viel ge­übt in den letz­ten ta­gen : auf die de­cke le­gen, so tun als sei man ent­spannt und blei­ben, no mat­ter what. #fri­da hat das ziem­lich schnell be­grif­fen. 




Photo shared by felix schwenzel on June 27, 2020 tagging @katia__kelm. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

geht gut vor­an mit dem ich-näh-dir-eine-jog­ging­ho­se pro­jekt der bei­fah­re­rin. und ich muss jetzt erst­mal 80 kilo bein­mus­kel­mas­se auf­bau­en. 



Als al­ter, wei­ßer Mann im ku­sche­lig-pri­vi­le­gier­ten deut­schen Ho­me­of­fice fällt es mir schwer, die Nach­rich­ten, Ar­ti­kel und Vi­de­os zu den Black-Li­ves-Mat­ter-Pro­tes­ten und den Ru­fen nach der De­fi­nan­zie­rung der US-Po­li­zei („De­fund the Po­li­ce!“) rich­tig ein­zu­ord­nen oder gar zu be­wer­ten. Al­ler­dings hat der hier ge­pi­q­te, sa­ti­risch-über­höh­te Text von Car­los Gre­a­ves heu­te früh ei­nen deut­li­chen 💡-Ef­fekt bei mir hin­ter­las­sen.

This in­itia­ti­ve, also known as Sky­net, was crea­ted by Cy­ber­dy­ne Sys­tems for the De­part­ment of De­fen­se as a way to keep Ame­ri­cans safe. Cri­tics have said that spen­ding half of our coun­try’s GDP on de­ve­lo­ping an army of sta­te-of-the-art cy­borgs with ad­van­ced wea­pons sys­tems and an AI spe­ci­fi­cal­ly trai­ned to neu­tra­li­ze th­re­ats was a bad idea. And while the re­cent kil­lings might seem to con­firm that, we feel that, de­spi­te a few stumbles here and the­re, this pro­gram has still been an over­whel­ming suc­cess.

Das fik­ti­ve Sky­net und die US-ame­ri­ka­ni­sche Po­li­zei gleich­zu­set­zen er­scheint al­ler­dings gar nicht mehr so ab­surd, wenn man sich ent­we­der ein biss­chen in die Ma­te­rie ein­ar­bei­tet oder wenn man von aus­ufern­der Po­li­zei­ge­walt be­trof­fen ist, weil man dunk­le Haut hat. Denn die Po­li­zei­ge­walt ge­gen Schwar­ze, ge­gen die in den USA und vie­len an­de­ren Tei­len der Welt (wie­der) pro­tes­tiert wird, lässt sich schon lan­ge nicht mehr mit ein paar aus der Rei­he tan­zen­den Po­li­zis­ten („schwar­zen Scha­fen“ oder „bad app­les“) er­klä­ren. Die Pro­ble­me sind struk­tu­rell, in­sti­tu­tio­nell, po­li­tisch und his­to­risch be­grün­det.

John Oli­ver, der im­mer ei­nen gu­ten Über­blick über viel­schich­ti­ge, kom­ple­xe und ver­fah­re­ne Si­tua­tio­nen gibt, er­klärt auch in die­sem Vi­deo bril­lant, wie die Ge­schich­te der US-ame­ri­ka­ni­schen Po­li­zei und die Ideo­lo­gie der wei­ßen Vor­herr­schaft struk­tu­rell ver­wi­ckelt sind. Die 30 Mi­nu­ten John Oli­ver sind gut in­ves­tier­te Zeit (und Oli­ver er­klärt auch die kil­lo­lo­gy-An­spie­lung in Gre­a­ves Sa­ti­re), aber eins der Haupt­pro­ble­me, die Ver­ne­be­lungs­aus­re­de, die Po­li­zei­ge­walt im­mer wie­der auf schwar­ze Scha­fe zu­rück­zu­füh­ren ver­sucht, zer­brö­selt Chris Rock hier in nur an­dert­halb Mi­nu­ten; in man­chen Be­ru­fen wie Po­li­zis­ten oder Pi­lo­ten kann man sich eben kei­ne schwar­zen Scha­fe leis­ten.

