hoch­ge­schwin­dig­keits-down­loads vom klein­ge­druck­ten aus­ge­bremst

felix schwenzel

vo­da­fone kün­digt stolz be­schleu­nig­tes, mo­bi­les in­ter­net an. bis zu 7,2 me­ga­bit pro se­kun­de schnel­le dow­loads sei­en mög­lich, und an „flug­hä­fen und gros­sen bahn­hö­fen“ bis zu 14,4 me­ga­bit pro se­kun­de. vol­ker we­ber rech­net aus, dass man im mo­nat bei 10 mbit/s täg­lich 20 2 mi­nu­ten lang „Fil­me in ho­her Qua­li­tät“ run­ter­la­den oder strea­men kann, wenn man die vo­da­fone „flat­rate“ nutzt, die auf 5GB pro mo­nat be­grenzt ist. da­nach gehts in ISDN-ge­schwin­dig­keit wei­ter.

an­ders aus­ge­drückt: man kann sich im mo­nat un­ge­fähr ei­nen hal­ben bis drei­vier­tel spiel­film in ho­her qua­li­tät an­se­hen.

voice over IP darf man im mo­bi­len vo­da­fone netz nach wie vor nicht nut­zen. aus­ser man nutzt die „Mo­bi­l­e­Con­nect L Da­ten“-ta­rif­op­ti­on, die ei­nen bei 5GB down­load­vo­lu­men aber un­ge­fähr 2500 euro im mo­nat kos­tet. da ist die kon­ku­renz seit heu­te etwa hun­dert­mal güns­ti­ger. o2 hat das klein­ge­druck­te ein biss­chen en­staubt und er­laubt bei al­len da­ten­ta­ri­fen die nut­zung von VOIP-diens­ten. für 25 euro mo­nat­lich be­kom­me ich bei o2 also eine 5GB „flat­rate“, mit der ich mehr oder we­ni­ger ma­chen kann was ich will. „te­the­ring“, also die nut­zung der flat­rate mit dem lap­top und dem han­dy als mo­dem ist er­laubt, eben­so ist es mög­lich sich für ein­ma­lig 25 euro eine zwei­te (oder drit­te) SIM für den ver­trag zu be­sor­gen, die man sich dann in ei­nem USB-UMTS-stick oder sonst­wo­hin ste­cken kann.

apro­pos vo­da­fone. mir ist auf­ge­fal­len, dass die neue „so­cial me­dia“-stra­te­gie von vo­da­fone jetzt lau­tet: schwei­gen. of­fen­bar kos­tet das twit­tern und blog­gen und über ta­ri­fe oder po­li­tik re­den doch zu viel ab­stim­mungs­ar­beit. ich glau­be die­ses fik­ti­ve bei­spiel (via) eins zu eins aus der vo­da­fone-pres­se­ab­tei­lung kom­men könn­te. von we­gen „mu­ti­ge“ neue vo­da­fone-stra­te­gie.

[bild­quel­le]

[nach­trag 18.08.2009, 7:35]
vol­ker we­ber hat­te sich ver­rech­net, des­halb die kor­rek­tur oben von 20 auf 2 mi­nu­ten. aus­ser­dem hat sich bei ihm in den kom­men­ta­ren ei­ner der vo­da­fone pres­se­spre­cher ge­mel­det und be­haup­tet, die meis­ten kun­den wür­den eh nur 1 GB da­ten im mo­nat ver­brau­chen. die ant­wort auf die ent­schie­den­de fra­ge, war­um man dann über­haupt ein 5GB-li­mit braucht wird wohl auch bei vol­ker we­ber noch län­ger un­be­ant­wor­tet blei­ben.


am strand ins in­ter­net schrei­ben

felix schwenzel

ge­stran­de­ter, weis­ser strei­fen­wal

qed.

[die fuss­gän­ger­zo­ne von wes­ter­land sieht aus, als sei sie zum ende des krie­ges schwer bom­bar­diert und da­nach has­tig wie­der auf­ge­baut wor­den. also qua­si wie die in kas­sel oder köln, nur dass die kei­nen strand am ende der fuss­gän­ger­zo­ne ha­ben.]

[nach­trag 23:24]


das zwei­te e der queen ma­ry 2 ist ka­putt

felix schwenzel

trotz­dem: ein sehr gros­ses schiff, das kaum in eine ka­me­ra passt.

[die fo­tos sind ein biss­chen ver­schwom­men. das lag ent­we­der dar­an, dass ich zu blöd bin oder die ka­me­ra des N97 (das ix ge­ra­de aus­pro­bie­re) zu doof ist.]




zi­tat des ta­ges

felix schwenzel

der kut­ter:

Ich füh­le mich im Mo­ment, als könn­te ich Bäu­me aus­reis­sen ― vor­aus­ge­setzt, es gibt eine On­line-Ap­pli­ka­ti­on für so­was.

der SPD beim vi­ral-dingsen zu­schaun

felix schwenzel

mat­thi­as ri­chel sitzt in sei­ner funk­ti­on als SPD-wahl­kampf „se­ni­or tex­ter und kon­zepter“ in­ner „nord­kur­ve“, die kol­le­gen ha­ben nen neu­en, we­nig bis mit­tel-lus­ti­gen und ge­fak­ten CDU-wahl­wer­be­spot hoch­ge­la­den, jetzt muss der scheiss ir­gend­wie ver­brei­tet wer­den.

