ich will ja nicht negativ klingen, aber der monat oktober 2014 könnte als der monat in die geschichte eingehen, in dem offenbar wurde, dass die regierenden seit einigen jahren aufs grundgesetz und das recht scheissen, statt es zu achten:
Grundgesetz, Art. 20, (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
sascha lobo hat die fähigkeit in seiner kolumne auf fäkalworte zu verzichten. auch dafür bewundere ich ihn ein bisschen.
beste erklärbärenarbeit jemals, warum man sich nicht schämen sollte, sich jederzeit, auch beispielsweise in abseitigen facebook-kommentarsträngen, als feminist zu bezeichnen.
besseres kann dem image von google glass doch gar nicht passieren. die polizei in dubai wird dafür sorgen, dass google glass noch verhasster wird und noch schwachsinniger aussieht, als ohnehin schon.
in der aktuellen folge von the good wife spielt gloria steinem sich selbst. danach hab ich ein bisschen nach gloria steinem gegooglet und unter anderem diesen scan von einem artikel von 1963 gefunden, in dem sie über ihre „infiltration“ des playboy-clubs schreibt. les ich gerade. fernsehen bildet.
nicola twilley über die idee, nicht mehr essen zu müssen. viel quatsch, aber auch faszinierendes faktoide:
By examining European skulls, Brace found that the typical way in which human teeth fail to meet, with the upper set overlapping the lower set in an overbite, is a phenomenon that is actually only 250 years old in the West. That shift that correlates almost exactly with the widespread adoption of the table knife and fork. Before cutlery, Europeans would clamp their teeth together on large chunks of meat, in order to hack off pieces with a dagger - a style of eating Brace christened the 'stuff-and-cut'. Afterward, the cutting was done on the plate, and the overbite became common. By way of proof, Brace offers the Chinese, who had adopted chopsticks 900 years earlier - and whose overbite predates the European version by exactly the same amount of time.
das tolle an bacon ist ja einerseits, dass er geröstet so irre gut schmeckt und dass man ihn auf alles, wirklich alles, tun kann. in amerika habe ich sogar bacon auf einem doghnut gegessen — und fand es toll.
Bacon, in Joe Leathers’s opinion, is just too useful and tasty to die. “It's great in soup, sandwiches, salads, with eggs, you can wrap it around a roast or onions,” he says. “People just realized that. But I just wonder if people fully understand whether bacon is related to pork.” He ponders a moment. “I doubt it.”
Wo das falsche Zitat ursprünglich herkommt, lässt sich nur schwer nachvollziehen; einige Medien verweisen auf einen Artikel bei motorsport-magazin.com, andere auf „Spiegel Online“. Wie auch immer: Die „sensationelle Prognose von Jean Todt“ (Bunte.de), die jetzt durch die europäischen Medien geistert, hat es in Wahrheit gar nicht gegeben.
es wird bestimmt irgendwann mal wieder einen relativ normalen oder fehlerfreien journalismus geben.
wäre oettinger ein amerikanischer politiker, hätte er gesagt: wer so dumm ist mit bargeld zu reisen, kann doch nicht von uns erwarten, dass wir ihn schützen.
Wer eine digitale “Spiegel”-Ausgabe auf einen klassischen Rechner herunterlädt (in meinem Fall auf ein Macbook Air), kann zwar problemlos zum nächsten Artikel wechseln. Aber wehe, wenn er innerhalb einer mehrseitigen Geschichte weiterblättern will. Dafür gibt es nämlich kein sichtbar platziertes Icon. “Spiegel” lesen auf dem Notebook ist nichts für Grobmotoriker, weil das Umblättern am Touchpad hohes Fingerspitzengefühl erfordert. Die Titelgeschichte über Helmut Kohl läuft in der Digital-Version über 17 Seiten. Aber weil man die Digitalisierung ja immer auch als Chance begreifen muss, sagt man sich: 17 Seiten sind 16 Gelegenheiten, das Umblättern bis zur Perfektion zu lernen.
ich will ja nichts sagen, aber die navigation, bzw. das blättern in artikeln der desktop-webversion eines gekauften spiegels wirklich einfach: cursor-taste rechts blättert weiter, links zurück. scrollen und ziehen (dragging) funktioniert auch, inklusive animation. ich vermute in der mobilen-web-version ist das nicht anders.
eine gekaufte ausgabe lässt sich in der web-version auch als pdf-datei runterladen, was den spiegel dann auch auf jedem anderen gerät lesbar macht. und wenn man sich einmal beim spiegel erfolgreich registriert hat, ist auch der kauf ganzer ausgaben oder abos mit einem klick zwei klicks möglich.
wenn man will, kann man sogar ganze ausgaben des spiegel löschen. wenn helmut kohl das wüsste.
