die seo-nerds in ber­lin mö­gen sich mit SEO aus­ken­nen, aber nicht alle mit­ar­bei­ter­rïn­nen ham raus, in en­gen wed­din­ger wohn­stras­sen hin­ter­her- oder ent­ge­gen­kom­men­den fahr­zeu­gen an­zu­zei­gen, dass man den mit ei­gen­n­re­kla­me be­kleb­ten fir­men­wa­gen mit­ten auf der stras­se an­hält & ne kol­le­gïn raus­lässt.  stvo-nerd-tipp: blin­ken


2015 führ­te Dan Pri­ce, der Chef des Zah­lungs­dienst­leis­ters Gra­vi­ty, ein Min­dest­ein­kom­men von 70.000 Dol­lar für die 120 Mit­ar­bei­ter sei­ner Fir­ma ein — und re­du­zier­te sein ei­ge­nes Ge­halt um eine Mil­li­on Dol­lar.

Als er das Min­dest­ein­kom­men ein­führ­te, glaub­te kaum ei­ner an den Er­folg der Mass­nah­me. Pri­ce ver­lor zwei sei­ner Füh­rungs­kräf­te („se­ni­or em­ployees“), die der Über­zeu­gung wa­ren, dass der Ge­halts­sprung die An­ge­stell­ten („ju­ni­or em­ployees“) zum Fau­len­zen ani­mie­ren wür­de und der Fir­ma Wett­be­werbs­nach­tei­le be­sche­ren wür­de.

Das Ge­gen­teil trat ein.

The head­count has dou­bled and the va­lue of pay­ments that the com­pa­ny pro­ces­ses has gone from $3.8bn a year to $10.2bn.

But the­re are other me­trics that Pri­ce is more proud of.

"Be­fo­re the $70,000 mi­ni­mum wage, we were ha­ving bet­ween zero and two ba­bies born per year among­st the team," he says.

"And sin­ce the an­noun­ce­ment - and it's been only about four-and-a-half ye­ars - we'­ve had more than 40 ba­bies."

More than 10% of the com­pa­ny have been able to buy their own home, in one of the US's most ex­pen­si­ve ci­ties for ren­ters. Be­fo­re the fi­gu­re was less than 1%.

Die An­ge­stell­ten sei­en be­reits vor dem Min­dest­ein­kom­men, bzw. vor ih­ren teils dras­ti­schen Ge­halts­er­hö­hun­gen zu har­ter Ar­beit mo­ti­viert ge­we­sen, aber ih­nen et­was mehr fi­nan­zi­el­le Frei­heit zu ge­ben, habe ihre Fä­hig­kei­ten und ihre Pro­duk­ti­vi­tät ge­stei­gert, sagt Dan Pri­ce. Eine der An­ge­stell­ten for­mu­liert es so: „Man denkt nicht mehr, dass man zur Ar­beit geht um Geld zu ver­die­nen, son­dern kon­zen­triert sich mehr auf die Fra­ge: »Wie kann ich bes­se­re Ar­beit lie­fern?«“

Dan Pri­ce ist al­ler­dings schwer ent­täuscht, dass sein frap­pie­rend ef­fi­zi­en­tes Ge­schäfts­mo­dell nicht mehr Nach­ah­mer ge­fun­den habe. Er habe ei­gent­lich weit­läu­fi­ge, struk­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen er­war­tet, die aber aus­blie­ben.

Die Ge­schich­te zeigt her­vor­ra­gend, wie ver­korkst und ver­lo­gen un­se­re Vor­stel­lung von Lohn­ar­beit ist. Kaum ei­ner, auch in Eu­ro­pa, glaubt dar­an, dass Min­dest­lohn oder gar ein Grund­ein­kom­men die Pro­duk­ti­vi­tät stei­gern wür­de und die Bau­ern­re­gel, dass sich „Leis­tung loh­nen müs­se“ ver­kommt nicht nur in den USA zu per­vers und un­an­ge­mes­sen ho­hen Ge­häl­tern in den Vor­stands­eta­gen.

