Dem Ausdruck "ein Paket aufgeben" wohnt die zweifelhafte Endgültigkeit in Bezug auf die Erfolgsaussichten des Unterfangens sogar schon inne.
[Innenminister Hans-Peter Friedrich] wollte verschleiern, dass er erstens nicht die Sicherheit der Bürger meint und dass Sicherheit zweitens gar kein Grundrecht ist. Unsere Grundrechte sind sogenannte Abwehrrechte: Sie sollen den einzelnen und damit per se schwachen Bürger vor der Macht des Staates und seiner Organe schützen. Daher ist im Grundgesetz oft von Freiheit die Rede, aber kaum von Sicherheit.
michael obert berichtet über afrikanische flüchtlinge, menschenhändler und -quäler aus dem sinai. nicht besonders angenehm zu lesen:
»Wird irgendwo im Nahen Osten auch nur ein einziger Europäer entführt«, sagt Abdel auf dem Beifahrersitz, »dann geht ein Aufschrei durch die Medien und alle Hebel werden in Bewegung gesetzt, um die Geisel zu befreien - aber bei Tausenden von Afrikanern sieht die Welt weg und lässt sie krepieren.«
Tatsächlich sehen die Europäische Union und auch Deutschland, der drittgrößte Handelspartner Ägyptens, dem Foltern und Morden auf dem Sinai bisher weitgehend tatenlos zu. Die Bundesregierung ist laut eigener Auskunft auf eine Kleine Anfrage im Bundestag im Oktober 2012 bestens über die grausamen Verbrechen der Beduinen informiert, dennoch sprachen deutsche Politiker beim Staatsbesuch des mittlerweile gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in Berlin kürzlich lieber über Wirtschaftsabkommen, Schuldenerlass, Entwicklungshilfe und Tourismus. In Angela Merkels abschließender Presseerklärung zu Mursis Besuch erwähnte die Bundeskanzlerin den grausamen Menschenhandel auf dem Sinai mit keinem Wort.
falls sich jemand fragt -- und die frage höre ich oft -- wie qualitätsjournalismus aussieht, hier kann man ihn finden. ich würde für diesen artikel gerne ein paar euro zahlen. das geht aber nicht. in der navigation der seite steht zur auswahl „Mitmachen“. dort wird mir ein „Gewinnspiel“, ein „Klickspiel“, ein „Kreuzworträtsel“ und „Leserbriefe“ angeboten. also mal sehen was der shop bietet. da steht ein „Cocktail Jahresbuch“ zur auswahl. und ein buch mit dem titel „Sagen Sie jetzt nichts“. ah; das aktuelle heft 29 kann ich für 2 euro bestellen. nach drei klicks werde ich aufgefordert ein konto anzulegen. OK. ich darf sogar per rechnung zahlen. gut. trotzdem, warum wird meine zahlungsbereitschaft mit papier bestraft?
wie die bildzeitung arbeitet. und warum ich die bild zeitung und ihre macher verachte. zumindest habe ich auch kein mitleid mit entlassenen springern.
Kartoffelsalat: Not potato salad, but potatoes in mayonnaise. Heringsalat: Not herring salad, but bits of herring in mayonnaise Nordseekrabbensalat: These delicious North Sea prawns aren't served on a bed of lamb's lettuce, but in mayonnaise. Fleischsalat: Not meat salad, but strips of meat in mayonnaise.
mal ein ganz anderes thema. das wort douchebag bedeutet streng übersetzt, intimduschen-beutel. eine douche bag ist also ein beutel in dem sich flüssigkeit für eine intimdusche befindet. ich hätte mir gewünscht, dass man es auch mit einlaufbeutel hätte übersetzen können, aber bei der recherche bin ich auf ein wort gestossen, dass ich künftig gerne als schimpfwort benutzen würde: ballondarmrohr.
der text hinter dem link oben ist übrigens ganz grosser und arroganter blödsinn.
