[allein der süffisante hinweis, dass ein amerikanisches gericht mal den „common sense“, den gesunden menschenverstand in einer seiner urteilsbegründungen zur argumentation heranzog versöhnt mich zumindest teilweise mit der verkackten kaste der juristen.]
… oder zumindest auf die verfassungsmässig garantierte informationelle selbstbestimmung und wird aller voraussicht nach die gesetzesvorlage zur verschärfung der telekomunikationsüberwachung abnicken.
heute.de: »Ricardo Cristof Remmert-Fontes im heute.de-Interview« [das ist der typ auf der demo mit den schlechten witzen und dem pferdeschwanz — trotzdem lesenswert]
ix spende ja gern. vor allem für den excellenten ccc-jabber server. aber in welcher welt lebt der ccc eigentlich, dass er die kontonummer und bankleitzahl mit leerzeichen garniert, was für omas und opas augen sicherlich hilfreich ist, aber für copy&paste in ein online-banking-formular eine qual ist? wo sind wir gelandet, wenn selbst der ccc so deppert und technik-feindlich rumdilettiert? oder sind die auch gegen online-banking?
… ist viel geld, gute entwickler und vertrauen. naja. vielleicht noch ein bisschen mehr. gerade gestern habe ich noch irgendwem erzählt, dass google sehr genau weiss wie wichtig das vertrauen der benutzer ist. vor allem natürlich bei den suchergebnissen. werden googles suchergebnisse irrelevant oder schlecht wandern die user zur konkurenz ab. der vertrauensbonus ist in einem solchen fall ganz schnell aufgebraucht.
bis heute dachte ich auch, dass der umgang mit den benutzerdaten von google aus genau diesem grunde sehr verantwortungsvoll gehandhabt wird. niemand wird google seine daten mehr anvertrauen wollen, wenn google wie yahoo diese einfach auf anfrage an regierungsorgane abgibt.
wie ix mich irren kann! google scheint sich im falle des inders lakshmana kailash k. persönliche daten, bzw. seine IP-adressen an indische ermittlungsbehörden herausgegeben zu haben:
Nart Villeneuveberichtet, dass Google die IP-Adresse eines Orkut-Users an indische Polizeibehörden auslieferte. Lakshmana Kailash K. hatte angeblich “beleidigende” Bilder des indischen Nationalhelden Chhatrapati Shivaji hochgeladen - ein fragwürdiges Delikt. (quelle)
wenn das stimmt, könnte das ein schwer schlag für google sein. zumindest meines vertrauens in google. ich will nicht sagen, google ist jetzt zu einem verantwortungslosem, rückgratlosem, überheblichen, selbstgerechten, regierungs-arschkriecherischem, schweinebacken-unternehmen geworden ist. aber ich frage mich wie google die scheisse an den händen wieder loswerden will.
der vorsitzende der gewerkschaft der polizei (GdP), konrad freiberg meint „datenschützer“ würden „panikmache“ beteiben:
Der Bürger kann sicher sein, dass die Polizei verantwortungsvoll mit diesen Daten umgeht.
das erklärte er in anbetracht der häufig geäusserten angst vor dem „gläsernen bürger”. (zitat gefunden bei simon columbus)
wie wäre es umgekehrt? die polizei und der staat kann sicher sein, dass die mehrheit der bürger rechtschaffend sind und keine terroristischen ziele verfolgten. die häufig geäusserte angst vor terroranschlägen ist vor allem panikmache. ein präventiver überwachungsstaat der die kommunikationsdaten seiner bürger gegen ihren willen speichert und darauf zugriff verlangt ist verfassungsfeindlich.
wieso sollen die bürger dem staat mehr vertrauen schenken als der staat es selber tut? das erklärt konrad freiberg nicht.
ich glaube ich war echt noch nie auf einer demonstration. ich kann mich zumindest gerade nicht daran erinnern. das hat nichts zu bedeuten, ich vergesse auch manchmal meinen eigenen namen. eben war ich am reichstag, dort, auf der anderen strassenseite, in einem kleinen park, war eine bühne aufgebaut, davor standen, als ich kam, so ungefähr 300 leute. vielleicht auch 400 oder 500.