Das er­folg­rei­che Ex­pe­ri­ment von Dan Pri­ce zeigt, dass es sich lohnt zu ex­pe­ri­men­tie­ren und un­se­re Vor­stel­lun­gen von Lohn­ar­beit aus der Ge­dan­ken­welt der frü­hen In­dus­tria­li­sie­rung zu be­frei­en.

 


Als or­dent­li­cher In­tel­lek­tu­el­ler müss­te man Hu­bert Bur­da ei­gent­lich ver­ach­ten, des­sen Me­di­en­im­pe­ri­um Jour­na­lis­mus-Imi­ta­tio­nen wie die Bun­te her­aus­gibt oder des­sen on­line-Auf­trit­te mit ih­ren SEO-Prak­ti­ken, Click­bait-Ge­döns und ih­rer la­xen Auf­fas­sung von Jour­na­lis­mus am Ran­de des An­stands ba­lan­cie­ren (vie­le Bei­spie­le im Bild­blog oder auch hier). Das In­ter­view, das Hu­bert Bur­da hier Sven Mi­cha­el­sen und Mi­cha­el Ebert ge­ge­ben hat, macht ei­nem Schwarz-Weiss-Ur­tei­le über Hu­bert Bur­da aber nicht leicht.

Dass Hu­bert Bur­da sym­pa­thi­scher oder min­des­tens in­ter­es­san­ter ist, als der Müll den sein Me­di­en­im­pe­ri­um pro­du­ziert, ahn­te ich schon frü­her. Be­vor ich auf ir­gend­ei­ner Black­list vom Bur­da-Ver­lag lan­de­te oder noch den Ein­druck mach­te in An­sät­zen re­le­vant oder so­was wie ein Be­ein­flus­ser zu sein, wur­de ich ein paar mal auf Bur­das DLD-Ver­an­stal­tung ein­ge­la­den. Der (die?) DLD ist eine ge­schickt plat­zier­te Ver­an­stal­tung in Mün­chen, die vie­le Di­gi­tal-Den­ker und -Ma­cher auf ih­rem Weg zum Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos ei­nen Zwi­schen­stop er­mög­licht und ein paar Tage auf Po­di­en über ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen im Netz spre­chen, nach­den­ken oder strei­ten lässt.

Ich fand die The­men und Spea­k­er-Mi­schung des DLD im­mer in­ter­es­sant und in­spi­rie­rend, stel­len­wei­se aber auch ex­trem pein­lich. In ei­ner der Ver­an­stal­tun­gen auf dem DLD 2007 war der Ver­an­stal­tungs­raum ziem­lich früh so voll, dass sich vie­le, auch ich, in den Gän­gen auf den Bo­den setz­ten. Als ich da so sass, sass auch Hu­bert Bur­da ein paar Me­ter wei­ter auf dem Bo­den des Gangs und lausch­te Adria­na Huf­fing­ton. Ich fand das sym­pa­thisch und un­prä­ten­ti­ös. Un­prä­ten­ti­ös und un­ei­tel stellt sich Hu­bert Bur­da auch in die­sem In­ter­view dar.

SZ: 2005 ver­öf­fent­lich­te die Jour­na­lis­tin Gi­se­la Frei­sin­ger nach meh­re­ren Tref­fen mit Ih­nen die mit Nick­lig­kei­ten ge­spick­te Bio­gra­fie Hu­bert Bur­da. Der Me­di­en­fürst. War­um ha­ben Sie sich auf die­ses Pro­jekt ein­ge­las­sen?

Bur­da: Der Grund war, dass ich jun­gen Leu­ten sa­gen woll­te: Lasst euch nicht nie­der­ma­chen, wenn ihr auf die Schnau­ze fallt. Nehmt mich als Bei­spiel. Ich bin sehr oft mit schwers­ten Ver­wun­dun­gen auf die Schnau­ze ge­fal­len, aber ich bin im­mer wie­der auf­ge­stan­den. Da ich in mei­ner Ju­gend ge­boxt habe, habe ich mir im­mer ge­sagt: Dop­pel­de­ckung! Ir­gend­wann hö­ren die Schlä­ge auf. Und dann schau, dass du ei­nen Ha­ken an­brin­gen kannst. Der Plot des Frei­sin­ger-Bu­ches ist: Ein klei­ner Mann brüllt dau­ernd: Ich! Ich! Ich! Das ist mir zu platt, aber Gram habe ich des­halb kei­nen. Mei­ne Blät­ter tei­len ja auch aus und ver­nich­ten Bü­cher oder gan­ze Künst­ler­kar­rie­ren.