mat­thi­as ri­chel twit­tert:

kurz da­nach twit­tert sein kol­le­ge se­bas­ti­an rei­chel (pro­jekt­be­reichs­lei­ter „on­line-wahl­kampf“ der SPD), wahr­schein­lich nur ein paar schreib­ti­sche von ma­thi­as ri­chel ent­fernt:

mat­ti­as ri­chel schreit über­rascht auf: „eh, da hat nich je­mand ge­ret­weetet!“ und ret­weetet sich á la bo­now selbst:

noch sind kei­ne 10 mi­nu­ten ver­gan­gen, aber bjoern boeh­ning, „SPD-di­rekt­kan­di­dat in fried­richs­hain-kreuz­berg“ ret­weetet den SPD on­line-wahl­kampf-lei­ter:

eine stun­de spä­ter ret­weetet das ru­hen­de SPD-on­line­bei­rats-mit­glied den SPD-se­ni­or-tex­ter:

mich ver­lässt die lust das ge­gen­sei­ti­ge ver­lin­ken der SPD­ler wei­ter zu ver­fol­gen, aber wer­fe noch flott ei­nen blick auf die sta­tis­tik: nach 6 stun­den wur­de der ur­sprüng­li­che link von mat­thi­as ri­chel 1518 mal ge­klickt (kann man hier se­hen). auf you­tube wur­de das vi­deo 304 mal auf­ge­ru­fen, 105 mal be­wer­tet, 35 mal fa­vo­ri­siert und 53 mal kom­men­tiert. bit­ly zählt 15 ret­weets (oder „con­ver­sa­ti­ons“), die twit­ter su­che fin­det ca. 30 ret­weets.

ge­fak­te be­geis­te­rung über ein mit­tel­wit­zi­ges ge­fak­tes vi­deo ruft bei mir üb­ri­gens nur mäs­si­ge freu­de her­vor. das ist ähn­lich, wie an­de­ren leu­ten beim wich­sen zu­zu­se­hen.

[nach­trag 14.08.2009, 11:33]
ralf schwarz:

Vor we­ni­gen Ta­gen mit der Hil­fe von Fe­lix so rich­tig durch­ge­star­tet, er­hebt sich der Vi­ral-Spot der SPD in schwin­del­erre­gen­de Hö­hen: nun hat er so­gar in kür­zes­ter Zeit mit 9.426 Auf­ru­fen die Wäh­ler­schaft der SPD zu 100% er­rei­chen kön­nen. (wei­ter­le­sen)

dank

felix schwenzel

dank an den @lo­kal­re­por­ter für das buch und das su­per­la­ti­ve kom­pli­ment.

dank an den surf­guard, für die­se ge­schich­te.

dank an kum­pel kar­se für den hin­weis auf die­ses vi­deo, dass ich mir seit fast ei­ner wo­che täg­lich an­se­he.


ich weiss was du letz­ten som­mer ge­tan hat

felix schwenzel

via netz­po­li­tik.

[nach­trag 11.08.2009, 19:43]
mar­kus be­cke­dahl schreibt auf netz­po­li­tik, dass die fo­to­gra­fin des schäub­le-fo­tos meint, dass das »Mo­tiv nur für die CDU li­zen­ziert wur­de und nicht für “Wett­be­wer­be” und “Dif­fa­mie­rung” frei­ge­ge­ben wor­den« sei. mar­kus sieht den pla­kat-re­mix durch die sa­ti­re- und mei­nungs­frei­heit ge­deckt und über­legt ob er die bil­der „lö­schen“ soll. ich habe das bild mal über­malt, bis die fron­ten sich klä­ren. noch sind die mo­ti­ve auf netz­po­li­tik zu se­hen.

[nach­trag 12.08.2009, 7:45]
fie­te ste­gers und mal­te wel­ding schrei­ben auch je ir­gend­was über die­ses foto-dings und mar­kus be­cke­dahl hat ei­ni­ge bil­der ge­löscht und kün­digt für heu­te mit­tag „mehr dazu“ an.

[nach­trag 12.08.2009, 16:56]
hei­se.de hat die sa­che heu­te früh auf­ge­grif­fen und mar­kus be­cke­dahl hat er­klärt, war­um er die „bes­ten“ re­mi­xes on­line lässt und es auf ei­nen recht­streit an­kom­men lässt:

Der Fall hat noch eine an­de­re Di­men­si­on: Der Rechts­fall kann je­dem pas­sie­ren, der oder die ein Blog be­treibt und Re­mi­xe von Wahl­wer­bung dar­über ver­brei­tet (wenn auch nicht je­der ei­nen Re­mix-Wett­be­werb star­tet). Soll­te es in un­se­rer De­mo­kra­tie mög­lich sein, un­lieb­sa­me po­li­ti­sche Sa­ti­re durch das Ur­he­ber­recht weg­kla­gen zu kön­nen oder ist das von der Mei­nungs­frei­heit ge­deckt, wenn man ein Re­mix-Bild in sein Blog ein­bin­det und da­mit eine Mei­nung äus­sert? Mei­ne Mei­nung ist ganz klar: Das muss eine de­mo­kra­ti­sche Ge­sell­schaft aus­hal­ten kön­nen. (wei­ter­le­sen)

udo vet­ter fin­det die re­mi­xe auch to­tal le­gal un dmeint die CDU soll­te die fo­to­gra­fin „ganz schnell zu­rück­pfei­fen“.

[nach­trag 12.08.2009, 23:27]
die kuh ist end­gül­tig vom eis. qua­si. die fo­to­gra­fin er­klärt, sie habe kei­ne zeit zu kla­gen. oder so.


SPD-spit­ze ar­beits­los?

felix schwenzel

jetzt hab ich für nen mo­ment doch echt ge­wun­dert, dass kajo was­ser­hö­vel und olaf scholz sich jetzt schon ar­beits­los mel­den.


war­um das in­ter­net …

felix schwenzel

nach ein, zwei ar­ti­keln über den spie­gel von mor­gen, jetzt noch ein al­ter­ba­ti­ves co­ver, bei hei­ko he­big im flickr-stream ge­fun­den:

ori­gi­nal co­ver von eboy.


netz oh­ne ge­setz?

felix schwenzel

die ak­tu­el­le ti­tel­ge­schich­te des spie­gel, die pos­tu­liert, dass das in­ter­net „neue re­geln“ bräuch­te, liest sich ziem­lich ver­wir­rend. stre­cken­wei­se liest sich die be­stands­auf­nah­me zum sta­tus quo im in­ter­net recht dif­fe­ren­ziert, es wer­den ex­per­ten und bei­spie­le zi­tiert die zei­gen sol­len, dass das in­ter­net kei­nes­wegs ein „rechts­frei­er raum“ sei, dann wer­den wie­der die schlimms­ten hor­ror­ge­schich­ten aus­ge­gra­ben, die dann doch die an­geb­li­che rechts­frei­heit und das cha­os im in­ter­net be­le­gen sol­len:

So ist das In­ter­net zwar die größ­te Be­frei­ung des Geis­tes seit der Er­fin­dung der Buch­dru­cker­kunst, aber zu­gleich ein Mas­sen­spei­cher für alle Übel, die Men­schen sich aus­den­ken, vom schlich­ten Schmutz bis zu den schlimms­ten Aus­wüch­sen der Phan­ta­sie. Es ist ein Be­schleu­ni­ger für In­no­va­tio­nen, aber eben auch für kri­mi­nel­le En­er­gien, vom Trick­be­trug mit der er­fun­de­nen Ge­schich­te ei­ner ni­ge­ria­ni­schen Dik­ta­to­ren­wit­we, die drin­gend ein Kon­to braucht, auf das sie ein paar Mil­lio­nen Euro über­wei­sen kann, bis zu den här­tes­ten For­men der Or­ga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät.

Der so­ge­nann­te Kan­ni­ba­le von Ro­ten­burg fand sein Op­fer in ei­nem In­ter­net­fo­rum. Es gibt Selbst­mord­treffs, Fol­ter- und Snuff­vi­de­os zu­hauf, es gibt Amok­fo­ren, An­lei­tun­gen zum Mi­xen von Me­di­ka­men­ten- und Dro­gen­cock­tails und na­tür­lich Bom­ben­bas­tel­sei­ten. So­wohl die so­ge­nann­ten Kof­fer­bom­ber als auch die Sau­er­land­grup­pe hat­ten die In­struk­tio­nen für ihre Höl­len­ma­schi­nen aus dem In­ter­net.

dass es all die­se men­scheits­übel, be­trug, mord, selbst­mord, bom­ben, dro­gen und me­di­ka­men­ten­miss­brauch auch schon vor dem in­ter­net gab, muss man als spie­gel-au­tor nicht ex­tra be­to­nen, klar. trotz­dem fra­ge ich mich manch­mal, war­um sich das in­ter­net von ei­ner durch­schnitt­li­chen deut­schen gross­stadt oder bou­le­vard-zei­tung un­ter­schei­den soll­te?

über sei­ten hin­weg sam­meln die fünf au­toren in­di­zi­en, um die recht- und re­gel­lo­sig­keit des in­ter­nets hoch­zu­sti­li­sie­ren. po­si­ti­ves wird nur am ran­de er­wähnt und gar nicht erst in er­wä­gung ge­zo­gen:

Tat­säch­lich war es noch nie so ein­fach, vor welt­wei­tem Pu­bli­kum sei­ne Mei­nung über Ein­zel­per­so­nen oder Un­ter­neh­men zu ver­brei­ten, ganz gleich, wie be­grün­det oder wie halt­los bis heim­tü­ckisch sie ist.

dass mei­nun­gen nicht im­mer heim­tü­ckisch sein müs­sen, scheint den au­toren im zu­sam­men­hang mit dem in­ter­net wohl halt­los. nach die­sem satz fol­gen meh­re­re ab­sät­ze mit ne­ga­tiv­bei­spie­len. man hat den ein­druck, dass die spie­gel-au­toren mit­leid mit fir­men emp­fin­den, die sich mit kri­tik aus­ein­an­der­set­zen müs­sen und sich plötz­lich „um das An­se­hen ih­rer Häu­ser und Füh­rungs­kräf­te“ sor­gen. da will man noch nicht­mal ein zi­tat der jus­tizm­i­ni­te­rin un­kom­men­tiert ste­hen ge­las­sen, die meint, dass die recht­la­ge doch „glas­klar“ sei: „Was off­line ver­bo­ten ist, ist on­line eben­so ver­bo­ten.“ das möge so sein, nör­geln die spie­gel-au­toren, doch am voll­zug man­ge­le es wohl. da könn­ten sie ja mal bei jens wein­reich nach­fra­gen, wie man­gel­haft der voll­zug ist.

schlimm und skan­da­lös fin­det der spie­gel auch, dass der ur­he­ber ei­nes hass­vi­deo ge­gen ei­nen baye­ri­schen la­tein­leh­rer nie ge­fun­den wer­den konn­te. nur ob das wirk­lich et­was mit dem in­ter­net zu tun ha­ben muss oder viel­leicht der man­gel­haf­ten welt in der wir le­ben (oder gar schlech­ter po­li­zei­ar­beit), kommt den be­sorg­ten au­toren nicht in den sinn. ich er­in­ner mich zum bei­spiel dar­an, dass die schü­ler die ei­nem leh­rer an mei­ner schu­le hun­de­scheis­se auf die win­schutz­schei­be und die lüf­tung schmier­ten eben­so wie die, die den vor­gar­ten des di­rek­tors ver­wüs­te­ten und sein haus mit klo­pa­i­er schmück­ten, nicht iden­ti­fi­ziert wer­den konn­ten.

spä­ter fan­gen die spie­gel-au­toren sich im glo­ba­len mas­stab zu sor­gen und ru­fen nach ei­ner glo­ba­len kon­troll­in­stanz. und ganz grund­sätz­lich wer­den sie auch, nach gross­vä­ter-art wird sehn­suchts­voll in die gute alte zeit zu­rück­ge­blickt:

Tat­säch­lich war es ja der ex­klu­si­ve Ho­heits­an­spruch, der einst den Fort­schritt der Neu­zeit ein­ge­lei­tet hat. Sei­ne Er­fin­dung mit der Ver­kün­dung des ewi­gen Land­frie­dens im Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich Deut­scher Na­ti­on und der Grün­dung des Reichs­kam­mer­ge­richts 1495 folg­te kurz auf die Ent­wick­lung der be­weg­li­chen Let­tern durch Jo­han­nes Gu­ten­berg. So en­de­te durch staat­lich ga­ran­tier­tes Recht und geis­ti­ge Auf­klä­rung das dunk­le Zeit­al­ter, in dem pri­va­te Mäch­te, Kir­chen­fürs­ten, Aber­glau­be re­gier­ten.

