neue hackfresse
ix möchte von nun an nur noch das orakel genannt werden. am 11. mai habe ich es prophezeit, jetzt isser da, der neue jever-mann.
naja. vielleicht doch nicht das orakel, sondern der mann der sich mit bier auskennt?
ix möchte von nun an nur noch das orakel genannt werden. am 11. mai habe ich es prophezeit, jetzt isser da, der neue jever-mann.
naja. vielleicht doch nicht das orakel, sondern der mann der sich mit bier auskennt?
was für eine bigotterie und verlogenes rumgedruckse. noch vor kurzem beschwerte sich hans-jürgen jakobs laut horizont tränenreich darüber, dass „exzessive SEO“-massnahmen eine „journalistische Wettbewerbsverzerrung“ seien und forderte, dass „alle Tricks, gegebenenfalls auch Manipulationen [bei der Suchmaschinenoptimierung], öffentlich gemacht werden“ sollten, weil die konkurenz einen „irrsinnig hohen Nutzeranteil“ über google beziehe. mit anderen worten hans-jürgen jakobs, online-chef der südeutschen zeitung, findet, dass die nutzerzahlen bei der konkurenz mit tricks und manipulationen nach oben verzerrt werden.
auf die frage ob das hochjazzen von nutzerzahlen mit bildergalerien und spielchen, die bei jedem klick einen „visit“ vortäuschen („klickdoping“) transparent gemacht oder beschränkt werden solle, meinte jakobs nein, so habe er das nicht gemeint. er sehe da kein problem.
jakobs findet also die manipulation von besucherzahlen nur dann problematisch, wenn er und seine mannschaft sie nicht selbst hinbekommen. so nach dem motto, vordrängeln im supermarkt müsse angeprangert werden, das wäre ungerecht und ausserdem habe man derzeit eh keinen zugang zu supermärkten, deshalb seien supermärkte sowieso doof. vordrängeln im kino, was einerseits alle tun und bei dem man in den letzten jahren eine grosse geschicklichkeit entwickelt habe, das sei vollkommen in ordnung.
das witzige daran ist, dass jakobs gar nicht merkt wie verlogen und bigott er mit diesen aussagen wirkt. ich möchte deshalb das erste jakobsche gesetz des onlinejournalismus formulieren:
jede manipulation für die man selbst zu doof ist, ist schlecht und gehört angeprangert.

apropos „ivw-zahlen“ und „zu doof“. turi2 fällt ja wenig durch cleverness auf, um das mal zurückhaltend zu formulieren. seit ungefähr zwei wochen wundere ich mich, woher im rss-feed von turi2 dieser komische html-schnipsel am ende stammt.
die antwort ist einfach: das ist ein falsch eingebautes ivw-zählpixel. ein einfacher image-tag, beim einbau zerstört mit einem html-umbruch-tag. die folge ist, dass turi seit zwei wochen versucht sich von der ivw zählen zu lassen, aber die ivw keinen einzigen visit nachverfolgen kann, weil der zählpixel nicht nur im rss-feed falsch eingebaut wurde, sondern auch auf der website selbst.
das nenne ich mal vorbildliches understatement, das ich allen anderen onlinemedien ans herz legen möchte. vielleicht hört das klickdoping auf, wenn alle onlinenmedien defekte zählpixel einbauen.

ich in begeistert! hier könnte der artikel aufhören und ich bin normalerweise nach dem ersten ausrufezeichen schon erschöpft. aber ich will dann doch, bevor ich aufhöre noch ein wenig ausholen und erklären warum. ganz weit ausholen.
