die überlegenen geistigen fähigkeiten der männer
oder die männliche logik lebe hoch.
anus cologne
tv-tipp
Am Donnerstag, den 9. November um 20:15 Uhr, gibt es in der Sendung “quer” (Bayrisches Fernsehen) einen Fernsehbericht zu den Abmahnungen und Klagen, mit denen der Media-Markt bzw. Herr Steinhöfel die Konkurrenz überzieht. (Quelle:Shopbetreiber-Blog)
via ra-blog, das auch ein hübsches zitat zu marios abmahnung von steinhöfel parat hat:
Steinhöfel, der ausweislich eines Interviews mit der Zeitschrift Tomorrow im Jahr 2001 über seine Person geäußert hat “Wo ICH hinlange, wächst kein Gras mehr”, mahnt vorliegend einen Satz ab, in dem es auf einen speziellen Fall bezogen sinngemäß hätte heißen können “Er hat irgendwo hingelangt, wo jetzt kein Gras mehr wächst”. Es ging um den Verein Freedom for Links e.V.
die zukunft des fernsehens
der popkulturjunkie über die zukunft des fernsehens. ich habe schonmal ähnliches geschrieben, aber jens bekommt das etwas überzeugender hin. zuerst habe ich diese dinge allerdings vor jahren bei mario sixtus gelesen, juli 2004, oktober 2004, juni 2005, september 2005 und april 2006.
abmahnungen nummer 28262325322
mein-parteibuch.de: „Lesebestätigung von Joachim Steinhöfel“.
ich lese da von einer „unwahren Tatsachenbehauptung“ die auch eine „Persönlichkeitsrechtsverletzung“ sei und von einem „Gegenstandswert“ von 15.000 euro. hmm. riecht nach gerichtsflur.
blindien

[hier geklaut. siehe auch hier.]
abmahnungsgrund?
schröbe ich hier auf diese seiten beispielsweise „wer das liest ist doof“ oder alternativ „wer das liest ist ein arschloch“, könnte ich doch abgemahnt werden, oder?
medien treiben ne sauerei durchs dorf

ich finde den begriff der „saujagd“ die durch irgendein angebliches „bloggerdorf“ gehen soll, sausackdämlich. diesmal stimme ich dieser metapher aber eingeschränkt zu. denn es geht gerade eine art saujagd durchs mediendorf. auf einen einzigen artikel in der fas hin schreiben treiben spon, heise und viele andere eine sau, eine sauerei durchs mediendorf, nämlich den media-markt. dabei will der doch nur für recht, ordnung und ordentlichen wettbewerb und verbraucherschutz sorgen. dafür sind abmahnungen die tausende von euro kosten und ärger nach sich ziehen können doch gedacht? oder wie es ungleich eleganter ein media-markt-sprecher ausdrückt: „Wenn die bei der Blutgrätsche Ertappten mit Zeitverzug zu Boden sinken und theatralisch Vernichtungsfeldzug hauchen, entbehrt das nicht einer gewissen Chuzpe.“ (quellle)
ix finde: der media-markt ist der letzte aufrechte verbraucherschützer. respekt dafür. steinhöfel go! und nicht von irgendwelchen dämlichen journalisten (oder bloggern) ablenken lassen, die sich eh nur mittels unqualifizierten „meinungsäusserungen“ das maul zerreissen.
[google-news link via basicthinking]
→ weiterlesenmedia markt sorgt für recht und ordnung

der media-markt „überzieht einem Zeitungsbericht zufolge vor allem Internet-Shops mit einer Welle von Abmahnungen“. der media-markt fühlt sich dazu berufen für recht, ordnung, ordentlichen wettbewerb und verbraucherschutz zu kämpfen indem er „mehrere Hundert Online-Händler“ mit abmahnungen überzieht. schuld sind die abgemahnten selbstverständlich selbst:
Ein Konzernsprecher machte in der „F.A.S.“ für die juristischen Auseinandersetzungen die Wettbewerber verantwortlich, „die gegen ordentliches Kaufmannsgebaren und geltendes Recht gleichermaßen verstoßen, dadurch ihre Kunden täuschen und sich unrechtmäßig einen Wettbewerbsvorteil erschwindeln“.
und apropos „sauerei“, die verhandlung rainersacht vs. steinhöfel steht auch bald an. rainer hat noch einen artikel zum thema abmahnungen online gestellt:
Was den neunziger Jahren der Rinderwahn, ist dem beginnenden dritten Jahrtausend der Abmahnwahn.