Wylde says there’s nothing natural about what’s required of male performers. “If your sole job is to have an erection and get it done quickly so that everyone can get home on time,” he said, “you need to be a machine” —or a medicated human. In that sense, performing in porn is like being a professional athlete, an occupation now widely linked with drug abuse. “Look at UFC, football, basketball. Look at weight lifting,” he says. “Nobody is natural. All of that is a result of steroids and performance enhancing drugs.” The truth, he says, is that without the help of ED drugs “you’re just going to be horrible at it—unless you’re a mutant.”
Noch einmal zum Mitdenken: Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt.
Man kann den Irrsinn kaum noch angemessen kommentieren.
das ist jetzt schon ein paar tage alt, hat aber das zeug zum klassiker zu werden. wenn wir in 40 jahren zurückblicken, werden wir uns wahrscheinlich fragen, warum wir den verlegern damals nicht geholfen haben, obwohl die hilferufe und suizid-anzeichen doch so deutlich zu erkennen waren.
echt? mit apples health kit kann man keine menstruationszyklen aufzeichnen? arbeiten bei apple keine frauen? andererseits kann man masturbationszyklen und penislänge ja auch nicht mit health kit aufzeichnen.
sehr erschütternd und doch wenig überraschend, dass in diesem sz-artikel beim thema abnicken von grundrechtsbrüchen die namen steinmeier, friedrich und deutsche telekom fallen:
Zu den Dingen, die der Ausschuss nun zu klären hat, gehört auch das Verhältnis zwischen Parlament und Regierung, die Frage, wie genau es die Regierung mit der Wahrheit nimmt. Nach den Snowden-Enthüllungen wurde viel über Frankfurt geraunt, und der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrich erklärte: "Wenn ein ausländischer Dienst den Internetknoten in Frankfurt anzapfen würde, wäre das eine Verletzung unserer Souveränitätsrechte." Kannte er Eikonal nicht?
der wichtgste filter hat in den letzten 20 jahren offenbar auch nicht funktioniert: inkompetente politiker aus spitzenpositionen wegfiltern -- funktioniert einfach nicht oder nur fehlerhaft.
thomas stadler bewertet „die berichterstattung“ der süddeutschen zeitung:
Die Berichterstattung der SZ belegt also, dass beim BND ein organisierter und systematischer Rechtsbruch stattfindet und dies mit Genehmigung der Bundesregierung und teilweiser Billigung des Parlaments. Der BND bewegt sich faktisch im rechtsfreien Raum und schreckt auch vor einem offensichtlichen Rechts- und Verfassungsbruch nicht zurück. Dieser Umstand muss dann allerdings in die Schlussfolgerung münden, dass wir es hier mit einer veritablen Verfassungskrise zu tun haben und das Grundrecht aus Art. 10 GG das Papier nicht mehr wert ist, auf dem das Grundgesetz einmal gedruckt worden ist. Heribert Prantl kommentiert das völlig zutreffend als den “Totalverlust eines Grundrechts".
The sound made by the Krakatoa volcanic eruption in 1883 was so loud it ruptured eardrums of people 40 miles away, travelled around the world four times, and was clearly heard 3,000 miles away.
Our breast milk, it turns out, is as polluted as our environment at large. Laboratory analysis of breast milk has detected paint thinners, dry-cleaning fluids, flame retardants, pesticides, and rocket fuel. “Most of these chemicals are found in microscopic amounts," the journalist Florence Williams notes, “but if human milk were sold at the local Piggly Wiggly, some stock would exceed federal food-safety levels for DDT residues and PCBs."
im prinzip sind wir so neurotisch und ängsterfüllt vom unsichtbaren, wie unsere vorfahren vor hunderten von jahren. unsere ängste nennen wir jetzt nur anders:
Fear of toxicity strikes me as an old anxiety with a new name. Where the word filth once suggested, with its moralist air, the evils of the flesh, the word toxic now condemns the chemical evils of our industrial world. This is not to say that concerns over environmental pollution are not justified--like filth theory, toxicity theory is anchored in legitimate dangers--but that the way we think about toxicity bears some resemblance to the way we once thought about filth. Both theories allow their subscribers to maintain a sense of control over their own health by pursuing personal purity. For the filth theorist, this means a retreat into the home, where heavy curtains and shutters might seal out the smell of the poor and their problems. Our version of this shuttering is now achieved through the purchase of purified water, air purifiers, and food produced with the promise of purity.
wunderbarer text, aus dem ich absatzweise zitieren wollen würde, der versucht uns wenigstens ein bisschen zu erden und uns unsere diversen aberglauben von „natürlichkeit“, „chemikalien“ und „giften“ zu nehmen.
gute überschrift und gute zusammenfassung von anna biselli zur befragung von EU digitalkommissar-kandidat günther oettinger. etwas meinungsfreudiger war christian stöcker auf spiegel.de.