ein typ mit pferdeschwanz machte auf der bühne doofe witze und kündigte dann petra pau an. die sprach enorm langsam und erzählte zuerst ein märchen. über eine regierung die anno 1983 ihre bürger zählen wollte, die aber ihre „zahlen“ nicht herausgeben wollten und vor gericht zogen und die vor diesem gericht, dem bundesverfassungsgericht recht bekamen, dass sie nämlich über ihre „zahlen“ selbst bestimmen sollten und nur sie und nicht die regierung. weil sie so langsam sprach war das ein sehr langes märchen. sie zog auch parallelen zur DDR, in der die bürger auch nicht über ihre „zahlen“ selbst bestimmen konnten. und dass sie und ihre partei mit uns (?) vor das bundesverfassungsgericht ziehen werde.
alles was sie sagte stimmte und irgendwie wirkte sie auch überzeugt von dem was sie sagte, aber mir fällt es irgendwie irre schwer PDS-politikern zu vertrauen. mir riecht das immer alles zu populistisch. nicht dass die westerwellige FDP da weniger verdächtig scheint, aber für politiker wie gerhard baum oder sabine leuthäusser-schnarrenberger mache ich gerne ne ausnahme und schenke denen mein volles vertrauen. leuthäusser-schnarrenberger erwähnte auch noch ein aar frappierende details. die bundesregierung behauptet ja, sie müsse das gesetzt zur vorratsdatenspeicherung aufgrund eines EU-beschlusses umsetzen. pustekuchen, gegen das gesetz sind mehrere klagen (oder zumindest eine von irland) offen. und es sieht ganz danach aus, dass die europäische verfassungsklage erfolgreich sein wird und den beschluss der die mitgliedsstaaten zur umsetzung von vorratsdatenspeicherung-gesetzen anhält kippt. das muss man sich mal vorstellen: die regierung verschanzt sich hinter einem eu-beschluss von dem nicht sicher ist dass er bestand hat und will dieses gesetz mit dem sämtliche kommunikationsdaten aller deutschen für 6 monate gespeichert werden durch den bundestag peitschen.
auch hans-christian ströbele, der ein wenig wirr redete, wies noch darauf hin, dass das gesetz auch die lockerung von weitergehenden überwachungsmassnahmen beinhaltet. zur zeit seine 50tausend überwachungsmassnahmen in deutschland richterlich abgesegnet, dass heisst die kommunikation von 50tausend menschen wird in diesem moment mitgeschnitten. diese zahl sei in den letzten jahren rapide angestiegen und mit dem neuen gesetzt werde es noch schlimmer. meinte ströbele. als ich ströbele so zuhörte wurde mir einerseits sehr kalt, was nicht an der vorratsdatenspeicherung sondrn am wetter lag, aber auch ein bisschen langweilig. am ende seiner rede fing er an ganz fürchterlich zu schwadronieren, zu stammeln und unrund zu formulieren. vielleicht war ihm auch kalt, aber vielleicht sollte er seine reden auch einfach besser vorbereiten und von irgendjemandem straffen lassen. 10 minuten hätte man einfach rausschneiden können. die cutter von watchberlin machen das mit meinen beiträgen auch immer, was den beiträgen meiner meinung nach sehr, sehr gut tut.
insgesamt war das eine sehr traurige veranstaltung. das publikum war zwar anährend so gross wie das auf tim o’reillys keynote, also so um die 1700 menschen, aber mit ein bisschen mehr betroffenen hätte ix schon gerechnet. dieses gesetz ebnet den weg aus deutschland einen präventiven überwachungsstaat zu machen und ist meiner meinung nach völlig absurd. jeder wird davon betroffen sein. wenn ich das richtig verstanden habe, bekommen behörden auch für geringste anlässe zugriff auf die daten. hinz und kunz können mit verleumdungsklagen oder anzeigen ermittlungen in gang setzen die dann das schnüffeln von ermittlungsbehörden in jedermanns privatleben zur folge haben. die verfassungsmässig garantierten rechte zur informationellen selbstbestimmung und auf die unverletzbarkeit der privatsphäre kann man sich dann in den hintern stecken.
