vor ein paar monaten bekam ich eine interview-anfrage für einen schulfilm über das bloggen. ein paar blogger wurden dafür interviewt, ich wurde unter anderem gefragt „Was bringt einen zum Entschluss öffentlich zu werden?“ und „Was ist das tolle am Bloggen?“
heute war die die fertige DVD im briefkasten, dadrauf die interviews, ein paar intros und unterichtsmaterialen, unter anderem auch „Arbeitsblätter und Lösungen“. auf einem blatt auch unterichtsfragen zu wirres.net:
2. Lies Schwenzels Bedienungsanleitung zu wirres.net und analysiere Inhalt, Form und Aussage!
der lösungsvorschlag zur form listet trocken „Kleinschreibung, Rechtschreibfehler, Kommafehler“ auf, zur aussage lautet der lösungsvorschlag, wie ich finde, ziemlich auf den punkt:
Der Autor legt keinen Wert auf Ordnung, Sorgfalt, Regeln, Relevanz. Er sammelt und schreibt, was ihm auffällt, ihn nervt oder freut, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. wirres.net: Der Name ist Programm.
jein. medium verhindert das ja mittlerweile auch. die haben das bestimmt sehr kompliziert umgesetzt. ich setze es einfach so um, dass ich ein vorschaubild einsetze, das per jquery nach einem klick mit dem youtube-embedcode ersetzt wird. das ist der code den ich dafür verwende. {contents} ist der platzhalter für die youtube-ID.
Es gebe keinen Anspruch auf Anonymität im Internet, sekundierte Matthias Lausen vom Institut für Urheber- und Medienrecht Spindler. Im öffentlichen Raum herrsche ein Vermummungsverbot, die Massenkommunikation hierzulande lebe von einem persönlich Verantwortlichen.
vom vermummungsverbot auf demonstrationen abzuleiten, dass kommunikation im internet unter keinen umständen anonym sein dürfe, ist ähnlich absurd, wie aus dem vermummungsverbot zu schliessen, dass debatten im bundestag künftig ohne vermummung, also nackig zu führen seien.
abgesehen davon habe ich noch nicht gehört, dass man auf demonstrationen oder im öffentlichen raum mit namensschildern rumlaufen müsste. umgekehrt wehren sich polizei-gewerkschaften und -verbände seit jahren dagegen, dass vermummungsverbot von polizisten aufzuheben. die sollen nämlich nicht persönlich identifizierbar und verantwortlich sein.
lobenswerter weise hat heise.de einen kommentar von ulf buermeyer nachgelegt, der matthias lausen und der urheberrechtelobby widerspricht:
Das Durchsetzen von Urheberrechten – ebenso wie anderer Rechte – „um jeden Preis“ ist unserer Rechtsordnung fremd. Urheberrechte sind zwar von der Eigentums-Garantie aus Art. 14 des Grundgesetzes geschützt. Sie gilt aber nun einmal nicht unbeschränkt, sondern nur, soweit sie in der Abwägung mit anderen Grundrechten den Vorrang genießt.
Zudem stellt sich technisch die Frage, wie eine dauerhafte Identifizierbarkeit von Nutzern im Internet aussehen soll und kann. Um zum Beispiel die Nutzer von Streams zu erfassen, müsste gegebenenfalls das gesamte Nutzungsverhalten des Users aufgezeichnet und ausgewertet werden. Allein eine Aufzeichnung der IP-Adresse reicht hier nicht aus.
mittelmässiges portrait von jan böhmermann in der new york times. ausser jan böhmermann kommt niemand zu wort und weil alison smale sich nur oberflächlich für böhmermann interessiert, ist das einzig interessante am portrait, die zeitung in der es erschien.
sehr langes lesestück von john herrman, über den bedeutungsverlust der medien.
Vox’s David Roberts, in a story that cites a perceptive post by Jay Rosen, suggests “the real reason the media is rising up against Donald Trump” is that he challenges their role as gatekeepers.
Their trepidation has less to do with the fact of Trump lying than with the way he lies. They don’t mind being properly lied to; it’s all part of the game. What they cannot countenance is being rendered irrelevant. Trump is not kissing the ring. He barely bothers to spin the media. He does not need them, or give two shits what centrist pundits think. Their disapproval only strengthens him. Media gatekeepers are in danger of being exposed as impotent bystanders.
