ich bin falschrum
„wenn deine nase läuft und deine füsse riechen, bist du falschrum gebaut.“ gehört bei „sopranos“ irgendwann in s6e1 oder e2.
„wenn deine nase läuft und deine füsse riechen, bist du falschrum gebaut.“ gehört bei „sopranos“ irgendwann in s6e1 oder e2.
ich habe heute 10 minuten lang auf die titeleite des tagespropheten tagesspiegel gestarrt. es hat sich nicht bewegt. obwohl das bunte ding was heute auf der titelseite zu sehen war angeblich eine „Computeranimation“ sein sollte.

laut wikipedia, aber auch laut meiner becheidenen lebenserfahrung, ist eine animation eine „Technik, bei der durch das Anzeigen von Einzelbildern für den Betrachter ein bewegtes Bild geschaffen wird.“
hm. vielleicht meinte der qualitätsjournalist der die bildunterschrift verfasste eine computersimulation oder gar eine computervisualisierung?
[nachtrag 07.12.207]
na geht doch!

ich hab keine ahnung, ob das was die zitty und die anderen berliner stadtmagazine machen unendlich blöd ist, eine unverfrorene ausnutzung einer monopolstellung ist oder einfach eine total pfiffige sache. heiko werning hat eine zimelich dezidierte meinung dazu. die zu lesen ist definitiv amüsanter als zitty zu lesen. und wen ich mir angucke, was auf seiten wie wevent.org los ist, müssen sich die schnarchnasen der berliner verlagslandschaft definiv warm anziehen.
ich bin zum schwarzfahren zu feige. die aufregung halte ich nicht aus. das heisst nicht, dass ich es nicht trotzdem tue. denn meine schlampigkeit ist manchmal stärker als meine feigheit. manchmal vergesse ich ein, zwei tage lang eine neue monatskarte zu kaufen, manchmal, ganz selten, im sommer, wechsle ich mein jacket oder lasse es gar zuhause. da mein jacket mein portemonnaie ist, ist es mir auch letztes jahr passiert, dass ich ohne jacket unterwegs war und die monatskarte nicht dabei hatte.
die kontrolleure waren damals ausgesprochen freundlich. wie ich später herausfand waren sie allerdings auch unfassbar hinterhältig und logen mir freundlich grinsend ins gesicht. und wie ich seit gestern mit ziemlicher sicherheit weiss, tun BVG-kontrolleure das offenbar systematisch.
mir haben die kontrolleure damals erzählt, wenn ich die monatskarte mit EC-karte bezahlt hätte, bräuchte ich die 40 euro strafe nicht zu zahlen. ich solle einfach zum BVG-kundenzentrum gehen und dort alles weitere besprechen. pustekuchen. der unfreundliche, aber offenbar etwas ehrlichere mensch hinter dem kundenschutzglas sagte mir, dass übertragbare karten immer vorzuzeigen seien. vergesslichkeit verzeiht die BVG nur bei persönlichen, nicht übertragbaren karten. nachdem er mir das erklärt hatte, bat er mich eindringlich das kundenzentrum zu verlassen. immerhin gabs keine prügel.
letzte woche hat sich ein kollege ohne seine monatskarte erwischen lassen. freudestrahlend erzählte er mir, die kontrolleure seien äusserst freundlich gewesen und hätten ihm erklärt wenn er die karte mit EC-karte gezahlt habe bräuchte er die 40 euro nicht zu zahlen. ich sagt ihm, er sei verarscht worden. trotzdem ging er ins BVG-kundenzentrum um dort sein glück zu versuchen, wurde aber wie ix mit dem stinkefinger abgefertigt.
ich frage mich echt, ob diese kundenverarschung systematisch ist und was sich die BVG davon versprechen würde, ihre kunden systematisch zu belügen. konfliktvermeidung? lügen um kontrolleure zu schützen? saftladen?
