christian stöcker über das internet

christian stöckers vortrag über das internet und seine 7 thesen, bei carta. sehr lesenswert sehenswert.

christian stöckers vortrag über das internet und seine 7 thesen, bei carta. sehr lesenswert sehenswert.
der surfguard dekonstruiert jaron lanier ganz wunderbar und ausführlich.
Was Lanier so vor sich hin redet, wirkt einfach nicht durchdacht. Es entspringt keinem in sich schlüssigen Konstrukt der Welt, sondern es sind Sound Bites, die von seinen Mitapologeten verwendet werden sollen, um einfache Punkte zu machen. Aber gerade wegen dieser mangelnden Schlüssigkeit in Kombination mit Laniers großem, missionarischem Mitteilungsbedürfnis erwacht in mir der Verdacht, dass es gerade Lanier ist, der eine Agenda hat, während die von ihm angefeindeten Internetnutzer einfach fröhlich Musik verbreiten. (weiterlesen)
mittlerweile glaube ich ja, wenn man eine frisur hat und ein buch geschrieben hat, wird man — sobald das buch rauskommt, kreuz und quer durch den blätterwald interviewt — egal wie verwirrt man ist.
vor ein paar tagen schrob nico, dass man nix verpasst wenn man blogs nicht liest. dem muss ich heftig widersprechen. wenn man diese geschichte von merlix, ja überhaupt merlix nicht liest, verpasst man so einiges. ix kann mich nicht erinnern, je etwas witzigeres gelesen zu haben.
nachtrag und lesenswerte links zur gaschke rezension:
erstmal ein text über „Perspektiven auf den Umgang mit digitalen Texten und das Medium Buch“, in dem auch über gaschkes weltbild gesprochen wird. dann ein lesenswerter text über „Die Angst vorm richtigen Lesen im falschen (Medium)“ von peter schumacher, der sich mit der frage auseinander setzt ob lesen auf papier wirklich der weisheit letzter schluss sein muss. ausserdem noch eine „klick“-rezension im vorwärts, bei der ich vor allem den titel mag und mal eben geliehen habe.
und weil ich ja, wie ben_ das ausdrückt, ein guter internetkritiker werden möchte, ein wunderbarer text von stefan schulz, ohne schaum vorm mund, der zu mehr kulturpessimismus anregt.
Anstatt den x-ten toll aufgemachten Elektrischen Reporter zu gucken sollte man sich lieber den Textwerken desCCC, desFoeBudund derFeuilletonsannehmen. Und man sollte nicht zu schnell verzagen, weil die Debatten dort ohne Eigennamen auskommen, also kein Google-Facebook-Apple-Bashing stattfindet, sondern die Strukturen selbst thematisiert werden.
und zum schluss noch steve jobs im jahr 1994, mit einem wichtigen punkt:
Technology is nothing. What's important is that you have a faith in people, that they're basically good and smart, and if you give them tools, they'll do wonderful things with them. It's not the tools that you have faith in — tools are just tools. They work, or they don't work. It's people you have faith in or not. Yeah, sure, I'm still optimistic I mean, I get pessimistic sometimes but not for long.
technologie mag neutral sein, aber was damit gemacht wird ist es nicht. jede technologie birgt gefahren in sich, entscheidend, ist wie wir damit umgehen, bzw. dass wir erkennen dass wir bei allem guten was die technologie oder gesellschaftliche entwicklung uns bringt, auch kritisch und wach bleiben müssen, ständig abwägen müssen. oder wie stefan schulz es sagt:
Alles hat Gefahren. Nichts auf der Welt entsteht, weil es einfach gut ist, sondern weil die guten Seiten überwiegen. Und es sollte bedenklich stimmen, dass die schlechte Seite des Internets so unerforscht ist. Unbekannt ist sie längst nicht mehr.

susanne gaschke mag das internet nicht. das ist nichts neues, wenn man schonmal über einen text von gaschke oder ihr autorenregister auf zeit.de gestolpert ist:
wenn man ihr buch liest, erfährt man, dass sie auch computerspiele, fernsehen, „konsumismus“, zeitverschwendung und „überflüssige kommunikation“ nicht mag. was sie mag sind bücher, literatur, kunst, musik und „erfahrungen mit sozialem engagement“.
„Ich glaube nicht, dass das Netz mehr Demokratie, klügere Wissenschaft, verantwortlicheren Journalismus und mehr soziale Gerechtigkeit hervorbringen wird. Und ich meine, einige Anhaltspunkte dafür zu haben, dass die digitale Kultur diesen Zielen an bestimmten Stellen sogar entgegensteht.“
noch weniger als das internet, mag gaschke allerdings die leute, die das internet gut finden. alle die das internet nicht entschieden ablehnen, nennt sie „Digitalisten“ oder „Internet-Apologeten“. sie wirft alle in einen topf: techniker, unternehmer, industrielle, blogger, twitterer, suchmaschinenoptimierer, netzpolitik-aktivisten, marketing-fuzzis, netzpolitik-aktivisten — selbst differenzierenden kritikern des internet oder seiner auswüchse unterstellt sie oppurtunismus oder konfliktscheu, wenn sie nicht, wie sie, das internet undifferenziert, klar und deutlich verurteilen. sie wirft alle zusammen in einen eimer mit der aufschrift „Digitalisten“. man muss sich nur mal vorstellen wer sich alles in diesem eimer wiederfindet, brin und page neben lawrence lessig, stefan niggemeier neben kai dieckmann, bill gates neben linus thorvald, barack obama neben angela merkel, jeff jarvis und hubert burda. alles „Digitalisten“.
gaschke ist nicht nur extrem undifferenziert, was das internet angeht, ihr ist auch nichts recht zu machen:
auf der anderen seite hat mir auch einiges von dem was sie schreibt auch ein kopfnicken abgerungen. wer würde einem satz wie diesem widersprechen?
Ich bin fest davon überzeugt, dass es keine zweite Fähigkeit gibt, die für das Zurechtkommen in modernen Gesellschaften so wichtig ist wie das flüssige, souveräne Lesen, Verstehen und Beurteilen von Texten.
