links und likes vom 05.03.2026
felix schwenzel in links
wenn ich böse wäre, würde ich schreiben: thomas knüwer arbeitet jetzt für die republica und braucht offenbar geld. bin ich aber nicht mehr (böse), nur noch doof. tatsächlich finde ich das was thomas knüwer hier macht ein interessantes experiment: er fährt nach texas zur sxsw und statt nur drüber zu bloggen, schreibt er einen täglichen newsletter für den er auf steady um etwas finanzielle unterstützung bittet.
steady hat sich zu einem kleinen moloch entwickelt. über steady kann man die titanic, das plötzblog, übermedien, rivva und 2.833 andere projekte oder „Medienmacher:innen“ unterstützen. meinen newsletter hätte ich dort auch eingerichtet, unterstütze steady rss-zu-newsletter-konvertierung. stattdessen habe ich mir dort auch eine „unterstützerseite“ eingerichtet, auf der man sich ein gutes (3 €/monat), sehr gutes (5 €/monat) oder super gutes gefühl (10 €/monat) kaufen kann. das dort eingenomme geld würde ich dann auch wiederum dafür verwenden mir ein gutes gefühl zu kaufen — obwohl ich bezweifle dass das versprechen von guten gefühlen viele interessenten findet.
thomas knüwers newsletterangebot hingegen scheint interesse zu wecken. nach einem tag bereits 40 zahlende mitglieder. ich finde die transparenz die steady bietet (wenn der oder die medienmachende das will) sehr lobenswert und bin gespannt wie das experiement ausgeht, auch wenn ich kein grosser fan von bezahlschranken bin und auch für schrankenlose angebote zahlen würde.
ich habe zuerst nur die zitate gelesen, die volker weber aus barbara geyers text extrahiert hat und eine replik im kopf formuliert. dann fiel mir auf, dass das äusserst denkfaul ist und las barbara geyers text. der text gefiel mir, aber meine replik bleibt die gleiche. einer der hauptgedanken in barbara geyers text ist dieser:
Ich nenne dieses Phänomen die KI-Fachkompetenzschwelle. Eine Grenze des Vorwissens, unterhalb derer KI-Nutzung nicht nur wirkungslos wird, sondern kontraproduktiv.
kritisches denken allein reiche nicht, man müsse schon substanzielles wissen mitbringen, um KI produktiv, nutzbringend zu nutzen — sagt barbara geyer. ich würde darauf antworten, dass das auch alles eine haltungsfrage ist. für mich ist der weg zu wissen neugier, also eine haltung (so wie kritisches denken auch eine haltung ist). neugier führt dazu, dass ich mich mit einfachen antworten, egal woher die kommen, nicht zufrieden gebe, sondern verstehen möchte und im besten fall etwas so tief verstehen möchte, dass ich es selbst machen oder anderen erklären kann.
wer neugierig ist gibt sich nicht mit wohlklingenden antworten eines lehrers, professors, eltern, buchs, videos oder einer KI zufrieden. neugier inspiriert zum tiefer, weiter fragen. dummerweise kann man neugier nicht (wirklich) lehren (oft im gegenteil), neugier kann man aber wecken, entfachen.
witzigerweise habe ich gerade heute beim morgenspaziergang an meinen kunstlehrer in der siebten oder achten klasse zurückgedacht. herr schiefer hiess er und alles was er uns an aufgaben antrug, entfachte neugier und aha-erlebnisse in mir. wir haben graustufenbilder aus punkten gemalt, benutzbare stühle aus pappe gebaut, dioramen im schuhakarton mit gucklöchern gebastelt.
bei herrn schiefer habe ich kein kritisches denken beigebracht bekommen, aber er hat neugier in mir geweckt, die dann auf dem weg auch kritisches denken ausbildete und dann langfristig zu einer anhäufung grösstenteils unnützen wissens in mir geführt hat.
was ich sagen will: wenn man KI nur zur generierung von antworten nutzt, wird ki schnell kontraproduktiv. wenn man KI zur generierung weiterer fragen nutzt kann man mit KI unterstützung sehr viel lernen.
ja, man könnte sein blog auch zuhause hosten. wojtek powiertowski zeigt wie er es macht. ich finde das wahnsinnig interessant, aber bin froh dass es auch anders geht.
Attention taken to its highest degree, is the same thing as prayer.
— Simone Weil
heiko ist auf dem richtigen weg: man muss seinem RSS sehr viel aufmerksamkeit und liebe schenken um damit die aufmerksamkeit der RSS lesenden (ein bisschen) zu belohnen. denn RSS leser und leserinnen sind die besten und treuesten begleiter aller die ins internet schreiben.