Photo by felix schwenzel on June 04, 2020. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

ot­to­lenghis bul­gur pi­law wie­der­ent­deckt. in den letz­ten ta­gen fünf­mal ge­kocht: 3 pa­pri­ka, zwei zwie­bel in strei­fen 20 mi­nu­ten in 90ml öl düns­ten, ko­ri­an­der­sa­men, to­ma­ten­mark, 1EL zu­cker, salz und 300g bul­gur 2 mi­nu­ten mit­schmo­ren, 300 ml was­ser dazu, auf­ko­chen, aus­ma­chen 30 mi­nu­ten war­ten. 


Was bleibt (t3n 60)

felix schwenzel in t3n, teil der sammlung: t3n

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Der Fir­nis der Zi­vi­li­sa­ti­on ist ex­trem dünn. Mir fiel das zum ers­ten mal 1992 auf, nach den ge­walt­tä­ti­gen Un­ru­hen in Los An­ge­les. Die Un­ru­hen bra­chen aus, nach­dem Po­li­zis­ten den Afro­ame­ri­ka­ner Rod­ney King bei ei­ner Ver­kehrs­kon­trol­le schwer miss­han­del­ten und hiel­ten meh­re­re Tage an. Am Ende gab es über 50 Tote und meh­re­re tau­send Ver­let­ze zu be­kla­gen. Mir wur­de klar, dass un­se­re po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Ord­nung kei­nes­falls so sta­bil sind, wie ich mir das bis da­hin ge­dacht hat­te. Mich ha­ben die Un­ru­hen von Los An­ge­les po­li­tisch sen­si­bi­li­si­ert.

Die Co­ro­na-Kri­se dürf­te ein ähn­li­ches Po­ten­zi­al ha­ben. Sie könn­te uns da­für sen­si­bi­li­sie­ren, dass nicht nur die ge­sell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se auf wa­cke­li­gen Füs­sen ste­hen, wenn wir sie nicht ak­tiv stüt­zen, son­dern dass wir, trotz enor­men Fort­schrit­ten in Wis­sen­schaft und Tech­nik, im­mer noch ein ver­letz­li­cher Teil der Na­tur sind. Co­ro­na er­in­nert uns dar­an, dass die Kraft der Na­tur al­les an­de­re als ge­bän­digt ha­ben, wir sind ihr, wie die Men­schen vor Jahr­hun­der­ten, im­mer noch gröss­ten­teils aus­ge­lie­fert.

Vor Co­ro­na hat­te ich im­mer wie­der das Ge­fühl, ins­be­son­de­re bei Dis­kus­sio­nen um den Kli­ma­wan­del, dass vie­le Men­schen glaub­ten, das wir den Kli­ma­wan­del, die Zer­stö­rung un­se­rer Le­bens­grund­la­gen, schon ir­gend­wie mit Tech­no­lo­gie in den Griff zu be­kom­men. Co­ro­na hat uns ge­lehrt, dass wir al­lein mit Wunsch­den­ken, Tech­nik­gläu­big­keit oder kon­zen­trier­tem Op­ti­mis­mus den Fort­be­stand un­se­rer Zi­vi­li­sa­ti­on nicht si­chern wer­den.

Co­ro­na hat aber auch ge­zeigt, dass wir an­ge­sichts aku­ter Ge­fah­ren­la­gen als Ge­sell­schaft durch­aus zu Ver­zicht und ver­nunft­ba­sier­tem Han­deln fä­hig sind. Markt­li­be­ra­le ha­ben es für lan­ge Zeit als Ding der Un­mög­lich­keit an­ge­se­hen, dass Men­schen dazu be­reit wä­ren Ein­schrän­kun­gen ih­rer Le­bens­qua­li­tät hin­zu­neh­men um an­de­re zu schüt­zen oder glo­ba­le Ge­fah­ren ab­zu­weh­ren.

Co­ro­na öff­net die Chan­ce uns dar­an zu er­in­nern, dass die Zu­kunft prin­zi­pi­ell nicht plan­bar ist und dass der Markt al­lein we­der die öko­no­mi­schen oder ge­sell­schaft­li­chen Fol­gen ei­nes Vi­rus ab­weh­ren, noch den Kli­ma­wan­del stop­pen kann. Es gibt kei­ne Al­ter­na­ti­ve zum ge­mein­schaft­li­chen Han­deln, zur Ver­nunft, zu So­li­da­ri­tät, also zum Staat und zur Zi­vil­ge­sell­schaft.