[…]
In Wirlichkeit geht es nur um eins: KRITISCHE STIMMEN MUNDTOT MACHEN!!! Alles andere ist nur vorgeschobenes juristisches Geseiere.
das mundtot machen ist, so scheint es, die eine seite der medaille, die andere ist in 99,99% der fälle die unfähigkeit der abmahnenden zur kommunikation.
die justizministerin brigitte zypries ergiesst sich zwar in wortschwällen, handelt aber immer noch nicht um diesen arbeitsbeschaffungsmassnahmen für juristen einen riegel vorzuschieben. gulli.com:
Die Justizministerinforderte vergangenen Mai, Auswüchse des Abmahnunwesens im Netz zurückzustutzen. „Einfach gelagerte Fälle mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung dürfen nicht mehr als 50 bis 100 Euro für Abmahnung und Anwalt nach sich ziehen“, so die Ministerin vor dem Anwaltstag.
don dahlmann fängt derweil hier an abmahnungen zu sammeln.
[nachtrag]
siehe auch la deutsche vita, bzw. den einen oder anderen trackback.
[nachtrag 05.11.2006]

georg meck in der fas überschreibt heute einen artikel in der frankfurter allgemeinen sonntagszeitung (auf den sich spon bezog) mit „»Die größte Sauerei des Jahres«“:
Der Media-Markt überzieht Händler mit Abmahnungen. Angegriffen werden mittelständische Geschäfte, vor allem Online-Shops. Und immer vorneweg: Anwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel. Dessen Kanzlei schießt mit allem, was das Gesetz an Munition hergibt. „Die versuchen den Wettbewerb mit dem Wettbewerbsrecht zu zerstören“, klagt Joachim Ehmann, Geschäftsführer des Internethändlers Comtech. Neun Verfahren hat er im Moment am Hals - wegen Vergehen wie zum Beispiel jenem, daß er ein Produkt als „vielfachen Testsieger“ beworben hat, ohne die exakte Ausgabe des Testheftes anzugeben. Prompt mahnte ihn Steinhöfel ab. „Das kostet mich viel Zeit und viel Geld“, sagt Ehmann. (weiterlesen)→ weiterlesen
heute wieder ein trackback
ix hab zwar letzte woche nix über trackback, johnnys neuer sendung in johnnys altem sender fotz fitz fritz, geschrieben, aber gefallen hat sie mir, die sendung. ich habe sogar einen artikel angefangen zu schreiben, in dem ich zum ausdruck bringen wollte wie schön es zur abwechselung auch mal wieder sein kann etwas live zu hören, sich zu sammeln und konzentriert in die kiste zu hören. ix tendiere ja dazu alles auf einmal, zeitversetzt und unverbindlich zu tun.
aber heute abend werde ich mich mit der beifahrerin sammeln, nen gurkensalat vorbereiten und johnny und tanja geströmt beim süssholz raspeln zuhören.
sigmar gabriel will 756,09 euro von marcel bartels

sigmar gabriel will die „hübsche anwältin“ (o-ton marcel bartels) die er engagiert hat nicht selbst bezahlen. das soll marcel für ihn erledigen. das ist in etwa so, als ob ich meinem steuerberater sagen würde, er solle die rechnung ans finanzamt oder finanzministerium schicken.
lex bayer
der bayer-konzern meint, protest-emails seien spam. greenpeace rief dazu auf protest-emails an bayer zu schicken, weil der konzern offenbar „völlig die Kontrolle über gentechnisch veränderten Reis“ verloren hat und gentechnisch veränderter bayer-reis, der offiziell nur im versuchsanbau genutzt wurde, „inzwischen in der gesamten EU, der Schweiz, und sogar in Ländern wie Dubai und Kuwait gefunden“ wurde. bayer empfand diese emails als „spam“.
