fern­se­hen

felix schwenzel

tho­mas knü­wer:

Pa­ki­stans Prä­si­dent Per­vez Mus­har­raf bei Jon Ste­warts „The Dai­ly Show“.

ste­fan nig­ge­mei­er:

Das deut­sche Pri­vat­fern­se­hen wird von ei­nem Duo­pol aus RTL und Pro­Sie­ben­Sat.1 be­herrscht. Da­mit un­ter die­sem ein­ge­schränk­ten Wett­be­werb der Plu­ra­lis­mus nicht lei­det, müs­sen bei­de An­bie­ter un­ab­hän­gi­ge Drit­te Sen­de­zei­ten ein­räu­men. Und in die­sen Fens­ter­pro­gram­men, die die Mei­nungs­viel­falt ga­ran­tie­ren sol­len, wer­den dann auf RTL aus­ge­rech­net Bei­trä­ge von Pro­Sie­ben­Sat.1 ge­zeigt.

um mal auf die re­le­vanz-the­sen von lars-chris­ti­an cords zu­rück­zu­kom­men: ich wür­de ja ger­ne mal auf nem po­di­um sit­zen und wie cords ins pu­bli­kum schrei­en: „99,99% der sen­dun­gen im deut­schen fern­se­hen sind das er­geb­nis von blin­dem ak­tio­nis­mus und quo­ten-gier von ko­pis­ten und voll­trot­teln und hat das ni­veau von zug­be­glei­ter-durch­sa­gen im ICE.“ stimmt zwar ge­nau­so­we­nig wie das von cords ge­sag­te, muss­te aber mal raus.

wo blei­ben die deut­schen ste­warts, ma­hers, matt lau­ers (sie­he hier) und schmidt 2.0?

fern­se­hen wird wie­der zum wirk­li­chen fern­se­hen: man muss schon ganz schön weit schau­en um was an­stän­di­ges zu se­hen. um ge­nau zu sein, über den teich.



kaf­fee.satz.le­sen 32

felix schwenzel

heu­te nach­mit­tag mal kurz mit der bei­fah­re­rin in die ba­der­an­stalt ge­fah­ren um mir die kaf­fee.satz.le­sung 32 an­zu­hö­ren. ganz gran­di­os und zu­recht über­all „pu­bli­kums­lieb­ling“ ge­nannt, ina bruch­los. von ihr auch gleich zur fort­ge­setz­ten lek­tü­re ihr neu­es buch „[ama­zon-wer­be­link] mitt­wochs­kar­tof­feln“ ge­kauft. aber trä­nen in die au­gen ge­trie­ben hat mir vol­ker strü­bing mit sei­nen drei kurz­ge­schich­ten, vor al­lem der mit dem ti­tel „über die lie­be und fleisch­sa­lat“ (oder so). köst­lich. vol­ker strü­bing bloggt, schreibt [ama­zon-wer­be­link] ro­ma­ne und poet­rys­lämmt. zum bei­spiel kürz­lich am ran­de der leip­zi­ger buch­mes­se. von die­sem auf­tritt gibt es ei­nen mit­schnitt auf dem er „fleisch­sa­lat“ vor­trägt (so etwa ab mi­nu­te 2:42). ein gran­dio­ser text über die lie­be und fleisch­sa­lat. trotz der mie­sen ton­qua­li­tät, sehr zu emp­feh­len. al­lein schon we­gen die­ser pas­sa­ge:

„ich lie­be dich“ sagt man nicht. wer „ich lie­be dich“ sagt, sagt auch „fol­gen sie die­sem wa­gen“ oder „lass mich hier zu­rück, al­lein kannst du es schaf­fen“.

(vol­ker strü­bing)


wir sind arsch­loch

felix schwenzel

die kir­che ver­sucht seit tau­sen­den von jah­ren an­ders­gläu­bi­ge zu mis­sio­nie­ren und, wie sie es nennt, das wort got­tes un­ter die leu­te zu brin­gen. teil­wei­se mit enor­men auf­wand. gan­ze ar­meen wer­den auf­geboben um mis­sio­na­ren schutz zu ge­ben, tau­sen­de mis­sio­na­re ar­bei­ten in afri­ka um „das wort got­tes“ un­ter die leu­te zu brin­gen. der neue, un­fehl­ba­re „stell­ver­tre­ter got­tes“ möch­te das be­en­den. eine ra­di­ka­le kehrt­wen­de. der va­ti­kan ver­klagt tat­säch­lich leu­te die das ur­he­ber­recht des paps­tes ver­let­zen und sei­ne wor­te, und sei­en es auch nur 30 zei­len, un­be­rech­ti­ger­wei­se wei­ter­ver­brei­ten. steht hier. was für eine idio­tie. aber viel­leicht auch gut so.


nur scheis­se im kopf

felix schwenzel


stein­hö­fel schwä­chelt

felix schwenzel

frü­her stand er noch im saft, jetzt mar­kiert er die mi­mo­se, die für jede be­lei­di­gung die ju­ris­di­ka­ti­ve ju­di­ka­ti­ve um hil­fe an­bet­telt. frü­her war al­les, so­gar stein­hö­fel, bes­ser:

Daß vie­le in mir den ar­ro­gan­ten Wi­der­ling se­hen, stört mich über­haupt nicht. Wer mich und mei­ne Sen­dung ge­schmack­los fin­det, kann mir das vor ei­nem Mil­lio­nen­pu­bli­kum sa­gen. Ich freue mich auf jede Art der Kon­fron­ta­ti­on.