[…] “The conceptual space for neutrality has all but disappeared,” he concludes. “Media outlets are being forced to take sides, and facing the grim possibility that even if they do, they have no power to affect the outcome.”
But this stops just short of the truth, I think. This “conceptual space for neutrality” follows from the idea that publications and reporters have a responsibility not just to discover and contextualize new information but to distribute it in a transparent or somehow balanced way. People demanded fairness from their local paper because it may have been their only local paper; people were sensitive to bias in network news because it was one of a few options providing a relatively scarce type of information. Their audiences afforded them powers: to talk to the powerful, to dedicate resources to investigations, to collect and summarize the news. These powers created a sense of obligation which, of course, they were free to fail to meet.
On an internet of platforms, this “conceptual space” hasn’t disappeared, it’s just moved. It now belongs to Facebook and Twitter and Instagram. They, not the publications that post to them, are the primary filters through which people on the internet find and consume news and entertainment. It was from this conceptual space that publications and channels decided what was newsworthy, interesting or fair; it is in this shifted conceptual space that the mechanisms of platforms—following, sharing, liking, commenting—are deployed toward the same end. A reader opened the paper, where editors had selected stories; a viewer switched to a channel, where producers had assembled shows in a particular order; a user opens an app, where the user’s habits and preferences have been gradually fed into a system that ranks platform-wide habits and preferences of others, some of whom she has indicated are especially important to her.
wer bis zum ende durchhält, kann eine „happy conclusion“ lesen, bzw. einen optimistischen ausblick auf den journalismus ohne direkten zugang.
lobenswerter versuch von andrej reisin und fiete stegers den urheberrechtssalat an dem wir sitzen mal differenziert auseinander zu klamüsern, zwischen fair use, scheissegal-haltung und grenzwertigen fällen.
ein internationaler blick auf die ad-blocker-industrie. frédéric filloux fügt der diskussion ein paar aspekte hinzu, die mir noch nicht bekannt waren, aber wenn man das so liest, sind das in der tat ein paar besorgniserregende entwicklungen. aus neugier benutze ich seit mittlerweile mehr als einem monat keine ad-blocker mehr auf meinem haupt-browser safari. und ich bin beinahe positiv überrascht. nur spiegel online hat die technischen probleme bei der auslieferung nach wie vor nicht im griff und manchmal ist ad-blockerfreies surfen auch sehr witzig.
tolles referatsthema von anke gröner zur frage, ob (sport-) „Stadien neuerdings Ikonen sein möchten“.
ein paar zusammenhangslose und unfundierte gedanken habe ich auch dazu: es gibt ein stadion, dass zu einer ikone geworden ist, das kollosseum. das kollosseum zeigt einen super sportstätten-trick um zur ikone zu werden: sie sollten in innenstadtnähe sein. wenn ich mich nicht irre ist das olympiastaion in münchen relativ stadtnah, das „vogelnest“ von herzog und de meuron ist soweit ich das sehe, eher in autobahn, als in stadtnähe gebaut. wahrscheinlich frisst sich münchen in den nächsten dekaden noch bis dorthin vor, aber um zur ikone zu werden, scheint mir die arena erstmal zu weit weg.
dazu kommt, dass ich die allianzarena sowieso als wenig ikonen-geeignet empfinde. ich mag den bau, aber die fassade ist alles andere als eine grosse geste. sie ist multifunktional und aus plastik. noch schlimmer: sie ist gefällig. der eiffelturm war nie gefällig, sondern zu seiner zeit meistgehasst. das kollosseum war grössenwahnsinnig, die allianzarena ist zweckmässig.
bauten wie der fernsehturm in berlin haben gegenüber allen anderen bauten der welt einen grossen vorteil: sie sind von überall aus in der stadt sichtbar. der fernsehturm in stuttgart übrigens auch, auch wenn er etwas ausserhalb der stadt liegt. ein bau der einem tagtäglich in die augen sticht, egal ob er als gefällig oder hässlich empfunden wird, hat beste chancen zur ikone zu werden. ein zweckbau den man alle paar wochen oder monate mal besucht um sich dadrin mal was anzusehen hats ungleich schwerer.
bauten in diktatorisch geführten ländern haben übrigens auch einen vorteil. die kosten für den bau sind in autoritären staaten eher nebensächlich. ein paar millionen mehr, ausgebeutete oder sterbende bauarbeiter, kaum ein journalist kräht danach, zu sorgfältig ist die vertuschung in solchen staaten. ich bin übrigens hin und hergerissen, ob ich architekten, die in totalitären staaten prachtbauten errichten, verachten soll oder dafür bewundern soll, dass sie ihre chancen, ihre ideen zu realisieren, so konsequent durchsetzen.
