sorry. aber das „jan geldmacher“ „geschäftsführer“ bei vodafones „firmenkundengeschäft“ sein soll, halte ich fast für eine virale kampagne von vodafone werbeagentur „schalalalala and friends“.
ob es bei vodafone in der leitung des marketing auch einen „hans dampfplauderer“ oder im vertrieb einen „klaus überdentischzieher“ oder im vorstand einen „jesper businesskasper“ gibt?
vorgestern nacht war vor unserem schlafzimmer wieder richtig was los. die beifahrerin und ix wohnen in hamburg mit einem herrlichen blick auf den hafen und eine grössere s-bahn-station. wie am hafen, werden am s-bahnhof regelmässig äusserst dubiose wesen angeschwemmt. zu zeiten des hafenfests steigt beispielsweise die gefahr vor unserer haustür in menschliche exkremente zu treten exponentiell an. fast jeden abend werden wir zeugen davon, dass alkohol die menschen mitunter in sehr laute geist- und willenlose wesen verwandeln kann.
vorgestern nacht spielte sich ein besonders drastisches alkohol- und blödheitsinduziertes drama vor unserem schlafzimmerfenster ab. mich weckte lautes, weibliches gegacker, dass sich bei genauerem hinhören als theatralisches geheule einer jungen frau bestimmen liess. unterbrochen wurde das gackergeheule von lallig-gröhligem, männlichem geschrei. er so: „arschloch!“ sie so „huuuuhaaa!“. er: „kommscht du jetzt mit?“ sie: „huuuuhaaanääääh.“ „du hure.“ „hüüüüühäääää!“ „komm jetzt!“ „haaaaaaaaaaaaaaaa! nein!“ „wo willst du denn hin? du schlampe!“ „huuuuuhaaa!“
zwischenzeitlich setze die männliche stimme zu längeren monologen an, in denen er darauf hinwies, dass heute sein geburtstag sei, sie ihm sein leben ruiniere, sie die grösste „hure“, „fotze“ und „schlampe“ des landes sei und jetzt gefälligst mit ihm nach hause kommen solle. sie zog es vor einfach hochfrequent und dauerhaft zu schreien und hin und wieder ein „nein“ oder ein „weiss nicht“ oder ein „lass mich in ruhe“ oder ein „du hast mich geschlagen“ einzuflechten. die unterhaltung war recht monothematisch, aber sehr laut. auch wenn der schreihals so sehr wankte und lallte, dass eine echte körperliche gefahr für die frau nciht realistisch schien, zogen wir nach ein paar minuten in erwägung die polizei zu rufen. just als wir diesen gedanken zuende gedacht hatten, fuhr ein polizeiwagen mit martinshorn vor, zwei polizisten stürmten heraus und liefen suchend an dem päärchen vorbei, dass jetzt plötzlich still und friedlich war, sich gegenseitig je eine zigarette anzündete und händchenhaltend in richtung u-bahn schlenderte. die tarnung und der schutz dem die frau dem typen schenkte, der sie eben noch geschlagen, bedroht und beschimpft hatte, funktionierte perfekt und die polizisten zogen unverrichteter dinge wieder ab.
die blödheit der menschen erscheint einem manchmal unerschöpflich.
und obwohl in der nacht noch ein paar andere alkoholisierte ihre diskussionen lautstark, das ganze viertel einbeziehend, vor dem s-bahn-bahnhof austrugen, ist es doch ungeheuer praktisch an einem s-bahnhof zu wohnen. für eine durchgehende nachtruhe, sollte man allerdings das fenster geschlossen halten.
das gute und gleichzeitig schlimme am älter werden ist der wachsende gleichmut. ich sehe die dinge nicht mehr so eng wie früher, mache mir weniger gedanken um dinge von denen ich früher dachte, dass sie wichtig seien — und überhaupt.
