auf dieser seite auf das-syndikat.com, die im rahmen irgendeiner aktion steht die sich „Ja zum Urheberrecht“ nennt, liest man:
Die Initiative „JA zum Urheberrecht“ wurde durch die Autorengruppe Das Syndikat und unter der Leitung der Autorinnen Angela Eßer und Nina George gegründet, um sich gemeinsam für den weltweiten Schutz geistigen Eigentums auszusprechen und zu engagieren. Dies gilt insbesondere im Medium Internet, in dem dieser Schutz immer häufiger missachtet wird.
dafür haben mitglieder des syndikats bilder erstellt auf denen acht autoren nackt und zerfleischt zu sehen sind und die sagen sollen
So sehen wir aus, wenn uns die Politik das Urheberrecht nimmt – Wir sagen: „JA zum Urheberrecht!“
Für die Presse Die drei Motive – „Seelenräuber“, Kulturfledderer“ und „Herzblut“ – erhalten Sie als Kleinformat der Anlage und in Druckqualität unter dem Link: www.das-syndikat.com.
noch erstaunlicher ist dann folgender passus im impressum:
Die unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe einzelner Inhalte oder kompletter Seiten ist nicht gestattet und strafbar. Lediglich die Herstellung von Kopien und Downloads für den persönlichen, privaten und nicht kommerziellen Gebrauch ist erlaubt.
was denn jetzt? wenn ich die drei motive „Seelenräuber“, „Kulturfledderer“ und „Herzblut“ verwende kann ich das honorarfrei tun solange ich die quelle und den fotografen nenne, mache mich aber strafbar?
gut das ich gar nicht erst in versuchung komme die bilder nutzen zu wollen. erstens sind sie völliger mumpitz und zweitens nirgendwo auf der seite zu finden.
wer sich bei quote.fm noch nicht angemeldet hat, sollte das jetzt machen. finde ich. ich habe ein paar lieblingsblogger per rss aboniert, zum beispiel anke gröner, maximilian buddenbohm oder journelle, was mir immer wieder wunderbaren lesestoff in den reader spült. aber auch konservativ, ohne RSS-gedöns lässt sich quote.fm bestens nutzen. ix bin hier und hier.
Wir Internetpeople (wie wir Internetpeople uns nennen) kennen natürlich öffentlichen Druck, wir ahnen, wie er sich aufbaut, wir kennen die, sagen wir: unappetitlichen Nebeneffekte öffentlichen Drucks, die Shitstorms.
Dem folgend wurde ein vollständiger Satz, der nicht einmal im Ansatz von mir stammte, hineinredigiert: “Ich meine mein Smartphone!" Ein solch hysterischer Ausrufesatz ist niemals meinem Kopf entsprungen und durch meine Finger geflossen. In meinem Blog gäbe es so etwas nicht, ich distanziere mich von diesem Satz.
das unique-magazin über „die Unsitte der Filmsynchronisation in Deutschland“:
Während in den Niederlanden und im skandinavischen Raum die meisten Filme untertitelt in Originalsprache - also „OmU“ - gezeigt werden, etablierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in ganz Deutschland die Synchronisation als dominierende Form der Übersetzung nicht-deutschsprachiger Filme. Alle waren glücklich: Das deutsche Publikum war seit Anfang der 1930er Jahre daran gewöhnt, die Alliierten konnten die Marktdominanz ihrer eigenen Filmindustrie in Deutschland dadurch leichter durchsetzen, und Zensoren hatten neben der Schere und dem Verbot ein weiteres Mittel, um sicher zu stellen, dass subversive Inhalte die deutschen Zuschauer nie erreichen würden.
[nachtrag] offenbar hat das unique-magazin (durch einen link im bildblog) zuviel traffic abbekommen und wurde vom hoster deaktiviert. im google-cache ist der artikel noch zu finden.
franziska bulban versucht im internet ein t-shirt mit einem bild von walter benjamin zu drucken und stolpert übers urheberrecht.