Der di­gi­ta­le Fort­schritt könn­te nun die zi­vi­li­sier­te Welt in die Zeit der Selbst­jus­tiz, des Faust­rechts zu­rück­füh­ren. Der Staat, will er über­haupt noch ernst ge­nom­men wer­den, muss sich, de­mü­ti­gend ge­nug, mit den selbst­herr­li­chen Lehns­her­ren des Cy­ber­space, den Goo­gles und Face­books, den Pro­vi­dern und der Lob­by der IT-In­dus­trie ge­mein­ma­chen.

auf­klä­rung, frei­er, un­kon­trol­lier­ba­rer wis­sens- und in­for­ma­ti­ons­aus­tausch wa­ren 1495 ein se­gen und jetzt, 2009, sind sie ein pro­blem?

in der ak­tu­el­len GEO las ich in „die re­vo­lu­ti­on des le­sens“ von ja­han­na romm­berg fol­gen­des:

[Horst Wen­zel] ent­deckt da­bei im­mer wie­der er­staun­li­che Par­al­le­len zwi­schen his­to­ri­schen Um­brü­chen und den Me­di­en­dis­kus­sio­nen der Ge­gen­wart.

Wenn et­was bahn­bre­chend Neu­es in die Welt kommt, sagt er, dann geht im­mer auch et­was ver­lo­ren. Und die Ver­lus­te sind für die Zeit­ge­nos­sen oft stär­ker spür­bar als die Ge­win­ne.

Als der Buch­druck auf­kam, er­hob sich eine Viel­zahl von Kla­gen: Das neue Me­di­um be­wahrt kei­ne Ge­him­nis­se! Es macht die Schrei­ber ar­beits­los! Es ver­fälscht die Wer­ke der al­ten Dich­ter und Phi­lo­so­phen durch schlud­ri­ge Raub­dru­cke! Am schlimms­ten aber sei, dass es jede Mei­nung un­ge­prüft ver­brei­te, „al­leyn uff ge­wynn und groß be­schisß“, so­dass die Leu­te am Ende den „bu­ren“ mehr glau­ben als den „gler­ten“. So schimpf­te, um 1500, der Dich­ter Se­bas­ti­an Brant.

ge­nau sol­che ar­ti­kel sind der grund, war­um ich ie­ber die dif­fe­ren­zier­te, un­auf­ge­reg­te GEO lese, als den stets leicht hys­te­ri­schen und bi­got­ten spie­gel.

am meis­ten aber är­ge­re ich mich dar­über, dass ich den spie­gel im­mer noch ernst neh­me und mit­un­ter so­gar geld da­für zah­le ihn zu le­sen.

[nach­trag 0:45h]
mar­kus be­cke­dahl hat die ge­schich­te auch schon ge­le­sen und meint:

Der Ti­tel “Netz ohne Ge­setz - War­um das In­ter­net neue Re­geln braucht” ist wie­der ge­wohnt reis­se­risch und spielt mit dem be­lieb­ten Vor­ur­teil, dass das In­ter­net ein rechts­frei­er Raum ist. […]

Als Spie­gel-Abo-Be­sit­zer konn­te ich mir prak­ti­scher­wei­se ge­ra­de schon die Sto­ry durch­le­sen. Die Kurz-Kri­tik nach dem le­sen von 57680 Zei­chen: Die Sto­ry ist bes­ser als der Ti­tel ver­spricht. Es wer­den vie­le rich­ti­ge Fra­gen ge­stellt und Pro­ble­me be­schrie­ben, auch wenn ich nicht alle Schluß­fol­ge­run­gen tei­le.

[nach­trag 12:30h]
alex­an­der svens­son über die „bi­za­re“ schluss­poin­te im spie­gel-ti­tel:

Die Spie­gel-Ti­tel­sto­ry „Netz ohne Ge­setz – war­um das In­ter­net neue Re­geln braucht“ ist er­freu­lich dif­fe­ren­ziert, nennt un­ge­lös­te Pro­ble­me und stellt vor al­lem vie­le Fra­gen. Völ­lig über­ra­schend und bi­zarr ist al­ler­dings die Schluss­poin­te: Auf der letz­ten Sei­te brin­gen die fünf Au­toren ICANN ins Spiel, die In­ter­net Cor­po­ra­ti­on for As­si­gned Names and Num­bers, und kon­stru­ie­ren sie zum po­ten­zi­el­len Heils­brin­ger um. Ich dach­te, wir hät­ten die­se Zei­ten hin­ter uns. (wei­ter­le­sen bei wort­feld.de)

[nach­trag 10.08.2009]
nachem ich die spie­gel-ti­tel­ge­schich­te zwei tage re­flek­tie­ren konn­te, ist mir auf­ge­gan­gen, wie af­fek­tiert und gross­kot­zig sie stel­len­wei­se ist. ei­ner­seits ist die ana­ly­se über wei­te stre­cken ge­nau und dif­fe­ren­ziert, an­de­rer­seits sind die schluss­fol­ge­run­gen und der te­nor wahn­wit­zig. das fiel mir al­ler­dings erst dann in al­ler deut­lich­keit auf, nach­dem ich die­sen ar­ti­kel von chris­ti­an stö­cker von spie­gel on­line las (via netz­po­li­tik). der ar­ti­kel ist nicht nur dif­fe­ren­ziert, son­dern auch noch klug — ohne die af­fek­tier­te, auf­ge­ba­se­ne spra­che und an­sprü­che des (ge­druck­ten) spie­gels. die fra­ge bleibt, war­um las­sen die nicht ein­fach stö­cker die ti­tel­ge­schich­te schrei­ben?