The nonconsensual posting of my photos was a terrorizing invasion of privacy that altered my reality and irrevocably changed the way I live, think and write
jürgen geuter plädiert für vielfalt, genauer für die akzeptanz von vielfalt als stärke, als ein vorteil:
Wenn es eine zukunftsfähige Netzutopie geben kann und soll, so muss diese die Vielfalt als Stärke begreifen. Diskurs und auch Dissens nicht mehr als Schwäche und Störung auffassen sondern als Wert. Als Werkzeug.
in letzter zeit habe ich hin und wieder leute öffentlich kritisiert. nicht weil mir die leute nicht passen, sondern weil ich das was sie öffentlich (nicht selten mit grossen trommelwirbeln) sagten oder zeigten kritikwürdig fand. die reaktionen dieser leute fanden in fast jedem fall auch nicht-öffentlich statt. ich finde das immer etwas schade, weil ich finde, dass streit über dinge die sich öffentlich abspielen (nicht immer, aber auch) in die öffentlichkeit gehört. so wie eben auch parlamentsdebatten öffentlich sind, oder genauerer sein sollten: es würde dem parlament gut tun, wenn uneinigkeit und dissens eher dort ausgetragen und in eine balance gebracht werden, als in hintergrundgesprächen und nebenzimmern.
wenn wir vielfalt und uneinigkeit nicht ständig üben und kultivieren, erscheint uns einigkeit und gleichförmigkeit als einzige lösung.
Seit Spotify in Deutschland auf dem Markt ist, zahle ich jeden Monat knapp zehn Euro für Musik. Das sind 120 Euro im Jahr. Vielleicht etwa die gleiche Summe habe ich in den letzten zehn (!) Jahren für CDs ausgegeben. Plus eventuell etwas mehr bei iTunes. Aber erst Spotify hat mich dazu gebracht, Musik im Abo zu beziehen.
in ihrer kolumne vom 27.09.2014 schreiben sie über eine von ihnen beobachtete kostenloskultur und öffnen den text mit den worten: „dafür würde ich sogar …
weiterlesen mit wirres.net-plus: zahlen sie einmalig nur 12 euro (informationen dazu kostenlos per email) und lesen sie diesen offenen brief so oft sie wollen und wo sie wollen.
gestern den akku meines knapp drei jahre alten, an die beifahrein weitergereichten, iphone 4s getauscht. den akku hab ich bei ifixit gekauft, die akkus, bzw. deren bewertungen waren mir bei amazon.de zu obskur, auch wenn sie dort billiger waren. die lieferung bei ifixit ist super-schnell und zuverlässig, doofer weise habe ich zuerst einen iphone-4 statt 4s-akku bestellt. so hat die bestellung dann eben doppelt so lange gebraucht.
die austauschanleitung auf ifixit ist zwar verständlich, aber auch total verharmlosend. dort steht, dass der schwierigkeitsgrad des austausches „medium“ sei, in echt habe ich aber bei der montage so geschwitzt wie der sixtus beim marathon.
das gehäuse öffnen: kein problem. zwei schrauben des akku-anschluss lösen: auch kein problem, vor allem dank der magnetisierten schraubenzieher von ifixit. den festgeklebten akku lösen? ein horror.
das schlimmste war aber der anschliessende zusammenbau. drücke ich den akku-anschluss einfach wieder auf die vorgesehene stelle auf der platine? wie viel druck darf ich aufwenden ohne etwas zu beschädigen? wie bekomme ich den kitzekleinen, losen erdungskontakt wieder an die richtige stelle ohne ihn anzufassen?
beim zweiten versuch katapultierte ich die 1.5 millimeter kreuzschlitzschraube in hohem bogen aus dem iphone, an meinem kopf vorbei, auf den dielenboden. man muss dazu wissen, dass 1,5-millimeter-schrauben in etwa die grösse eines staubkorns haben. trotzdem hörte ich den aufprall der schraube und wusste ungefähr wo ich anfangen könnte die schraube zu suchen. ich überlegte schon wie ich es der beifahrerin erklären würde, dass sie ihr telefon jetzt ein paar tage nicht benutzen könnte, als ich das staubkorn die schraube dann, wie durch ein wunder, wiederfand.