Erst der Hinweis einer Online-T-Shirt-Druckerei, bei der ich das Bild hochladen will, macht mich stutzig: »Um ein Motiv verwenden zu können, musst Du die vollen Rechte an diesem Motiv besitzen«, steht da geschrieben. Folgende Formulierung soll ich per Mausklick bestätigen: »Mir ist bekannt, dass die unrechtmäßige Verwendung von durch Dritte geschützten Motiven kein Kavaliersdelikt ist und mit hohen Geldstrafen geahndet werden kann.« [...] Aber wo auf der Skala der Cyberkriminalität befinde ich mich, wenn ich es trotzdem auf ein T-Shirt drucke? Entspricht das mehr dem virtuellen Äquivalent einer Fahrerflucht oder einem Gang über die rote Ampel bei Nacht?
richtig und konsequent angewendet könnte das urheberrecht vielleicht tatsächlich zu einer verschönerung der welt führen: es würde die kreative betätigung all derer unterbinden, die keine künstlerische ausbildung oder keine rechtsabteilung haben.
konrad fischer hat versucht die piraten-partei zu infiltrieren und ist gescheitert:
Die Manipulation der Partei ist in zwei Wochen nicht gelungen, die Entzauberung der vermeintlichen Rationalität durch Transparenz auf Piratenart hingegen schon. Denn die Mechanismen, mit denen in der Partei Politik gemacht und Macht ausgeübt wird, sind am Ende ähnlich wie in traditionellen Organisationen. Nur dass die Kanäle subtiler funktionieren.
schöner text und gute fragen an die piraten-partei von michalis pantelouris. da steht viel gutes über politik im allgemeinen und speziellen drin, zum beispiel:
Transparenz an sich ist sicher richtig, aber wertvoll wird sie ja erst, wenn sie tatsächlich jemand nutzt und all das überprüft, das da transparent gemacht wird.
Das, was die Piraten aus meiner Sicht sein könnten ist also Anstoß geben zu einer neuen Kultur des Teilnehmens an politischen Prozessen. Ein neuer Anlauf in Demokratie, der Versuch, die “etablierten Parteien" ein Stück weit aus den einfahrenden Bahnen zu befreien.
und:
Ich glaube, in Wahrheit braucht es für die drei Kernforderungen Transparenz, Teilhabe und eine zeitgemäße Umsetzung von Rechten in der digitalen Welt wahrscheinlich nicht eine Partei, sondern alle. Piraten in allen Parteien sozusagen.
und:
Ich hätte aber trotzdem gerne Geld für mein Buch. Das war echt Arbeit.
ob das klappt oder nicht, hängt glaube ich weder mit den piraten, noch irgendwelchen tauschbörsen zusammen, sondern mit ein paar komplexeren zusammenhängen. eine komponente dürfte die aufmerksamkeit sein, die das buch bekommt -- und da ist es schonmal nicht doof (im gegenteil), das buch mit den piraten in zusammenhang zu bringen.
ich lese in letzer zeit mehr und mehr auf dem kindle. aulso nicht direkt, ich hab ja keinen, aber ix hab die kindle apps auf dem iphone und dem laptop. und was ich schon ein bisschen erschütternd finde ist, dass ich noch nicht mal absatzweise text kopieren kann. naja. mit ein bisschen tricksen dann doch. aber dieses DRM-gedöns ist sicher nicht der weisheit letzter schluss.
hätte sie statt des namens und der adresse des vermutlichen stalkers auf facebook das ihr zugesendete penisbild veröffentlicht wäre das sicher lustiger gewesen. aber facebook als penispranger geht ja leider nicht, wegen der AGBs. (mal im ernst, im spon steht, das foto der „genitalien“ sei von dem typen der ariane friedrich die email geschickt habe. hat das jemand überprüft?)
According to Megaupload’s founder it is quite clear that the Mega investigation was a ‘gift’ to Hollywood, facilitated by corrupt forces.
“This Mega takedown was possible because of corruption on the highest political level, serving the interests of the copyright extremists in Hollywood,” he says. “Mega has become a re-election pawn.”
andererseits ist diese megaupload-geschichte in der tat mindestens irritierend. ein deutscher wird in neuseeland auf betreiben des FBI festgenommen? die US-regierung will das beweismaterialvernichten lassen? an eigentümlichkeiten ist die mega-upload-geschichte nicht gerade arm.
und auch wenn urheberrechts-maximalisten sicher nicht nur in „hollywood“ zu finden sind, dachte ich mir gerade, dass man im kampf gegen die weltweiten lizenz-verletzer vor ihren tapedecks computern vielleicht nicht nur das die-armen-künstler-argument nutzen sollte, sondern vielleicht auch noch das die-armen-menschen-in-afrika argument. das benutzen ja auch künstler gerne.
jedesmal wenn man eine torrent-datei runterlädt, stirbt in afrika ein künstler.