proteste von verbrauchern sind müll? klar, das ist nachvollziehbar wenn man ein super-wichtiger weltkonzern ist, da empfindet man den pöbel, diese kleinen miesen menschen und ihre dummen unqualifizierten meinungen die die grossartigkeit von bayer-entwicklungen wie gen-reis (oder beispielsweise heroin) nicht wohlwollend aufnehmen wollen eben als „müll“. müll der nicht kapiert, dass er konsumieren soll, statt zu protestieren. ein weltkonzern hat immer recht und kann deshalb auch mal am recht ein bisschen rumbiegen und einfach die abschaltung der protestierenden webseite auf eigene faust betreiben. warum? weils geht und die rechtsabteilung braucht ja auch arbeit.
[via blogbote]
[nachtrag]
via spreeblick ein artikel in der taz, der die sache aus einem etwas anderen blickwinkel betrachtet. laut greenpeace-provider stellte sich die sache wie folgt dar:
Ein Mitarbeiter der Bayer-Konzernsicherheit habe am Montag kurz vor 18 Uhr angerufen und von „massiven Spam-Angriffen“ berichtet, die „unseren kompletten Betrieb lahmlegen“. „Wir wussten nicht, dass es nur um ein Mailpostfach ging“, erklärt ein Sprecher des mittelständischen Server-Betreibers. Da es kurz vor Feierabend gewesen sei und die „Konzernsicherheit“ den Fall als Attacke auf ihr System schilderte, habe man abgeschaltet. (weiterlesen)
„bloggende weihnacht“
wo ix gerade bei aufmerksamkeitsverteilung war. aufmerksamkeit hat auch der betreiber dieser webseite bei mir per mail angefordert. ich habe nur ein problem damit: ich verstehe nicht was das soll. es gehe darum „der Blogosphäre die Möglichkeit zu geben, sich selbst ein wenig zu Weihnachten zu beschenken.“
die frage ist nur, wer soll beschenkt werden, was soll geschenkt werden und warum? wer bestimmt wer geschenke bekommt, wer nicht? das steht zwar alles hier will mir aber irgendwie nicht in den kopf. irgendwie hab ich bei der sache kein gutes gefühl. kann mir das mal jemand ausreden, bitte?
aufmerksamkeitsweitergabe
ich brauche (momentan noch) keine erhöhte aufmerksamkeit, deshalb möchte ich die eventuell vorhandene aufmerksamkeit meiner leser mal wieder auf marcel bartels lenken. ich bekomme von ihm hin und wieder emails in denen er mich um aufmerksamkeit bittet und ich muss sagen, er hat sie verdient. manche halten ihn für einen durchgeknallten irren, ich halte ihn für einen durchgeknallten irren mit enormen mut, auch chupze genannt. auch wenn seine ständigen scherereien ermüdend wirken, ich bin immer wieder erstaunt mit welchem humor und welchem eifer er sich auch mit den dicksten gegnern anlegt. jeder der schon einmal eine abmahnung in den händen hielt, weiss was das finanziell und schlaftechnisch bedeutet, was für ein enormer aufmerksamkeitsschlucker eine einzige abmahnung ist.
aktuelll wünscht sich marcel aufmerksamkeit für diese angelegenheit und diese. ich möchte ausserdem auch noch auf diese sache aufmerksam machen von der ich zwar in noch keinem blog gelesen habe, wohl aber in der letzten c’t. man könnte das gefühl bekommen, dass prinzip der rechtsstaatlichen ordnung ist in gefahr, bzw. längst im arsch.
blankes entsetzen
hihi, die schwadroneuse:
blankes entsetzen in den augen. sie stürzt zur tür, ich hinterher. sie kann kaum sprechen vor ekel. (weiterlesen)
scheiss-content

ist das grossartig, warum sehe ich das erst jetzt, dass mein lieblings-comic-zeichner beck täglich einen cartoon ins internet zeichnet? und wenn man ihn fragt, ob man seine zeichnungen auch selbst ins internet stellen kann, mit „quellenangabe und gedöns“ antwortet er höchstpersönlich, sagt ja und bedankt sich, dass man gefragt hat. das nenne ich in zeiten in denen urheber, rechteinhaber oder empfindliche seelen oft nur noch per rechtsanwalt mit einem kommunizieren nicht nur fortschrittlich, sondern lobennswert.