Auch, auf eine Art, sym­pa­thisch fin­de ich, dass Hu­bert Bur­da mit par­zi­el­ler Ah­nungs­lo­sig­keit öf­fent­lich hau­sie­ren geht: „Ich habe […] kei­ne Ah­nung, wer Xing er­fun­den hat, ob­wohl uns das Un­ter­neh­men mehr­heit­lich ge­hört.“ Wo­bei ich in die­sem spe­zi­el­len Fall eher glau­be, dass ihm ein­fach der Name des Xing-Grün­ders Lars Hin­richs ent­fal­len ist und Hu­bert Bur­da ihn öf­ter, auch per­sön­lich, auf und um den DLD ge­trof­fen und ge­spro­chen hat — und ge­nau weiss wer er ist. Aber auch wenn Hu­bert Bur­da es mit der Wahr­heit nicht im­mer so ge­nau zu neh­men scheint, viel­schich­tig ist er auf je­den Fall — und das In­ter­view liest sich gut.

Al­ler­dings schaut sich auch die­ses In­ter­view mit Ge­or­ge W. Bush gut. Bush wirkt als ehe­ma­li­ger Prä­si­dent um ei­ni­ges sym­pa­thi­scher als Amts­in­ha­ber, aber Men­schen, sei­en es ehe­ma­li­ge Prä­si­den­ten oder Me­di­en-Mil­li­ar­dä­re, soll­te man eben nicht nur nach ih­ren Ru­he­stands-Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten oder sym­pa­thi­schen Per­sön­lich­keits­merk­ma­len be­ur­tei­len, son­dern auch im­mer nach ih­rem Han­deln und für was sie Ver­ant­wor­tung tra­gen.

 


Dem, was Nico Brün­jes hier über die dä­ni­sche Fern­seh­se­rie Rag­na­r­ök schreibt, möch­te ich nicht wi­der­spre­chen:

Nor­di­sche My­tho­lo­gie nach heu­te ver­pflanzt ist ja im­mer so eine Sa­che, aber das ty­pisch ru­hi­ge dä­ni­sche Kon­zept und die haupt­säch­lich nor­we­gi­schen Schau­spie­ler, so­wie die fan­tas­ti­sche Aus­stat­tung ma­chen ei­nen gu­ten Job. Die Sto­ry hat mir in­so­fern gut ge­fal­len, dass sie mich aus­ge­spro­chen amü­siert und ge­kurz­weilt hat.

Aber weil er sich so kurz fasst, dass sei­ne Kurz­kri­tik ei­gent­lich gar nicht pi­q­bar ist, möch­te ich ihn er­gän­zen und vor al­lem der Fra­ge nach­ge­hen, war­um Nor­di­sche My­tho­lo­gie in der Pop­kul­tur „so eine Sa­che“ ist.

Eine der mög­li­chen Ant­wor­ten lau­tet wohl, dass Hol­ly­wood, vor al­lem Dis­ney/Mar­vel, Nor­di­sche (und an­de­re) My­tho­lo­gien durch Ver­kit­schung, Ame­ri­ka­ni­sie­rung und bru­ta­le Tri­via­li­sie­rung völ­lig ent­zau­bert und leert. Die zwei Co­mic­ver­fil­mun­gen von Thor und spä­te­re Fort­füh­rung der Fi­gu­ren in Mar­vels fil­mi­schem Uni­ver­sum sind zwar auf ihre Art auch kurz­wei­lig und amü­sant, aber eben auch bom­bas­tisch auf­ge­bla­se­ne Tri­via­li­täts-Feu­er­wer­ke. Schaut man sich sol­che Fil­me an, bleibt au­ßer dem Ge­fühl, ein biss­chen un­ter­hal­ten wor­den zu sein, so gut wie nichts hän­gen. Mit der Sub­ti­li­tät und dem Zau­ber von Mär­chen und My­then, de­ren Bil­der ei­nem oft noch ta­ge­lang nach­hän­gen, ha­ben Hol­ly­wood-Pro­duk­tio­nen, die sich aus dem Fun­dus der al­ten Er­zäh­lun­gen frei­zü­gig be­die­nen, nichts mehr ge­mein.