Wenn man so vor Sascha Lobo sitzt, ist es, als säße man vor reinem Text. Die Sätze sind als Zitate einwandfrei verwendbar. Auf jede Frage erhält man fünf Antworten. Die Mimik ist irrelevant und fast nicht vorhanden. Sascha Lobo wirkt wie ein Text. Als journalistischer Gesprächspartner muss man nur auf die Zeichenzahl achten. Er redet relativ laut. Als halte er einen Vortrag. Als würde er miteinbeziehen, dass andere zuhören.
Meine Entschuldigung, wenn das racingblog nun kurz zum politikblog wird. Ich habe versucht, den Abschnitt über die Hintergründe der Proteste kurz zu halten. Leider ist die Lage aber ziemlich komliziert, so dass es doch ein paar Absätze geworden sind.
so unpolitisch wie sich die formel1 gibt ist sie ganz sicher nicht. und ich werde beim renn trotzdem wieder einschlafen.
Wohl eines der besten Slow-Motion Videos seit langer Zeit: Der Kopenhagener Martin Garde Abildgaard hat “Stupidity and Danger" mit 2500 Bildern pro Sekunde festgehalten. Darunter Mehlexplosionen, Kettensägenmassaker, Abrissbirnenaction und und und....
Der ehemalige PR-Profi Sebastian Turner zieht als parteiloser Kandidat der CDU in den OB-Wahlkampf in Stuttgart. Auch FDP und Freie Wähler unterstützen ihn - jetzt bewirbt sich Turner noch als Kandidat der Stuttgarter Piraten. Zugleich haben CDU, FDP und Freie Wähler einen Unterstützerverein für Turner gegründet, der auch anonyme Wahlkampfspenden ermöglicht. Eine komische Vorstellung: ein Spindoktor mit Transparenz-Problemen als Piraten-Kandidat.
das ist barack obama, wie er im berühmt-berüchtigten rosa parks bus im betty fordhenry ford museum sitzt. ich finde das bild irgendwie irritierend und gleichzeitig toll.
ganz toll ist es auf jeden fall dem flickr-fluss des weissen hauses zu folgen. oder wie flickr den laden nennt: „The White House — No real name given“.
meedia berichtet von „machtkämpfen“ im spiegel-verlag über die künftige online strategie.
Steife Brise an der Ericusspitze: In der Spiegel-Chefredaktion ist offenbar ein erbitterter Streit um die Print-Online-Strategie entbrannt. Nach MEEDIA-Informationen fordert Blattmacher Georg Mascolo vehement eine Bezahlschranke für das überaus erfolgreiche Nachrichten-Portal. Damit soll der zuletzt deutliche Auflagenrückgang gestoppt werden. Gegner dieser Strategie ist nicht nur Digital-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, sondern auch Geschäftsführer Ove Saffe.
ich halte das für sehr plausibel. der print-chefredakteur macht sich, höchtswahrscheinlich zu recht, sorgen um den digital-umsatz der print-ausgabe. der springende punkt ist wohl, dass „man fürchtet, dass das kostenlose Nachrichtenangebot die Heftverkäufe kannibalisiert.“
ich glaube, dass dieser glaube sowohl völliger quatsch, als auch nicht ganz unberechtigt ist.
einerseits kaufe ich mir den gedruckten spiegel schon seit einer ganzen weile nicht mehr. mache ich es doch, bin ich reproduzierbar enttäuscht. der spiegel ist einfach unerträglich, und das nicht nur wegen der fräulein rottenmeier-haltung der autoren. anders gesagt, mir ist es schnurzpiepsegal, ob es spiegel.de (online) gibt oder nicht, ob er was kostet oder werbefinanziert ist — den spiegel (print) kauf ich oder abonier ich mir nicht, weil ich ihn für ein tendenziöses, arrogantes käseblatt halte, das meinem medien-menü nichts mir relevantes hinzufügen kann.