[nachtrag 27.11.2007]
aus den kommentaren:
Das erhöhte Beförderungsentgelt ermäßigt sich (mit Ausnahme bei Nutzung übertragbarer Zeitkarten) im Falle von Absatz 1 Nr. 2 auf 7,00 EUR wenn der Fahrgast innerhalb einer Woche ab dem Feststellungstag bei der Verwaltung des Verkehrsunternehmens nachweist, dass er zum Zeitpunkt der Feststellung Inhaber einer gültigen persönlichen Zeitkarte oder einer entsprechenden Fahrtberechtigung war. Das Verkehrsunternehmen braucht die Vorlage der Zeitkarte als Nachweis nicht anzuerkennen, wenn der Fahrgast bereits in den zurückliegenden 12 Monaten ab Feststellungsdatum ohne gültigen Fahrausweis oder eine entsprechende Fahrtberechtigung angetroffen wurde.[Beförderungsbedingungen des VBB (§9 Nr 3)]
das heisst, wenn man im BVG-kundenzentrum richtig verhandelt, kann man den preis drücken. offenbar aber nur, wenn man den schalterbeamten die richtigen paragrafen vorliest. worüber ich mich jetzt mehr ärgern soll, die kontrolleure oder die schalterbeamten weiss ich nicht. ich weiss nur, dass ich es als zahlender kunde nicht schätze verarscht zu werden.
publikumsbeschimpfung ist das sicherste anzeichen dafür, dass der auf der bühne am ende ist. sei es wegen grössenwahn, drogen oder arroganter hilflosigkeit (via thomas knüwer).
[nachtrag 27.11.2007]
das wäre auch mal was. publikumsbeschimpfungen sammeln. ich fang mal an:
grandios, volker strübing:
Vor diesem Hintergrund erinnert mich die Diskussion um das Rauchverbot in Lokalen doch sehr an die Aufregung damals, als es untersagt wurde, im Schankraum zu kacken. Was haben die Leute gewettert! “Dann geht doch keiner mehr in die Kneipe, wenn man da nicht mehr kacken darf!” “Heute verbietet der Staat das Kacken am Kneipentisch, morgen verbrennt er Bücher!” “Die wollen doch bloß die Staatskasse mit Bußgeldern sanieren”
Sehr geehrter Herr Schwenzel,
als Gesellschaftsexperte interessieren Sie sich sicher für ein
brandneues Internetstartup, welches in diesen Tagen gelauncht wird uns …
genau an der stelle habe ich aufgehört zu lesen. gerrit hat noch ein paar zeilen mehr gelesen.
ist das meine schuld, dass ich immer überall scheisse sehe? [amazon-werbelink] dieses buch zog in den letzten tagen auf der arbeit immer wieder meinen blick auf sich. und was sehe ich? scheisse.

gestern nachmittag klingelte mein telefon. ich so:
- felix schwenzel.
- wer ist denn da?
- felix schwenzel.
- herr stempel?
- nein, felix schwenzel.
- ach sie sind direkt dran herr schwenzel!
- ja.
- ich rufe an weil … wir haben ein problem!
- ja?
- wir suchen jemand der weiss, wie man menschen mit klebeband an die wand klebt.
- ja. da hab ich mal was zu geschrieben. aber wie das geht, weiss ich auch nicht.
- achso. wir haben nämlich ein problem.
- ja?
- unser neffe soll zwei kinder mit klebeband [weibliche stimme aus dem hintergrund: „mit so braunem klebeband!“) — ja so braunem klebeband — an die wand geklebt haben und sich an den kindern vergangen haben. wir haben das hier mal ausprobiert: das geht gar nicht!
- ja?
- wir suchen jetzt jemanden der sich mit sowas auskennt.
- ich kenn mich da leider nicht so mit aus und kenne ehrlichgesagt auch niemanden der sich damit auskennt. die fotos hab ich irgendwo gefunden und ein paar zeilen drüber geschrieben. wie das funktioniert hab ich auch keine ahnung.
- na dann bleibt mir nur mich zu bedanken.
- bitte.
muss an anne will und den grossen schlagzeilen der letzten tage liegen, dass ich ausversehen „lesben!“ statt „lesen!“ las. schlimm.
übrigens: die frisur hat auf dem bild bereits zwei nächte (ohne morgendliche restaurierung) überlebt. autofahren geht laut sascha lobo auch auch mit geschlossenem dach, allerdings leidet dann die sitzhaltung.
die veranstaltung gestern abend war vor allem eine erklärbär-veranstaltung zum web2.0 für „entscheider“. das publikum bestand vorwiegend aus lokalgrössen und honoratioren. so richtig knackige neuigkeiten oder erkenntnisse zum web2.0 kamen nicht ans licht, aber das war ja auch auf dem o’reilly-kongress nicht viel anders. wahrscheinlich ist das sowieso ein ding der unmöglichkeit web2.0 auf irgendeine formel zu bringen. andererseits ist „web2.0“ ja genau diese formel: ein nebulöser begriff um alles was sich zur zeit so im internet bewegt mit einem schlagwort zusammenzufassen. das beste synonym für web2.0 ist demnach „dings“.