This is the inspiring story of hafid from dubai, the douchebag who stole my phone. he forgot to switch off the camera upload function, that’s why we will enjoy a deep insight into his life.
was für profis. hintertüren für geheimdienste in windows und skype, windows 8, tablets die sich nicht verkaufen lassen. die füsse in die sich microsoft konstant schiesst sind schon so löchrig, dass man sich wundert dass microsoft noch steht.
ende juni, also vor knapp einem monat, stolperte ich über diesen artikel des VDZ vom 22. januar 2013: „Verteidige deine Presse!“
darin stand unter anderem dieser bemerkenswerte satz:
Das LSR wird schnell, unbürokratisch und leistungsstark von den Verlagen umgesetzt werden und letztendlich zu mehr Konkurrenz und Innovation im Bereich der Suche und Aggregation führen.
einen monat vor dem inkrafttreten interessierte mich was damit wohl gemeint sein könnte und fragte den presskontakt des VDZ mit bezug auf den artikel vom januar folgendes:
anfang august tritt das LSR in kraft. wissen sie welche verlage ihre angebote bereits an das LSR angepasst haben, bzw. welche verlage das LSR bereits „umgesetzt“ haben?
was bedeutet „schnelle, unbürokratische und leistungsstarke“ umsetzung des LSR in der praxis?
falls sich anfang august noch nichts ändert, wann rechnen sie mit sichtbaren, fühlbaren oder innovativen änderungen bei deutschen verlagsangeboten - oder auf der anderen seite, im bereich der suche und der aggregation?
drei tage später versprach mir der presskontakt des VDZ, dass man sich dazu am nächsten tag bei mir melden würde. weitere drei tage später fragte ich nach, wann ich mit einer antwort rechnen könne. der presskontakt des VDZ antwortete einen tag später, dass er nun leider im urlaub sei, meine anfrage aber an einen kollegen weitergeleitet habe.
vorgestern schrieb ich beiden, dem presskontakt und seinem vertreter, dass ich mir jetzt so ungefähr vorstellen könnte, was der VDZ unter einer „schnellen, unbürokratischen und leistungsstarken" umsetzung in der praxis versteht, dass ich mich aber trotzdem über eine antwort auf meine fragen freuen würde.
morgen tritt das leistungsschutzrecht in kraft, nachdem es der VDZ-präsident hubert burda vor ziemlich genau vier jahren erstmals öffentlich lanciert hat. damals bezeichnete ich die forderung nach einem leistungsschutzrecht als „bigotte pfründenkeilerei“ und wunderte mich über die absurdität der verleger-forderung nach einem leistungsschutzrecht:
wie absurd diese forderung ist, erkennt man wenn man google mit einem kiosk vergleicht. in einem kiosk liegen hunderte zeitungen und zeitschriften aus („unsere teuer erstellten Inhalte“). das kiosk macht diese inhalte zugänglich und verkauft die medienerzeugnisse. die verleger gestehen dem kiosk sogar zu, einen teil des erlöses zu behalten. wenn ein kiosk nun ein besonders lukratives geschäftsmodell gefunden hat, zum beispiel indem neben den verlagserzeugnissen auch lotto-scheine, kaffee, belegte brötchen oder selbstgemachtes pesto verkauft werden, sollten die verleger dann auch an diesen erlösen beteiligt werden? schliesslich sind es doch die „teuer erstellten Inhalte“ die die menschenmassen in das kiosk treiben. oder?
jetzt wundere ich mich aber umso mehr, dass die verlegerverbände und die verleger auch nach vier jahren vorbereitungszeit so unvorbereitet vom leistungsschutzrecht getroffen wurden, dass sie ihre maximalforderungen noch für ein paar monate oder jahre auf eis legen und „vorerst“ auf ansprüche verzichten und sich weiterhin unentgeldlich bei google news auflisten lassen — oder wie hubert burda das damals nannte, sie lassen sich weiter „schleichend enteignen“.
aber ankündigungen beiseite, mich würde wirklich interessieren, wie sich die verleger die umsetzung vorstellen und wie sie glauben, dass diese umsetzung zu mehr konkurenz und innovation im bereich suche und aggregation führen könnte. vielleicht kann da mal jemand fragen, den die presskontakte beim VDZ ernst nehmen.
rivva hat jetzt seine snippets abgeschnitten. was ich nicht wirklich schlimm finde. snippets werden überbewertet, sowohl von den verlegern, als auch von den leistungsschutzgegnern. rivva funktioniert seit jeher auch ohne snippets: siehe @rivva. und erfreulich scheint mir auch, dass frank westphal ankündigt, dass es ein „neues rivva“ geben wird, das den schnippselverlust, so hofft er, zu kompensieren wisse. so hat das LSR also in gewissem sinne bereits zu innovation geführt.
