das ist barack obama, wie er im berühmt-berüchtigten rosa parks bus im betty fordhenry ford museum sitzt. ich finde das bild irgendwie irritierend und gleichzeitig toll.
ganz toll ist es auf jeden fall dem flickr-fluss des weissen hauses zu folgen. oder wie flickr den laden nennt: „The White House — No real name given“.
meedia berichtet von „machtkämpfen“ im spiegel-verlag über die künftige online strategie.
Steife Brise an der Ericusspitze: In der Spiegel-Chefredaktion ist offenbar ein erbitterter Streit um die Print-Online-Strategie entbrannt. Nach MEEDIA-Informationen fordert Blattmacher Georg Mascolo vehement eine Bezahlschranke für das überaus erfolgreiche Nachrichten-Portal. Damit soll der zuletzt deutliche Auflagenrückgang gestoppt werden. Gegner dieser Strategie ist nicht nur Digital-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, sondern auch Geschäftsführer Ove Saffe.
ich halte das für sehr plausibel. der print-chefredakteur macht sich, höchtswahrscheinlich zu recht, sorgen um den digital-umsatz der print-ausgabe. der springende punkt ist wohl, dass „man fürchtet, dass das kostenlose Nachrichtenangebot die Heftverkäufe kannibalisiert.“
ich glaube, dass dieser glaube sowohl völliger quatsch, als auch nicht ganz unberechtigt ist.
einerseits kaufe ich mir den gedruckten spiegel schon seit einer ganzen weile nicht mehr. mache ich es doch, bin ich reproduzierbar enttäuscht. der spiegel ist einfach unerträglich, und das nicht nur wegen der fräulein rottenmeier-haltung der autoren. anders gesagt, mir ist es schnurzpiepsegal, ob es spiegel.de (online) gibt oder nicht, ob er was kostet oder werbefinanziert ist — den spiegel (print) kauf ich oder abonier ich mir nicht, weil ich ihn für ein tendenziöses, arrogantes käseblatt halte, das meinem medien-menü nichts mir relevantes hinzufügen kann.
anderseits könnte man durchaus eine art kanibalisierung erkennen. denn die aussenstehnden völlig unnachvollziehbare trennung der print- und der online-redaktionen des spiegels erschliesst sich nach aussen so gut wie gar nicht. irgendwo las ich kürzlich, dass aus der printredaktion nur 2-4 artikel pro woche in das offene netz spiegel.de fliessen. an den ehemaligen print-artikeln steht zwar online irgendwas von „magazin“ und neben den print-artikeln wird auch immer (glaube ich) das zugehörige spiegel-titelblatt angezeigt — aber mal im ernst: wer glaubt, dass die leser diese bekloppte differenzierung nachvollziehen lebt in einem elfenbeinturm oder einer redaktionsblase. insofern kannibalisiert sich der spiegel natürlich selbst, weil da wo „spiegel“ draufsteht auch „spiegel“ wahrgenommen wird — und damit der spiegel zumindest im netz den eindruck einer komplett kostenlosen verfügbarkeit erweckt. dass die print-redaktion die verfügbarkeit ihrer artikel verknappt und erst nach einer schamfrist (von 4 wochen) google das komplete heft zum frass vorwirft, stört niemanden. oder genauer: mich störts nicht, weil ich nicht überzeugt bin, nach dem abschluss eines (online) abos bessere inhalte zu bekommen als ohne. und ich glaube, dass ich nicht der einzige bin der so denkt.
kurz gesagt: online findet der print-spiegel so gut wie gar nicht statt (obwohl der spiegel (print) fast komplett online ist). kommt mal etwas wirklich gutes aus dem gedruckten spiegel auf spiegel.de, schaffen es die artikel nicht, irgendwen davon zu überzeugen auf print oder print-HTML5 oder die print-spiegel-app umzusteigen. der print-spiegel hat es 18 jahre lang verpasst sich gegen den online-spiegel zu profilieren oder einen eigenen markenkern oder qualitätsanspruch herauszubilden.
die entscheidung des spiegels vor 18 jahren eine online-version des spiegels ins netz zu bringen war einerseits brilliant, hat aber die „spiegel“-marke verwässert veronlined. dass jetzt die verkaufzahlen des spiegels einbrechen, gedruckt, verappt und verHTML5t hat sicher auch mit dem allgemeinen rückgang von printkonsum zu tun, wahrscheinlich aber auch mit der wahrgenommenen qualität des spiegels, aber vor allem damit, dass niemand ausserhalb des spiegelgebäudes zwischen spiegel.de und dem SPIEGEL unterscheiden mag.
da wird auch keine paywall helfen, sondern, wenn überhaupt, dass DER SPIEGEL seinen potenziellen lesern eindrücklich klar macht, inhaltlich etwas besseres zu liefern als das was man heutzutage (kostenlos) im netz finden kann. spiegel-leser wissen mehr — diese zeiten sind längst vorbei. wenn ich mehr über die jüngere geschichte erfahren will, kaufe ich mir ganz sicher keinen spiegel, sondern die geo epoche. zu fast allen anderen themen fallen mir zig alternativen ein, kostenlos und kostenpflichtig, die ich eher lesen oder kaufen würde als den spiegel.
ich habe mir den HTML5 print-spiegel vor einer weile mal angesehen. nett, technisch gut gemacht. aber warum ich für den arrogant, allwissend und käsig geschriebenen mist mehr zahlen soll als für das was ich in meinem feedreader, spiegel.de, zeit.de, geo epoche, brandeins, c’t oder sonstwo finde, wurde mir bisher nicht klar. da reicht zur veredelung des print-spiegels auch nicht der einkauf einer niggemeier-edelfeder, zumal der offenbar manchmal schwierigkeiten hat, die artikel, die er schreibt, überhaupt im heft unterzubringen und die recherchen dann eben verkostenlost.