wirres abonnieren
wirres kann man als rss-feed abonieren, die adresse lautet wirres.net/index.xml. ausgeliefert wird der feed von feedburner, zum lesen des rss-feeds braucht man einen rss-reader. eine gute übersicht über rss-reader gibts im plasticwiki, in der wikipedia oder im open directory project.
wem das feedreader-gedöns zu umständlich ist, der kann wirres auch als email-abo beziehen. die auslieferung übernimmmt auch hier feedburner: hier wirres.net per email abonnieren.
[den alten wirres-newsletter, den ich sporadisch an interessierte verschickte beschicke ich nur noch äusserst selten per email, das archiv kann man hier oder hier betrachten und theoretisch auch noch abonnieren, aber ehrlich gesagt lohnt sich das nicht.]
spon hat die hosen gestrichen voll

seit ein paar tagen ist der spiegel online unter die spamer gegangen: spiegel.de/spam. und schon riecht der spam nach scheisse, scheisse weil sich die verantwortlichen redakteure offenbar in die hose gemacht haben und bereits einen beitrag klammheimlich aus dem angebot genommen haben. die titanic verweist alllerdings darauf, dass der artikel noch zu finden sei, hier spon aus dem mittagsschlaf erwacht ist.
ehrlichgesagt hatte ich mir vorgenommen das alles doof zu finden, aber genau der artikel den spon selbstzensiert, finde ich nu doch ziemlich witzig.
aber, ich habe das auch schon anderswo gelesen, das problem scheint ein grundsätzliches zu sein, funktioniert das, auf der einen seite seriös (soweit man das von spiegel-online überhaupt behaupten kann) über das weltgeschehen berichten und auf der anderen seite brutale witze drüber machen? das passt so gut zusammen wie die bild-zeitung und der papst.
[nachtrag]
schade, dass spon gerade an dem tag wo er mal ein bisschen feedback in der tagespresse bekommt, genau den artikel aus dem verkehr zieht der besprochen wurde: tagesspiegel von heute:
Unter einem entlastenden Schock-Foto, das einen unkenntlich gemachten uniformierten Mann mit Teddy im Arm und entblößtem Gummigeschlechtsteil zeigt, heißt es: Aufgeräumt sitzt ein Bundeswehrsoldat Wache im Stadtpark von Kabul. Im Arm hält er einen Teddy, Symbol für das Kind im Manne. Friedlich schaut sein Penis in Richtung des majestätischen Hindukusch (nicht im Bild).
das bild dazu ist immer noch online, so richtig gründlich mag man bei spon dann doch nicht löschen.
bedingungsloses grundeinkommen
gestern war ich auf einer weiteren launigen lesung, bzw. podiumsveranstaltung, nachdem ich mir am sonntag auf der kaffeesatz-lesung beinahe das hirn herausgelacht hatte. gestern abend war ich auf einer lesung in der mehr als proppevollen heilig kreuz kirche in kreuzberg, thema war „das bedingunglsose grundeinkommen“. auf dem podium götz werner, besitzer der drogeriemarktkette „dm“ und verfechter des „bedinglungslosen grundeinkommens“, fritz kuhn, obergrüner und verfechter einer bedingungsvollen staatlichen grundsicherung und bascha mika, obertaz-tante als moderatorin.
das publikum in dieser kirche erfüllte alle meine dunkelsten vorurteile: eine üble mischung aus intellektuellen bartträgern, grauen mäuschen, aggressiven gutmenschendarstellern, frustrierten mütterchen, halstuchtragenden diskutanten, pullover tragenden, überengagierten und herumfleuchenden wichtigtuern (die teilweise frappierende ähnlichkeit mit helmut markwort hatten), faltigen und aufgemotzten diamantketten-spiessern; kurz eine absurde mischung aus bioladen-kundschaft und düsseldorfer kö-galerie-publikum. selten habe ich soviele ungezupfte augenbrauen, vollbärte und frustrierte gesichter gesehen wie gestern abend.
