moni hat bei ihrem sohn an der schule ein plakat gesehen, auf dem die berliner polizei (oder genauer, der „kriminalpolizeiliche staatsschutz“) fotos von schülern wurden abgebildet hat, die bei einer schüler-demo fotografiert wurden. der „staatsschutz“ bittet auf dem plakat um „angaben zur identität“ der „abgebildeten personen“. moni meint, dass es sich bei den abgebildeten offensichtlich um ganz normale schüler handele und auch der fahndungstext ist eher nebulös: die abgebildeten personen seien bei delikten wie „besonders schwerer landfriedensbruch, gefährlicher körperverletzung, volksverhetzng, diebstahl, hausfiredensbruch usw.“ „festgestellt“ worden. festgestellt?
versteh ich nicht. sind sie bei den delikten beobachtet worden? sind sie der tat verdächtig? oder bereits irgendwie in abwesenheit verurteilt worden? ist der vedacht zweifelsfrei vorhanden, dass man die gesichter der schüler einfach so auf ein fahndungsplakat drucken kann und mit den genannten delikten in direkten zusammenhang bringt? macht die polzei das neuerdings bei allen verdächtigen deren identität nicht zweifelsfrei feststeht?
ich mein, es kann ja sein, dass man ladendiebstähle schneller aufklärt, wen man alle kunden eines supermarktes fotografiert und alle die verdächtig aussehen oder zu einem bestimmten zeitpunkt an der ausgeraubten käsetheke standen, auf einem plakat abbildet und die gesichter in der ganzen stadt aushängt. auch mehdorn wäre sicher schneller zurückgetreten, wen die berliner polizei ihn auf einem fahndungsplakat abgebildet hätte und ihn darauf einfach mal vorsorglich öffentlich des bruchs des fernmeldegeheimnisses oder bahnfriedensbruchs verdächtigt hätte.
Was ist das nun aber für eine Gesellschaft, in der junge Menschen, die einmal über die Stränge geschlagen haben, an öffentlichen Orten auf großen Fahndungsplakaten wie Terroristen gesucht werden? Genau wie die penetrante Fotografiererei der Polizei ist diese überbordende Kriminalisierung ein für meine Begriffe völlig unzulässiges Mittel der Repression.
apropos staatsschutz. es wird wirklich zeit, dass mal jemand anfängt bürger vor dem staat zu schützen.
noch nie haben mir regierende, die es ja wahrscheinlich irgendwie „gut meinen“, mehr angst gemacht als in diesen wochen. bekanntlich ist das gegenteil von gut, gut gemeint.
ix hab keine ahnung was die da mit der fläche auf der mal der palast der republik stand machen, ausser, dass dort enorme massen sand angekarrt und verteilt werden.
[nachtrag 26.03.2009] ich habe doch noch rausgefunden was auf der fläche des ehemaligen palasts passieren soll: eine grosse grünfläche mit holzstegen, geplant vom landschaftsarchitekten-büro „relais“. sieht gut aus. und ich wette, es bleibt bis zum jahr 2020 bei der provisorischen grünfläche.
[nachtrag 27.03.2009] mit freundlicher genehmigung der relais landschaftsarchitekten diese visualisierung der übergangsnutzung am schlossplatz.
gestern hab ich im fernsehen wieder ein paar sachen gelernt. die letzte sendung des „kölner treffs“ erfüllte also quasi den öffentlich rechtlichen bildungsauftrag.
1. ich ertrage gundrun landgrebe nicht irgendwie sieht sie ja ganz bezaubernd aus, die landgrebe. so ertrug ich die kameraschwenks die sie zeigten im laufe der sendung völlig problemlos. allerdings — und ich übertreibe nicht — beim ersten satz aus ihrem mund, musste ich sofort vorspulen. ich finde das deshalb bemerkenswert, weil ich sie als schauspielerin, beispielsweise in „das merkwürdige verhalten geschlechtsreifer großstädter zur paarungszeit“ sehr gut aushielt. bemerkenswert auch deshalb, weil ich selbstgefälliges, humorloses und wichtigtuerisches rumgerede manchmal durchaus 5-10 minuten aushalte, zum beispiel bei guido cantz.
