#rp26, tag 2
etwas müde, aber relativ früh wieder auf dem republica-gelände aufgeschlagen und einen (halben) burrito mit „soja hackbällchen“ gefrühstückt. das war sättigend und lecker. den füllreis im burrito hätten sie aber weglassen können. als erste aktion des tages habe ich mir eine session am energiemobil angesehen um zu gucken, wie die bühne funktioniert. sebastian jünemann und ruben neugebauer hatten etwas probleme ihre präsentation zum laufen zu bringen und als sie dann lief, setze der ton gelegentlich aus. man konnte auch nicht besonders viel von der präsentation erkennen, was am hellen sonnenlicht und der etwas kleinteiligen präsentation lag. aber ich sah, dass ich mit dem setup wohl zurecht kommen würde, dass wohl so um die 60 bis 70 leute zuschauen können und dass die sonne einem ordentlich auf die birne knallte.
weiter zu anna lembke, die über Dopamine Nation: Finding Balance in the Age of Indulgence. den ersten teil fand ich faszinierend und ich glaube auch etwas gelernt zu haben, wie dopamin ungleichgewichte und toleranzen/desensibilisierung entstehen. anna lembke erklärte das typisch amerikanisch: nachvollziehbar, in einfacher sprache, aber präzise. sie schaffte es mich davon zu überzeugen, dass es tatsächlich nachweisbare abhängigkeiten gibt, bei allem was dopamin ausschüttet. ich formulierte bereits innerlich während des vortrags widerspruch um der absehbaren schlussfolgerung soziale medien machen süchtig zu widersprechen: dann müssten bücher und lesen ja auch abhängig machen. als hätte sie meine gedanken gelesen, erzählte sie von ihrer eigenen abhängigkeit von schundromanen. das war zwar etwas länglich, aber genauso gut nachvollziehbar wie ihre wissenschaftlichen herleitungen vorher. trotzdem fand ich dann ihre schlussfolgerungen einen ticken zu undifferenziert, bzw. mir schien, als würde der vortrag unsere anfälligkeit gegenüber süchtig machenden mustern sehr überzeugend erklären, die fähigkeit vieler menschen zur selbstregulation aber etwas unterbetonen.
als ich zum beispiel vor einer weile merkte, dass ich eine signifikante zeit mit dem durchscrollen von instagram reels verbrachte, wurde mir das schlagartig zu doof und spare mir instagram seitdem grösstenteils.
sobald ich das gefühl habe bei irgendwas die kontrolle zu verlieren, fahre ich die ausübung dieser tätigkeit sofort zurück. wobei ich sagen muss, beim konsum von zucker ist mir das in den letzten 30 jahren nicht gut gelungen, da musste ich erstmal ein paar wochen ozempic nehmen um den konsum von zucker zurückzufahren. so gesehen ist es wohl tatsächlich so wie anna lembke sagt dass dopamin-sucht uns alle erwischen kann. aber so wie mir die dark pattern der social media firmen zu doof sind um sie mitzuspielen, hat mein teenager-neffe sich vor ein paar jahren dazu entschlossen, dass ihm das reinschaufeln von zucker zu doof ist und damit einfach aufgehört, ohne ozemnpic, therapie oder elterliche verbote.
mit anderen worten, die vorhandenen resilienz-potenziale und sucht-gegenstrategien, die es ja offensichtlich gibt, schienen mir in anna lembke’s vortrag zu kurz zu kommen. trotzdem gerne gesehen.
das panel mit ricarda lang und philipp amthor (und vincent g und wulf schmiese) führte auf stage 2 wieder zu „saal ist voll, wir schliessen die türen“. ich bin völlig unfähig mir eine meinung zum auf der bühne gesagten zu bilden weil irgendwie alle recht hatten. was ich auch nicht in meinen kopf kriege ist die selbstverständlichkeit und professioanlität, mit der philipp amthor den habitus und die rhetorik eines politikers spielt und man ihm das dann auch noch abnimmt. irgendwie erinnert mich philipp amthor an milli vanilli. nicht wegen der publikumstäuschung, sondern wegen dieses gefühls, einer sehr sorgfältig komponierten figur zuzusehen: talent, professionalität, kalkulation und ein erstaunlich platter remix aus vertrauten politikergesten.
bei quinn slobodian und seinem vortrag Godwin’s Engine: Muskism and the Automation of Consent hab ich auch einiges dazugelernt. ich würde gerne sagen, das war ein guter vortrag, aber dass ich währende des vortrags mehrfach sekundenschläfchen gemacht habe, untergräbt meine glaubwürdigkeit. die sekundenschläfchen haben aber wahrscheinlich nichts mit quinn slobodian zu gehabt, sondern weil ich etwas viel sonne abbekommen habe. nachdem ich später für eine weile an der frischen luft sass, im lichtdurchfluteten, aber schattigen vorderen innenhof der station, war ich wieder re:bootet.
nachdem alex sich gestern vorbildlich selbst kritisiert hat, kann ich meinen vortrag, bzw. die vortragsweise, hier auch kurz selbst kritisieren. ich war etwas überfordert vom handmikrofon und der mund-hand-koordination, die so ein ding erfordert. auch mit der ungewohnten tisch- statt pultsituation kam ich schlechter zurecht als von mir selbst erwartet. und ich konnte mich weniger von meinen notizen (eigentlich: volltext) lösen, als ich es mir erhofft und eingeübt hatte. dankenswerterweise wurde mir aber mehrfach zurückgespiegelt, dass meine unsicherheit und leichte überforderung offenbar weniger ins gewicht fielen als in meiner eigenen wahrnehmung.
alex matzkeits selbstkritik teile ich übrigens nicht. ich fand seine moderation sehr gut: strukturiert, vorbereitet und vor allem neugierig. seine fragen haben einiges freigelegt, was unter dem staub der zeit lag. dadurch wurde das panel nicht nur angenehm flauschig, sondern auch erkenntnisreich. alle gingen gut unterhalten und ein bisschen klüger wieder raus. und daraus leite ich vorsichtig die hoffnung ab, dass meine eigene unzufriedenheit mit meinem auftritt in der fremdwahrnehmung vielleicht ebenfalls weniger gross ausfiel.
kurz gesagt: anstrengender, aber wieder ein sehr schöner tag.