(joa­chim stein­hö­fel, 21.1.1994 in der „welt“ über sei­ne pö­bel­show „18.30“)

es wird das al­ter sein, das ihn so weich­ei­rig macht. ihm fehlt die kraft. selbst ab­mah­nun­gen ge­gen an­geb­li­che, ihn be­tref­fen­de be­lei­di­gun­gen kann er nicht mehr sel­ber schrei­ben.


rea­ders edi­ti­on: und nu?

felix schwenzel

da die netz­zei­tung in form von phil­ip graf dön­hof hier nach kon­struk­ti­ver kri­tik ge­fragt hat, drü­cke ich hier mal ein biss­chen senf zur rea­ders edi­ti­on der net­zei­tung ab. die hun­dert tage schon­frist sind ja auch ab­ge­lau­fen. ich fand das pro­jekt ja theo­re­tisch ganz span­nend. auch tech­nisch wur­de es pri­ma ge­löst mit ei­nem auf­ge­boh­ren word­press, das auch gar nicht mal so übel aus­sieht. die idee ist ganz char­mant, le­ser, „mil­lio­nen le­ser“ wie vor dem launch noch ge­tönt wur­de, eine platt­form zu bie­ten. nur die pra­xis ist ent­täu­schend. we­nig ar­ti­kel, we­ni­ges das die „mir-doch-egal-schwel­le“ über­tritt und zum teil frag­wür­di­ges und är­ger­li­ches.

es gab mal ei­nen ar­ti­kel, der hat­te was. ein in­ter­view mit gün­ter wall­raf. das in­ter­view war al­ler­dings zweit­ver­wer­tet aus ei­ner schü­ler­zei­tung. dann gabs ein­mal pr von fon für fon. kann man ma­chen, auch wennns we­der was mit jour­na­lis­mus, noch mit „bür­ger-jour­na­lis­mus“ zu tun hat. ar­ti­kel wie die­ser ja­gen mir dann aber doch schau­er über den rü­cken; schlam­pig pseu­do­pro­fes­sio­nell und ein­sei­tig ge­schrie­ben, in­for­ma­tio­nen die den te­nor des ar­ti­kels ra­di­kal ver­än­dern wür­den wer­den — ob­wohl be­kannt — ein­fach weg­ge­las­sen, mit links und ge­nau­en quel­len­an­ga­ben wird aus un­er­find­li­chen grün­den ge­geizt („ich habe mei­ne quel­len, die nenn ich aber nicht!“). news-schrott für den sich selbst kat­zen­blog­ger schä­men wür­den.

re­gio­nal will die rea­der edi­ti­on sein. auch da fehl­an­zei­ge. in je­dem haupt­stadt­blog oder den met­blogs gibts 100mal bes­se­re und 1000mal mehr ar­ti­kel. je­des x-be­lie­bi­ge blog bie­tet mehr re­gio­na­le in­hal­te als die RE. war­um soll in ei­ner zeit in der je­der nach drei klicks sein ei­ge­nes blog öff­nen kann je­mand für die net­zei­tung schrei­ben? was ist der an­reiz? das ist das eine pro­blem, das an­de­re: wie soll man für qua­li­tät sor­gen? die net­zei­tung meint mo­de­ra­ti­on wäre die lö­sung. un­ter­ir­di­sche text­qua­li­tät, recht­schreib­feh­ler, wer­bung und ju­ris­ti­sche trot­te­lei­en mag man weg­mo­die­ren kön­nen, aber wie kann man in­ter­es­san­tes, le­sens­wer­tes her­mo­de­rie­ren?

ich sehe zwei ver­säum­nis­se der net­zei­tung:

  • mas­se schaf­fen, eine brei­te user­ba­sis
  • an­rei­ze schaf­fen für die RE zu schrei­ben
  • the­men und hil­fe­stell­lung vor dem schrei­ben leis­ten und so zum schrei­ben ani­mie­ren

klar, die net­zei­tung hat kein geld um die RE rich­tig zu pu­schen oder pe­ku­niä­re an­rei­ze für die au­toren zu bie­ten. aber war­um steht da ein­fach nur: „schrei­ben sie!“ und nicht wor­über, nicht wie, nicht war­um?

war­um sam­meln die „er­fah­re­nen“ re­dak­teu­re nicht the­men über die die le­ser schrei­ben könn­ten, war­um po­si­tio­niert sich die RE nicht als ein la­den in dem man schrei­ben un­ter pro­fes­sio­nel­ler an­lei­tung ler­nen kann und sich aus­pro­bie­ren kann, war­um gibt es kein über­ge­ord­ne­tes the­ma mit dem sich die RE po­si­tio­niert und pro­fi­liert, so wie die rie­sen­ma­schi­ne (kei­ne be­find­lich­kei­ten, mög­lichst zu­kunfts­wei­sen­des oder welt­erklä­ren­des, kei­ne kla­gen über die bahn)?

war­um, zum bei­spiel, bie­tet die RE nicht eine art bör­se mit ideen, mit the­men oder the­sen, mit ter­mi­nen, ver­an­stal­tun­gen über die man schrei­ben kann? ich wäre nie­mals auf die idee ge­kom­men alle par­tei­ta­ge zu be­su­chen und darüp­ber zu blog­gen, wenn mich nicht nico lum­ma ge­fragt hät­te. und mir fällt es zu­ge­ge­be­ner­mas­sen schwer mich durch hun­der­te von pres­se­mel­dun­gen zu ackern um in­ter­es­san­te ter­mi­ne her­aus­zu­de­s­ti­lie­ren. war­um lässt die net­zei­tung das nicht von re­dak­tue­ren er­le­di­gen die eh den gan­zen tag nichts an­de­res ma­chen als the­men, mel­dun­gen und pres­se­mit­tei­lun­gen zu wich­ten, ein­zu­or­de­nen? eine term­nin­bör­se in der in­ter­es­san­te ge­richts­ter­mi­ne ste­hen, ver­an­stal­tun­gen, pres­se­kon­fe­ren­zen von de­nen man be­rich­ten könn­te und ne­ben den pro­fis auch gleich ein paar ama­teu­re hin­schi­cken könn­te? gleich­zei­tig könn­te man hil­fe bei evtl. nö­ti­gen ak­kre­di­tie­run­gen bie­ten. ge­ra­de bei wahl­kämp­fen habe ich fest­ge­stellt, dass es vie­le in­ter­es­san­te ter­mi­ne gibt über die man schrei­ben könnn­te, nur ver­strei­chen sie meist un­be­ach­tet und ich er­fah­re erst et­was von ih­nen (aus der zei­tung) wenn sie vor­bei sind.