2. guido cantz ist nicht witzig guido cantz scheint ganz ausserordentlich diszipliniert und fleissig zu sein, ein echtes arbeitstier, einer der seit bald zwanzig jahren die immergleichen auswendig gelernten pointen in bierzelten und karnevalssitzungen abfeuert, einer der sich für harte und stumpfsinnige arbeit nicht zu schade ist. diese disziplin nötigt mir respekt ab, aber er ringt mir nicht ein einziges müdes lächeln ab.
3. lächeln kann schmerzen die geschwister hofmann, zwei schwäbische schwestern die ihr geld unter anderem mit volksmusik und lächeln verdienen, sehen aus, wie sich die moderatoren in privatradios anhören: immer am lächeln und sich über irgendwas am freuen. die schwestern haben in der sendung 45 minuten dauergelächelt.
4. ich ertrage bettina böttinger nicht also eigentlich ertrage ich sie schon, aber eher mit der eigentümlichen faszination die mich beim betrachten von überfahrenen tieren ergreift. sie schafft es trotz einer mit plattitüden und betroffenheitsrhetorik triefenden gesprächsführung, mit todernstem gesicht und völliger abwesenheit von humor, immer mal wieder gar nicht mal so uninteressantes gespräche hinzubekommen. wirklich unerträglich war wiederum, als sie den kölner oberbürgermeister und einen pfarrer zum eingestürzten kölner stadtarchiv befragte. da wirkte ihre mimik noch staatstragender und maskenhafter als die des oberbürgermeisters. das muss man erstmal hinbekommen.
aber besonders unerträglich ist ihre stolz vorgetragene ignoranz. da fragt die moderatorin diverser fernsehsendungen, in denen prominenten und weniger prominenten teils sehr persönliche fragen gestellt werden, doch tatsächlich, wie man so gestört sein könne, persönliches im internet zu veröffentlichen. wedekind, die seit einiger zeit bloggt, fragt sie:
sie schreiben persönliche dinge, aber die adressaten kennen sie nicht persönlich. ich persönlich unterhalte mich […], sehr altmodisch, lieber mit ner freundin. was ist der sittliche mehrwert […], dass sie das [gegenüber anonymen menschen] im internet tun? sie kennen die die es lesen […] nicht.
faszinierend, wie man im fernsehen sitzen kann und auf eine karriere zurückblickt, die zum allergrössten teil darauf aufbaut, möglichst vielen menschen spanende persönliche geschichten vor der kamera, vor tausenden anonymen zusehern, aus der nase zu ziehen. und wie man das, wenn es im inernet geschieht, in eine frage verpackt, verurteilen kann. aber wahrscheinlich ist das gar keine ignoranz, sondern arroganz.
immerhin antwortete beate wedekind darauf genau richtig, indem sie böttinger darauf hinwies, dass das im journalismus ja nun leider fast immer so ist, dass man die adressaten von dem was man schreibt nicht persönlich kennen würde.
5. bloggen funktioniert beate wedekind wurde unter anderem als „vollblutjournalistin“ vorgestellt. was auch immer das bedeuten soll. es bedeutet wahrscheinlich das gleiche wie „powerfrau“, nämlich gar nix. tatsache ist, dass beate wedekind offenbar gerne und viel zeitungen liest und ein grosses mitteilungsbedürfnis hat. also hat sie angefangen ins internet zu schreiben. in der sendung erfuhr man, dass sie dort ihren speiseplan veröffentlicht, ihre weltsicht und teilweise auch „persönliches“. ausserdem erfuhr man dass sie das quasi als hobby täte, also nichts damit verdient. was ich während der sendung sympathisch fand, war wie wedekind darstellte was daran spass macht: das veröffentlichen und schreiben an sich, das teilen von erlebtem und gelernten, sich dialogen öffnen und die freude daran zu haben, zu sehen, dass es andere (nicht alle) auch interessiert was man so denkt oder tut. ich hatte das gefühl, dass sie begriffen hatte, dass man, wenn man dinge teilt, erfahrungen, gefühle, scheitern aufschreibt, mehr zurückbekommt als man reingesteckt hat. also, dass sie die sogwirkung die „bloggen“ erzeugt oder erzeugen kann, erkannt hat.