erstmal: ich bin fasziniert vom chaos. von systemen die ohne oder mit minimaler zentraler steuerung schöpferisch oder irgendwie tätig sind und leben. deshalb mag ich grossstädte, das internet, das blogdings und irgendwie auch die natur. die protagonisten in diesen systemen agieren zuallererst eigennützig und mehr oder weniger selbstbestimmt. trotzdem bilden sie, wenn es ihnen zweckmässig oder für ihr ziel (eigennutz) hilfreich erscheint gruppen, zweckgemeinschaften, ringe oder symbiosen und von aussen betrachtet ein ökosystem in dem alles voneinander abhängt und trotzdem, schlussendlich, jeder für sich allein steht. eine stadt, die natur oder das internet scheinen auf den ersten blick chaotisch und unkontrollierbar, schaffen aber lauter nischen in denen sich vortrefflich leben lässt. die systeme als ganzes sind nicht wirklich kontrollierbar oder steuerbar, einzelne nischen sind aber durchaus überschaubar und in gewissem masse auch steuerbar. wenn man sich mit den nischen, mit ausschnitten befasst kann man sie teilweise sogar verstehen, ihre funktionsweise, die abhängigkeiten, die ihnen zugrunde liegenden mechanismen.
aber um sie zu verstehen braucht man geduld, beobachtungsgabe und -willen und werkzeuge. werkzeuge, die einem helfen sich zu orientieren. werkzeuge, die unsichtbares zutage fördern. in einer stadt sind das stadtpläne, stadtmagazine, karten, andere menschen, also soziale beziehungen und eben erfahrung und beobachtungsgabe, experimentierfreude, neugier.
im internet ist das nicht anders. ohne suchmaschinen oder verzeichnisse, empfehlungen von anderen, geduld, beobachtungsgabe, erfahrung und neugier scheint das internet wie ein chaotischer haufen. mit den richtgen werkzeugen aber erkennt man strukturen, nischen, lernt nützliches und überflüssiges zu unterscheiden, findet seinen weg und möglichkeiten teilzunehmen.
eigentlich ganz einfach und logisch: menschen brauchen werkzeuge um sich in der welt zurechtzufinden. seitdem ich 1994 zum erstemal das internet betrat ist das so. das erste was ich tat, war eine seite zu bauen die nichts anderes ausdrücken wollte als „hier bin ich“, „ich bin ich“ oder genauer: „hallo welt“ — früher nannte man das einen claim abstecken, damals nannte man es „homepage“. das zweite was ich tat war einen weg durch das chaos zu finden und ihn zu kartografieren: linklisten und verzeichnisse erstellen, informationen zu bündeln und anderen zur verfügung zu stellen. yahoo hat damals nichts anderes getan als alle anderen im internet. das chaos kartografieren. yahoo hat das damals ein bisschen besser als alle anderen getan und war deshalb auch ein bisschen erfolgreicher als alle anderen. yahoo war ein enorm nützliches werkzeug.
erst sehr viel später kamen suchmaschinen auf. suchmaschinen und verzeichnisse waren von anfang an nützliche werkzeuge um sich im chaos des internets zurechtzufinden. nicht zu vergessen, auch schon in den neunziger jahren gab es unzählige seiten auf denen menschen anderen menschen empfehlungen für andere webseiten gaben. sie nannten sich damals noch nicht weblogs, sondern „cool site of the day“, „wohin.heute.de“, „the daily muse“ und was weiss ich (hab ix alles vergessen).
wo war ich? achja. werkzeuge. heute heissen meine werkzeuge google, feedreader, twitter, friendfeed, technorati, rankings, rivva, blogs, usw. — sie helfen mir das zu finden was mich interessiert oder interessieren könnte, was ich zur arbeit oder zum vergnügen, zum informieren oder zum schreiben brauche.
moment mal — rivva? dieser dienst von dem man hört, dass er nur noch blog-müll zu tage fördert, seo-schrott und blogparaden-kack? das ding von dem einige behaupten. dass es mitverantwortlich für den angeblich desaströsen ruf des blogdings in der „welt das draussen“? selbstrefernzeille nabelschau, technik-gebrabbel und ausgelebtes nerdtum, alles verseucht durch seo- und werbefuzzis?