Der welt­wei­te Ver­nunft­aus­bruch, den wir zur Zeit er­le­ben, sin­ken­de Luft­ver­pes­tung, weil vie­le aufs Au­to­fah­ren und Flie­gen ver­zich­ten, die Er­kennt­nis, dass man auch in Da­ten­net­zen Ge­schäfts- und So­zi­al­kon­tak­te pfle­gen und auf­bau­en kann, die Po­pu­la­ri­sie­rung des bar­geld­lo­sen Be­zah­len und des Ge­sichts­schlei­ers, könn­te aber auch ein jä­hes Ende er­le­ben, wenn wir nicht auf der Hut sind.

1973 zum Bei­spiel, als Deutsch­land in ei­ner Wirt­schafts­kri­se steck­te und der Jom-Kip­pur-Krieg denn Öl­preis ex­plo­die­ren liess, ver­ord­ne­te die Bun­des­re­gie­rung deutsch­land­weit Fahr­ver­bo­te und ein Tem­po­li­mit von 100 km/h auf Au­to­bah­nen.

Of­fen­bar brach­te das Sonn­tags­fahr­ver­bot eine Er­spar­nis beim Ben­zin­ver­brauch von 7 bis 12 Pro­zent. Vie­le spar­ten Strom, dros­sel­ten die Hei­zung und hiel­ten das Tem­po­li­mit ein. Aber die­se öko­no­mi­sche und öko­lo­gi­sche Sen­si­bi­li­tät hielt nicht lan­ge an. Schon we­ni­ge Wo­chen spä­ter, als der Krieg im Na­hen Os­ten vor­bei war, wur­den die Fahr­ver­bo­te und Tem­po­li­mits in Deutsch­land wie­der auf­ge­ho­ben, als sei nichts ge­we­sen. Im eu­ro­päi­schen Aus­land, um Deutsch­land her­um, blie­ben die Tem­po­li­mits üb­ri­gens be­stehen, in Deutsch­land wag­te man sich seit­her selbst bei wei­te­ren Öl- und Öko­kri­sen nicht mehr ans Tem­po­li­mit her­an.

Aber viel­leicht bleibt ja doch et­was vom Co­ro­na-Ver­nunft- und So­li­da­ri­täts­aus­bruch hän­gen. Zum Bei­spiel:

  • die Er­kennt­nis, dass Ver­zicht nicht nur Ver­lust be­deu­tet, dass tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen am Le­bens­wan­del durch­aus von ei­ner brei­ten ge­sell­schaft­li­chen Mehr­heit ge­tra­gen wer­den kön­nen — wenn die Grün­de nach­voll­zieh­bar und ver­nünf­tig sind.
  • dass das In­ter­net, or­dent­li­cher Zu­gang zum Netz, ein un­ver­äu­ßer­li­ches Grund­recht ist, dass ge­sell­schaft­li­che Teil­ha­be er­mög­licht und nicht ein­fach ge­sperrt oder we­gen In­fra­struk­tur­eng­päs­sen ver­wehrt oder ka­putt­ge­dros­selt wer­den darf.
  • die Er­kennt­nis das Ho­me­of­fice, oder wie man frü­her, zu Zei­ten der Öl­kri­se, sag­te, Te­le­ar­beit, nicht nur ein In­cen­ti­ve für Mit­ar­bei­ter ist, son­dern dass die Mög­lich­keit sei­ne Ar­beit­neh­mer de­zen­tral und orts­un­ab­hän­gig ein­zu­set­zen ein hand­fes­ter Wett­be­werbs­vor­teil für Un­ter­neh­men ist.

Was al­ler­dings mit ziem­li­cher Si­cher­heit blei­ben wird, bei al­len künf­ti­gen Kri­sen: die Angst ums Klo­pa­pier.


die­se ko­lum­ne er­schien zu­erst in der t3n 06/2020 und auf t3n.de. 


Auch wenn Wer­ber im­mer wie­der be­haup­ten, dass Wer­bung Pro­dukt­na­men ver­an­kern soll, dürf­te das ei­gent­li­che Ziel von Wer­bung die Be­ein­flus­sung un­se­rer Wahr­neh­mung sein. Es geht nicht in ers­ter Li­nie um Raf­fa­el­lo oder Marl­bo­ro, son­dern dar­um, beim An­blick von Glimm­stän­geln nicht an Krebs und Hus­ten zu den­ken oder beim An­blick von Ver­gnü­gungs­spei­sen nicht an Ka­lo­rien oder Ka­ri­es zu den­ken.