„Leseförderung“, offenbart gaschke, sei eines der themen, das sie beruflich am meisten interessiere und für das sie sich in ihrem erwachsenenleben am meisten engagiert habe. auch das sieht man recht deutlich, wenn man die liste der artikel die sie in den letzten drei jahren für die zeit schrob kurz durchsieht (1, 2, 3, 4, 5, 6). natürlich hat sie recht; ohne lesen zu können, kann man auch nicht im internet lesen. ohne souveränität im umgang mit texten, wird das mit der urteilsfähigkeit und dem aufgeklärten, mündigen bürger schwierig.
allerdings behauptet gaschke steil, dass die „Digitalisten“ das anders sähen, bzw. lesefeindlich seien. einerseits weil die netzapologeten nicht (an)erkennen, dass es zwischen dem guten lesen (bücher, „die zeit“) und dem schlechten lesen (am bildschirm) eine konkurenzsituation besteht, also die neuen medien dem buch zeit und aufmerksamkeit entziehen. andererseits, weil die „Digitalisten“ mit ihrer forderung nach freiem und unlimitierten zugang zu informationen „die geistige Haltung für die ein gefülltes Bücherregal steht“ bekämpften: „die Bereitschaft Mühe auf sich zu nehmen, um Freude zu erlangen; eine Aufschub statt einer Sofortismuskultur.“ — und so das interesse am konzentrierten lesen und verstehen-wollen rapide abnehme.
im kern mag die analyse ja stimmen, auch wenn gaschkes überzeugungskraft stark darunter leidet, dass sie eine 13 jahre alte studie von jakob nielsen hervorkramt um zu belegen, dass niemand längere texte am bildschirm liest und ausser acht lässt, dass sich mittlerweile vieles verändert hat; webseiten sind lesbarer und lesefreundlicher geworden (siehe zeit.de), die bildschirme sind besser, flackerfreier, kleiner und hochauflösender geworden (vergleichen sie mal nen 17" röhrenmonitor mit dem bildschirm eines iphones oder eine palm pre. die sind mittlerweile so scharf, dass man millimetergrosse buchstaben lesen kann).
trotzdem. selbst wenn man gaschkes analyse folgt, fällt es schwer ihren schlussfolgerungen zu folgen. sie stellt fest, dass das interesse und die fähigkeit zu lesen abnehmen und fordert als konsequenz eine konzentration auf das medium papier? sie stellt fest, dass die konzentrationsfähigkeit beim lesen abnimmt und fordert als therapie eine zugangserschwerung oder verknappung von informationen?
der gesunde menschenverstand oder genauer, der gesellschaftliche konsens, den ich zu diesem thema bisher wahrnahm, fordert eine verbesserung des bildungssystems und eine schulung in medienkompetenz. „medienkompetz“ ist allerdings eines der reizwörter die gaschke in rage bringen. sie vermutet auch hinter der forderung nach mehr medienkompetenz ideologische motive der „Digitalisten“ und ihrer verdummungsstrategien. zumal natürlich auch die schulung zur medienkompentenz zeit und mühe kostet, die wiederum zu lasten des buches, der zeitung, der literatur und des wahren lebens („real life“ nennt gaschke das) gehen.
gaschkes analyse ist alles andere als widerspruchsfrei. so jubelte sie noch im oktober 2007 darüber, dass „wir dem Triumphzug eines Buches beiwohnen“ („Die Welt liest“) und beobachtet, wie „plötzlich […] allein in Deutschland Hunderttausende von Lesern, unter ihnen viele Jugendliche, in Kauf [nehmen], einen 1000-Seiten-Wälzer auf Englisch zu lesen.“ 2009 ist ihre analyse wieder vom pessimismus überdeckt und ihr harry-potter-jubel abgeflaut: „Bücher und Lesen verlieren an Popularität, und dies besonders bei Jugendlichen.“ schuld sind vor allem die netzapologeten, mit ihrer teuflischen ideologie der wissensgesellschaft.
könnte es nicht auch umgekehrt sein? verlieren „Bücher und Lesen“ vielleicht nicht deshalb leser an die digitalen medien, weil die jugendlichen sich nicht mehr mühen oder durch lange texte durchbeissen wollen, sondern weil die inhalte auf papier so schlecht geworden sind? ist die zeitungskrise nicht eher ein qualitätsproblem, als ein technologieproblem? warum lesen junge menschen rowling, aber nicht gaschke? ich war siebzehn, als ich neil postmans „wir amüsieren uns zu tode“ gelesen habe. wieso kann ich mir heute keinen siebzehnjährigen vorstellen der gaschkes „strategien gegen die digitale verdummung“ liest? richtig. weils kreuzöde und flach wie ein bügelbrett ist.
apropos bedürfnisse zurückhalten und mühe in kauf nehmen. stellen wir uns vor, gaschke würde die erfindung des kühlschranks oder der tiefkühltruhe mit der erhöhung des durchschnittlichen gewichts der einwohner westeuropas und nordamerikas in verbindung bringen. wahrscheinlich läge sie gar nicht so falsch damit, dass die sofortige befriedigung kulinarischer genüsse, die so ein kühlschrank ermöglicht, die leute dazu animiert mehr zu essen. wer mag noch die mühe auf sich nehmen, eine kuh zu melken, wenn er milch im kühlschrank stehen hat? nur: verfetten uns kühlschränke deshalb, so wie das internet „uns“ laut gaschke verblödet?
ich glaube der mensch ist lernfähig und anpassungsfähig. wir werden lernen die probleme die mit neuen technologien aufkommen (sei es ernährung, informationsüberflutung) in den griff zu bekommen, indem wir kulturtechniken entwickeln um die negativen folgen zu dämpfen. der umgang mit alkoholkonsum in der westlichen welt zeigt das exemplarisch. obwohl die negativen folgen des alkoholkonsums nicht zu leugnen sind, haben wir kulturtechniken und tabus entwickelt, um damit umzugehen. besser zumindest, als es die nordamerikanischen indianer können, in deren kultur alkoholkonsum nicht verankert war (und ist). alkoholkonsum ist so tief in unserer gesellschaft verankert, dass sogar die altehrwürdige, gesellschaftskritische wochenzeitung „die zeit“ der droge alkohol, die jährlich allein in deutschland ungefähr 40.000 menschen das leben kostet, breiten raum zur verherrlichung einräumt.
solche prozesse in der gemeinschaften mit gefahren und risiken umzugehen lernen dauern mitunter sehr lange, aber was ist die alternative? die zeit können wir nicht zurückschrauben, wir können weder alkohol, noch fertigessen, noch den freien fluss der informationen verbieten (bzw. wenn wir es versuchten, wären die negativen folgen vermutlich weitaus ausgeprägter als die positiven). wir können nur versuchen möglichst vernünftig mit neuen problemen („digitalisten“-sprech: „herausforderungen“) umzugehen.