ich wiederhole es ja schon seit vielen, vielen jahren: ich glaube dass einschränkungen, schranken, vorschriften die phantasie befügeln. allerdings meistens nicht in dem sinne, in dem sich die väter und mütter der vorschriften und schranken das vorstellen. die akademie der künste am pariser platz ist eine glaspalast geworden, obwohl die stadtplaner hunderte vorschriften formuliert hatten, die steinfassaden mit fensteröffnungen erzwingen sollten. günter behnisch sagte damals zu etwas ganz anderem: „das war die kunst: unter grossen zwängen etwas ungezwungenes zu bauen.“ (ix vor vier jahren über das gleiche thema)
die einschränkungen auf 140 zeichen oder 6 sekunden bei twitter oder vine beflügeln die kreativität und kommunikation von millionen menschen in zuvor unvorstellbarem ausmass. bändeweise steuervorschriften halten unternehmen wie apple, amazon oder starbucks nicht davon ab, mikrige bis keine steuersätzchen in den ländern in denen sie aktiv sind zu zahlen.
vorschriften kreativ zu umgehen oder zu umtänzeln ist der menschen liebstes hobby. und das lieblingsziel von CEOs. das mit dem leistungsschutzrecht wird noch für eine menge unhaltung sorgen.
unter anderem via netzfilmblog . abzüge der bilder kann man auch kaufen . ich find die super. aber am supersten finde ich, wie wach und optimistisch hal lasko mit seinen 97 jahren ist. solche menschen nehmen mir die angst vorm alter.
anatol stefanowitsch ist mitglied der piratenpartei und denkt hier laut darüber nach, ob er „die Piratenpartei bei der Bundestagswahl wählen oder sogar im Wahlkampf unterstützen soll“.
was barack obama von seiner change.gov-seite löschen liess:
Protect Whistleblowers: Often the best source of information about waste, fraud, and abuse in government is an existing government employee committed to public integrity and willing to speak out. Such acts of courage and patriotism, which can sometimes save lives and often save taxpayer dollars, should be encouraged rather than stifled. We need to empower federal employees as watchdogs of wrongdoing and partners in performance. Barack Obama will strengthen whistleblower laws to protect federal workers who expose waste, fraud, and abuse of authority in government. Obama will ensure that federal agencies expedite the process for reviewing whistleblower claims and whistleblowers have full access to courts and due process.
bis jetzt veröffentlichen lediglich vorratsdatenspeicherungsgegner ihre „metadaten“. die die sagen, dass das alles harmlos sei zieren sich durchgängig ihre harmlosen daten zu veröffentlichen.
was safari im „kinderschutzmodus“ so alles blockt:
BLOCKED: “Child Pornography Prevention Programs" BLOCKED: “Rick Santorum" BLOCKED: “Weiner Sex Scandal" BLOCKED: “TechCrunch.com" BLOCKED: “Dick Costolo" (CEO of Twitter) BLOCKED: “Jefferson sex with slaves" BLOCKED: “Tumblr's porn problem" BLOCKED: “Sexual reconstructive surgery" BLOCKED: “How to tell my boyfriend I don't want to have sex" BLOCKED: “How to put on a condom" BLOCKED: “Pussy Riot" BLOCKED: “Adult Film Industry and expansion of broadband“
stefan niggemeier mit einem guten letzten punkt:
In den USA, wo der Talk mit Prominenten vor allem in den Late-Night-Shows stattfindet, gibt es einen klaren Anspruch: Es muss unterhaltsam sein. Das ist schwer genug.
craig ferguson (über den stefan niggemeier nicht spricht) mag ich deshalb so gerne, weil er mit den konventionen bricht. naja. er versuchts zumindest indem er seine nicht funktionierenden konventionsbrüche ritualisiert. so hatte er zumindest mal den schwulen-roboter-sidekick an seiner seite eingeführt um sich über talkshow-sidekicks lustig zu machen -- bis er merkte das (gute) sidekicks das wichtigste an einer talkshow sind. und unterhaltsam sind.
als ich eben diesen text in der taz las, in dem sebastian erb beschreibt wie die #StopWatchingUs-proteste von verschwörungstheoretikern und medienhassern mitgesurft wurden fiel mir sascha lobos tweet von mittwoch wieder ein:
"Google fotografiert bald Fassaden." Volk: Apokalypse! Mindestens! – "Ihr steht alle unter Totalüberwachung." Volk: Oooh, ein Königsbaby.
