als co-au­tor bin ich jetzt vier­fa­cher grim­me on­line mit­preis­trä­ger.
so ge­se­hen bin ix als bei­schrei­ber er­folg­rei­cher als als au­tor.

https://www.xing.com/profile/Felix_Schwenzel/cv
https://www.xing.com/pro­fi­le/Fe­lix_Schwen­zel/cv

Noch mal ge­son­der­te Glück­wün­sche an alle @rie­sen­ma­schi­ne / @tech­nik­ta­ge­buch GOA-Dop­pel­preis­trä­ger: @re­gu­lar­gon­za­les @dal­cashdvin­sky, @free­lan­ce­po­li­ce, @sa­scha­lobo, @cle­men­setz, @mju­ta­bor, @spits­hi­ne, @di­plix, Lu­kas Im­hof, Jo­chen Schmidt, @ge­nis­ta, @Ga­briel­Ber­lin und @mo­ritz­metz! twit­ter.com/kath­rin­pas­sig/…

Kath­rin Pas­sig (@kath­rin­pas­sig) 20.06.2019 11:22

 


Photo by felix schwenzel on June 19, 2019. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

ich weiss, das bild ist un­scharf, aber eben auch voll geo­me­trisch. und es sieht aus als stün­de auf dem aus­wär­ti­gen amt eine gold­sta­tue von hei­ko maas. 



Photo by felix schwenzel in Rotes Rathaus. Keine Fotobeschreibung verfügbar..

ges­tern, als eine schü­ler­grup­pe mit ih­rer leh­re­rin vor dem ro­ten rat­haus stand und die leh­re­rin frag­te war­um es rot sei, bei­na­he ge­sagt: „weil es mit ro­ten zie­gel­stei­nen ver­klei­det wur­de.“ 



Maciej Ce­głow­ski ist ei­gent­lich der Be­trei­ber des groß­ar­ti­gen on­line Le­se­zei­chen­ver­wal­tungs­di­ens­tes Pin­board, macht aber ge­le­gent­lich mit groß­ar­ti­gen Blog­tex­ten oder Vor­trä­gen (auch auf der Re­pu­bli­ca) auf sich auf­merk­sam.

An­fang Mai sprach Ce­głow­ski vor ei­nem Ko­mi­tee des ame­ri­ka­ni­schen Kon­gres­ses über Pri­vat­sphä­re und Da­ten­samm­lung im Zeit­al­ter der di­gi­ta­len Öko­no­mie. Ich bin si­cher, dass er für die­sen Kurz­auf­tritt vor dem Kon­gress lan­ge nach­ge­dacht hat, um sei­ne Aus­sa­gen auf den Punkt zu brin­gen.

Der Punkt ist nicht neu: die Re­gu­lie­rung der Da­ten­sam­mel­wut der gro­ßen In­ter­net­kon­zer­ne ist völ­lig un­zu­rei­chend und die An­ga­ben der Platt­for­men, wel­che Da­ten sie sam­meln und wie ver­wen­den, sind in­trans­pa­rent und teils hin­ter­lis­tig. Die Da­ten­ber­ge sind po­ten­zi­ell so ge­fähr­lich oder to­xisch wie Atom­müll, weil das Miss­brauchs­po­ten­ti­al der ge­sam­mel­ten Da­ten so groß ist. In sei­nem State­ment vor dem Kon­gress fürch­tet Ce­głow­ski, dass die­ser un­re­gu­lier­te Ver­trau­ens­bruch die Dy­na­mik und In­no­va­ti­ons­freu­de der Di­gi­ta­li­sie­rung und Ver­net­zung brem­sen könn­te.

I worry about this be­cau­se Si­li­con Val­ley has been a force of dy­na­mism. It's one of the gre­at suc­cess sto­ries of Ame­ri­can ca­pi­ta­lism, and we'­re put­ting it at risk right now by not ha­ving sen­si­ble re­gu­la­ti­on in place that crea­tes the con­di­ti­ons for in­no­va­ti­on.

Dann hat Ce­głow­ski aber of­fen­bar noch­mal in­ten­si­ver nach­ge­dacht und sei­ne Ge­dan­ken zu ei­nem der wich­tigs­ten Grund­satz­tex­te über Re­gu­lie­rung, Pri­vat­sphä­re und den Über­wa­chungs-Ka­pi­ta­lis­mus ge­schärft.

Er schafft es in die­sem Text ein ak­tu­el­les Pa­ra­do­xon auf­zu­lö­sen, in­dem er ein klaf­fen­des De­fi­zit in un­se­rer Wahr­neh­mung sicht­bar macht.

Ein Grund, dass In­ter­net­kon­zer­ne gleich­zei­tig bei­spiel­los Da­ten mit Ras­ter­fahn­dungs­me­tho­den ab­grei­fen, sich aber trotz­dem ge­ra­de in den letz­ten Mo­na­ten auch als Da­ten­schutz­mus­ter­schü­ler po­si­tio­nie­ren kön­nen, ist un­ser ver­al­te­ter Be­griff von Pri­vat­sphä­re, der dem Zeit­al­ter der Mas­sen­über­wa­chung nicht mehr ge­wach­sen sei.