anderseits könnte man durchaus eine art kanibalisierung erkennen. denn die aussenstehnden völlig unnachvollziehbare trennung der print- und der online-redaktionen des spiegels erschliesst sich nach aussen so gut wie gar nicht. irgendwo las ich kürzlich, dass aus der printredaktion nur 2-4 artikel pro woche in das offene netz spiegel.de fliessen. an den ehemaligen print-artikeln steht zwar online irgendwas von „magazin“ und neben den print-artikeln wird auch immer (glaube ich) das zugehörige spiegel-titelblatt angezeigt — aber mal im ernst: wer glaubt, dass die leser diese bekloppte differenzierung nachvollziehen lebt in einem elfenbeinturm oder einer redaktionsblase. insofern kannibalisiert sich der spiegel natürlich selbst, weil da wo „spiegel“ draufsteht auch „spiegel“ wahrgenommen wird — und damit der spiegel zumindest im netz den eindruck einer komplett kostenlosen verfügbarkeit erweckt. dass die print-redaktion die verfügbarkeit ihrer artikel verknappt und erst nach einer schamfrist (von 4 wochen) google das komplete heft zum frass vorwirft, stört niemanden. oder genauer: mich störts nicht, weil ich nicht überzeugt bin, nach dem abschluss eines (online) abos bessere inhalte zu bekommen als ohne. und ich glaube, dass ich nicht der einzige bin der so denkt.
kurz gesagt: online findet der print-spiegel so gut wie gar nicht statt (obwohl der spiegel (print) fast komplett online ist). kommt mal etwas wirklich gutes aus dem gedruckten spiegel auf spiegel.de, schaffen es die artikel nicht, irgendwen davon zu überzeugen auf print oder print-HTML5 oder die print-spiegel-app umzusteigen. der print-spiegel hat es 18 jahre lang verpasst sich gegen den online-spiegel zu profilieren oder einen eigenen markenkern oder qualitätsanspruch herauszubilden.
die entscheidung des spiegels vor 18 jahren eine online-version des spiegels ins netz zu bringen war einerseits brilliant, hat aber die „spiegel“-marke verwässert veronlined. dass jetzt die verkaufzahlen des spiegels einbrechen, gedruckt, verappt und verHTML5t hat sicher auch mit dem allgemeinen rückgang von printkonsum zu tun, wahrscheinlich aber auch mit der wahrgenommenen qualität des spiegels, aber vor allem damit, dass niemand ausserhalb des spiegelgebäudes zwischen spiegel.de und dem SPIEGEL unterscheiden mag.
da wird auch keine paywall helfen, sondern, wenn überhaupt, dass DER SPIEGEL seinen potenziellen lesern eindrücklich klar macht, inhaltlich etwas besseres zu liefern als das was man heutzutage (kostenlos) im netz finden kann. spiegel-leser wissen mehr — diese zeiten sind längst vorbei. wenn ich mehr über die jüngere geschichte erfahren will, kaufe ich mir ganz sicher keinen spiegel, sondern die geo epoche. zu fast allen anderen themen fallen mir zig alternativen ein, kostenlos und kostenpflichtig, die ich eher lesen oder kaufen würde als den spiegel.
ich habe mir den HTML5 print-spiegel vor einer weile mal angesehen. nett, technisch gut gemacht. aber warum ich für den arrogant, allwissend und käsig geschriebenen mist mehr zahlen soll als für das was ich in meinem feedreader, spiegel.de, zeit.de, geo epoche, brandeins, c’t oder sonstwo finde, wurde mir bisher nicht klar. da reicht zur veredelung des print-spiegels auch nicht der einkauf einer niggemeier-edelfeder, zumal der offenbar manchmal schwierigkeiten hat, die artikel, die er schreibt, überhaupt im heft unterzubringen und die recherchen dann eben verkostenlost.
überhaupt. kann sich noch jemand an den letzten scoop, die letzte grosse enthüllungsstory im spiegel erinnern? ich glaube das war irgendwas mit franz josef strauss. die wikileaks-koperation war in meiner erinnerung wenig überzeugend und bot kaum gesprächsstoff (geredet wurde über wikileaks, nicht darüber wie der spiegel die daten aufbereitet hatte), den bundestrojaner gabs bei der FAZ, sascha lobo schreibt online und nicht im heft, sauber recherchiertes und bullshit und FUD-freies zum internet schaffte es in den letzten drei jahren nicht ins heft — im gegenteil.
und — wer soll sich den digitalen spiegel überhaupt kaufen? digitale first adopters ganz sicher nicht. was der spiegel bisher über das internet schrob war grösstenteils haarsträubend. wer sich in digitalien auskennt kommt doch nicht im traum daruf sich ein heft zu kaufen, in dem seine lebenswelt mit unverständins, hass und hohn behandelt wird. aber ohne online-affine first adopters bekommt man digital auch keinen fuss auf den boden. ob klassische spiegel-leser bereit sind statt eines hefts eine digitale ausgabe in diesem laut spiegel ach so gefährlichen internet oder diesen datenschutzkatastrophen von apple oder google für den gleichen preis wie die papier-ausgabe zu kaufen ist ziemlich fragwürdig. wo soll denn da der mehrwert sein?