früher waren mir zum beispiel alle „praktischen“ dinge verhasst. mein credo lautete: das gegenteil von gut ist praktisch. bei manchen dingen wie handy-gürtel-schnallen, sportsandalen, einkaufkörben, rechtschreibkorrektur oder handyschutzhüllen fehlt mir bis heute die gelassenheit sie zu ertragen, aber ich bin ja auch erst 40.
gute dinge waren für mich immer unpraktisch, kompliziert und massenunkompatibel. klettverschlüsse an schuhen zum beispiel: schlimm. cowboystiefel sind zwar auch schlimm, sie sind irre unpraktisch, man neigt zum umknicken und ausrutschen, kriegt die dinger, wenn sie genau passen kaum an- oder ausgezogen und erleidet höllenqualen und blutige füsse (vorne und hinten) beim einlaufen, aber trotzdem verbrachte ich fast meine gesamte lehr- und studienzeit in ihnen.
armbanduhren: ganz schlimm, praktisch und hässlich. armbanduhren kann ich seitdem ich dreizehn jahre alt war nicht ausstehen und zog es seitdem vor ganz ohne tragbare uhr zu leben (bis ich mir vor ungefähr zehn jahren meine erste taschenuhr [aka handy] zulegte). ohne tragbare uhr zu leben funktioniert übrigens ganz prima: uhren sind so ziemlich das allgegenwärtigste was es auf der welt gibt. auf der strasse ist immer ein kirchturm in sicht oder ein auto mit einer uhr oder irgendein automat. ausserdem funktioniert die innere uhr minutengenau, wenn man sie regelmässig nutzt.
ganz schlimm fand ich auch „praktische“ und „pflegeleichte“ frisuren und zog es — seit ich die haare auf meinem kopf bewusst wahrnahm — vor, meine haare mit seife, gel, wachs und diversen reib- und zugbewegungen in irgendeine form zu bringen. ich glaube ich habe die hälfte meiner jugend damit zugebracht, meine haare unordentlich aussehen zu lassen. mittlerweile habe ich dazugelernt; ich habe verstanden, dass meine haare ganz ohne aufwand (alle paar monate schneiden, alle paar tage waschen und hin und wieder etwas haarwachs reinschmieren) unordenlich aussehen lassen kann.
der VW-passat-kombi oder der golf waren für mich immer die schlimmsten vorstellbaren autos, blech gewordene kompromisse im namen des nutzwerts und der vernunft. autos die ich gut fand waren unvernünftig, zu gross, zu umweltunfreundlich und familienfeindlich. früher hätte ich mich dafür verachtet, jetzt fand ich es prima, als ich mir kürzlich bei sixt einen VW-touran gemietet habe.
rucksäcke waren für mich lange zeit das hässlichste und peinlichste vorstellbare modische accessoire. ich hielt es für eine peinliche entschuldigung, rucksäcke zu tragen, weil es so praktisch sei. selbst meine „rucksackurlaube“ verbrachte ich mit reisetasche. mittlerweile passt mein ganzer hausrat und bürokram in einen kleinen rucksack und ich finde es praktisch, immer alles bei mir zu haben ohne lange arme oder gleichgewichtsstörungen beim umhertragen meines hausrates zu bekommen. das ein rucksack zum anzug bescheuert aussieht ist mir klar, aber witzigerweise auch völlig schnurz.
[anmerkung: in vorherigen absatz ist eine dramaturgische notlüge versteckt.]
leute mit handys fand ich, seit die ersten koffer-handys aufkamen und handys in deutschland noch für ein italienisches modeaccessoire zum angeben gehalten wurden, grundsätzlich peinlich. handys waren praktisch (uh) und angeberisch (bäh). grundsätzlich hat sich an dieser einschätzung zwar nichts geändert, aber seitdem vor etwa zehn jahren mein widerstand gegen mobiltelefone brach, trage ich mein handy fast immer bei mir, vorzugsweise in der hand und gebe meist erfolglos (aber immer hemmungslos) damit an.