und — ich wiederhole mich — dieses dings wurde auf dieser veranstaltung sehr bemüht aus allen möglichen perspektiven beleuchtet. beeindruckend war wie gewissenhaft sich die moderatorin nova meierhenrich vorbereitet hatte. zu 62-78 prozent war ihre vorbereitung auch fundiert. ihre anmoderation war in etwa deckungsgleich mit dem, was sie vor der veranstaltung in ihr blog schrob. dass ihr während der veranstaltung ein paar ungenauigkeiten rausrutschten wurde von den teilnehmern der runde geflissentlich übergangen, also werde ich auch nicht darauf rumreiten, dass die firma kryptonite keinesfalls „pleite“ ging nachdem „kürzlich“ ein video durch die blogs geisterte auf dem zu sehen war wie einfach die angeblich sicheren schlösser zu knacken sind. immerhin widersprach sascha lobo, nachdem sie ihn als „urgestein des internets“ und „kultblogger“ bezeichnete.
ebenfalls beeindruckend fand ich, dass der gastgeber, der vorstandsvorsitzende der sparkasse hannover, die veranstaltung ausgerechnet mit einem zitat von jean-remy von matt eröffnete. man müsse die normalspur schon verlassen um andere zu überholen, soll der gesagt haben. dabei sprach er allerdings nicht über das internet oder blogs oder web2.0, sondern über die zukunft des wirtschaftsstandorts hannover. „die hoffnung stirb zuletzt“ hat er leider nicht gesagt.
dass sascha lobo sich danach, scheinbar lispelnd, mit einer einfachen erklärung und zehn steilen thesen zur zukunft des internets abmühte, hab ix ja schon erwähnt. die zehn steilen thesen habe ich hier nochmal extra zum nachlesen abgeschrieben. allerdings verwirrte mich schon die erste steile these: „TV und Print wird es immer geben.“ denn danach sagte er, dass das netz sämtliche anderen medienformen bis auf das buch und buchähnliche zeitschriften ablösen werde. letztlich war das dann auch in der anschliessenden diskussion der einzige streitpunkt: wie verteilt sich künftig die aufmerksamkeit der „nutzer“, wer erzielt die grössten oder hochwertigsten „reichweiten“, wer erreicht wie seine zielgruppe und wie kann man das zu geld machen?
dazu gab es einen hübschen kleinen wortwechsel zwischen sascha lobo und stefan behrendt von t-online. sascha lobo sprach davon, dass die zeit grosser portale oder reichweitenstarker fernsehsendungen, also eigentlich die zeit des massengeschmacks vorbei sei, bzw. dass es den „massengeschmack“ eigentlich eh nie gegeben hätte und dass sich das jetzt zeige und der markt sich zersplittere, zerfasere und immer kleinteiliger werde. behrend fragte lobo dann: „und woher kommt das geld?“ lobo: „werbung!“ behrend: „aber dafür braucht man reichweite.“ lobo: „nicht wenn man die zielgruppe exakt erreichen kann.“ behrend warf lobo dann vor die markgesetze zu ignorieren, für den „revenue stream“ bräuchte man halt die reichweite. lobo stimmte ihm zu, dass er die marktgesetze ignoriere und brachte dann das beispiel des adical-bloggers „psp-freak“. dort würden sich täglich bis zu 15000 menschen über die mobile playstation informieren, so eine genaue zielgrupenansprache könne man selbst mit den 1,5 millionen besuchern auf t-online nie hinbekommen. leicht angesäuert korrigierte behrend ihn, es seien 14 millionen. lobo meinte daraufhin er beziehe sich auf die zukunft. wenn ich mich recht erinnere habe ich als einziger darüber gelacht. torsten muth von cisco versuchte dann den schlichter zu spielen: „es ist reichweite und zielgruppe!“.
