durch die nacht fah­ren

felix schwenzel in notiert

ich habe 40 mi­nu­ten die­ses acht­stün­di­gen vi­de­os ge­se­hen und ge­hört, das vol­ker we­ber bei sich ein­ge­bet­tet hat. nach zwei mi­nu­ten habe ich aus un­er­klär­li­chen grün­den da­mit ge­rech­net, dass sich der bal­kon, auf dem le­wis ha­mil­ton sitzt, als der bal­kon ei­nes kreuz­fahrt­schiffs her­aus­stellt und lang­sam aus dem ha­fen von mo­na­co her­aus­glei­tet.

ich sit­ze sehr ger­ne auf bal­ko­nen, aber noch lie­ber hin­ter ge­öff­ne­ten bal­kon­tü­ren. hin­ter bal­kon­tü­ren kommt mir die mö­blie­rung meis­tens mehr ent­ge­gen als auf dem bal­kon. ich sit­ze ger­ne am schreib­tisch, auf ei­nem sofa oder lie­ge ger­ne im bett. auf dem bal­kon selbst ist das meis­tens nicht mög­lich. der stuhl auf dem le­wis ha­mil­ton im vi­deo sitzt, sieht auch nicht be­son­ders ge­müt­lich aus. ich ver­mu­te hin­ter der bal­kon­tü­re könn­te er ge­müt­li­cher sit­zen.

im win­ter seh­ne ich die zeit her­bei, in der ich zu­hau­se die bal­kon­tür wie­der öff­nen kann. ich mag es, wenn vor dem bal­kon die welt vor­bei­zieht. die ge­räu­sche die von draus­sen nach in­nen drin­gen sind nicht im­mer an­ge­nehm oder ent­span­nend, aber das sind sie in ca­fés auch nicht im­mer — und trotz­dem fin­den fast alle men­schen café-ge­räusch­ku­lis­sen an­ge­nehm. so wie fast alle men­schen kaf­fee­haus-ge­räusch­ku­lis­sen an­ge­nehm fin­den, fin­de ich stras­sen­lärm an­ge­nehm. viel­leicht auch, weil die­se ge­räusch­ku­lis­se den kon­trast zur re­la­ti­ven ruhe der nacht deut­lich macht. ruhe ist ja im­mer re­la­tiv. oder an­ders ge­sagt ab­so­lu­te ruhe ist un­an­ge­nehm. ruhe bei der es plät­schert, zwit­schert, glo­cken klin­gen oder men­schen lei­se re­den ist die bes­te.

nachts ge­müt­lich, bei (re­la­ti­ver) ruhe hin­ter ei­ner ge­öff­ne­ten bal­kon­tür zu sit­zen ist toll, aber noch bes­ser ist es, wenn der bal­kon lei­se durch was­ser glei­tet. ge­nau das ist die ein­drück­lichs­te er­in­ne­rung die ich an mei­ne letz­te, ers­te und ein­zi­ge kreuz­fahrt habe. da sass ich nachts, bei (re­la­tiv) ab­so­lu­ter rühe hin­ter der ge­öff­ne­ten bal­kon­tür mei­ner ka­bi­ne, draus­sen plät­scher­te das was­ser lei­se und am ho­ri­zont sah ich lich­ter von sied­lun­gen an land vor­bei­zie­hen. das war toll und ich den­ke da oft dran.

mit dem zug durch die nacht zu fah­ren ist auch toll. aber züge sind zu schnell, als das man län­ger als fünf mi­nu­ten ge­müt­lich hin­ter ei­nem ge­öff­ne­ten zug­fens­ter sit­zen könn­te.

blick auf die nächtliche ostsee von einem schiff aus, am horizont sieht man lichter, der himmel ist leicht erleuchtet
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