[nach­trag 12.08.2009 16:54]
burk­hard schrö­der hat den spie­gel-ar­ti­kel schön aus­ein­an­der­ge­nom­men. te­nor (ge­rich­tet an die au­toren): „Ist bei Euch noch al­les ganz rich­tig im Ober­stüb­chen?“

[nach­trag 12.08.2009 21:05]
fünf tage nach der (vor-)ver­öf­fent­li­chung des spie­gel-ti­tels schreibt auch ste­fan nig­ge­mei­er (sehr le­sens­wert) drü­ber:

Die The­se des Auf­ma­chers lau­tet etwa: „Das In­ter­net ist kein rechts­frei­er Raum, kann aber leicht mit ei­nem ver­wech­selt wer­den”, mög­li­cher­wei­se aber auch: „Das In­ter­net ist ein rechts­frei­er Raum, müss­te das aber nicht blei­ben”, ganz ge­nau ist das nicht aus­zu­ma­chen. Das Stück ent­stammt dem be­lieb­ten „Spie­gel”-Mul­ti-Au­toren-Gen­re, in dem das Haupt­ziel ist, so vie­le Na­men, Zi­ta­te und Fak­ten­fet­zen wie mög­lich in ei­nem Text un­ter­zu­brin­gen, die dann not­dürf­tig mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den. (wei­ter­le­sen)

der spie­gel, ein po­li­zei­staat oh­ne staat

felix schwenzel

in sei­ner ti­tel­ge­schich­te vom mon­tag über die ver­kom­me­ne welt des in­ter­nets („Wäh­rend an der Ober­flä­che des di­gi­ta­len Reichs tau­send bun­te Blu­men blü­hen, wu­chert im Wur­zel­werk dar­un­ter ein Pilz­ge­flecht aus In­tri­gen, Täu­schung und Ter­ror“) schreibt der spie­gel un­ter an­de­rem:

Das In­ter­net – ein Po­li­zei­staat ohne Staat: Wer sich in das so­zia­le Netz­werk Face­book ein­klinkt, das tun zur­zeit etwa 250 Mil­lio­nen Men­schen, geht sei­ner Per­sön­lich­keits­rech­te oft ver­lus­tig. Der Welt­kon­zern der frei­en Kom­mu­ni­ka­ti­on be­hält sich vor, sämt­li­che In­fos und Bil­der, die von der Ge­mein­de in die Fo­ren ein­ge­stellt wer­den, zu ver­wen­den undauch an Drit­te zu li­zen­zie­ren, bis der Nut­zer sie „löscht“.

Doch auch nach dem „Lö­schen“ blei­ben die Da­ten auf den Ser­vern als Si­che­rungs­ko­pie er­hal­ten. Oft­mals sind pein­li­che Fo­tos zu die­sem Zeit­punkt längst re­pro­du­ziert und an an­de­ren Stel­len im Netz ver­öf­fent­licht wor­den. Men­schen ver­kau­fen ih­ren Schat­ten – um­sonst und für im­mer. Leu­te, die im Über­schwang An­züg­li­ches über sich oder an­de­re preis­ge­ge­ben ha­ben, kön­nen dies nie­mals wie­der zu­rück­ru­fen.

[her­vor­he­bun­gen von mir]

der spie­gel bie­tet sei­nen nut­zern auch mö­gichkei­ten an, bil­der hoch­zu­la­den. un­ter ei­nes­ta­ges.spie­gel.de soll „das kol­lek­ti­ve Ge­dächt­nis un­se­rer Ge­sell­schaft“ ent­ste­hen. um dem spie­gel da­bei zu hel­fen, kann man ge­schich­ten und fo­tos hoch­la­den. die wer­den zwar von „der“ re­dak­ti­on ge­prüft, aber die nut­zungs­be­din­gun­gen von ei­nes ta­ges un­ter­schei­den sich kei­nes­wegs be­son­ders von de­nen die der spie­gel bei face­book an­pran­gert:

4. Sie über­tra­gen SPIE­GEL ON­LINEdas nicht­ex­klu­si­ve, zeit­lich, in­halt­lich und räum­lich un­be­schränk­te Recht, das Werk (Fo­tos, Bil­der, Gra­fi­ken, Vi­de­os, Text, Au­dio)ho­no­rar­freibe­lie­big oft zeit­lich, räum­lich und in­halt­lich un­be­schränkt bei al­len von SPIE­GEL ON­LINE be­trie­be­nen Web­sites zu nut­zen. SPIE­GEL ON­LINE ist ins­be­son­de­re be­rech­tigt, das Werk in On­line­net­zen zuprä­sen­tie­ren und zu ver­öf­fent­li­chen, zu ver­viel­fäl­ti­gen, zu ver­brei­ten, zu ver­mie­ten, es zu di­gi­ta­li­sie­ren und elek­tro­nisch zu spei­chern und in­ter­nen und ex­ter­nen Nut­zern zur Re­cher­che zur Ver­fü­gung zu stel­len so­wie zu ver­lags­üb­li­cher Wer­bung zu ver­wen­den. […]

7. Sie kön­nen Ihre Mit­glied­schaft bei ei­nes­ta­ges durch schrift­li­che Mit­tei­lung an die Re­dak­ti­on be­en­den. Die Re­dak­ti­on sperrt dann Ih­ren Zu­gang, in Ih­rem öf­fent­li­chen Kon­to­be­reich even­tu­ell an­ge­zeig­te per­sön­li­che Da­ten wer­den ge­löscht. Sie er­klä­ren sich mit Ih­rer Zu­stim­mung zu die­sen AGB ein­ver­stan­den, dass Tex­te, Bil­der, Vi­de­os, Au­di­os und alle an­de­ren Wer­ke, die sie als ei­nes­ta­ges-Mit­glied ein­ge­stellt ha­ben, auch nach dem Ende Ih­rer Mit­glied­schaft wei­ter­hin un­ter Ih­rem Na­men auf den Sei­ten von ei­nes­ta­ges öf­fent­lich sicht­bar blei­ben. Ein An­spruch auf Lö­schung von In­hal­ten, an de­nen Sie SPIE­GEL ON­LINE die Nut­zungs­rech­te ein­ge­räumt ha­ben, be­steht nicht.