ich glaube saschas tweet deutet genau auf das zentrale problem dass die netzgemeinde wir im internet haben (ich nenne „uns im internet“ im folgenden mal „wir“). und dieses problem ist nicht, dass die mehrheit der deutschen blöd ist, wie sascha oben andeutet, sondern dass die mehrheit der deutschen uns nicht versteht, uns die selbsternannten internet-versteher. abgesehen davon, dass ich das internet selbst schon länger nicht verstehe (mir wird das gerade alles zu kompliziert), fand ich das was mit grossen teilen von uns in den letzten wochen passiert ist bemerkenswert. ich habe an mir (und vielen anderen beobachtet), wie ich von einem verschwörungstheorien-skeptiker und jemandem der aluhüte paranoid und ansatzweise lächerlich fand, zu jemandem wurde der plötzlich sagt: huch, stimmt ja doch einiges von dem vor was die aluhüte jahrelang gewarnt haben.
das problem könnte aber sein, dass leute die ohne das technischen wissen, den erste-hand-erfahrungen mit blogs oder sozialen medien die wir jahrelang gesammelt haben, die snowden-enthüllungen im guardian, spiegel oder sonstwo ganz anders interpretieren — und eben nicht wie wir mit aluhutverständnis und -empathie reagieren, sondern uns jetzt als bekloppte verschwörungstheoretiker sehen — oder mindestens als aufbauscher und hysteriker.
wir sehen uns als rational, politisch, freiheitlich und liberal denkende warner in der wüste, schreiben uns die finger wund, reden mit unseren freunden, bekannten und verwandten oder laufen zu tausenden bei fast 40° durch die pralle sonne und wundern uns, warum alle vorbeilaufen oder mit den schultern zucken. so ging es den aluhüten jahrelang, jetzt geht es uns so.
ganz ehrlich, angesichts der monstrosität der vorwürfe die snowden und glenn greenwald vom guardian erhoben haben, aber vor allem angesichts der komplexität der materie, fällt es mir ungeheuer schwer das alles so zu verstehen, wie ich es gerne würde. anders gesagt, ich würde das gerne genauso skeptisch und rational betrachten wollen, wie ich alles andere in der welt skeptisch, mit distanz, ohne aktionismus oder hysterie betrachten und bewerten würde. dass das zur zeit nicht so ohne weiteres möglich ist, treibt mich beinahe zur verzweiflung.
ich habe immer gerne geglaubt, dass geheimdienste vor allem deshalb im geheimen werkeln, um ihre inkompetenz und unfähigkeit zu verbergen. das ist wie mit den scheinriesen. wenn sie weit weg sind (oder geheim) erscheinen sie monströs und furchtbar, je näher man ihnen kommt (oder je mehr man über sie erfährt), desto kleiner und normaler erscheinen sie einem. das was man in den letzten jahren über den deutschen verfassungsschutz der presse entnehmen durfte, scheint diese theorie zu untermauern.
geheimdienste sind vor allem deshalb effektiv, weil sie es — wie ihre gegenspieler — schaffen, angst und schrecken zu verbreiten. sie statuieren exempel um ihre macht zu demonstrieren und ihre bürokratische struktur, ihre strukturellen schwächen und ihre oftmals völlig inkompetenten führungssrukturen und arbeitsweisen zu verschleiern. das funktioniert bei der polizei, bzw. dem strassenverkehr übrigens nicht anders; es gibt autofahrer die fahren aus einsicht und vernunft mit der vorgeschrieben maximalgeschwindigkeit, es gibt autofahrer die sich an das tempolimit halten, weil sie angst haben erwischt zu werden und es gibt autofahrer die wissen, dass die überwachung lückenhaft und ineffektiv ist und das dann eben ausnutzen und durch die gegend rasen.
in wahrheit hinkt der vergleich natürlich, so wie alle vergleiche mit dem strassenverkehr hinken. trotzdem: wenn man überlegt, wie einfach heutzutage bereits eine zuverlässige, flächendeckende überwachung technisch umzusetzen wäre. wenn die strafverfolgungsbehörden beispielsweise auf die daten der mautbrücken auf den autobahnen zugreifen könnten, könnte man wahrscheinlich 90% aller geschwindgkeitsverstösse auf autobahnen ahnden. das will aber keiner, aus einem ganz einfachen grund:
in deutschland ist das auto eine heilige kuh, nicht das internet. autofahrer möchte kein politiker überwachen oder effektiv, zum beispiel mit einem allgemeinen tempolimit, am töten von mitmenschen hindern. solche vorhaben zur einschränkung der freiheit von autofahrern sind für deutsche politiker stets sehr schmerzhaft und werden von politikern gemieden wie weihwasser.