irgendwann krochen aus irgendeiner ecke ein ganz kleiner mann mit einem gummiartigen gesicht und ein ganz grosser, grauer mann mit ohne haare aufs podium. kuhn und werner. während sich das publikum um mich herum unverholen aggressiv und immer kurz vor tätlichkeiten um die verbliebenen plätze stritt („der ist besetzt!“, „bleiben sie weg!“, „hey, weg da!“), richtete man sich auf dem podium ein.
der abblauf des abends war wie folgt: ein als sozialist verkleideter langhaariger spiesser (ausgedünnte vokuhila) von der heinrich böll stiftung las steif ein paar populistische thesen unter heftigem applaus von einem zerknitterten dina4-blatt ab, das sollte die einleitung sein, götz werner und fritz kuhn sollten jeweils 30 minuten „referate“ halten, danach sollte bascha mika ein „spannendes“, 30minütiges streitgespräch zwischen beiden moderieren und danach sollte der mob das publikum für 45 minuten zu wort kommen (wie bascha mika das leicht übertrieben ausdrückte: „jeder von ihnen kommt dran“ — schwer bei einer proppevollen kirche).
götz werner
götz werner, den bascha mika als eine art marxistischen kapitalisten vorstellte, fing mit selbstfindungsrhetorik an: „lassen sie uns ideen denken, gehen sie mit mehr fragen als antworten hier heraus, versuchen sie das unvorstellbare zu denken, öffnen sie sich, umdenken ist ein nadelöhr, applaudieren sie nicht!“ er verwendete ganze 10 minuten darauf, sich sein publikum zurechtzulegen, in aller ruhe. es funktionierte. er öffnete sich sein publikum und lud es esoterisch auf, versuchte sie schon vor dem ersten argument zu seinen jüngern zu machen. seine idee, die er seit vielen jahren mit sich herumtrage, aber deren zeit erst seit dem frühjahr 2005 ein breiteres publikum erreiche sei halt schwer zu denken, schwer vorstellbar wie früher das allgemeine wahlrecht oder das frauenwahlrecht, aber ihre zeit sei jetzt gekommen. er habe nichts zu verkaufen, er möchte nur zu neuem denken anregen, möchte dass sich seine idee „epidemisch“ weiterverbreite.
nachdem er das publikum aufgeladen hatte fing er an: die methoden die die probleme erzeugten, taugten nicht zur lösung dieser probleme. es habe sich viel geändert, unsere gesellschaft habe sich von einer „selbstversorgungswirtschaft“ zu einer „fremdversorgungswirtschaft“ gewandelt. niemand arbeite mehr für sich, alles wandle sich zu einer gesellschaft der weltweiten arbeitsteilung. die politische elite, kralle sich weiterhin am alten paulus-prinzip fest: „wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“, ein überbleibsel aus der zeit als der mangel mit selbstversorgung bekämpft wurde und das sich witzigerweise insbesondere bei den linken tief ins herz eingegraben hätte: ohne einkommen, ohne erwerbsarbeit ist der mesnch nichts wert, ohne einkommen gehe gar nichts.
wenn er es dem publikum nicht untersagt hätte, wäre spätestens bei dem satz „es muss ein recht auf einkommen, nicht auf arbeit geben“ applaus aufgebrandet. aber werner lieferte jetzt auch argumente mit, der mensch müsse an der gesellschaft teilhaben und das gehe nur mit einem einkommen. der mensch brauche mehr als ein existenzminimum, er brauche ein „kulturminimum“. man bekomme ein einkommmen um es sich leisten zu können zu arbeiten. und nur mit einem einkommen könne man aus freiem willen an der gesellschaft teilhaben. frauen wüssten, dass es viel arbeit gebe die getan werde müsse ohen dass man sie bezahlt bekomme. man müsse sich fragen, wollen wir das haben? „kulturarbeit“ sei (im gegenteil zu wertschöpfungsarbeit) sinnmaximierend, verschwenderisch, grosszügig und vom interesse am mitmenschen geprägt, nicht sparsam und auf gewinn aus.