überhaupt. kann sich noch jemand an den letzten scoop, die letzte grosse enthüllungsstory im spiegel erinnern? ich glaube das war irgendwas mit franz josef strauss. die wikileaks-koperation war in meiner erinnerung wenig überzeugend und bot kaum gesprächsstoff (geredet wurde über wikileaks, nicht darüber wie der spiegel die daten aufbereitet hatte), den bundestrojaner gabs bei der FAZ, sascha lobo schreibt online und nicht im heft, sauber recherchiertes und bullshit und FUD-freies zum internet schaffte es in den letzten drei jahren nicht ins heft — im gegenteil.
und — wer soll sich den digitalen spiegel überhaupt kaufen? digitale first adopters ganz sicher nicht. was der spiegel bisher über das internet schrob war grösstenteils haarsträubend. wer sich in digitalien auskennt kommt doch nicht im traum daruf sich ein heft zu kaufen, in dem seine lebenswelt mit unverständins, hass und hohn behandelt wird. aber ohne online-affine first adopters bekommt man digital auch keinen fuss auf den boden. ob klassische spiegel-leser bereit sind statt eines hefts eine digitale ausgabe in diesem laut spiegel ach so gefährlichen internet oder diesen datenschutzkatastrophen von apple oder google für den gleichen preis wie die papier-ausgabe zu kaufen ist ziemlich fragwürdig. wo soll denn da der mehrwert sein?
mal zuende gedacht: gäbe es eine paywall — wie würde dann künftig zwischen online- und print-spiegel unterschieden? gäbe es vielleicht sogar zwei paywalls, eine für online und eine für den digitalisierten print-spiegel? lägen hinter der paywall print- und online-inhalte beisammen, warum dann noch zwei getrennte redaktionen? oder glaubt mascolo, dass ein kostenpflichtiger spiegel-online die leser zu der überlegung führt, wenn ich bezahle, dann gleich für den „echten“ spiegel? eine paywall löst das profilierungsproblem des print-spiegel wohl eher nicht. ich glaube im gegenteil, dass das problem damit grösser wird. bisher kann ich die beiden spiegel an den kosten unterscheiden, woran sollte man sie, wenn sie beide kostenpflichtig wären unterscheiden? am internet-hass? an der fräulein-rottenmeier-haltung der autoren?
ich glaube um die verkäufe der digital-ausgabe des spiegel zu erhöhen muss die qualität des spiegels hoch, der preis der digital-ausgabe runter und der spiegel-online müsste umbenannt werden, zum beispiel in die blumencron-post oder das magazin oder tmfkas (the magazine formerly known as spiegel).
ich muss mal wieder, ohne speziellen anlass, meine DVDthek loben. obwohl ich glaube, dass die lizenzfragen zu den game of thrones DVDs der ersten staffel unter juristen zumindest strittig sein könnten, gibt sich meine DVDthek zumindest mühe einem alternativen zur unlizensierten nutzung anzubieten. OK, man kann sich die erste staffel mittlerweile auch bei amazon holen (amazon.co.uk 36,00 €, amazon.de 59,00 €). aber ich wollte die video collection an der stargarder strasse ja eh nur mal eben loben.
Wie kann die Band sicher sein, dass die aufwendig produzierten Clips nicht blockiert werden? Das Label der Ärzte, Hot Action Records, will sich dazu nicht äußern. [...] Ob der Musikverlag PMS und Bela B. einen entsprechenden Gema-Vertrag haben, ist unklar. Die Gema kann dazu aus "Datenschutzgründen" nichts sagen, aus der Gema-Werkdatenbank geht das nicht hervor.
die überschrift ist voll boulevardesque, aber die verschärfung der ursprünglichen pläne zur vorratsdatenspeicherung, die das innenministerium plant sind schon heftig. vor allem dass hinz und kunz auf die daten zugreifen dürfen können sollen, empfinde ich als eine frechheit. das ursprüngliche argument „terrorismus“ ist aus dem gesetzentwurf beinahe verschwunden. patrick breyer vom arbeitskreis vorratsdatenspeicherung hat auch was dazu geschrieben.
christian rach will jetzt auch ein restaurant in berlin aufmachen, in dem bisher eher chancenlose menschen eine chance zur ausbildung bekommen sollen. die erste staffel hab ich wie nichts eingeatmet, bei der ersten folge der zweiten staffel fällt es mir schwer sie zu verdauen. irgendwie hat die sendung ne unwucht.
das team um rach, aber auch rach selbst bemüht sich etwas zu offensiv darum, den teilnehmern kamera-drama-tränen rauszuprovozieren, rachs sprüche kommen mir teilweise arg redaktionell geschliffen und vorgeplant vor (teilweise auch nicht. „wie wird rach geschrieben?“ „ich kann dir auch eine reinhauen wenn du willst ...“).
wenn die zweite folge nicht wieder etwas authentischer wirkt, kann rach seine sendung von mir aus selbst gucken.