das es in deutschland andere heilige kühe als das internet gibt, ist übrigens auch die antwort auf sascha lobos verzweifelten tweet oben. niemand (ausser ein paar millionen freaks) liebt das internet, niemand versteht es und vor allem weiss niemand, dass er mittlerweile auch im internet ist, wenn er gar nicht im internet ist. das eigene auto, das eigene haus ist wo sich das leben des durchschnittsdeutschen gefühlt abspielt.
ich bin vom thema abgekommen. ich würde gerne weiterhin denken, dass die geheimdienste dieser welt insgesammt irre ineffektiv sind und nur deshalb angst und schrecken verbreiten, weil sie gelegentlich grossen schaden anrichten und exempel statuieren. ganz im sinne von josef joffe:
Versuche nie durch Konspiration zu erklären, was auf Chaos oder Inkompetenz zurückgeführt werden muss.
aber angesichts der technischen und rechtlichen möglichkeiten derer sich die geheimdienste offenbar in den letzten jahren bedienen konnten, fällt mir das in den letzten wochen zunehmend schwer.
vielleicht ist es keine schlechte idee, nochmal ganz grundsätztlich über überwachung nachzudenken. ohne die konzentration aufs internet. maniac hat das, finde ich, ziemlich gut gemacht:
ulrike knöfel über (nicht vorhandene) status von frauen in der kunst:
Als der Künstler Georg Baselitz im SPIEGEL vor kurzem die Ansicht äußerte, Frauen malten nicht so gut wie Männer, löste das in amerikanischen Kunst-Blogs eine Debatte aus, ebenso im nahen Österreich, auch die Briten zürnten. In Deutschland nahm man das so hin.
älteres interview (2009) mit rebecca niazi-shahabi über ihr buch „Bündnispartner gesucht“, in dem sie versucht in der SPD, der FDP, der CDU, der linken und bei den grünen männer kennenzulernen. wenig überraschend, bei den linken fehlt ihr der humor. sogar in der CDU werde mehr gelacht. und:
Gerade die Parteien, die sich für Gerechtigkeit und Soziales starkmachen, gehen besonders mies miteinander um, abweichende Meinungen tolerieren sie gar nicht. Im Großen setzen sie sich für die Schwachen ein, aber im Kleinen hört die Solidarität bei vielen auf.
heute auf dem markt haben wir unseren hinterherziehwagen wieder mit gemüse und gedöns vollgemacht. jeden samstag denke ich, das kriegen wir im laufe der woche nie aufgegessen und dann ist am nächsten samstag doch immer der kühlschrank leer.
ich erzähle ja jedem der mich fragt wie uns der wedding so gefällt, wie begeistert ich von den einkaufsmöglichkeiten bin. mein liebstes beispiel ist die petersilie. in hamburg hatten wir, wie ich finde, einen sehr brauchbaren wochenmarkt auf dem man sachen vom grossmarkt, aber auch viele aus eigenem anbau kaufen konnte. die (glatte) petersilie vom bauern war meistens ein bisschen dürre und weich, die vom gemüsestand der offenbar auf dem grossmarkt einkauft, kräftiger und grüner. für einen euro bekam man an beiden ständen eine handvoll petersilie.
im wedding gibts die gleichen wahlmöglichkeiten: offenkundig selbst angebaute, etwas blasse, weiche oder kräftige, durchgedüngte petersilie vom grossmarkt. nur die mengen unterscheiden sich von denen in hamburg signifikant. für einen euro oder weniger bekommt man meistens einen halben petersilienbusch. die petersilientüte im kühlschrank belegt bei uns meistens ein halbes fach.
aber auch die beschaffung von exotischen zutaten ist dank der türkischen und asiatischen einkaufsmöglichkeiten in etwa so einfach wie eine bestellung in einem restaurant. was der vinh-loi nicht hat, hat dann mindestens der bolu. oder umgekehrt.
was ich aber eigentlich sagen wollte, seit wir im wedding wohnen ist das nachkochen der meisten ottolenghi-rezepte extrem einfach geworden. seitdem mir ein sehr freundlicher mensch tim mälzers greenbox geschenkt hat, stehen mälzer und ottolenghi ständig im wettstreit. derzeit führt ottolenghi. was er in seinen rezepten kombiniert ist zwar meistens wenig komplex, aber immer alles andere als naheliegend. die zubereitung ist meistens idiotensicher und das was rauskommt immer überraschend lecker. das gilt allerdings auch für viele rezepte aus mälzers greenbox.