[her­vor­he­bun­gen von mir, quel­le]

so ist das beim spie­gel. arschi­ges ver­hal­ten ist beim spie­gel OK, bei an­de­ren ist es ver­gleich­bar mit dem wir­ken ei­nes po­li­zei­staa­tes. wo­bei, das ar­gu­ment ist ja be­kannt. jour­na­lis­ten und „qua­li­täts­me­di­en“ wie der spie­gel ver­dam­men ja al­les was kei­ne or­dent­li­che re­dak­ti­on vor­wei­sen kann. denn die re­dak­ti­on stellt si­cher, dass kei­ne feh­ler pas­sie­ren, kei­ne per­sön­lich­keits­rech­te ver­letzt wer­den, kei­ne pein­li­chen bil­der ge­zeigt wer­den und kei­ne exis­ten­zen ver­nich­tet wer­den. aus­ser es be­steht ein jour­na­lis­ti­sches in­ter­es­se dar­an. oder so.


blog­charts neu

felix schwenzel

jens schrö­der hat die deut­schen blog­charts auf eine neue da­ten­quel­le ge­stellt. auf ice­ro­cket statt tech­no­ra­ti.

ei­nes der er­schüt­tern­den er­geb­nis­se: der schock­wel­len­rei­ter ist aus den top100 ge­flo­gen. höchs­te zeit für ei­nen so­li­da­ri­täts­zu­schlag so­li­da­ri­täts­link.


ti­lo bo­now kennt twit­ter

felix schwenzel

tilo bo­now kennt twit­ter, denn er hält vor­trä­ge über so­cial me­dia, blogs und twit­ter:

tilo bo­now folgt mir jetzt schon schon zwei­ten mal:

tilo bo­now hat auch fa­vo­ri­ten — sich selbst:

tilo bo­now ret­weetet auch ger­ne — sich selbst (bzw. sei­ne fir­ma):

tilo bo­now kennt sich aus.


fritz jous­sen ver­sucht die kom­mu­ni­ka­ti­ons­ho­heit zu wah­ren

felix schwenzel

faz.net über die vo­da­fone kam­pa­gne und vo­da­fone-chef fritz jous­sen:

Joussen hält unterdessen an der von der Werbeagentur Scholz & Friends entwickelten Kampagne fest. „Bei den Kritiken im Blog reden wir über 500 Beiträge, wir machen aber Produkte für 40 Millionen Kunden“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Solange der Aufschlag bei denen glücke, sei ihm die Kritik der Hardcore-Blogger egal. „Ich diskutiere mit ihnen gerne über unsere Produkte - aber nicht über meine Weltanschauung“, stellt Joussen fest.

ich habe von vo­da­fone selbst noch nichts kon­kre­tes ge­hört zu den dis­kus­sio­nen die sich um die ak­tu­el­le vo­da­fone-kam­pa­gne en­s­pon­nen ha­ben. aus­ser dass doch al­les su­per sei mit vo­da­fone-pro­duk­ten („Un­ser Da­ten-Ta­ri­fe deckt der­zeit schon eine brei­te Mas­se an Nut­zungs­sze­na­ri­en ab.“) oder das ende des jah­res mal über neue pro­duk­te nach­ge­dacht wer­de und ein „efo­rum“ ein­ge­rich­tet wer­de. ant­wor­ten? aus­ser ge­nerv­tem, jaja, wir hö­ren ja zu kei­ne. nicht eine.

und war­um will jous­sen nur über „pro­duk­te“ re­den, nicht über vo­da­fones lob­by­ar­beit und die ver­bin­dun­gen zur po­li­tik? war­um nicht auch über gross an­ge­kün­dig­te und dann ko­mi­scher­wei­se im san­de ver­lauf­au­fe­ne halb­her­zi­ge ju­gend­schutz­in­itia­ti­ven die of­fen­bar eher der pro­fi­ie­rung als dem ju­gend­schutz die­nen? war­um nicht über das of­fen­bar zu schlap­pe netz re­den, dass es we­der er­laubt VOIP oder ech­te flat­rates an­zu­bie­ten?

jörg-olaf schä­fers sah üb­ri­gens eine in­ter­es­san­te par­al­le­le zu jous­sens ar­gu­men­ta­ti­on oben:

#vo­da­fail auch rhe­to­risch auf Zen­sur­su­la-Li­nie: „Bei den Kri­ti­ken [ ] re­den wir über 500 Bei­trä­ge, wir ma­chen aber Pro­duk­te für 40 Mio.“ #faz

ge­nau­so wie jous­sen, ar­gu­men­tier­te von der ley­en in ei­nem in­ter­view mit der welt. mot­to: al­les wo nicht alle 40 mil­lio­nen in­ter­net­nut­zer hin­ter­ste­hen kann ich ge­trost igno­rie­ren.

wei­ter im FAZ-text:

Da­bei sind die Men­schen, die 24 Stun­den am Tag im In­ter­net ak­tiv sind, eine heiß um­kämpf­te Ziel­grup­pe, be­son­ders für tech­no­lo­gie­las­ti­ge Un­ter­neh­men. „Dort, wo sie sind, wer­den in ein paar Jah­ren auch alle an­de­ren sein“, sagt Jous­sen. Wer die­se Avant­gar­de für sich be­geis­tern kann, wird als Fol­ge auch die Mas­se der Kon­su­men­ten ge­win­nen, lau­tet die Stra­te­gie.

tol­le stra­te­gie. echt. nur wie ge­nau lau­tet sie noch­mal? wie ge­nau will vo­da­fone „die­se avant­gar­de“ denn ge­win­nen? mit you­tube-upload-wett­be­wer­ben, die auf so ge­rin­ges in­ter­es­se stos­sen, dass die fil­me mitt­ler­wei­le von ei­nem so­ge­nann­ten „vo­da­fone street team“ er­stellt wer­den, statt von dem uploa­der von ne­ben­an? mit ge­türk­ten, flä­chen­de­cken­den hap­py-peo­p­le wer­be­spots und pla­ka­ten? mit pres­se­mit­tei­lungs­ab­wurf­stel­len bei face­book, twit­ter und my­space? mit pam­pi­gen be­mer­kun­gen über „hard­core-blog­ger“ oder „Kri­ti­ken im Blog“ die ei­nem egal sind? mit arsch­krie­chen in CDU-po­li­ti­ker-är­sche schul­ter­schlüs­sen mit CDU-po­li­ti­kern?

ein ziel ist doch kei­ne stra­te­gie.