Zum The­ma De­fi­nan­zie­rung des Sky­nets, äh, der Po­li­zei, hat die Zeitei­nen Text von My­chal Den­zel Smith über­setzt, der (un­ter an­de­rem) ein wei­te­res zen­tra­les Pro­blem be­leuch­tet:

Statt stets die Po­li­zei los­zu­schi­cken, um ge­sell­schaft­li­che Pro­ble­me zu lö­sen, auf die de­ren be­grenz­tes In­stru­men­ta­ri­um gar nicht aus­ge­legt ist, könn­te man an­de­re Wege fin­den, um den An­lie­gen der Be­völ­ke­rung ge­recht zu wer­den.

Dass die Ge­sell­schaft von der Po­li­zei er­war­tet, Pro­ble­me zu lö­sen, für die sie gar nicht ge­eig­net ist, ist al­ler­dings nicht nur in den USA ein rie­si­ges Pro­blem. Auch Deutsch­land zeigt Ten­den­zen, auch bei Ba­ga­tell­de­lik­ten oder Sach­be­schä­di­gun­gen das vol­le Exe­ku­tiv-Ar­se­nal auf­zu­fah­ren und die ak­tu­el­le Recht­spre­chung sieht Sitz­blo­cka­den in Deutsch­land wei­ter­hin ger­ne als nö­ti­gen­de Ge­walt­an­wen­dung.

Zu­rück zur 💡 und war­um die bei mir beim Le­sen der Sky­net-Ana­lo­gie an­ge­gan­gen ist: Die wah­ren Be­dro­hun­gen und Ge­fah­ren für un­se­re Ge­sell­schaft lie­gen oft gar nicht in der Zu­kunft, im Un­be­kann­ten oder Neu­en, son­dern ganz oft in un­se­rer Ver­gan­gen­heit, vor der wir all zu ger­ne die Au­gen ver­schlie­ßen und uns wei­gern, sie ad­äquat auf­zu­ar­bei­ten. Statt uns vor aus dem Ru­der lau­fen­der KI be­droht zu füh­len, soll­te uns der Preis, den wir für un­se­re ver­meint­li­che Si­cher­heit zu zah­len be­reit sind, Sor­gen be­rei­ten.

 



Photo by felix schwenzel on June 04, 2020. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

ot­to­lenghis bul­gur pi­law wie­der­ent­deckt. in den letz­ten ta­gen fünf­mal ge­kocht: 3 pa­pri­ka, zwei zwie­bel in strei­fen 20 mi­nu­ten in 90ml öl düns­ten, ko­ri­an­der­sa­men, to­ma­ten­mark, 1EL zu­cker, salz und 300g bul­gur 2 mi­nu­ten mit­schmo­ren, 300 ml was­ser dazu, auf­ko­chen, aus­ma­chen 30 mi­nu­ten war­ten. 


Was bleibt (t3n 60)

felix schwenzel in t3n, teil der sammlung: t3n

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Der Fir­nis der Zi­vi­li­sa­ti­on ist ex­trem dünn. Mir fiel das zum ers­ten mal 1992 auf, nach den ge­walt­tä­ti­gen Un­ru­hen in Los An­ge­les. Die Un­ru­hen bra­chen aus, nach­dem Po­li­zis­ten den Afro­ame­ri­ka­ner Rod­ney King bei ei­ner Ver­kehrs­kon­trol­le schwer miss­han­del­ten und hiel­ten meh­re­re Tage an. Am Ende gab es über 50 Tote und meh­re­re tau­send Ver­let­ze zu be­kla­gen. Mir wur­de klar, dass un­se­re po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Ord­nung kei­nes­falls so sta­bil sind, wie ich mir das bis da­hin ge­dacht hat­te. Mich ha­ben die Un­ru­hen von Los An­ge­les po­li­tisch sen­si­bi­li­si­ert.

Die Co­ro­na-Kri­se dürf­te ein ähn­li­ches Po­ten­zi­al ha­ben. Sie könn­te uns da­für sen­si­bi­li­sie­ren, dass nicht nur die ge­sell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se auf wa­cke­li­gen Füs­sen ste­hen, wenn wir sie nicht ak­tiv stüt­zen, son­dern dass wir, trotz enor­men Fort­schrit­ten in Wis­sen­schaft und Tech­nik, im­mer noch ein ver­letz­li­cher Teil der Na­tur sind. Co­ro­na er­in­nert uns dar­an, dass die Kraft der Na­tur al­les an­de­re als ge­bän­digt ha­ben, wir sind ihr, wie die Men­schen vor Jahr­hun­der­ten, im­mer noch gröss­ten­teils aus­ge­lie­fert.