Im Be­reich der po­li­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on funk­tio­niert das ge­nau so. Das Ziel von Lob­by­is­mus ist nicht al­lein die vor­teil­haf­te Be­ein­flus­sung von Po­li­ti­kern, son­dern die Kon­trol­le und Ge­stal­tung von Nar­ra­ti­ven – also die Be­ein­flus­sung un­se­rer Wahr­neh­mung.

Zum ers­ten Mal rich­tig klar ist mir die­ses Prin­zip nach dem Le­sen die­ses Ar­ti­kels ge­wor­den: The In­ven­ti­on of Jay­wal­king.

Durch jah­re­lan­ges Lob­by­ie­ren und Be­ein­flus­sen hat es die Au­to­in­dus­trie ge­schafft, ein po­li­tisch-ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem, näm­lich, dass Au­to­mo­bi­le mas­sen­haft tö­ten, zu ei­nem in­di­vi­du­el­len Pro­blem um­zu­de­fi­nie­ren. Die Ar­beit der Au­to­in­dus­trie war so wirk­sam, dass nicht mehr ihre Spre­cher und Lob­by­is­ten Op­fern des Stra­ßen­ver­kehrs die (Mit-)Schuld an Un­fäl­len an­hän­gen müs­sen, das ma­chen wir jetzt selbst, un­ser durch­lob­by­ier­ter „ge­sun­der Men­schen­ver­stand“ oder un­se­re Ge­rich­te – frei­wil­lig, in­spi­riert durch to­xi­sche Nar­ra­ti­ve.

Wer kei­nen Helm trägt, zu we­nig de­fen­siv Fahr­rad fährt oder kei­ne Warn­wes­te an­hat, trägt min­des­tens Mit­schuld an Un­fäl­len.Dass es auch an­ders geht, sieht man in Hol­land, wo das Pro­blem, dass Fahr­rad­fah­ren all­zu oft töd­li­chen­det, po­li­tisch ge­löst wur­de, nicht al­lein durch Ei­gen­ver­ant­wor­tung.

Die­ses Prin­zip der Ent­po­li­ti­sie­rung von Ver­ant­wor­tung durch ge­schick­te Be­ein­flus­sung der öf­fent­li­chen Mei­nung ist eine höchst er­folg­rei­che Stra­te­gie. Ne­ben der Au­to­in­dus­trie be­herrscht es auch die Kunst­stoff-, Zi­ga­ret­ten- oder die Öl­in­dus­trie meis­ter­haft. Wir alle lei­den un­ter die­sen to­xi­schen Nar­ra­ti­ven, die de­ren Lob­by­is­ten in die Welt bla­sen.

Auch beim Kampf ge­gen die Kli­ma­ka­ta­stro­phe.

 




ges­tern zum ers­ten mal am flug­ha­fen­see mit dem hund spa­zie­ren ge­we­sen (um wei­ter in den jung­fern­hei­de forst, wo hun­de- und wild­schwein­aus­lauf­ge­biet ist, zu wan­dern).

der fkk-strannd am flug­ha­fen­see war prop­pe­voll und, ich fand das wit­zig, mund­schutz tru­gen die auch nicht.

im jung­fern­hei­de forst sind wirr dann tat­säch­lich über ein wild­schwein ge­stol­pert als wir ein klei­nes biss­chen vom haupt­weg ab­ka­men. kurz da­nach sa­hen wir, wie ein frei­lau­fen­der hund ohne wei­te­re be­glei­tung mit ei­nem an­de­ren wild­schwein fan­gen spiel­te. 


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seit ich un­se­ren al­ten gas­ofen mit ei­ner ein-euro-tem­pe­ra­tur-son­de und ei­nem vier-euro-ar­dui­no di­gi­ta­li­siert habe, ge­lin­gen auch de­li­ka­te back­her­aus­for­de­run­gen, wie ein new-york-cheese-cake der erst 15 mi­nu­ten bei 180° und dann 70 mi­nu­ten bei 120° ba­cken sol­len.

unser alter ofen
un­ser al­ter ofen

und seit letz­ter wo­che ist die an­zei­ge der ofen-tem­pe­ra­tur, nach ei­ner 15-euro-in­ves­ti­ti­on, auch noch nen ti­cken prak­ti­scher. 

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Die Gra­fi­ke­rin Juli Gu­de­hus sam­melt seit 20 Jah­ren Klo­pa­pier. 800 Blät­ter hat sie mitt­ler­wei­le ka­ta­lo­gi­si­ert und in die­ser You­Tube-Play­lis­te zeigt sie den Zu­hau­se­ge­blie­be­nen ein paar Ih­rer Ka­ta­lo­ge.