wenn man sich dann aber ihr blog ansieht, schüttelt es einen erstmal. ästhetik ist frau wedekind offenbar ein fremdwort, dafür sind ihr begrüssungsformeln und grüsse ein grosses anliegen: jeder eintrag beginnt mit „Liebe Freundinnen und Freunde“ und endet mit
Beste Grüsse Ihre Beate Wedekind Eure Beate
wirklich erschütternd sind ihre vielfältigen meinungen, hier die vom 14.03.2008:
Meine Meinung? Nicht einmal die Eltern scheinen ja an ihn heran gekommen zu sein. Meine Meinung? Unglaublich Meine Meinung? Sauber! Gute Arbeit Meine Meinung? Eine durch und durch undurchsichtige Geschichte. Gut, dass er sich äußert. Meine Meinung? Eine prima Aktion Meine Meinung? Welch brutale Parallelwelt. Meine Meinung? Fataler Kreislauf Meine Meinung? Florian Gallenbergers erster Spielfilm; für einen Kurzfilm hat er schon einen Oscar bekommen. Hauptdarsteller Ulrich Tukur: grandioser Schauspieler Meine Meinung? Die Kölner Gebäude sind wirklich spektakulär. Die Nachbarschaft hat dennoch unter ihnen gelitten. Meine Meinung? Thesen, die unsere Hilflosigkeit nur unterstreichen. Meine Meinung? Das greift tatsächlich um sich. Meine Meinung? Sie hat sich doch gut wieder gefangen. Meine Meinung? Sehr sehr traurig und vollkommen unverständlich. Meine Meinung? Die armen Kinder. Meine Meinung? Eine der entwürdigendsten Gesten auf der ganzen Welt Meine Meinung? Interessant Meine Meinung? Vom alten Wissen der Hexen und Heiler. Meine Meinung? Da kommt der Appetit von ganz allein. Meine Meinung? Nur was für Schwindelfreie.
meine lieblingsmeinung? eindeutig das prägnante und differenzierte „Die armen Kinder“!
trotzdem. trotz all der typografischen und sprachlichen schrecklichkeiten, das blog von beate wedekind zeigt das grossartige am bloggen: jeder kann es. journalisten und manche blogfatzkes finden das ganz schrecklich, dass einfach jeder seine meinung, seine ergüsse veröffentlichen kann (obwohl die journalisten und fatzkes meisten das wort „dürfen“ wählen). ich finde es grandios. und es funktioniert. na gut. bei mir persönlich funktioniert „WAS GIBT’S NEUES.... ? Von Beate Wedekind, 57“ nicht, aber irgendwo, bei irgendwem, funktionierts. im prinzip.
ein kommentator bei stefan niggemeier schrieb heute:
Nur Menschen, die sich für so wichtig halten, dass sie der Welt miteilen müssen, was sie grade tun und denken, twittern. Und im Zweifelsfall ist alles von Belang.
[den kommentar halte ich für eine relativ exemplarische meinung zu twitter, insbesondere in diesem kommentarstrang. ich habe den jetzt nur zufällig rausgepickt.]
hm. das gegenteil von der welt etwas mitzuteilen ist schweigen. wäre die welt besser, wenn alle schwiegen? sollte der mitteilungsdrang reguliert werden, so dass sich nur noch zertifizierte meinungs-, befindlichkeits- und denk-experten mitteilen dürfen? oder anonyme supatopchecker in niggemeiers kommentaren?
naja. ich rege mich manchmal auch über den quark auf, der am nebentisch geredet wird. oder über die blödsinnigen kommentare bei stefan-niggemeier.de. oder über den hirnlosen mist, den turi2 schreibt. nur stelle ich deshalb nicht die gesprochene sprache in frage, oder verurteile andere, die zufällig auch die gesprochene sprache, blogs, twitter oder das fernsehen benutzen um sich, ihre meinung oder ihr wissen mitzuteilen.
was genau ist daran so schwer zu verstehen, dass nicht twitter der grund für den blödsinn ist der auf twitter zuweilen steht, sondern dass blödioten der grund sind für den blödsinn der auf twitter steht?