woran ich mich aber nie gewöhnen werde und wahrscheinlich auch im hohen alter nicht an mir tolerieren werde, ist funktionskleidung zu tragen, egal wie praktisch. früher habe ich meine ablehnung von funktionskleidung vielleicht ein bisschen übertrieben, als ich mit jeans, jacket und mantel ski fuhr, aber fahrradhosen, sportsandalen, sportliche multifunktions-jacken oder gar mützen werde ich erst tragen, wenn ich so alt und hilflos bin, dass ich mich nicht mehr gegen meine pfleger wehren kann. ich glaube ich würde eher erfrieren wollen als „jack wolfskin“, „the north face“, „tatonka“ oder wie diese scheusslichkeiten-hersteller alle heissen, zu tragen.
im umgang mit moderner technik muss man hin und wieder konzepte erlernen, die auf den ersten blick blödsinnig erscheinen, die sich aber im laufe der zeit so einschleifen, dass man sie für unverzichtbar hält. die computermaus ist so eine eine sache oder die tatsache, dass auf meinem laptop immer rechts oben die uhrzeit und das datum angezeigt werden. die uhrzeit oben rechts vermisse ich oft beim zeitungslesen.
verstörend wird es aber, wenn es zu viele bedienungsschnittstellen für eine sache wie zum beispiel das um- oder weiterblättern gibt. zeitungen blättert man um, webseiten (auf einem macbook) scrollt man mit zwei fingern (oder der zunge) und webseiten oder listen auf (echten) smartphones schiebt man „kinetisch“ mit dem finger hoch oder runter. das führt dann in der praxis oder beim wechsel der lesemedien dazu, dass ich mitunter versuche die zeitung mit zwei fingern zu scrollen, webseiten auf dem macbook mit zwei fingern hoch statt runter scrolle und auf dem pre versuche seiten durch schleuderbewegungen zu scrollen.
diese phänomene ziehen mittlerweile weite kreise bei meinem medienkonsum:
seit ich twitter, friendfeed, facebook und anderes web2.0-gedöns nutze, will ich bei allem was ich lese einen „like“-button oder favoriten-stern setzen können.
seit ich „mein rivva“ oder andere twitter-apps nutze, will ich mich überall mit einem klick auf „sign in with twitter“ anmelden können.
seitdem ich die bookmarklet-pseudopopups, als layer die sich über eine vorhandene seite legen, von instapaper oder friendfeed kenne, nerven mich echte popup-browser-fenster.
seit ich beim google-reader mit n (next) und p (previous) von beitrag zu beitrag springen kann, spüre ich das starke bedürfniss, das auf allen webseiten machen zu können.
vermutlich werden uns diese verschiedenen bedienkonzepte letztendlich alle in den wahnsinn treiben und uns in zehn jahren wieder alles ausdrucken lassen.
irgendwer hat gesagt, dass dem pre noch eine „killer applikation“ fehle. ich finde ja, dass das eingebaute adressbuch bereits die killer-applikation des pre ist: es füllt sich automatisch.
die grundidee ist einfach: kontaktdaten werden aus verschiedenen (online-) quellen zusammengeführt und die kontaktdaten einer person aus verschiedenen quellen werden gemeinsam angezeigt. derzeit bietet das pre-adressbuch vier quellen für adressdaten an: die SIM-karte, das google-adressbuch, facebook-kontakte und kontaktdaten von einem exchange-server. webos 1.3 bietet, soweit ich das sehe auch linkedin als quelle an. deutsche pre-benutzer müssen noch mit der webos-version 1.1 vorlieb nehmen und werden wohl erst für die webos version 1.3 ein update bekommen.
nachdem man also seine google-account-daten (oder seinen exchangeserver-zugang) in den pre eingegeben hat, synchronisiert der pre alle adressen über das internet aus dem google-adressbuch. gibt man dann auch noch seine facebook-account-daten ein, ergänzt sich das adressbuch und eventuell bereits vorhandene kontaktdaten automatisch um die freigegebenen kontaktdaten seiner facebookkontakte. damit hat man ein sich automatisch aktualisierendes und füllendes adressbuch.
