in der zeit von letzer woche schreibt jens jessen:
Fürchtet euch nicht vor dem Internet! Aber erhofft euch auch nicht zuviel davon. Es ist keine fremde, dunkle Macht. Wir sind ihm nicht ausgeliefert. Wir können es selbst gestalten.
etwas eleganter als ich es kürzlich formulierte (das internet ist scheisse, weil die welt scheisse ist) sagt er, dass man das internet (oder die welt) nur verbessern könne, wenn man daran teilnimmt und es mitgestaltet:
Es gibt keine Natur des Internets. Es gibt nur eine Menschenatur. Um die Gestalt und die Möglichkeiten des Netzes streiten sich Menschen. Die einen wollen es so haben, die anderen anders. Das ist ein politischer Streit, und er muss politisch geführt werden.
jessen betont, dass die mitsprache nicht durch „vornehm unzufriedenes Abseitsstehen“ zu haben ist, sondern nur durch einmischung. das hört sich schon um einiges differenzierter und gelassener an, als noch vor einem jahr. trotzdem kann jessen seine aufregung schwer bändigen, wenn er vortragende der re:publica stets namenslos und unspezifisch zitiert. so zitiert er peter glasers metapher von „achten Kontinent“, nennt ihn aber nicht, sondern kennzeichnet das zitat als „Zitat von dem Kongress re:publica“. peter kruses bild mit dem er „heavy internet user“ in die gruppen „Digital Residents“ und „Digital Visitors“ unterteilte, bezeichnet jessen grob verzerrend als „rasssistische Rhetorik“, mit der die „kompetenten“ von den „inkompetenten Nutzern“ unterschieden werden sollen. peter kruses namen nennt er freilich nicht namentlich, sondern gibt als zitatquelle „Internetenthusiasten […] bei dem Berliner Kongress re:publica“ an.
kann ja sein, dass jessen keinen bock hatte sich die aufzeichnungen oder slides (eins, zwei, drei) von kruses vortrag anzusehen, aber kruse rassistische rhetorik oder das brandmarken von (netz-) „Neubürgern“ als „Eindringlinge“ zu unterstellen, ist schon harter tobak. an dieser stelle scheint sich bei jessen völlige unkenntnis, mit grosser meinungsfreude und leichter arroganz zu paaren.
neben der gelegentlich etwas zu offensiv vorgetragenen ignoranz und arroganz ist jessens text aber sehr lesenswert, aber aus unverständlichen gründen nur offline verfügbar. ich habe den text heute in der zweiten klasse eines eurocitys von berlin nach hamburg im altpapier gefunden. und wenn der text da schon rumliegt, könnte man ihn doch auch ins internet stellen.
markus reiter meint in dumm 3.0 (unter anderem), dass „die Kostenlos-Mentalität“ des internets die „Kreativwirtschaft auf Dauer“ austrockne. über sein buch und andere geistige leistungen sagt er:
Ich befürworte weder, dass [mein Buch] aus Buchhandlungen geklaut wird, noch dass es jemand elektronisch kopiert, ohne dass mein Verlag und ich davon profitieren. Es steckt ein gutes Jahr Arbeit darin, ein durchgearbeiteter Sommer, schlaflose Nächte, die Geduld meiner Mitmenschen, einiger Schweiß und viel Mühe. Wenn wir nicht wollen, dass wir bald nur noch über geistige Arbeiten verfügen können, die irgendjemand aus irgendeinem unbekannten Grunde sponsort, werden wir uns daran gewöhnen müssen, auch im Internet für geistige Leistungen zu bezahlen. Das ist auf den kürzesten Nenner gebracht, die zentrale Botschaft dieses Buches.
was mich aber wundert: die pr-agentur die reiters buch vermarktet, schrob mir vor einiger zeit einen brief, in dem sie mir anbot, den „debatten-beitrag“ (gemeint ist das buch) von markus reiter kostenlos zur rezension zuzusenden. keine elektronische kopie, sondern eine gedruckte version, die normalerweise 18 euro kostet. wenn ich die intention richtig verstehe, sieht markus reiter diese art der „Kostenlos-Mentalität“ nicht als gefahr für die „Kreativwirtschaft“, sondern als hilfreich für die vermarktung und den verkauf seiner „geistigen Leistung“ an.
dass also das verschenken von büchern durchaus die „Kreativwirtschaft“ fördern könnte, weiss reiter also, sagt es aber nicht. und dafür, dass das verschenken von büchern über rezensionsexemplare hinaus den verkaufszahlen gut tun könnte, gibt es zumindest schlüssige hinweise: „Free ebooks correlated with increased print-book sales“.
gut dass ich das buch nicht gekauft habe. es ist so einseitig geschrieben, dass man es nur mit zwei händen lesen kann. und das macht mir gerade keinen spass. für eine komplette rezension muss ix erstmal meine gleichmut-battereien aufladen.