aber auch in demokratischen staaten haben gigantomanische zweckbauten in vororten chancen zu ikonen zu werden, zum beispiel, wenn ihr bild ständig in den nachrichten ist, wie das hauptquartier des britischen geheimdienst GCHQ. oder wenn ihre ikonografie durch film und fernsehen verstärkt wird:
die space needle durch „schlaflos in seattle“ oder „frasier“
was die meisten stadien oder sportstätten aber wohl davon abhält jemals zu ikonen zu werden sind ihre namen: allianz arena — wie lange heisst das stadion wohl noch so? das stadion des HSV, das volksparkstadion, wurde zwischenzeitlich dreimal umbeannt: AOL arena, HSH nordbank arena und imtech arena. das wembley-stadion war klug genug, sich seinen namen, den es durch ikonische grossveranstaltungen aufgebaut hatte, nicht durch irgendwelche marketing-fuzzis versauen zu lassen.
heute früh teilte mir unsere heizungstherme mit: „A2“. im internet stand, dass junkers ceramini heizthermen damit zum ausdruck bringen wollen, dass abgase aus der brennkammer entweichen. um unser leben zu retten habe ich dann die heizung ausgeschaltet und die hausverwaltung angerufen.
ja, sagte der (wirklich) freundliche mitarbeiter der ado immobilien-verwaltung, wir schicken jemanden. er würde das auch als notfall einstufen, wenn die heizung nicht mehr funktioniere, sei ja schliessich winter. es komme heute auf jeden fall jemand.
also blieb ich im home-office und wartete auf einen installateur der unsere heizung repariert. um sechs gab ich das warten auf. weil die beifahrerin sich weigerte, ohne funktionierende heizung nach hause zu kommen („lieber schlaf ich im atelier!“) entschloss ich mich der sache selbst auf den grund zu gehen. die druckanzeige der heizung war sehr niedrig, erkannte ich am „manometer“. weit unter einem bar. ich hatte für den installateur schon einen wasseranschluss freigeräumt, weil ich davon ausging, dass das das erste sein würde was er angehen würde: wasser nachfüllen. dann habe ich es eben selbst gemacht.
mit dem neuen druckverhältnissen startete die heizung wieder und zeigte auch keine fehlermeldung mehr an. erst als der druck an die 3 bar kam wieder: „A2“
also wasser abgelassen. diesmal steig die kesseltemerpatur bis 50 grad, bevor 3 bar erreicht wurden. dreimal habe ich noch wasser abgelassen, bis der druck passte und die fehlermeldungen ausblieben.
jetzt weiss ich wie man wasser in einen heizungkreislauf füllt und dass es im kalten zustand etwas unter 2 bar bleiben sollte. wenn der monteur morgen kommen sollte, kann er die heizung mal warten, dass habe ich im internet gelesen, soll man eh jedes jahr machen.
die beifahrerin meint ich bräuchte keine heizung, weil ich am wochenende in stettin bei 8° C im t-shirt und einem cord-jacket rumlief. das stimmt natürlich nicht, ich halte kälte nur aus, wenn ich mich ein bisschen bewege. zuhause möchte ich mich nicht die ganze zeit bewegen. weil unsere wohnung aber ganz gut isoliert ist, blieben die temperaturen in der wohnung aber auch ohne sie bei gemütlichen 21° C. vielleicht brauch ich tatsächlich keine heizung. die beifahrerin, mit der ich übermorgen seit 10 jahren zusammen bin, allerdings schon.
stettin ist super. nicht schön, nicht viel los, aber der eingelegte fisch ist sensationell. allein wegen dem lohnte sich die reise. und wegen der wurst, die wir dort neben dem eingelegten fisch aus dem supermarkt schleppten.
eingelegten kuchen gibt’s in polen auch, aber den haben wir uns nicht getraut zu kaufen.
in einem der stettiner museen hing auch ein instagram von wladiwostok (alexandre christiaens, 2011).
tiefkühlkost gibt’s in polen auch zur selbstbedienung.
die zweite staffel leftovers war unfassbar gut. ich glaube ich hab nie was besseres gesehen. aber bitte keine dritte staffel! #kurzkritik