Christian Rach ist Saarländer. Er hat daher einen guten Draht zu Leuten auf jedem Level. Da gibt es keine Attitüde, aber auch keine bemühte Leutseligkeit. Es geht um die Sache, ohne die Personen dabei gering zu schätzen. Rach verliert bei solchen Besuchen zwar oft die Fassung, aber er brüllt und tobt nie, wie sein britischer Kollege Gordon Ramsay, sondern findet für seine Empörung deutliche, aber nie demütigende oder herabsetzende Worte. […] Rachs Kriterien sind, wie die eines jeden guten Kritikers, klar und für jeden nachvollziehbar: Einrichtung übersichtlich halten, viel selber kochen, viel sparen und allgemeine Sauberkeit und Umsicht walten lassen. Es sind Kriterien, die sich auf nahezu alle Branchen übertragen lassen.
das ist ganz grossartig geschrieben und der text kommt zudem ganz ohne katzen aus. würde man mich in die grimme online jury wählen, würde ich minkmar für diesen artikel einen goldenen dings verleihen.
ebenso verdient malte welding allein für diesen satz einen preis:
Wir sind im Arsch, aber dafür riecht’s hier gar nicht schlecht.
eigentlich verdient er für jeden satz dieses artikels einen preis.
um den bogen zu schliessen, zitiert malte am ende des artikels nils minkmar, der sagt, dass der letzte satz in camus „Der Mythos des Sisyphos” unsinn sei (der satz lautet „Man muß sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“). er schliesst sich minkmar an und sagt:
So einfach, so wahr. Man muss sich Franz Müntefering als unglücklichen Menschen vorstellen.
ich habe camus übrigens nie verstanden. ich wollte ihn immer verstehen, weil ich ahnte, dass das was er schreibt klug sein könnte und weil er immer so schicke klamotten trug. aber ich habe ihn nie wirklich verstanden. trotzdem glaube ich, dass eher camus als welding und minkmar recht haben. den stein muss sisyphos eh hochrollen, dazu hat ihn ja irgendein arschloch verdammt. wäre er unglücklich, hätte er eine doppelte last zu rollen: den stein und sein unglück. sich bei dieser scheiss-arbeit glücklich zu fühlen, darin eine erfüllung zu sehen, macht die ganze sache erheblich einfacher. ich arbeite im übrigen auch daran, künftig glücksgefühle beim erstellen meiner steuererklärung zu erleben. noch schaffe ich das nicht, aber ich weiss, ich kann es. irgendwann einmal.
heute abend war ich um 20 uhr mit zwei freunden im prassnik verabredet. ich habe in den letzten 5 jahren in berlin nicht herausfinden können, wann das prassnik aufmacht, ausser, dass es immer zu ist, ausser es ist nach 20 uhr. also habe ich mich die zweieinhalb stündchen bis acht in die neue odessa bar in der torstrasse gesetzt. das habe ich im sommer hin und wieder gemacht, wenn ich im prassnik verabredet war oder wenn die bvg streikte und ich zu fuss nach hause laufen musste und auf dem weg ein, zwei bierchen zu mir nehmen wollte. das eine oder andere mal habe ich mich auch gleich in der neuen odessa bar verabredet, es soll ja leute geben, die auch gerne schon vor 20 uhr bier trinken. beim biertrinken schaue ich — zumindest solange ich alleine bin — bevorzugt in meinen laptop. da stehen meistens dinge drin, die mich interessieren, manchmal schreibe ich beim biertrinken auch dinge in meinen laptop rein. so verbringe ich im übrigen meinen feierabend am liebsten. biertrinkend in den laptop schauend. (arbeit ist, kaffee-trinkend in den laptop zu schauen.)
nachdem ich heute abend dann in der odessa bar nach zwei stunden und zwei bier (mit zwanzig prozent trinkgeld) bezahlte, kam die bedienung nach 5 minuten nochmal angetrippelt, beugte sich zu mir herunter und sagte mir „eigentlich sind hier laptops nicht so gerne gesehen“.
bisher hat mein laptop in der gastronomie nie zu problemen geführt, ausser einmal glaube ich, da wollte das fellas in der stargarder mal für ne weile laptop-benutzer verscheuchen, damit die anderen gäste besser fussball gucken konnten oder sich nicht von laptops belästigen lassen mussten. ich weiss nicht ob das mittlerweile, wo kaum noch fussball gespielt, bzw. gezeigt wird, geändert hat, ich kanns ja nicht nachprüfen, wenn ich dort nicht mehr hingehe.
