heute habe ix die erste (und letzte?) ausgabe des betamagazins bekommen. 18 euro hat mich das inklusive porto gekostet.
das prinzip ist einfach: „wir gehen offline“. die meisten beiträge sind online nicht verfügbar, andere waren ursprünglich mal online und sind einfach mal offline gedruckt worden.
der erste eindruck: hochwertiger druck, ja, aber viele seiten sehen verschmutzt aus. der witz ist offenbar das paradoxe daran: online-artikel offline publizieren, den hochwertigen druck durch gephotoshoppte fusel, knicke, ausgewaschene farben und fusel persiflieren.
gelesen habe ich bisher nur mark pohlmanns elege auf stephan uhrenbacher von qype. der artikel hat mir gefallen, saubere, geerdete pr mit den disclaimern im text und nicht in der fussnote.
Ganz grauenhaft ist und bleibt wirres.net. Dafür, dass Herr Schwenzel mittlerweile von der WAZ-Gruppe zum Online-Experten ausgerufen wurde, erschließt sich mir auch bei intensivstem Quälen meiner Augen mit dem durchgängig klein und häufig falsch geschriebenen Zeug, welches er als Artikel bezeichnen würde, keine Begründung und zwar gar keine.
Felix Schwenzel ist 36 Jahre alt, arbeitet als Web-Entwickler, leidet unter milder Adipositas und kotzt täglich unter der Adresse wirres.net ins Internet.
Felix Schwenzel [ist] kein Ausserirdischer, kein Tier und auch nicht arrogant […]: Er verspeist Butterbrote während Futura Bold-Veranstaltungen!
Felix Schwenzel hat es geschafft und wird von Hal Faber bei Heise Online in einem Atemzug mit William Burroughs und Jean Baudrillard genannt.
Die Leute, die kackende Hunde im Logo führen, schaffen nämlich leider auch nur dementsprechende Werke: die Schöpfungshöhe dieser Werke genügt vielleicht gerade mal für eine Abmahnung und/oder Gegendarstellung.
daphne moon, irgendwann in staffel 1 von frasier:
i learned a long time ago, there are three questions you never answer honestly: how old do i look, do you like my hair and was it good for you too?
und falls es jemanden interessiert: ich habe alle staffeln geguckt.
komisches dings, diese readers edition. in den faqs steht unter anderem:
3. Welche Fotos darf ich verwenden?
Sie dürfen grundsätzlich nur Fotos verwenden, für die Sie selbst Urheberrechte besitzen - oder die ausdrücklich für die Nutzung freigegeben sind. Dies ist zum Beispiel bei Pressefotos von Firmen der Fall. Auch Screenshots von Websites dürfen sie einstellen - solange Sie diese selbst angefertigt haben.
Ebenfalls verwenden dürfen Sie Fotos, die in der Netzeitung veröffentlicht wurden. Für diese besitzt die Netzeitung die Rechte.
ok. sechs monate nach dem ersten und einem halben hat man sich seine eigenen faqs diesbezüglich mal zu herzen genommen. weiter heisst es:
4. Werde ich für meine Artikel bezahlt?
Nein. Weil die Readers Edition für Leser und Autoren kostenlos ist und die Netzeitung durch Sponsorenverträge derzeit die Server- und Personalkosten trägt.
das scheint allerdings nur für „bürger“ oder „reader“ zu gelten. für renomierte (hüstel) journalisten gelten offenbar andere regeln. peter2 bekommt kohle von der readers edition für sein interview mit robert basic.
ich versteh das konzept nicht. echt. aber ich schlage einen neuen namen vor: widersprüchliche ausgabe.
in ice-toiletten klebt ein aufkleber mit folgender aufschrift:
„nur für wc-abwässer und toilettenpapier. papierhandtücher und sonstige abfälle führen zum ausfall der toilette.“
kann das wirklich sein, dass meine ausscheidungen gar nicht „pipi“ und „a-a“ heissen, sondern „wc-abwässer“? sollte man kindern beibringen zu sagen „ich muss mal grosses (oder kleines) wc-abwasser machen“? sagen mitarbeiter der deutschen bahn „ich geh mal wc-abwasser lassen“ oder „ich leg mal eben eine wc-abwasserwurst“?
und das klopapier! was ist eigentlich der unterschioed zwischen einem stück klopapier und einem stück papierhandtuch, dass das papierhandtuch das klo verstopfen soll und das klopapier nicht? woran liegt das? an der konsistenz der verschiedenen papiersorten? an der menge? dann müsste es aber heissen „nur für wc-abwässer und kleine mengen klopapier“.
