Als or­dent­li­cher In­tel­lek­tu­el­ler müss­te man Hu­bert Bur­da ei­gent­lich ver­ach­ten, des­sen Me­di­en­im­pe­ri­um Jour­na­lis­mus-Imi­ta­tio­nen wie die Bun­te her­aus­gibt oder des­sen on­line-Auf­trit­te mit ih­ren SEO-Prak­ti­ken, Click­bait-Ge­döns und ih­rer la­xen Auf­fas­sung von Jour­na­lis­mus am Ran­de des An­stands ba­lan­cie­ren (vie­le Bei­spie­le im Bild­blog oder auch hier). Das In­ter­view, das Hu­bert Bur­da hier Sven Mi­cha­el­sen und Mi­cha­el Ebert ge­ge­ben hat, macht ei­nem Schwarz-Weiss-Ur­tei­le über Hu­bert Bur­da aber nicht leicht.

Dass Hu­bert Bur­da sym­pa­thi­scher oder min­des­tens in­ter­es­san­ter ist, als der Müll den sein Me­di­en­im­pe­ri­um pro­du­ziert, ahn­te ich schon frü­her. Be­vor ich auf ir­gend­ei­ner Black­list vom Bur­da-Ver­lag lan­de­te oder noch den Ein­druck mach­te in An­sät­zen re­le­vant oder so­was wie ein Be­ein­flus­ser zu sein, wur­de ich ein paar mal auf Bur­das DLD-Ver­an­stal­tung ein­ge­la­den. Der (die?) DLD ist eine ge­schickt plat­zier­te Ver­an­stal­tung in Mün­chen, die vie­le Di­gi­tal-Den­ker und -Ma­cher auf ih­rem Weg zum Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos ei­nen Zwi­schen­stop er­mög­licht und ein paar Tage auf Po­di­en über ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen im Netz spre­chen, nach­den­ken oder strei­ten lässt.

Ich fand die The­men und Spea­k­er-Mi­schung des DLD im­mer in­ter­es­sant und in­spi­rie­rend, stel­len­wei­se aber auch ex­trem pein­lich. In ei­ner der Ver­an­stal­tun­gen auf dem DLD 2007 war der Ver­an­stal­tungs­raum ziem­lich früh so voll, dass sich vie­le, auch ich, in den Gän­gen auf den Bo­den setz­ten. Als ich da so sass, sass auch Hu­bert Bur­da ein paar Me­ter wei­ter auf dem Bo­den des Gangs und lausch­te Adria­na Huf­fing­ton. Ich fand das sym­pa­thisch und un­prä­ten­ti­ös. Un­prä­ten­ti­ös und un­ei­tel stellt sich Hu­bert Bur­da auch in die­sem In­ter­view dar.

SZ: 2005 ver­öf­fent­lich­te die Jour­na­lis­tin Gi­se­la Frei­sin­ger nach meh­re­ren Tref­fen mit Ih­nen die mit Nick­lig­kei­ten ge­spick­te Bio­gra­fie Hu­bert Bur­da. Der Me­di­en­fürst. War­um ha­ben Sie sich auf die­ses Pro­jekt ein­ge­las­sen?

Bur­da: Der Grund war, dass ich jun­gen Leu­ten sa­gen woll­te: Lasst euch nicht nie­der­ma­chen, wenn ihr auf die Schnau­ze fallt. Nehmt mich als Bei­spiel. Ich bin sehr oft mit schwers­ten Ver­wun­dun­gen auf die Schnau­ze ge­fal­len, aber ich bin im­mer wie­der auf­ge­stan­den. Da ich in mei­ner Ju­gend ge­boxt habe, habe ich mir im­mer ge­sagt: Dop­pel­de­ckung! Ir­gend­wann hö­ren die Schlä­ge auf. Und dann schau, dass du ei­nen Ha­ken an­brin­gen kannst. Der Plot des Frei­sin­ger-Bu­ches ist: Ein klei­ner Mann brüllt dau­ernd: Ich! Ich! Ich! Das ist mir zu platt, aber Gram habe ich des­halb kei­nen. Mei­ne Blät­ter tei­len ja auch aus und ver­nich­ten Bü­cher oder gan­ze Künst­ler­kar­rie­ren.

Auch, auf eine Art, sym­pa­thisch fin­de ich, dass Hu­bert Bur­da mit par­zi­el­ler Ah­nungs­lo­sig­keit öf­fent­lich hau­sie­ren geht: „Ich habe […] kei­ne Ah­nung, wer Xing er­fun­den hat, ob­wohl uns das Un­ter­neh­men mehr­heit­lich ge­hört.“ Wo­bei ich in die­sem spe­zi­el­len Fall eher glau­be, dass ihm ein­fach der Name des Xing-Grün­ders Lars Hin­richs ent­fal­len ist und Hu­bert Bur­da ihn öf­ter, auch per­sön­lich, auf und um den DLD ge­trof­fen und ge­spro­chen hat — und ge­nau weiss wer er ist. Aber auch wenn Hu­bert Bur­da es mit der Wahr­heit nicht im­mer so ge­nau zu neh­men scheint, viel­schich­tig ist er auf je­den Fall — und das In­ter­view liest sich gut.

Al­ler­dings schaut sich auch die­ses In­ter­view mit Ge­or­ge W. Bush gut. Bush wirkt als ehe­ma­li­ger Prä­si­dent um ei­ni­ges sym­pa­thi­scher als Amts­in­ha­ber, aber Men­schen, sei­en es ehe­ma­li­ge Prä­si­den­ten oder Me­di­en-Mil­li­ar­dä­re, soll­te man eben nicht nur nach ih­ren Ru­he­stands-Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten oder sym­pa­thi­schen Per­sön­lich­keits­merk­ma­len be­ur­tei­len, son­dern auch im­mer nach ih­rem Han­deln und für was sie Ver­ant­wor­tung tra­gen.

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