Der­zeit re­gu­lie­ren und de­fi­nie­ren wir Pri­vat­sphä­re als Schutz vor Of­fen­le­gung be­stimm­ter per­sön­li­cher Da­ten oder der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Ein­zel­nen. Das macht es den In­ter­net­kon­zer­nen leicht sich als Schüt­zer der von ih­nen ge­hor­te­ten Da­ten dar­zu­stel­len. Kaum ei­ner kann mit den hoch­ska­lier­ten Si­cher­heits­maß­nah­men und -Stan­dards der gro­ßen Platt­for­men noch kon­kur­rie­ren, kaum je­mand kann so viel Geld und Res­sour­cen zur si­che­ren Ver­wah­rung von Be­nut­zer­da­ten auf­wen­den. Was im Üb­ri­gen auch er­klärt, war­um Face­book und Goog­le (oder auch Ap­ple) neu­er­dings im­mer lau­ter nach Re­gu­lie­rung und stren­ge­ren Da­ten­schutz­richt­li­ni­en ru­fen: das hält die her­an­wach­sen­de Kon­kur­renz auf Di­stanz und öff­net den Gro­ßen ei­nen Wett­be­werbs­vor­teil.

Aus der Re­gu­lie­rungs­per­spek­ti­ve, zu­min­dest nach dem alt­her­ge­brach­ten Be­griff der Pri­vat­sphä­re, ist der Da­ten­schutz der gro­ßen Kon­zer­ne grund­sätz­lich in Ord­nung — sie schüt­zen die Da­ten vor Fremd­zu­grif­fen und vor Of­fen­le­gung. Al­ler­dings ist die grund­sätz­li­che Fra­ge, die wir stel­len müs­sen, eben nicht ob die Da­ten si­cher ge­la­gert sind, son­dern war­um auf ein­mal über­haupt so un­glaub­lich vie­le schüt­zens­wer­te Da­ten da sind.

Wäre Goog­le ein Dra­che und Be­nut­zer­da­ten Gold, soll­te uns nicht vor­ran­gig in­ter­es­sie­ren wie und ob der hor­ten­de Dra­che die Gold­hal­de schützt, son­dern war­um er so ei­nen rie­si­gen Ap­pe­tit hat.

Um die Sam­mel­wut und die öko­no­mi­schen Grund­la­gen des Über­wa­chungs-Ka­pi­ta­lis­mus bes­ser zu ver­ste­hen, schlägt Ce­głow­ski ei­nen Ar­beits­be­griff vor: Um­ge­bungs­pri­vat­sphä­re (am­bi­ent pri­va­cy).

Um­ge­bungs­pri­vat­sphä­re be­schreibt un­se­re all­täg­li­chen In­ter­ak­tio­nen mit­ein­an­der, die klei­nen De­tails un­se­res All­tags, die bis­her ein­fach ver­ges­sen wur­den, sich in Luft auf­lös­ten und eben nicht in je­dem De­tail auf­ge­zeich­net wur­den. Jetzt wo sich gro­ße Tei­le un­se­res ana­lo­gen Fleisch­le­bens di­gi­ta­li­sie­ren, kleins­te In­ter­ak­tio­nen spei­cher­bar wer­den — und hem­mungs­los und dau­er­haft ge­spei­chert wer­den — ver­än­dert sich die Lage. Au­to­ri­tä­re Staa­ten wie Chi­na oder Sau­di-Ara­bi­en ha­ben den Wert die­ser Auf­zeich­nun­gen er­kannt und nut­zen sie zur so­zia­len Kon­trol­le, in der west­li­chen Welt wer­den sie ge­nutzt um ver­kack­te Wer­bung aus­zu­spie­len.

Ent­sch­ei­dend ist: die gro­ßen In­ter­net­un­ter­neh­men ha­ben den Wert die­ser Da­ten er­kannt, wir als Ge­sell­schaft und Ein­zel­ne hin­ken mit dem Ver­ständ­nis der Reich­wei­te, den Aus­wir­kun­gen und den Miss­brauchs­mög­lich­kei­ten die­ser Da­ten­hal­den hoff­nungs­los hin­ter­her.

Be­cau­se our laws frame pri­va­cy as an in­di­vi­du­al right, we don’t have a me­cha­nism for de­ci­ding whe­ther we want to live in a sur­veil­lan­ce so­cie­ty. Con­gress has re­main­ed si­lent on the mat­ter, with both par­ties con­tent to watch Si­li­con Val­ley make up its own ru­les. The lar­ge tech com­pa­nies point to our wil­ling use of their ser­vices as pro­of that peo­p­le don’t re­al­ly care about their pri­va­cy. But this is like ar­guing that in­ma­tes are hap­py to be in jail be­cau­se they use the pri­son li­bra­ry. Con­fron­ted with the rea­li­ty of a mo­ni­to­red world, peo­p­le make the ra­tio­nal de­cis­i­on to make the best of it.

That is not con­sent.