in dem zusammenhang vielleicht nicht ganz uninteressant, was man im nachhinein, nachdem die geplanten neuregelung des rederechts im bundestag vom tisch ist, so über die initiative liest. das sind plötzlich ganz andere töne.
malte welding über dieses urheber-, aufmerksamkeits und gelddings:
Erfolgreiche deutsche Bands bringen es auf Youtube im Schnitt auf weniger Klicks als die duschende Nachbarskatze. Kein Wunder, dass die nun denken, ihnen werde etwas weggenommen durch das Netz. Es ist nur anders, als sie glauben: Sie bekommen nicht zu viel Aufmerksamkeit (durch illegale Downloads), sondern zu wenig (durch Egalheit).
mir hat die vorletzte ausgabe der brandeins mal wieder aussergewöhnlich gut gefallen. und vor allem habe ich sie mal wieder (fast) komplett durchgelesen. praktisch wenn man die vorletzte brandeins-ausgabe liest: man kann die artiekl gleich verlinken. ich glaube ich bleibe jetzt grundsätzlich eine ausgabe hinterher mit meiner brandeins-lektüre.
dieser artikel ist in zweifacher hinsicht erstaunlich. zum einen, weil die portraitierten „putzerlippfische“ einen extrem faszinierenden lebenwandel führen und offenbar zu kognitiven höchstleistungen, beinahe wie zum beispiel menschliche friseure, fähig sind und zum anderen wie die brandeins es schafft einen text der zu hundert prozent in die GEO passen würde, in einen text für ein wirtschaftmagazin umzudaddeln.
schöner text über das unternehmen „günzburger steigtechnik“. eigentlich auch ein prototypischer brandeins-text: zum bersten positiv gedreht und damit so doll lust-machend auf wirtschaft, dass man am liebsten am nächsten tag einen kubikmeter holz kaufen möchte um ein paar leiter-prototypen zu bauen. oder anders gesagt: brandeins-texte haben die gleiche fähigkeit wi manufaktum-katalog-texte: sie können konservatives gedöns extrem hip erscheinen lassen.
brand eins: Und so wird es bleiben, der Computer fürs Grobe, der Mensch für Kunst und Intuition?
Gunter Dueck: Zumindest, solange die Industrie nicht versucht, den Computer in die Höhen der Kunst zu bringen - sondern eher umgekehrt: alles auf das Niveau des Computers. Ich habe das neulich in einer Rede am Beispiel einer Tomatensuppe erläutert. Das Zelebrieren einer Fünf-Sterne-Tomatensuppe aus auserlesenen Früchten ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Man kann aber auch für 44 Cent im Sonderangebot eine Tütensuppe kaufen, die passabel rot schmeckt und idiotensicher gelingt, weil auf der Tütenrückseite eine Kochanleitung steht.
Ich sehe es so: Computer schaffen heute alles schon auf Tütensuppenniveau. Und statt den Rechner weiterzuentwickeln, versuchen das Management und die Betriebswirtschaftslehre ganz im Gegenteil, alle Kunst so weit auf Tütensuppenniveau zu bringen, dass sie der Computer selbst kann oder wenigstens ein schnell angelernter Mensch mit Mindestlohn. Diese sogenannte Standardisierung oder Industrialisierung ist der Hauptgrund für das heutige Abdriften der Menschen in den Niedriglohnsektor. Es ist der Verzicht auf das Geniale, Innovative und Neue, das Fünf-Sterne-Niveau oder das wirklich Feine zugunsten eines standardisiert Programmierten.
text von mischa täubner über drei BWLer die in rekordzeit (zwei jahre) studiert haben, statt einem gleich zwei abschlüsse (bachelor und master) machten und nebenbei auch noch eine berufsausbildung absolvierten.
Zugute kamen ihnen dabei ihre unterschiedlichen Stärken. Grünwald ist mathematisch beschlagen, Kopper liegt das Wirtschaftsrecht, Pohl brachte vom Wirtschaftsgymnasium eine Menge ökonomisches Wissen mit. Grünwald ist schnell, Kopper gründlich, Pohl ausdauernd. Gegenseitig trieben sie sich an. Als Pohl am Tag vor einer Klausur mit den Nerven am Ende war, bauten ihn die anderen beiden am Telefon wieder auf. "Allein hätte ich aufgegeben. Aber in der Gruppe wird man mitgezogen. Man will ja nicht der Einzige sein, der scheitert."
Coleman zeichnete eine Matrix mit zwei Achsen auf. Die eine signalisierte zunehmende Wichtigkeit, die andere zunehmende Dringlichkeit. Teilte man die Matrix auf, ergaben sich vier Quadranten. Einer für Aufgaben mit hoher Dringlichkeit und gleichzeitig hoher Bedeutung; ihm schräg gegenüber einer für Aufgaben von geringer Dringlichkeit und geringer Bedeutung. Diese zwei Felder seien leicht zu identifizieren, so Coleman, viele Menschen schafften es, ihr Verhalten entsprechend zu steuern. Die meisten scheiterten aber an den beiden anderen Feldern: Gefährlich sei vor allem jener Quadrant, in dem sich Aufgaben von hoher Dringlichkeit und geringer Wichtigkeit befänden. Diesen Tätigkeiten widmeten sich die meisten Manager zu häufig, fuhr der Coach fort. Gleichzeitig vernachlässigten sie die Aufgaben im vierten Quadranten: "Solche, die nicht dringlich, aber wichtig sind", sagt El-Erian. "Seine Botschaft war: Die Menschen wenden viel Zeit und Mühe auf, vergessen aber das Wesentliche, das entscheidenden Einfluss hat auf den langfristigen Erfolg ihres Tuns."