heute gabs aber ottolenghi: zucchini-haselnuss-salat (mit spagetti-resten von vorgestern):
die zutatenliste ist übersichtlich:
50 g geschälte haselnüsse oder cobnuts (ich hab ungeschälte benutzt)
7 kleine zucchini (800 g) in 1 cm breite scheiben geschnitten
4 EL olivenöl
salz und pfeffer
1 TL balsamico essig (ich hab mehr genommen)
30 g grüne und rote basilikumblätter (ich hab grüne aus dem supermarkt-basilikum-topf genommen)
80 g parmesan
2 TL haselnussöl (WTF?)
ottolenghi meint man solle die haselnüsse im backofen rösten und die zucchini auf einer fast glühenden grillpfanne braten, ich hab einfach unseren teflon beschichteten, wok-artigen topf heiss gemacht, dort erst die haselnüsse erhitzt bis sie (fast) qualmten und danach die zucchini mit etwas öl gebräunt. nach 5 minuten fand ich sie ausreichend röstig und habe sie mit den zerquetschten haselnüssen, öl und (etwas mehr) essig in eine schale zum auskühlen gekippt. nach 15 minuten waren die zucchinis kühl genug, dass ich auch die basilikumblätter untermischen konnte. auf dem teller die zucchini noch mit gehobeltem und zerbröseltem parmesan eindecken (80 g sind fast zuviel), fertig.
obwohl das rezept wirklich einfach ist, merkte die beifahrerin gleich achtmal hintereinander an, wie „hmm“ das schmecken würde. und vermutete, dass es mit haselnussöl vielleicht noch toller schmecken würde.
ich finde die texte die der kiezneurotiker gestern verlinkt hat und von denen er hellauf begeistert ist nur so lala. obwohl, der von sunflower22a und ein paar andere sind schon super. also rüber und alles durchklicken.
ausserdem, frisch kopiert vom kiezneurotiker, links zu den #StopWatchingUs-demos heute:
Das zeigt sich auch an der aktuellen Nachricht, dass CIA und NSA Internetanbieter energisch zur Herausgabe der SSL-Schlüssel für “sichere" Verbindungen" drängen. Damit könnten diese Behörden problemlos auch alle Online-Geschäfte vom Banking bis zur einfachen Bestellung abschnorcheln - obwohl sich der Nutzer “sicher" fühlt. Oder zumindest davon ausgeht, dass ihm noch ein Rest von Privatsphäre verblieben ist.
So nebenher würde auch der Besitz von Passwörtern abfallen. Nicht weniger als ein Sesam-Öffne-Dich für alle Onlineaktivitäten.
ich weiss nicht warum die verabschiedung des gesetzes zur bestandsdatenauskunft so wenig echo in deutschland hervorgerufen hat. aber dieses gesetzt verpflichtet anbieter „zur Herausgabe von PIN und PUK oder Passwörtern an Polizei, Zoll und Geheimdienste.“ wie absurd ist das denn bitte, wenn ich eine ordnungswidrigkeit begehe, kann die polizei bereits zugang zu meinen privatesten daten bekommen? da kann man tatsächlich zunehmend fassungslos werden.
auf mich wirkt das was gauck der zeit über das NSA-gedöns sagt, als ob gauck die welt durch eine panzerglasscheibe betrachte. so als ob er im zoo sei und drei wochen später, als er an den besuch zurückdenkt „Beunruhigung“ über die aggressivität einiger paviane auf dem affenfelsen äussert: „Wir müssen dafür sorgen, dass auch Pavianweibchen etwas von den Nüssen abbekommen, die wohlmeinende Besucher den possierlichen Tieren zuwerfen. Auch auf dem Affenfelsen müssen wir die Grenzen beachten, die wir für erforderlich halten.“
wolfgang luenenbuerger über ein usb-stick grosses dings von google und das ende der mangelmedien.
ich glaube wolfgang luenenbuerger hat recht damit, dass bereits die möglichkeit youtube einfach auf dem grossen schirm zu bringen disruptiv wirken könnte. ich hatte vor ein paar jahren das aha-erlebnis dazu. damals war ich bei einem freund und der hatte noch einen röhrenfernseher. daran angeschlossen war ein mac mini. wir haben irgendwas im fernsehen gesehen und aus irgendeinem grund sind wir plötzlich auf die sesamstrasse und elmo gekommen. dem freund fiel ein talkshow-auftritt von elmo zusammen mit seinem gehirn kevin clash ein. also haben wir mit der fernbedienung in den AV-kanal gewechselt, haben mit der (kabellosen) maus den browser auf dem mac mni gestartet und auf youtube mit der (kabellosen) tatstur nach „kevin clash talkshow“ gesucht.
