ich hab mir zum ersten mal seit langer zeit die zeit gekauft. am kiosk. weil man ja überall hört, da solle wieder das zeit magazin drin sein. das zeit magazin war tatsächlich drin, denn die zeit liess sich extrem schlecht falten. die umverpackung hab ich dann ganz schnell weggeworfen und das magazin gelesen. der erste eindruck: toll! tolles titelbild von günter wallraff mit toller perücke. auch das lesen war sehr angenehm. nach einer stunde rumsitzen und rumlesen im zeit magazin in der kneipe wo ich sonst im internet lese suchte ich erstmals die akku-anzeige. toll! das zeit magazin kann man ohne wlan und ohne akku lesen. ein kleines wunderwerk deutscher ingenieurskunst.
albern fand ich das editorial von christoph amend, der in fraternalisierendem tonfall schwadronierte wie er mit der zeit gross geworden ist. ich bin mit leitungswasser grossgeworden, aber damit belässtige ich doch nicht meine leser! könnte das editorial bitte von matthias kalle verfasst werden? der kann das besser und zeit hat er neben seiner tätigkeit als zitty-chef auch, wie man an seiner kolummne über fernsehärzte sieht.
ergreifend die kleine, lakonisch und ruhig geschriebene reportage von günter wallraff. warum, fragte ich mich allerdings, warum muss wallraff das selber machen? ganze generationen von journalisten sind mit seinen büchern aufgewachsen und der einzige der solche reportagen schreibt ist wallraff selbst. warum macht niemand anders sowas?
martenstein heult in seiner kolumne unerträglich darüber rum, dass ihm artdirektoren seine texte kürzen. er tut so als lebten wir im jahre 1940 als es das internet, in dem man bekanntlich beliebig lange texte verfassen kann und selbst artdirektor spielen kann, noch nicht gab. heul nicht, schreib ins internet, wenn der platz nicht reicht, rief ich beim lesen laut aus.
das interview mit ackermann ist ein glanzstück in persönlicher PR. das wofür andere jahrelang ins internet schreiben, schafft ackermann in einem interview: seiner fratze ein menschliches, beinahe sympathisches antlitz aufmalen. beinahe wär ich schwach geworden und hätte gedacht, „feiner kerl, dieser ackermann“. die pr-agentur die ihn da gecoacht hat möchte ich mal kennnenlernen. wirklich.
helmut schmidt ist ja einer der menschen, wegen derer man nicht nur lange leben möchte, sondern sich auch vorstellen kann alt zu werden. nicht nur wegen der frisur, sondern wegen dem was er sagt:
Giovani Di Lorenzo: Was sagen sie den Hunderttausenden Jugendlichen die behaupten, die Industrienationen bewahrten ihren Wohlstand auf Kosten der armen Länder? Helmut Schmidt: Der Vorwurf ist gerechtfertigt. Andererseits bleibt unklar, wie man diesem Vorwurf entsprechen könnte. Wenn den Entwicklungsländern in Asien, Lateinamerika und Afrika durchgreifend geholfen werden soll, dann müsste das zulasten des Lebensstandards in den wohlhabenden Ländern gehen. Aber hier würden die Regierungen abgewählt, wenn sie eine wesentliche Verringerung des Lebensstandards in Kauf nehmen sollten. Deswegen tun sie es nicht. Hier liegt einer der eingeborenen Fehler der Demokratie.
ans bein pissen möchte ich noch mal kurz der zeit online redaktion. herr randow ist ja ganz stolz und twittert dass er dort lesen würde: mobil.zeit.de. nur was soll das? um die wallraff reportage zu lesen soll ich 29 mal blättern? was bitte ist der unterschied zu nurtext.zeit.de wo ich für den wallraff-text nur 5 mal blättern muss? und warum soll ich auf dem handy sieben oder fünf buchstaben tippen, wenn es einer auch täte: m.zeit.de? frag ja nur. warum nicht mehr vom zeitmagazin online steht frag ich gar nicht erst. die kronjuwelen verschenkt mag man bei der zeit eben nicht mit bannnern verschandeln.
keine ahnung ob blogger 2, blogger 5 oder blogger 7 auch da sind, ich werde alles versuchen hinzugehen zum kaffee.satz.lesen 40, am sonntag um 16:00 uhr in der baderanstalt in hamburg dingeskirchen. nicht nur toni mahoni wird dort live zum anhören und anfasssen sein sondern auch menschen mit so schönen namen wie sigrid behrens, michael weins (tolles bild von stefan volk), nils heinrich und susanne mewe. die kenn ix alle nicht, werde ihnen aber, wenn ich nicht gerade wegdöse, zuhören wie ein lux.
