Die­ser Vor­trag auf der re­pu­bli­ca von Chris­ti­an Mio Lo­clair trig­ger­te bei mir ein gan­zes Set an Aver­sio­nen: ein Deut­scher der Eng­lisch spricht, um eine bes­se­re Reich­wei­te zu er­zie­len, die ex­pli­zi­te, pla­ka­ti­ve Be­haup­tung mit sei­ner Ar­beit nach Be­deu­tung und Poe­sie im Di­gi­ta­len Raum zu su­chen, statt po­ten­zi­el­le Fund­stü­cke ein­fach zu zei­gen und sich auf die im­pli­zi­te Wir­kung und po­ten­zi­el­le Poe­sie der ei­ge­nen Ar­beit zu ver­las­sen, so­wie die Ver­wen­dung von Kitsch, Über­äs­the­ti­sie­rung und ge­fäl­li­ger Mu­sik, um Emo­tio­nen im Pu­bli­kum zu we­cken.

Ich habe den Vor­trag trotz der Über­do­sis Pa­thos, der be­deu­tungs­lo­sen über­stei­ger­ten Schön­heit der Ein­spiel­fil­me, nicht ver­las­sen, weil Lo­clair ir­gend­wann auf Tech­no­lo­gien kam, die mich bren­nend in­ter­es­sie­ren. Un­ter an­de­rem: ler­nen­de, künst­li­che, neu­ro­na­le Netz­wer­ke oder ge­nau­er: Ge­ne­ra­ti­ve Ad­ver­sa­ri­al Net­works (GANs). Ein Er­geb­nis die­ser selbst oder un­über­wacht ler­nen­den neu­ro­na­len Netz­wer­ke feg­te kürz­lich durch alle mei­ne Time­lines: Syn­the­tisch er­zeug­te Bil­der von Ge­sich­tern, die de fac­to nicht von ech­ten zu un­ter­sch­ei­den sind. Be­ein­dru­cken­de Bei­spie­le hier: this­per­son­does­not­exist.com

Lo­clair jagt in sei­nem Waltz Bi­n­aire Stu­dio alle mög­li­chen Da­ten­sets durch GANs, um zu se­hen, ob das, was die Al­go­rith­men am Ende aus­ge­ben, äs­the­tisch ver­wert­bar ist oder mit bom­bas­ti­scher Mu­sik poe­tisch wirkt.

Und dann pas­sier­te ge­gen Ende des Vor­trags doch noch ein Wun­der und es wur­de, auf eine Art, wirk­lich poe­tisch. Als Lo­clair und sein Team näm­lich ver­such­ten ein GAN auf Kin­der­bil­der zu trai­nie­ren, ver­sag­te das ma­schi­nel­le Ler­nen und pro­du­zier­te nichts an­de­res als poe­tisch un­ver­wert­ba­ren Farb­matsch. Kon­fron­tiert mit der krea­ti­ven Will­kür kind­li­cher Krea­ti­vi­tät oder der po­ten­zi­ell im­mer noch vor­stell­ba­ren, in­de­ter­mi­nis­ti­schen Wil­lens­frei­heit des Men­schen, kom­men Al­go­rith­men ins Schleu­dern. Das ist nicht nur poe­tisch, son­dern in ge­wis­ser Wei­se auch be­ru­hi­gend.

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