 


stan­dard-cur­ry

felix schwenzel in gekocht

vor ner wei­le kam die bei­fah­re­rin mit ei­nem low-carb-koch­buch an. an den ers­ten re­zep­ten die wir aus­pro­biert ha­ben gabs nichts aus­zu­set­zen und auf reis kann ich schon mein le­ben lang ver­zich­ten.

frü­her muss­te ich zu al­lem im­mer reis zu­be­rei­ten, selbst zu thai-sup­pen be­stand die bei­fah­re­rin auf eine gros­sen por­ti­on reis. dass das jetzt we­fällt, macht es mir sehr leicht die­ses low-carb-ge­döns zu ak­zep­tie­ren.

wir, also ich, ma­che jetzt seit mo­na­ten re­gel­mäs­sig ein cur­ry aus die­sem buch, das sich wun­der­bar va­rie­ren lässt. es be­steht im prin­zip aus zwei kom­po­nen­ten, ei­ner „gre­mo­la­ta“ und gel­bem cur­ry mit fisch und ge­mü­se. im re­zept wer­den auch gar­ne­len emp­foh­len, auf die ver­zich­ten wir aber meis­tens und nut­zen je ein TK-fi­let ti­la­pia (so­weit er­kenn­bar aus aqua-kul­tur). der lässt sich in kal­tem was­ser auch gut schnell auf­tau­en und wird in hand­li­che stü­cke ge­schnit­ten in li­met­ten­saft und so­ja­sos­se ma­ri­niert, wäh­rend ich die an­de­ren sa­chen zu­be­rei­te.

für die gre­mo­la­ta soll man ei­gent­lich vie­le xthai-ba­si­li­kum-blät­ter (gibts im asia­markt) neh­men, ich habe er­satz­wei­se aber schon al­les von nor­ma­lem ba­si­li­kum, rau­ke oder pe­ter­si­lie ge­nom­men. also ir­gend­wel­chen wür­zi­gen kräu­ter in strei­fen ge­schnit­ten mit ei­ner ge­rie­be­nen li­met­ten­scha­le, ein paar (zwei ess­l­ö­fel) grob ge­hak­te erd­nüs­se und ein paar ein ge­wür­fel­te rote chi­lis zu­sam­men­rüh­ren. meis­ten neh­me ich die klei­nen ro­ten chi­lis aus dem asia markt, die ich hal­bie­re und ent­ker­ne. das ist im­mer wie­der ein er­leb­nis, bei dem ich we­gen der auf­stei­gen­den äthe­ri­schen­die öle ger­ne hus­ten­an­fäl­le und spä­ter, wenn ich mei­ne chi­li-fin­ger ver­ges­se und mir ans auge fas­se, bren­nen­de au­gen be­kom­me. mitt­ler­wei­le ha­ben wir uns an 4-6 klei­ne chi­lis ran­ge­tas­tet, ans gre­mo­la­ta kommt aber nur die hälf­te.

die an­de­re hälf­te kommt mit ei­nem gu­ten, fein ge­wür­fel­ten stück ing­wer in die pfan­ne (mit eine biss­chen öl). manch­mal schmeiss ich auch noch knob­lauch oder ganz fein ge­wür­fel­te zi­tro­nen­gras­stän­gel dazu, zwie­beln wür­den hier ei­gent­lich auch pas­sen. die ing­wer-chi­li-wür­fel wer­den dann mit dem di­cke­ren teil der ko­kos­milch ab­ge­löscht, mit ei­nem gu­ten ess­löf­fel gel­ber fer­tig­cur­ry­pas­te ver­rührt. da­nach die rest­li­che ko­kos­milch dazu, und falls man das mag ein biss­chen ein­ko­chen.

da­mit hat man ei­gent­lich die grund­la­ge, jetzt kann man peu a peu ge­mü­se und fisch da­zu­schmeis­sen und kö­cheln las­sen. im re­zept wird fol­gen­des vor­ge­hen emp­foh­len:

die fes­ten, weis­sen tei­le von pak-choi-stau­den (in strei­fen oder rin­ge ge­schnit­ten) 1 mi­nu­te ga­ren. an die­ser stel­le habe ich heu­te ne­ben den pak chois ein paar klein­ge­schnit­te­ne spar­gel-stan­gen da­zu­ge­wor­fen, an­de­re kohl-sor­ten dürf­ten hier auch funk­tio­nie­ren, möh­ren, pa­pri­ka oder was auch im­mer man an fes­tem ge­mü­se da hat. im re­zept sind auch, zu­sätz­lich zum pak-choi, in strie­fen ge­schnit­te­ne zu­cker­scho­ten (100 gramm) vor­ge­se­hen.

nach der ers­ten mi­nu­te kommt der fisch dazu, den kip­pe ich meist mit­samt der so­ja­sos­sen- und li­met­ten­saft-ma­ri­na­de dazu. der fisch kann jetzt 4 mi­nu­ten lang kö­cheln, da­nach kom­men die schnell ga­ren­den zu­ta­ten: das fei­ne grün der pak-choi-scho­ten, man­gowür­fel oder dün­ne man­go­schei­ben sind im re­zept vor­ge­se­hen, ich habe heu­te auch ein paar erb­sen da­zu­ge­wor­fen.

nach eei­ner wei­te­ren mi­nu­te ist das cur­ry gut, wenns noch nicht gut ist, kön­nen noch li­met­ten­saft oder so­ja­sos­se dazu. 

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Dif­fe­ren­zie­ren ist müh­sam, aber noch müh­sa­mer ist es zu ak­zep­tie­ren, dass es sich im­mer lohnt zwei­mal oder zu­min­dest ge­nau­er hin­zu­schau­en. Lei­der lei­den wir alle, nicht nur Jas­per von Al­ten­bo­ckum, an an­ge­bo­re­nem con­fir­ma­ti­on bias [ei­gent­lich Be­stä­ti­gungs-Be­fan­gen­heit, of­fi­zi­ell aber „Be­stä­ti­gungs­feh­ler“, bei dem es uns leicht fällt Quatsch als Fakt zu ak­zep­tie­ren, wenn er in un­ser Welt­bild passt] — und das ein­zi­ge was da­ge­gen hilft ist Mühe, ge­nau­er Hin­schau­en oder Re­cher­chie­ren.