Be­mer­kens­wert ist die­se Samm­lung nicht nur we­gen des tol­len Ti­tels, son­dern auch so­zio­lo­gisch. Klo­pa­pier hat zwar ei­nen kris­tall­klar de­fi­nier­ten Zweck, die­ser wird aber nie­mals in den Klo­pa­pier-Mo­ti­ven oder den Ver­pa­ckun­gen di­rekt the­ma­ti­si­ert: „Was ihr […] auf Klo­pa­pier nie­mals se­hen wer­det, ist Kot und Urin“, sagt Juli Gu­de­hus in Fol­ge 3.

Auch auf Be­die­nungs­an­lei­tun­gen wird, so­weit ich weiß, bei Klo­pa­pier ver­zich­tet. Das führt dazu, dass es je­der be­nutzt, wie es ihm passt. In der Brand­eins las ich vor 17 Jah­ren:

Eu­ro­pä­er und Ame­ri­ka­ner [sind] bei ih­ren Wisch-und-Weg-Ge­wohn­hei­ten grund­sätz­lich [un­ter­schied­lich]. So sind zum Bei­spiel fast die Hälf­te der Ame­ri­ka­ner so ge­nann­te Knül­ler, die Toi­let­ten­pa­pier zu di­cken Ku­geln knül­len, be­vor sie sich den Po ab­wi­schen. In Deutsch­land hin­ge­gen zäh­len 83 Pro­zent der Ver­brau­cher zu den Fal­tern, die meh­re­re Blatt Toi­let­ten­pa­pier zu or­dent­li­chen Bün­deln über­ein­an­der le­gen. Bei den Bri­ten wie­der­um liegt das Ver­hält­nis Knül­ler zu Fal­ter bei zwei zu eins.

Was mich na­tür­lich auch um­treibt: War­um sieht man auf Hut­ab­la­gen von Au­tos heut­zu­ta­ge kaum noch Klo­pa­pier-Hüt­chen? Ist das ein Trend, der nach Co­ro­na wie­der­be­lebt wer­den könn­te?

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(vor­be­mer­kung: die links in die­sem ar­ti­kel sind lei­der alle tot. sie zei­gen zwar auf die way­back-ma­chi­ne, aber die hat die links lei­der nicht ar­chi­viert.)

Ich spre­che frem­de Leu­te ei­gent­lich nie an, schon gar nicht in ei­ner Stadt. Der Haupt­grund da­für dürf­te ne­ben Co­ro­na und mei­ner Ver­klemmt­heit wohl sein, dass ich es auch nicht mag in der Stadt an­ge­spro­chen zu wer­den. Kon­takt­auf­nah­me in der Stadt zwingt mich, mich zu die­ser Kon­takt­auf­nah­me zu ver­hal­ten, mir eine Re­ak­ti­on zu über­le­gen, eine Ein­schät­zung zur Si­tua­ti­on zu er­stel­len.

Mein Ver­ständ­nis von Stadt­be­nut­zung ist: ir­gend­wo hin­kom­men, die We­sen der Stadt be­ob­ach­ten und Kon­takt­auf­nah­me auf streng cho­reo­gra­fier­te In­ter­ak­tio­nen zu be­schrän­ken („Eine mitt­le­re Lat­te bit­te.“, „Vier Fünf­zig!“, „WTF?“). Die­se et­was stei­fe Stadt­nut­zung hat sich zwar in den letz­ten 4 Mo­na­ten dra­ma­tisch ge­än­dert, weil ich jetzt re­gel­mä­ßig mit ei­nem fröh­lich hüp­fen­den, reh­glei­chen Pu­del un­ter­wegs bin, der Kon­takt­auf­nah­men qua­si er­zwingt (selbst in Co­ro­na-Zei­ten) — aber ich und mei­ne Stadt­nut­zung sind ein an­de­res The­ma.

Bran­don Stan­ton nutzt Städ­te ganz an­ders als ich, zum Leu­te fo­to­gra­fie­ren, oder bes­ser, um Leu­ten nä­her zu kom­men. Auch vor Co­ro­na war das nicht im­mer ein­fach, aber die Er­geb­nis­se sind in Stan­tons Fall be­ein­dru­ckend. Ein (mehr oder we­ni­ger) zu­fäl­lig aus­ge­wähl­tes Bei­spiel ist die­se äl­te­re Dame, die in drei Tei­len aus ih­rem Le­ben, un­ter an­de­rem als Strip­pe­rin, er­zählt (Teil eins, zwei und drei)

Wie Bran­don Stan­ton das macht, Fo­tos und Ge­schich­ten aus frem­den Men­schen her­aus­zu­kit­zeln, hat er hier mal selbst er­klärt (You­tube-Vi­deo, 15 Mi­nu­ten), hier ein Vi­deo-Por­trait über ihn (You­tube-Vi­deo, 3 Mi­nu­ten).