mal zuende gedacht: gäbe es eine paywall — wie würde dann künftig zwischen online- und print-spiegel unterschieden? gäbe es vielleicht sogar zwei paywalls, eine für online und eine für den digitalisierten print-spiegel? lägen hinter der paywall print- und online-inhalte beisammen, warum dann noch zwei getrennte redaktionen? oder glaubt mascolo, dass ein kostenpflichtiger spiegel-online die leser zu der überlegung führt, wenn ich bezahle, dann gleich für den „echten“ spiegel? eine paywall löst das profilierungsproblem des print-spiegel wohl eher nicht. ich glaube im gegenteil, dass das problem damit grösser wird. bisher kann ich die beiden spiegel an den kosten unterscheiden, woran sollte man sie, wenn sie beide kostenpflichtig wären unterscheiden? am internet-hass? an der fräulein-rottenmeier-haltung der autoren?
ich glaube um die verkäufe der digital-ausgabe des spiegel zu erhöhen muss die qualität des spiegels hoch, der preis der digital-ausgabe runter und der spiegel-online müsste umbenannt werden, zum beispiel in die blumencron-post oder das magazin oder tmfkas (the magazine formerly known as spiegel).
ich muss mal wieder, ohne speziellen anlass, meine DVDthek loben. obwohl ich glaube, dass die lizenzfragen zu den game of thrones DVDs der ersten staffel unter juristen zumindest strittig sein könnten, gibt sich meine DVDthek zumindest mühe einem alternativen zur unlizensierten nutzung anzubieten. OK, man kann sich die erste staffel mittlerweile auch bei amazon holen (amazon.co.uk 36,00 €, amazon.de 59,00 €). aber ich wollte die video collection an der stargarder strasse ja eh nur mal eben loben.
Wie kann die Band sicher sein, dass die aufwendig produzierten Clips nicht blockiert werden? Das Label der Ärzte, Hot Action Records, will sich dazu nicht äußern. [...] Ob der Musikverlag PMS und Bela B. einen entsprechenden Gema-Vertrag haben, ist unklar. Die Gema kann dazu aus "Datenschutzgründen" nichts sagen, aus der Gema-Werkdatenbank geht das nicht hervor.
die überschrift ist voll boulevardesque, aber die verschärfung der ursprünglichen pläne zur vorratsdatenspeicherung, die das innenministerium plant sind schon heftig. vor allem dass hinz und kunz auf die daten zugreifen dürfen können sollen, empfinde ich als eine frechheit. das ursprüngliche argument „terrorismus“ ist aus dem gesetzentwurf beinahe verschwunden. patrick breyer vom arbeitskreis vorratsdatenspeicherung hat auch was dazu geschrieben.
christian rach will jetzt auch ein restaurant in berlin aufmachen, in dem bisher eher chancenlose menschen eine chance zur ausbildung bekommen sollen. die erste staffel hab ich wie nichts eingeatmet, bei der ersten folge der zweiten staffel fällt es mir schwer sie zu verdauen. irgendwie hat die sendung ne unwucht.
das team um rach, aber auch rach selbst bemüht sich etwas zu offensiv darum, den teilnehmern kamera-drama-tränen rauszuprovozieren, rachs sprüche kommen mir teilweise arg redaktionell geschliffen und vorgeplant vor (teilweise auch nicht. „wie wird rach geschrieben?“ „ich kann dir auch eine reinhauen wenn du willst ...“).
wenn die zweite folge nicht wieder etwas authentischer wirkt, kann rach seine sendung von mir aus selbst gucken.
in dem zusammenhang vielleicht nicht ganz uninteressant, was man im nachhinein, nachdem die geplanten neuregelung des rederechts im bundestag vom tisch ist, so über die initiative liest. das sind plötzlich ganz andere töne.
malte welding über dieses urheber-, aufmerksamkeits und gelddings:
Erfolgreiche deutsche Bands bringen es auf Youtube im Schnitt auf weniger Klicks als die duschende Nachbarskatze. Kein Wunder, dass die nun denken, ihnen werde etwas weggenommen durch das Netz. Es ist nur anders, als sie glauben: Sie bekommen nicht zu viel Aufmerksamkeit (durch illegale Downloads), sondern zu wenig (durch Egalheit).