[nachtrag]
netzpolitik.org: 1500 Berliner demonstrieren bei Regen gegen die Vorratsdatenspeicherung
heise.de: Tausende demonstrieren bundesweit gegen die Vorratsdatenspeicherung
10:53 h: von einem tag auf den anderen stehen im „pressezentrum“ plötzlich imacs. das administrator-kennwort lautet „“. die imacs hängen an einem wlan, das kennwort lautet „0123456789012“ — vielleicht interessiert das ja jemanden.
13:51 h: um hier aufs klo zu gehen muss man teilweise fünf schwergängige türen hintereinander öffnen. dahinter stecken sicher irgendwelche brandschutzvorschriften oder der wille dass alle die gleichen viren an den händen haben sollen. open source? ich fordere open klos.
apropos klo. manche sind hier so online affin internetsüchtig, dass sie mit ihren handys am pissoir surfen. ich gebe hiermit eine virenwarnung für (zumindest ein) symbian phone heraus.
14:25 h: mit dem terminplan kom ich nicht zurecht. ix hab aber eine lösung gefunden. ich guck einfach immer irgendwas an. geht eh alles um web2.0. oder so.
14:35 h: in kathy sierras präsentation hab ix jetzt zum zehnten mal abbildungen des stinkefingers gesehen. sie illustriert damit kundenunzufriedenheit. trotzdem hat sie mit fast allem irgendwie recht. wie alle hier. platitüden stimmen immer. jaja, ix weiss, die kunst besteht darin platitüden ordentlich zu strukturieren und aufzubereiten. und das können amerikaner wirklich gut.
14:41 h: kathy sierra fragt „why are you here?“ ihr vortrag wird immer obzöner. eben konnte man sogar einen kleinen penis auf ihren dias sehen. komischer kontrast, ne frau im business-dress die einen schmierigen witz nach dem anderen macht um einen zum nachdenken über platitüden anzuregen.
16:05 h: ich spreche nicht sonderlich gut französisch. trotzdem glaube ich, dass ich mehr verstehen würde, wenn der franzose auf dem podium statt englisch französisch sprechen würde. oder chinesisch. momentan spricht er javascript. ich glaube ich hätte in der schule besser aufpassen sollen.
die plazes party im münzsalon war sehr nett. tim o’reilly war auch da und es war faszinierend zu beobachten wie die webzweinuller sich an ihn ranwanzten. und: alle blogger, ausser thomas knüwer, leiden an adipositas.
wer dem flurfunk lauscht und blogs liest kommt zu dem schluss, dass die web2.0 expo eine der schlechtesten konferenzen seit langem war oder zumindest so wahrgenommen wurde. ich kann mich nicht beschweren. ich hatte anderthalb nette tage. irgendwie.
ich habe irgendwo gelesen, dass die web2.0 expo nach berlin komme sei eine art ritterschlag für berlin. diese kongress-messe finde ausserhalb der usa nur in tokio statt. new york, tokio, berlin, san fransisco. na toll. der eintrittspreis ist auch ritterlich, wenn nicht gar fürstlich, irgendwas zwischen 1000 und 2000 euro, wenn man alle vorträge hören will. ich habe mich als blogger angemeldet, was natürlich eine lüge ist, denn ich schreibe ja nur ins internet und blogge gar nicht. so habe ich also über tausend euro gespart, einen ausweis auf dem presse steht bekommen und freibier. zahlende teilnehmer müssen also nicht nur den eintrittsreis zahlen, sie müssen auch noch essen und trinken bezahlen. kein wunder, dass pressefuzzis so unbeliebt sind. die kriegen echt alles in den hintern geblasen.
dass die zahlenden teilnehmer für essen und trinken zahlen müssen stimmt natürlich nicht, ich habe mir sagen lassen, das alle teilnehmer mittags eine mülltüte mit einem sandwich, einem apfel und einem mars oder so ausgehändigt bekommen haben. amerikaner nennen sowas lunch. die begeisterung der lunchtütenempfänger hielt sich angeblich in grenzen.