ich bin kein grosser wolf lotter fan, aber der schwerpunkt-text in der „relevanz“-ausgabe der brandeins hat mir gut gefallen. wolf lotter gleich am anfang seines 300 seiten langen artikels:
Das Ranking ist die Konserve der Bedeutung. Wir halten für wichtig, was andere für wichtig erklären. Was hinten rauskommt, ist das, was andere übrig gelassen haben. Das gilt für merkwürdige Ranglisten, in denen die "wichtigsten" Menschen, Manager oder Ideen schön in Reih und Glied gebracht werden - was zwar der Ordnung dient, aber nur selten der Orientierung. Wichtig für wen oder wozu? Diese Frage und eine Antwort darauf lassen die Hitlisten meistens vermissen.
und später:
Das ist der Preis für anhaltenden Alarmismus. Den Leuten werden ständig Prioritäten vorgesetzt, die mit den Dingen, die für ihr Leben wichtig sind, wenig zu tun haben. Darauf reagieren die Agenda-Setter mit mehr Krawall und noch lauterem Alarm. Genervt sagen die Leute: Okay, okay, ich sehe das Problem. Tatsächlich haben sie längst auf Durchzug geschaltet. Wer sich wichtig macht, hat noch nicht überzeugt. Und den Problemen ergeht es wie den Leuten: Sie werden nicht ernst genommen.
nicht nur ist die notaufnahme des klinikums ingolstadt die am besten organisierte, sondern auch die einzige mit brandeins-lobgesängen überschüttete notaufnahme der welt. möglicherweise auch zu recht.
falls sich jemand sorgen macht: mcdonalds geht es gut:
Wie gut es McDonald's geht, zeigt die hohe Dividende. Sie entspricht einer Rendite von knapp drei Prozent auf den jeweiligen Aktienwert. Die Firma kann es sich leisten. Seit Jahren fährt sie einen hohen, stetig wachsenden Cash Flow ein; er reicht locker aus, um alle Investitionen (unter anderem die capital expenditures) zu finanzieren und den Aktionären zusätzlich hohe Ausschüttungen zukommen zu lassen.
von einem aktuellen artikel aus der brandeins von ulf j. froitzheim ist markus beckedahl übrigens gar nicht begeistert:
Mit der üblichen journalistischen Qualität der BrandEins hätte die Redaktion auch einen der leider wenigen ausgewogenen Beiträge zur ACTA-Debatte bringen können, mit verschiedenen Perspektiven und Positionen und vor allem gut recherchiertem Hintergrund. Vertan. Was aber bleibt ist die Message der BrandEins: ACTA ist vollkommen ungefährlich und die Kritik daran vollkommen unberechtigt. Kritikpunkte, die auch von Nicht-Netzaktiviten wie Reporter ohne Grenzen, Oxfam oder Amnesty International formuliert werden, kommen überhaupt nicht vor. Es wird mir schwer fallen, zukünftig bei Beiträgen in der BrandEins darauf zu verlassen, dass das schon ordentlich recherchiert sei. Schade.
drei euro achtzig dachte ich, da kann man ja fast nix falsch machen und kaufte mir die neue wired. diese ausgabe wurde von alexander von streit verantwortet, was sich auch angenehm im heft auswirkt, es fehlt der aufgeregte, knywersterische ton. im heft zumindest.
das cover ist ist condé-nast-mässig hyperhysterisch: „DAS WEB STEHT VOR DEM BLACK OUT“, „WETTRÜSTEN“, „Der seltsame Fall des KIM DOT COM“. im heftinneren ist das dann glücklicherweise alles viel weniger hysterisch und der artikel über den drohenden „WEB BLACK OUT“ ist sogar ziemlich gut. die fakten stimmen (glaub ix), er liest sich gut und ist sachlich und ausgeglichen. wer in dem chaotischen layout lange genug sucht, findet auch die autoren des stücks, gleich sechs leute: frederik fischer, torsten kleinz, michael moorstedt, alexander von streit, andreas winterer, ulf hannemann.
jonah lehrers text über die schwierigkeiten der wissenschaft komplexität zu erfassen, insbesondere die des menschlichen körpers ist ebenfalls ein leseschmaus. ein paar stunden bevor ich seinen text in der wired in der badewanne las, hatte ich gerade ein interview mit ihm aus meiner timeline gefischt und gebookmarkt. kleine welt. apropos kleine welt. auf englisch kann man den text von lehrer auch online lesen, genau wie den, ebenfalls lesenswerten text von tom cheshire über tumblr und den tumblr-gründer david karp.
das spricht jetzt nicht so irre für den qualitäts-journalismus-standort deutschland, dass von den drei interessantesten texten, nur einer von deutschen journalisten geschrieben wurde. was aber wirklich peinlich ist, ist dass die redaktion der deutschen wired es weder schafft den text unfallfrei übersetzen zu lassen (warum werden die übersetzer eigentlich nicht genannt?), noch den namen des autors korrekt zu schreiben.