genau das ding. ich liebe rivva. es zeigt mir wo diskussionen enstehen, wie sie zusammenhängen, welche themen gerade diskutiert werden. das rauschen, den schrott der dort hin und wieder auftaucht kann ich ausblenden und ignorieren wie hupende autofahrer auf der strasse oder schreiende kinder im prenzlauer berg. ich muss mich nicht (mehr) über jeden scheisshaufen auf dem bürgersteig aufregen, über alles was mir nicht passt in dieser stadt. ich blende besoffene, proleten, schmutz und kaputte automaten soweit ich kann aus. ich mag das chaos, den schmutz, die vielfalt — auch weil ich diese dinge — soweit nötig — ignorien kann. oder anders gesagt: nichts ist mir fremder als die haltung meines nachbarns in stuttgart der manchmal montags bei mir klingelte und mich wutentbrannt darauf hinwies, dass ich meine kehrwoche nicht erledigt hätte, dass das treppenhaus jetzt „schmutzig“ sei und — das war sein top-argument — was denn „die leute“ denken sollten?
was sollen denn die leute denken?
sie sollen denken was sie wollen, solange sie mich in ruhe lassen mit ihren kruden ansichten — und vor allem sollen sie mir meine werkzeuge, meine art mich zurechtzufinden nicht schlechtreden. ich mag meine nische und nischen sind nicht zum verteidigen, sondern zum darin leben gedacht.
was ich eigentlich sagen wollte: ich finde rivva klasse und seit heute, mit dem neuen geo-gedöns und der irre genauen und vollen deutschland-blogkarte finde ich rivva noch klasser. durch die blog-karte zu blättern zeigt welche ungeheure vielfalt an blogs in deutschland rumliegt, auch wenn sie erst einen kleinen teil der blogs in rivvas index (der wiederrum nur ein kleiner teil aller deutschen blogs ist) zeigt.
vielfalt ist gut. sie ist ein ausdruck von freiheit und das gegenteil von regulierung. trotzdem, ein bisschen ordnung, ein bisschen struktur in diese vielfalt zu bringen, mir werkzeuge einfach so zur verfügung zu stellen, für diesen versuch bin ix frank westphal dankbar.

mann, ist das meta.
[abgesehen davon ist das auch echt scheisse, einen push-dienst gross anzukündigen, der dann nur manchmal pusht oder statt pusht nur synct.]
schlecht photoshoppen können nicht nur die iraner und deren freunde, sondern auch ix.
[mehr schlecht manipulierte bilder von mir unter dem schlagwort [m]. wobei ix eher fäkalwörter als raketen fake. fäkalwörter fäiken?]
kann mir einer erklären, warum die hancock-plakate in berlin hancock in berlin darstellen (zumindest in seiner sonnenbrille), in hamburg hancock aber los angeles ist, wo der film auch spielt?
als ich klein war hiessen diese mit schokolade glasierten dinger mit steifem, süssen eischaum drin „negerküsse“. es gab „negerkussbrötchen“ und ich habe mich als kind weder gefragt ob das wort „negerkuss“ jemanden beleidigen könnte oder was in diesen dingern eigentlich drin war. ich hab sie einfach gegessen, teilweise in grossen mengen und wenn ich einen haben wollte hab ich gesagt „ich hätte gerne negerküsse“. irgendwann später hiessen die dinger dann „dickmanns“ und ich habe mich auch damals nicht gefragt ob das wort „dickmanns“ irgendjemanden beleidigen könnte und habe die dinger einfach gegessen. irgendwann kam dann die diskussion auf, dass es politisch nicht korrekt sei negerküsse so zu nennen.
ich konnte die diskussion irgendwie nie so richtig verstehen. wenn ich „negerkuss“ sagte, sagte ich das ja nicht als beleidigung, sondern bezeichnete etwas was ich als solches zu benennen gelernt hatte. aber ich merkte auch, dass ich das was ich gelernt hatte und jahrelang benutzt hatte nicht so einfach umbennen konnte. das kann auch daran liegen, dass ich nie jemanden persönlich traf der sich vom wort „negerkuss“ beleidigt fühlte, sondern immer nur leute die meinten andere könnten davon beleidigt werden. also, teils aus trägheit, teils aus trotz und teils aus gewohnheit nannte ich die dinger weiter „negerkuss“, fand bestimmte dinge weiter „negertiv“ (sorry) und kaufte weiter hin und wieder schokolade von sarotti mit einem „mohr“ als logo.