mir hat die vorletzte ausgabe der brandeins mal wieder aussergewöhnlich gut gefallen. und vor allem habe ich sie mal wieder (fast) komplett durchgelesen. praktisch wenn man die vorletzte brandeins-ausgabe liest: man kann die artiekl gleich verlinken. ich glaube ich bleibe jetzt grundsätzlich eine ausgabe hinterher mit meiner brandeins-lektüre.
dieser artikel ist in zweifacher hinsicht erstaunlich. zum einen, weil die portraitierten „putzerlippfische“ einen extrem faszinierenden lebenwandel führen und offenbar zu kognitiven höchstleistungen, beinahe wie zum beispiel menschliche friseure, fähig sind und zum anderen wie die brandeins es schafft einen text der zu hundert prozent in die GEO passen würde, in einen text für ein wirtschaftmagazin umzudaddeln.
schöner text über das unternehmen „günzburger steigtechnik“. eigentlich auch ein prototypischer brandeins-text: zum bersten positiv gedreht und damit so doll lust-machend auf wirtschaft, dass man am liebsten am nächsten tag einen kubikmeter holz kaufen möchte um ein paar leiter-prototypen zu bauen. oder anders gesagt: brandeins-texte haben die gleiche fähigkeit wi manufaktum-katalog-texte: sie können konservatives gedöns extrem hip erscheinen lassen.
brand eins: Und so wird es bleiben, der Computer fürs Grobe, der Mensch für Kunst und Intuition?
Gunter Dueck: Zumindest, solange die Industrie nicht versucht, den Computer in die Höhen der Kunst zu bringen - sondern eher umgekehrt: alles auf das Niveau des Computers. Ich habe das neulich in einer Rede am Beispiel einer Tomatensuppe erläutert. Das Zelebrieren einer Fünf-Sterne-Tomatensuppe aus auserlesenen Früchten ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Man kann aber auch für 44 Cent im Sonderangebot eine Tütensuppe kaufen, die passabel rot schmeckt und idiotensicher gelingt, weil auf der Tütenrückseite eine Kochanleitung steht.
Ich sehe es so: Computer schaffen heute alles schon auf Tütensuppenniveau. Und statt den Rechner weiterzuentwickeln, versuchen das Management und die Betriebswirtschaftslehre ganz im Gegenteil, alle Kunst so weit auf Tütensuppenniveau zu bringen, dass sie der Computer selbst kann oder wenigstens ein schnell angelernter Mensch mit Mindestlohn. Diese sogenannte Standardisierung oder Industrialisierung ist der Hauptgrund für das heutige Abdriften der Menschen in den Niedriglohnsektor. Es ist der Verzicht auf das Geniale, Innovative und Neue, das Fünf-Sterne-Niveau oder das wirklich Feine zugunsten eines standardisiert Programmierten.
text von mischa täubner über drei BWLer die in rekordzeit (zwei jahre) studiert haben, statt einem gleich zwei abschlüsse (bachelor und master) machten und nebenbei auch noch eine berufsausbildung absolvierten.
Zugute kamen ihnen dabei ihre unterschiedlichen Stärken. Grünwald ist mathematisch beschlagen, Kopper liegt das Wirtschaftsrecht, Pohl brachte vom Wirtschaftsgymnasium eine Menge ökonomisches Wissen mit. Grünwald ist schnell, Kopper gründlich, Pohl ausdauernd. Gegenseitig trieben sie sich an. Als Pohl am Tag vor einer Klausur mit den Nerven am Ende war, bauten ihn die anderen beiden am Telefon wieder auf. "Allein hätte ich aufgegeben. Aber in der Gruppe wird man mitgezogen. Man will ja nicht der Einzige sein, der scheitert."
Coleman zeichnete eine Matrix mit zwei Achsen auf. Die eine signalisierte zunehmende Wichtigkeit, die andere zunehmende Dringlichkeit. Teilte man die Matrix auf, ergaben sich vier Quadranten. Einer für Aufgaben mit hoher Dringlichkeit und gleichzeitig hoher Bedeutung; ihm schräg gegenüber einer für Aufgaben von geringer Dringlichkeit und geringer Bedeutung. Diese zwei Felder seien leicht zu identifizieren, so Coleman, viele Menschen schafften es, ihr Verhalten entsprechend zu steuern. Die meisten scheiterten aber an den beiden anderen Feldern: Gefährlich sei vor allem jener Quadrant, in dem sich Aufgaben von hoher Dringlichkeit und geringer Wichtigkeit befänden. Diesen Tätigkeiten widmeten sich die meisten Manager zu häufig, fuhr der Coach fort. Gleichzeitig vernachlässigten sie die Aufgaben im vierten Quadranten: "Solche, die nicht dringlich, aber wichtig sind", sagt El-Erian. "Seine Botschaft war: Die Menschen wenden viel Zeit und Mühe auf, vergessen aber das Wesentliche, das entscheidenden Einfluss hat auf den langfristigen Erfolg ihres Tuns."