im sogennanten „pressezenrum“ wo man als pressefuzzi mit seinem guten namen und seiner unterschrift zahlen konnte (und normale teilnehmer ritterpreise in euro zu entrichten hatten) gab es hinter der theke eine sehr freundliche bedienung. ja, leider nur eine, zumindest so lange ich dort ein und aus ging. das führte zu schlangen und unmut. wlan gab im „pressezentrum“ auch nicht, dafür ein paar steckdosen und äusserst geschmackvolle einrichtung aus dem 08/15-messebaukatalog.
aber ich sollte aufhören zu meckern. schliesslich hab ix ja eh nix bezahlt und auf konferenzen geht man ja nicht zum essen und trinken und in den laptop glotzen, sondern — ja warum eigentlich?
achja. um sich vorträge zu „web2.0“ anzuhören. tim o’reilly hat den begriff ja erfunden, extra für diese konferenz vor ein paar jahren. jetzt halten hier experten vorträge und podiumsdiskussionen über web2.0 und die kann man sich angucken um was über web2.0 zu erfahren. deshalb war ich also dort.
ich hab ja nix gegen web2.0. ich mag das internet und bin täglich fasziniert von den potenzialen und überraschungen die sich dort auftun. und seit ein paar jahren lebe ich davon, sachen im internet zu machen, anderen leuten zu erklären was man dort machen kann und ihnen dabei zu helfen dort etwas zu machen. gegen den begriff web2.0 hab ich allerdings doch etwas, der begriff ist mittlerweile im allgemeinen sprachgebrauch zu einem synonym für „mach mal ne kommentarfunktion dadran“ geworden. ursprünglich, das unterstelle ich tim o’reilly jetzt einfach mal, sollte er ein synonym für „die zukunft des internets“ sein, bzw. ausdruck dessen, dass sich im internet in den letzten 10 jahren etwas entscheidendes verändert hat.
witzigerweise haben dion hinchcliffe, dessen vortrag ich zumindest in teilen sah, und tim o’reilly, dessen keynote ich am abend sah mich genau dort abgeholt wo ich genervt vom begriff „web2.0“ war. nämlich indem sie den begriff entwässerten und sich an definitionen versuchten. klingt profan amerikanern beim versuch web2.0 zu definieren zuzuhören, wars dann aber doch nicht.
letztendlich machten hinchcliffe und o’reilly (und wahrscheinlich noch ein paar mehr der vortragenden) nichts anderes als erfolgreiche internet-unternehmen zu analysieren, diese analyse in powerpoint zu tunken und zu präsentieren. und dabei (überraschung!) kann man tatsächlich noch etwas lernen — und sei es nur besser zu argumentieren wenn es um die planung oder die kritik an webprojekten geht.
nicht dass es neu wäre, dass die leute offenbar dahingehen wo sie sachen einfach erledigen können, dass einfache techniken und protokolle sich viel eher durchsetzen als komplizierte, dass offene standards sich besser ausbreiten als proprietäre und dass man, wenn man erfolg haben will, seine inhalte verteilen (syndizieren) muss. es bringt nichts zu versuchen die kunden ausschliesslich auf der eigenen plattform zu halten, man erreicht genügend grosse zielgruppen nur wenn man auf anderen plattformen präsent ist. das versteht eigentlich jeder, der sich anguckt wie google geld verdient. das web ist die plattform, nicht die eigene site.
noch eine beobachtung die eigentich auf der strasse liegt: das web wird geräteunabhängig. das heisst nicht nur, dass webseiten auf handys oder an umts leitungen funktionieren sollten, sondern dass immer mehr geräte als eingabemedien agieren: handykameras die blogs füllen, gps-module zur ortsbestimmung und navigation, bluetooth-geräte mit internetanbindung als sensoren, navigationsgeräte als staumelder. mit 1000 neuen technischen gadgets werden unmengen an daten produziert — wer es schafft die adequat auszuwerten kann darauf mit etwas geschick web2.0-geschäftsmodelle aufbauen. qype (mobil), aka-aki, jaiku, plazes und 1000 andere versuchen das ja alle schon eine ganze weile. und es gibt immer mehr geräte mit denen die menschen inhalte aus dem internet mitnehmen, mobile lesegeräte, mobile musikabspielgeräte. der PC ist schon lange nicht mehr der einzige zugang zu inhalten aus dem netz oder um inhalte ins netz zu spielen. klar, das ist alles mehr oder weniger profanes wissen, aber es schmeckt super, wenn man es sich auf der zunge zergehen lässt.