Dazu kommt, dass Hol­ly­wood sich nicht nur aus dem Ge­mein­gut der Mär­chen und My­then be­dient und die­se dann auf sei­ne Art tri­via­li­si­ert und ba­g­ate­li­si­ert, son­dern den mit Stars ge­spick­ten, auf­ge­bläh­ten Kitsch dann auch noch zur Ka­pi­tal­ex­trak­ti­on als so­ge­nann­tes geis­ti­ges Ei­gen­tum um­deu­tet.

Der Kon­trast der dä­ni­sche Fern­seh­se­rie Rag­na­r­ök zu die­ser Art von Hol­ly­wood­pro­duk­tio­nen ist sehr wohl­tu­end. Rag­na­r­ök han­delt nicht von ab­ge­ho­be­nen, su­per­hel­di­gen Göt­tern, die in ei­nem kit­schi­gen, cin­de­r­el­la-ar­ti­gen As­gard rum­tur­nen, son­dern von All­tags­kon­flik­ten, Lie­be, Freund­schaft und Zwei­feln die im­mer nach­voll­zieh­bar und ge­er­det aus der All­tags­per­spek­ti­ve ei­nes nor­we­gi­schen Dor­fes er­zählt wer­den. Auch wenn man Zeu­ge von Su­per­kräf­ten und Über­men­schen­tum wird, ver­liert man nie die ge­fühl­te Nähe und Ver­traut­heit zum im­mer wie­der selbst­zwei­feln­den und ver­zwei­feln­den Hel­den.

Rag­na­r­ök wirkt auf den ers­ten Blick fast wie ein Kam­mer­spiel oder eine High­school-Se­rie und auch das wirkt wohl­tu­end ge­er­det, bzw. schafft es im Ge­gen­teil zu den Hol­ly­woodschin­ken viel bes­ser, Aspek­te der nor­di­schen My­tho­lo­gie in ei­nen ak­tu­el­len, nach­voll­zieh­ba­ren Kon­text zu stel­len — ohne al­les zu über­gei­gen oder schön­zu­pu­dern.

Die wirk­lich in­ter­es­san­ten Hel­den­ge­schich­ten und My­then er­zäh­len von nor­ma­len Men­schen, mit de­nen wir uns in ir­gend­ei­ner Form iden­ti­fi­zie­ren und mit­füh­len kön­nen. Hän­sel und Gre­tel, Aschen­put­tel, Rot­käpp­chen schei­tern am All­tag und der Ge­sell­schaft, um am Ende doch ir­gend­wie zu sie­gen – des­halb kann man sich nor­ma­ler­wei­se so gut mit die­sen Fi­gu­ren iden­ti­fi­zie­ren und mit­füh­len. Die Fi­gu­ren aus Hol­ly­woodschin­ken, die sich aus der My­tho­lo­gie be­die­nen, schaf­fen es bes­ten­falls, dass man ihre Hel­den un­ter­halt­sam, sym­pa­thisch, doof oder böse fin­det.

Ein wei­te­rer Kon­trast, der mir nach dem Rag­na­r­ök-Gu­cken auf­fiel: wie der Tod oder das Tö­ten dar­ge­stellt wird. Wäh­rend das Tö­ten in Hol­ly­wood­fil­men meist ju­gend­frei, sau­ber und ohne wei­te­re Kon­se­quen­zen – oft so­gar ganz ohne Lei­chen – statt­fin­det, zeigt Rag­na­r­ök, dass so­gar das Tö­ten von Mons­tern im All­tag erns­te Kon­se­quen­zen ha­ben kann und dass je­mand, der sich zum Hel­den be­ru­fen fühlt, aus an­de­rer Per­spek­ti­ve auch als Wahn­sin­ni­ger ge­se­hen wer­den kann und wird.