Ich habe Bran­don Stan­tons Hu­mans of New York in mei­nem Feed­rea­der abon­niert und bin im­mer wie­der be­ein­druckt von den zu­tiefst hu­ma­nen Por­traits, die er dort auf­zeich­net und be­bil­dert. Ei­gent­lich habe ich eine stark aus­ge­präg­te Pa­thos-All­er­gie, aber die Posts von Bran­don Stan­ton pas­sie­ren mei­nen Pa­thos­fil­ter mü­he­los, weil sie nicht auf die Trä­nen­drü­se, son­dern auf die Em­pa­thiedrü­se drü­cken.

Ak­tu­ell pos­tet @hu­man­sof­ny (na­tür­lich) vor­nehm­lich #qua­ran­ti­nes­to­ries, aber die äl­te­ren Sto­ries wär­men das selbst­iso­lier­te Herz. Zum Bei­spiel die Ge­schich­te des ent­flo­he­nen Häft­lings Bob­by, der vie­le Jah­re un­ent­deckt blieb und hei­ra­te­te, ohne sei­ner Frau von sei­ner Ver­gan­gen­heit zu er­zäh­len: Teil eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sie­ben, acht, neun, zehn und elf.

 



Photo by felix schwenzel on March 20, 2020. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

ich hab #fri­da (un­se­rem hund) bei­gebracht eine glock­chen zu klin­geln, wenn sie raus will. klappt gut, müss­te jetzt nur noch raus­fin­den wie ich ihr bei­brin­ge nur zu klin­geln, wenn sie mal MUSS (und nicht nur WILL). 





die seo-nerds in ber­lin mö­gen sich mit SEO aus­ken­nen, aber nicht alle mit­ar­bei­ter­rïn­nen ham raus, in en­gen wed­din­ger wohn­stras­sen hin­ter­her- oder ent­ge­gen­kom­men­den fahr­zeu­gen an­zu­zei­gen, dass man den mit ei­gen­n­re­kla­me be­kleb­ten fir­men­wa­gen mit­ten auf der stras­se an­hält & ne kol­le­gïn raus­lässt.  stvo-nerd-tipp: blin­ken


2015 führ­te Dan Pri­ce, der Chef des Zah­lungs­dienst­leis­ters Gra­vi­ty, ein Min­dest­ein­kom­men von 70.000 Dol­lar für die 120 Mit­ar­bei­ter sei­ner Fir­ma ein — und re­du­zier­te sein ei­ge­nes Ge­halt um eine Mil­li­on Dol­lar.

Als er das Min­dest­ein­kom­men ein­führ­te, glaub­te kaum ei­ner an den Er­folg der Mass­nah­me. Pri­ce ver­lor zwei sei­ner Füh­rungs­kräf­te („se­ni­or em­ployees“), die der Über­zeu­gung wa­ren, dass der Ge­halts­sprung die An­ge­stell­ten („ju­ni­or em­ployees“) zum Fau­len­zen ani­mie­ren wür­de und der Fir­ma Wett­be­werbs­nach­tei­le be­sche­ren wür­de.

Das Ge­gen­teil trat ein.

The head­count has dou­bled and the va­lue of pay­ments that the com­pa­ny pro­ces­ses has gone from $3.8bn a year to $10.2bn.

But the­re are other me­trics that Pri­ce is more proud of.

"Be­fo­re the $70,000 mi­ni­mum wage, we were ha­ving bet­ween zero and two ba­bies born per year among­st the team," he says.

"And sin­ce the an­noun­ce­ment - and it's been only about four-and-a-half ye­ars - we'­ve had more than 40 ba­bies."

More than 10% of the com­pa­ny have been able to buy their own home, in one of the US's most ex­pen­si­ve ci­ties for ren­ters. Be­fo­re the fi­gu­re was less than 1%.

Die An­ge­stell­ten sei­en be­reits vor dem Min­dest­ein­kom­men, bzw. vor ih­ren teils dras­ti­schen Ge­halts­er­hö­hun­gen zu har­ter Ar­beit mo­ti­viert ge­we­sen, aber ih­nen et­was mehr fi­nan­zi­el­le Frei­heit zu ge­ben, habe ihre Fä­hig­kei­ten und ihre Pro­duk­ti­vi­tät ge­stei­gert, sagt Dan Pri­ce. Eine der An­ge­stell­ten for­mu­liert es so: „Man denkt nicht mehr, dass man zur Ar­beit geht um Geld zu ver­die­nen, son­dern kon­zen­triert sich mehr auf die Fra­ge: »Wie kann ich bes­se­re Ar­beit lie­fern?«“

Dan Pri­ce ist al­ler­dings schwer ent­täuscht, dass sein frap­pie­rend ef­fi­zi­en­tes Ge­schäfts­mo­dell nicht mehr Nach­ah­mer ge­fun­den habe. Er habe ei­gent­lich weit­läu­fi­ge, struk­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen er­war­tet, die aber aus­blie­ben.