web.de hat sowas vor jahren auch mal versucht. die idee war, wie fast alles von web.de, von vorneherein zum scheitern verurteilt: wenn man die adresse eine kontaktes vervollständigen lassen wollte, bekam derjenige eine mail von web.de, mit der bitte seine daten zu vervollständigen. das hat natürlich kaum einer gemacht; zu umständlich, intransparent und ohne jeden nutzen für den vervollständiger. bei facebook, aber auch xing oder linkedin sind die leute eh schon und pflegen ihre persönlichen daten sorgfältig.
diese daten zentral anzapfen und zusammenführen zu können ist schon ziemlich genial.
für linkedin hat palm den adressbuchzusatz entwickelt, wie adam nash in einem kommentar auf dem linkedin-blog erklärt, ähnlich dürfte es mit der integration von facebook ins pre-adressbuch gelaufen sein. die frage ist jetzt natürlich: was macht xing? einen plugin für die windows-version von microsoft-outlook, die eine synchronisierung der adressen aller xing-kontakt erlaubt, hat xing bereits entwickeln lassen. vor allem was macht o2, als deutscher vertriebspartner des palm pre? gibt es gespräche mit den grossen sozialen netzwerken um möglichkeiten anzubieten die daten mit dem pre-adressbuch abzugleichen? die erfahrung mit deutschen technologie-unternehmen zeigt ja eher, dass wir auf solche inovativen zwei bis drei ewigkeiten warten können.
im detail zeigt sich übrigens, dass die palm-adressbuchfeatures auch nicht ganz unproblematisch sind. das eigene referenz-, bzw. hauptadressbuch vom desktop auf einen google-, apple- oder gemieteten exchange-server zu packen erfordert mindestens soviel mut wie in ein flugzeug zu steigen oder eine griechische fähre zu benutzen. die frage bei diesem ganzen cloud-computing-gedöns ist ja nicht ob es irgendwann sicherheitslücken geben wird, sondern wann — und ob es einen erwischt. meine erfahrungen in den letzten wochen und monaten lassen mich zunehmend misstrauisch werden.
auch scheisse, wenn ein facebook-kontakt eine vertippte oder falsche telefonnummer angibt, priorisiert das palm adressbuch diese falsche nummer, offenbar weil es davon ausgeht, dass die leute ihre eigene telefonnummer besser kennen als jemand anders. selbst wenn man die google-adresse im adressbuch als „primäre“ adresse auswählt, bleibt die falsche facebooknummer aktiv und verdeckt die richtge aus dem googleadressbuch. so konnte ich heute die beifahrerin nicht anrufen, weil sie im facebook die nummer als +490179… statt +49179 angegeben hatte.
solche bugs werden sicher nach und nach aus dem pre getilgt, die updatefrequenz der firmware ist hoch und der komfort der firmwareupdates relativ hoch, nämlich automatisch, übers netz. das kann zwar auch in die hose gehen, aber wenn ich überlege wie firmwareupdates mit nokia-handys oder — noch schlimmer — windows-mobile-geräten ablaufen, nämlich ausschliesslich über windows-desktop-rechner und meist mit komplettem zurücksetzen und löschen des geräts, ist allein schon das auto-update des pre ein killer-feature.
achso, bevor ichs vergesse, auch die sonstige bedienung des pre-adressbuchs ist äusserst angenehm. shortcuts und kurzwahlen kann man einfach angelegen, einzelne einträge lassen sich systemweit einfach über die anfangsbuchstaben des namen finden, einzelne klingeltöne lassen sich direkt im adressbuch zuweisen, ebenso notizen die man beim nächsten anruf der person anzeigen lassen kann.