[Re­cher­chie­ren ist üb­ri­gens eine Tä­tig­keit die dem Pro­kras­ti­nie­ren nicht un­ähn­lich ist. Re­cher­che, ge­nau­es Hin­se­hen, hi­ner­fra­gen wird üb­ri­gens mü­he­lo­ser und nied­rig­schwel­lig, wenn man da­für an­de­re wich­ti­ge Tä­tig­kei­ten auf spä­ter ver­schiebt.]

Manch­mal macht sich auch je­mand an­ders die Mühe zu re­cher­chie­ren, dann muss man nur noch le­sen:

Ende April lau­te­ten be­reits die Schlag­zei­len vie­ler Me­di­en „AfD jetzt stärks­te Par­tei im Os­ten“. Auch in den letz­ten Ta­gen wird im­mer wie­der ver­mel­det, dass die AfD in Bran­den­burg die stärks­te Kraft sei. Das ist be­son­ders be­deu­tend, da in Bran­den­burg, Sach­sen und Thü­rin­gen in die­sem Jahr ge­wählt wird. Die AfD hofft auf und alle an­de­re be­fürch­ten ei­nen „blau­en Herbst“, wie es die Ta­ges­schau ges­tern schrieb. Man könn­te mei­nen, zu­min­dest in den ost­deut­schen Bun­des­län­dern wür­de die AfD im­mer stär­ker wer­den.

Doch das Ge­gen­teil ist der Fall. Wie wir be­reits vor ein paar Wo­chen er­klär­ten: Dass die AfD im Os­ten stark und auch die stärks­te Par­tei ist, ist nichts Neu­es. Be­reits im Som­mer 2018 war die AfD im Os­ten die stärks­te Par­tei. Die Be­richt­er­stat­tung täuscht dar­über hin­weg, dass die AfD in ei­nem hal­ben Jahr in Wahr­heit 4 Pro­zent­punk­te (2018: 27% – 2019: 23%) ver­lor.

[Es kann na­tür­lich sein, dass ich hier auch ei­nem Be­stä­ti­gungs­feh­ler er­lie­ge und Tho­mas La­schyks Ana­ly­se Quatsch ist, und ich mir nur wün­sche, dass es im Os­ten kei­nen Rechts­ruck, son­dern Wäh­ler­wan­de­run­gen nach Links gibt. Si­cher aber ist: über­sicht­lich und klar ist die po­li­ti­sche Lage nicht.]

 






mei­ne klei­ne man­gold-farm (links fri­sche rau­ken-an­zucht)
mei­ne klei­ne man­gold-farm (links fri­sche rau­ken-an­zucht)

#spei­se­kam­mer­gar­ten stand nach 13 wo­chen: die nor­ma­le kopf­sa­lat-pro­duk­ti­on hab ich run­ter­ge­fah­ren: nimmt zu­viel platz weg, wächst gut, ist aber nur mit­tel­be­frie­di­gend. sehr schön nach wie vor der alte man­gold, seit wo­chen ern­te ich den im­mer wie­der ab. pak chois se­hen gut aus, pas­sen in alle sa­la­te, die rau­ke schmeckt am bes­ten, will aber nicht so bru­tal spries­sen wie der man­gold. die ba­si­li­kum-an­zuch­ten kom­men lang­sam, der su­per­markt-ba­si­li­kum lebt und spriesst auch nach 10 wo­chen noch. ko­ri­an­der kommt auch lang­sam. #ike­a­v­ä­xer #vä­xer 

pak choi da­hin­ter kopf­sa­lat
pak choi da­hin­ter kopf­sa­lat
in die rau­ke set­ze ich gros­se hoff­nun­gen
in die rau­ke set­ze ich gros­se hoff­nun­gen
hin­ten rechts der „alte“ man­gold, der sich be­reit­wil­lig pro wo­che 2-3 blät­ter an­schnei­den lässt. die an­de­ren man­golds ha­ben ein um­topf-mas­sa­ker gut über­lebt.
hin­ten rechts der „alte“ man­gold, der sich be­reit­wil­lig pro wo­che 2-3 blät­ter an­schnei­den lässt. die an­de­ren man­golds ha­ben ein um­topf-mas­sa­ker gut über­lebt.
un­ten ei­ner der letz­ten kopf­sa­la­te, ein en­di­vi­en-test und ein an­de­rer test
un­ten ei­ner der letz­ten kopf­sa­la­te, ein en­di­vi­en-test und ein an­de­rer test
vor­ne ver­schie­de­ne ba­si­li­kum-sor­ten, hin­ten pak choi und rau­ke
vor­ne ver­schie­de­ne ba­si­li­kum-sor­ten, hin­ten pak choi und rau­ke

Die­ser Auf­tritt der EU-Wett­be­werbs­ko­mis­sa­rin Mar­ga­re­the Ves­ta­ger auf der Re­pu­bli­ca-Büh­ne war ei­ner der lang­wei­ligs­ten, aber viel­leicht auch ei­ner der the­ma­tisch wich­tigs­ten Auf­trit­te die­ses Jahr. So wie ihr Job als Wett­be­werbs­ko­mis­sa­rin eben auch irre lang­wei­lig & -wie­rig ist — aber gleich­zei­tig ei­ner der wich­tigs­ten und ef­fi­zi­en­tes­ten Jobs ge­gen die über­bor­den­de Macht und Ein­fluss gro­ßer Kon­zer­ne zu sein scheint.