Die Ge­schich­te zeigt her­vor­ra­gend, wie ver­korkst und ver­lo­gen un­se­re Vor­stel­lung von Lohn­ar­beit ist. Kaum ei­ner, auch in Eu­ro­pa, glaubt dar­an, dass Min­dest­lohn oder gar ein Grund­ein­kom­men die Pro­duk­ti­vi­tät stei­gern wür­de und die Bau­ern­re­gel, dass sich „Leis­tung loh­nen müs­se“ ver­kommt nicht nur in den USA zu per­vers und un­an­ge­mes­sen ho­hen Ge­häl­tern in den Vor­stands­eta­gen.

Das er­folg­rei­che Ex­pe­ri­ment von Dan Pri­ce zeigt, dass es sich lohnt zu ex­pe­ri­men­tie­ren und un­se­re Vor­stel­lun­gen von Lohn­ar­beit aus der Ge­dan­ken­welt der frü­hen In­dus­tria­li­sie­rung zu be­frei­en.

 


Als or­dent­li­cher In­tel­lek­tu­el­ler müss­te man Hu­bert Bur­da ei­gent­lich ver­ach­ten, des­sen Me­di­en­im­pe­ri­um Jour­na­lis­mus-Imi­ta­tio­nen wie die Bun­te her­aus­gibt oder des­sen on­line-Auf­trit­te mit ih­ren SEO-Prak­ti­ken, Click­bait-Ge­döns und ih­rer la­xen Auf­fas­sung von Jour­na­lis­mus am Ran­de des An­stands ba­lan­cie­ren (vie­le Bei­spie­le im Bild­blog oder auch hier). Das In­ter­view, das Hu­bert Bur­da hier Sven Mi­cha­el­sen und Mi­cha­el Ebert ge­ge­ben hat, macht ei­nem Schwarz-Weiss-Ur­tei­le über Hu­bert Bur­da aber nicht leicht.

Dass Hu­bert Bur­da sym­pa­thi­scher oder min­des­tens in­ter­es­san­ter ist, als der Müll den sein Me­di­en­im­pe­ri­um pro­du­ziert, ahn­te ich schon frü­her. Be­vor ich auf ir­gend­ei­ner Black­list vom Bur­da-Ver­lag lan­de­te oder noch den Ein­druck mach­te in An­sät­zen re­le­vant oder so­was wie ein Be­ein­flus­ser zu sein, wur­de ich ein paar mal auf Bur­das DLD-Ver­an­stal­tung ein­ge­la­den. Der (die?) DLD ist eine ge­schickt plat­zier­te Ver­an­stal­tung in Mün­chen, die vie­le Di­gi­tal-Den­ker und -Ma­cher auf ih­rem Weg zum Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos ei­nen Zwi­schen­stop er­mög­licht und ein paar Tage auf Po­di­en über ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen im Netz spre­chen, nach­den­ken oder strei­ten lässt.

Ich fand die The­men und Spea­k­er-Mi­schung des DLD im­mer in­ter­es­sant und in­spi­rie­rend, stel­len­wei­se aber auch ex­trem pein­lich. In ei­ner der Ver­an­stal­tun­gen auf dem DLD 2007 war der Ver­an­stal­tungs­raum ziem­lich früh so voll, dass sich vie­le, auch ich, in den Gän­gen auf den Bo­den setz­ten. Als ich da so sass, sass auch Hu­bert Bur­da ein paar Me­ter wei­ter auf dem Bo­den des Gangs und lausch­te Adria­na Huf­fing­ton. Ich fand das sym­pa­thisch und un­prä­ten­ti­ös. Un­prä­ten­ti­ös und un­ei­tel stellt sich Hu­bert Bur­da auch in die­sem In­ter­view dar.

SZ: 2005 ver­öf­fent­lich­te die Jour­na­lis­tin Gi­se­la Frei­sin­ger nach meh­re­ren Tref­fen mit Ih­nen die mit Nick­lig­kei­ten ge­spick­te Bio­gra­fie Hu­bert Bur­da. Der Me­di­en­fürst. War­um ha­ben Sie sich auf die­ses Pro­jekt ein­ge­las­sen?