die erste kontaktaufnahme war per sie. marcus jauer rief mich an und sagte er sei beim überlesen des republica-programms auf mich gestossen, bzw. hätte sich daran erinnert, dass er eigentlich mal ganz gerne mit mir reden würde, er schreibe gerade einen artikel über deutsche blogger. ein paar tage später verabredeten wir uns im prassnik. wir kamen beide zur gleichen zeit an, aber das prassnik hatte noch zu. also setzten wir uns draussen hin und fingen an zu reden und uns zu duzen. am anfang stand gleich ein kleines missverständnis; ich hatte ja mal vor jahren geschrieben, dass ich „aufhöre zu bloggen“ und fortan nur noch ins internet schreibe, was ich, so in etwa, auch ins republica-programm geschrieben hatte:
Felix Schwenzel schreibt seit mehr als zehn Jahren ins Internet. Vor einer ganzen Weile hat er aufgehört das Bloggen zu nennen: „Bloggen verkommt mehr und mehr zu einem Regelkorsett. Mir ist das zu eng und zu langweilig.“
marcus jauer hatte das so verstanden, dass er dachte, ich hätte auch aufgehört ins internet zu schreiben. das missverständnis hatte er zwar vorab schon mit einem kollegen geklärt, aber wir sprachen auch nochmal über die „weblogbedeutungsmafia“, die leute, die es lieben anderen zu erklären wie das wahre bloggen geht, was man als blogger zu tun und zu lassen habe und was einen als blogger von journalisten unterscheide und wie sehr mich das mal genervt hatte. wir redeten über die vielen kleinen wunder die das ins-internet-schreiben für mich bedeutet, dass ich selbst beim studium nicht annährend so viele leute kennengelernt habe wie im und durch das internet, dass ich meinen job, die beifahrerin und meine hausschuhe dem internet und den sich daraus gesponnenen beziehungen zu verdanken habe.
ich bin ja eher ein schweigsamer typ, aber bei den richtigen fragen und dem richtigen thema kann ich ziemlich redselig werden. marcus jauer stellte die richtigen fragen, war aufrichtig wissbegierung, machte sich wenig notizen, war sehr konzentriert — und trank keinen alkohol. er schien auch ein bisschen verzweifelt angesichts der grösse des themas und wie er das anpacken solle. er sprach davon wie schwierig es sei, die mechaniken und zusammenhänge der blogosphäre zu visualisieren und wir redeten über die thematischen blogblasen und mir fiel ein, wie faszinierend ich die visualisierungen der deutschen blogosphäre von john kelly auf der republica letztes jahr fand, oder auch die, die wikio erstellt. wir sprachen über die beschleunigung der empörungswellen, wie das bei moni und transparency noch fast eine ganze woche dauerte, bis die geschichte in die mainstream-medien schwappte und bei markus beckedahl und der abmahnung durch die bahn bereits nach ein paar stunden zum ersten spiegel-online-artikel führte und das man das sicher auch prima visualieren könne. nach drei stunden hatten wir so zimelich jeden aspekt des deutschen blogdings zumindest mal angeschnitten, ich war heiser und marcus jauer musste nach hause, weil er noch einen text schreiben musste, der am nächsten tag fertig sein sollte.
ich hatte das gefühl ein paar missverständnisse aufgeklärt zu haben und zumindest ein bisschen meiner euphorie und faszination am blogdings auf marcus jauer übertragen zu haben. als er dann am ende noch erwähnte, dass er die tage noch einen fotografen vorbeischicken würde, war ich ehrlichgesagt ein bisschen überrascht, ich hatte unser gespräch gar nicht so sehr als interview gesehen, sondern als gespräch über das bloggen und die faszination daran. das mit dem fotografen glaubte ich auch nicht wirklich, bis der ein paar tage später tatsächlich anrief um einen termin mit mir auszumachen. als marcus jauer gegen halb elf ging, blieb ich noch kurz sitzen, trank mein bier aus und war freudig überrascht als ich bezahlen wollte, dass er bereits für mich mitgezahlt hatte. am nächsten tag schickte ich ihm noch ein paar links und drei tage später fragte marcus jauer nochmal per mail nach, seit wann ich in berlin sei.
als der artikel dann am 14. april rauskam war ich erstmal wirklich begeistert von den fotos. von allen. als ich den artikel las, musste ich ein paar mal lachen, die gemeinheiten gegen robin meyer-lucht fand ich respektlos und witzig, die gegen jörg wittkewitz waren mir fast ein bisschen zu schonungslos, aber ich bin anfällig für schadenfreude. ich wunderte mich, dass „WordPress.com“ bereits um die jahrtausenwende programme angeboten haben sollte (zuckte aber mit den schultern), wunderte mich wie frustriert frank westphal dargestellt wurde (so hatte ich den bisher noch nicht kennengelernt), wunderte mich über den schönen satz „Man wirft einen Stein ins Wasser und löst einen Tsunami aus“ den ich gesagt haben sollte (ich finde das bild mit dem schmetterlingder einen wirbelsturm auslöst viel besser — von schmetterlingen habe ich allerdings genausowenig gesprochen wie von tsunamis). ich wunderte mich noch über ein paar weitere kleinigkeiten *), fand den artikel aber insgesamt nicht schlecht oder, wie jörg-olaf schäfers das ausdrückte , war der „Grundton“ …
Nicht vernichtend, aber durchaus kritisch. Es ist in den letzten 5 Jahren nun einmal nicht alles perfekt gelaufen. Kurz, für drei Seiten in einer “allgemeinen Zeitung” ging das schon ok. (jörg-olaf schäfers)
interessanterweise fanden meine eltern und mark pohlmann den artikel „gut“. als ich mark pohlmann sagte, dass ich den artikel teilweise etwas boshaft und überheblich fand, widersprach er und nannte ihn „schonungslos“. jedenfalls lag mein richtigstellungsdrang ungefähr bei null, eine seite die ich an mir noch nicht kannte und die ich mir bis heute nicht so recht erklären kann. aber schliesslich war ja auch republica und es gab ungefähr zweitausend interessantere dinge als einen artikel in der FAZ. robert basic nennt eine solche haltung glaube ich „schulterzuck“.