bis letztes jahr. ich fragte irgendwann bevor ich einkaufen ging die beifahrerin und das kind ob ich „negerküsse“ mitbringen solle. das kind reagierte zutiefst und ernsthaft empört. das hiesse „schokokuss“! ich war beeindruckt. ernsthaft. seitdem bemühe ich mich ein bisschen mehr das wort „negerkuss“ zu vermeiden. auch die diskussion um den dummy-titel „neger“ betrachtete ich zunächst ein bisschen verständnislos, ein bisschen nach dem motto seid-mal-nicht-so-verkrampft. bis mir bov mit einem einfachen vergleich die augen öffnete.
was ich eigentlich sagen wollte: ich finde das nicht witzig. vor allem, was soll es bedeuteten? ist obama innen drin weiss, weich und klebrig? ist „mohrenkopf“ eine politische botschaft, so wie es einst der „berliner“ war, der in berlin ja bekanntermassen „pfannkuchen“ heisst? vielleicht ist der witz ja gut und ich bekomme seine dreifachbeudeutung in den falschen hals — oder bin ich irgendwie strukturkonservativ und vertrete unbewusst die these, mit essen spiele scherze man nicht? ich gebe zu, ich spiele hin und wieder auch mit dem feuer, wenn ich witze wie den von stevie wonder erzähle, der einmal gefragt worden sein soll, ob er es schlimm fände blind zu sein und geantwortet haben soll, das störe ihn nicht, solange er kein „neger“ sei. ich fand es früher auch immer witzig das wort „fotze“ im alltag zu benutzen, seit pocher und schmidt das machen geht das aber irgendwie nicht mehr. witze die von proleten, pocher oder der „bild“-zeitung gemacht werden, sind verbrannt, nicht mehr benutzbar. genauso wie witze die sich vermeintlich einfach so ergeben, auf der hand liegen. ihnen fehlt die raffinesse und das überraschungsmoment. siehe hier.
das gilt übrigens auch für zeitungen, filme, fernsehserien oder -diskussionen, bilder, essen, häuser oder computer. ok, das verb „lesen“ muss man je nach beispiel anpassen, aber „gut“ und „gerne“ hängen ursächlich zusammen. dass platitüden meistens stimmen, ist nicht überraschend, vielleicht ist es aber überraschend, dass platitüden nicht immer doof sein müssen.
[das JakBlog les ix übrigens gern.]
frau gröner schrieb mir heute früh, kurz nachdem ich in die M1 (das ist ne strassenbahn) eingestiegen war und mir eine fahrkarte gekauft hatte, eine sms: „Bist du grad in der M1?“. ich so: „ja“
das witzige daran: sie stand hinter mir. und ich muss ihr recht geben. jemanden per sms anzupingen ist viel eleganter als einen von hinten anzuquatschen.
ich weiss nicht ob das eine dauerhafte brieffreundschaft wird. er setzt mir fristen innerhalb derer ich antworten soll und er selbst antwortet monatatelang gar nicht. dann fährt er in den urlaub und lässt jemand anders an mich schreiben, ebenfalls mit der bitte innerhalb von zwei wochen zu antworten oder ersatzweise geld auf sein konto zu überweisen.
heute hab ich ihm, wie gesagt, wieder geschrieben und ihn eindringlich gebeten mich nicht wieder drei monate mit seiner antwort auf die folter zu spannen. der mann hat übrigens humor. er meint es sei unzulässig fotos von werbeanzeigen mit menschen drauf ohne deren einverständnis zu veröffentlichen.
bald wird paprika in gold aufgewogen, zumindest die mit „bio“.
und dem endlagern ist derzeit ein gesprächsthema quer durch die blogs und dings (siehe auch rivva). ben_ hat das ganze rant-mässig und für meinen geschmack etwas zu wütend zusammengefasst, heute schrob auch der tagesspiegel ausführlich dadrüber.
ich habe mir noch keine endgültige meinung dazu gebildet, bin aber immer wieder erstaunt wie eng die begriffe atomkraft und inkompetenz (und intransparenz und sorglosigkeit) miteinander verknüpft sind. ich bin auch erstaunt wie radikal und aktionistisch der staat auf risiken aller art reagiert, dabei aber die risiken der atomkraft scheinbar mühelos auszublenden vermag.