Vor Co­ro­na hat­te ich im­mer wie­der das Ge­fühl, ins­be­son­de­re bei Dis­kus­sio­nen um den Kli­ma­wan­del, dass vie­le Men­schen glaub­ten, das wir den Kli­ma­wan­del, die Zer­stö­rung un­se­rer Le­bens­grund­la­gen, schon ir­gend­wie mit Tech­no­lo­gie in den Griff zu be­kom­men. Co­ro­na hat uns ge­lehrt, dass wir al­lein mit Wunsch­den­ken, Tech­nik­gläu­big­keit oder kon­zen­trier­tem Op­ti­mis­mus den Fort­be­stand un­se­rer Zi­vi­li­sa­ti­on nicht si­chern wer­den.

Co­ro­na hat aber auch ge­zeigt, dass wir an­ge­sichts aku­ter Ge­fah­ren­la­gen als Ge­sell­schaft durch­aus zu Ver­zicht und ver­nunft­ba­sier­tem Han­deln fä­hig sind. Markt­li­be­ra­le ha­ben es für lan­ge Zeit als Ding der Un­mög­lich­keit an­ge­se­hen, dass Men­schen dazu be­reit wä­ren Ein­schrän­kun­gen ih­rer Le­bens­qua­li­tät hin­zu­neh­men um an­de­re zu schüt­zen oder glo­ba­le Ge­fah­ren ab­zu­weh­ren.

Co­ro­na öff­net die Chan­ce uns dar­an zu er­in­nern, dass die Zu­kunft prin­zi­pi­ell nicht plan­bar ist und dass der Markt al­lein we­der die öko­no­mi­schen oder ge­sell­schaft­li­chen Fol­gen ei­nes Vi­rus ab­weh­ren, noch den Kli­ma­wan­del stop­pen kann. Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve zum ge­mein­schaft­li­chen Han­deln, zur Ver­nunft, zu So­li­da­ri­tät, also zum Staat und zur Zi­vil­ge­sell­schaft.

Der welt­wei­te Ver­nunft­aus­bruch, den wir zur Zeit er­le­ben, sin­ken­de Luft­ver­pes­tung, weil vie­le aufs Au­to­fah­ren und Flie­gen ver­zich­ten, die Er­kennt­nis, dass man auch in Da­ten­net­zen Ge­schäfts- und So­zi­al­kon­tak­te pfle­gen und auf­bau­en kann, die Po­pu­la­ri­sie­rung des bar­geld­lo­sen Be­zah­len und des Ge­sichts­schlei­ers, könn­te aber auch ein jä­hes Ende er­le­ben, wenn wir nicht auf der Hut sind.

1973 zum Bei­spiel, als Deutsch­land in ei­ner Wirt­schafts­kri­se steck­te und der Jom-Kip­pur-Krieg denn Öl­preis ex­plo­die­ren liess, ver­ord­ne­te die Bun­des­re­gie­rung deutsch­land­weit Fahr­ver­bo­te und ein Tem­po­li­mit von 100 km/h auf Au­to­bah­nen.

Of­fen­bar brach­te das Sonn­tags­fahr­ver­bot eine Er­spar­nis beim Ben­zin­ver­brauch von 7 bis 12 Pro­zent. Vie­le spar­ten Strom, dros­sel­ten die Hei­zung und hiel­ten das Tem­po­li­mit ein. Aber die­se öko­no­mi­sche und öko­lo­gi­sche Sen­si­bi­li­tät hielt nicht lan­ge an. Schon we­ni­ge Wo­chen spä­ter, als der Krieg im Na­hen Os­ten vor­bei war, wur­den die Fahr­ver­bo­te und Tem­po­li­mits in Deutsch­land wie­der auf­ge­ho­ben, als sei nichts ge­we­sen. Im eu­ro­päi­schen Aus­land, um Deutsch­land her­um, blie­ben die Tem­po­li­mits üb­ri­gens be­stehen, in Deutsch­land wag­te man sich seit­her selbst bei wei­te­ren Öl- und Öko­kri­sen nicht mehr ans Tem­po­li­mit her­an.