besonders angenehm ist, dass sich das adressbuch auch die aktuellen kontaktbildchen von facebook holt. noch superer wäre es natürlich wenn auch noch twitter ins adressbuch integriert würde. dann hätte man das adressbuch mit noch mehr bunten bildchen gefüllt und könnte man aus dem adressbuch nicht nur direkt eine SMS oder AIM oder jabber-nachricht schreiben, sondern auch gleich eine twitter direct-message.
was ich aber eigentlich sagen wollte: der pre hat mich nach fast zwei jahren abstinenz dazu gebracht wieder facebook zu nutzen. wenn das kein killer-feature ist.
joachim huber hat wieder irgendwas über das internet geschrieben. nachdem er im dezember 2007 feststellte, dass urheberrechtsverletzer „auf der Erde, zu Wasser, […] in der Luft“ und „im netz“ „belangt“ würden, stelte er im juni 2009 fest, dass das internet ein rechtsfreier raum sei. jetzt, im oktober 2009, findet er es „eine gute idee“, dass die neue regierung „gegen piraterie“ im internet vorgehen will, was die gesetzeslage laut 2007er-huber zwar schon lange erlaubt, den 2009er huber aber nicht weiter juckt.
joachim huber meint:
Der Begriff vom fremden geistigen Eigentum, der steht in Rede, soll gestärkt werden. Er bedeutet die Umkehrung einer gesellschaftlichen Mentalität.
weil weder ich noch (wahrscheinlich) irgendwer anders versteht, was er damit meint, bemüht huber eine sensationelle und entlarvende analogie:
Anders: Wenn in Deutschland die unrechtmäßige Mitnahme von kalt gewordenen Maultauschen ein Kündigungsgrund ist, dann kann das illegale Downloaden von kostenpflichtigen Maultaschenrezepten nicht übergangen werden.
huber fordert also, dass bagatell-delikte im internet übermässig hart und unnachgiebig bestraft werden, genauso wie das hin und wieder im offline-bereich geschieht. aber warum benutzt huber gerade eine kündigung als beispiel, die quer durch die gesellschaft „empörung“ und „verständnislosigkeit“ ausgelöst hat, die als „fatales signal“ wahrgenommen wird oder von den gewerkschaften als „schändlich“ bezeichnet wird? will sich huber wirklich dafür einsetzen, das im internet im grossen stile bagatell-delikte verfolgt werden? will er erreichen, dass künftig mehr als ungerecht und willkürlich empfundene urteile gefällt werden, insbesondere im zusammenhang mit dem internet? soll der download von urheberrechtlich geschützen dateien genauso drakonisch bestraft werden wie in hubers beispiel, nämlich mit dem entzug der wirtschaftlichen exitstenzgrundlage?
ich fürchte tatsächlich, dass huber das genauso meint und zwar vor allem in dem sinne, dass urheberrechtsfragen keinesfalls etwas sind, über das demokratisch entschieden oder diskutiert werden sollte. hier geht es um einzel- und eigeninteressen, da sollen mehrheiten, gesellschaftliche strömungen oder normale menschen nicht mitreden oder mitbestimmen.
huber möchte nicht wahrhaben, dass das konzept des angeblichen „geistigen eigentums“ in einer wissensgesellschaft ständigen transformationen und diskussionen ausgesetzt ist. das maultaschenbeispiel zeigt, dass huber sich durchaus bewusst ist, dass die verschärfung des urheberrechts, die einführung eines leistungsschutzrechts und die privilegierung von „werkvermittlern“ und deren ökonomischen interessen von den meisten menschen als überzogen, unfair, ungerecht und empörend empfunden werden wird. seine analogie illustriert das wunderbar. kann natürlich auch sein, dass sich huber aus versehen in den fuss analogiert geschossen hat.