ich habe dem jetzt-sag-ich-auch-mal-was-dazu-drang jetzt auch nur deshalb nachgegeben, weil thomas knüwer sich gerade so echauffiert, johnny sich über ein untergeschobenes kippenberger-zitat ärgert und ich mich nun frage, welche zitate ausser johnnys und meinen sich marcus jauer sonst noch so zusammengereimt hat? vor allem aber, warum?
warum arbeitet jemand, der monate der recherche in ein stück packt, sich den arsch aufreisst um sich in die materie einzuarbeiten, stundenlang gespräche führt, an einer der entscheidenden stellen so nachlässig? an genau der stelle (den zitaten) an der er sich angreifbar macht und seinen ruf als ordentlicher handwerker aufs spiel setzt? mag ja sein, dass die zitate im weitesten sinne „sinngemäss“ sind, aber ist so eine arbeitsweise nicht vergleichbar mit einem lackierer, der den kotflügel, den er mühevoll in 12 schichten auf hochglanz lackiert und poliert hat, so schludrig anschraubt, dass er bei der probefahrt abfällt?
mich wundert nicht die boshaftigkeit schonungslosigkeit und das vernichtende urteil das jauer fällt (die ich legitim finde), sondern die schlampigkeit von jauer.
nur — marcus jauer wirkte auf mich nicht schlampig, sondern sympathisch, aufgeschlossen und durchaus mögig. vielleicht ist jauers nachlässigkeit in „Deutsche Blogger“ ja ein ausdruck seines widerwillens oder seiner lustlosigkeit, einen text über etwas was er in wahrheit gar nicht so schlecht findet, in eine FAZesque, leicht überhebliche und dünkelhafte form giessen zu müssen. das wäre freilich die philanthropische erklärung. die misanthropische erklärung wäre, dass jauer den text von seinem hyde schreiben liess. oder dass ich nicht nur ein miserabler vermittler der faszination des bloggens bin, sondern auch ein miserabler menschenkenner.
marcus jauer schrieb mir heute übrigens, dass johnny das kippenberger-zitat in genau dem zusammenhang gesagt habe, in dem er es in seinem artikel verwendet habe. das gleiche gelte für mein tsunami-zitat. er sei sich da ganz sicher und hätte, wenn er sich unsicher gewesen wäre, nachgefragt. ich sehe das, zumindest bei meinen zitaten, ein bisschen anders, denn das blogdings-thema macht mich zwar redselig, aber nicht pathetisch. ich kann zwar mit wörtlichen zitaten, die gerade mal sinngemäss sind, gut leben, wäre aber mal gespannt, was der FAZ-qualitätsjournalismusbeauftragte dazu zu sagen hat.
-- *) gewundert habe ich mich auch über die unterstellung ich hätte gedroht einem „Kritiker“ die „die Fresse zu polieren“, obwohl unter dem (korrekt zitierten) satz ein gut sichtbarer link steht, der erklärt, dass das ein missratener witz und mitnichten eine drohung war. nicht gewundert habe ich mich über die drei rechtschreibfehler in einem absatz über mich, weil ich für rechtschreibfehler einen blinden fleck habe (meine theorie ist, dass marcus jauer die rechtschreibfehler unbewusst als reverenz an mich eingebaut hat). und wenn ich schon bei kleinteiliger kritik bin, könnte ich auch noch die bemerkung einschieben, dass ich gegen die vodafone kampagne nicht „der Wirkung wegen“ war, sondern aus prinzip. was hingegen stimmt, ist das was marcus jauer in der bildunterschrift unter meinem bild geschrieben hat: „Felix Schwenzel schreibt unter wirres.net. Von den Leuten, die ihn lesen, will er immer wieder hören, dass sein Blog lustig ist.“ nur sagen würde ich sowas niemals.
heute war der zug von berlin nach hamburg mal wieder voll, so dass ich wie letzte woche samstag auf den speisewagen ausgewichen bin. die atmosphäre war mal wieder nicht ganz im sinne der bahn, die ja meint angenehm wäre es im speisewagen nur ohne handys und laptops. mein laptop war aufgeklappt und spielte die aktuelle folge „lost“ ab, gegenüber hatte auch jemand seinen laptop aufgeklappt, daddelte aber vornehmlich an seinem iphone rum, daneben zwei anzugträger die anderthalb stunden auf ihr handy starrten und neben mir einer der hin und wieder mit seinem telefon telefonierte, es fünfmal rebootete und ansonsten draufstarrte und draufrumwischte. der rest der anwesenden personen im speisewagen zog es vor laut zu reden und zu gackern.