im ernst. wenn man möch­te, dass ei­nem le­ser con­tent lie­fern, könn­te man ih­nen ja auch hil­fe­stel­lung, an­re­gun­gen, re­sour­cen ge­ben. den auf­wand be­trei­ben re­dak­tio­nen wie dei der net­zei­tung eh. nur — und das wird das pro­blem sein — dem pö­bel will man so ein her­schafts­wis­sen na­tür­lich nicht zur ver­fü­gung stel­len. der pö­bel re­agiert dann auch ent­spre­chend. mit mas­si­vem und aus­ge­präg­tem des­in­ter­es­se.

ach, viel­leicht noch eine idee. da der bes­te ar­ti­kel in der RE bis­her ein ar­ti­kel aus ei­ner schü­ler­zei­tung war, wie wärs denn mit ta­lent­su­che? ein­fach alle deut­schen schü­ler­zei­tun­gen nach ver­wert­ba­rem, wert­vol­lem ab­su­chen und zweit­ver­wer­ten? hört sich lahm an, könn­te mich aber even­tu­ell da­von ab­hal­ten die RE we­gen aku­ter lan­ge­wei­le aus mei­nem feed­rea­der zu wer­fen.


kal­ter kaf­fe, um­ge­rührt

felix schwenzel

viel in­ter­es­san­ter als ein ar­ti­kel sind manch­mal die re­ak­tio­nen dar­auf. mei­ne klei­ne, un­le­ser­li­che zu­sam­men­fas­sung des me­dia cof­fee am diens­tag im ham­burg hat un­ter an­de­rem zu ei­nem be­su­cher­an­sturm aus dem fi­sche­r­Ap­pelt-netz­werk ge­führt, al­lein ges­tern zähl­te der pphlog­ger mehr als 10 ein­zel­ne be­su­cher. da fir­men wie fi­sche­r­App­let alle hin­ter ei­nem rou­ter/pro­xy sit­zen, dürf­te die wah­re zahl noch et­was hö­her lie­gen. heu­te auch wie­der sechs zu­grif­fe, vie­le von ei­nem do­ku­ment aus dem fi­sche­r­Ap­pelt-in­tra­net. hier in der heim­statt der ge­pfleg­ten fä­ka­li­en hat sich herr cords von fi­scher app­let al­ler­dings noch nicht zu wort ge­mel­det. wohl aber bei spree­blick, bei der kon­ku­renz (die zu­grif­fe aus edel­mann-haupt­quar­tier sind ganz be­schei­den, ges­tern ge­ra­de mal zwei) und gleich mehr­fach bei ba­sic­thin­king (hier und hier). teil­wei­se ent­wi­ckel­ten sich dort in­ter­es­san­te dis­kus­sio­nen, er jus­tier­te mei­ne un­ge­nau­en zi­ta­te et­was nach, blieb aber kon­se­quent auf sei­ner li­nie: blogs sind bis auf ein her­aus­ra­gen­des pro­mil­le öde-po­pö­de. re­spekt an john­ny, ro­bert und wolf­gang wie sie cords sach­lich-freund­lich aber be­stimmt die hose run­ter­las­sen. mat­thi­as mül­ler von blu­men­cron scheint das al­les scheiss­egal zu sein. vom spie­gel-pro­xy kein ein­zi­ger zu­griff in den letz­ten ta­gen. re­spekt. da kann ei­ner igno­rie­ren. von blu­men­cron zu ler­nen heisst sie­gen ler­nen. klaus-pe­ter frahm zeigt sich ent­täuscht dass ich mich nicht in der ver­an­stal­tung zu wort ge­mel­det hät­te, bleibt aber auch kon­se­quent bei sei­ner „och-ja-nee“-hal­tung. news­ak­tu­ell hat plötz­lich auch ein er­höh­tes in­ter­es­se an fä­ka­li­en und be­schert mir stünd­li­che be­su­cher aus dem news­ak­tu­ell-haupt­quar­tier. phil­ip graf dön­hof ist sich nicht zu fein (ob­wohl ich ihm leicht ans bein ge­pisst habe) sich hier kurz zu wort zu mel­den. da­für be­kommt er spä­ter eine klei­ne por­ti­on „kon­struk­ti­ve“ kri­tik.


frei­heit­lich lob­by­is­ti­sche par­tei deutsch­lands

felix schwenzel

dass die fdp eine par­tei des hoh­len ge­sab­bels ist, soll­te je­dem klar sein der ein­mal gui­do wes­ter­wel­le live er­lebt hat. aber dass sie un­ge­prüft je­den scheiss glau­ben und durch­zu­set­zen ver­su­chen de­nen ih­nen ein an­zug­trä­ger (aka lob­by­ist) ins ohr flüs­tert, soll­ten auch die wis­sen, die wes­ter­wel­le noch nicht live er­lebt ha­ben. „bür­ger­rech­te“ wer­den in der fdp mal eben mit lobb­by­is­ten­sprech ver­wech­selt. über­ra­schend ist das wie ge­sagt nicht.


me­dia markt fin­det fä­ka­li­en scheis­se

felix schwenzel

der me­dia­markt ant­wor­tet auf re­nés email:

Noch ein­mal: Sach­li­che Kri­tik ist uns je­der­zeit will­kom­men. Fä­kal­aus­fäl­le je­doch, über die der Ver­fas­ser im Nach­hin­ein den Deck­man­tel der Mei­nungs­frei­heit zu brei­ten ver­sucht, ver­bit­ten wir uns.

dum­my os­ten

felix schwenzel

auch wenn die nike wer­bung schal­ten, wer­de ich mir die ak­tu­el­le dum­my wohl auch wie­der kau­fen, al­lei­ne we­gen die­sem­ar­ti­kel:

For Kim / Nord­ko­rea kommt im­mer so schlecht weg. Wir ha­ben die staat­li­che Pres­se­agen­tur mal ge­be­ten, uns das Land aus ih­rer Sicht zu zei­gen
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kal­ter me­di­en-kaf­fee zu web2.0

felix schwenzel

gestern abend lud newsaktuell zum media coffee ein, thema „web 2.0 — wie verändern sich medien und pr?“. geladene gäste auf dem podium waren lars-christian cords, fischerAppelt kommunikation, philip graf dönhof, netzeitung, klaus-peter frahm, newsaktuell, stefan keuchel, google, mathias müller von blumencron, spiegel online, moderiert von anette hillebrand, akademie für publizistik. eine lustige, gutgelaunte runde. obwohl so richtig gutgelaunt war nur der blumencron. der hatte ein dauergrinsen aufgesetzt und blickte ständig erwartungsfroh ins publikum.

die diskussion entwickelte sich zwar im laufe des abends in eine three-men-show von blumencron, keuchel und cords. blumencron wurde vom veranstalter auch gleich „publikumsmagnet“ befördert. frahm bekam im laufe der diskussion kaum die gefalteten hände vorm gesicht weg, dönhof langweilte sich offenbar etwas und konnte mit dem thema nicht allzuviel anfangen.

nach einer kurzen begriffserklärung angeblicher web2.0 begriffe wie rss, podcast, vodcast, chat, trackback, wiki, forum, die alle teilnehmer der runde reihum erklären sollten um bildungs-gleichstand im publikum zu erreichen ging die erste frage an blumencron: „was sind die gefahren von web2.0 für die klassischen, etablierten medien?“ blumencron blieb erstaunlich differenziert: „das alles ist keine bedrohung, das ist eine ergänzung.“ die klassischen medien hätten nach wie vor grosse bedeutung, die leserzahlen würden weiter steigen, es gäbe da keine wirkliche konkurenzsituation. allerdings komme deutschland in sachen blogs nicht richtig voran. in amerika wäre da eine viel grössere vielfalt und die amerikanischen blogs wären vielfach viel interessanter. sein lieblingsblog sei „paidcontent“, das sei richtig interessant, da würde er alles wichtige aus der medienszene erfahren. die würden auch geld mit werbung und veranstaltungen verdienen und das sei ja auch gut und richtig so. entweder man verdiene mit blogs geld oder sei, wie die amerikaner sagten, ein „trustfund baby“. von blogs habe er auch eine menge gelernt, nämlich vor allem einen offenen umgang mit fehlern. und da hätten die deutschen medien grossen nachholbedarf. deutsche zeitungen hätten (fast) alle keine korrekturspalte (räusper, wo ist die korrekturspalte von spon?). blogs würden diese funktion zum teil sehr gut erfüllen. „damit müssen wir umgehen lernen. blogs sind eine neue machtvolle stimme für jedermann.“ später wies blumencron noch auf eine besonderheit der deutschen online-landschaft hin. überall auf der welt wären die stärksten und relevantesten onlineangebote die von tageszeitungen, nirgendwo würden wie in deutschland die wochenmagazine den onlinemarkt beherrschen (spon, stern, zeit). wenn man bedenke, dass online die zukunft des journalismus liege und tagsüber die hauptinformationsquelle „online“ sei, würden die zeitungen gerade ihre eigene zukunft verpennen. das bereite ihm sorgen, sagte er grinsend.

keuchel haute berechtigterweise in die gleiche kerbe wie blumencron: in deutschland werde seiner meinung nach die zukunft der blogs verschlafen. wenn man bedenke, dass das „frosta-blog“ das erfolgreichtse corporate-blog in deutschland sei (lachen im saal), sehe man, dass man in deutschland ständig nur die gefahren von blogs sehen würde und nicht die chancen und potenziale die sich ergäben. cords meinte er wäre zwar gerne der berater gewesen der frosta empfohlen hätte zu bloggen, aber (qed!) er würde niemandem empfehlen ein corporate blog zu machen. die „risiken“ seien zu hoch, die deutsche unternehmenskultur sei noch nicht so weit, es herrsche auf allen seiten nicht genügend vertrauen und ausserdem könne eh niemand „die responses händeln“.

philip graf dönhof erzählte was web2.0-mässig so bei der netzeitung los sei. in etwa so euphorisierend und mitreissend wie die readers edition sich zur zeit darstellt, erzählte er auch davon. das sei halt so ne zeitung die von lesern erstellt werde, die moderatoren gestalteten kräftig mit und seien so eine art „betreute leser“, auch wenn unter den moderatoren teilweise „echte“ journalisten seien. man schule die moderatoren in workshops und eine redakteurin verantworte das ganze. was man denn da besonderes bekomme bei der readers edition, warf die moderatorin ein. „nun“, stammelte dönhof, vor allem eine stärkung der regionalen berichterstattung. ups. ich habe die RE seit dem start aboniert, aber regionales habe ich da noch nicht allzuviel gelesen. ich vermute ja eher, das projekt ist redaktionsintern bereits abgeschrieben, als gescheitert, langweilig und die erwartungen nicht erfüllend, im papierkorb gelandet. oder dönhof ist extrem untalentiert im verkaufen. vielleicht auch beides.

was denn das spannende an web2.0 wäre, fragte die moderatorin. blumencron meinte web2.0 sei voll retro. deshalb sei es auch so hip. das begeisterte die moderatorin: „das ist morgen die überschrift!“. blumencron meinte wenn man bedenke, dass das web bereits in der version 1.0 total „anarchisch“ gewesen sei, dass bereits damals jeder sagen konnte was er wolle habe sich eigentlich gar nicht so viel verändert. zum beispiel hätte vor 10 jahren die ganze „community“ laut geschrien als spiegel online ging und dann auch noch werbung machte (komisch, hab ich damals nicht mitbekommen, hört sich an wie ein urbane legende). trotzdem habe sich vieles verändert, vor allem technisch, alles sei schneller, einfacher, vernetzter, machtvoller geworden.