At the time, Karp was running his own consultancy, Davidville, which built business websites, along with a 24-year-old programmer called Marco Arment, who would later found Instapaper.
in deutschland kann man dieses ganzen insta-dingse offenbar nicht so gut unterscheiden und machte doch glatt das hier draus:
Zu jener Zeit besaß er eine eigene Beratungsfirma, die sich insbesondere um den Aufbau von Business-Websites kümmerte. Ihm zur Seite stand Marco Arment, ein damals 24-jähriger Programmierer, der später den Fotodienst Instagram gründen sollte.
wired.de setzt da aber noch einen drauf und nennt den autor tom cheshire kurioserweise TOM CHESIRE (versalien von wired.de übernommen).
die besten der besten, sir. (sorry für den fefeslang. kommt nicht wieder vor.)
als ich eben aus der badewanne kroch (ja die wired kann man in einer badewannen-session durchlesen), hatte ich ein gutes gefühl. trotz der vielen redaktionellen werbung mit tonnen von gadget-gedöns (die man gut überblättern kann) fühlte ich mich gut infotained. ein paar anregende texte, ein paar hübsche und teilweise inspirierende bilder, keine journalistischen fehlleistungen über die man sich gross aufregen müsste. noch nicht mal die kolumne von thomas knüwer nervte diesmal mit neunmalklugheit. echt OK das heft.
na gut, über peter kruses kolumne bin ich beinahe eingeschlafen. das liegt aber daran, dass das was er schrob besser verständlich ist, wenn er es sagt und dass man, wenn man das was er gesagt hat schon kennt, von seiner verschachtelten art zu schreiben schläfrig werden kann. auch das überambitionierte layout nervt nach wie vor, man kann die werbung immer noch nicht vom den redaktionellen inhalten unterscheiden, aber für 3,80€ kann man vielleicht nicht mehr erwarten.
vielleicht ist der ansatz gar nicht mal schlecht. eine gute, lange titelgeschichte von ein paar fähigen leuten schreiben lassen, ansonsten gute texte aus den internationalen ausgaben übernehmen, ein paar frische kolumnisten mit kurzen texten ranlassen und den rest des heftes mit glasperlen und werbung füllen. gefällt mir auf jeden fall besser als die (stückweise) überambitionierte und aufgeblasense erstausgabe.
was (ein bisschen) fehlt: herzblut. offenheit im umgang mit fehlern (oder dient das wired-blog nur dem marketing?). abwegiges. layout.
[nachtrag 16.04.2012] christoph kappes hat bereits vor ein paar tagen über die zweite ausgabe der wired geschrieben.
Dies hier geht gerade durch meine Ecke des Internets, obwohl die Veranstaltung bereits einige Monate her ist: Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit online, spricht vor Parlamentariern der Enquete-Komission Internet und Digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages über Status und Zukunft des Internet. […] Der Vortrag ist auch als Vortrag selbst empfehlenswert: Blau argumentiert sehr sachlich; er hat ein Anliegen, und man merkt seine Leidenschaft dahinter. Doch er verlässst sich ganz auf Argumente, polemisiert nicht, verkneift sich Überspitzungen. Das Referat enthält keinen einzigen Lacher, und dennoch habe ich ihm gefesselt zugehört.
und sie hat recht. den vortrag kann man sich aber auch ungefesselt sehr gut anhören.
wie die „nachrichtenaufnahme“ der kaltmamsell so funktioniert:
Morgens gehe ich als erstes meine Twitter-Timeline der Nacht durch und folge interessanten Links. Wochentags höre ich dabei Deutschlandradio Kultur mit weiteren Nachrichten. Danach lese ich auf dem Weg in die Arbeit den Mantel der Süddeutschen Zeitung. Am Wochenende wird es eher Samstagnachmittag, bis ich die Papierzeitung lese. (Mal sehen, ob ich sie heute überhaupt bis Nachmittag bekomme.) Sitze ich an einem Gerät mit Internetzugange, folge ich zusätzlich den ganzen Tag über Links auf Twitter oder über meinen Feedreader in Blogs zu Nachrichten.
Dass es in der Kunstszene nicht nur um das Objekt selbst, sondern auch um die Rahmenbedingungen geht, die letztendlich den Wert ausmachen, das zeigt aktuell die Klage eines Sammlers.
katia kelm lässt sich von einem interview in lexikonform von nicole brenez mit chantal akerman inspirieren:
akerman erzählt hier zu verschiedenen alphabetisch sortierten begriffen sehr subjektiv über ihr leben, ihr werk und einzelne arbeiten von kollegen. und das möchte ich jetzt natürlich unbedingt nachmachen. die verbindung von vorgegebener ordnung, vermeindlicher sachlichkeit aber eigentlich völliger subjektivität finde ich ganz aufregend. nicht so aufregend wie ich chantal akermans filme finde, aber fast. ein subjektives lexikon übers kunstmachen, künstlersein und künstleralltag.
Das werde ich immer wieder gefragt. Natürlich gibt es diese Gefahr - aber wie soll ich sie ausdrücken? In Prozent? In Quadratmeter? In Saarland? Schauen Sie, die FDP hatte bei den letzten Bundestagswahlen 14 Prozent, heute stehen sie in den Umfragen bei drei Prozent. Das kann jeder Partei passieren. Wie gross die Gefahr bei uns ist? Ich kann es nicht sagen.
grandios: günter hack über das internet, „unser zuhause“:
Die europäischen Gesellschaften verhärten auf ihrem langsamen Rückzug in sich selbst an der Oberfläche. Es ist ein Symptom der Schwäche, das manche gerne auch aufs Netz übergreifen sähen, das ja keine virtuelle Parallelwelt ist, sondern durch und durch real, so wie Magnetismus und Elektrizität. Der Energieverbrauch der Datencenter ist gewaltig, in der Cloud herrscht ständiges Gewitter.