aber lobo war nicht der einzige der steile thesen aufstellte. der vertreter der verlagsgruppe madsack der andreas arntzen vertrat und dessen namen ich nicht im veranstaltungsprogramm finden oder aufschnappen konnte, fabulierte während der diskussion über den freiheitsgrad des papieres: „papier ist frei. papier macht unabhängig. papier bietet einen weit grösseren freiheitsgrad als elektronische medien.“ sein killerargument lautete: „papier braucht keinen strom.“ sehr überzeugend. wenn es keinen strom mehr gäbe, sprach sascha lobo meine assoziation aus, dann hätten wir sicher ganz andere probleme als dass wir auf papier nachlesen wollten was angela merkels kabinett beschlossen habe. und wie man druckereien ohne strom betreiben wolle oder dass der vertrieb von zeitungen ohne energie auch nicht so ganz einfach ist wollte dann eigentlich auch keiner im detail diskutieren. ich bin mir auch sicher, dass die verlagsgruppe madsack zeitungen nicht mehr im bleisatz herstellen kann (und selbst der bleisatz braucht soweit ix weiss strom). bleibt natürlich die haptik des papieres als überzeugendstes argument übrig. obwohl ich seitdem ich die haptik des iphone-browsers ausprobiert habe, auch bald so weit bin, in bezug auf webseiten von haptik zu reden.
eine weitere steile these aus dem hause madsack (und t-online) lautete: die granulierten, zerfaserten informationen aus den weiten des internets interessierten eigentlich niemanden, niemand wolle sich durch hunderte blogs oder webseiten arbeiten um an informationen zu kommen. die grossen verlage veredelten informationen und präsentierten diese glaubwürdig und mit hohem qualitätsanspruch unter einer grossen marke. da war es wieder das gute alte gatekeeper-argument und die überzeugung, dass glaubwürdigkeit und qualität von den grossen playern gepachtet sei. sascha lobo war so feundlich auf diese schaumschlägerei mit einem plädoyer für medienkompetenz zu antworten. dankenswerterweise ohne dieses furchbare wort in den mund zu nehmen, sondern einfach indem er darauf hinwies, dass blödsinn keinesfalls nur in blogs oder „im internet“ stehe, sondern durchaus auch in zeitungen oder agenturmeldungen. alles was gegen blödsinn helfe sei distanz und bildung.
zusamenfassen kann man die diskussion so: alle sehen wie sich die aufmerksamkeiten und zielgruppen zerfasern, zersplittern und vermischen (steile lobo-these nummer 10), wie sich gemeinschaften — wie im echten leben — zusammenclustern (steile lobo-these nummer 9) und wie nutzer immer mehr inhalte selbst produzieren (steile lobo-these nummer 3). alle die mitspielen versuchen ein stück von grossen kuchen abzubekommen. wie das funktionieren soll weiss keiner so genau. offenbar stehen wir noch am anfang von phase eins, in der alle versuchen zu verstehen was überhaupt los ist und wie man die krümmel des kuchens die man bereits zu haben meint, verteidigen kann. also ganz kurz zusammengefasst: „schaun mer mal.“
[nachtrag 23.11.2007]
mittlerweile hat sich inka burow in der hanoverschen allgemeinen zu der veranstaltung geäussert und meine texte auf auf rechtschreib und zeichensetzungsfehler abgeklopft. drei tage später? die drei tage haben zumindest nicht dafür gereicht mal einen blick in die riesenmaschine zu werfen, um zu erkennen, dass die nicht sascha lobos „Internettagebuch“ ist.
auf den seiten des veranstalters hat sich auch etwas getan, dort kann man jetzt einen „Bilderbogen Podium“ und einen „Bilderbogen Gäste“ betrachten. der name des abwesenden andreas arntzen von der verlagsgruppe madsack ziert dort allerdings immer noch das podium, mitterweile hat mir ein entscheider aus hannover aber geflüstert, dass der name des vertreters auf dem podium hans-jürgen theinert lautete.
→ weiterlesen[von sascha lobo verfasst, von mir ausgeliehen]
[nachträgliche anmerkung 22.11.2007: die thesen wurden einer präsentation entnommen die sascha lobo auf einer veranstaltung in hannover gehalten hat (bericht davon hier und hier). ursprünglich wollte ich den vortrag mit meinen eigenen notizen und erinnerungen zusammenfassen, habe mich dann aber umentschieden und hier die originalvorlage veröffentlicht. dass so nur ein kleiner teil des vortrages wiedergegeben wird und die thesen so teilweise missverständlich wirken, habe ich vorher nicht 100prozentig bedacht.]
TV und Print wird es immer geben.
Schallplatten gibt es ja auch noch. Das Netz löst sämtliche anderen Medienformen bis auf das Buch und buchähnliche Zeitschriften ab.
Die total verworbene Gesellschaft.