Die­sen Aus­tausch mit den Kon­su­men­ten schätzt auch Jous­sen. „Die Feed­back-Kul­tur fin­de ich grund­sätz­lich gut, denn kon­struk­ti­ve Kri­tik und krea­ti­ve Ideen kön­nen uns hel­fen, viel schnel­ler und ziel­ge­rich­te­ter Pro­duk­te zu op­ti­mie­ren“, sagt er. Zu­min­dest in die­ser Hin­sicht scheint es kein Miss­ver­ständ­nis zu ge­ben.

ge­nau: wir hö­ren zu. aber wir neh­men uns die frei­heit nur das zu hö­ren, was wir hö­ren wol­len und di­rekt oder kon­kret ant­wor­ten wol­len wir ei­gent­lich auch nicht. da müss­ten wir ja plötz­lich ver­bind­lich und ehr­lich wer­den oder gar auf ir­re­füh­ren­de wer­be­aus­sa­gen ver­zich­ten.

das pro­blem mit der ak­tu­el­len vo­da­fone-kam­pa­gne ist und bleibt, dass vo­da­fone den dia­log mit den nut­zern nur si­mu­liert. dar­an ist nichts mu­ti­ges.



ro­ger wil­lem­sen fragt sa­scha lo­bo was

felix schwenzel

ro­ger wil­lem­sen fragt sa­scha lobo, „war­um ma­chen sie das?“ ei­gent­lich soll­te man den gan­zen text le­sen, ich habe mal mei­ne liebs­ten zi­ta­te raus­ge­zo­gen:

Sa­scha Lobo: In den al­ten Me­di­en heißt es: Eine Re­dak­ti­on wählt aus, was sie re­le­vant fin­det. In den neu­en: Nur das In­ter­es­san­te wird wei­ter­ge­ge­ben.

Ro­ger Wil­lem­sen: Un­se­re Mi­chel­le Oba­ma heißt Joa­chim Sau­er. Was sagt das über das Ver­hält­nis der deut­schen Po­li­tik zum In­ter­net?

Sa­scha Lobo: Mit Ver­höh­nun­gen habe ich kein Pro­blem, das ist Teil der Netz­kul­tur. Ich gebe mich schon lan­ge be­wusst der Lä­cher­lich­keit preis, etwa mit die­ser für vie­le al­ber­nen Fri­sur. Aber es stimmt, dass ich mei­ne po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten et­was ab­lö­se von mei­nen Wer­ber­tä­tig­kei­ten.

mehr von wil­lem­sens le­sens­wer­ten fra­gen hier.


nicht so gross­zü­gi­ge un­ter­stüt­zung

felix schwenzel

die „ham­bur­ger öf­fent­li­chen bü­cher­hal­len“ be­dan­ken sich für die gar nicht mal so gross­zü­gi­ge un­ter­stüt­zung:

was mich al­ler­dings wun­dert: war­um be­kla­gen sich die hei­del­ber­ger oder die mu­sik­in­dus­trie ei­gent­lich nicht über öf­fent­li­che bi­blio­the­ken? da wer­den die au­toren doch auch „ent­eig­net“! je­der kann sich da bü­cher nach­hau­se ho­len, ohne ei­nen pfen­nig da­für zu be­zah­len. auch DVDs und CDs kann man sich da lei­hen, ob­wohl die alle kei­ne ver­leih­ver­sio­nen sind. so­weit ich weiss dür­fen DVDhe­ken nur ver­leih­ver­sio­nen ver­lei­hen, die ein mehr­fa­ches von den nor­ma­len DVDs kos­ten (li­zenz­be­stim­mun­gen und so). öf­fent­li­che bi­blio­the­ken brau­chen das of­fen­bar nicht. da müss­ten die ur­he­ber und ver­wer­ter doch schon lan­ge „mil­lio­nen-ver­lus­te“ gel­tend ma­chen.

oder hab ich was ver­passt? un­ter­stüt­zen die ver­le­ger und ver­wer­ter still und lei­se die öf­fent­li­chen bi­blio­the­ken?

[nach­trag 20:24h]
bi­blio­the­ken zah­len an die rech­te­inha­ber, bzw. ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten eine bi­blio­theks­tan­tie­me, ca. 3-4 cent pro aus­ge­lie­he­nem buch. of­fen­bar gilt das auch für an­de­re me­di­en­trä­ger. spe­zi­el­le li­zen­zen oder er­laub­nis­se müs­sen die bi­blio­the­ken bei den rech­te­inha­bern wohl nicht ein­ho­len. [dan­ke ste­fan]


ge­fro­re­nes was­ser mit zu­cker, frucht und ei­schaum

felix schwenzel

letz­te wo­che habe ich in der faz ei­nen ar­ti­kel über spei­se­eis ge­le­sen. kern­aus­sa­ge: spei­se­eis, egal ob beim ita­lie­ner, dä­nen oder su­per­markt ge­kauft, be­steht mitt­ler­wei­le fast nur noch aus zu­cker und künst­li­chem aro­ma. wer es „fruch­tig“ wol­le, sol­le das eis am bes­ten selbst her­stel­len.

im ar­ti­kel war ein re­zept für schwar­zes joha­nis­beer­sor­bet, dass ix ges­tern als hei­del­beer­sor­bet nach­ge­kocht habe.