„Typisch für den Diskurs über das Internet scheint mir zu sein, dass seine Protagonisten stets extrem überzeugt auftreten. Skeptiker hingegen sichern sich nach allen Seiten ab und betonen fast immer mit großem Aufwand, was an der neuen Technik selbstverständlich ganz ausgezeichnet ist, bevor sie (zaghafte) Kritik anbringen.“
gaschke mag pragmatische ansätze aber nicht. sie polemisiert, überspitzt und spaltet lieber: wer nicht gegen das internet ist, ist dafür, ist ein digitalist, ein ideologe. pragmatische und differenzierte betrachtungsweisen kanzelt gaschke als feige und oppurtunistisch ab. sie unterstellt differenzierenden kritikern des internets, dass sie nicht kulturpessimistisch oder altmodisch wirken wollen oder konfliktscheu seien.
gaschke gibt sich kampfeslustig und aggressiv. genau betrachtet ist gaschke aber gar nicht kampfeslustig. sie sehnt sich nur nach anerkennung. anerkennung für ihre lebensart, ihre haltung. sie möchte nicht mehr als kulturpessimist gesehen werden, sondern als prophetin. sie will um die deutungshoheit ringen, dafür kämpfen, „Technik benutzen zu dürfen, ohne sie anbeten zu müssen.“ nur, wer zwingt gaschke dazu, technik „anbeten zu müssen“? mann kann sich doch enthalten. man muss die neuen medien nicht lieben. und wenn man sie liebt, heisst das nicht, dass man ihnen völlig kritiklos gegenüberstehen müsste. ich vermute, sie will einfach ihre ruhe (und recht) haben, sie will das dieses geschnatter weggeht, dass ihre und die stimmen ihrer intellektuellen mitstreiter wieder da sind, wo sie hingehören: ganz oben, da wo die deutungshoheit und relevanz sie sanft umwehen. weg mit dem pöbel-geschnatter!
ich kann gaschke aber auch verstehen. wenn ich morgens im balzac sitze und am bildschirm hochphilosophische texte und emails lese, dann stört es schon, dass in dem laden jeder sprechen darf. teilweise bellen sogar hunde. jeder meint was zu sagen zu haben — in der öffentlichkeit! es ist anstrengend und es macht aggressiv, wenn man fremde, ungebetene meinungsäusserungen nicht einfach ausfiltern kann.
was ich aber nicht verstehe, ist gaschkes ablehnung von verfügbarmachung von wissen oder (genauer) informationen durch das netz. sie lehnt es ja nicht nur deshalb ab, weil die „Digitalisten“ information und wissen oft synonym benutzen, sondern weil allgegenwärtige information eine „Sofortismuskultur“ fördere. nur, was ist beispielsweise der unterschied zwischen der altertümlichen bibliothek von alexandria und dem internet heute? der hauptunterschied den ich erkenne ist, dass in alexandria das wissen der damaligen welt nur einigen wenigen priviligierten zur verfügung stand. und zwar — wie in jeder ordentlich geführten bibliothek — sofort, nur ein paar regale weiter, quasi „information at your fingertips“. im internet steht das wissen plötzlich allen zur verfügung. ob es sich alle anzueignen vermögen, ob alle etwas damit anzufangen vermögen, ist natürlich eine ganz andere frage, übrigens genau wie in einer bibliothek.
aber gaschke stört tatsächlich dass nun plötzlich alle zugriff haben. besonders für kinder sei es besonders schädlich, wenn es keine geheimnisse, keine tabus mehr gäbe. auch die erwachsenen würden durch die „Sofortismus-Kultur“ infantilisiert: „Der digital native aber will nicht ringen, er will klicken“. vermutlich rotiert neil postman angesichts solcher hausmacher-makramee-philosophie, die sich auch noch explizit auf ihn beruft, in seinem grabe.
apropos makramee-philosophie. ein gutes drittel ihres buches verwendet gaschke darauf, darzulegen wie schädlich, konzentrations-, lese- oder bildungsfeindlich das internet gerade für kinder und heranwachsende sei. dass auch sport, vor allem leistungssport, das potenzial hat jugendliche zu verblöden oder von einer umfassenen bildung im gaschke’schen klasischen sinne abhält, weiss jeder der schonmal sportler-interviews im fernsehen gesehen hat. die probleme des bildungssystems, meinetwegen auch, um es mal gaschkesque auszudrücken, die verblödungstendenzen unserer gesellschaft sind kein technologisches problem, genauso wie die lösung nicht rein technologisch möglich ist. niemand wird ernsthaft behaupten, dass fernseher oder computer kinder besser aufziehen können als engagierte eltern, die ihren kindern zeit und aufmerksamkeit und liebe schenken. (obwohl ich durchaus leute kenne, die die ersten 20 jahre ihres lebens vor dem fernseher verbracht haben und aus denen durchaus etwas respektables geworden ist.) die mischung machts und gaschke scheint die jugend für blöder zu halten als sie ist. jugendliche können sehr gut zwischen der angeblichen scheinwelt der sozialen netze im internet und denen im „wahren leben“ unterscheiden, ihr sensorium ist wahrscheinlich sehr viel ausgeprägter als gaschke es ihnen zutraut. es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass „das Internet keine negativen Auswirkungen auf die Sozialbeziehungen von Jugendlichen hat – sondern positive“. aber selbst wenn gaschke recht hätte und das internet, oder die modernen medien, nicht förderlich für die entwicklung von jugendlichen sind, wieso soll eine gesellschaft, frei nach mark twain, kein steak essen, nur weil babies es nicht kauen können?
aber gaschke unterschätzt nicht nur die jugendlichen, sondern auch die internetnutzer. für sie sind das alles hirnlose und vereinsamte auf-den-bildschirm-glotzer, die einer scheinwelt erliegen. die positiven folgen die die vernetzung von menschen (und informationen) hat, blendet gaschke einfach aus. schlimmer noch, sie nimmt sie gar nicht wahr. wäre ihr buch eine restaurantkritik, wäre es die erste restaurant-kritik, die ohne das betreten des besprochenen restaurants entstanden wäre. sie hätte dann zwar mit den gästen vor der tür geredet, tagelang das geschehen durch die fenster beobachtet und unzählige bücher und untersuchungen von restaurant-kritikern zitiert, aber selbst im restaurant gegessen hätte sie nicht. sie hätte all die erfahrungen die sie an imbissständen, gulaschkanonen oder ihrer eigenen küche gemacht hätte in ihr buch einfliessen lassen, aber ihr urteil durch einen eigenen, intensiven restaurantbesuch trüben lassen, das hätte sie wohl nicht gewollt.