lost demonstrierte mal wieder, dass die autoren der serie ihre zuschauer auch in den letzten folgen nochmal kräftig verwirren und auf die falschen fährten setzen wollen und lässt mich die tatsache verfluchen, dass fernsehserien im wochenrhytmus ausgestrahlt werden und sich nicht wie DVDs am stück weggucken lassen. vor allem ist lost nur 43 minuten lang, so dass ich nach der sendung noch weitere 45 minuten zeit hatte.
beim durchklicken in itunes fand ich noch ein paar alte folgen der dctp.tv-reihe „meinungsmacher“ in irgendeinem itunes-verzeichnis. solche filme per RSS als echten podcast anzubieten ist doch ziemlich genial. das zeug lädt sich automatisch auf den rechner und man kann es irgendwann im zug auf seiner festplatte schlummernd entdecken. die cloud und streaming-gedöns in ehren, offline hat auch was für sich.
ein paar der meinungsmacher-videos hatte ich bereits gesehen, ein paar hatte ich offensichtlich vergessen zu sehen. zum beispiel das interview mit esther slevogt vom theaterkritik-blog nachtkritik.de. da ging es um das publizieren in der nische, begeisterung und euphorie für eine sache, der man mit ein paar einfachen technischen hilfmitteln und etwas geld, einfach und abseits der ausgetretenen pfade ausdruck verleihen kann. mir fiel auf, dass „begeisterung“ eine viel bessere definition des begriffs „bloggen“ abgibt als die eher ungelenken versuche das mit einer technischen plattform, der umgekehrt chronologischen veröffentlichung von artikeln oder kommentaren zu definieren.
bloggen ist, wenn jemand mit spass und euphorie über themen schreibt die ihn interessieren und das veröffentlicht.
so gesehen, kann bloggen auch auf papier oder im rahmen einer grossen oder kleinen verlagspublikation passieren. ein gutes beispiel für einen blog-artikel der zufällig in einer zeitungspalte veröffentlicht wurde und deshalb kolumne heisst, habe ich heute zufällig in der berliner zeitung gelesen (witziger artikelwitzige kolumne von patrick beuth).
danach hab ich dann — huch — ein interview mit frank schirrmacher gesehen. sehr oldschool im 4x3, statt in diesem modernen 16:9 format. das interview mit schirrmacher führte alexander kluge, der es im gegenteil zu philip banse vorzieht im off zu bleiben und nur eine einizige, feste kamera-position benutzt. nix gegen banse, für seine republica-interviews dieses jahr kann man ihm gar nicht genug danken (danke!). aber kluge muss man auch danken, für dieses interview mit schirrmacher. in dem interview merkt man, dass schirrmachers biotop nicht die normalen fernseh-talkshows sind (bei illner ist er geradezu verdörrt), sondern das gespräch mit anderen intellektuellen. schirrmacher überschlägt sich geradezu vor freude über jede frage von kluge („ganz genau!“, „absolut!“, „ja! ja!“, „sehr gutes bild!“), kann aber seine position, bzw. die fragen die er meint angesichts der digitalisierung der welt freigelegt zu haben, überzeugend erklären. anders gesagt, seit ich das interview von alexander klug mit frank schirrmacher gesehen habe, habe ich überhaupt keinen bock mehr auf schirrmacher-bashing. im gegenteil, mir ist plötzlich nach schirrmacher-kuscheln.
dass schirrmacher eine feines näschen für die richtigen debatten zur richtigen zeit hat, war mir schon länger klar. und ich bin sicher nicht der einzige der bewundert, wie er diese debatten, zum nutzen seiner zeitung, befeuert und steuert. was mir am interview besonders gefiel, das wort „multitasking“ fiel nicht einziges mal und schirrmacher zeigt, dass er weder technophob, noch ahnungslos, alarmistisch oder pessimistisch ist. er beobachtet die digitale-revolution und zieht ein paar frappierend überzeugende schlüsse, die man nicht einfach beseite wischen kann.
das überzeugenste bild das er zeichnet, ist dass ingenieure nicht erzählen, obwohl sie (derzeit) „den roman des lebens schreiben“. er fordert, dass wir die werke der ingenieure und programmierer, die algorithmen die die zunehmend digital geprägte welt steuern, in narration übersetzen oder in bilder fassen müssen. das ist viel pragmatischer und klüger als beispielsweise susanne gaschkes das-ist-und-macht-alles-doof-haltung. auch schirrmachers warnung vor der allmacht der algorithmen, über die sich viele gerne lustig machen, erscheint nachdem man das interview gesehen hat viel schlüssiger. wenn diese algorithmen nämlich von institutionen genutzt werden, sei es zur terror-abwehr oder krankheitsfrüherkennung und das intuitive, das mitgefühl ausmerzen, könnten wir das eine oder andere grössere gesellschaftliche problem bekommen. genau betrachtet haben wir die probleme schon, man muss nur mal jemanden fragen dessen namensvetter auf der amerikanischen nofly-liste steht oder wer in einer nicht so guten gegend wohnt und bei der beantragung eines kredits ein schlechtes scoring erzielt.