letzten sonntag um halb zwölf habe ich zum ersten mal seit langer zeit wieder die sendung mit der maus (oder mit „die“ maus?) geguckt. ich habe gelernt wie man rapsöl presst, wie hemnden industriell gefaltet werden und danach das wirklich grandiose „shaun the sheep“ gesehen. ab sofort guck ich die sendung mit der maus wieder regelmässiger. versprochen (mir selbst).
warum behaupten bloss so viele menschen, das sei eine kindersendung? ich finde es ist eine der ganz wenigen aufrichtigen sendungen im fernsehen überhaupt.
das nenn ich meta, in der werbeleiste werbung für werbeblocker.
ich hab in meinem hauptbrowser übrigens nicht nur nen werbeblocker installiert, sondern flash und allle plugins komplett abgeschaltet. das verlängert das browserleben, solange man nicht ausversehen bei vanityfair.de landet. wenn ich jetzt noch irgendwo nen plugin herbekäme der kryptik in leicht verständliches deutsch übersetzte, den einen oder anderen blogeintrag mit argumenten anreichern würde und in manche gesinnungsaufsätze über die man hier und da stolpert ein wenig humor einstreuen würde, dann würde mir das lesen im internet noch mehr spass machen.
einfach aus dem kopf oder wie es einem passt zu zitieren kann durchaus lustig sein, das zeigt heiko werning bei diesem geturinten zitat von ole von beust:
„Wir werden nicht hinnehmen, dass Gewalt in unserer Stadt als Mittel zur Einschüchterung eingesetzt werden soll”, so von Beust während seiner China-Reise, „sondern, wir werden dafür Sorge tragen, dass auch weiterhin nurVerleumdung, Vorverurteilung, Hetze und psychische Zerstörung Wehrloservon Hamburger Boden ausgehen.“
interessant was der sportkulturjunkie da aus seinen kommentaren ausgegraben hat. zuerst hab ich gedacht, tonstörungen nennt man bei beckmann, wenn beckmann furzt.
ix bin ja nicht gerade dafür bekannt ein kennner der materie zu sein. aber wenn ix t-shirts oder buttons mache, versuche ich mich nicht mehr als nötig als orthographisch herausgeforderter zu outen:
Nach sechs Jahren verließ er das Militär und ging nach Deutschland. Weitere sechs Jahre jobbte er in Diskotheken, und spätestens wenn er davon erzählt, dass er dort Gläser spülte, bevor er angesprochen und zu einem Casting eingeladen wurde, kommen die ersten leichten Zweifel an der Wahrheit; aber vielleicht ist es dann doch die Wirklichkeit, die so einfallslos ist, immer noch ausgerechnet Tellerwäschern zum Erfolg zu verhelfen.
vom original kaum zu unterscheiden, find ix, mein kleiner fixmbr-remix:
Merkt Ihr eigentlich, was Ihr da tut? Wo soll man da noch ansetzen? Es ist ein Kampf gegen Windmühlen wenn dem Einzelnen nicht mehr bewußt ist was seine Persönlichkeit eigentlich darstellt. Die Abhängigkeit ist schlicht und einfach gegeben. Und wer sagt, Werbung sei toll, der lügt sich selber was vor. Ich liebe auch Zahlen, aber welchen Inhalt sehen eigentlich die Vermesser in ihrem Schaffen?
Eines meiner bliebtesten Stilmittel, welches ich gerade bei emotional geführten Debatten verwende, ist das der Polemik. Platz 3 nimmt dann endlich der Part ein, der auf Platz 1 liegen sollte - die eigenen Inhalte. Ausserdem können andere das viel besser, Menschen die Kultur leben und auch gelernt haben, sei es der Historiker Don Alphonso oder auch Oliver. Man sollte sich auch in Zukunft überlegen, diese Leute pro Werbung hier in den Kommentaren zu tilgen. Der Fall beweist meiner Meinung nach, dass eine Abhängigkeit zum Kunden gegeben ist.
Erkennt wer den Widerspruch gleich beim ersten Lesen?
Wegen der Werbung holt man sich den Film auf DVD. Genauso wirds hier auf den Blogs laufen. Für mich ist es einfach Perlen vor die Säue geworfen. Ihr dürft sie schlicht und einfach nicht erheben und speichern, ich denke Ihr macht Euch evtl. strafbar. Korrekt ist es also, bis zu einem gewissen Grad, Aufmerksamkeit zu erheischen, wenn denn stante pede der Informationsfluß folgt, um der Differenzierung freien Lauf zu lassen. Das ist völlig unerheblich.