Aber viel­leicht bleibt ja doch et­was vom Co­ro­na-Ver­nunft- und So­li­da­ri­täts­aus­bruch hän­gen. Zum Bei­spiel:

  • die Er­kennt­nis, dass Ver­zicht nicht nur Ver­lust be­deu­tet, dass tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen am Le­bens­wan­del durch­aus von ei­ner brei­ten ge­sell­schaft­li­chen Mehr­heit ge­tra­gen wer­den kön­nen — wenn die Grün­de nach­voll­zieh­bar und ver­nünf­tig sind.
  • dass das In­ter­net, or­dent­li­cher Zu­gang zum Netz, ein un­ver­äu­ßer­li­ches Grund­recht ist, dass ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be er­mög­licht und nicht ein­fach ge­sperrt oder we­gen In­fra­struk­tur­eng­päs­sen ver­wehrt oder ka­putt­ge­dros­selt wer­den darf.
  • die Er­kennt­nis das Ho­me­of­fice, oder wie man frü­her, zu Zei­ten der Öl­kri­se, sag­te, Te­le­ar­beit, nicht nur ein In­cen­ti­ve für Mit­ar­bei­ter ist, son­dern dass die Mög­lich­keit sei­ne Ar­beit­neh­mer de­zen­tral und orts­un­ab­hän­gig ein­zu­set­zen ein hand­fes­ter Wett­be­werbs­vor­teil für Un­ter­neh­men ist.

Was al­ler­dings mit ziem­li­cher Si­cher­heit blei­ben wird, bei al­len künf­ti­gen Kri­sen: die Angst ums Klo­pa­pier.


die­se ko­lum­ne er­schien zu­erst in der t3n 06/2020 und auf t3n.de. 


Auch wenn Wer­ber im­mer wie­der be­haup­ten, dass Wer­bung Pro­dukt­na­men ver­an­kern soll, dürf­te das ei­gent­li­che Ziel von Wer­bung die Be­ein­flus­sung un­se­rer Wahr­neh­mung sein. Es geht nicht in ers­ter Li­nie um Raf­fa­el­lo oder Marl­bo­ro, son­dern dar­um, beim An­blick von Glimm­stän­geln nicht an Krebs und Hus­ten zu den­ken oder beim An­blick von Ver­gnü­gungs­spei­sen nicht an Ka­lo­rien oder Ka­ri­es zu den­ken.

Im Be­reich der po­li­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert das ge­nau so. Das Ziel von Lob­by­is­mus ist nicht al­lein die vor­teil­haf­te Be­ein­flus­sung von Po­li­ti­kern, son­dern die Kon­trol­le und Ge­stal­tung von Nar­ra­ti­ven – also die Be­ein­flus­sung un­se­rer Wahr­neh­mung.

Zum ers­ten Mal rich­tig klar ist mir die­ses Prin­zip nach dem Le­sen die­ses Ar­ti­kels ge­wor­den: The In­ven­ti­on of Jay­wal­king.

Durch jah­re­lan­ges Lob­by­ie­ren und Be­ein­flus­sen hat es die Au­to­in­dus­trie ge­schafft, ein po­li­tisch-ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem, näm­lich, dass Au­to­mo­bi­le mas­sen­haft tö­ten, zu ei­nem in­di­vi­du­el­len Pro­blem um­zu­de­fi­nie­ren. Die Ar­beit der Au­to­in­dus­trie war so wirk­sam, dass nicht mehr ihre Spre­cher und Lob­by­is­ten Op­fern des Stra­ßen­ver­kehrs die (Mit-)Schuld an Un­fäl­len an­hän­gen müs­sen, das ma­chen wir jetzt selbst, un­ser durch­lob­by­ier­ter „ge­sun­der Men­schen­ver­stand“ oder un­se­re Ge­rich­te – frei­wil­lig, in­spi­riert durch to­xi­sche Nar­ra­ti­ve.

Wer kei­nen Helm trägt, zu we­nig de­fen­siv Fahr­rad fährt oder kei­ne Warn­wes­te an­hat, trägt min­des­tens Mit­schuld an Un­fäl­len.Dass es auch an­ders geht, sieht man in Hol­land, wo das Pro­blem, dass Fahr­rad­fah­ren all­zu oft töd­li­chen­det, po­li­tisch ge­löst wur­de, nicht al­lein durch Ei­gen­ver­ant­wor­tung.

Die­ses Prin­zip der Ent­po­li­ti­sie­rung von Ver­ant­wor­tung durch ge­schick­te Be­ein­flus­sung der öf­fent­li­chen Mei­nung ist eine höchst er­folg­rei­che Stra­te­gie. Ne­ben der Au­to­in­dus­trie be­herrscht es auch die Kunst­stoff-, Zi­ga­ret­ten- oder die Öl­in­dus­trie meis­ter­haft. Wir alle lei­den un­ter die­sen to­xi­schen Nar­ra­ti­ven, die de­ren Lob­by­is­ten in die Welt bla­sen.