Konsumenten suchen sich ihre allgegenwärtige Werbung selbst aus. Manchmal freiwillig, manchmal nicht. Wichtig werden Strategie, Idee und Technik. Excel verliert.
[Beispiel: „Will It Blend?“]
Here we are now. We entertain us.
Der Unterhaltungsindustrie bleibt nur Qualität als Ausweg, so unwahrscheinlich das klingt. Trash können die Nutzer selbst und schlechter bzw eben besser.
[Beispiel: Kanye West Medley By David Sides.]
Willkommen im Produktparlament.
Die Zielgruppe wird Teil der Entwicklungsabteilung. Technologie verschiebt sich von Hardware zu Software und werden so von den Nutzern immer besser angepasst.
[Beispiel: crowdspirit]
Von fühlenden Nutzern empfohlen.
Wie Konsum in den 90ern eine Event-Komponente bekam, entwickelt sich eine Community-Komponente: Social Commerce. Die emotional gefärbte Empfehlung ist der Konsum-Motor der Zukunft.
Das Netz als KMS.
Die Vernetzung von Wissen erlebt eine Renaissance. Im Netz geht Idee vor Institution, die Weisheit der Masse kreuzt sich mit dem Fleiss der Vielen.
Die Flexibilität frisst ihre Väter.
Je gebildeter, desto leichter kann man sich eine Nische schaffen, die die Technologien für eigenen Freiraum nutzt – ob digitale Bohème oder festangestellt.
Man wird nicht nicht kommunizieren.
Die Kommunikation der Zukunft wird mobiler, ortsbezogener, vernetzter und spontaner. Vor allem aber: pausenlos und teilautomatisiert.
[Beipiel: aka-aki.com]
Community über alles.
Community ist nur ein hässliches Wort dafür, dass sich alle möglichen und unmöglichen Bereiche der Gesellschaft online organisieren.
Zerfasert, zersplittert, vermischt.
Das Netz fördert die Atomisierung der Kultur und die unkontrollierbare Neuzusammensetzung der Moleküle. Ist das nicht famos?
[Beispiel: functionalfate.org]
heute früh lag die welt vor meiner hotel-zimmertüre. also die zeitung, nicht das grosse ganze.
zum frühstück habe ich darin geblättert, unfassbar viel blödsinn gelesen, aber auch interessantes. gut gefallen hat mir dieser satz aus diesem artikel im kulturteil:
Der Freiheitsgrad eines Gemeinwesens ist umgekehrt proportional zu der Häufigkeit, mit der man sich legitimieren muss.
allerdings geht es nicht darum, dass die mautbrücken auf deutschen autobahnen jetzt auch zur verbrechensbekämpfung eingesetzt werden sollen oder um datensammelwut (und deren möglichen folgen), sondern um einen film der in ceausescus rumänien spielt. was wollte ich nochmal sagen?
vergessen.
zum teppich in meinem hotelzimmer fällt mir ehrlichgesagt auch nichts ein. nur dass frauen dieses muster nicht in ihren business-class-zimmern finden.
ich lese ein lesbenblog [via].
ich wurde nach hannover eingeladen um hier über eine veranstaltung der sparkasse hannover zu schreiben. gestern gabs dazu schon eine pressmeldung. es geht um ein klassisches sparkassen-thema: web2.0.
auf dem podium, das witzigerweise einer tastatur mit aufgesetzen hockern nachempfungen ist, sitzen andreas arntzen, geschäftsführer der verlagsgruppe madsack der stellvertreter von andreas arntzen dessen namen ich nicht mitbkommen habe, sascha lobo, werbefuzzi und mild adipöser, genialer aufmerksamkeitserzeuger in eigener sache, stefan behrendt, von t-online, torsten muth, marketing-chef von cisco. moderiert wird die veranstaltung von nova meierhenrich, die auf der wegmarken-website als „TV-Moderatorin, Lifestyle-Reporterin, Kolumnistin und Schauspielerin“ vorgestellt wird und sascha lobo erst nach der veranstaltung duzen möchte.
sascha wird hier geich einen vortrag wiederholen den er eben vor ein paar studenten gehalten hat und danach wird man wohl reden, trinken und essen.
ich selbst habe einen etwas fischigen geschmack im mund, weil ich gerade mehrere portionen matjes-tartar vom „fliegenden“ buffet genommen habe, was bekanntermassen 8 stunden lang (gut) schmeckt.
um halb sieben strömten die „entscheider“ in den saal und wurden erstmal mit google-epic berieselt. ok. nicht der schlechteste einstieg in die thematik — für entscheider. tosender applaus danach. jetzt wird erstmal moderiert und ich mach mir glaub ich mal notizen auf papier. oder zuhören. oder fotografieren.
