich in die lage zu brin­gen 30 mi­nu­ten ei­ni­ger­mas­sen nach­voll­zieh­ba­ren text zu ver­spre­chen und dann auch tat­säch­lich im mai ab­zu­lie­fern.

die idee da­hin­ter ist im­mer die glei­che. ich for­mu­lie­re eine stei­le the­se zu ei­nem the­ma das mich fas­zi­niert, in­ter­es­si­ert oder be­schäf­tigt und ver­su­che dann ei­nen text zu er­ar­bei­ten, der die er­war­tun­gen er­füllt. die­ses jahr war die the­se be­son­ders steil (die welt ist scheis­se — und das ist auch gut so) und auch wenn ich bei der ein­rei­chung eine idee hat­te, in wel­che rich­tung das gan­ze ge­hen soll­te, er­for­dert das schrei­ben dann doch noch ziem­lich viel denk-akro­ba­tik.

mir fällt das schrei­ben und öf­fent­li­che re­den gar nicht mal so leicht. hier im blog kann ich tex­te hem­mungs­los ver­öf­fent­li­chen, auch wenn sie nicht wirk­lich zu­en­de ge­dacht sind oder noch sehr un­ge­schlif­fen sind. „hin­ge­rotzt“ nen­nen an­de­re das ge­le­gent­lich und so sind die tex­te hier auch meis­tens eher frag­men­te, ein­zel­tei­le für wei­te­re denk­pro­ze­se und zum wei­ter­den­ken, die ich spä­ter nbo­chmal auf­grei­fe oder auch nicht.

so ein vor­trag, eine prä­sen­ta­ti­on vor pu­bli­kum auf der re­pu­bli­ca soll­te aber, zu­min­dest im an­satz, in sich ge­schlos­sen sein. das rot­zi­ge, teils un­ge­schlif­fe­ne ist oft wei­ter ein be­stand­teil, aber es muss auch et­was sub­stanz rein, da­mit er be­stehen kann.

an­de­rer­seits bil­de ich mir ein, re­la­tiv git ein­schät­zen zu kön­nen, was ich pu­bli­kum der re­pu­bli­ca zu­mu­ten kann und was nicht. und na­tür­lich ist das re­pu­bli­ca pu­bli­kum sehr of­fen und po­si­tiv. ich habe je­den­falls im­mer das ge­fühl, dass ich mit dem pu­bli­kum eine ge­mein­sa­me wel­len­län­ge fin­den kann und mir wit­ze und an­deu­tun­gen er­lau­ben kann, die mir je­des an­de­re pu­bli­kum um die oh­ren schla­gen wür­de.

trotz­dem: es steckt viel ar­beit in die­sen prö­sen­ta­tio­nen und der grund war­um ich die mir alle paar jah­re zu­mu­te ist der glei­che war­um ich ins in­ter­net schrei­be: selbst­ge­stell­te auf­ga­ben zu lö­sen, den mund et­was voll neh­men und dann trotz­dem was lie­fern kön­nen, ei­nen auf den ers­ten blick un­über­wind­ba­ren berg zu er­stei­gen ist be­frie­di­gend. ein­fa­che auf­ga­ben (spül­ma­schi­ne re­pa­rie­ren, brot ba­cken) zu er­le­di­gen ist be­frie­di­gend, aber an schwie­ri­ge auf­ga­ben (hund er­zie­hen, öf­fent­lich spre­chen) nicht zu schei­tern ist be­frie­di­gen­der.

der ab­lauf so ei­nen vor­trag zu schrei­ben ist meis­ten auch ziem­lich ähn­lich. ich pum­pe mich wo­chen­lang mit in­for­ma­tio­nen zum the­ma voll, bzw. su­che und fin­de an al­len mög­li­chen ecken des in­ter­net und in bü­chern (die ja auch in­ter­net sind) be­zü­ge zu mei­nem the­ma die ich mich in sei­ten­lan­gen klad­den no­tie­re. da­nach ver­su­che ich das al­les zu ei­nem ei­ni­ger­mas­sen ko­hä­ren­ten text zu­sam­men­zu­fas­sen, den ich im prin­zip auch so ins in­ter­net stel­len könn­te. wäh­rend des gan­zen pro­zes­ses baue ich be­reits fo­li­en die mir un­ter­wegs ein­fie­len, von de­nen ich danch min­des­tens die hälf­te weg­schm­eis­se. die prä­se­nen­ta­ti­on baue ich dann in key­note, den text auf­ge­teilt in den mo­de­ra­to­ren no­ti­zen und dazu dann hiunder­te fo­li­en.

den text habe ich seit ges­tern fer­tig. er muss noch ge­schlif­fen und an vie­len stel­len ge­kit­tet und er­gänzt oder ge­stutzt wer­den, aber in ein zwei ta­gen könn­te ich den im prin­zip hier ver­öf­fent­li­chen.

und ich fra­ge mich ge­ra­de ob das ein gute idee ist. so wirk­lich da­ge­gen spricht ei­gent­lich mei­ne vor­trags­lek­to­rin, der ich den vor­trag immr min­des­tens ein­mal vor der re­pu­bli­ca vor­spie­le, schaut sich auch meist noch ger­ne den vor­trag noch­mal live an. den text vor­her zu ver­öf­fent­li­chen, soll­te also nie­man­den da­von ab­hal­ten den vor­trag trotz­dem noch zu se­hen. an­de­rer­seits habe ich die­ses mal ja eine eher ab­sei­ti­ge büh­ne mit of­fi­zi­ell 20 plät­zen zu­ge­wie­sen be­kom­men.

trotz­dem weiss ich nicht ob es eine gute idee ist den text vor­her zu ver­öf­fent­li­chen. viel­leicht tut le­ser­feed­back dem text ja noch gut? oder spoilt das die gan­ze ge­schich­te?