was diesem ideal im wege stehe, sei das aktuelle steuersystem. die einkommensteuer und die sozialausgaben verteuerten die arbeit ständig. je teurer arbeit werde, desto weniger arbeit gebe es. durch die einkommensteuer subventionieten wir „maschinenarbeit“ und verteuerten menschenarbeit. dies führe zwar zu enormen zuwächsen der produktivität, verknappe aber zunehmend die arbeit. er fände das skandalös, machte eine pause und wartete bis dieser gar nicht so unsinnige kloss vom publikum geschluckt wurde.
die für alles lösung sei einfach. nicht die arbeit besteuern, sondern den konsum. es sei auch jetzt so, dass eigentlich alle steuern in den preis flössen (das ist der kasus knaxus, erhllenderes dazu kam später in der diskussion auf), also könne man, das sei ein einfaches umschichten, auch direkt die preise, den konsum besteuern und sei damit die hinderliche einkommensbesteuerung ohne weitere verluste los. im prinzip sei das bedingungslose mindesteinkommen nichts weiter als ein (konsum)steuerrabatt (von ihm bei 1600 euro veranschlagt).
er sei jetzt mal gespannt, was der herr kuhn jetzt für argumente habe.
fritz kuhn
kuhn hatte keine argumente. er wirkte von anfang an defensiv und lief, später im laufe der diskussion mehrfach in die von werner aufgestellten messer. seine verteidigungslinie lautete: „visionen“ vs. „machbarkeit“. und das war sehr uninspirierend.
kuhn verhaspelte sich in unverständlichen politiker-sprech und in eine stramme, linientreue verteidigung der harz IV-gesetzgebung, eine verteidigung der bürokratischen auswüchse die zwar alle, laut kuhn, verbesserungswürdig seien, aber im grunde eben genau eins leisteten: gerechtigkeit, wie er immer wieder betonte, und eine „grundsicherung“. er gerierte sich als strukturkonservativer mit sozialem sahnehäubchen. dafür erntete er spott und buh-rufe en masse, die ihren höhepunkt bei seiner rhetorischen entgleisung erreichte, als er behauptete sinnvolle erwerbsarbeit sei doch mehr als genügend da, das sehe man daran wie sich die ein-euro-jobber um ein-euro-jobs reissen würden.
um argumente oder deren wahrnehmung drückte er sich relativ geschickt indem er ständig floskelte „dazu werde ich später nochmal kommen“, „das sei zu prüfen“ oder damit müsse man sich zu gegebener zeit „auseinandersetzen“. all diese phrasen waren gewürzt mit viel „äh“ und „öh“ und gestotter. kuhn war so wenig überzeugend und bekam soviel gegenwind aus dem zunehmend aggressiver werdenenden publikum, dass ich ich für eine weile geneigt war ihm recht zu geben, zu überlegen, ob sein ansatz nicht eventuell der bessere, realistiischere, bodenständigere sei. von diesem impuls wurde ich aber relativ schnell wieder abgebracht, weil kuhn sich mehrfach weinerlich beschwerte ungerecht von bascha mika und götz werner behandelt zu werden und es einfach nicht schaffte sich von seinen floskeln und parteiprogramm zu lösen oder sich auch nur mal geistig, als sportliche übung auf werners ideen einzulassen. stattdessen durchgekaute 68er-forderungen wie: erwerbsarbeit besser zwischen männern und frauen zu verteilen, behaaren darauf, dass eine einkommensabhängige besteuerung die einzig gerechte sei, dass die grundsicherung der harz IV gesetzgebung zwar verbesserungswürdig sei, aber unterm strich gar nicht mal so schlecht.