„[Politik braucht] Nähe, Begegnung, Streit, Diskussion; die Erfahrung, leibhaftig für ein Anliegen zu kämpfen, bei Abstimmungen zu unterliegen, gewählt oder nicht gewählt zu werden, Rücksicht zu nehmen, Kompromisse zu schließen. Das ist eine ganzheitliche Erfahrung, die echter Menschen bedarf, die einander kennen. Sie kann online unterstützt und ergänzt werden, aber niemals ersetzt werden.“
anders kann ich mir zumindest nicht erklären, warum sie die kultur die an vielen ecken und enden des internets wächst und gedeiht nicht wahrnimmt oder eben nicht als kultur anerkennt, warum sie soziale netzwerke im internet als unpersönliche, oberflächliche „Ersatz-Gemeinschaften“ bezeichnet und steif und fest behauptet, das netz entpolitisiere. meine erfahrungen zeigen das gegenteil. wir haben es im internet nicht nur mit maschinen zu tun, sondern auch mit menschen. vor allem das social-web könnte, nein, bringt bereits völlig neue kultur-techniken zutage. natürlich gibt es schund und schrott und abzocker und scharlatane und idioten und perverse und doofe im internet. so wie das in jeder zeitungsredaktion, stadt oder auch schule ist. allerdings behaupten deshalb nur ganz wenige, dass zeitungen, städte oder schulen uns deshalb verblödeten.
aber: gaschkes buch hat meine wahrnehmung verändert. neuerdings erwische ich mich manchmal beim lesen eines längeren textes am bildschirm, wie ich plötzlich das interesse am text verliere. ich denke dann an gaschke und ihre these, dass man bildschirm nicht ordentlich lesen könne, reisse mich zusammen und lese trotzig den text zuende. später fällt mir dann manchmal auf, dass mir das ebenso oft mit zeitungen oder büchern passiert. entweder bin ich schon total verblödet oder gaschke hat es tatsächlich geschafft meine aufmerksamkeit zu schärfen.
[nachtrag]
ein paar 2009er-rezensionen zu gaschkes buch bei buecher.de.
heute bei der gröner das wort „gebuchmerkt“ zum ersten mal gelesen. das wort ist, laut google, zwar nicht ganz neu, aber super. hab ich mir gleich mal gekopfmerkt.
als austauschschüler in amerika, habe ich 1986 an der highschool als englisch-kurs „speech and debate“ gewählt. eine motivation dafür war sicherlich, dass ich als 17jähriger meinem schriftenglisch nicht allzuviel zugetraut habe. offenbar war dieser gedankengang auch den anderen drei austauschschülern an der schule nicht fremd, so dass in „speech and debate“ bei mrs. davis neben ein paar amerikanern zwei deutsche, eine schwedin und eine französin sassen. an den genauen unterrichtsablauf damals kann ich mich leider nicht mehr erinnern, ausser dass wir regelmässig stark formalisierte (schein-) debatten führten und reden halten mussten. die formalisierten debatten kennen wir aus dem amerikanischen präsidentschaftswahlkampf; es gibt einen moderator und jeder debattant hat genau festgelegte zeiträume in denen er thesen formulieren kann. darauf folgt dann eine erwiderung des gegners, auf die man bei manchen debattenarten auch nochmal kurz antworten kann — oder eben auch nicht. die formalien hab ich alle vergessen. wichtig war allerdings, dass wir die positionen die wir in der debatte vertraten vorher gut recherchieren und vorbereiten mussten. unter anderem gab es dafür eine für die grösse der schule hervorragend ausgestattete schulbibliothek, komplett mit bibliothekarin und abonnierten zeitschriften. noch wichtiger: mrs. davis legte wert darauf, dass wir in den debatten auch positionen vertreten sollten, von denen wir gerade nicht überzeugt waren.
dieses konzept war mir als deutschem schüler damals völlig neu. bis zur 10ten klasse wurde von uns eigentlich in jedem fach verlangt, einfach das richtige zu schreiben oder, alternativ, ein bisschen rumzumeinen, also zum beispiel texte zu interpretieren. aber auch beim interpretieren ging es weniger um das begründen, als darum, die richtige interpretation zu liefern. auch wenn ich damals nicht wirklich viel gelernt habe, ich bin immer noch ein miserabler, öffentlicher redner, fasziniert mich das konzept bis heute. statt einfach nur rumzumeinen, rumzubehaupten oder argumente abzuschmettern, zu versuchen die argumente des gegner wirklich zu verstehen und nachzuvollziehen, am besten so gut, dass man sie selbst vertreten könnte.
diese haltung hat mich dazu veranlasst, das buch von susanne gaschke zu lesen. ich wollte ihre argumente verstehen und nachvollziehen, warum sie das internet so scheisse findet. ich muss sagen, ich bin ein bisschen enttäuscht. viele ihrer argumente sind schwach und inkonsistent und beinahe durchgehend widersprüchlich. ausserdem hat sie sich offenbar extrem wenig mit dem internet selbst beschäftigt, sondern vornehmlich mit ihren vorurteilen und ihren vermeintlichen gegnern, den „internet-apologeten“ oder „digitalisten“ wie sie sie nennt. das ist in etwa so sinnvoll wie der versuch den vegetarismus, seine sinnhaftigkeit, nützlichkeit oder seine vor- und nachteile danach zu beurteilen, was vegetarier über vegetarismus erzählen. hätte susanne gaschke ein buch mit dem titel „friss, strategien gegen fleischlose ernährung“ geschrieben, wäre eine ihrer hauptthesen, dass der vegetarismus eine quasi-religiöse bewegung sei, weil einige vegetarier behaupten, vegetarismus sei ein weg die welt zu retten.
und ich habe einen weiteren verdacht. ich glaube es wäre sinnvoller gewesen, ich hätte ein oder zwei bücher von nicholas carr gelesen. gaschkes buch ist voll mit carr-zitaten, ich habe in den knapp 200 seiten allein 15 erwähungen und zitate von nicholas carr gezählt. gaschke nennt carr übrigens bewundernd und mit kreativen schreibvariationen mal den „bedeutensten Internet-Kritiker Amerikas“, „Internetskeptiker“ oder „Internetkritiker“. immerhin sind gaschke und ich in einem punkt seelenverwandt. auch ich verwende wenig sorgfalt darauf worte und namen richtig zu schreiben, auch ich setze kommata und bindestriche frei schnauze und schreibe „apple“ ebenfalls stets klein.