[morgen mehr darüber wie lars-christian cords sich in rage redete, stefan keuchel kein wort über google verlor und klaus-peter frahm und philip graf dönhof fast nichts sagten.]

die moderatorin fragte irgendwann das publikum, wer denn alles selber blogge. da ich gerade in dem moment dabei war was ins internet zu schreiben und eh nicht mehr blogge konnte ich nicht aufzeigen, aber auch nicht sehen wieviele blogger sich meldeten. ich glaube es waren vier oder fünf finger. lars-christian cords nahm den geringen anteil blogger im publikum als steilvorlage: „sie verpassen da aber auch nix.“ blogs seien immer noch „zu 99,9% egozentrischer, selbstreflektierter schrott auf dem niveau von teenager-tagebüchern.“ was man youtube, myspace und sonstwo finde sei alles so unterirdisch, „da möchte man sich gar nicht mit auseinandersetzen.“ [nachtrag: cords meint er habe folgendes gesagt: „ 99,99% des Inhalts im Web 2.0 ist das Ergebnis von egozentrischen Selbstreflektierern und hat das Niveau von Teenager-Tagebüchern.“] cords fing an sich in rage und ins herz des publikums zu reden. unterbrochen nun nur noch ab und an von mattias müller von blumencron und klaus-peter frahm, wobei blumencron versuchte cords aussagen zu relativieren („wir erhalten durchaus interessantes aus der leserschaft“, „die alten hierarchien lassen sich nicht aufrechterhalten“) und frahm das von cords gesagte nochmal für weniger sprachbegabte laien zusammenfasste: was er da gesagt hätte sei total 2004 und provokant. blogs seien mittlerweile erwachsen geworden. [nachtrag: ich habe das von herrn frahm gesagte stark vereinfacht. hier in den kommentaren steht es von ihm selbst nachjustiert etwas detailierter. tzz. im gedächnis bleiben immer nur die schreihälse.]

cords wurde jetzt munter und leitete seine nächste runde monolog mit einer rhetorischen frage an sich selbst ein: „mich interessiert meinungsbildung. wie kann ich meinung beeinflussen?“ er frage sich ob „wir“ es mit einer art schwarmintelligenz (der olle profi wusste das: beim wort schwarmintelligenz lachte sich das publikum halb schief) zu tun bekommen würden, mit so einer „voll demokratischen, irgendwie veredelten meinungsbildung“ oder ob sich wieder „contentpyramiden“ von meinungsführern bilden würden, denen dann alle wie im print in einer art herdentrieb folgen würden. ihn würde interessieren wie man dort die meinungen beeinflussen könne, ob man sich mit diesen schwärmen auseinandersetzen müsse oder eben doch nur ein paar meinungsführer. „wie kann ich die meinungen beeinflussen?“ fragte er die runde. mit anderen worten, er fragte wie er künftig seinen job erledigen solle.

stefan keuchel flüsterte ihm von der seite zu, er solle sich doch mal anschauen was mit der meinungsbildung bei der „du bist deutschland“-kampagne passiert sei. da hätte die meinungsbildung doch fast nur bei spreeblick stattgefunden. cords wurde jetzt ein bisschen emotional. das sei ja alles „ok“ gewesen, die motive der flickr gruppe seien teilweise besser gewesen als die original-motive. ABER DAS SEI ALLES DER JOHNNY HAEUSLER GEWESEN! DER HABE DAS ALLES GEMACHT! SOGAR DIE PHOTOSHOP TEMPLATES UM DIE KAMPAGNE ZU VERULKEN! ALLES JOHNNY HAEUSLER! wer denn dieser haeusler sei, fragte die moderatorin im namen des publikums. ACH DAS SEI DER BLOGGER SCHLECHTHIN DER DIESE GANZE CHOOSE MIT DEN WEBLOGS INS ROLLEN GEBRACHT HÄTTE, MIT SONER JAMBA-GESCHICHTE DIE DANN GANZ GROSS GEWORDEN SEI WEIL DER SPIEGEL SIE AUFGEGRIFFEN HÄTTE (darauf folgte ein vorwurfvoller blick in richtung blumencron). „DAS WAR ALLES DER HAEUSLER, DER REST IST ZU NEUNUNDNEUNZIG KOMMA NEUN PROZENT IRRELEVANT!“

nachdem cords den boden des podiums mit hunderten kleinen ausrufezeichen ausgelegt hatte, aber doch noch irgendwie die kurve zur unternehmenskommunikation hinbekommen hatte und plötzlich die these im raum stand es gehe immer öfter um einen kampf der etablierten mit etwas neuem, unberechenbaren, widersprach blumencron; johnny haeusler sei mittlerweile durchaus etabliert, sogar selbst verleger: „der ist journalist wie damals der kress“, der sich irgendwo hingesetzt habe und sein ding durchgezogen habe. neu sei, dass heutzutage jeder einen unternehmensskandal auslösen könne. und da sei eben interessant: „wie gehe ich mit meinen fehlern um?“ an der meinungsbildung seien nun einfach sehr viel mehr menschen beteiligt.

ans publikum gewandt sagte blumencron: „wenn sie alle bloggen würden, dann werden wir uns das ganz genau angucken. und wenn da was lustiges dabei ist oder was peinliches, dann machen wir eine geschichte daraus.“ obwohl blumencron bereits seit gut andertalb stunden ununterbrochen grinste, legte er an dieser stelle nochmal etwas zu. keine ahnung ob das eine ankündigung war, dass spiegel-online das niveau künftig noch ein bisschen senken möchte oder ob das eine drohung oder warnung an die hamburger geschäftswelt war die finger vom bloggen zu lassen.