Rag­na­r­ök läuft auf Net­flix.

 



Ba­cken ge­gen die Un­zu­frie­den­heit (t3n 59)

felix schwenzel in t3n, teil der sammlung: t3n

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Ich war bis zur ach­ten Klas­se ein ziem­lich schlech­ter Schü­ler. Als ich in die­ser Zeit über mein Le­ben nach­dach­te, war ich em­pört bei dem Ge­dan­ken, nach all die­sen Jah­ren in der Schu­le noch mal vier bis fünf wei­te­re Jah­re ler­nen zu müs­sen. Was ist das für ein Le­ben, in dem man sei­ne bes­ten Jah­re der Schu­le op­fert?

Ir­gend­wann habe ich dann doch die Lust am Ler­nen ent­deckt und Ab­itur ge­macht. Da­nach war mir aber nach et­was Prak­ti­schem, Un­in­tel­lek­tu­el­lem zu­mu­te – nach ei­ner Leh­re als Schrei­ner. Die Ar­beit ge­fiel mir, aber ich frag­te mich ir­gend­wann: Was ist das für ein Le­ben, in dem man sei­ne Ge­sund­heit, sei­nen Kör­per so für den Job schin­den muss?

Wäh­rend der Leh­re und auch spä­ter als ich doch noch zur Uni ging, sehn­te ich mich nach ei­nem Bü­ro­job. Und jetzt, wo ich ei­nen Bü­ro­job habe, seh­ne ich mich im­mer wie­der nach prak­ti­scher, hand­werk­li­cher Ar­beit, bei der ich mei­nen Kopf nicht über­mä­ßig be­an­spru­chen muss.

Die­se Sehn­sucht nach dem je­weils An­de­ren hat mich – egal was ich in mei­nem Le­ben ge­ra­de tat – im­mer be­glei­tet. Auch jetzt, wo ich den Re­dak­ti­ons­schluss für die­se Ko­lum­ne schon lan­ge über­schrit­ten habe, stel­le ich mir vor, wie ein Le­ben als Bus­fah­rer wohl wäre – und ob das nicht ins­ge­samt ent­spann­ter wäre.

Weil ich ir­gend­wann ge­merkt habe, dass ich ei­gent­lich im­mer ir­gend­wie un­zu­frie­den mit dem war, was ich ge­ra­de tat, habe ich mir Ne­ben­tä­tig­kei­ten zum Aus­gleich ge­sucht. Statt von mei­nem Ar­beit­ge­ber zu er­war­ten, dass er mir ei­nen Job an­bie­tet, der alle mei­ne Be­dürf­nis­se be­frie­digt, kon­zen­trie­re ich mich lie­ber dar­auf, mir Be­schäf­ti­gun­gen zu su­chen, die mei­ne vom Job nicht er­füll­ten Be­dürf­nis­se be­frie­di­gen.

Das Er­geb­nis über­rascht mich im­mer wie­der selbst: Ob­wohl ich in den ver­gan­ge­nen 14 Jah­ren mög­li­cher­wei­se nicht im­mer hun­dert­pro­zen­tig zu­frie­den mit mei­nem Job war, habe ich kaum das Be­dürf­nis, ihn zu wech­seln oder neu an­zu­fan­gen. Wich­ti­ger noch: Ich de­fi­nie­re mich mehr und mehr über mei­ne Hob­bies statt über mei­nen Brot­er­werbs­job. Ich sehe mich eher als Neu­hun­de­be­sit­zer oder als je­mand, der ins In­ter­net schreibt und zum The­ma Heim­au­to­ma­ti­sie­rung forscht, als je­mand, der Web­ent­wick­lungs­pro­jek­te lei­tet und ko­or­di­niert.