zur vertiefung meiner kleinen forschungsreihe, warum finden leute das internet scheisse, was ist an ihrer kritik nachvollziehbar und welche argumente bringen sie vor, werde ich mich demnächst definitiv nicholas carr zuwenden (hat jemand empfehlungen mit was ich da anfangen könnte?). ausserdem habe ich mich selbst unter druck gesetzt und den republica-organisatoren einen vortrag mit dem titel „warum ich das internet scheisse finde“ vorgeschlagen. bleibt also zu hoffen, dass ich bis zum april noch ein paar stichhaltige argumente finde, um das internet endlich mal ein bisschen kritischer zu sehen.
[die gaschke-rezension folgt in den nächsten tagen.]
herrlicher, kluger focus-rant bei print würgt:
Wenn ein aufgeklärter Leser das Ziel des Focus wäre, dann hätte man im Tagebuch sagen müssen: “Die Redaktion hat in großer Panik monatelang nach Wegen gesucht, Ihnen irgendeinen Grund zu geben, dieses Heft noch zu kaufen.”
unbedingt lesen. also den rant. nicht den focus.
ich habe mir ja kürzlich sämtliche lost-staffeln, also die staffeln eins bis fünf, bei amazon.co.uk gekauft. inklusive versandkosten hat mich das € 86,24 gekostet. heute habe ich das DVD-set bei amazon.de verkauft, für € 99,00. das war ein kampfpreis, da der amazon.de-preis bei € 185,99 liegt und das billigste fremdanbieter-angebot bei € 107,00 liegt (wer lust hat, kann auch € 297,08 ausgeben).
ausgezahlt bekomme ich von amazon dafür € 82,62. macht inklusive versandkosten ungefähr acht euro kosten für alle fünf staffeln. das ist billiger und praktischer und legaler als bei piratebay. oder? und das fast ganz analog. hab ich das schonmal gesagt? ich finde das internet ziemlich super.
[nachtrag 09:42]
siehe auch taz „Stromanbieter tarnt Werbeaktion als Demo: Kunstschnee gegen den Klimawandel“ (via) oder hauptstadtblog.
nachdem ich in den letzten 1,5 jahren sechs kilo abgenommen habe, habe ich heute beschlossen diese apfel-tarte zu backen. zwei kilo sind jetzt wieder drauf. wahrscheinlich.
normalerweise behandle ich bücher noch immer so als seien sie etwas ganz besonderes, reinkritzeln, auch mit bleistift geht meiner meinung nach gar nicht. schockierenderweise, wie ich in den letzten monaten mehrfach sah, machen das manche leute sogar mit büchern aus der öffentlichen bibliothek. bücher schmeisse ich fast nie weg, selbst das unfassbar schlechte buch „keine grosse sache“ von vanessa „balzac“ kullmann weigere ich mich wegzuschmeissen. das schlimmste was ich büchern anzutun wage, ist ein eselsohr reinzuknicken oder den rücken zu überdehnen.
beim rezensionsexemplar von susanne gaschkes „klick: strategien gegen die digitale verdummung“ das ich mir vom verlag habe schicken lassen (geht ganz einfach) fällt es mir leicht alle hemmnungen fallen zu lassen.
es gibt aber auch wirklich viel zu markieren — und hier muss ich susanne gaschke schon jetzt voll zustimmen: papier hat enorme vorteile. man kann interessante oder widersprüchliche zitate einfach markieren oder wenn die autorin die namen ihrer kronzeugen mit denen sie die digitale verdummung belegen möchte, bereits auf seite neun falsch schreibt (jakob nielsen, nicht jacob nielsen) einfach den fehler korrigieren — sogar in der badewanne! in rezensionsexemplaren rumzuschmieren und notizen reinzuschreiben, macht wirklich spass.
leo schreibt, dass die sechste und letzte staffel von lost, die am 2. februar in den USA anläuft einen tag später auch im deutschen itunes-store zu haben sein wird. das ist eine mittlere sensation, finde ich. es ist zwar ein bisschen absurd, dass die einzelnen folgen nur 4 wochen lang zu haben sind und dann aus dem itunes-store wieder verschwinden, aber ein anfang. ein anfang der natürlich auch die frage aufwirft, warum das nicht für mehr oder alle amerikanischen fernsehserien gehen sollte. egal wie klein die zielgruppe der interessenten auch sein mag, warum bietet apple nicht alle amerikanischen fernsehserien unsynchronisiert an? an den lizenzkosten kann es nicht liegen. selbst wenn jede folge nur einige tausendnd male verkauft wird, kann man doch verträge verhandeln von denen alle profitieren. die fernsehjunkies bekommen ihren stoff und zahlen dafür, die produzenten verkaufen — ohne zusätzlichen aufwand — ein paar mehr mehr folgen ohne sich das geschäft mit den normalen deutschen fernsehsendern zu zerstören. bei lost der beweis: die sechste staffel lost läuft ab mitte märz auch bei fox deutschland.
meine erwartungen an die verantwortlichen des deutschen itunes-store sind nun zumindest imens gestiegen. ich will jetzt alle serien dort sehen. sofort. die kommentare unter der ankündigung im itunes-store deuten darauf hin, dass ich nicht alleine bin mit dieser forderung. und es zeigt, dass es nicht um kostenlos-kultur geht, sondern eben um eine sofort-kultur, bei der die benutzer auch bereit sind zu zahlen.
→ weiterlesenich habe mich ja ein bisschen über den brandeins-artikel von slaven m. aufgeregt und vor allem über die brandeins gewundert, dass sie einerseits google-analytics datenschutzrechtlich als gefährlich bezeichnet, es andererseits, neben einigen anderen google-diensten, selbst nutzt. also schrob ich gabriele fischer, der chefredakteurin von brandeins, eine email.