tim o’reilly hat das alles in seiner keynote um längen eleganter, inspirierender, amerikanischer und ich befürchte auch viel kürzer als ix das je könnte zusammengefasst. wenn er am anfang nicht so cholerisch und unlocker über die deppen die ihm die technik aufgebaut haben rumgeflucht hätte („wär besser gewesen wenn ich das selbst gemacht hätte!“), hätte ich ihm richtig knuddelig gefunden. er ist ja nicht doof, dieser o’reilly. und mir scheints er hat ein feines sensorium für technik und was man damit machen kann. ausserdem hat er ein grosses herz für leute die aus begeisterung, einfach so („just for the heck of it“), mit technik spielen — solange sie nicht für die technik seiner keynote zuständig sind.
[nachtrag] hübsche zusammenfassung des ersten tage von torsten kleinz auf heise.de.
zum watchberlin-relaunch könnte ich viel sagen. ich komm nur gerade zu nichts. heute musst eich den ganzen tag in blankenese spazieren und mir den magen vollschlagen. gestern musste ich den ganzen tag kochen und dvds gucken. da kommt man echt zu nichts.
dass nach dem relaunch alle alten eingebetteten filme und links nicht mehr funktionieren ist eine katastrophe und meiner meinung nach auch etwas spät in aller deutlichkeit deutlich gemacht worden. auch den ansatz die ganze site in flash zu machen finde ich enorm eigenartig. zumindest wenn man keine alternativen wege zu den filmen anbietet. immerhin funktionieren die permalinks, das hier ist beispielsweise der link zu wirres bei watchberlin. ich vermute ja, dass die daten mit einem cms verwaltet werden, da wäre es sicher kein problem die filme suchmaschinen- und benutzerfreundlich ohne klimbim navigierbar zu machen. aber das war offenbar nicht gewollt, ebenso wie downloads.
die letzten sieben videos von mir bei watchberlin hab ich in einer playlist zusammengefasst. gestreamt werden sie weiterhin vom watchberlin-server.
demnächst werde ich alle bisherigen artikel oder hinweise auf meine watchberlin filme neu verlinken, einbetten (für das martenstein-video und meinen film über die vorratsdatenspeicherung hab ich das bereits gemacht).
vor lauter werbung hier auf der seite hab ich keinen platz mehr für das watchberlin-relaunch-banner. also pack ich das banner hierhin, erwähne noch kurz, dass ich von watchberlin für das banner kein geld bekomme, wohl aber ein honorar für die filme die ich für watchberlin mache und dass ich bedaure, dass watchberlin vorerst, nach dem relaunch, kein rss mehr hat.
[diese werbung zerstört sich am 4.11.2007 selbst diese werbung läuft jetzt nach unten aus.]
… dass ix so sentimental bin. obwohl ich mich mit händen und füssen dagegen gewehrt habe als die beifahrerin mir die platte vorgespielt hat („doof!“, „langweilig!“, „mach mal leiser!“), jetzt wo ix die platte auf meiner platte hab kommen mir bei fast jedem lied von „back to black“ von amy winehouse die tränen. kann aber auch sein, dass mir die augen wegen meiner infernalischen flatulenz tränen. was weiss ich.
am samstag hab ich mir leopard installiert. gefreut hab ix mich darüber, dass sowohl amazon als auch dhl es geschafft hatten mir das päkchen pünktlich am samstag auszuliefern, nicht nachhause nach berlin, sondern zu einer packstation in hamburg, in der nähe der beifahrerin.
wie mspro stellte ich erstaunt fest, wie schnell die errechneten zweieinhalb stunden für die instalation vorbei waren (in ca. 30 minuten) und wie lange die letzten 3 minuten dauerten (ca. 15 minuten). danach war glücklicherweise alles wie vorher, nur ein bisschen bunter. alles? fast alles. meine kalender waren leer, dashboard ging nicht mehr, die eingestellten drucker waren weg, der o2-connection manager zickte und der nokia multimedia-transfer war verschwunden.