axel springer stellt den konzern auf apple-systeme um. bildblog und wallraff arbeiten weiter an windows-systemen. und ich weiss jetzt auch, warum don nicht mehr für die welt bloggt. er will trotz seines ipod touch nicht von seiner windows-kiste lassen. oder so. witzig oder interessant ist das nicht. wohl aber was cem schreibt:
Witzigerweise hatten Ende der 90er Jahre Kollegen und Mitarbeiter meines damaliges Unternehmens mitgewirkt, u.a. Apple Technologie flächendeckend bei Axel Springer komplett auf Windows Technologie umzustellen. Die Gründe waren damals übrigens haargenau die gleichen, die Döpfner heute für die umgekehrte aktuelle Entscheidung nennt. The times are a-changing… the arguments are the same, the decisions may differ.
nennt sich selbst aber auch irgendwie „verräter“:
Die Deutschen lieben den Verrat, aber nicht den Verräter!
immerhin kan man auch ungeliebt bücher schreiben und in talkshows rumblöcken.
[neun ausrufezeichen auf einer seite!]
gestern habe ich mich mit einem alten kollegen getroffen der konvertiert ist. zum mac. ich habe ihm eine liste erstellt mit den os x-programmen die ich regelmässig nutze, für wichtig oder nützlich halte.
und er schreibt davon sehr lesenswert. hübsch, wenn blogger mal rauskommen.
Wir hatten also keinen blinden, sondern einen Tauben-Passagier. (mehr)
scheint so als hätte sandisk vor, die top 50 der deutschen blogcharts mit ihrem neuen mp3-spieler zu fluten. zumindest die plätze 30 und 31 haben sie angeschrieben, ob sie so ein teil haben wollen, bzw. ob es ok sei das teil an die im impressum angegebene adresse zu schicken. und beim massenemailen scheint auch der finger mindestens einmal in der zeile verrutscht zu sein:
Mr. Felix Schwenzel,My name is ***** ******* and I am a promotions rep for San Disk, makers of memory cards, portable music and video players as well as flash drives. We have recently launched the Sansa® Fuze™, our new and stylish MP3 player that packs music and video along with an expansion slot that accepts microSD cards.
We wish to send over a sample product for you to review and evaluate on your blog/site (http://www.fixmbr.de).
sansar fuzetm. komischer name für nen mp3-player.
In der Biologie sind so zufällig das Auge, bedecktsamende Farnarten und wohl auch der Pimmel entstanden. (mehr grossartige sätze)
rené will den neuen pixar-film „wall•e“ sofort sehen. weil er toll sein soll. und weil es geht. sofort, mit bittorrent. kann ich verstehen. irgendwie.
das internet hat die welt ganz klein gemacht. wenn irgendein promi ausversehen seine arschritze in irgendeinem club in hollywood zeigt und dabei fotografiert wird, kann ich kurz danach die bilder davon im internet sehen. wenn apple irgendwelche geräte neu vorstellt, kann ich 5 minuten später von den ersten leuten lesen, die die dinger in der hand hatten und anderswo, zehn minuten später, klagen darüber hören, dass die deutschen preise noch nicht bekannt sind. wenn scoble pupst, kann ich es live von seinem handy übertragen sehen, wenn knüwer essen gegangen ist, kann ich am tag danach drüber lesen und mir einen verwackelten film davon ansehen.
filme, bilder, musik, bücher; alles einen fingerbreit weit weg. früher musste ich aufs kino, auf zeitschriften, in plattenläden und buchhandlungen warten, jetzt kann ich es mir einfach saugen oder bei amazon bestellen. alles was ich will. wenn ich bedenke was für eine qual es noch vor einiger zeit für mein portemonaie war amerikanische zeitschriften oder bücher zu bekommen, welche absurden aufpreise für solche dinge verlangt wurden, dann kann ich nicht anders als diese verkleinerung der welt durch das internet als einen segen zu bezeichnen.