Das Netz soll ein Kaufhausbau werden, wenn es nach ihnen geht, einer aus den siebziger Jahren, ohne Fenster, überall Ladendetektive, die aufpassen, dass niemand die Leere aus den Regalen mitnimmt.
schriftstücke mit mehr als drei ausrufezeichen sollte man grundsätzlich ignorieren. thomas trappe hält sich nicht an diese regel und schreibt über das gedicht eines „dorftrottels“:
Ein Gedicht fordert Auswärtige auf, sich zu schämen. Ein Dorftrottel aus Prenzlauer Berg hat in die Tasten gehauen.
wie einige wissen, läuft hier kein wordpress, sondern eine fast zehn jahre alte software die zwar ein kommentarsystem mitbrachte, das aber so unbedienbar war, dass ich seit ca. 2004 zuerst haloscan als externes kommentarsystem an wirres.net anflanschte. vor ein paar jahren hat dann die firma echo oder js-kit (so genau weiss ich das nicht, die benennen sich ständig um) haloscan gekauft. mit echo war das mit der bedienbarkeit auch nicht so weit her, aber echo hatte zumindest die alten haloscan-kommentare übernommen, so dass die kommentarstruktur seit 2004 erhalten blieb.
alternativen zu echo habe ich immer wieder ausprobiert. zuletzt vor 3 jahren mal disqus. der import der daten funktionierte damals aber nicht besonders gut und das backend von disqus trieb mich damals mehr oder weniger in den wahnsinn. also liess ich alles beim alten, auch wenn sich immer mehr leute darüber beschwerten, wie scheisse dieses echo-kommentarsystem doch sei. vor allem mobil war es so gut wie unbedienbar.
vor zwei wochen kündigte echo (oder js-kit) nun an, dass sie sich diesmal nicht umbenennen würden, sondern ihren geschäftszweck anders ausrichten würden und deshalb das kommentarsystem im oktober dieses jahres einstellen würden. also habe ich mir disqus nochmal angesehen und die import funktion nochmal getestet. nach 2 tagen war der import abgeschlossen, leider fehlen jetzt von den angeblich 23.000 kommentaren ca. 19.000. auch die antwortstränge wurden von disqus nicht übernommen, profilbilder und email-adressen leider auch nicht. aber auf den ersten blick gehen die kommentare recht weit zurück. die fehlenden kommentare scheinen die alten von haloscan zu sein, denen in der exportdatei von echo keine korrekten zuweisungen zu einzelnen artikeln angeheftet wurden.
so ist das dann eben, fehlen halt ein paar kommentare. dafür funktioniert das kommentieren jetzt offenbar auch mobil ganz gut, disqus hat ein eigenes mobiles theme. ich bin mal gespannt wie disqus auf die leser reagiert, die hier mit deaktivierten cookies von drittseiten aufschlagen und kommentieren, in der vergangenheit hat das immer wieder zu unschönen dreifachpostings geführt. über reges testen würde ich mich freuen.
standard-mässig laden die disqus-kommentare und das entsprechende javascript übrigens nicht. erst wenn man den kommentar-slider öffnet oder auf einen kommentar-permalink klickt, wird der javascript-schnipsel von disqus mitsamt seinen angehängten webbugs und zählpixeln nachgeladen. das heisst aber natürlich auch, dass mit deaktiviertem javascript oder javascriptblockern, die javascript von drittseiten blockieren, weiterhin kein unfallfreies kommentieren möglich ist. aber trackbacks oder tweets mit links zu einzelnen artikeln werden weiterhin angezeigt. feedback kommt also an, wenn man sich die mühe macht.
marcel weiss setzt sich kritisch mit einem artikel auseinander, in dem markus reiter sich für die stuttgarter zeitung kritisch „mit den Positionen derer auseinandersetzt, die ein weniger restriktives Urheberrecht fordern“.
schon was älter (november 2011), aber die altkleidersammler kommen nicht gut weg:
Die Zentrale des Deutschen Roten Kreuzes ist übrigens nicht bereit, sich zur Praxis der Weitergabe der Altkleiderspenden an Efiba zu äußern. Das sei alles eine Sache der Kreisverbände, heißt es. Nur Friedel Hütz-Adams, der für das Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene an einer Studie über die wirtschaftlichen Konsequenzen der Altkleiderspenden in Afrika arbeitete, hat einen ganz einfachen Tipp für alle, die nicht mehr Teil des Geschäftes mit den Spenden sein und dennoch ihre Altkleider nicht einfach wegwerfen wollen: alles gründlich zerschneiden und dann in den Spendensack. So muss Soex recyceln, und das Material kommt in den Wertstoffkreislauf, nicht in die Dumpingspirale der Exportwirtschaft.
There are dozens of porn sites on the scale of YouPorn, and hundreds that are the size of ExtremeTech or your favorite news site. It's probably not unrealistic to say that porn makes up 30% of the total data transferred across the internet.