[apropos maultaschen-kündigung: hier kann man nachlesen wie joachim huber seinen job nicht verlor.]
ich finde ja, ausrufezeichen sollten zurückhaltend eingesetzt werden! ich finde wirklich, ausrufezeichen sollten zurückhaltend eingesetzt werden! ausrufezeichen sollten zurückhaltend eingesetzt werden, immer! ich sach mal, ausrufezeichen sollten zurückhaltend eingesetzt werden! ix finde, ausrufezeichen sollten zurückhaltend eingesetzt werden! nicht zu viele ausrufezeichen nutzen, finde ich! ich finde ja, ausrufezeichen sollten zurückhaltend eingesetzt werden! ich finde, ein ausrufezeichen reicht! ich finde ausrufezeichen oft überflüssig! ausrufezeichen sind ne art seuche! ich finde, wer ausrufezeichen benutzt, sollte sich zurückhalten! ausrufezeichen! ich finde die sollten zurückhaltend eingesetzt werden!
[nachtrag 24.10.2009] interessante ergänzung von tom chivers der über „Internet rules and laws: the top 10, from Godwin to Poe“ schreibt:
[…] 10. The Law of Exclamation First recorded in an article by Lori Robertson at FactCheck.org in 2008, this states: "The more exclamation points used in an email (or other posting), the more likely it is a complete lie. This is also true for excessive capital letters."
It is reminiscent of the claim in Terry Pratchett's Discworld novels that the more exclamation marks someone uses in writing, the more likely they are to be mentally unbalanced.
According to Pratchett, five exclamation marks is an indicator of "someone who wears their underwear on the outside".
leute die mehr als fünf ausrufezeichen benutzen, tragen also ihre unterwäsche aussen. demnächst schau ich mich im saturn mal genauer um, ob ich daran den plakat-macher erkenne. [gelogen ist das mit dem WLAN-schalter allerdings nicht, hab ix kontrolliert.]
ich hatte die sendung noch nicht gesehen, als ich diesen dwdl-artikel über die zimmer-frei-folge mit martin sonneborn gelesen habe. aber, auch wenns mir schwerfällt das zu sagen, der artikel beschrieb exakt das, was ich von der sendung erwartet habe:
Die Folge der Verweigerung, bei der Sonneborn seine Gesprächspartner inhaltlich auflaufen lässt, Zitate abstreitet oder schlicht nicht antwortet, da er nicht mir vollem Mund sprechen will: Hilflose Moderatoren, die aus der Rolle fallen. Hatte man in den Anfangsjahren noch das Gefühl, Westermann und Alsmann seien in der Sendung sie selbst und meisterten jede Situation mit Souveränität und Schlagfertigkeit, so scheint in der Sonneborn-Sendung nur noch der "Zimmer frei"-Technokrat durch, der sagt, wie die Sendung zu funktionieren hat. (weiterlesen)
nachem ich eben 20 minuten der sendung gesehen habe, bestätigen sich alle erwartungen: sonneborn entlarvt durch seine verweigerung das zimmer-frei-spiel mit zu spielen die sendung. alsmanns bruhha-witze, die man in normalen zimmer-frei-sendungen einfach ignorieren kann, wirken plötzlich in sonneborns anwesenheit irre peinlich. christine westerman wirkt schwer verunsichert und die sendung altbacken-routiniert.
das witzige (oder unwitzige) an sonneborn ist ja, dass er bei allen öffentlichen auftritten so ist. dass das für westermann und alsmann (oder die redaktion von zimmer frei) überraschend war, zeigt eher, wie voß das in seinem dwdl-artikel ganz richtig feststellt, wie sehr „zimmer frei“ in die jahre gekommen ist und in seiner routine zu ersticken droht.
am dienstag letzter woche habe ich gegen neun uhr den palm pre bei o2 online bestellt. um 09:02h kam per email die bestellbestätigung. der „o2 Palm Pre Ankündigungsservice“, bei dem ich mich vorher angemeldet hatte, benachrichtigte mich dann um 09:30h, dass der palm pre jetzt „verfügbar“ und bestellbar sei. die mail versprach „für die schnellsten“, dass es 40 touchstone-ladegeräte „gratis“ gäbe.