„kulturimpulse“
kuhns einwände (er habe das mal nachgerechnet), dass sich werners ideen niemals rechnen würden und zu indiskutablken mehrwertsteuersätzen führen würden bügelte werner seelenruhig ab. man könne für visionäres oder weiterführendes denken die poltiker eben nicht in die pflicht nehmen wie man an kuhn wunderbar sehe. die impulse müssten von den bürgern kommen, als eine art kulturimpuls, das sei zwar ein langer prozess, aber wenn wir die die dinge irgendwann anders denken könnten, würden das auch die politiker verstehen. er denke, dass kuhn hochintelligent sei und wenn sie sich mal einen abend in ruhe unterhalten würden, würde kuhn sicher mehr verständnis für seine ideen aufbringen, ihm vielleicht sogar zustimmen, dann aber ganz sicher relativieren: „aber das verstehen unsere wähler nicht.“
zusammenhangslose sprüche von götz werner:
- nicht die schwarzarbeit ist das problem, es ist das steuersystem.
- wir erkennen arbeit die nicht auf erwerb aus ist, nicht als arbeit an.
- arbeitszeitverkürzung führt zu zwangsarbeit, zu freizeit statt freiheit.
- manager sagen „do things right“, unternehmer sagen „do the right things“.
werner zog das publikum mehr und mehr auf seine seite, kuhn provozierte das publikum mehr und mehr, versuchte werners ideen als versuch einer ungerechten unternehmens-entlastung zu diskreditieren die zu schwarzhandel und ungerechtigkeit führen würden. die einzige lösung sei mehr menschen wieder zu erwerbsarbeit zu führen und auf gerechte verteilung zu achten. wunschdenken mit grundsätzlicher bürokratieaffinität dachte ich. für einen grünen kam mir das erstaunlich vor, werner auch: „bedenken sie mal am beispiel der grünen, was für folgen visionen und ideen einst hatten.“
ich habe den abend mit grosser sympathie für werners ideen begonnen und dann auch beendet, auch wenn ich nicht mal ansatzweise alles durchdacht habe, vieles kommt mir äusserst plausibel vor, manches weniger, vor allem die steuertechnischen details. äusserst plausibel kamen mir werners argumente vor, die eine ständige weitere verkanppung von erwerbsarbeit postulierten, wohingegen mir kuhns ziel einfach mehr erwerbsarbeit zu schaffen als kühn, bzw. wunschdenkig erschien. aber unstrittig ist, das gab kuhn auch immer wieder zwischen den zeilen zu, umdenken müssen wir, hier und da sicher auch radikal.
götz werner sagte, er habe nix zu verkaufen (ausser in seinen drogeriemärkten), er wolle nur zum nachdenken anregen, impulse geben. kuhn erschien mir hingegen wie jemand der etwas verkaufen wollte, nämlich den status quo, harz IV und hier und da ein paar verbesserungen und umschichtungen. leider war er gestern abend ein schlechter verkäufer, er sprach einfach die falsche sprache.
das publikum
das publikum war am ende so aggressiv, dass ein älterer herr neben mir, einer noch älteren dame (eigenaussage: „ich bin urgrossmutter“) „eins auf die fresse“ hauen wollte und sehr viele empörte zuschauer ständig die „blödheit“ des politikers da vorne beklagten. weil mir das alles zu aggressiv wurde und ich auch fand, dass alles wesentliche gesagt war, bin ich am anfang der pubnlikumsdiskussion aufgestanden und nachhause gefahren.
jetzt nachdem ich alles aufgeschrieben habe, kann ich mich ja mal ans durchdenken machen.
[nachtrag]
aus den kommentaren, schon etwas älter: fritz kuhn antwortet auf götz werner, interview mit götz werner in der brandeins, monitor über das bedingungslose grundeinkommen. ausserdem denkt don über das bedingungslose grundeinkommen nach und sehr engagiert, fundiert und ausführlich albert. ausserdem hat rené aufzeichnungen einer diskussion mit götz werner und eine kleine diskussion bei sich im blog und hier findet sich ein weiteres interview mit werner.
diekmann erteilt niggemeier hausverbot
Herr Diekmann habe ausdrücklich gesagt, dass er meine Anwesenheit nicht wünsche, und Herr Diekmann sei nun einmal der Gast, und ich hätte sicher Verständnis dafür, dass man solchen Wünschen der „Bild“-Redaktion entspreche. (weiterlesen)
zum glück hat der türsteher nicht alle aussieben können, denn nen korrespondenten-bericht gibts trotzdem.