steile these: wer das schirrmacher-interview gesehen hat, macht es sich mit schirrmacher-bashing künftig nicht mehr so leicht. ix zumindest.
gestern im supermarkt gesehen, wozu ein enganliegender kopf-schleier gut sein kann. zum beispiel, indem man sich das handy zwischen schleier und wange steckt und den schleier als freisprecheinrichtung nutzt.
auf dem nachhauseweg drang eben fussgängerzonen-trompetenmusik aus der lychenerstrasse. tatsächlich liefen da zwei männer, einer mit trompete, einer mit einer zieharmonika und eine frau mit schellenring auf der strasse entlang und spielten musik. offensichtlich warteten sie auf geldregen, da sie abwechselnd auf die rechte und die linke häuserfront nach oben blickten. es schien aber niemand geld aus dem fenster zu werfen. 20 minuten später find es dafür an zu regnen.
hört sich absurd an, ist aber sinnvoll: ein paar leute sammeln lustige tweets, packen die in eine keynote-präsentation, präsentieren die mit etwas anmoderation vor ein paar hundert leuten, eine davon fotografiert die slides und veröffentlichen die fotos auf flickr . die fotos könnte man theoretisch in ein buch drucken. achnee. das mit dem buch läuft dann doch anders.
auf zeit online ist ein von mir geschriebener text erschienen, der leider nicht mit „warum das internet scheisse ist“ übertitelt ist, aber der die verschriftliche essenz meines vortrags auf der republica am freitag ist. für die schriftversion habe ich jeden humor aus dem text gestrichen.
ein video-mitschnitt (bootleg) inklusive der gags ist bereits am samstag von christian cordes auf vimeo veröffentlicht worden. demnächst erscheint vielleicht auch noch der offizielle live-stream-mitschnitt auf re-publica.de.
in der morgenpost und der FAS wurde der vortrag am freitag und am sonntag erwähnt. den text in der FAS von harald staunfindetthomas knüwer aus irgendwelchen gründen beleidigend, ich nicht.
im katzenblog gibts eine ultrakurz-zusammenfassung des vortrags, anne roth fand meinen vortrag „Oldschool“, marco friedersdorf „cool gemacht“, svensonsan fand ihn gut zusammenfassbar, mcwinkel „sehr, sehr geil“ und @zebel fand, dass die präsentation harmloser wirkte als sie war. das bild ist von max.
ich bin froh dass ichs hinter mir habe und freue mich über das erstaunlich positive feedback.
bln.fm fand dass ix sehr treffend feststellte, „Das Internet ist scheiße, weil die Welt scheiße ist.”
jens scholz will den vortrag, wenn er mal online ist, „auf Teufel komm raus“ verlinken.
claudia killian fand den vortragstitel „anrüchig“ und die artikelüberschrift etwas seriöser.
in den speisekarten der speisewagen der deutschen bahn steht:
Wir sind bemüht unseren Gästen eine angenehme Atmosphäre zu bieten. Aus diesem Grund sind wir Ihnen dankbar, wenn Sie im Speisewagen auf die Benutzung Ihres Handys und Laptops verzichten.
unfreundliche bedienung, schlechter kaffee und wucherpreise sind auch gründe die eine angenehme atmosphäre zerstören können. ich wäre der bahn dankbar, wenn sie darauf verzichten könnte. und die liste bitte um diese punkte erweitern würde: pupsen, rülpsen, lautes lachen, lesen von überdimensionalen zeitungen.
den zweiten tag der republica habe ich gegen 10 im quatsch comedy club begonnen. dort, in der atmosphäre eines „70er-Jahre-Softporno-Sets“, sprach geert lovink. der gilt als internet-kritiker, was man auch raushören konnte weil er sich teilweise dem internet oder der open source-idee gegenüber kritisch äusserte, das aber irgendwie nicht schlüssig belegen konnte und mehr energie darauf verwendete über die arbeit seines instituts zu reden. der vortrag wirkte etwas unschlüssig und konfus, aber die atmosphäre und cocktail-bestuhlung im #qcc fand ich sehr angenehm.
danach spachen wolfgang blau und kristin zeier mit mark glaser über irgendwas mit journalismus, was interessant war aber von dem ich kein wort wiedergeben kann, weil ich mir nichts gemerkt und nichts notiert habe. franziska hat sich was gemerkt, aber was das war, hab ich gerade schon wieder vergessen. bemerkenswert ist aber vielleicht noch, dass wolfgang blau tatsächlich ziemlich gut fragen stellen kann, sogar auf englisch. kristin zeier spricht auch toll englisch, kann aber nicht so gut fragen.
das panel über fallstricke und chancen im communitymanagment war mir dann endgültig ne nummer zu trocken und ich entschied mich irgendwas anderes zu machen. in der business-lounge (in die nur die 21 business-ticket-käufer und „speaker“) durften gabs noch ein stück lachs, vier dünne scheibchen zuccini und acht reiskörner. das essen war sehr lecker und salzig.
gegen 1430 bin ich dann zum ersten mal zum workshop2-raum gegangen um nicht wieder nicht reinzukommen. der raum war aber geschlossen und hatte einen zettel an der tür auf dem stand „voll sorry“.