abgesehen davon, dass o2 ja eigentlich in letzter zeit den eindruck erweckt ein bisschen von den üblichen marketing-spielchen mit eingebauter konsumenten-verarschung abzusehen gedenkt, indem man beispielsweise transparente, günstige, einfache und gut zu verstehende tarife anbietet, die vertragsbindungen lockert und den kunden selbst überlässt für was sie ihre datenverbindung nutzen, ob für VOIP, tethering oder sonstwas scheint es bei o2 mmer noch wichtig zu sein, dem kunden das gefühl zu geben verarscht zu werden. da scheinen bei o2 immer noch ein paar verteidiger der alten marketing-steinzeitphilosophie rumzuhängen, die meinen, dem konsumenten könne man alles erzählen, solange es glänzend und schön bunt verpackt ist.
ansonsten schliesse ich mich volker webers urteil an: ich möchte nach einer woche nicht mehr auf den pre verzichten. das teil kann alles (und ein bisschen mehr) was ich von einem handy erwarte. naja, ausser dass der akku bei intensiver benutzung kaum einen tag hält und das gerät hin und wieder ein bisschen lahmt. besonders gut gefällt mir, dass der pre nicht an blödsinnige vorgaben des providers gekoppelt ist und ich problemlos zugriff auf die (linux-)innereien per root-zugang erlangen konnte und und ich so beispielsweise „mytether“ oder den alternativen „app-store“-zugang „filecoaster“ installieren konnte. der pre gibt einem zumindest ein bisschen das gefühl, nicht auf gedeih und verderb von den launen des providers abzuhängen. mal sehen wie lange die liebe hält.
ich erinnere mich noch, dass viele die misslungene vodafone kampagne dieses jahr irgendwie gut fanden, weil sie angeblich „mutig“ war. so gesehen müssten diese leute jetzt auch die aktuelle social-media-kampagne von jack-wolfskin mutig und gut finden.
und in gewisser weise ist es ja auch wirklich mutig, tausende internet-affiner menschen zu markenbotschaftern zu machen, die jetzt in ihrem freundeskreis herumerzählen wie wichtig es ist, dass eine marke ihre markenansprüche verteidigt und menschen die am markt teilnehmen mit anwaltlicher hilfe zum selbstkostenpreis darüber aufklärt, dass man sich über markenrecht informiert, bevor man kommerziell tätig wird. durch solche markenbotschafter, so erhofft sich jack wolfskin offenbar mit seiner unnachgiebigen und mutigen haltung, werden einerseits die vorzüge des deutschen rechtssystems illustriert und andererseits das image der marke gestärkt (jack wolfskin schützt, ist unnachgiebig, wetterfest, hermetisch und rechtlich gesehen einwadfrei). nicht nur marktteilnehmer die gedankenlos tatzen auf anziehsachen abbilden und kleben, sondern auch alle potenziellen käufer müssen verstehen, dass es gut für alle ist, wenn deutsches recht bis ans limit und zur vollen härte ausgeschöpft wird. wo würden wir denn hinkommen, wenn gerechtigkeitssinn oder ein gefühl für fairness höher stünden als der wortlaut von gesetzen?
dieses prinzip haben auch schon führende innenpolitiker erkannt, die sich nicht durch verweichlichte gutmenschen davon abbringen lassen wollen, familien mit kindern in ihre „heimat“ abzuschieben oder verfolgten asyl verweigern wenn deutsche gerichte und petitionsausschüsse das so entschieden haben. konzepte wie menschlichkeit, empathie, mitgefühl oder solidarität haben im kommerziellen und politischen bereich nichts verloren. für diese botschaft stehen jack wolfskin, jörg schöhnbohm oder wolfgang schäuble wie felsen in der brandung und stellen sich mutig gegen die „meute“ von verweichlichten AGB-nicht-lesern, heulsusen und ahnungslosen nicht-juristen.
Sollte es gelingen, nicht nur Jack Wolfskin, sondern jede Art von Funktionsbekleidung unmöglich zu machen, Deutschland würde zur Modenation.