Wahr­schein­lich ist es mit dem Traum­job ähn­lich wie mit der Lie­be: We­der das eine noch das an­de­re pas­sie­ren ei­nem ein­fach so – zu­min­dest nicht auf Dau­er – son­dern sind das Pro­dukt von in­ten­si­ver Ar­beit an sich selbst und der Be­zie­hung. We­der in der Lie­be noch im Job kann man er­war­ten, dass al­lein die an­de­re Sei­te al­les tut, da­mit man sich ganz und gar wohl­fühlt. Wenn man sich nicht (auch) um sich selbst küm­mert, an sich ar­bei­tet, stän­dig da­zu­lernt und sei­nen Be­dürf­nis­sen Raum ver­schafft, ver­dörrt die Be­zie­hung be­zie­hungs­wei­se die Freu­de am Job.

Man soll zwar nicht von sich auf an­de­re schlie­ßen, aber ich ver­mu­te, die­ses Phä­no­men ken­nen auch an­de­re Men­schen. Vor al­lem ver­mu­te ich aber, dass die Un­zu­frie­den­heit mit dem, was man ge­ra­de tut, oder zeit­wei­li­ge Über­for­de­rung nur be­dingt mit den äu­ße­ren Um­stän­den zu tun ha­ben – oft liegt die Ant­wort eben in ei­nem selbst.

Nicht jede Tä­tig­keit, nicht je­der Job kann alle ei­ge­nen In­ter­es­sen be­die­nen, egal wie sich der je­wei­li­ge Ar­beit­ge­ber oder Part­ner an­strengt, ei­nen an sich zu bin­den. Nicht im­mer ist ein Neu­an­fang die Lö­sung, wenn der Job (oder die Be­zie­hung) nervt. Ver­ein­facht ge­sagt: Fra­ge dich nicht nur, was an­de­re für dich tun kön­nen, son­dern was du für dich selbst tun kannst.

Bild­lich ge­spro­chen: Wer sei­nen Job satt hat, könn­te mal ei­nen Ku­chen ba­cken. Nicht für die Kol­le­gen, son­dern für sich selbst. 


Wenn ich ju­ris­ti­sche Tex­te lese, Ver­trä­ge oder AGB, schla­fe ich meis­ten sehr schnell ein, im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Manch­mal zwin­ge ich mich aus be­ruf­li­chen oder ju­ris­ti­schen Grün­den aber dann doch den ei­nen oder an­de­ren ju­ris­ti­schen Text zu­en­de zu le­sen und durch­zu­ar­bei­ten — und kann die­ser Art von Text dann doch et­was ab­ge­win­nen, oder mir ein­bil­den den Text tat­säch­lich ver­stan­den zu ha­ben.

Was ich dann, in die­sen spe­zi­el­len Mo­men­ten, an die­ser Text­form doch sehr ger­ne mag ist die Präz­si­s­i­on und das Be­mü­hen um Ein­deu­tig­keit die­ser Tex­te die ei­nen in der Kon­seu­qenz zu ra­di­ka­ler dif­fe­ren­zie­rung zwin­gen. Die­se ra­di­ka­le Dif­fe­ren­zie­rung in der ju­ris­ti­schen Denk­wei­se sorgt inn der Re­gel da­für, dass Ju­ris­ten und Men­schen, die glau­ben sich von ei­nerm so­ge­nann­ten ge­sun­den Men­schen­ver­stand lei­ten zu las­sen, sehr oft an­ein­an­der vor­bei­spre­chen und sich ge­gen­sei­tig nicht ver­ste­hen.

Die­ser Text von An­drew Ham­mel un­ter­nimmt den Ver­such Men­schen ohne ju­ris­ti­sche Vor­bil­dung, Jour­na­lis­ten und Zu­schau­ern und Zu­hö­rern di­ver­ser ein­schlä­gi­ger Pod­casts und True Crime Do­cu­men­ta­ries ein biss­chen zur Dif­fe­ren­zie­rung zu ver­hel­fen. Nein, das ame­ri­ka­ni­sche Rechts­sys­tem ist nicht to­tal ka­putt und kor­rupt und nicht nur „arme Schwar­ze lan­den [in den USA] im Ge­fäng­nis“.