das problem mit den kalendern konnte ich schnell lösen (5 stunden): ical stürzte bei der konvertierung meiner 60 kalenderdateien ab, beim nächsten start dachte ical alle kalender konvertiert zu haben und zeigte alle konvertierten an: nämlich keinen. da die ursprünglichen dateien alle noch da waren konnte ich die 50 überflüssigen kalender rausschmeissen und ical konvertierte die übrigen zehn. „boom“.
dashboard zickt wohl wegen der kindersicherung. absurd aber ärgerlich. ix warte auf das erste update. genau wie für den nokia multimedia-transfer. auf den o2-connection manager verzichte ich künftig, er war eh der grund für die einzigen zwanzig komplettabstürze in den letzten 4 montaten („boom“). und jetzt geht das einwählen ins internet mit dem handy komplett und reibungslos mit bordmitteln.
ansonsten: toll. finden, vorschauen, browsen und fenster verteilen ist einfacher und schneller denn je und wenn ich ehrlich bin mag ich es wirklich gerne probleme zu lösen die ich ohne updates nicht hätte. oder andesrum gesagt: ein 100% funktionierendes system ist auch öde. ein bisschen handarbeit muss schon sein.
am samstag auf dem SPD-parteitag nahm fast jeder der sich zu wort meldete kurt becks worte von der neuen nähe der SPD zu den menschen auf, um sie aus der eigenen perspektive zu beleuchten.
peter conradi nahm die worte zum beispiel auf, indem er (ziemlich überzeugend) sagte, die menschen wollten keine privatisierte bahn. er selbst sei in diesem aspekt näher bei dem menschen. sie wollten auch keine stimmlose volksaktie. er wisse das. andere sahen das anders und meinten die menschen wollten was ganz anderes.
das zeigt ein dilema: wie kann man nah bei den menschen sein, wenn man vor lauter nebenjobs, ämtern und posten kaum noch zeit hat selber mensch zu sein? wenn man nicht von menschen, sondern speichelleckern und ehrgeizlingen umgeben ist?
die lösung ist klar: vorratsdatenspeicherung, online-durchsuchung, schwächung (oder aufhebung) des fernmeldegeheimnisses, stärkung der geheimdienste. dann kann man ganz nah bei den menschen sein, ohne sich die füsse schmutzig zu machen. alles wichtige, alles was die menschen bewegt wird einem zugetragen. das hat schonmal einer gemacht, aus purer liebe. und jetzt will es beck auch machen. den menschen ganz nahe kommen.
wer zugriff auf meine kommunikation oder festplatte bekommt, ist mir ganz nah. aber will ich das? will ich wenn ich mal was falsche sage (gentrifizierung), als angehöriger einer terroristischen vereinigung unter vollzeitbeobachtung stehen?
ich rufe laut: SPD, geh weg, halt abstand. du und deine kumpels kommen mir zu nah.
12:06h: hier nähert sich die veranstaltung langsam ihrem höhepunkt: das mittagessen im pressezentrum wird vorbereitet. im plenum wird weiterhin über klimawandel, ökologie, energiewende und die abgrenzung zu den grünen geredet. wenn über soziale gerechtigkeit geredet wird, wird auch die in beziehung gesetzt zur ökologie. faszinierend. hat die spd solche angst vor weiteren stimmenverlusten, dass sie nicht nur mit wildem populismus (alg-verbesserungen, mindestlohn) im revier der linken wildert, sondern auch den grünen wähler abzusaugen versucht? ich werde aus dieser partei nicht schlau.
12:11h: noch keine blogger gesehen. na gut. einen. vom focus. hans jochen vogel hat sehr volles, pastell-weisses haar. das essen riecht sehr gut.
12:49h: das mittagessen war sehr lecker. möhrengemüse mit kassler-würfeln.
danach musste ich leider auf die toilette. solch einen infernalischen gestank wie eben auf der toilette habe ich zuletzt während des zivildienstes wahrgenommen. daran sieht man, die SPD hat offenbar sehr viele, sehr alte mitglieder. ok. ich gebe zu, die journalisten sind auch eher alt.
12:53h: aka-aki stürzt nach 5 minuten mit java-exceptions ab. entweder zu viele handys oder was weiss ich. son kack.