Ves­ta­ger ist ak­tu­ell wohl das ein­zi­ge schar­fe Mes­ser das Eu­ro­pa ge­gen die Über­macht und die struk­tu­rel­le Zer­stö­rungs­wut („Dis­rup­ti­on“) ame­ri­ka­ni­scher Platt­form­kon­zer­ne in Be­trieb hat.

Ves­ta­ger hat sich in den ver­gan­ge­nen 5 Jah­ren er­folg­reich mit vie­len Groß­kon­zer­nen an­ge­legt und Mil­li­ar­den­stra­fen ver­hängt, sie hat sich mit ih­ren kar­tell­recht­li­chen Be­mü­hun­gen aber auch un­be­liebt ge­macht. (In Deutsch­land vor al­lem, als sie eine Fu­si­on von Sie­mens und Al­s­tom ver­hin­der­te, in der Be­für­wor­ter »eine Chan­ce auf ein eu­ro­päi­sches Groß­un­ter­neh­men, ein „Air­bus für die Schie­ne“« sa­hen.)

Ves­ta­ger weist wie­der­holt dar­auf hin, dass es an der Zeit sei, dass un­se­re De­mo­kra­tien die Mög­lich­kei­ten in die Zu­kunft un­se­rer Ge­sell­schaf­ten selbst for­men, die der­zeit in fast al­len Be­rei­chen in der Hand von Fir­men lie­gen, die oft au­ßer­halb de­mo­kra­ti­scher Kon­trol­le agie­ren.

Ich hof­fe Ves­ta­ger hat noch lan­ge Ein­fluss auf die Aus­rich­tung der EU-Po­li­tik, nicht nur weil sie angst­frei und un­ab­hän­gig zu sein scheint, son­dern weil sie auch als eine der we­ni­gen EU-Spit­zen­po­li­ti­kerïn­nen den Ernst der Lage be­greift und ent­spre­chend prag­ma­tisch agiert.

Nur: auch wir müs­sen mit un­se­ren Kon­sum­entsch­ei­dun­gen mit­wir­ken & mit­steu­ern — und da­bei un­ter Um­stän­den auch lieb ge­won­ne­ne Be­quem­lich­kei­ten auf­ge­ben und viel in­ten­si­ver nach Al­ter­na­ti­ven zu den Diens­ten der gro­ßen Platt­for­men su­chen.

Ich emp­feh­le, sich die­ses (oder die­ses) teil­wei­se schmerz­haft tro­cke­ne Ge­spräch rein­zu­zie­hen oder sich zu­min­dest mit Lo­bes­hym­nen und Kri­tik an Ves­ta­ger aus­ein­an­der zu set­zen. Weil: „This is now.“

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fas­zi­nie­rend. nach dem #Re­zo­Vi­deo, schallt es aus der #CDU aus al­len ecken: „un­ge­nau! un­dif­fe­ren­ziert!“

wenn die vor­sit­zen­de der CDU was sagt, muss die hal­be CDU aus­rü­cken und er­klä­ren, was ge­nau sie ge­meint ha­ben könn­te.

ge­nau­ig­keit pre­di­gen aber selbst schwa­dro­nie­ren & rau­nen.


| schwa­dro­nie­ren, ʃva­droˈ­niːrən |

HER­KUNFT
ei­gent­lich = beim Fech­ten wild und plan­los um sich schla­gen
wort­reich, laut, leb­haft, un­be­küm­mert, oft auch auf­dring­lich re­den von sei­nen Hel­den­ta­ten schwa­dro­nie­ren 

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ei­ni­ger­mas­sen gu­tes au­to­ma­ti­sie­ren ist schwer und braucht vie­le da­ten, hier am bei­spiel un­se­rer spei­se­kam­mer. sen­sor-ebe­ne eins: ein tür-sen­sor, der das licht an und aus macht, wie beim kühl­schrank. wenn aber min­des­tens eine per­son (zwei­te ebe­ne: an­we­sen­heits-zähl-sen­sor) in der kam­mer ist, geht das licht nicht aus, wenn die tür zu geht. wenn ich die kam­mer ver­las­se, oder ge­nau­er, alle aus der kam­mer raus­ge­hen, geht das licht aus, auch wenn die tür of­fen ist. ein be­we­gungs­sen­sor in der kam­mer ist die drit­te sen­sor-ebe­ne: soll­ten der an­we­sen­heits-zähl-sen­sor oder der tür-sen­sor ver­sa­gen, schal­tet sich das licht nach 10 mi­nu­ten ohne be­we­gung aus. die vier­te ebe­ne ist der licht­schal­ter: wird das licht aus­ge­schal­tet, geht nicht nur das licht aus, son­dern auch der zähl­sen­sor zu­rück­ge­setzt. an­schal­ten kann man das licht na­tür­lich auch mit dem licht­schal­ter.

beim kühl­schrank ist das al­les ein­fa­cher, weil man da nicht rein­ge­hen kann. (der an­we­sen­heits-zähl-sen­sor ist ein ein­zel­ner time-of-flight-la­ser-sen­sor an ei­nem ar­dui­no-nano der per my­sen­sors kom­mu­ni­ziert. es gibt ein kom­mer­zi­el­les pro­dukt, das so ähn­lich funk­tio­niert und das man für $160 vor­be­stel­len kann. mei­ne lö­sung, mit hil­fe vie­ler tol­ler leu­te und open-source-pro­jek­ten im in­ter­net — und ei­nem frei­en wo­chen­en­de und viel ge­duld— kos­tet um die €15.) 