[slaven m. hab ich bevor ich den artikel schrob auch eine mail geschrieben, die wurde allerdings nie beantwortet, was aber auch am gmx-spamfilter oder daran liegen könnte, dass ich die falsche adresse von ihm gegoogelt (sic!) habe.]
wie immer, wenn ich gabriele fischer anmaile, entspann sich ein interessanter dialog. egal welchen blödsinn ich ihr schreibe, sie antwortet immer, immer sachlich und offen. in einer der emails schrieb ich, dass ich, modisches google-bashing hin oder her, fundierte google-kritik als nötiger denn je ansehen würde und mich umso mehr darüber ärgern würde, wenn selbst ein blatt wie die brandeins nur schwammige halbwahrheiten und genöle zustande brächte. und gabriele fischer antwortete mit exakt der richtigen frage: „Aber verraten Sie mir noch, was für Sie eine fundierte Kritik an Google wäre?“
gute frage. meine antwort habe ich heute früh hastig bei meinem morgen-kaffee zusammengeschrieben:
ich mach mir mal gedanken darüber was ich damit gemeint habe. ehrlichgesagt dachte ich ja, eines tages sowas irgendwo zu lesen und ihnen dann bescheid zu sagen. aber vielleicht lohnt es sich ja, mir mal gedanken zu machen, wie fundierte kritik an google aussehen könnte.wahrscheinlich ist die sache mit kritik an google eh nicht getan. die fragen sind ja viel grösser. was ist privatshäre in einer digitalen welt, wie ändern sich begriffe wie „geistiges eigentum“, informationelle selbstbestimmung, bürgerrechte im laufe der zeit, bzw. wie ändert sich unsere gesellschaft durch digitalisierung und vernetzung? und ist das gut oder weniger gut? und müssen wir uns jetzt vor mehrheiten fürchten? sind die massen dumm und ideologisch, wie
jason lavierjaron lanier in der faz rumbehauptet? statt demokratie eine herrschaft der weisen? so viele fragen.
[den namen laniers schrieb ich in der mail falsch und ohne link. ix war gehetzt. das bringt gerald reischl hoffentlich nicht wieder auf die palme.]
witzigerweise wurde mir dann heute abend ein link auf diesen artikel von christoph kappes angespült, der genau das tat was ich mir von der brandeins erhofft hatte. nüchtern analysieren, einen schritt zurücktreten, die richtigen fragen stellen und die kritikpunkte und möglichen „gefahrenfelder“ bennenen. kappes hat einige wichtige punkte in seinem text erkannt. der wichtigste: das thema ist grösser als google.
Man sollte hier keine Stellvertreterdiskussion am Beispiel von Google führen. Es geht um ein Thema, das die halbe Branche, wichtige Technologien und somit die Nutzung des Internet schlechthin betrifft.
und im gegenteil, etwa zu susanne gaschke, der internet-doof-finderin von dienst bei der zeit, schreibt er einerseits ohne schaum vor dem mund und andererseits so, dass man ihn verstehen und ihm folgen kann — oder genauer: so dass man ihn und seine kritikpunkte auch ernst nehmen kann.
die vier wichtigen kritikpunkte oder gefahrenfelder die kappes benennt sind:
1. Unsicherheit bei der Einschätzung künftiger „tektonischer“ Verschiebungen von Märkten,
2. Unabhängigkeit der Suchmaschine im Meinungsbildungsprozesss,
3. Unsicherheit im Umgang mit Daten und
4. Die Meta-Ebene der Politik.
es lohnt sich unbedingt die bei kappes selbst nachzulesen — und so sehr ich es hasse das so zu sagen: dem was kappes sagt, ist kaum etwas hinzuzufügen. ausser vielen weiteren diskussionen.
ach doch, es bleibt zweierlei zu hoffen. einerseits, dass die brandeins vielleicht noch einen follow-up bringt, einen fundierten, die diskussion bereichernden beitrag. und da ich weiss, dass gabriele fischer schnell wie der blitz denkt und sich kritik wirklich zu herzen nimmt, bin ich da ganz optimistisch. und andererseits, dass kappes nicht genau hingesehen hat und er sich entweder in seiner pessimistische beobachtung irrt oder sich die situation, die er beobachtet hat, schnell bessert:
Ich habe nach einigen Hintergrundgesprächen nicht den Eindruck, dass die Politik der Entwicklung noch folgen kann. Bisher jedenfalls habe in der Politik niemanden getroffen, der die heutigen Möglichkeiten gut kennt, sich eine Prognose der technischen Möglichkeiten mittelfristig vorstellen kann und diese auch politisch rational bewerten kann.
faszinierend, zeljko ivanek hat einen mund wie eine tilde. sieht gephotoshopped aus, isses aber nicht, sondern direkt von lost, staffel 3 abfotografiert.
ich finde jahresrückblicke eigentlich eher doof. zumindest am jahresanfang oder -ende. warum liest man im juni kaum jahresrückblicke? oder mitte januar? eigentlich wollte ich auch keinen jahresrückblick schreiben, sondern einfach nochmal überlegen was ich im letzten jahr gelesen und gesehen habe und was mich davon besonders beeindruckt hat.
american gods von neil gaiman
das buch hat die frau aus der bibliothek mitgebracht und ich habe es weggelesen wie warme pizza. das buch hat mich ein bisschen an „pan aroma“ von tim robbins erinnert, eine mystery-lastige geschichte, mit ausreichend realismus um nicht ins alberne umzuschlagen. wenns verfilmt würde, würde manches im buch wohl zu dick aufgetragen wirken, aber in buchform ist der götter- und mystery-kram gut auszuhalten. ich fand auch das ende nicht doof. im gegenteil. sehr empfehlenswertes buch.
coraline von neil gaiman
etwas dünner als „american gods“ und wohl auch eher als kinderbuch gedacht. voller toller alltagsbeobachtungen die man aus dem eigenen alltag kennt, wie der horror des kindes, wenn der vater „nach rezept“ kocht: „kannst du nicht mal was normales kochen, papa?“ oder die erwachsenen es nicht hinbekommen coralines namen richtig auszusprechen („hallo caroline“). diese alltagsbeobachtungen sind so nett aufgeschrieben, fast schon lindgrenesque kinderperspektivisch, dass das unheimliche, das mysteriöse das sich langsam in den alltag webt, gar nicht mehr nötig wäre, um aus dem buch ein gutes und lesenswertes zu machen. aber auch die mysterien, die parallelwelten in die coraline im laufe des buches gelangt sind ausreichend subtil und deutungsfähig wie bei guten märchen. die verfilmung die ich ein paar monate nachdem ich das buch gelesen hatte in der DVDhek auslieh, war dann auch das was ich bei einer verfilmung von american gods befürchtete, würde das jemals verfilmt: zu dick aufgetragen, zu grell, zu laut und zu aufgedreht. der film war gut, keine frage, aber das buch war um längen besser. der film war übrigens der grund, warum die frau die gaiman-bücher in der bibliothek ausgeliehen hatte: wir hatten auf unserer hochzeitsreise letztes jahr das „set“ des filmes in den universal-studios gesehen.