Bur­da: Der Grund war, dass ich jun­gen Leu­ten sa­gen woll­te: Lasst euch nicht nie­der­ma­chen, wenn ihr auf die Schnau­ze fallt. Nehmt mich als Bei­spiel. Ich bin sehr oft mit schwers­ten Ver­wun­dun­gen auf die Schnau­ze ge­fal­len, aber ich bin im­mer wie­der auf­ge­stan­den. Da ich in mei­ner Ju­gend ge­boxt habe, habe ich mir im­mer ge­sagt: Dop­pel­de­ckung! Ir­gend­wann hö­ren die Schlä­ge auf. Und dann schau, dass du ei­nen Ha­ken an­brin­gen kannst. Der Plot des Frei­sin­ger-Bu­ches ist: Ein klei­ner Mann brüllt dau­ernd: Ich! Ich! Ich! Das ist mir zu platt, aber Gram habe ich des­halb kei­nen. Mei­ne Blät­ter tei­len ja auch aus und ver­nich­ten Bü­cher oder gan­ze Künst­ler­kar­rie­ren.

Auch, auf eine Art, sym­pa­thisch fin­de ich, dass Hu­bert Bur­da mit par­zi­el­ler Ah­nungs­lo­sig­keit öf­fent­lich hau­sie­ren geht: „Ich habe […] kei­ne Ah­nung, wer Xing er­fun­den hat, ob­wohl uns das Un­ter­neh­men mehr­heit­lich ge­hört.“ Wo­bei ich in die­sem spe­zi­el­len Fall eher glau­be, dass ihm ein­fach der Name des Xing-Grün­ders Lars Hin­richs ent­fal­len ist und Hu­bert Bur­da ihn öf­ter, auch per­sön­lich, auf und um den DLD ge­trof­fen und ge­spro­chen hat — und ge­nau weiss wer er ist. Aber auch wenn Hu­bert Bur­da es mit der Wahr­heit nicht im­mer so ge­nau zu neh­men scheint, viel­schich­tig ist er auf je­den Fall — und das In­ter­view liest sich gut.

Al­ler­dings schaut sich auch die­ses In­ter­view mit Ge­or­ge W. Bush gut. Bush wirkt als ehe­ma­li­ger Prä­si­dent um ei­ni­ges sym­pa­thi­scher als Amts­in­ha­ber, aber Men­schen, sei­en es ehe­ma­li­ge Prä­si­den­ten oder Me­di­en-Mil­li­ar­dä­re, soll­te man eben nicht nur nach ih­ren Ru­he­stands-Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten oder sym­pa­thi­schen Per­sön­lich­keits­merk­ma­len be­ur­tei­len, son­dern auch im­mer nach ih­rem Han­deln und für was sie Ver­ant­wor­tung tra­gen.

 


Dem, was Nico Brün­jes hier über die dä­ni­sche Fern­seh­se­rie Rag­na­r­ök schreibt, möch­te ich nicht wi­der­spre­chen:

Nor­di­sche My­tho­lo­gie nach heu­te ver­pflanzt ist ja im­mer so eine Sa­che, aber das ty­pisch ru­hi­ge dä­ni­sche Kon­zept und die haupt­säch­lich nor­we­gi­schen Schau­spie­ler, so­wie die fan­tas­ti­sche Aus­stat­tung ma­chen ei­nen gu­ten Job. Die Sto­ry hat mir in­so­fern gut ge­fal­len, dass sie mich aus­ge­spro­chen amü­siert und ge­kurz­weilt hat.

Aber weil er sich so kurz fasst, dass sei­ne Kurz­kri­tik ei­gent­lich gar nicht pi­q­bar ist, möch­te ich ihn er­gän­zen und vor al­lem der Fra­ge nach­ge­hen, war­um Nor­di­sche My­tho­lo­gie in der Pop­kul­tur „so eine Sa­che“ ist.