300 g zu­cker
100 ml was­ser
500 g fri­sche hei­del­bee­ren
4 ei­weiss
salz
50 g pu­der­zu­cker
1 gros­ser ge­frier­beu­tel

den zu­cker soll­te man zu­erst mit dem was­ser zu „läu­ter­zu­cker“ re­du­zie­ren, also so lan­ge ko­chen, bis „ein zä­her si­rup ent­steht“. ich habe den si­rup wohl ein biss­chen zu lan­ge ge­kocht, er hat­te am ende die kon­sis­tenz von ka­ra­mel­bon­bons. tat­säch­lich ver­wan­del­te sich die mas­se in der schüs­sel in die ich sie zum ab­küh­len ge­füllt hat­te, in ein gros­ses ka­ra­mel­bon­bon. be­vor die mas­se kom­plett zu ei­nem klum­pen ge­ran, konn­te ich 70 pro­zent wie­der zu­rück in den heis­sen topf ret­ten, in dem ich mitt­ler­wei­le die hei­del­bee­ren mit ein we­nig was­ser zu matsch koch­te. da­drin lös­te sich das ka­ra­mel­bon­bon glück­li­cher­wei­se auf. die schüs­sel mit dem rest­ka­ra­mel, muss­te ich lei­der weg­schmeis­sen.

nach 5 mi­nu­ten hat­te sich die frucht-zu­cker-was­ser-mi­schung in eine ap­pe­tit­li­che, dick­flüs­si­ge, schwar­ze flüs­sig­keit ver­wan­delt.

im re­zept stand, man sol­le 4 ei­weiss mit ei­ner pri­se salz steif­schla­gen. aus sport­li­chem ehr­geiz schlug ich die eier mit der hand dem schnee­be­sen steif und spen­dier­te ihnn statt 50 gramm pu­der­zu­cker, 25 gramm nor­ma­len zu­cker. da­nach soll­te die heis­se frucht­mas­se un­ter den ei­schnee „ge­ho­ben“ wer­den. ent­ge­gen mei­ner er­war­tung, lös­te sich der ei­schnee nicht in schleim auf, son­dern es bil­de­te sich zu­sam­men mit der frucht­mas­se ein fluf­fi­ger, ap­pe­tit­li­cher brei.

den brei füll­te ich dann mit viel luft in ei­nen gros­sen ge­frier­beu­tel und pack­te ihn in die tief­kühl­tru­he. im re­zept stand, man sol­le die mas­se alle zwei stun­den durch­kne­ten, da­mit das sor­bet „ge­schmei­dig“ und ohne eis­kris­tal­le blie­be. ich kne­te­te die mas­se alle 30 mi­nu­ten und tat­säch­lich konn­te ich den frucht­saft, der sich am beu­tel­bo­den bil­de­te auch wie­der in die schau­mi­ge mas­se zu­rück­kne­ten.

nach 5 stun­den frie­ren und kne­ten hab ich eine ku­gel pro­biert: das sor­bet hat­te eine an­ge­nehm fluf­fi­ge kon­sis­tenz, war sehr süss, aber auch sehr fruch­tig. das nächs­te mal wer­de ich de­fi­ni­tiv we­ni­ger zu­cker neh­men, aber dass es so ein­fach ist, ohne sah­ne le­cke­res eis zu ma­chen, hät­te ich nicht ge­dacht.


kom­pli­zier­tes arsch­loch

felix schwenzel

dass an ei­ner aus­stel­lung von bil­den­der kunst irre vie­le leu­te geld ver­die­nen, ar­chi­va­re, art-di­rek­to­ren, auf­sichts­kräf­te, aus­kunfts­per­so­nal, aus­stel­lungs­füh­rer, aus­stel­lungs­ma­cher, au­toren, bi­blio­the­ka­re, se­kre­ta­ri­ats­mit­ar­bei­ter, buch­hal­ter, bü­ro­tech­ni­ker, fo­to­gra­fen, fund­rai­ser, gar­de­ro­bie­ren, gra­fi­ker, auf­bau­teams, haus­meis­ter, haus­hand­wer­ker, haus­tech­ni­ker, jour­na­lis­ten, kas­sen­per­so­nal, kli­ma­tech­ni­ker, kunst­his­to­ri­ker, kunst­kri­ti­ker, kunst­trans­por­teu­re, ku­ra­to­ren, kus­to­den, lay­ou­ter, licht­tech­ni­ker, mar­ke­ting­ma­na­ger, mu­se­ums­di­rek­to­ren, mu­se­ums­päd­ago­gen, pfört­ner, pres­se­spre­cher, rechts­an­wäl­te, rei­ni­gungs­per­so­nal, re­stau­ra­teu­re, si­cher­heits­in­ge­neu­re, steu­er­be­ra­ter, toi­let­ten­per­so­nal, trans­por­teu­re, ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter, ver­si­che­rungs­agen­ten, wach­schüt­zer, web­de­si­gner, wis­sen­schaft­li­che mit­ar­bei­ter, aus­stel­lungs­ar­chi­tek­ten, buch­händ­ler, ca­te­rer, dru­cke­rei­en, fach­zeit­schrif­ten, gla­se­rei­en, kunst­zei­tun­gen, tisch­ler, ver­le­ger, ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten, ver­si­che­run­gen und wer­be­agen­tu­ren, nur die künst­ler nicht weiss nicht je­der. ich weiss das erst, seit ich mit ei­ner künst­le­rin zu­sam­men­le­be. ei­gent­lich soll­te da et­was dran ge­än­dert wer­den, denk man so.

also ha­ben der bun­des­ver­band bil­den­der künst­le­rin­nen, und künst­ler (BBK), der deut­sche künst­ler­bund, die GE­DOK, die in­ter­na­tio­na­le ge­sell­schaft der bil­den­den küns­te (IGBK) und die ver.di fach­grup­pe bil­den­de kunst ei­nen brief an die im bun­des­tag ver­tre­te­nen par­tei­en ge­schrie­ben. nur was sie da for­dern, un­ter an­de­rem eine „aus­stel­lungs­ver­gü­tung“ treibt ei­nem bei ge­nau­em hin­se­hen den angst­schweiss auf die stirn: die­ser aus­stel­lungs­ver­gü­tungs­an­spruch ist un­ver­zicht­bar, kann vom künst­ler nur an eine ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ab­ge­tre­ten wer­den und soll aus­schliess­lich von ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten gel­tend ge­macht wer­den kön­nen. dass die for­de­run­gen nach die­sem bü­ro­kra­ti­sche irr­sinn off-ga­le­rien, low-bud­get-pro­jek­te und die künst­ler selbst stark in ih­rer ar­beit be­hin­dern könn­ten, er­klärt ka­tia­kelm in ih­rem blog sehr gut nach­voll­zieh­bar.

ganz ab­ge­se­hen da­von zeigt es, was für ein kom­pli­zier­tes arsch­loch das ur­he­ber­recht ist.

[wei­ter­le­sen bei ka­tia­kelm.de]