das fand ich nett, kam aber nicht rein. um 1445 hab ich mich dann in die schlange vor dem „voll sorry“-raum gestellt und bekam tatsächlich einen platz um jens scholz, caro, anne roth und bov darüber reden zu hören was am internet hassenswert ist. eingeleitet wurde von bov mit diesem text, was ich sehr, sehr lustig fand. hassenswertes am internet haben die vier nichts gefunden, wohl aber einiges was nervt. am besten hat mir gefallen, dass caro sagte, dass blogger die noch nicht mal die adjektive aus pressemitteilungen streichen nerven würden. das hab ich natürlich gleich für meinen vortrag geklaut (danke caro).
danach hab ich noch einige stunden auf der republica rumgestanden und das rumstehen sehr genossen, bevor ich nach hause gegangen bin um weiter an meinem eigenen vortrag zu schreiben. der vortrag lastete mir nun schon zwei oder drei wochen wie ein schweinebraten im magen. vor peinlichen situationen bei öffentlichen auftritten hab ich schon länger keine angst mehr, aber die furcht völlig zu versagen oder zu blackouten sitzt tief. deshalb hatte ich mir gedacht, dass ich den vortrag einfach vorher vorbereiten könnte, mir also vorher ausdenke was ich sage und dazu ein paar keynote-slides vorbereite die mir dann helfen mich zu erinnern was ich eigentlich sagen wollte. wochenlang hab ich drüber nachgedacht was ich wohl erzählen würde — ergebnislos bis sonnatg abend, ca. 22 uhr. die idee auszuformulieren hat dann bis freitag 14 uhr gedauert.
(der letzte absatz ist die längste entschuldigung den bobs fernzubleiben die jemals geschrieben wurde.)
freitag fing um 10 mit dem unfassbar langsam redenden, aber unerhört überzeugenden götz werner an. werner beherrscht die kunst wie eine kung-fu-katze* zu argumentieren und passt allein deshalb auf eine katzenbild-fan-veranstaltung wie die republica. erstaunlich ist die agressive ablehnung die ihm von mitgliedern der grünen entgegenschlägt. das habe ich vor vier jahren mal bei götz werner im streitgespräch mit fritz kuhn erlebt und diese jahr als sich julia seliger als fragestellerin getarnt vor ihm auskotzte.
bei miriam meckel zog das rhetorische tempo dann wieder an. meckel ist brilliant, witzig, locker und irre sympathisch. trotzdem hab ich mich gelangweilt, bin abgeschwiffen und schliesslich rausgegangen. ich hatte ja auch noch nen vortrag vorzubereiten. das hab ich dann auch gemacht, habe mir um 1430 uhr zwei micro-bier reingekippt und bin um 15 uhr in den quatsch comedy-blub gegangen um mich dort zu akklimatisieren. das hat auch hervorragend geklappt, die stimmen von fiete stegers, tim pritlove, markus heidmeier und daniel fiene hatten eine äusserst beruhigende bis einschläfernde wirkung auf mich. allerdings musste ich dreimal aufs klo rennen.
dann war ich dran, hab die anmoderation von bov versaut (sorry bov) und zum ersten mal auf der bühne einer comedy-bühne (zu meinem erstaunen) leute zum lachen gebracht. 16. april 2010: erster auftritt im quatsch comedy club in berlin — das wird das highlight meines lebenslaufs. zwei stunden später gabs bereits eine rezension in der morgenpost die den vortrag erstaunlich treffend zusammenfasst. noch kürzer hat max den vortrag zusammengefasst. in ein paar tagen gibt es wohl eine videoaufzeichnung von der veranstaltung (nachtrag: hier gibts ein bootleg), ebenso wie einen von allen gags befreiten vortragstext (nachtrag: seit montag auf zeit.de).
*) kung-fu-katzen argumentieren so, dass sich die argumente in den kopf des zuhörers einschleichen und dort den eindruck machen selbst-ausgedachte argumente zu sein. ausserdem können sie gegnerischen argumenten so ausweichen, dass sie sich automagisch gegen den gegner wenden.
[nachtrag 22:30] christian cordes hat bovs und meinen auftritt mitgefilmt und auf vimeo veröffentlicht .
mein vortrag heute nachmittag auf der republica hat eine vorgruppe bekommen. bov bjerg hat mir eben zugesagt, dass er seinen grandiosen einleitungstext zur „Internet-Schimpfrunde“ von gestern nochmal vor meinem vortrag vorlesen wird. es soll ja leute geben die gestern nicht in den workshop2-raum gekommen sind oder nicht lesen können.
also: „warum das internet scheisse ist“ heute 16:00 uhr im quatsch comedy club mit 10 minuten bov bjerg und 30 minuten felix schwenzel
peter glaser verpasst, den text auch noch nicht nachgelesen. ist aber bestimmt toll, der text.
keynote verpasst, soll aber unverständlich gewesen sein.