Hier läuft Button um Button Aktion, mit Worthülsen schmeißt man um sich und weiter …? Nichts, gähnende Leere. Diejenigen die ich desöfteren frequentiere wissen eh das sie nicht gemeint sind. Man muß eben damit leben, das wahrhaftige Kultur die Künste fördert und sich eben einige an dieser bedienen, jedoch ihre Ergüsse penibel zu schützen wissen. Ein staatlicher Willkürakt, der mit Hilfe ausgweiteter Kompetenzen zur Terrorbekämpfung(!) demokratische Prinzipien zu untergraben sucht.
Muß man dazu noch etwas sagen?
Geld hingegen, eine Randerscheinung in der Kultur, gehört dazu, manipuliert, weckt niedere Gelüste und schafft eine Triebfeder, die eben nicht mehr von edlen Motiven geleisten ist, sondern von monetären Sachzwängen. Mehr zum obigen Zitat (und mehr) beim Don.
Die deutsche Blogosphäre ist verschwindend gering, in sich selbst gefangen.
Wobei mir die ganzen Opportunisten noch viel mehr zuwider sind, die jetzt abwarten *lol* - klar, sie wollen später auch etwas vom Kuchen abhaben. Aber diese Opportunisten, das ist ganz schlimmes Volk. Der Vergleich mit YouTube hinkt im Übrigen, den lasse ich nicht zu. Dort sind tolle, eigene Inhalte zu finden, es sind grandiose Publikationen. Doch das bringt alles keine Inhalte.
bildblog wird ja auch immer erbsenzählerischer und kleinlicher, über jeden tippfehler und zahlendreher regen die sich auf. der zenit ist wohl schon längst überschritten und jetzt terrorisieren die uns auch noch mit solchen artikeln, nach deren lektüre man meinen könnte, wahrhaftigkeit, menschlichkeit, fairness oder empathie seien neuerdings journalistische und — im falle von bild als selbsternanntem christlichen leitmedium — christliche todsünden.
[der begriff des „terrors“ inflationiert sich in letzter zeit wirklich, selbst falschparker werden jetzt als argumente für „innere sicherheit“ und „null toleranz“ herangezogen. ich hab jetzt schon angst, dass das nächste mal bei dem ich essen anbrennen lasse, mir als politisch motivierter brandanschlag ausgelegt wird.]
die mager-frau gegenüber isst die ganze fahrt über. wenn sie eine ihrer 50 karotten aus ihrem karottensack nimmt, abbeisst und die karottenstückchen langsam kauend zermalmt, erinnern mich die geräusche die dabei gedämpft aus ihr herauskommen, an eine kuh. eine stunde komme lang ich mir im ice vor wie auf dem bauernhof.
nachdem sie ihren sack karotten geleert hat, fängt sie an kekse zu essen. allerdings scheint das auspackrital für den keksverzehr äusserst kompliziert. 10 minuten wird jeder keks sorgfältig ausgepackt, 10 minuten wird dabei geraschelt, bevor der keks im mahlwerk verschwindet.
irgendwo zwischen hamburg und berlin wurde die dame dann von einem luftzug erfasst und aus dem zug geweht. ich habe das trockene brötchen was an ihrem platz zurückblieb einem obdachlosen im speisewagen geschenkt. danach bin ich wieder eingeschlafen.
das ansehen deutschlands in der welt will die regierung angebllich zum g8-gipfel mit demonstrationsverboten, gross-razzien und verhaftungen schützen. was hinten raus kommt ist, dass sie von einem scheinheiligen patriarchen vorgeführt werden und sich die halbe welt, inklusive geissler, mit g8-kritikern solidarisiert.
kürzlich im tagesspiegel, ein interview mit bono- und geldorf-freundin heidemarie wieczorek-zeul. dieses interview zeigt trefflich warum ich probleme habe politiker ernster als einen an die wand genagelten pudding zu nehmen. eben weil sie wie pudding sprechen: sich nie festlegen, nicht den leisesten zweifel über die eigene arbeit, immer ausweichen und zurückweichen und danach zufrieden über die eigene schlagfertigkeit zurücklehnen:
Tagesspiegel:Bono hat Kanzlerin Angela Merkel kürzlich eine „weise Frau“ genannt – hat er damit recht? Heidemarie Wieczorek-Zeul: Darin steckt auch ein Stück Erwartung. Die teile ich. (weiterlesen)
christoph keese erklärts in der sz: durch hierarchische strukturen.
Redaktionen haben eine hierarchische Struktur, weil Jahrhunderte Erfahrung gezeigt haben, dass so die höchste Qualität entsteht. (quelle)
Viel spannender ist jedoch: In diesem Jahr konnten die Nutzer bis zum 31. März ihre Vorschläge für die Award-Nominierungen beim Grimme-Institut einreichen. hausgemacht.tv ist aber erst im April offiziell gestartet (und wäre bei der Preisverleihung am 20. Juni gerade einmal zwei Monate online).