Auch beim Kampf ge­gen die Kli­ma­ka­ta­stro­phe.

 




ges­tern zum ers­ten mal am flug­ha­fen­see mit dem hund spa­zie­ren ge­we­sen (um wei­ter in den jung­fern­hei­de forst, wo hun­de- und wild­schwein­aus­lauf­ge­biet ist, zu wan­dern).

der fkk-strannd am flug­ha­fen­see war prop­pe­voll und, ich fand das wit­zig, mund­schutz tru­gen die auch nicht.

im jung­fern­hei­de forst sind wirr dann tat­säch­lich über ein wild­schwein ge­stol­pert als wir ein klei­nes biss­chen vom haupt­weg ab­ka­men. kurz da­nach sa­hen wir, wie ein frei­lau­fen­der hund ohne wei­te­re be­glei­tung mit ei­nem an­de­ren wild­schwein fan­gen spiel­te. 


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seit ich un­se­ren al­ten gas­ofen mit ei­ner ein-euro-tem­pe­ra­tur-son­de und ei­nem vier-euro-ar­dui­no di­gi­ta­li­siert habe, ge­lin­gen auch de­li­ka­te back­her­aus­for­de­run­gen, wie ein new-york-cheese-cake der erst 15 mi­nu­ten bei 180° und dann 70 mi­nu­ten bei 120° ba­cken sol­len.

unser alter ofen
un­ser al­ter ofen

und seit letz­ter wo­che ist die an­zei­ge der ofen-tem­pe­ra­tur, nach ei­ner 15-euro-in­ves­ti­ti­on, auch noch nen ti­cken prak­ti­scher. 

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Die Gra­fi­ke­rin Juli Gu­de­hus sam­melt seit 20 Jah­ren Klo­pa­pier. 800 Blät­ter hat sie mitt­ler­wei­le ka­ta­lo­gi­si­ert und in die­ser You­Tube-Play­lis­te zeigt sie den Zu­hau­se­ge­blie­be­nen ein paar Ih­rer Ka­ta­lo­ge.

Be­mer­kens­wert ist die­se Samm­lung nicht nur we­gen des tol­len Ti­tels, son­dern auch so­zio­lo­gisch. Klo­pa­pier hat zwar ei­nen kris­tall­klar de­fi­nier­ten Zweck, die­ser wird aber nie­mals in den Klo­pa­pier-Mo­ti­ven oder den Ver­pa­ckun­gen di­rekt the­ma­ti­si­ert: „Was ihr […] auf Klo­pa­pier nie­mals se­hen wer­det, ist Kot und Urin“, sagt Juli Gu­de­hus in Fol­ge 3.

Auch auf Be­die­nungs­an­lei­tun­gen wird, so­weit ich weiß, bei Klo­pa­pier ver­zich­tet. Das führt dazu, dass es je­der be­nutzt, wie es ihm passt. In der Brand­eins las ich vor 17 Jah­ren:

Eu­ro­pä­er und Ame­ri­ka­ner [sind] bei ih­ren Wisch-und-Weg-Ge­wohn­hei­ten grund­sätz­lich [un­ter­schied­lich]. So sind zum Bei­spiel fast die Hälf­te der Ame­ri­ka­ner so ge­nann­te Knül­ler, die Toi­let­ten­pa­pier zu di­cken Ku­geln knül­len, be­vor sie sich den Po ab­wi­schen. In Deutsch­land hin­ge­gen zäh­len 83 Pro­zent der Ver­brau­cher zu den Fal­tern, die meh­re­re Blatt Toi­let­ten­pa­pier zu or­dent­li­chen Bün­deln über­ein­an­der le­gen. Bei den Bri­ten wie­der­um liegt das Ver­hält­nis Knül­ler zu Fal­ter bei zwei zu eins.

Was mich na­tür­lich auch um­treibt: War­um sieht man auf Hut­ab­la­gen von Au­tos heut­zu­ta­ge kaum noch Klo­pa­pier-Hüt­chen? Ist das ein Trend, der nach Co­ro­na wie­der­be­lebt wer­den könn­te?