[nachtrag 22.10.2009, 18:30h] bei jack wolfskin deutet sich umdenken an. manfred hell, der chef der firma jack wolfskin ist ab nächste woche wieder „im office“ und will die abmahnunen und die prozesse die dazu führten „prüfen“. das berichtet ralf schwartz im werbeblogger, nachdem er einen anruf von manfred hell bekam. ich finde, das hört sich vielversprechend an. siehe auch spreeblick und handelblatt.
[nachtrag 20.10.2009] der schlossplatz in berlin steht voll mit leeren hüllen und kulissen. da ist die schinkelschen bauakademie-kulisse, eine ecke gemauert, der rest aus gerüsten und kunstofffolien zusammengestöpselt. die kunsthalle ist ein bemalter oder mit folien beklebter schuhkarton, immerhin findest sich in ihrem inneren mehr inhalt als taubenscheisse, müll und kies. daneben, ganz neu, eine aussichtsplattform aus gerüstteilen, die mit einer folie behängt wurde, die die schloss-fassadekulisse zeigt, die hier angeblich bald wiedererstehen soll.
ist das ein ausdruck der zeit, dass man die landschaft mit hohlen körpern vollstellt, mit nix drin, aber einer geschwätzigen, bunten, aufgemalten hülle? und warum häufen sich diese kulissen gerade am schlossplatz, in der mitte berlins?
ich verstehe susanne gaschke nicht. im falter hat sie einen artikel geschrieben, in dem sie ihrem hobby nachgeht das internetscheissezu finden. sie findet email zwar „praktisch“, schätzt die „schier unerschöpflichen Recherchemöglichkeiten“ und vermutet, dass das internet „Wissenschaftlern“ vorzügliche gelegenheit zur „Kooperation“ bietet. was sie aber am internet aber stört, ist dass das schlechte der welt auch dort zu finden ist: da findet „belanglos-plappernden Zeit-Totschlagerei“ statt, es wird gestohlen, gegeifert, gepöbelt, es gibt „sozial gestörte junge Männer“ und ideologen. was sie besonders zu stören scheint: im „netz“ wird „netzkritik“ nicht einfach nur zur kenntnis genommen, sondern debatiert — und manchmal eskalieren diese debatten auch noch!
das kann man ja auch mal ruhig anprangern, dass das internet kein paradies ist und nicht alle susane gaschkes meinung sind. was ich aber nicht verstehe, ist dass susanne gaschke auf der einen seite ein übermass an kommunikation feststellt, die sie einerseits „belanglos“ findet, anderseits aber auch allgegenwärtig („überall, zu jeder Zeit“). auf der anderen seite führt sie dieses übermass an kommunikation darauf zurück, dass „die Menschen“ sehr vereinzelt und aus ihren familien und sozialen bezügen gerissen sind und ein „riesengroßes“ kommunikationsdefizit entstanden ist.
ist das logisch? wie kommt sie darauf, dass intakte soziale und familiäre bezüge das bedürfnis nach kommunikation stillen würden? plappern glückliche menschen nicht? reden menschen aus intakten familien keinen blödsinn oder zu viel? streiten menschen, die aus stabilen familien stammen, nicht? oder anders gefragt, haben nicht auch menschen aus intakten sozialen gefügen und familien einen „kommunikationshunger“?
vor allem, was ist schlecht an kommunikation? kann man zuviel kommunizieren? wie erkennt man belanglose kommunikation? ist belanglose kommunikation schlecht? und wenn ja, warum sollte einen das stören?
für mich hören sich susanne gaschkes erklärungen für die schlechtigkeit des internet nicht wie argumente an, sondern wie die billigen, scheinheiligen und konservativen patentrezepte aus dem vatikan oder dem bibel-tv an: ist die familie intakt, ist die welt gerettet und das internet füllt sich mit relevanz und güte. aber vielleicht ist susanne gaschke nicht scheinheilig und konservativ, sondern nur naiv?