prison break, staffeln 1 bis 3
ich hatte mir eingebildet, dass mir irgendwer auf dessen meinung ich zähle prison break empfohlen hätte, kann mich aber bis heute nicht erinnern wer das gewesen sein könnte. die erste staffel war irre spannend und dicht erzählt, so spannend, dass die frau es irgendwann nicht mehr aushielt und zu platzen drohte, so dass ich mir die beiden folgenden staffeln alleine ansehen musste.
zwei staffeln lang fand ich das erzählmuster toll: es gibt einen plan, man weiss dass es ihn gibt, aber nicht wie er aussieht, in jeder sendung wird ein teilproblem dieses planes versucht zu lösen, es gibt jedesmal ein, zwei unüberwindbar scheinende probleme die den plan zum scheitern verurteilen zu scheinen und aber auch immer irgendwie eine lösung. irgendwann in staffel 3 wurde ich dieses erzählmusters aber müde, irre müde. ging es in der ersten staffel immer einen schritt voran, zwei zurück und dann wieder einen, zwei und manchmal auch drei voran, gab es ab staffel drei nur noch wildes hin und her. flucht, flucht, flucht, flucht. das wird irgendwann in aller seiner spannung langweilig und wirkte überkonstruiert. mitten in staffel drei hab ich aufgehört prison break zu gucken, obwohl ich noch 4 oder 5 folgen auf halde hatte.
true blood, staffeln 1 und 2
hab ich irgendwann im amerikanischen ituens-store gefunden, die ganze erste staffel, folge für folge gekauft und als überragend empfunden. vom vorspann, über die story (vom autor von „six feet under“), die schauspieler und das mytery-gedöns passte alles. viel blut, viel beziehungskram, toleranzgedöns und tote, interessante charaktere und ein roter faden. jede minute packend. staffel zwei drehte ein bisschen viel an der mystery-schraube, was aber durch grandiose neue charaktere und noch straffere spannungbögen kompensiert wurde. ix kann die dritte staffel kaum abwarten.
the shield, staffel 1
die erste staffel hab ich in der DVDhek gesehen, den klappentext gelesen und die serie liegen lassen. noch eine polizei-serie? seit ich „the wire“ gesehen habe, will ich ja noch nicht mal mehr „tatort“ gucken. dann hat mir aber stefan niggemeier von der serie vorgeschwärmt und ich habe mir die erste staffel in knapp einer woche reingezogen. und sie war gut. zwar nix mysteriöses, aber das thema kann man nur gutes tun, wenn man gutes tut, oder muss man um gutes zu tun auch mal was böses tun beschert der serie wunderbar komplexe und doppelbödige charaktere, bei denen die grenzen zwischen gut und böse verschwimmen. und — oh wunder — das thema „böses“ wurde auch von knorkator noch nicht endgültig ausgelotet. die restlichen vier staffeln kommen demnächst dran.
charlie chaplin, die geschichte meines lebens
tolles buch, mit der, wie der titel bereits andeutet, lebensgeschichte von charlie chaplin, aus der perspektive von charlie chaplin. die meiste mühe steckt in der erzählung seiner kindheit und jugend, die alles andere als leicht und unbeschwert war. auch wenn man den ausgang der geschichte kennt, ist das hin und wieder recht ergreifend zu lesen. glücklicherweise spart chaplin an pathos, mit dem er in seinen filmen manchmal nicht so sparsam umgeganen ist. das fiel mir zumindest auf, als ich „moderne zeiten“ erneut guckte. was mir auch auffiel, es gibt kein DVD-set mit den gesammelten werken von chaplin. von laurel und hardy gibt es ein set mit wahrscheinlich 50 DVDs, von charlie chaplin so gut wie gar nix. ein set mit dem „besten“ von chaplin gab es wohl mal, das scheint aber so vergriffen zu sein, dass manche händler auf amazon.co.uk es für 800 euro anbieten.
jerry lewis, dean and me
das buch hab ich mir in palm springs gekauft, es liest sich sehr gut, ist teilweise sehr tragisch, hat mir aber, im gegenteil zum chaplin-buch, wenig lust darauf gemacht mir nochmal alle jerry lewis filme anzusehen. einen hab ich mir angesehen, „king of comedy“ und der war so mittel. nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. auffällig vor allem, wie gemächlich filme in den 80ern in gang kamen. damals hat man es sich noch geleistet, vor den film 10 gefühlte minuten vorspann zu packen und schweigende menschen auch mal länger zu zeigen, ohne das irgendetwas passiert.
heroes staffel 3
die staffeln eins und zwei habe ich verschlungen, in der dritten staffel fing die art und weise wie die geschichte erzählt wird an mich zu langweilen, ähnlich wie bei prison break. wenn die protagonisten von sendung zu sendung die fronten wechseln, ist das nicht spannend oder vielschichtig, sondern albern. die verschwörungstheorien von multinationalen konzernen, hyperintelligenten drahtziehern und verschwörern in der regierung werden von staffel zu staffel weniger überzeugend. die vierte staffel kann mir wahrscheinlich gestohlen bleiben.
damages, staffel 2
die zweite staffel von damages hat meiner meinung nach nicht nachgelassen. die story war so stringent und verworren wie bei der ersten staffel, die schauspieler teilweise noch stärker und die charaktere schön zerrissen und doch determiniert. häh? man muss sich damages als eine art godzilla vs. destoroyah vorstellen, nur statt auf physischem niveau auf intellektuellem. die zwei hauptcharaktere patty hewes und ellen parsons wollen sich gegenseitig zerstören, sind aber dummerweise gleichstark, quais im patt. das kann in die hose gehen, ist aber so gut geschrieben und gespielt, dass es überzeugt. die dritte staffel werde ich intravenös geniessen.
rome, staffel 1-2
ein wunderbarer kontrast zu dem ganzen mystery-zeugs das ich mir letztes jahr reingezogen habe. mystery kokolores gibts zwar auch, aber das wird eher distanziert dargestellt. ständig opfern oder verbrennen die römer irgendwas, ständig leben sie in furcht vor den göttern und dass die sich rächen könnten oder unzufrieden sind. obwohl die geschichte fiktiv und teilweise hochgradig absurd ist, macht die serie einen super-authentischen eindruck. absurd deshalb, weil die beiden haupt-protagonisten lucius vorenus und titus pullo so ziemlich bei jedem historischen ereignis der damaligen zeit involviert sind. obwohl es konstruiert ist, wirkt es nicht so. historisch ist das ganze auch noch einigermassen passend, zumindest wenn ich meinem schulwissen, der wikipedia und den DVD-extras glauben schenken darf. vor allem ist es spannend und wunderbar erzählt. gut gespielt und mit aufwändigen sets gefilmt ist es obendrein. dem klappentext zufolge ist es auch eine der teuersten jemals hergestellten fernsehserien.
