mor­gen­spa­zier­gang 18.10.2026

felix schwenzel in bilder

mir kommt es vor als läge ber­lin am po­lar­kreis. mor­gens wird es nicht mehr rich­tig hell. heu­te zu­min­dest. ob­wohl wir ex­tra spät los­gin­gen, wars wirk­lich düs­ter.

café an der brüsseler strasse im wedding. das café ist geschlossen, aber die pinke aussenbeluchtung leuchtet gegen das trübe morgenlicht an.

wir sind vom wed­ding zum prenz­lau­er berg ge­lau­fen. rich­tung prenz­lau­er berg wur­de es zwar nicht hel­ler, aber je nä­her wir dem prenz­lau­er berg ka­men, des­to hö­her wur­de die an­zahl ein­la­den­der ca­fés. oder wie ich mo­men­tan sa­gen wür­de: die dich­te der ein­la­den­den koh­len­hy­dra­te-, zu­cker- und kof­fe­in-dea­ler ver­hält sich of­fen­bar um­ge­kehrt pro­por­tio­nal zur ent­fer­nung vom prenz­lau­er berg.

es ist wirk­lich er­staun­lich wie emo­tio­nal ich auf kaf­fee­haus-ge­schirr­ge­klim­per und stim­men-wirr­war re­agie­re. oder kaf­fee­duft und ge­dimm­tes, gelb­sti­chi­ges licht die aus sol­chen lä­den strö­men. nur die aus­la­gen in den the­ken und den re­ga­len rei­zen mich nicht mehr. das ist er­staun­lich, denn frü­her wäre ich für eine gute cin­na­mon roll oder ein nata oder crois­sant mei­len­weit ge­gan­gen. jetzt hab ich mor­gens bock auf def­tig. wäh­rend des spa­zier­gangs me­di­tier­te ich dar­über wie ich mir den rest­li­chen kraut­sa­lat von ges­tern abend heu­te früh ver­län­gern wür­de. mit frisch blan­chi­er­ten boh­nen und zwei stan­gen su­ri­mi, et­was sah­ne und so­ja­sauce hat mir das dann spä­er zu­hau­se mehr freu­de be­rei­tet als eine süss­spei­se.

an­sons­ten war der spa­zier­gang ein deut­li­cher hin­weis der welt dar­auf, dass jetzt die trü­be jah­res­zeit be­gon­nen hat und die stadt noch et­was trüb­se­li­ger wirkt als sonst.

eingang vom schwimmbad am humboldhain. man sieht durch das geschlossene tor die wasserrutsche, die stimmung ist sehr herbstlich und trübe.

wenn man die au­gen zu­sam­men­kneift, kann man am ge­sund­brun­nen kurz das ge­fühl ge­ne­rie­ren in man­hat­tan zu sein. aber das ge­fühl hält nicht lan­ge.

blick auf die graue swinemünder brücke, im hintergrund graue plattenbauten und grauer himmel.

an­de­rer­seits ist auch man­hat­tan trüb­se­lig und wan­delt sich mit bru­ta­ler här­te. am s-bahn­hof schön­hau­ser al­lee sind über­all alte fo­tos in die ka­cheln und wän­de ein­ge­ar­bei­tet. bil­der aus der zeit vor dem mau­er­fall oder den welt­krie­gen. nichts ist mehr so wie frü­her, fast kein la­den den es noch vor 5 oder 10 jah­ren gab gibt es noch. das es­pres­so house das vor ein paar jah­ren noch am ein­gang der ar­ca­den war, ist jetzt über die stras­se ge­wan­dert und hat die räu­me des ehe­ma­li­gen bal­zac cof­fee über­nom­men. da wo frü­her das es­pres­so house war ist jetzt ein star­bucks. die ei­nen kom­men, die an­de­ren ge­hen und dann kom­men wie­der an­de­re. auch mit au­to­tei­len scheint man off­line heut­zu­ta­ge kein ge­schäft mehr ma­chen zu kön­nen.

blick durch die fenster eines aufgegebenen autoersatzteilhändlers an der pankstrasse

auch auf­fäl­lig wie schnell das neue ber­lin al­tert. die­se neu­bau­ten am ge­sund­brun­nen, bzw. bär­bel-boh­ley-ring sind ge­ra­de mal zehn jah­re alt und schei­nen nicht in wür­de al­tern zu wol­len. kann na­tür­lich sein, dass die­se neu­bau­ten in son­nen­licht we­ni­ger trüb­sal bla­sen.

wohnblock am bärbel-bohley-ring am gesundbrunnen. die fassade sieht für einen zehnjährigen bau schon ziemlich versifft aus, auf einem balkon siehtz man einen besen an die gläserne brüstung gelehnt.

das ehe­ma­li­ge um­spann­werk an der ko­pen­ha­ge­ren stras­se al­tert da­ge­gen ziem­lich wür­de­voll, auch nach gut hun­dert jah­ren.

ein fenster des alten umspannwerks in der kopenhagener strasse im prenzlauer berg. die fenster haben grün gestrichene metallrahmen und die brüstungen der fenster sind gemauert.

ins­ge­samt 6 ki­lo­me­ter ge­lau­fen und um die zwei stun­den un­ter­wegs ge­we­sen. 

vom wedding in den prenzlauer berg

vom wedding in den prenzlauer berg

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