cords wollte dann auch nochmal was sagen. er fände doof dass das thema web2.0 immer auf „diese blogs“ reduziert werde. viel relevanter seien doch themen wie „breitband“ und das nun dank einer vielzahl an technischen innovationen video und audio viel einfacher viral unter die leute zu bringen sei. man könne die leute ja per video viel besser emotional packen, es täten sich viele spannende potenziale die unternehmenskommunikation auf. die sache mit dem „lonelygirl15“ fände er spannend obwohl das ja wohl ein „kulturelles projekt“ gewesen sei. aber das hätte gezeigt, wie die „etablierten“ es den bloggern, den usern mal in sachen „cultural hacking“ zurückzahlen könnten. blumencron widersprach und wies darauf hin, dass die macher von „lonelygirl15“ keinesfalls etablierte gewesen seien, im gegenteil. „hätten aber sein können!“ rief cords. was sich durchsetzen würde, hier wie da, auf youtube, in blogs, bei den „etablierten“ sei qualität. wenn etwas gut und authentisch sei, dann kämen die leute auch.

am ende musste ich mir eingestehen, derjenige in der runde der am besten verstanden wie das mit diesem internetdings und diesem angeblichen webzwonulldings läuft war mathias müller von blumencron. lars-christian cords steht wie der ochs vorm webwzonullberge und versteht die welt nicht mehr. er kann seinen job nicht mehr ordentlich machen weil er nach 5-9 jahren blogdings immer noch nicht rausbekommen hat wie man dieses ding beeinflussen kann. alles was ihm einfällt ist: „audio und video, da packen wir sie viral und emotional. die mehrheit möchte eh passiv konsumieren.“ stefan keuchel ist viel sympathischer als seine affige frisur vermuten lässt. und er kennt blogger persönlich und glaubt daran, dass blogger meinungen beeinflussen können. huh. wie philip graf dönhof aussieht habe ich genauso vergessen wie das was er gesagt hat. als ich eben nochmal meine notizen durchgegangen bin habe ich den eindruck gewonnen er habe gar nix gesagt. hat er aber. glaube ich. genauso wie der klaus-peter frahm. nur was? steht sicher bald im mediacoffee blog. oder in den kommentaren. oder sonstwo.

[nachtrag]
ausserdem zum thema:

weiterlesen

zi­ta­te am abend

felix schwenzel

„web 2.0 ist voll re­tro.“
mat­ti­as mül­ler von blu­men­cron, spon.

„blogs und das was man da so sieht ist ist im­mer noch zu 99,9% ego­zen­tri­scher, selbst­re­flek­tier­ter schrott auf dem ni­veau von teen­ager ta­ge­bü­chern. […] was sie bei you­tube, my­space und über­all fin­den, das ist al­les so un­ter­ir­disch, da möch­te man sich gar nicht mit aus­ein­an­der­set­zen.“
lars-chris­ti­an cords, fi­sche­r­Ap­pelt kom­mu­ni­ka­ti­on

ge­sagt so­eben auf dem me­dia cof­fee von news­ak­tu­ell in ham­burg.

[nach­trag]
zum me­dia cof­fee gibts jetzt auch wie der chef von news­ak­tu­ell sag­te, „ei­nen blog“.

[nach­trag]
lars-chris­ti­an cords:

Tat­säch­lich habe ich ge­sagt: „99,99% des In­halts im Web 2.0 ist das Er­geb­nis von ego­zen­tri­schen Selbst­re­flek­tie­rern und hat das Ni­veau von Teen­ager-Ta­ge­bü­chern.“

ix bin wohl ein arsch­loch

felix schwenzel

bes­ter kom­men­tar seit lan­gem und über­haupt von ver­tan auf spree­blick:

Der Anus ist ein sehr sen­si­bles Or­gan. Der Ring­mus­kel im Af­ter ist ver­gleich­bar mit dem des Mun­des (Lip­pen). Der Hin­ter­aus­gang ist wahr­schein­lich mit mehr Ner­ven­endun­gen ver­se­hen als der Ein­gang. - Arsch­lö­cher sind ein­fach sehr sen­si­bel.

aus­ufern­de pri­va­te ver­viel­fäl­ti­gung

felix schwenzel

ich kanns ja ei­gent­lich nicht mehr hö­ren. das ewi­ge ge­jam­mer der pho­no­ver­bän­de:

Doch die CD-Ver­käu­fe ha­ben sich bei rund 54,6 Mil­lio­nen Al­ben sta­bi­li­siert. „Das sind gute Zei­chen“, meint Mi­cha­el Haent­jes von den Deut­schen Pho­no­ver­bän­den. Den­noch fal­le die Markt­ent­wick­lung schwä­cher aus als er­hofft. Schuld sei­en „die un­ge­lös­ten Pro­ble­me durch aus­ufern­de pri­va­te Ver­viel­fäl­ti­gung“.

es sind im­mer die an­de­ren. glück­li­cher­wei­se gibt es leu­te die ver­stan­den ha­ben, das drm mu­sik nicht schützt, dass die kri­mi­na­li­sie­rung der ziel­grup­pe nicht hilft und dass die ewig­gest­ri­gen pen­ner be­reits ver­lo­ren ha­ben. es gibt al­ter­na­ti­ven. ver­trau­en und fans ge­winnt man nicht vor ge­richt.


amts­vor­mund­schaft

felix schwenzel

ein dol­les wort, „amts­vor­mund­schaft“. was es be­deu­tet, wenn meh­re­re äm­ter, ge­rich­te, fa­mi­li­en, bür­ger­meis­ter und land­rä­te um ein kind rin­gen kann man beim le­sen die­ses ar­ti­kels im bon­ner ge­ne­ral an­zei­ger er­ah­nen. kaf­kaes­que ist da gar kein aus­druck:

Der Trois­dor­fer Ju­gend­amts­lei­ter Her­bert Pau­li hat am Mon­tag alle 16 be­tei­lig­ten Par­tei­en für Diens­tag­nach­mit­tag zu ei­nem Ge­spräch ein­ge­la­den. Im Wege der Me­dia­ti­on sol­len nach sei­ner Vor­stel­lung ins­be­son­de­re die frü­he­ren Pfle­ge­el­tern und die jet­zi­gen Ad­op­tiv­pfle­ge­el­tern zu ei­nem ge­mein­sa­men Be­schluss kom­men.