Eine der mög­li­chen Ant­wor­ten lau­tet wohl, dass Hol­ly­wood, vor al­lem Dis­ney/Mar­vel, Nor­di­sche (und an­de­re) My­tho­lo­gien durch Ver­kit­schung, Ame­ri­ka­ni­sie­rung und bru­ta­le Tri­via­li­sie­rung völ­lig ent­zau­bert und leert. Die zwei Co­mic­ver­fil­mun­gen von Thor und spä­te­re Fort­füh­rung der Fi­gu­ren in Mar­vels fil­mi­schem Uni­ver­sum sind zwar auf ihre Art auch kurz­wei­lig und amü­sant, aber eben auch bom­bas­tisch auf­ge­bla­se­ne Tri­via­li­täts-Feu­er­wer­ke. Schaut man sich sol­che Fil­me an, bleibt au­ßer dem Ge­fühl, ein biss­chen un­ter­hal­ten wor­den zu sein, so gut wie nichts hän­gen. Mit der Sub­ti­li­tät und dem Zau­ber von Mär­chen und My­then, de­ren Bil­der ei­nem oft noch ta­ge­lang nach­hän­gen, ha­ben Hol­ly­wood-Pro­duk­tio­nen, die sich aus dem Fun­dus der al­ten Er­zäh­lun­gen frei­zü­gig be­die­nen, nichts mehr ge­mein.

Dazu kommt, dass Hol­ly­wood sich nicht nur aus dem Ge­mein­gut der Mär­chen und My­then be­dient und die­se dann auf sei­ne Art tri­via­li­si­ert und ba­g­ate­li­si­ert, son­dern den mit Stars ge­spick­ten, auf­ge­bläh­ten Kitsch dann auch noch zur Ka­pi­tal­ex­trak­ti­on als so­ge­nann­tes geis­ti­ges Ei­gen­tum um­deu­tet.

Der Kon­trast der dä­ni­sche Fern­seh­se­rie Rag­na­r­ök zu die­ser Art von Hol­ly­wood­pro­duk­tio­nen ist sehr wohl­tu­end. Rag­na­r­ök han­delt nicht von ab­ge­ho­be­nen, su­per­hel­di­gen Göt­tern, die in ei­nem kit­schi­gen, cin­de­r­el­la-ar­ti­gen As­gard rum­tur­nen, son­dern von All­tags­kon­flik­ten, Lie­be, Freund­schaft und Zwei­feln die im­mer nach­voll­zieh­bar und ge­er­det aus der All­tags­per­spek­ti­ve ei­nes nor­we­gi­schen Dor­fes er­zählt wer­den. Auch wenn man Zeu­ge von Su­per­kräf­ten und Über­men­schen­tum wird, ver­liert man nie die ge­fühl­te Nähe und Ver­traut­heit zum im­mer wie­der selbst­zwei­feln­den und ver­zwei­feln­den Hel­den.

Rag­na­r­ök wirkt auf den ers­ten Blick fast wie ein Kam­mer­spiel oder eine High­school-Se­rie und auch das wirkt wohl­tu­end ge­er­det, bzw. schafft es im Ge­gen­teil zu den Hol­ly­woodschin­ken viel bes­ser, Aspek­te der nor­di­schen My­tho­lo­gie in ei­nen ak­tu­el­len, nach­voll­zieh­ba­ren Kon­text zu stel­len — ohne al­les zu über­gei­gen oder schön­zu­pu­dern.

Die wirk­lich in­ter­es­san­ten Hel­den­ge­schich­ten und My­then er­zäh­len von nor­ma­len Men­schen, mit de­nen wir uns in ir­gend­ei­ner Form iden­ti­fi­zie­ren und mit­füh­len kön­nen. Hän­sel und Gre­tel, Aschen­put­tel, Rot­käpp­chen schei­tern am All­tag und der Ge­sell­schaft, um am Ende doch ir­gend­wie zu sie­gen – des­halb kann man sich nor­ma­ler­wei­se so gut mit die­sen Fi­gu­ren iden­ti­fi­zie­ren und mit­füh­len. Die Fi­gu­ren aus Hol­ly­woodschin­ken, die sich aus der My­tho­lo­gie be­die­nen, schaf­fen es bes­ten­falls, dass man ihre Hel­den un­ter­halt­sam, sym­pa­thisch, doof oder böse fin­det.

Ein wei­te­rer Kon­trast, der mir nach dem Rag­na­r­ök-Gu­cken auf­fiel: wie der Tod oder das Tö­ten dar­ge­stellt wird. Wäh­rend das Tö­ten in Hol­ly­wood­fil­men meist ju­gend­frei, sau­ber und ohne wei­te­re Kon­se­quen­zen – oft so­gar ganz ohne Lei­chen – statt­fin­det, zeigt Rag­na­r­ök, dass so­gar das Tö­ten von Mons­tern im All­tag erns­te Kon­se­quen­zen ha­ben kann und dass je­mand, der sich zum Hel­den be­ru­fen fühlt, aus an­de­rer Per­spek­ti­ve auch als Wahn­sin­ni­ger ge­se­hen wer­den kann und wird.

Rag­na­r­ök läuft auf Net­flix.