Dif­fe­ren­zie­ren ist müh­sam, aber noch müh­sa­mer ist es zu ak­zep­tie­ren, dass es sich im­mer lohnt zwei­mal oder zu­min­dest ge­nau­er hin­zu­schau­en. Lei­der lei­den wir alle, nicht nur Jas­per von Al­ten­bo­ckum, an an­ge­bo­re­nem con­fir­ma­ti­on bias [ei­gent­lich Be­stä­ti­gungs-Be­fan­gen­heit, of­fi­zi­ell aber „Be­stä­ti­gungs­feh­ler“, bei dem es uns leicht fällt Quatsch als Fakt zu ak­zep­tie­ren, wenn er in un­ser Welt­bild passt] — und das ein­zi­ge was da­ge­gen hilft ist Mühe, ge­nau­er Hin­schau­en oder Re­cher­chie­ren.

[Re­cher­chie­ren ist üb­ri­gens eine Tä­tig­keit die dem Pro­kras­ti­nie­ren nicht un­ähn­lich ist. Re­cher­che, ge­nau­es Hin­se­hen, hi­ner­fra­gen wird üb­ri­gens mü­he­lo­ser und nied­rig­schwel­lig, wenn man da­für an­de­re wich­ti­ge Tä­tig­kei­ten auf spä­ter ver­schiebt.]

Manch­mal macht sich auch je­mand an­ders die Mühe zu re­cher­chie­ren, dann muss man nur noch le­sen:

Ende April lau­te­ten be­reits die Schlag­zei­len vie­ler Me­di­en „AfD jetzt stärks­te Par­tei im Os­ten“. Auch in den letz­ten Ta­gen wird im­mer wie­der ver­mel­det, dass die AfD in Bran­den­burg die stärks­te Kraft sei. Das ist be­son­ders be­deu­tend, da in Bran­den­burg, Sach­sen und Thü­rin­gen in die­sem Jahr ge­wählt wird. Die AfD hofft auf und alle an­de­re be­fürch­ten ei­nen „blau­en Herbst“, wie es die Ta­ges­schau ges­tern schrieb. Man könn­te mei­nen, zu­min­dest in den ost­deut­schen Bun­des­län­dern wür­de die AfD im­mer stär­ker wer­den.

Doch das Ge­gen­teil ist der Fall. Wie wir be­reits vor ein paar Wo­chen er­klär­ten: Dass die AfD im Os­ten stark und auch die stärks­te Par­tei ist, ist nichts Neu­es. Be­reits im Som­mer 2018 war die AfD im Os­ten die stärks­te Par­tei. Die Be­richt­er­stat­tung täuscht dar­über hin­weg, dass die AfD in ei­nem hal­ben Jahr in Wahr­heit 4 Pro­zent­punk­te (2018: 27% – 2019: 23%) ver­lor.

[Es kann na­tür­lich sein, dass ich hier auch ei­nem Be­stä­ti­gungs­feh­ler er­lie­ge und Tho­mas La­schyks Ana­ly­se Quatsch ist, und ich mir nur wün­sche, dass es im Os­ten kei­nen Rechts­ruck, son­dern Wäh­ler­wan­de­run­gen nach Links gibt. Si­cher aber ist: über­sicht­lich und klar ist die po­li­ti­sche Lage nicht.]

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