2009 dach­te ich, wir wä­ren wü­tend. Ur­su­la von der Ley­en woll­te das In­ter­net sper­ren, die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung wur­de durch­ge­peitscht und „wir“, Men­schen, die im In­ter­net leb­ten, po­li­ti­sier­ten uns (ein biss­chen). Vie­le, ich auch, set­zen Hoff­nun­gen auf die 2006 ge­grün­de­te Pi­ra­ten­par­tei und die­ser Tweet von Max von We­bel, fass­te das vor­herr­schen­de Ge­fühl da­mals per­fekt zu­sam­men:

Ihr wer­det euch noch wün­schen wir wä­ren po­li­tik­ver­dros­sen.

Mei­ne lei­sen Hoff­nun­gen auf Wan­del, auf eine klu­ge Di­gi­tal- und Ge­sell­schafts­po­li­tik, zer­bra­chen bei der Bun­des­tags­wahl 2009 am „wei­ter so!“ der Mehr­heit. Die Pi­ra­ten lan­de­ten bei 2 % und da­mit in der Be­deu­tungs­lo­sig­keit (mit min­des­tens ei­ner er­freu­li­chen Aus­nah­me).

Jetzt habe ich wie­der Hoff­nung, weil sehr vie­le jun­ge Men­schen sehr wü­tend sind — auf eine kon­struk­ti­ve Art. Dies­mal geht es nicht nur um ver­fehl­te Di­gi­tal­po­li­tik, son­dern auch um rea­li­täts­ver­ach­ten­de, shrug­gi­ge Kli­ma­po­li­tik. Der ak­tu­el­le Hö­he­punkt die­ser Ju­gend­wut ist ein ein­stün­di­ges Vi­deo, das der­zeit durch alle Time­lines rauscht und vie­le Po­li­ti­kerïn­nen wie­der eine po­li­tik­ver­dros­se­ne Ju­gend her­bei­wün­schen lässt. Ju­gend­wut äu­ßert sich, ganz an­ders als vor 40 Jah­ren mit in­tro­ver­tier­ter Wut und No Fu­ture, jetzt ex­tro­ver­tiert, kon­struk­tiv und for­dernd un­ter dem Mot­to For Fu­ture.

Das Vi­deo des 26-jäh­ri­gen You­Tubers Rezo er­zürnt der­zeit Groß und Klein in der CDU, aber Han­nes Schr­a­der er­klärt auf Zeit Cam­pus war­um Po­li­ti­kerïn­nen der CDU sich ge­nau über­le­gen soll­ten, „wie sie da­mit um­ge­hen, dass ein jun­ger Mensch mit sei­ner Kri­tik an ih­nen sehr er­folg­reich ist“. (Tipp von mir: die Kri­tik Ernst neh­men.)

Han­nes Schr­a­der er­klärt auch, was an der Kri­tik Re­zos „über­spitzt, wü­tend und un­fair“ ist — und war­um das gut so ist:

Sei­ne Zu­schau­er [sind] jun­ge Men­schen, die das Ge­fühl ha­ben, die al­ten Po­li­ti­ker, die kei­ne Ah­nung von ih­rem Le­ben ha­ben, ma­chen ih­nen das In­ter­net und ihre Zu­kunft ka­putt. Sie sind Teil ei­ner Ge­ne­ra­ti­on, die ge­merkt hat: Nur wenn wir wü­tend sind, hört uns je­mand zu.

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In Viel­falt ge­eint (t3n 56)

felix schwenzel in t3n, teil der sammlung: t3n

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dank der html5-vor­schau der @t3n kann man mei­ne ko­lum­ne am ende des hefts auch die­ses mal vor er­schei­nen des hefts le­sen. @pa­pier­jun­ge fand, dass es eine mei­ner bes­se­ren ko­lum­nen sei. ix auch.


Auch un­ter Prä­si­dent Do­nald Trump lau­tet das of­fi­zi­el­le Staats­mot­to der USA: „aus den Vie­len das Eine“. So steht es seit 1776 (auf La­tein) im Staats­wap­pen der USA: „E plu­ri­bus unum“. Aus den fol­gen­den knapp 250 Jah­ren ame­ri­ka­ni­scher Ge­schich­te kann man ab­le­sen, dass sich die­ses Mot­to als eine Art Zau­ber­for­mel für wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Er­folg be­wie­sen hat.

Die­se Zau­ber­for­mel, Stär­ke durch Ein­heit und Viel­falt, ist ein uni­ver­sel­les Prin­zip. Kom­ple­xe, di­ver­se Öko­sys­te­me funk­tio­nie­ren sta­bi­ler als Mo­no­kul­tu­ren, Staats­ge­bil­de, die of­fen, plu­ra­lis­tisch und in­te­gra­tiv or­ga­ni­si­ert sind, die das Ge­mein­sa­me, statt Un­ter­schie­de be­to­nen, sind stär­ker — und in­no­va­ti­ver — als sol­che die Viel­falt zu er­sti­cken ver­su­chen.