[19:25]
nachdem die moderatorin demonstriert hat, dass sie sich gewissenhaft vorbereitet hat und den gastgeber, den vorstandsvorsitzenden der sparkasse hannover ein paar worte an die entscheider hat richten lassen, stellt sie sascha lobo als „urgestein des internets“ vor. sascha lobo wird beim plaudern voll durchgesiezt. als er dann anfängt zu reden, ein riesen-schreck: sascha lobo lispelt. das hat er vorher nicht. ich hoffe es ist ein technisches problem. hört sich echt schlimm an.
im vortrag möchte er 1 einfache erklärung und 10 steile thesen zur zukunft des internets vorstellen. die einfache erklärung lautet: „web2.0 bedeutet: die nutzer interagieren, ob man will oder nicht.“ zur weiteren erklärung benutzt er das einleuchtende (aber leicht ausgetrampelte) web2.0 trampelpfad-bild der universität oregon.
die 10 thesen spare ich mir für die zusammenfassung. derzeit ist er bei these nummer 7. der grösste lacher bisher: sascha lobo zeigt ein bild vom st. oberholz (symbolbild). er habe das bild bereits im jahre 2005 gemacht, „morgens, so gegen 14 uhr 30“. darüber lachen entscheider.
[19:43]
die moderatorin hat 20 cm hohe absätze. kann aber gut darauf laufen. alle 5 diskutanten sitzen jetzt zusammen und ix hab keine ahnung ob es wirklich eine gute idee war die teilnehmer auf schrägen hockern sitzen zu lassen. sieht echt schräg aus.
[20:25]
bin gerade kurz rausgekommen aus dem notizen schreiben. die moderatorin hat angefangen über mich zu reden. ich würde ja live alles mitbloggen, ob denn schon diskutiert würde. ich so: „neee“. konnte ja nicht sagen, dass der einzige kommentar bisher um das matjes-tartar ging und das ich gar nicht alles live mitschreibe.
erfreulich: sascha lobo lobote mich: er habe über mich zum bloggen gefunden. früher hätte er immer gedacht blogs seien doof und als er anfing mich zu lesen, bemerkte er, das ist ja nett. auch doof, aber eben auch nett. nachdem die auf dem podium über mich geredet hatten, wurde ich ca. 40 mal fotografiert.
[20:30]
die erste publikumsfrage. mich beschleicht das gefühl, es wird die einzige frage bleiben. die entscheider scheinen hungrig.
[01:46]
es blieb tatsächlich die einzige publikumsfrage, was die moderatorin zu der vermutung antrieb, dass das an der vielschichtigkeit der diskussion gelegen haben müsse. ich bleibe dabei, die entscheider waren hungrig. erstaunlich fand ich wieviele leute sich nach der veranstaltung an sascha lobo ranwanzten um ihn zu loben. da auch ich öfter in seiner nähe stand weil dort das „fliegende büffet“ am regelmässigsten vorbeiflog, konnte ich zeuge von einigen dieser vorgängen werden. später lief zum ausklang des abends im veranstaltungssaal das „fliegende büffet“ umher, phil collins und das star-wars-theme (leise) aus den lautsprechern und das bier in strömen. morgen fasse ich nochmal die veranstaltung und ein paar griffige zitate zusammen, hab mir dafür extra einen tag urlaub genommen.
irre. erst stimmt die SPD im bundestag für die anlasslose, komplette speicherung aller telekommunikationsdaten aller bürger (vorratsdatenspeicherung) um danach die verfassungswidrigkeit des gerade beschlossenen zu beklagen. kurz darauf schiebt sie eine alibi-initiative für ein „grundrecht auf informationsfreiheit“ nach. schizophren, krank, unredlich, bigott und enorm unglaubwürdig.
aber brigitte zypris reicht das noch nicht. sie verpflichtet privatunternehmen per gesetz, gegen deren erklärten willen, unmengen an daten ihrer kunden zu sammeln und 6 monate zu speichern und beschwert sich, keine zwei wochen nachdem das gesetz unter federführung ihres ministeriums verabschiedet wurde darüber, dass unternehmen „unüberschaubare Datenmengen“ sammeln und damit — das sind ihre worte — einen „gläserne Kunden“ schaffen würden. ich versteh das nicht. gesetzlich angeordnetes privates datensammeln ist gut gegen verbrechen und terror, privates datensammeln ohne explizite gesetzliche anordnung ist böse? kann hier jemand eine logik erkennen?