Was zeigt: Instagram-Nutzer sind Fans. Und Apps sind Popkultur. Ebenso, wie wir es früher der geliebten Indie-Band übel genommen haben, als sie den Major-Deal unterzeichnet hat, sind Nutzerinnen und Nutzer von bestimmten Apps oder Online-Diensten heute sauer, wenn ein weiteres „cooles“ Unternehmen in den Klauen von Facebook, Google, Apple oder Amazon landet und das Spiel nur noch Sold-cial Media heißt.
Offenbar weiß man allgemein zu wenig über die bezaubernde soziale Alchemie einer Timeline. Technisch gesprochen ist die Timeline die in Echtzeit aktualisierte Liste der Statusmeldungen aller Nutzer, denen man folgt. Sinnvoll gesprochen ist es ein rauschender und nimmer versiegender Strom aus kurzen Texten, Fotos, Videos und Links, Kommentaren, Witzen, Hinweisen, Wortspielen, Mitteilungen, Liebesschwüren, Fragen, Diskussionen, Beleidigungen, Wunderlichkeiten und einer guten Prise Unverständlichem. Mit jeder Sekunde pulsiert sie weiter, tagsüber, wenn auf der Welt etwas passiert, schneller, nachts ein wenig langsamer und versponnener.
Aber es wird deutlich, dass Google-Zitate, die ein Interesse haben, Leser weiterzuleiten, aus irgendeinem Grund böse sind und die Zitate anderer Presseverlage, die die Leser bei sich halten wollen und möglichst alles übernehmen, aus irgendeinem Grund gut und prestigeträchtig sind. Verkehrte Welt.
It's about time someone took Africa back from Bono and Bob Geldof. Shouldn't be long before they find a new pastime that fulfils the same masturbatory function: I predict they'll end up in a 69, happy for the rest of their days.“
Publishing is not evolving. Publishing is going away. Because the word "publishing" means a cadre of professionals who are taking on the incredible difficulty and complexity and expense of making something public. That's not a job anymore. That's a button. There's a button that says "publish," and when you press it, it's done.
über ostern war ix offline. bei meinen eltern. die haben zwar internet zuhause, aber länger als 10 minuten am stück war ich nicht wirklich online. das lag gar nicht mal daran daran, dass nicht nur meine familie dort war, sondern auch die meiner schwester, dass meine eltern mir eine ellenlange todo-liste präsentierten (tischbein anleimen, wohnzimmer umräumen, plastik von joachim bandau aufhängen, neuen ofen bewundern und ausprobieren ob man dadrin wirklich pizza backen kann (geht), instagram erklären und installieren, fritzbox und iphones aktualisieren, ständig fleisch essen), sondern vor allem daran, dass wir zwei tagesausflüge nach holland in die niederlande und nach belgien unternommen haben. genauer, nach maastricht und nach antwerpen. und in den niederlanden und belgien, stellt man das internetgedöns auf dem telefon besser ab, hab ich mir sagen lassen.
verpasst hab ich in der zeit im internet, glaub ich, nicht viel. gesehen hab ix dafür aber einiges. zum beispiel in maastricht das wunderbare bonnefanten musuem, in dem aktuell die ziemlich vielseitige, etwas sol-lewitt-lastige ausstellung der sammlung von martin visser zu sehen ist. viele tolle arbeiten, besonders witzig fand ich aber die sol-lewitt-arbeit an einer der wände, die von 3 mitarbeitern des „estate sol lewitt“ in 7 tagen in buntstift-strichen mit 1,5 millimeter abstand erstelt wurde. aus der entfernung sah das aus wie mehrere pastellfarbene farb-flächen, aus der nähe wie diagonale buntstiftlinien mit 1,5 mm abstand.
faszinierend einertseits, weil die arbeit beeindruckend ist, andererseits weil sie als „original“ sol-lewitt-arbeit gilt, obwohl sie im jahr 2012 entstanden ist, sol lewitt aber 2007 verstarb. so ist das mit den originalen in der kunstszene. auch hier bestimmt nicht originalität die originalität der arbeit, sondern die lizenz.
ebenso inspirierend das museum van hedendaagse kunst antwerpen, insbesondere die sonderausstellung der beeindruckenden video-arbeiten von chantal akermann. entweder die arbeiten waren echt gut oder die präsentation über eine ganze etage war exzellent.
ix und yves klein (M HKA antwerpen)
ix und die beifahrerin und chantal akermann (M HKA antwerpen)
ix und und chantal akermann (M HKA antwerpen)
ix und gold (bonnefanten museum maastricht)
ix und ne schwarze wand (bonnefanten museum maastricht)
j. (bonnefanten museum maastricht)
j. (bonnefanten museum maastricht)
j. (bonnefanten museum maastricht)
j. (bonnefanten museum maastricht)
buchhandlung in einer umgewidmeten kirche in maastricht
Die Grünen haben zwar auch als wilder Haufen angefangen, aber die wollten wirklich was, nämlich Umweltschutz. Aber zum Internet gibt es in den etablierten Parteien längst große Arbeitsgruppen. Deshalb glaube ich, wir brauchen die Piraten nicht.
das ist mal ein schönes piraten-wattebäuschchen-bashing von einem SPD-fan. wobei mich so eine die-arbeitsgruppen-da-oben-untertanen-haltung auch ein bisschen traurig macht.