auch in der odessa bar kann ich nicht nachprüfen ob dort demnächst handys nicht mehr „so gerne gesehen“ werden, oder ob die betreiber künftig die lektüre der FAZ in ihren räumlichkeiten unterbinden wollen. kann ja sein und ist auch deren gutes recht. wo kämen wir denn hin, wenn jeder selbst bestimmen kann wie und welche medien er in der gastronomie zu konsumiert.
twitter hat, wie das geasamte internet, ungeahnte potenziale. man denkt ja, nicht nur in seriösen redaktionsstuben, dass das was auf twitter so abgesondert wird, völlig irrelvanter quark ist. tatsache ist aber, dass twitter ein kommunikativer sprengsatz innewohnt. befindlichkeiten kann ich nirgendwo effektiver kommunizieren als bei twitter. nur ein beispiel: als ich aus der premiere von „matrix revolutions“ spazierte, fing mich damals ein fernsehteam vom 2DF ab und interviewte mich kurz zu meinen eindrücken. meine unmassgebliche meinung (dass der film scheisse ist) wurde damals wirklich zur primetime im 2DF gesendet. das feedback dazu waren ca. 3 SMS von leuten die mich erkannt hatten. sondere ich meine meinung zu einem gesehenen film über twitter ab, sprechen mich danach mindestens doppelt so viele menschen darauf an, wie damals, zur primetime im 2DF.
ähnlich verhält es sich mit persönlichen mitteilungen. als die beifahrerin achtlos und stark verschlüsselt twitterete, dass wir überlegten uns aus steuerlichen gründen zu vermählen, wusste kurz danach die gesamte verwandschaft bescheid ohne dass wir auch nur einen einzigen angerufen hatte. ein einziger tweet kann in etwa so effektiv wie 60 minuten am telefon sein.
mittlerweile erfahre ich über twitter mehr über die befindlichdlichkeiten und den gesundheitszustand der verwandschaft, als über das telefon (und als mir lieb ist). hier kommt neuerdings ein gehöriges digitales gefälle ins spiel. am wochenende erreichte mich ein besorgter anruf der verwandschaft, dass ich das was ich auf twitter gelesen haben könnte, doch bitte nicht unbedacht telefonisch weitergeben solle, da man es der offline-verwandtschaft doch lieber persönlich, telefonisch mitteilen wolle.
ich lese sowas wahnsinnig gern. malte schrieb vorher, glaube ich, nicht so. immer schon wirklich gut, aber nicht so gut. ich lese das wirklich gerne. aber ich sehe auch geren „wetten dass …?“ und gucke mir auch gerne überfahrene tiere an.
ist das was malte da macht eigentlich hyperreal, surreal oder was ganz was anderes?
Fractional Horsepower is a very powerful idea. It says that sometimes you can make a new product by taking an old one and scaling it down.
technik radikal zu vereinfachen, aus weniger mehr zu machen, ist ein ein paradoxes, aber gut funktionierendes und erprobtes konzept. einen aspekt dieser idee steckt in mies van der rohes spruch „less is more“. aber es steckt noch ein anderer aspekt dadrin. wenn eine technik oder allgemeiner, ein sache enge grenzen hat, werden ungeahnte kreative kräfte freigesetzt. ich glaube der architekt günter behnisch hat mir das erstmals vor augen geführt, als er vom bau der berliner akademie der künste erzählte. behnisch baut ja gerne mit glas, die berliner bauvorschriften am pariser platz versuchten aber mit allen mitteln genau das zu verhindern, indem sie vorschrieben, dass fensterflächen nur einen gewissen prozentsatz der fassade bedecken dürften und der rest aus stein zu haben sei. die auseinandersetzung mit diesen vorschriften, das reiben an den engen vorgaben setzte ungeahnte kräfte in behnisch frei. er kämpfte schlussendlich eine komplette glas-fassade durch und stellte, wie man sehen kann, einen beachtlichen bau auf den pariser platz.
ich schloss damals aus behnischs erzählungen über den bau der akademie, dass einschränkung, einengung einen unstillbaren drang die grenzen zu sprengen entfacht und der am besten und am einfachsten zu erlangenden treibstoff für kreativität ist.
das beste beispiel dafür, was die vereinfachung und verknappung von eigenschaften zu entfachen vermag, ist twitter. aber das schreibt winer ja auch, seit jahrzehnten, oder so.