echt. mir scheint mittlerweile selbst eine bigotter trendwellenreiter wie kai diekman redlicher, wahrhaftiger und ehrlicher als dieser mittlerweile völlig durchgeknallte populismusladen mit obrigkeitshöriger, schizophrener grundtendenz. noch nie habe ich eine partei für peinlicher und unwählbarer gehalten als die SPD. aber sowas von.
ich sollte mich ja eigentlich nicht darüber beschweren, dass die in vielen blogs die sprache zunehmend verroht. ich verrühre sie ja selbst ganz gerne.
trotzdem: darüber dass sobald irgendwer unerwünschte werbung oder blödes zeug in seinem kommentarbereich löscht irgendein depp „zensur“ schreit habe ich mich schon öfter aufgeregt. zensur ist und bleibt für mich der versuch „eines Staates, einer einflussreichen Organisation oder eines Systemträgers, um durch Medien vermittelte Inhalte zu kontrollieren“. dazu gehören abmahnungen, drohungen oder einschüchterung, aber ganz sicher nicht das löschen von kommentaren oder der blödsinn den flickr unter der fahne des jugendschutzes veranstaltet. das wort zensur wird durch inflationären gebrauch völlig ausgewaschen. dazu könnte man seitenweise brandschriften verfassen und den leuten die bei jedem furz zensur schreien müsste man die dann um die ohren hauen.
um die ohren hauen sollte man robert basic auch seinen gebrauch des begriffs „informationelle selbstbestimmung“: erst schreibt er es falsch (informell! informell!) und dann benutzt er es auch noch für die umschreibung von freiem zugang zu informationen:
Siehe auch Frank Helmschrotts Argument wegen “informeller Selbsbestimmung” der Nutzer: Folglich ist das Aussperren von Google für mich gleichzusetzten mit der Ausgrenzung eines großen Benutzerkreises. (quelle)
dass die justizministerin brigitte zypris keine ahnung hat (oder zumindestso tut) was informationelle selbstbestimmung ist kann ich ja noch verstehen. sie hat politische gründe und weiss auch nicht was ein browser ist. robert basics gründe sind sprachschlampige. informationelle selbstbestimmung ist und bleibt:
Im deutschen Recht bezeichnet die Informationelle Selbstbestimmung das Recht des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen. (quelle)
dass die worte „zensur“, „informationelle selbstbestimmung“ oder meinetwegen auch „vorratsdatenspeicherung“ oder „online durchsuchung“ sperrig und im prinzip unbenutzbar sind und dass man für sie dringend griffigere, drastischere und benutzbarere synonyme finden sollte, ist vielleicht ein interessanter nebenanspekt, aber kein grund sie dermassen zu entstellen.
vielleicht findet sich hier einer der gründe warum die diskussion über vorratsdatenspeicherung, onlinedurchsuchungen, abmahnungen und was weiss ich noch allem sich so wenig in der breiten öffentlichen diskussion wiederfinden. auser „stasi2.0“ ist mir kein griffiger slogan bekannt der die probleme und herausforderungen der informationsgesellschaft (und dem was die hilflose, inkompentente politische klasse gerade daraus macht) zusammenfasst und bildlich beschreibt.
vielleicht sollten wir uns nicht die bürokratische sprache der politik aufdrücken lassen und statt von „vorratsdatenspeicherung“ oder „informationeller selbstbestimmung“ eben (mehr) von entmündigtem bürgern, überwachungswahn und maximal inkompetenten und feigen politikern reden. neue worte braucht das land. wenn wir es nicht auf eine formel bringen können, wer soll es sonst tun?
[nachtrag 19.11.2007]
grund für den hausbesuch war das hier. bin ix mal gespannt wie das gehen wird.
warnungen, dass oliver gehrs „gar keine ahnung vom internet“ habe, haben sich als unbegründet gezeigt. er hat zwar kein wlan zuhause, aber internet, er bekommt tatsächlich (meistens) meine emails und zwei artikel hat er schon selbst mit wordpress veröffentlicht.
kann eigentlich fast nix mehr schiefgehen.