ich bin kein grosser wolf lotter fan, aber der schwerpunkt-text in der „relevanz“-ausgabe der brandeins hat mir gut gefallen. wolf lotter gleich am anfang seines 300 seiten langen artikels:
Das Ranking ist die Konserve der Bedeutung. Wir halten für wichtig, was andere für wichtig erklären. Was hinten rauskommt, ist das, was andere übrig gelassen haben. Das gilt für merkwürdige Ranglisten, in denen die "wichtigsten" Menschen, Manager oder Ideen schön in Reih und Glied gebracht werden - was zwar der Ordnung dient, aber nur selten der Orientierung. Wichtig für wen oder wozu? Diese Frage und eine Antwort darauf lassen die Hitlisten meistens vermissen.
und später:
Das ist der Preis für anhaltenden Alarmismus. Den Leuten werden ständig Prioritäten vorgesetzt, die mit den Dingen, die für ihr Leben wichtig sind, wenig zu tun haben. Darauf reagieren die Agenda-Setter mit mehr Krawall und noch lauterem Alarm. Genervt sagen die Leute: Okay, okay, ich sehe das Problem. Tatsächlich haben sie längst auf Durchzug geschaltet. Wer sich wichtig macht, hat noch nicht überzeugt. Und den Problemen ergeht es wie den Leuten: Sie werden nicht ernst genommen.
nicht nur ist die notaufnahme des klinikums ingolstadt die am besten organisierte, sondern auch die einzige mit brandeins-lobgesängen überschüttete notaufnahme der welt. möglicherweise auch zu recht.
falls sich jemand sorgen macht: mcdonalds geht es gut:
Wie gut es McDonald's geht, zeigt die hohe Dividende. Sie entspricht einer Rendite von knapp drei Prozent auf den jeweiligen Aktienwert. Die Firma kann es sich leisten. Seit Jahren fährt sie einen hohen, stetig wachsenden Cash Flow ein; er reicht locker aus, um alle Investitionen (unter anderem die capital expenditures) zu finanzieren und den Aktionären zusätzlich hohe Ausschüttungen zukommen zu lassen.
von einem aktuellen artikel aus der brandeins von ulf j. froitzheim ist markus beckedahl übrigens gar nicht begeistert:
Mit der üblichen journalistischen Qualität der BrandEins hätte die Redaktion auch einen der leider wenigen ausgewogenen Beiträge zur ACTA-Debatte bringen können, mit verschiedenen Perspektiven und Positionen und vor allem gut recherchiertem Hintergrund. Vertan. Was aber bleibt ist die Message der BrandEins: ACTA ist vollkommen ungefährlich und die Kritik daran vollkommen unberechtigt. Kritikpunkte, die auch von Nicht-Netzaktiviten wie Reporter ohne Grenzen, Oxfam oder Amnesty International formuliert werden, kommen überhaupt nicht vor. Es wird mir schwer fallen, zukünftig bei Beiträgen in der BrandEins darauf zu verlassen, dass das schon ordentlich recherchiert sei. Schade.
drei euro achtzig dachte ich, da kann man ja fast nix falsch machen und kaufte mir die neue wired. diese ausgabe wurde von alexander von streit verantwortet, was sich auch angenehm im heft auswirkt, es fehlt der aufgeregte, knywersterische ton. im heft zumindest.
das cover ist ist condé-nast-mässig hyperhysterisch: „DAS WEB STEHT VOR DEM BLACK OUT“, „WETTRÜSTEN“, „Der seltsame Fall des KIM DOT COM“. im heftinneren ist das dann glücklicherweise alles viel weniger hysterisch und der artikel über den drohenden „WEB BLACK OUT“ ist sogar ziemlich gut. die fakten stimmen (glaub ix), er liest sich gut und ist sachlich und ausgeglichen. wer in dem chaotischen layout lange genug sucht, findet auch die autoren des stücks, gleich sechs leute: frederik fischer, torsten kleinz, michael moorstedt, alexander von streit, andreas winterer, ulf hannemann.