dann aber im vollbild diesen auftritt im fernseher zu sehen war das erste aha erlebnis: wie geil ist das denn, auf dem grossen bildschirm zu sehen was einem gerade einfällt.
das zweite aha-erlebnis war dann eine folge dschungel-camp auf rtl-now.de zu sehen. ohne sie vorher aufgezeichnet zu haben, auf dem fernseher, einfach so.
beides, aber vor allem das youtube-video auf dem grossen schirm, hat damals klick bei mir gemacht. wer wollte das nicht unbedingt haben, wenn das einfach und unkompliziert ginge? am besten mit einem knopfdruck?
ich glaube genau das ist der entscheidende, richtungsweisende punkt sein wird: der eine klick. einfachheit in dem sinne, dass ich nicht erst eine fernbedienung in die hand nehmen muss, nicht erst auf einen mac mini oder ein apple tv oder eine settopbox umschalten muss (oder eine DVD irgendwo reinschieben muss), sondern einfach das sehen kann was ich will oder wonach ich gerade gesucht habe oder was ich gerade will.
ehrlichgesagt kommen beide geräte, das google dings und das apple dings dem schon beide sehr nah. das war vor ein paar wochen mein drittes aha-erlebnis: ich las im bett auf meinem handy davon, dass sascha lobo bei illner war und beamte das dann einfach aus der dort verlinkten 2DF-mediathek auf meine neues apple-tv und sah es mir mit der beifahrerin an.
gewinnen wird am ende die firma, die es schafft live-, mediatheken-, youtube- und web-fernsehen so zu bündeln, dass es meine eltern bedienen können und wollen. konzeptionell kommt das google dings dem auf jeden fall schon näher als das derzeitige apple-tv. (crosspost von hier)
das ist der erste satz von john f. nebels artikel über irgendwas, der jetzt seit mindestens 24 stunden so da drüben steht:
Die anlasslose Massenüberwachung, die durch Prism und Tempora aufgedeckt wurde, hat jetzt endlich auf Seiten von Bürgerrechtsorganisationen politische Forderungen hervorgebracht.
fällt ausser mir niemandem auf, wie blödsinnig der satz formuliert ist? andererseits taugt die satzkonstruktion dann doch wieder zu ganz hübschen fingerübungen in dada:
das massenweise vollscheissen von berliner bürgersteigen, das durch die berliner hundebesitzer aufgedeckt wurde, hat jetzt endlich auf seiten von bloggern wütende blogartikel hervorgebracht.
achim schaffrinna erkennt auf einem wahlplakat der grünen nicht den bezug von „hello kita“ zu „hello kitty“ und fragt sich später in den kommentaren, ob diese anspielung wohl „mehrheitlich“ erkennbar ist. gerade bei diesem motiv ist das aber egal, weil das plakat auch funktioniert (→ grüne sind irgendwie für kitas), wenn man den witz nicht kapiert.
während ich die geschichte um die norwegerin marte dalelv so verfolgt habe, hab ich mich auch gefragt wie die polizei und staatsanwaltschaft in dubai wohl gastarbeiterinnen aus südostasien behandeln, wenn man schon mit einer norwegerin so verächtlich umgeht.
so bekommt dubai jetzt endlich auch mal ein bisschen weltweite aufmerksamkeit, wobei die aufmerksamkeit wahrscheinlich nicht ganz im sinne des tourismus- und stadtmarketing-amt von dubai ist. dort möchte man sicher lieber jubelperserarien von eigens eingeflogenen jubelkielern hören und nichts über die offene frauenverachtung bei den strafverfolgungsbehörden.
es gibt wirklich nichts einfacheres als pesto herzustellen. was gut funktioniert ist so einen basilkum supermarktblumentopf ohne die erde und den kunstoff in einen mixer zu werfen, dazu 100 gramm nüsse (ich nehme oft und gerne walnüsse, cashews gehen auch und natürlich auch pinienkerne), 100 gramm etwas zerkleinerter parmesan, 3-4 knoblauchzehen und 100 bis 150 ml olivenöl. das macht sich dann im mixer quasi selbst und hält sich mit olivenöl aufgefüllt auch ein paar tage im kühlschrank.
komplizierte, fast philosophische materie: wem gehören meine adressbucheinträge? facebook meint, sie könnten damit machen was sie wollen. die leute die in meinem adressbuch stehen, könnten aber auch ein recht an ihren daten haben. facebook geht aber meiner meinung nach definitiv zu weit, wenn sie glauben sie könnten mit daten die ich ihnen anvertraue machen was sie wollen. gegenüber packetstormsecurity.com hat facebook aber genau diese ansicht vertreten.
jochen wegner über den zustand und die zukunft von zeit.de. ich bin übrigens nicht nur fanboy von wegner, sondern war auch fanboy von wolfgang blau.
heute, donnerstag abend, steh ich da auf der bühne. daran hat mich gestern mein wecker erinnert. was gut ist, sonst hätte es womöglich vergessen. bin sehr gespannt auf rebecca niazi-shahabi die dort um 2030 uhr anfängt, bevor ich das publikum ab 2180 uhr vollstotterestammle.