16 „par­tei­en“ zer­ren und zan­ken sich um ein baby? wenn das mal gut geht.

[via an­ony­mer email von ei­ner mit­tel­bar be­tei­lig­ten. mehr dazu auch hier.]

[gibts so­was ei­gent­lich noch?]


die bei­fah­re­rin

felix schwenzel

sie hat mich an­ge­bag­gert. von an­fang an. zu­erst nur vir­tu­ell, mit an­deu­tun­gen und ver­steck­ten bot­schaf­ten. ich habe für sol­cher­lei bauch­pin­se­lei­en und an­deu­tun­gen al­ler­dings nur ein ein­ge­schränk­tes sen­so­ri­um. flirt­ver­su­che zie­hen un­be­ach­tet an mir vor­bei. ich be­mer­ke sie nichtg. ei­nes ta­ges kam sie ge­schäft­lich in die stadt. ein mir be­kann­ter und mit al­len was­sern ge­wa­sche­ner frau­en­held organ­sier­te ein tref­fen, si­cher­lich auch weil sie einst sei­nen bauch sorg­fäl­tig ge­pin­selt hat­te. flirt­pro­fis wie er könn­nen so­was so­gar zwi­schen den zei­len le­sen. ich noch nicht mal mit aus­ru­fe­zei­chen. die­ses ers­te tref­fen zo­gen der frau­en­held und ich un­be­wusst auf wie ein cas­ting. wir hat­ten al­ler­lei be­kann­te ein­ge­la­den, wa­ren aber als ein­zi­ge pünkt­lich. als sie die knei­pe be­trat, sas­sen wir ne­ben­ein­an­der, un­ter­hiel­ten uns über ir­gend­ei­nen blö­den tech­nik­kram und ba­ten sie uns ge­gen­über platz zu neh­men. an die­sem abend sah ich ihr strah­len zum ers­ten mal. ein wär­men­des, über das gan­ze ge­sicht ver­teil­tes strah­len. nicht nur ein lä­cheln. ein strah­len. schon ein lä­cheln kann ei­nen wär­men. aber ihr strah­len war be­son­ders warm. ich fing an zu schwit­zen. wohl auch weil ich ihr in­ter­es­se an mir nicht mehr ver­drän­gen oder als fehl­wahr­neh­mung ver­drän­gen konn­te. nicht dass ich aus­ser­ge­wöhn­lich kon­takt­ge­stört wäre, aber der ge­dan­ke an kör­per­li­che nähe, an in­ti­mi­tä­ten mit frem­den löst in mir un­be­ha­gen aus. sie blieb am ball. kei­ne 10 mi­nu­ten nach ih­rem ein­tref­fen fand sie es an der zeit ge­mein­sa­me fo­tos zu er­stel­len. sie ver­liess den ihr zu­ge­wi­sen­en platz, also die si­che­re di­stanz und kamn zu mir rü­ber. der frau­en­held soll­te uns fo­to­gra­fie­ren. nicht nur we­gen ih­res strah­lens, auch we­gen ih­res ein­drin­gens in mei­ne in­tim­sphä­re (sie leg­te den arm um mich, woll­te ge­sicht an ge­sicht po­sie­ren), lief ich zu­sätz­lich zum schwit­zen auch noch pu­ter­rot an.

mir ging das al­les zu schnell. um ver­trau­en zu je­man­dem zu schöp­fen brau­che ich nor­ma­ler­wei­se zeit. ein bis zwei jah­re, oder so. mein flucht­re­flex sieg­te, nach drei he­fe­wei­zen konn­te ich ohne zu lü­gen sa­gen ich sei hun­de­mü­de, to­tal ka­putt und müs­se am nächs­ten tag früh raus.

am fol­gen­den tag hat­te sie eine aus­stel­lungs­er­öff­nung. alle an­we­sen­den hat­ten zu­ge­sagt auch zu kom­men. ich war dann auf der ver­nis­sa­ge der ein­zi­ge der kam. als sie mich sah, kam sie strah­lend auf mich zu und be­grüss­te mich. wie­der lief ich pu­ter­rot (even­tu­ell so­gar krebs­rot) an. im lau­fe des abends be­trank und ent­spann­te ich mich al­ler­dings merk­lich. sie führ­te mich her­um, strahl­te, es ka­men noch ein paar ge­mein­sa­me be­kann­te vor­bei und beim ab­sa­cken bei al­ko­hol im pra­ter hiel­ten ich so­gar mal kurz ihre hand in mei­ner. ich muss­te am nächs­ten mor­gen wie­der früh raus und ging wie­der als ers­ter. wei­ter als sie zu ei­ner ver­an­stal­tung ei­ni­ge wo­chen spä­ter in ber­lin ein­zu­la­den woll­te und konn­te ich an die­sem abend al­ler­dings nicht ge­hen. ich ging nach­hau­se. al­lei­ne.

ei­ni­ge wo­chen spä­ter dann die ver­an­stal­tung zu der ich sie ein­ge­la­den hat­te. sie war tat­säch­lich da. ich ver­dräng­te er­folg­reich die tat­sa­che, dass sie al­lein we­gen mir ge­kom­men war und ver­such­te mei­ne ver­pflich­tung mich um sie zu küm­mern zu igno­rie­ren. ich trieb sie in den wahn­sinn be­vor ich mich nach stun­den dazu durch­rin­gen konn­te mich zu ihr zu set­zen und mit ihr mit be­leg­ter stim­me zu plau­dern. sie strahl­te. sie strahl­te so sehr, dass mich frem­de men­schen zur sei­te nah­men um mich dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se frau of­fen­kun­dig in­ter­es­se an mir habe. ich er­wisch­te mich selbst da­bei, auch in­ter­es­se zu ent­wi­ckeln. aber der wich­ser, der so­zio­path in mir wehr­te sich noch. ich wei­ger­te mich, trotz enor­men drucks („peer pres­su­re“), sie in mei­ne un­auf­ge­räum­te, ko­misch rie­chen­de jung­ge­sel­len­woh­nung mit­zu­neh­men. wir kann­ten uns ja ge­ra­de erst 2 mo­na­te.