YouTube Video Vorschaubild youtube-video laden, info, direktlink

 



(vor­be­mer­kung: die links in die­sem ar­ti­kel sind lei­der alle tot. sie zei­gen zwar auf die way­back-ma­chi­ne, aber die hat die links lei­der nicht ar­chi­viert.)

Ich spre­che frem­de Leu­te ei­gent­lich nie an, schon gar nicht in ei­ner Stadt. Der Haupt­grund da­für dürf­te ne­ben Co­ro­na und mei­ner Ver­klemmt­heit wohl sein, dass ich es auch nicht mag in der Stadt an­ge­spro­chen zu wer­den. Kon­takt­auf­nah­me in der Stadt zwingt mich, mich zu die­ser Kon­takt­auf­nah­me zu ver­hal­ten, mir eine Re­ak­ti­on zu über­le­gen, eine Ein­schät­zung zur Si­tua­ti­on zu er­stel­len.

Mein Ver­ständ­nis von Stadt­be­nut­zung ist: ir­gend­wo hin­kom­men, die We­sen der Stadt be­ob­ach­ten und Kon­takt­auf­nah­me auf streng cho­reo­gra­fier­te In­ter­ak­tio­nen zu be­schrän­ken („Eine mitt­le­re Lat­te bit­te.“, „Vier Fünf­zig!“, „WTF?“). Die­se et­was stei­fe Stadt­nut­zung hat sich zwar in den letz­ten 4 Mo­na­ten dra­ma­tisch ge­än­dert, weil ich jetzt re­gel­mä­ßig mit ei­nem fröh­lich hüp­fen­den, reh­glei­chen Pu­del un­ter­wegs bin, der Kon­takt­auf­nah­men qua­si er­zwingt (selbst in Co­ro­na-Zei­ten) — aber ich und mei­ne Stadt­nut­zung sind ein an­de­res The­ma.

Bran­don Stan­ton nutzt Städ­te ganz an­ders als ich, zum Leu­te fo­to­gra­fie­ren, oder bes­ser, um Leu­ten nä­her zu kom­men. Auch vor Co­ro­na war das nicht im­mer ein­fach, aber die Er­geb­nis­se sind in Stan­tons Fall be­ein­dru­ckend. Ein (mehr oder we­ni­ger) zu­fäl­lig aus­ge­wähl­tes Bei­spiel ist die­se äl­te­re Dame, die in drei Tei­len aus ih­rem Le­ben, un­ter an­de­rem als Strip­pe­rin, er­zählt (Teil eins, zwei und drei)

Wie Bran­don Stan­ton das macht, Fo­tos und Ge­schich­ten aus frem­den Men­schen her­aus­zu­kit­zeln, hat er hier mal selbst er­klärt (You­tube-Vi­deo, 15 Mi­nu­ten), hier ein Vi­deo-Por­trait über ihn (You­tube-Vi­deo, 3 Mi­nu­ten).

Ich habe Bran­don Stan­tons Hu­mans of New York in mei­nem Feed­rea­der abon­niert und bin im­mer wie­der be­ein­druckt von den zu­tiefst hu­ma­nen Por­traits, die er dort auf­zeich­net und be­bil­dert. Ei­gent­lich habe ich eine stark aus­ge­präg­te Pa­thos-All­er­gie, aber die Posts von Bran­don Stan­ton pas­sie­ren mei­nen Pa­thos­fil­ter mü­he­los, weil sie nicht auf die Trä­nen­drü­se, son­dern auf die Em­pa­thiedrü­se drü­cken.

Ak­tu­ell pos­tet @hu­man­sof­ny (na­tür­lich) vor­nehm­lich #qua­ran­ti­nes­to­ries, aber die äl­te­ren Sto­ries wär­men das selbst­iso­lier­te Herz. Zum Bei­spiel die Ge­schich­te des ent­flo­he­nen Häft­lings Bob­by, der vie­le Jah­re un­ent­deckt blieb und hei­ra­te­te, ohne sei­ner Frau von sei­ner Ver­gan­gen­heit zu er­zäh­len: Teil eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sie­ben, acht, neun, zehn und elf.

 



Photo by felix schwenzel on March 20, 2020. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

ich hab #fri­da (un­se­rem hund) bei­gebracht eine glock­chen zu klin­geln, wenn sie raus will. klappt gut, müss­te jetzt nur noch raus­fin­den wie ich ihr bei­brin­ge nur zu klin­geln, wenn sie mal MUSS (und nicht nur WILL).