le­sen

felix schwenzel in notiert

vol­ker we­ber:

What an in­te­res­t­ing ar­tic­le to read, if you still can

der von vol­ker ver­link­te ar­ti­kel von ty­ler jagt hat den ti­tel: „My Stu­dents Can’t Read“ und geht dar­um, dass jede ge­ne­ra­ti­on von lehr­kräf­ten dar­über kla­gen wür­de, das ihre stu­die­ren­den nicht le­sen könn­ten. ty­ler jagt meint das sei im­mer über­trie­ben ge­we­sen, aber jetzt kön­ne man das auch mit da­ten be­le­gen.

was ich wit­zig fand: über dem ar­ti­kel ist ein play­er ein­ge­bet­tet, der da­für sor­gen soll, dass man den ar­ti­kel nicht le­sen muss, son­dern ihn sich vor­le­sen las­sen kann.

screenshot https://archive.li/WvW1F

das ist schon sehr, sehr wit­zig.

der play­er lädt über ar­chi­ve.li nicht, aber wenn man auf die ori­gi­nal­sei­te des ar­ti­kels auf chro­nic­le.com geht, kann man den ar­ti­kel we­der le­sen, noch an­hö­ren, son­dern muss sich erst­mal an­mel­den. nach der an­mel­dung konn­te ich den ar­ti­kel im­mer noch nicht le­sen, weil chro­nic­le.com woll­te, dass ich mein pi.hole de­ak­ti­vier.

das ist ein un­trüg­li­ches zei­chen für ei­nen wei­te­ren grund, dass an­geb­lich nie­mand mehr liest: weil ei­nem das le­sen zu­neh­mend schwer ge­macht wird.

es sind nicht nur die te­le­fo­ne, al­go­rith­mi­schen feeds oder LLMs, son­dern auch die un­fä­hig­keit und der un­wil­le tex­te über­haupt ab­len­k­lungs­frei zum le­sen an­zu­bie­ten.

ich muss beim la­men­tie­ren dar­über, dass nie­mand mehr le­sen kann, auch im­mer an neil post­man den­ken. der hat das ende der le­se­kul­tur schon al­les vor 40 jah­ren pos­tu­liert (SN­CNR). ein paar hun­dert jah­re vor­her wur­de das le­sen noch als schäd­lich ein­ge­stuft, zu­min­dest dann, wenn alte weis­se män­ner den le­se­text nicht für hoch­wer­tig ge­nug hiel­ten. jetzt wirds le­sen und den­ken zum „lu­xus­gut“:

In July 2025, the jour­na­list Mary Har­ring­ton argued in The New York Times that “thin­king is be­co­ming a lu­xu­ry good.”

die bild zei­tung ist jetzt über 70 jah­re alt. zu­min­dest in den 60er und 70er jah­ren hat­te die bild ein viel­fa­ches, teils ein fünf bis 20 fa­ches der auf­la­ge von zei­tun­gen und zeit­schrif­ten mit et­was län­ge­ren tex­ten und nor­mal gros­sen buch­sta­ben. ich glau­be zu be­haup­ten, dass le­sen auf eine ge­wis­se art im­mer schon ein lu­xus­gut war ist nicht über­trie­ben.

dazu kommt, dass le­sen mei­ner mei­nung nach so­wohl über­schätzt, als auch in­ter­schätzt wird. mit der fä­hig­keit zu le­sen konn­te man sich im­mer schon gros­se vor­tei­le ver­schaf­fen. oder gute un­ter­hal­tung. mitt­ler­wei­le (ei­gent­lich aber auch schon im­mer) kann man auch ohne zu le­sen vor­tei­le und wis­sen und un­ter­hal­tung so­wie­so ver­schaf­fen.

ich habe dem le­sen viel zu ver­dan­ken, aber ge­lernt habe ich ne­ben dem le­sen schon im­mer auch vi­su­ell, ver­bal oder hap­tisch. die fä­hig­keit zu den­ken oder sich aus­zu­ken­nen al­lein an le­se­be­fä­hig fest­zu­ma­chen ist auf je­den fall et­was kurz ge­grif­fen. das mag in aka­de­mi­schen oder wis­sen­schaft­li­chen be­rei­chen an­ders sein und was ty­ler jagt und di­ver­se stu­di­en be­ob­ach­ten wird im je­wei­li­gen kon­text si­cher al­les stim­men, aber vor ge­ne­ra­li­sie­run­gen soll­te man sich im­mer hü­ten (pun in­ten­ted).

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