Na­tio­na­lis­ten, Pro­tek­tio­nis­ten und Spal­ter ha­ben nie ver­stan­den wie Stär­ke (und In­no­va­ti­on) ent­steht: sie ent­steht nicht durch Gleich­schal­tung, Ord­nung, Tren­nung, Rein­heit oder Ent­schlos­sen­heit, son­dern, im Ge­gen­teil, durch Viel­schich­tig­keit, kon­trol­lier­tes, krea­ti­ves Cha­os und das rich­ti­ge Mass an Un­ord­nung und Frei­heit.

Eine der Stär­ken der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka war und ist ihre Fä­hig­keit zur In­te­gra­ti­on. Nur zur Er­in­ne­rung, Elon Musk wur­de in Süd­afri­ka ge­bo­ren, Ni­ko­la Tes­la war Ös­ter­rei­cher, Ste­ve Jobs war der Sohn ei­nes sy­ri­schen Po­li­tik­stu­den­ten, Ser­gey Brin wur­de in Mos­kau ge­bo­ren und ei­ner der er­folg­reichs­ten In­ves­to­ren der Di­gi­ta­l­öko­no­mie, Pe­ter Thiel, wur­de in Frank­furt am Main ge­bo­ren. Auf ei­ner an­de­ren Ebe­ne hat auch Chi­na die­se Fä­hig­keit zur In­te­gra­ti­on: in Chi­na hat man es ge­schafft aus­län­di­sche Tech­nik und Tech­no­lo­gie so gut zu in­te­grie­ren, dass Chi­na zu ei­nem un­ver­zicht­ba­ren Teil in­dus­tri­el­ler und di­gi­ta­ler Lie­fer­ket­ten ge­wor­den ist. In Chi­na ad­ap­tiert man Tech­no­lo­gie und Tech­nik schnel­ler, als ein deut­scher Mi­nis­ter das Wort Struk­tur­wan­del auch nur aus­spre­chen kann.

Die In­te­gra­ti­on von Frem­den und Frem­dem, ge­paart mit ei­ner aus­ge­präg­ten Will­kom­mens­kul­tur, die Fä­hig­keit aus Vie­lem Ei­nes zu ma­chen — ohne die Viel­falt zu zer­stö­ren — dürf­te eine der wich­tigs­ten Ant­wor­ten auf die Fra­ge sein, wie Eu­ro­pa im welt­wei­ten Wett­be­werb mit den gros­sen Blö­cken USA, Chi­na und Russ­land be­stehen kann.

Das gröss­te Hin­der­nis auf dem Weg zu so et­was wie den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Eu­ro­pa ist al­ler­dings die Über­win­dung ei­ner Art Denk­blo­cka­de: der Glau­be dass wir ver­lie­ren (Iden­ti­tät, Si­cher­heit), wenn wir uns Frem­des und Ver­än­de­run­gen zu ei­gen ma­chen und in­te­grie­ren. Aber das Ge­gen­teil ist der Fall, was be­reits die jün­ge­re Ge­schich­te der bis­her eher zag­haft ver­lau­fen­den eu­ro­päi­schen Ei­ni­gung zeigt. Wis­sen­schaft­li­che Er­fol­ge wie die Eu­ro­pean Space Agen­cy oder das CERN, wirt­schaft­li­che Er­fol­ge wie Air­bus oder po­li­ti­sche Er­fol­ge wie in­ner­eu­ro­päi­sche Grenz­öff­nun­gen und lang­an­hal­ten­der Frie­den, wer­den all zu schnell als Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten ge­se­hen.

Die Skep­sis ge­gen­über grund­le­gen­den Ver­än­de­run­gen sitzt tief in uns al­len, wes­halb im­mer wie­der nach neu­en, bes­se­ren, mit­reis­sen­de­ren Vi­sio­nen für Eu­ro­pa und die eu­ro­päi­sche Ei­ni­gung ge­ru­fen wird. Aber viel­leicht reicht ja schon ein bild­li­cher Ver­gleich, zum Bei­spiel Eu­ro­pa als Misch­wald. Ein ge­sun­der Misch­wald ist nicht be­son­ders über­sicht­lich, bie­tet aber auch zar­ten Pflan­zen Ni­schen, ge­nau­so wie gros­sen Bäu­men. Und auch um­ge­fal­le­ne Bäu­me sind kei­ne Ka­ta­stro­phe, son­dern bil­den wei­te­re Ni­schen, in de­nen Neu­es und Fri­sches ent­ste­hen kann. Auch ein Misch­wald muss ge­hegt und vor all­zu in­va­si­ven Ar­ten ge­schützt, also re­gu­liert wer­den. Aber an­ders als ein rei­ner Fich­ten­forst, ist ein Misch­wald viel ro­bus­ter und kann auch mal ein paar Jah­re lang sich selbst über­las­sen wer­den.

Er­staun­li­cher­wei­se ist die För­de­rung von Misch­wäl­dern in­zwi­schen so­gar ein po­li­ti­sches Ziel im mul­ti­kul­tu­rell eher skep­ti­schen Bay­ern. Wenn man sich vor­stel­len kann, dass eine Ei­che auch in ei­nem Misch­wald kei­nes­falls ihre Ei­chen-Iden­ti­tät ver­liert, son­dern im Ge­gen­teil, viel bes­se­re Le­bens­be­din­gun­gen in der Viel­falt ei­nes Misch­wal­des vor­fin­det, müss­te man sich doch ei­gent­lich auch mit der Idee ei­nes ver­ein­ten Eu­ro­pas an­freun­den kön­nen, ein Eu­ro­pa, das aus Vie­len Ei­nes schafft und die Viel­falt als Wert an sich schätzt und schützt.