13:04h: kann sein dass ich mich gleich auf den weg zur packstation mache. os x 10.5 zu installieren find ich dann doch irgendwie interessanter als mir anträge und gegenanträge, änderungsanträge und empfehlungen der antragskommision reinzuziehen.
13:59h: neues thema: verkehr. also bahnreform und so. olaf scholz moderiert das und nachdem wolfgang tiefensee, der verkehrsminister, gerade eine viertelstunde redete („wir wollen eine weiche stellen!“, „wir müssen fragen zur mobilität des 21 jahrhunderts klären!“, „… ökologie, industriepolitik und gute arbeit …“) liegen 32 anträge auf redebeiträge zu diesem thema vor. das sieht nach einem sehr langem tag und — hatte die CDU doch recht — nach richtungsstreit aus. die SPD überzieht heftiger als thomas gottschalk. jetzt um 14 uhr ist man dort, sagte olaf scholz eben, wo man um 11:15 uhr sein wollte. schon knapp drei stunden überzogen. ich glaub ich geh mal zur packstation und schau phoenix.
14:12h: eben auf spon gelesen, dass die delegierten hier eben beschlossen haben auf deutschen autobahnen tempo 130 einzuführen. das hab ich eben nach dem essen am rande mitbekommen und frage mich ob das in der politik schon immer so gewesen ist: vorne, in der öffentlichkeit kasperlekram inszenieren, absurde beschlüsse fassen die niemand umsetzen will und wird. die politik die dann umgesetzt wird, wird im hinterzimmer, in kleiner runde auskaspert. klar, meinungsbildung ist und muss ein komplexer prozess sein, alles sollte sorgfältig überlegt und diskutiert werden. das einzige problem scheint mir nach wie vor das mit der glaubwürdigkeit zu sein. das mit der glaubwürdigkeit scheint mir ein echtes problem zu sein. mir ist das alles zu inszeniert hier. überall wird man mit symbolik übergossen:
beck hat das jacket ausgezogen und die ärmel hochgekrempelt. symbolisiert dynamik und tatkräftigkeit. das hat guido westerwelle auch immer so gemacht.
„liebe genossinen und genossen“ soll kumpelhaftigkeit und gleichberechtigung symbolisieren. das wirkt aber leider gewollt und unfassbar verkrampft. so wie wenn jemand behauptet „ich beiss mir gerne auf die zunge“
alle duzen sich. das symbolisiert gleichheit und flache hierarchien. das wird allerdings durch alphamännchen-verhalten und dresscodes voll kompensiert. SPD-mitglieder duzen sich verbal, nonverbal hardcore-siezen sie sich.
14:26h: mir ist eingefallen wie man SPD-parteitage künftig beschleunigen könnte: einfach statt „genossinen und genossen“ in jeden zweiten, dritten satz einzubauen, einfach „leude“ sagen. oder irgendwas einsilbiges.
14:35h: peter conradi fand ich immer schon glaubwürdig. und find ich immer noch. er stellt sich einfach aufs podium und fängt an an den weg des SPD-vorstands und der regierung bei der bahnreform anzuzweifeln. er ist gegen alles gegen die privatisierung, gegen das vorzugsaktienmodel. mit einfachen, klaren, ruhigen worten: „die menschen sind nicht an einem global player deutsche bahn interessiert. die wollen von kötzschenbroda nach dingenskirchen kommen.“ („dingenskirchen“ von mir)
besonders auffällig: conradi spart sich bis auf „liebe genossinen und genossen“ die flachrhetorik und floskeln der anderen sprecher. mich hat conradi überzeugt. ich glaube die delegierten auch. hihi.
14:46h: gewerkschaftern kann ich nicht zuhören. das gerede von gewerkschaftern ist noch floskelhafter als das von SPD-Vorständlern. früher dachte ich das liegt an der miesen qualität der gewerkschafts-megafonen. ist es aber nicht, ist auch unerträglich mit ner 1a-soundanlage. echt.
14:50h: vor mir sitzt ein journalist mit einem s45. alter schwede. das ist zwar erst sechs jahre alt, aber der typ wirkt damit wie aus dem letzten jahrhundert. seine frisur übrigens auch.