30rock, erste staffel
nett, teilweise sehr witzig, aber so richtig warm bin ich damit nicht geworden.
entourage, fünfte staffel
weggeguckt an einem abend. kann ich mich nicht dran sattsehen. hyperaktiv geschnitten und erzählt, jede 20-minuten-sendung mit einem kleinen euphorisierenden happy-end, ein zwei rote fäden die die ganze geschichte über die staffeln hinweg zusmmenhalten und lauter cameo-auftritte und viel original los angeles. aber das hat die gröner alles viel passender gesagt.
mad men, staffel 1
hat mir nico lumma empfohlen, bin ich aber nicht so richtig mit warm geworden. hab ich mitten in der ersten staffel abgebrochen, weils mir zu langweilig wurde.
24 stunden berlin
ganz toll. grosses fernsehen. toll gefilmt, vielleicht ein bisschen zuviel kommentare und gedöns, aber toll. leider ist mir gegen vormittag, also nach fünf oder sechs stunden berlin „lost“ dazwischen gekommen. das war spannender und hat mich vom „24 stunden berlin“-gucken abgehalten. aber sowas von.
lost, staffeln 1-5
ich habe noch nie eine fernsehserie gesehen die mich so sehr bis in meine träume verfolgt hat. „lost“ geht vordergründig um eine gruppe von leuten die durch einen flugzeugabsturz auf einer einsamen, etwas mysteriösen insel verschollen sind. ausserdem gehts um die menschen selbst, um ihr leben bevor sie auf die insel kamen, ihre schicksalsschläge, erlebnisse und darum, dass ihre lebenswege teilweise miteinander verknüpft sind. dann gehts um die insel, die voller forschungsstationen, eigenartiger menschen und plätze ist. und ums überleben und pärchenbildung, liebe, schicksal, flucht, schicksal, machtkämpfe, manipulation, psychospielchen, schicksal und schicksal. das tolle daran ist, man bleibt ständig im dunkeln was eigentlich genau los ist, so wie die charakteure. je mehr sich das dunkel lichtet, desto komplizierter und mysteriöser wirds. drei staffeln lang konnte man noch für fast alles was auf der insel passiert natürliche erklärungen finden, irgendwie und mit ein bisschen phantasie, in der vierten staffel wird die mystery-schraube voll aufgedreht und trotzdem bleibt die geschichte irgendwie glaubhaft — oder zumindest irre spannend. „lost“ funktioniert ein bisschen wie ein modernes adventure-spiel. erst ist die karte schwarz, dann erforscht man die umgebung und lernt immer mehr kennen, löst aufgaben, findet gegenstände und alles wird immer verworrener. bis man am ende irgendeine auflösung oder erklärung findet. die sechste staffel „lost“, die ab anfang februar in den USA ausgestrahlt wird, verspricht alle losen enden, alle mysterien und rätsel aufzulösen oder zu verbinden. keine ahnung ob das hinhaut oder ob man da fünf jahre lang die erwartungen zu hoch geschraubt hat. ist aber auch egal, ich bin voll abhängig.
„lost“ kann ich nicht abschalten, bzw. wenn ich es abschalte grüble ich weiter, versuche im kopf die puzzle-teile hin und her zu schieben, lasse die ereignisse revue passieren und fühle mich albern, weil es ist doch nur fernsehen. die making-ofs, bzw. DVD-extras sind das einzige was mich nach ein paar folgen wieder auf den boden der tatsachen zu bringen vermag. die making-ofs beruhigen mich, weil sie mir versichern, dass es eben soch nur fernsehen ist. das ist umgekehrt gesehen höchst bemerkenswert, weil es zeigt, dass „lost“ einen komplett einzulullen vermag, also sehr atmosphärisch und dicht erzählt ist und kaum handwerkliche fehler zeigt die einen aus der illusion die die sendung aufbaut reissen können. etwas ähnliches ist mir bisher, glaube ich, nur bei „12 monkeys“ und „se7en“ passiert.
obwohl, ich muss mich korrigieren, „lost“ ist voller handwerklicher fehler. so sind die gesichter der hauptdarsteller auf der insel fast immer unrasiert, alle schwitzen wie sau, aber in keiner staffel war jemals ein schatten in einer weiblichen achselhöhle sichtbar. offenbar rasieren sich amerikanerinnen auf einer einsamen insel morgen immer zuallererst die beine und die achseln. schwangerschaften gabs auch ne menge, aber menstruation oder PMS sind offenbar von der mystischen kraft der insel ausgelöscht. auch make-up muss sich tonnenweise im wrack des flugzeugs befunden haben, denn alle frauen sind immer tipp top geschminkt, ausser wenn sie krank sind. trotzdem — lost ist ziemlich super.
dieser panflöten-flowchart (brauchst du eine?), diese zeichnung von einem solidaritätsmarsch der merkel jugend, über diesen hinweis auf mangelder körperhygiene und diese gezeichneten design-thesen fand ich in den letzten tagen witzig.
nicht witzig, aber interessant, fand ich die blogger-interviews von philip banse, jetzt auch zum runterladen. die ersten vier interviews waren schon ne weile online zu sehen, aber alles was länger als 5 minuten ist, guck ich mir lieber von der festplatte, als aus den wolken an. lobo, haeusler und sixtus hab ich bisher geguckt, ich fand zwar alle drei gut, konnte sixtus nur bis zur hälfte gucken und haeusler nur bis zu zwei dritteln. muss daran liegen, dass beide entweder (für mich) nicht viel neues erzählen konnten oder wollten. ausserdem fiel mir heute beim frühstückmachen auf, dass philip banse wirklich froh sein kann, dass seine eltern ihn nicht jim genannt haben.