jonah lehrers text über die schwierigkeiten der wissenschaft komplexität zu erfassen, insbesondere die des menschlichen körpers ist ebenfalls ein leseschmaus. ein paar stunden bevor ich seinen text in der wired in der badewanne las, hatte ich gerade ein interview mit ihm aus meiner timeline gefischt und gebookmarkt. kleine welt. apropos kleine welt. auf englisch kann man den text von lehrer auch online lesen, genau wie den, ebenfalls lesenswerten text von tom cheshire über tumblr und den tumblr-gründer david karp.
das spricht jetzt nicht so irre für den qualitäts-journalismus-standort deutschland, dass von den drei interessantesten texten, nur einer von deutschen journalisten geschrieben wurde. was aber wirklich peinlich ist, ist dass die redaktion der deutschen wired es weder schafft den text unfallfrei übersetzen zu lassen (warum werden die übersetzer eigentlich nicht genannt?), noch den namen des autors korrekt zu schreiben.
At the time, Karp was running his own consultancy, Davidville, which built business websites, along with a 24-year-old programmer called Marco Arment, who would later found Instapaper.
in deutschland kann man dieses ganzen insta-dingse offenbar nicht so gut unterscheiden und machte doch glatt das hier draus:
Zu jener Zeit besaß er eine eigene Beratungsfirma, die sich insbesondere um den Aufbau von Business-Websites kümmerte. Ihm zur Seite stand Marco Arment, ein damals 24-jähriger Programmierer, der später den Fotodienst Instagram gründen sollte.
wired.de setzt da aber noch einen drauf und nennt den autor tom cheshire kurioserweise TOM CHESIRE (versalien von wired.de übernommen).
die besten der besten, sir. (sorry für den fefeslang. kommt nicht wieder vor.)
als ich eben aus der badewanne kroch (ja die wired kann man in einer badewannen-session durchlesen), hatte ich ein gutes gefühl. trotz der vielen redaktionellen werbung mit tonnen von gadget-gedöns (die man gut überblättern kann) fühlte ich mich gut infotained. ein paar anregende texte, ein paar hübsche und teilweise inspirierende bilder, keine journalistischen fehlleistungen über die man sich gross aufregen müsste. noch nicht mal die kolumne von thomas knüwer nervte diesmal mit neunmalklugheit. echt OK das heft.
na gut, über peter kruses kolumne bin ich beinahe eingeschlafen. das liegt aber daran, dass das was er schrob besser verständlich ist, wenn er es sagt und dass man, wenn man das was er gesagt hat schon kennt, von seiner verschachtelten art zu schreiben schläfrig werden kann. auch das überambitionierte layout nervt nach wie vor, man kann die werbung immer noch nicht vom den redaktionellen inhalten unterscheiden, aber für 3,80€ kann man vielleicht nicht mehr erwarten.
vielleicht ist der ansatz gar nicht mal schlecht. eine gute, lange titelgeschichte von ein paar fähigen leuten schreiben lassen, ansonsten gute texte aus den internationalen ausgaben übernehmen, ein paar frische kolumnisten mit kurzen texten ranlassen und den rest des heftes mit glasperlen und werbung füllen. gefällt mir auf jeden fall besser als die (stückweise) überambitionierte und aufgeblasense erstausgabe.
was (ein bisschen) fehlt: herzblut. offenheit im umgang mit fehlern (oder dient das wired-blog nur dem marketing?). abwegiges. layout.
[nachtrag 16.04.2012] christoph kappes hat bereits vor ein paar tagen über die zweite ausgabe der wired geschrieben.
Dies hier geht gerade durch meine Ecke des Internets, obwohl die Veranstaltung bereits einige Monate her ist: Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit online, spricht vor Parlamentariern der Enquete-Komission Internet und Digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages über Status und Zukunft des Internet. […] Der Vortrag ist auch als Vortrag selbst empfehlenswert: Blau argumentiert sehr sachlich; er hat ein Anliegen, und man merkt seine Leidenschaft dahinter. Doch er verlässst sich ganz auf Argumente, polemisiert nicht, verkneift sich Überspitzungen. Das Referat enthält keinen einzigen Lacher, und dennoch habe ich ihm gefesselt zugehört.
und sie hat recht. den vortrag kann man sich aber auch ungefesselt sehr gut anhören.