jeff jarvis fasziniert zugesehen und zugehört. er ist unterhaltsam, unprätentiös und überzeugend. mir würde jarvis aber noch viel besser gefallen, wenn er seine thesen, seine ideen, seine hypothesen nicht einer willige masse von kopfnickern (wie mir) in den rachen werfen würde, sondern sie in einer debatte mit einem ebenbürtigen gegner verteidigen müsste. nur wer soll das machen? stefan winterbauer ? och. hmm.
udo vetter gesehen. udo vetter hat humor. allerdings sehr, sehr trockenen. habe mehrfach (trocken) gelacht.
kathrin passig war leider voll. also der veranstaltungsraum in dem sie darüber geredet hat wie man leuten nix beibringt. mir hat sie tatsächlich nix beibringen können, weil ich nicht mehr reinkam (in den veranstaltungsraum).
peter kruse gesehen ( video ). grandiose vorstellung, vor allem deshalb, weil er einen 60 minuten vortrag durch schnellsprechen in 30 minuten gequetscht hat. alles ging sehr schnell, aber jedes einzelne wort war druckreif. besonders sympathisch an kruse ist mir, dass er offenbar weniger auf die wirkung seiner akademischen titel wert legt, sondern sich auf die kraft seiner worte verlässt. und die reichen aus um ihm hiermit den völlig unakademischen titel „guru“ zu verleihen.
einen vortrag über irgendwas mit realität knapp 6 minuten ausgehalten und mich gefragt, was für drogen im spiel gewesen sein könnten. werde demnächst vielleicht mal in einer labor-situation koks und valium zusammen ausprobieren.
den vortrag von peter sunde über flattr (oder eigentlich genauer über die pirate bay) angesehen, musste ein paarmal sehr lachen, aber schwanke nach dem vortrag zwischen totaler begeisterung und dem drang die ganze sache skeptisch zu betrachten, aus prinzip. hege aber insgeheim die hoffnung mit flattr demnächst sechs bis acht euro pro monat mit dem bloggen dazuzuverdienen.
sascha lobo hat am anfang seines ziemlich langen aber auch grandiosen vortrags angekündigt, dass er „die scheisse um 68 minuten überziehen würde“. oder so. trotzdem wurden die twitterlesungs-people nach genau 30 minuten sehr, sehr nervös und verfielen genau 30 zentimeter hinter mir in unangenehme logorrhö die mich von sascha lobo ablenkte. vor wut hab ix ausversehen robert basic angeschissen, der gar nicht geredet hatte, aber hinter mir stand und ausserdem ungefähr 15 kilo gewicht an don dahlmann abgegeben hat. wie er das gemacht hat weiss ich nicht. don dahlmann übrigens auch nicht: „die kilos sind irgendwie über den winter zu mir gekommen.“ sascha lobo hat am ende ungefähr 59 minuten lang geredet. fast jede minute davon war unterhaltsam. komischerweise schien das ausser den twitterlesungs-people der ganze saal zu finden.
die twitterlesung fing mit einer gutgelaunten und spritzigen anmoderation von thomas knüwer an, die leider völlig unverständlich war, weil er leere stühle und im saal herumlaufende twitter-people mit @twitternamen vorstellte. die ersten vorgelesenen tweets waren teilweise zum brüllen komisch. ich bin trotzdem gegangen, weil mich irgendwas störte. keine ahnung was das war. vielleicht hatte ich noch logorrhö-reste im ohr.
an deutschen kiosken kann man derzeit hervorragende fotos vom hannoveraner fotografen daniel pilar kaufen die er von deutschen bloggern gemacht hat. ne ganze frankfurter zeitung und einen artikel über deutsche blogger gibts dazu.
frank westphal guckt nach rechts unten, ix nach links oben
die veranstaltungen auf der republica die ich mir dieses jahr ansehen möchte habe ix in einem öffentlichen google-kalender zusammengestellt. hier ist die .ics-datei des kalenders. und hier der kalender:
[nachtrag 03.03.2026: der kalender-embed der hier vorher war funktioniert nicht mehr]
besondes gespannt bin ix natürlich auf den vortrag von peter kruse, der über das was anliegt reden wird („whats next?“). peter glaser möchte ich auch nicht verpassen, werde ich aber wohl, weil ich es morgen sicher nicht bis 10:15 uhr in den friedrichstadtpalast schaffen werde. die keynote werde ix aber wohl schaffen. jens scholz, der aus irgendeinem grund über das gleiche wie ix reden wird, will ich auch nicht verpassen. jens scholz ist natürlich nicht so doof wie ich, dass er alleine steile thesen aufstellt, er stellt sie einfach gemeinsam mit anne roth, bov und caro auf. bin ix mal gespannt.
das wird sicher ein grosser spass heute abend im 2DF. bei maybrit illner diskutieren heute abend um 22:15 uhr
llse Aigner (CSU), Bundesverbraucherschutzministerin Kay Oberbeck, Google, Unternehmenssprecher für Nord- und Zentraleuropa Frank Schirrmacher, Herausgeber Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Internet-Kritiker, Autor u.a. “Payback” Constanze Kurz, Sprecherin Chaos Computer Club Andrea Kiewel, Moderatorin ZDF-Fernsehgarten Ibrahim Evsan, Unternehmensgründer, Buchautor und Experte für soziale Netzwerke
über das internet-dings. insbesondere bin ich gespannt inwiefern der 2DF-fernsehgarten im zusammenhang mit ausspähung, abzocke und dem internet im zusammenhang steht, ob ilse aigner ankündigen wird ihr FAZ-abo zu kündigen, weil ihr die datenschutzbedingungen der FAZ nicht passen und ob ibrahim evsan sein buch in die kamera halten wird.
