Dass Angst ein Mit­tel zur Ver­hal­tens­kon­trol­le ist, weiß je­der der sich schon mal mit der Ge­schich­te der Kir­chen be­schäf­tigt hat. Aber den ro­man­ti­schen Glau­ben, dass Men­schen durch Ver­nunft, po­si­ti­ve Ver­stär­kung oder Vor­bil­der zur Ein­sicht zu brin­gen sind, ha­ben nicht nur längst die Kir­chen und Re­li­gio­nen auf­ge­ge­ben, son­dern of­fen­bar wir alle, die wir uns ei­gent­lich als Teil ei­ner li­be­ra­len, de­mo­kra­tie- und ver­nunft­ba­sier­ten Ge­sell­schaft se­hen. Auch Leu­te die vor ein paar Mo­na­ten noch dar­über klag­ten, dass Rechts­po­pu­lis­ten ihre Un­ter­stüt­zung durch das Be­feu­ern von Ängs­ten und Vor­ur­tei­len er­rei­chen, freu­ten sich dar­über, dass welt­weit Re­gie­run­gen ein­schnei­den­de Maß­nah­men ge­gen die Aus­brei­tung des Co­ro­na-Vi­rus be­schlos­sen – auch weil dann an­geb­lich end­lich alle den Ernst der Lage be­grei­fen wür­den. Wenn Angst und Pa­nik als le­gi­ti­me Mit­tel der po­li­ti­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on und des po­li­ti­schen Han­deln an­ge­se­hen wer­den, soll­ten wir drin­gend in­ne­hal­ten und min­des­tens noch­mal nach­den­ken.

Angst, Pa­nik, das Be­grei­fen des Ernst der Lage, scheint un­se­re Ge­sell­schaft im­mer noch als le­gi­ti­mes Mit­tel an­zu­se­hen, um die Un­ein­sich­ti­gen, die „Dum­men“, die Mas­sen zu ei­nem er­wünsch­ten Ver­hal­ten zu brin­gen. Dar­auf ha­ben sich nicht nur die üb­li­chen Pa­nik-Me­di­en und Pa­nik-Mul­ti­pli­ka­to­ren ein­ge­schos­sen, son­dern auch die sonst eher zu­rück­hal­ten­den Me­di­en und Mul­ti­pli­ka­to­ren.

Das Pa­ni­k­le­vel das mitt­ler­wei­le welt­weit er­reicht wur­de zeigt zwei Din­ge:

  • Wir alle las­sen uns — auf die eine oder an­de­re Art — von un­se­ren Ängs­ten trei­ben, vor al­lem weil wir sie nicht kon­fron­tie­ren oder ver­ar­bei­ten (wol­len/kön­nen), was in die­sem von Mar­cus von Jor­dan ge­pi­q­ten gross­ar­ti­gem Text über­deut­lich wird.

  • Wir alle er­näh­ren uns von viel zu viel angst- und pa­nik­hal­ti­ger Me­di­en­nah­rung, was der hier ge­pi­q­te Text (weit aus­ho­lend) zeigt.

In al­ler Kür­ze fasst Seth Go­din den Text, bzw. die Idee da­hin­ter zu­sam­men:

Be­ing up-to-date on the news is a trap and a scam. Five mi­nu­tes a day is all you need.

Ich habe in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der ge­gen „Di­gi­tal De­tox“ oder Me­di­en­diä­ten ar­gu­men­tiert, weil ich glau­be, dass wir (Fil­ter-) Pro­ble­me an­ge­hen, be- und ver­ar­bei­ten soll­ten, statt ih­nen durch Ent­halt­sam­keit ein­fach aus­zu­wei­chen, aber in der der­zei­ti­gen Nach­rich­ten­la­ge scheint mir die Selbst­iso­lie­rung von me­dia­len Angst­ge­ne­ra­to­ren eine ef­fek­ti­ve Stra­te­gie.

Bes­ser, und das schreibt auch Mar­go Aa­ron deut­lich, scheint mir al­ler­dings die an­stren­gen­de­re Va­ri­an­te der Acht­sam­keit auch beim Me­di­en­kon­sum. Auch wenn Acht­sam­keit Auf­merk­sam­keit und En­er­gie kos­tet, kann sie sich po­si­tiv aus­wir­ken sei es auf un­se­re Er­näh­rung, un­se­rem Um­gang mit an­de­ren und uns selbst, aber eben auch un­se­re In­for­ma­ti­ons­di­ät.

Put ef­fort into your con­sump­ti­on of in­for­ma­ti­on.

Ver­nunft, Ge­sund­heit und Ge­las­sen­heit er­for­dern stän­di­ge Ar­beit, Mühe, Acht­sam­keit und wohl auch den Glau­ben ans Gute, bzw. die Ver­nunft im Men­schen. All das soll­ten wir in der Kri­se nicht ver­lie­ren, auch wenn un­se­re In­for­ma­ti­ons­ka­nä­le mit Hi­obs­bot­schaf­ten ver­stop­fen und die Sicht ver­stel­len.

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