14:54h: vor dem mccafe ist eine 15 meter lange schlange. offenbar der einzige ort hier im CCH an dem es kaffee gibt der nicht aus der filtermaschine kommt. oder die verschenken die brühe. gleich mal gucken.
15:21h: kurt beck hat sich eben in die debatte um die bahnreform eingeschaltet, um vertrauen gebeten, zwischenrufer schroff zurechtgewiesen, nochmal um vertrauen gebeten und nochmal um vertrauen gebeten. hauptargument dafür war, dass dieser parteitag ja unheimlich harmonisch und vertrauensvoll sei. nach der kurzen vortrag von beck würgte scholz die weitere debatte bzw. 20 redebeiträge ab, weil beck ja schliesslich um vertrauen bat und beck auch eine änderung am antrag vorschlug. die journalisten neben mir feixen. kommt mir ein bisschen wie bei boston legal vor. je alphamännchen desto beschluss. faszinierend.
15:36h: ix geh mal zur packstation. mein schädel brummt.
was mach ich hier eigentlich, hab ich mich gerade gefragt. statt in hamburg mit der beifahrerin gemütlich zu frühstücken, einzukaufen und gemeinsam zu essen sitzt ich hier vor einem adipösen schreihals der „jops“ statt „jobs“ sagt, von „win-win-win-win-situationen“ spricht, den eindruck erweckt, dass er seine haare färben könnte, wie ein überambitionierter streber wirkt und sigmar gabriel heisst. was er gut kann, das muss ich zugeben, ist „liebe genossinen und genossen“ am ende fast jeden dritten satzes in ein wort zusammenzunuscheln.
die antwort auf meine frage oben lautete bisher — wie immer — schnittchen essen, fotos machen, gucken ob der widget-lumma hier irgendwo rumsitzt und wie alle anderen ständig nach aufgeregte-hühner-art rumzulaufen.
bis jetzt reden hier alle nur vom klimawandel, von ökologie, von „gerechtigkeit“ und „zukunft“. fühlt sich an wie ein grünen-parteitag, auch wenn die delegierten hier eher spinnen als stricken. von voratsdatenspeicherung, oder darüber, dass die bundesregierung die zukünftig dank vorratsdatenspeicherung reichhaltigen kommunikationsprofile von bundesbürgern mehr oder weniger bedingungslos an 52 ausländische staaten weitergeben will redet hier bis jetzt keiner. vielleicht sollte ich zur vermeidung von langen sätzen aufhören mich aufzuregen. oder mich in der aufregung einfach kürzer fassen. beispielsweise so: „die SPD scheisst auf die privatsphäre und informationelle selbstbestimmung der bürger.“ so ein satz ist vielleicht in all seiner verfälschenden knappheit auch nicht schlecht damit ihm mal jemand widerspricht.
10 uhr und noch kein ausschank? geht sicher bald los.
ich könnte mich auch über jochen wiemken aufregen, der mich am 16.10. zum SPD-parteitag einlud und um email-antwort bis zum 22.10 bat. auch wenn meine antwort vom 17.10 bis heute von herrn wiemken unbeantwortet blieb und ich wie befürchtet nicht angemeldet war, rege ich mich nicht auf. denn die dame am presse-einlass meinte nicht nur nachbarin von mir zu sein, sondern akkreditierte mich auch einfach so gegen vorlage meines abgelaufenen, vorläufigen personalausweises.
kurt beck hat sich übrigens gerade in luft aufgelöst. eben war er noch auf der bühne. jetzt isser weg. ich werd auch nicht alt hier.
warum ruft beck die spd zur geschlossenheit auf? wollen die keine neuen mitglieder?
ist dieses schild selbstkopiert oder lässt die stvo wirklich kopierfarbene warnschilder zu?
wo geht eigentlich die frakturschrift hin, wenn die faz sie pensioniert? hierhin?
warum geht bei mir die prozessorlast von safari auf 35% hoch, wenn ich lumma.de aufrufe? selbst mit deaktivierten plugins? sind widgets böse, oder erst böse wenn mehr als 20 stück auf einer einzigen seite sind? ist widgetlumma.de noch frei?