Ich hoffe, dass sich in Kürze noch viele andere kluge Menschen zu Wort melden werden, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Das hilft sicher dabei, Unglauben und Resignation in legitimen Protest zu verwandeln. Acta wurde auf der Straße verhindert. Das sollte mit dem nötigen Anschub bei Prism und Tempora ebenfalls möglich sein.
roland sinniert über das video und einen artikel über die autistin carly fleischmann und erklärt, angenhem weit ausholend, warum er „einige Bauchschmerzen“ damit hat.
die telekom scheint den amerikanischen geheimdiensten zuzuarbeiten. die frage ist, mit welchen geheimdiensten und wo arbeiten sie noch zusammen und warum erfahren die kunden nichts davon?
in diesem artikel von kurt sagatz und sonja alvarez schwingt ein bisschen empörung mit, dass die kunst- und satirefreiheit das alles decken soll:
Doch bereits bei der Begrüßung des Publizisten ließ TV-Anarchist Krömer - so wird er beworben - sämtliche Gepflogenheiten eines guten Gastgebers vermissen. Er bezeichnete den streitlustigen Journalisten als „hinterfotziges Arschloch“ - es sollte nicht der letzte Tiefschlag bleiben.
ich finde diese staffel krömer ziemlich vielversprechend. auf der gäste liste stehen neben matthias matussek und mary roos „noch die Ludolfs, Katrin Sass, The Boss Hoss, Claudia Roth, Reiner Calmund, Silly, Mark Benecke, Henryk M. Broder“ auf der gästeliste.
in diesem artikel von peter von becker schwingt ein bisschen empörung mit, dass nicht alles was jonathan meese macht von der kunst und satirefreiheit gedeckt sein soll:
Der Fall Meese ist nur ein Witz. Jener Gruß [...] war ein satirischer Akt bei einer Veranstaltung zum Thema „Größenwahn und Kunstwelt“. Das gehört zur Kunstfreiheit und nicht vor Gericht.
Der Künstler möchte Ihnen nichts „damit sagen“. Ich bin der Künstler. Sie sind mir egal. Sie sind ein Narzisst, wenn Sie glauben, ich hätte das Bild für Sie gemalt.
schon über eine woche alt und wahrscheinlich schon überall verlinkt, aber jetzt habe ich es auch gelesen und überlege on ich es für meine eltern ausdrucken soll.
der friedensnobelpreisträger obama lässt seine armee taktiken ausführen die sonst von terroristen oder riesenarschlöchern benutzt werden um möglichst grossen schaden an zivilisten und ersthelfern anzurichten.
sehr witzig. angela merkel 2008 im niedersächsischen wahlkampf in osnabrück:
Wir werden nicht zulassen, dass technisch manches möglich ist, aber der Staat es nicht nutzt - dafür aber die Täter, Verbrecher und Terroristen es nutzen.
angela merkel am 19.07.2013:
Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Nicht alles, was technisch machbar ist, darf auch gemacht werden. Es muss immer die Frage der Verhältnismäßigkeit beantwortet werden. Also in welchem Verhältnis zur Gefahr stehen die Mittel, die wir wählen - auch und gerade mit Blick auf die Grundrechte in unserem Grundgesetz.
guenter hack mit zwei und einem entscheidenden punkt:
Die Überwachung ist eine Funktion der Remilitarisierung der Außenpolitik, die bereits nach innen diffundiert und den Rechtsstaat zersetzt.
Ich sitze im Meeting. Mit leicht genervtem Blick schäle ich mein iPhone aus der schwarzen, körperbetonenden Jeans, drücke den runden Knopf und lese die aufblitzende Uhrzeit ab. Ich stecke das Glas-Aluminium-Glas-Sandwich zurück, nur um es einige Sekunden später nochmals aus der Tasche zu fummeln. Ich habe die Ziffern zwar abgelesen, nicht aber verarbeitet.