ehrlichgesagt hab ich mich bisher, in meinem ganzen leben, wegen dieser aufkleber noch nie getraut in einem ice ein grosses abwasser zu lassen. ich hab echt angst etwas kaputt zu machen.
heute früh den tag gleich mit hass begonnen wegen der etwas optimistischen mutter am hackeschen markt, der auf ihrem fahrrad mit leerem, klappernden kindersitz hinten das grün der fussgängerampel scheissegal war (wohl aus demselbem grund wie einem rasenden touareg-wichser fussgängerampel egal sind: wegen dem nächsten termin) und die infolge ihrer verfickten rücksichtslosigkeit mal eben ein kind umnietete und dann im weiterrollen zumindest mal eben zurückblickte, „tschuldigung“ rief und weiterfuhr.
den autoren und moderatoren der readers edition fallen mittlerweile zwar 8-10 texte pro tag ein, aber scheinbar keine eigenen bilder mit denen sie diese texte behübschen könnten. lange bediente man sich bei nachrichtenagenturen oder irgendwo wo es lizenzfreie bilder gab. vor ein paar wochen hat die readers edition offenbar flickr entdeckt.
bei flickr gibt es zu jedem thema bilder. also sucht man fluchs die passenden bilder raus und gibt als quelle „flickr“ an. das ist differenzierter als „quelle: internet“ aber immer noch quatsch.
wenn ix mich dann wundere warum bei einem bild kein fotografenname oder link zum flickr-original angegeben ist heisst es: „Sorry, ein Fehler - korrigiert. Urheber im Bildtitel angegeben und unter dem Artikel verlinkt.“ dass der „fehler“ am gleichen tag mehrfach passierte und anderswo unkorrigiert weiterfehlert war dann auch irgendwie klar. wahrscheinlich ein fehler bei der fehlerkorrektur.
komischerweise steht kaum einm bild bei dem sich die RE bedient (und die ich mir bei flickr angeguckt habe) unter cc-lizenz. aber, so dacht ix mir, die RE wird sicherlich die fotografen anschreiben, um erlaubnis bitten die fotos kommerziell verwenden zu dürfen und ein anständiges honorar anbieten?
ich habe mal die probe aufs exempel gemacht. das bild in diesem artikel stammt von greg_j und steht in flickr nicht unter cc-lizenz. auf nachfrage bei greg_j schrieb er mir, er habe von der RE nichts gehört, ihn habe niemand gefragt ob er das bild verwenden könnne, oder was er für die verwendung verlangen würde — aber er fühle sich geschmeichelt.
ich bin ja mal gespannt wann die RE sich an einem bild bedient dessen fotograf sich über eine ungefragte verwendung nicht so freut wie greg_j. ich sach nur rotkohl.
[nachtrag 20:13] die readers edition gibt sich lernfähig und benutzt seit heute hier und da bilder mit ordentlicher quellenangabe die unter cc-lizenz stehen. da sag mal einer, die wären nicht lernfähig.
quasi auf besonderen wunsch von hal faber ist der scheissende hund wieder da. auch wenn ich nicht genau verstehe was er damit meint wenn er sagt, dass der hund eine hommage an die elektronische revolution von william burroughs sei. oder andersrum, vielleicht lern ich ja gerade was dazu: kann man hommagen machen ohne das zu hommagierende motiv zu kennen?
turi sagts, der anonyme leser „stefan“ sagts, 5-6 fundstellen findetgoogle. die aussage „wirres: der name ist programm“ ist abgesehen davon dass sie stimmt (man glaubt es kaum, der name dieser seiten war kein unfall) wirklich alles andere als originell.
donnerstag abend bekam ich einen leserbrief von einem künstler namens liesschen müller (name wurde von mir geändert):
wie der name schon sagt:WIRRES. wir haben schon so viele Verwirrte. Da müssen Sie sich nicht auch noch äussern.
von einem künstler, dachte ich bisher, kann man etwas mehr kreativität erwarten als von anonymen oder journalistischen plattitüdenfängern — ein irrtum offenbar. was ich hingegen bemerkenswert finde: liesschen müller äussert sich selbst fleissig auf dem frisch ausgezeichnetenteutonika, in einer eigenen kategorie.
offenbar wurde liesschen müller von einer übergeordneten instanz (redaktion? anstaltsleitung?) ob seiner (christian) klarheit und weitsicht dazu ermächtigt sich einfach so ins internet zu äussern. vielleicht befahlem ihm ja höhere wesen sich ins internet zu äussern?
nochmal, für die die meinen plattitüden taugten zur beschimpfung: natürlich ist der name hier programm. wenn das nicht so wäre, hiesse das hier klares.net, kluges.net oder dernameistkeinprogramm.de.