Wenn wir wirt­schaft­lich, di­gi­tal, so­zi­al und welt­po­li­tisch er­folg­reich sein wol­len, müs­sen wir uns, um es mit Kon­rad Ade­nau­er zu sa­gen, aus der Enge und Klein­heit Eu­ro­pas „her­aus­den­ken“.

So wie ein Wald mehr ist als die Sum­me der Bäu­me, ist auch Eu­ro­pa mehr als die Sum­me der eu­ro­päi­schen Staa­ten und Re­gio­nen — und funk­tio­niert doch dann am bes­ten wenn es ge­nau Eins ist. 


auf piqd.de pos­te ich in un­re­gel­mäs­si­gen ab­stän­den mei­ne liebs­ten re­pu­bli­ca-vor­trä­ge. in den letz­ten ta­gen die­se bei­den:

soll­te ich ir­gend­wann in die po­li­tik ge­hen, dürf­te das an die­sem #rp19-vor­trag ge­le­gen ha­ben. prag­ma­tis­mus, pra­xis und da­ten sind glau­be ich mäch­ti­ge und schwer un­ter­schätz­te po­li­ti­sche werk­zeu­ge.

we­gen er­rei­chen der ma­xi­ma­len zei­chen­zahl pass­te die­ser link, die­ses vi­deo und 2000 an­de­re ge­dan­ken nicht mehr in den piq. aber die­ses bei­spiel zeigt ein­leuch­tend, was gu­tes de­sign be­wir­ken kann (das ein­ge­bet­te­te vi­deo fas­zi­niert mich seit ta­gen, es ist fast me­di­ta­tiv. „me­di­ta­tiv“ als ad­jek­tiv für eine gross­stadt-kreu­zung ist ge­wagt, passt aber in die­sem fall).

piqd.de: #rp19: We­ni­ger Au­tos wa­gen!

aus­ser­dem, von vor­letz­ter wo­che:

piqd.de: #rp19: Die Äs­the­tik und die Gren­zen des Ma­chi­ne Lear­ning 


Auf der re­pu­bli­ca wur­de die­ses jahr (zu Recht) viel über Ak­ti­vis­mus ge­re­det. Ein paar Stun­den be­vor Sa­scha Lobo sei­nen Vor­trag mit Gre­ta Thun­bergs Ak­ti­vis­mus-wirkt-Zi­tat be­en­de­te, zeig­te Mi­ka­el Col­ville-An­der­sen was Ak­ti­vis­mus er­rei­chen kann. Er skiz­zier­te nicht nur die Zu­kunft der Stadt, son­dern zeig­te sie auch, un­ter an­de­rem am Bei­spiel Ko­pen­ha­gens.

Ich fand es ex­trem in­spi­rie­rend und au­gen­öff­nend, wie An­der­son von den ziem­lich er­folg­rei­chen Be­mü­hun­gen er­zähl­te, um das Auto in Ko­pen­ha­gen und an­de­ren Städ­ten zu­rück­zu­drän­gen und da­mit die Le­bens­qua­li­tät für alle zu he­ben. Er zeig­te kei­ne po­li­ti­schen Vi­sio­nen, son­dern seit Jahr­zehn­ten er­prob­te Er­fah­run­gen, best prac­ti­ces und Er­fol­ge. Ko­pen­ha­gen ist so fahr­rad­freund­lich, dass so­gar im Win­ter über 70 Pro­zent der Fahr­rad­fah­rer wei­ter mit dem Rad zur Ar­beit fah­ren. Fast zwei Drit­tel der Po­li­ti­ker in Ko­pen­ha­gen nut­zen Fahr­rä­der, um zur Ar­beit zu kom­men.

An­der­son set­ze bei sei­nem Vor­trag we­ni­ger auf Wut als Mo­tor um Ak­ti­vis­mus zu säen, son­dern tat­säch­lich auf In­spi­ra­ti­on, bei­na­he Weh­mut — und Da­ten. Er zeig­te, dass Städ­te und Stra­ßen wie­der zu de­mo­kra­ti­schen Räu­men wer­den kön­nen, statt Spiel­wie­sen für Stra­ßen­bau­in­ge­nieu­re und Ver­kehrs­len­ker und dass man, um schnell von A nach B zu kom­men, eben nicht un­be­dingt ein Auto braucht, son­dern klu­ge In­fra­struk­tur, die al­len nützt und nicht nur ein paar Au­to­fah­rern.

Al­les was An­der­son zeig­te war schlüs­sig, lo­gisch und kei­ne Spur ra­di­kal. Nach dem Vor­trag war ich über­zeugt, dass die Zu­kunft der Städ­te nicht im Ho­fie­ren des Au­to­ver­kehrs liegt und das Zu­rück­drän­gen des Au­to­ver­kehrs aus Städ­ten auf eine Art al­ter­na­tiv­los und zwangs­läu­fig ist.

Eine ge­wis­se Do­sis Wut kam dann doch noch in mir auf, vor al­lem an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass sich in un­se­ren Nach­bar­län­dern die Bür­ger schon seit Jahr­zehn­ten die Städ­te und Stras­sen von den Au­tos zu­rück­ho­len und wir uns hier aus un­er­find­li­chen Grün­den wei­ter scha­ren­wei­se von Au­tos von den Fahr­rä­dern fe­gen las­sen und das of­fen­bar als nor­mal emp­fin­den.

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