jede noram­le frau hät­te spä­tes­ten an die­sem punkt auf­ge­ge­ben und die ge­schich­te als ge­schei­ter­tes ex­pe­ri­ment ad acta ge­legt. sie nicht. sie liess sich strah­lend mit dem ver­spre­chen ab­wim­meln, dass ich sie dem­nächst in ih­rer hei­mat­stadt zu ei­ner aus­stel­lungs­er­öff­nung be­su­chen wür­de.

und tat­säch­lich, nach ei­nem hal­ben jahr wer­ben, 2 mo­na­te nach un­se­rem ers­ten tref­fen mach­te ich mich lo­cker und liess sie an mich ran, öff­ne­te mich und nahm sie als mei­ne bei­fah­re­rin.

war­um ich das al­les so de­tail­iert auf­schrei­be? weil mei­ne bei­fah­re­rin eine ex­trem an­ge­neh­me bei­fah­re­rin ist und ich schon lan­ge mal wie­der was po­si­ti­ves schrei­ben woll­te und be­merkt habe, dass man fürs glück ei­gent­lich nur ei­nes tun muss: am ball blei­ben und der in­ne­ren stim­me fol­gen. aus­ser­dem ist bald weih­nach­ten und dann fah­ren wir be­reits ein jahr zu­sam­men.


sen­sa­ti­on

felix schwenzel

jür­gen klins­mann kann le­sen.


nacht­stu­dio

felix schwenzel

der pan­zer hat heu­te abend den pres­spre­cher von goog­le, kath­rin pas­sig und ein paar an­de­re zu gast um über goog­le zu plau­dern. heu­te im 2df, 00:50 laut 2df, 00:35 laut tv­brow­ser.


sir stein­gart

felix schwenzel

vom “sturm­ge­schütz der de­mo­kra­tie” zur spritz­pis­to­le der an­ge­la mer­kel. rené (und die taz) über ei­nen „lack­af­fen“ na­mens ga­bor stein­gart.

[nach­trag 19.09.2006]
mal­te fasst den kal­ten blick des ga­bor stein­gart zu­sam­men und hat ein supa sym­bol­bild.


„das par­fum“ stinkt

felix schwenzel

ich glau­be anke grö­ner hat in al­lem was sie über „das par­fum“ schreibt recht. ich glau­be es des­halb, weil ich ihre kri­ti­ken ers­ten nie be­vor ich den film ge­se­hen habe lese und zwei­tens weil ich mich erst­mal mit mei­nen ei­ge­nen wor­ten aus­kot­zen will, be­vor ich ihre kri­tik lese. drit­tens habe ich vor dem film den ers­ten ab­satz ih­rer kri­tik ge­le­sen. dort steht, dass anke grö­ner fin­det, dass „das par­fum“ von tom tykwer stin­ke.

ich sage, stin­ken ist gar kein aus­druck. ich habe schon lan­ge nicht mehr so ei­nen film vol­ler mie­ser schau­spie­le­rei und mie­ser re­gie ge­se­hen und mich so ge­lang­weilt. schon die ers­te ein­stel­lung in der man gre­nouilles nase in ei­nem licht­ke­gel sieht (und sonst nichts) legt den grund­stein für die sül­ze die in den nächs­ten 140 mi­nu­ten (ge­fühl­te 4 stun­den) zu be­trach­ten ist: über­in­sze­nier­ter, ama­teur­haf­ter stuss. wie aus ei­ner teen­ager phan­ta­sie ent­sprun­gen kommt die­se ers­te ein­stel­lung da­her­ge­stol­pert. nase? ge­ruch? wie in­sze­nie­re ich das? mit licht! ein­fach nur die nase be­leuch­ten! die lo­gik da­hin­ter: „mach mal licht, ich riech was“. eben­so muss das cas­ting für gre­nouilles lehr­meis­ter, den par­fü­meur bal­di­ni ge­lau­fen sein: „wel­cher amer­ka­ni­sche schau­spie­ler hat die gröss­te nase?“ lo­gisch, weil die nase ja ein riech­kol­ben ist: dus­tin hoff­man.

dann das licht und die mas­ke: der gan­ze schmutz den der film ger­ne dar­stel­len möch­te wirkt auf­ge­malt, auf­ge­schminkt und über­be­leuch­tet wie in ei­nem c&a wer­be­spot. aus­ser­dem be­steht der film zu ge­fühl­ten 80 pro­zent aus ex­trem zä­hen zeit­lu­pen, un­ter­legt mit noch zä­he­rer eso­te­rik-mu­sik aus dem ve­ga­ner-zu­be­hör-la­den. die ein­zi­gen schau­spie­ler bei de­nen nicht die mühe beim spie­len sand in die dra­ma­tur­gie streu­te wa­ren dus­tin hoff­man und alan rick­man. noch schlim­mer die sta­tis­ten, die man stän­dig in gros­ser zahl, mi­se­ra­bel ge­schminkt und teil­wei­se nackt sieht. sie be­weg­ten sich wie im eu­ryth­mie an­fän­ger­kurs in der an­tro­po­so­phen grund­aus­bil­dung: teil­wei­se pein­lich be­rührt, leicht ver­krampft udn kom­plett ah­nungs­los was sie da ei­gent­lich tun.

es war ein­fach ein qual und so­gar im eng­li­schen ori­gi­nal teil­wei­se ganz übel syn­kro­ni­siert. die­ser film ist so flop, dass sich bernd ei­chin­ger si­cher bald frei­wil­lig bei den gol­de­nen hir­schen be­wirbt, um in ei­nem neu­en „raub­ko­pie­rer sind ver­bre­cher“-wer­be­spot als chef­an­klä­ger auf­zu­tre­ten. denn so stolz wie der auf die­sen schund ist, kön­nen nur noch raub­ko­pie­rer sei­ne ehre ret­ten.

und jetzt les ix anke grö­ner.