ich finde ja eigentlich mit kulturkritik sollte man sich zurückhalten. trotzdem halte ich die erfindung der dönerpommes für den tiefpunkt der zivilisation.
gegen döner selbst habe ich nichts. im gegenteil. aber die preise irritieren mich dann doch ein bisschen. in hamburg zahlt man drei euro fünfzig fürs döner, in berlin, selbst in den tourismushochburgen knapp einen euro weniger. noch erstaunlicher fand ich, dass ein döner in hamburg soviel kostet wie ein ganzes tiefkühlhähnchen bei aldi.
was ist eigentlich aus dem guten alten christlichen credo „wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ geworden?
bischof mixa hat laut spiegel eine variation parat:
Als Erzieher und Lehrer der Kirche habe er mit Tausenden jungen Schülern, Messdienern und Chorsängern Kontakt gehabt. „Mein Credo galt und gilt bis heute: Ich bin gut zu euch, seid bitte auch gut zu mir“, wird Mixa zitiert. Mindestens sechs ehemalige Heiminsassen haben Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen von 1975 bis 1996 die Anwendung körperlicher Gewalt vorgeworfen.
laut matthäus sagte jesus auch: „Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.“
das bistum augsburg (wo walter mixa als bischof dient) variert die alte lehre aus der bergpredigt laut tagesschau.de auch hier ein bisschen:
Zuvor hatte das Bistum Augsburg die Vorwürfe umgehend dementiert und sich rechtliche Schritte vorbehalten. Die Anschuldigungen seien „absurd, unwahr und offenbar in der Absicht erfunden, den Bischof persönlich zu diffamieren“, hieß es in einer Stellungnahme.
früher haben sich die christen nen tacken mehr mühe gegeben christlich zu erscheinen. zumindest nach aussen.
am 24.3.2010 hatte der tagesspiegel noch „Hoffnung für [das] Berliner Riesenrad“, obwohl im tagesspiegel vom 1.3.2010 schon stand, dass aus dem riesenrad am zoo wohl nichts werde, weil die investoren in der „Kreditklemme“ steckten. andererseits stand am 4.11.2009 in der zeitung, dass sich das riesenrad 2012 drehen solle. jetzt, am 3.4.2010, sieht der tagesspiegel die „Riesenrad-Schlussrunde“, da „nach Tagesspiegel-Informationen […] von den 208 Millionen Euro, die für zunächst drei Räder eingesammelt worden waren, nur noch 19 Millionen Euro da“ seien.
das riesenrad ist für den tagesspiegel ganz offensichtlich ne riesenachterbahn-fahrt.
ich habe vor ein paar tagen in die „lange helmut kohl nacht“ hineingeschaut. ich erinnere mich, einmal vor vielen jahren in einen zeitungsartikel gelesen zu haben, dass helmut kohl sich täglich zweimal rasierte. in der langen kohl-nacht erfuhr ich warum, bzw. was passierte, wenn er sich nur einmal rasierte:
später dann ein film, der berichtet wie kohl im wahlampf 1976 nach amerika fuhr:
sprecher: „das mächtige capitol in washington, wo senatoren und kongressmänner einen präsidenten nixon zum rücktritt zwangen, war oft schon kulisse für bundesdeutsche wahlkämpfe. so auch diesmal. ein neger kommt wie gerufen, um macht und soziale verantwortung zur bereitwillig abgefilmten rührszene zu kombinieren.“
kohl: „das ist doch ein bild!“
interessant, dass schwarze amerikaner 1976 im deutschen, öffentlich rechtlichen fernsehen noch „neger“ genannt wurden und lediglich als „rührselige“ accessoires wahrgenommen wurden.
diesen stuhl von nendo habe ich auf der website „thinkin for a living“ gefunden. wobei ich „thinking for a living“ fast so geil finde wie den stuhl. ein extrem gutes beispiel dafür, dass webseiten durchaus so etwas wie haptik haben können. die site lässt sich mit der maus, mit dem scrollrad oder mit der tastatur steuern und navigieren. auf berührungsempfindlichen telefonen funktioniert sie durch schieben und ziehen. und das alles ohne flash, ohne plugins oder ohne aufheulenden lüfter. nur mit wordpress und javascript. ohne javascript funktioniert die site natürlich auch.
das ist ein bisschen wie in der architektur oder dem automobilbau. häuser oder autos die nur in der sonne oder frisch gewaschen und poliert gut aussehen, nicht aber im regen oder hohen alter, sind meist, vom gestalterischen standpunkt nicht viel wert. ein gutes haus (oder auto) altert in würde. gute webseiten können ohne ende aufgepimpt sein (solange sich das gestalterisch nicht allzu laut in den vordergrund spielt), wenn sie in würde degenerieren (oder wie der webdesigner sagt, if they degrade gracefully).