andererseits ist das auch prima stoff zum weiterspinnen:
wir brauchen keine neuen musiker. die ausgebildeten musiker mit viel erfahrung machen das doch viel besser als blutige anfänger. es gibt auch schon sehr viel schöne musik.
universitäten sind überflüssig, da es schon sehr viele kluge menschen gibt.
wozu eigentlich bloggen? es gibt doch grosse medienhäuser?
klar ist das zitat oben aus dem zusammenhang gerissen. das ganze, auf zwei seiten zerrissene interview gibts auf tagesspiegel.de. das interview wird aber nicht besser wenn man den rest von van dyks antworten liest. im gegenteil. er sagt auch diese vor weisheit und differenzierungsvermögen strotzenden sätze:
Tagesspiegel: Treibt es Sie als Musikproduzenten um, dass mit den Piraten jetzt die Freunde des freien Downloads im Abgeordnetenhaus sitzen?
Paul van Dyk: Persönlich trifft mich das nicht, aber ich habe ein anderes Demokratieverständnis. Wenn ich in ein Taxi steige, möchte ich, dass der Fahrer das Ziel kennt. Der soll nicht erst losfahren und unterwegs dauernd sagen, dass er sich nicht auskennt. Ich sehe hinter dem Erfolg der Piraten eher einen Pseudo-Protest. Nehmen wir das Acta-Abkommen, mit dem einfach deutsche Gesetze in EU-Recht umgesetzt werden sollen. Es geht dabei nur ganz am Rande darum, ob einer einen Hollywood-Film oder ein Musikstück runterlädt. Worum es geht, ist Kriminalität, um Datenklau. Wenn einer alle Verschlüsselungen knackt, würde unsere Zivilisation zusammenbrechen. Ich weiß nicht, ob das im Interesse von Herrn Lauer ist. Der sieht mir jedenfalls aus wie ein Besitzstandswahrer.
ich verstehe das argument einfach nicht. wenn ACTA gar nichts am status quo verändert, warum soll man es dann umsetzen? ist das EU-recht irgendwie besser? leckerer? knackiger? wirksamer? ach es geht um datenklau, um kriminalität? wie der name ACTA schon sagt: Anti-Counterfeiting Trade Agreement, was auf deutsch übersetzt Anti-Datenklau und -Kriminalitäts-Abkommen bedeutet. klar van dyk.
wobei der satz „wenn einer alle Verschlüsselungen knackt, würde unsere Zivilisation zusammenbrechen“ tatsächlich ein super argument gegen pseudo-proteste und die piraten und überhaupt dieses ganze netz-dings ist.
ich finde paul van dyk hat sich mit diesem interview eine ehrendoktorwürde der universität des takka-tukka-lands verdient. einen ehrenplatz im SPD-online-beirat sowieso.
malte welding vergleicht sehr schlüssig äpfel und birnen und folgert unter anderem:
Der ganze Grund dafür, dass heute viel mehr Leute wohlhabend sind als vor 3000 Jahren, das ist nicht bloß Fortschritt oder Marktgeschehen, das ist: Die Entwicklung der Menschlichkeit. Regeln wurden geändert, Beschränkungen gekappt, Zusatzleistungen gewährt.
klaus peukert (tarzun) poltert gegen kurt becks rumgepolter und harzIV:
Und jetzt stellen (ok, setzen) sie sich in ein gemütliches Fernsehstudio und blaffen den schnoddrigen Lauer an, das es ihnen schlecht geht.
Das sollte es auch. Aber nicht wegen der 11.000 Schleckermitarbeiter, die nun in das soziale Netz fallen, da sie aufgespannt haben. Sondern wegen der asozialen Scheißpolitik, die sie zu verantworten haben und die Millionen Menschen Tag für Tag in ihrer persönlichen Freiheit einschränkt, sie stigmatisiert und erniedrigt. Dafür sollte es ihnen schlecht gehen. Tag und Nacht. Und ihren Kollegen, die das alles richtig töfte fanden, gleich mit.
immer die selbe leier, hier aus einer bravo von 1977 (!):
ralph siegel, chef von „jupiter-records“ und produzent von stars wie chris roberts, peter alexander und demis roussos: „in gewisser weise stehlen die leute, die songs auf leer-cassetten aufnehmen, den autoren und künstlern ihr geistiges eigentum. andererseits ist es verständlich, daß die teenies die chancen, mitzuschneiden, nutzen.“
hans martin tillack über eine offenbar vorschnelle finanzielle zusage von kristina schröder und eine merkwürdig gleichlautende presseerklärung:
Ein Skandal wird aus Schröders vorschneller Förderzusage dadurch nicht, es bleibt eine Posse. Weswegen die anfängliche Schweigetaktik des Sprechers umso unprofessioneller scheint.
Es wirkt so, als habe sich die junge Politikerin von der erfahrenen Frauenrechtlerin instrumentalisieren lassen. Und noch mal zur Erinnerung: Glaubt man dem Ministerium selbst, dann gab es dort keinen Verwaltungsvorlauf zu der Presseerklärung, die Schwarzer und Schröder weitgehend wortgleich am 21. Februar veröffentlicht hatten - und von deren Förderzusage das Ministerium jetzt vorsichtig Abstand nahm. Wenn der Text aber nicht im Ministerium vorbereitet wurde, muss das folglich in Schwarzers Stiftung geschehen sei. Die dann der Ministerin den Text diktierte.