ele­na

felix schwenzel in bilder

vie­le din­ge auf der welt sind uns ver­bor­gen und ent­zie­hen sich un­se­rer wahr­neh­mung. das hat den vor­teil, dass wir uns über vie­les kei­ne sor­gen ma­chen müs­sen, weil wir es gar nicht mit­be­kom­men. um­ge­kehrt funk­tio­niert es aber auch, wir kön­nen din­ge se­hen, die gar nicht da sind. auf die­sen fo­tos aus den acht­zi­ger jah­ren, die ir­gend­wann viel zu nied­ri­g­auf­lö­send ge­scannt wur­den, sehe und rie­che ich un­se­re frank­reich­ur­lau­be wie­der vor mei­nem in­ne­ren auge und mei­ner in­ne­re­en nase. ich er­in­ne­re mich an un­ser al­tes haus in aa­chen/kor­neli­müns­ter und un­ser le­ben da­drin. ich er­in­ne­re mich an ele­na, wie sie war, ganz an­ders als ich. ele­na kam rein­lich und or­dent­lich aus dem mut­ter­leib, sie leg­te wert auf din­ge die mir egal wa­ren — und um­ge­kehrt. wir wa­ren von ge­burt an so grund­ver­schie­den, dass ich seit­dem der mei­nung bin, dass un­se­rer per­sön­lich­kei­ten sich von er­zie­hung, kind­heits- und ju­gend­er­fa­run­gen kaum ir­ri­tie­ren las­sen.

wie wir sind, wie wir wer­den, scheint zu ei­nem gros­sen teil vor­be­stimmt.

das ein­zig wich­ti­ge ist wohl lie­be. viel lie­be. die hat ele­na be­kom­men und frei­gie­big auf alle die mit ihr leb­ten ver­teilt. wir hat­ten eine ei­gen­tüm­lich star­ke bin­dung, die auf eine art be­din­gungs­los war und kei­ner wor­te be­durf­te. ich konn­te mich über sie lus­tig ma­chen und sie mich be­schimp­fen, ohne das die lei­ses­ten zwei­fel an un­se­rer ge­gen­sei­ti­gen lie­be auf­ka­men.

ich habe früh und viel ver­ant­wor­tung für ele­na über­tra­gen be­kom­men. ich er­in­ne­re mich, dass ich sie täg­lich vom kin­der­gar­ten ab­hol­te der et­was ent­fernt von un­se­rem zu­hau­se lag. ich be­treu­te sie nach­mit­tags, wäh­rend un­se­re el­tern ar­bei­ten oder stu­die­ren wa­ren. ob es eine gute idee ist ei­nen 12-jäh­ri­gen auf eine 5-jäh­ri­ge auf­pas­sen zu las­sen kann man wahr­schein­lich län­ger dis­ku­tie­ren. aber es hat un­se­re bin­dung ge­stärkt und uns mög­li­cher­wei­se bei­de rei­fen las­sen.

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