nur warum muss man immer alles sofort haben? wozu die eile? wozu wall•e jetzt von irgendwo ziehen und in mieser qualität von einer leinwand abgefilmt reinpfeifen, warum nicht warten bis er im kino läuft oder auf DVD erscheint? welchen vorteil hat es, sich den film sofort anzuschauen? mich erinnert das an die kölner u-bahn, da sitzen und stehen abends die hälfte der fahrgäste mit einer flasche kölsch in der hand in die u-bahn. die andere hälfte isst döner. dass bier oder kölsch oder fleisch mit sosse vielleicht auf stühlen im freien oder im wohnzimmer oder am offenen fenster oder am rhein oder an der spree vielleicht besser schmeckt, wenn es mit ruhe und nicht mit hektik gewürzt ist, scheint niemanden zu stören.
dieses ich-will-es-jetzt-und-sofort-und-mit-sosse ist das genaue gegenteil von genuss. nicht dass ich irgendwem vorschreiben möchte dass oder wie er zu geniessen habe oder dass ich selbst der könig der geniesser sei (das gegenteil ist der fall) — mir fällt es nur auf, dass diese haltung alle lebensbereiche durchdringt: alles muss sofort her — und warten ist scheisse.
ich bin auch ein hektiker, oft mit wenig geduld gesegnet und erliege hin und wieder auch dem muss-ich-jetzt-sofort-haben-impuls, aber ich habe in den letzten jahren auch hin und wieder die erfahrung gemacht, dass geduld, verzicht, ruhe ungleich höhere befriedung verschaffen als wie ein staubsauger zu leben, der einfach alles, zu jeder zeit in sich reinsaugt.
kartoffeln zum beispiel. als ich vor vier monaten von ärzten und diversen krankenschwestern dazu gezwungen wurde mich für etwa fünf tage intravenös zu ernähren hatte ich ein aha-erlebnis mit einem haufen verkochter pellkartoffeln aus einer grossküche. die kartoffeln schmeckten mir nach 5 tagen fasten besser als ein steak im grill royal. der jämmerliche haufen kartoffeln aus der grossküche waren das leckerste was ich je in meinem leben gegessen habe. nur weil ich ein paar tage auf sie gewartet habe *).
warten kann durchaus die lust steigern. hört sich spiessig an, genauso, wie der kalenderspruch, dass geduld zufriedenheit spendet. aber es ist was dran. und das tolle ist, man muss das alles-sofort-spiel nicht mitmachen. hunde lecken sich auch nicht ständig die eier, nur weil sie es können.
* nichts gegen intravenöse ernährung, übrigens. wenn das fachmännisch gemacht wird, wenn man zum nichts-essen ab und zu ein medikament bekommt dass die magensäureproduktion unterdrückt und sich hin und wieder eine flasche glukose in die venen tropfen lässt, kann durchaus angenehmn sein.
eigentlich steht auf den frosta tortelloni mit spinat-ricotta-füllung das hier hinten drauf:
Mikrowelle
* Beutelinhalt in ein mikrowellengeeignetes Gefäß mit Deckel geben
* bei 600 Watt ca 2 x 8 Minuten garen (1/2 Beutel ca. 2 x 5 Minuten) oder
* bei 800 Watt ca. 2 x 6 Minuten garen (1/2 Beutel ca. 2 x 4 Minuten)
* nach der Hälfte der Zeit gut durchrühren
* vor dem Servieren umrühren und eine Minute stehen lassen
die EM-sonderedition (siehe auch die paella) hat diesen rückseitigen aufdruck:
Mikrowelle
* Anpfiff: Beutelinhalt in Mikrowellengeeignetes Gefäß ohne Deckel Werfen
* bei 600 Watt ca. 2x 14 Minuten einheizen (1/2 Beutel ca. 2x 8 Minuten) — oder
* bei 800 Watt ca. 2x12 Minuten heiß machen (1/2 Beutel ca. 2 x 6 Minuten)
* nach der Halbzeit gut durchrühren
* vor dem Wegputzen umrühren und 1 Minute pausieren lassen)
nicht ganz mein humor, nur warum man zur EM keinen deckel benutzen soll ist mir überhaupt nicht klar. schmeckt aber trotzdem.