Ir­ri­tie­ren­der Wei­se schlägt Ham­mel in Punkt 7 dann aber vor: „Du sollst ge­sun­den Men­schen­ver­stand wal­ten las­sen“. Das möch­te ich kor­ri­gie­ren: „Du sollst nicht al­les glau­ben was be­rich­tet wird und beim Le­sen und gu­cken im­mer ver­su­chen mit- und nach­zu­den­ken“.

Ich fand Ham­mels Text ge­ra­de des­halb in­ter­es­sant zu le­sen, weil er die Gren­zen des ge­sun­den Men­schen­ver­stands bei der Lai­en­haf­ten Be­ur­tei­lung von ju­ris­ti­schen Sach­ver­hal­ten auf­zeigt.

 



ich sehe leu­te die di­rekt ins mi­kro ih­rer flach vors ge­sicht ge­hal­te­nen mo­bil­te­le­fo­ne spre­chen.
ich sehe leu­te, die die mi­kros ih­rer kopf­hö­rer vor den mund hal­ten oder — heu­te ge­se­hen — sich die din­ger un­ter die lip­pe bin­den.

ich pro­phe­zei­he, dass ix bald leu­te sehe, die den ei­nen air­pod in der hand hal­ten und in die un­te­re öff­nung spre­chen und sich den an­de­ren air­pod ins ohr drü­cken.

kann bit­te mal je­mand mei­ne vi­si­on mit ei­nem pho­to vi­sua­li­sie­ren? 




un­se­re wasch­ma­schi­ne ging vor­letz­te wo­che ka­putt. der otto-ver­sand bot un­ser neu­es wunsch­mo­dell mit 5-8 werk­ta­gen lie­fer­zeit an. quel­le war ein biss­chen teu­rer als an­ders­wo, aber wir dach­ten: „otto ist ein zu­ver­läs­si­ger la­den.“ aber zur si­cher­heit und weil der lie­fer­sta­tus sich on­line nicht ak­tua­li­sier­te, rief die bei­fah­re­rin alle paar tage dort an. an­ru­fen bei otto klappt su­per zu­ver­läs­sig. die aus­sa­gen zur lie­fer­zeit va­rier­ten aber lei­der stark. „mit­te der wo­che“, „don­ners­tag“ — und plötz­lich: „der lie­fe­rant lie­fert nicht, wir müs­sen 5 werk­ta­ge schie­ben, ans ende der nächs­ten wo­che …“

wir ha­ben dann die otto-ver­sand-be­stel­lung stor­niert, sind zu sa­turn am alex­an­der­platz ge­gan­gen, ha­ben be­zahlt und 2 tage spä­ter wur­de die neue ma­schi­ne hin­ter die woh­nungs­tür ge­lie­fert und die alte mit­ge­nom­men.

fällt mir schwer, aber ich muss ein lob an sa­turn aus­spre­chen: der ver­käu­fer war nett und lus­tig und un­auf­dring­lich, die lie­fe­rung gut im zeit­fens­ter, al­les ver­pa­ckungs­ma­te­ri­al wur­de mit­ge­nom­men.

ab­surd ist aber, dass man auch 2020 ein gross­ge­rät doch am bes­ten kauft, in­dem man in die in­nen­stadt fährt, dort mit je­man­dem re­det und dass sich on­line bei sol­chen an­schaf­fun­gen im­mer noch un­se­ri­ös, un­zu­ver­läs­sig und un­ver­bind­lich an­fühlt.

[hier stand statt „otto“-ver­sand „quel­le“-ver­sand, weil ich of­fen­bar wor­te die mit Q oder O an­fan­gen ge­le­gent­lich ver­wechs­le. doof, zu­mal es quel­le so gar nicht mehr gibt.] 


mit mehr #am­bi­gui­täts­to­le­ranz lies­se sich auch aus­hal­ten, dass man­che die­se und an­de­re jene de­fi­ni­ti­on von jahr­zehn­ten nut­zen.

ix trai­nie­re am­bi­gui­täts­to­le­ranz in­dem ich klug­scheiss­plaï­ner still er­tra­ge und mir ein­re­de, dass die (be­stimmt) im­mer auch net­te sei­ten ha­ben.