beim dritten oder vierten versuch schaffte ich dann alles wieder zusammenzusetzen, rechnete aber fest damit, dass das telefon danach nicht mehr funktionieren würde. ging aber und geht noch. mach ich aber nie wieder. das ist nichts für meine nerven.
markus günther polemisiert sehr lesenswert über die „liebe“:
Wer darauf hinweist, dass Liebe eigentlich etwas ganz anderes ist als die schrille, immer leicht überdrehte Liebe unserer Populärkultur, wer von caritas et amor spricht oder gar von Nächstenliebe, steht als Moralapostel und Wichtigtuer da. Oder er wird mit der Gretchenfrage der Moderne konfrontiert: „Glauben Sie etwa nicht an die große Liebe?“ Es ist also doch eine Glaubensfrage.
hört sich furchtbar pathetisch an, war aber eins der prägenden bücher meiner jugend und das erste annehmbare referat meiner schullaufbahn (an der amerikanischen highschool): die kunst des liebens von erich fromm.
/in den kommentaren zu des nufs „dating“-artikel (wieder-) gefunden (der auch sehr lesenswert ist).
De Correspondent ist ein reine Onlinemedium, aber es gibt da keine Fotostrecken, keine Liveticker, keine in sozialen Netzwerken zusammengeklaubten Witzchen a la „so lacht das Netz“. Stattdessen: Ausgeruhte Essays und Analysen zu aktuellen Themen die erklären statt ständig aktualisierter Texte, die Zeitgeschichte zu einer Live-Nachrichten-Soap dramatisieren.
ich habe lange über diesen artikel nachgedacht und versuche weiter unten auch, so weit wie mir möglich ist, zu differenzieren. in aller kürze möchte ich aber vorausschicken, dass ich das verhalten von teilen der deutschen blogosphäre, für die ich einst durchaus sympathie aufbringen konnte, extrem zum kotzen finde.
ich tendiere ja durchaus dazu, mich über bestimmte dinge sehr aufzuregen. dabei kommt oft etwas heraus, was andere als unangenehmes „öffentliches bashing“ wahrnehmen. wenn ich dann länger über dinge, über die ich mich aufgeregt habe, nachdenke, stellt sich oft heraus, dass ich zusammenhänge missverstehe, falsch interpretiere, absichten hineinprojeziere oder mich angesprochen fühle, obwohl ich nicht mal ansatzweise gemeint war. distanz ist bei dingen über die man sich aufregt immer von vorteil, aber eben in der aufregung nicht immer möglich. wenn man die perspektive wechselt, sehen viele dinge auch anders aus als aus den eigenen augen und manchmal löst sich die aufregung dann auch einfach in luft auf. ich bin noch nicht sicher, wie ich bei dem, was ich hier beschreibe, schaffen werde distanz aufzubauen.
in dieser woche habe ich mich über mathias winks (auch als mcwinkel bekannt) aufgeregt. auf facebook. mathias hatte das pech, dass sein artikel, in dem er private und intime bilder prominenter frauen veröffentlichte, der erste war den ich sah. es gab und gibt, wie ich später bemerkte, noch einige mehr.
diese bilder wurden ursprünglich, mit einiger krimineller energie, aus den icloud-konten verschiedener frauen gestohlen und an diversen stellen im internet veröffentlicht. im internet herrschte ungewöhnliche einhelligkeit darüber, dass diese bilder nicht gezeigt werden sollten. sie tauchten nicht in mainstream-medien auf, selbst die einschlägigen gossip- und schadenfreude-seiten hielten sich zurück, wohl auch, weil einige vertreter der betroffenen frauen eine kompromisslose juristische verfolgung von medien ankündigten, die diese bilder veröffentlichten.
die hintergründe dieser „leaks¹“ und warum die veröffentlichung dieser privaten bilder eine schweinerei ist, hat vor ein paar wochen jürgen geuter sehr schlüssig erklärt:
Das Verbrechen der Accountcracker mit Urheberrecht oder anderen datenverwandten rechtlichen Konstrukten zu bewerten ignoriert völlig den Schaden an der Person, der hier ganz bewußt wenn nicht intendiert, dann doch böswillig in Kauf genommen wurde. Die Daten lagen hinter diversen Sicherheitsschranken und waren offensichtlich nicht für die Öffentlichkeit oder einen Teil dieser vorgesehen. Alle diese Schranken, alle diese expliziten „Neins“ wurden ignoriert. Das Verbrechen, mit dem man diese „Hacks“ vergleichen kann ist die Körperverletzung und - in diesem Falle in dem es um Nacktbilder ging - der sexuelle Übergriff.
warum veröffentlichte mathias winks nun diese bilder, die nicht nur nach jürgen geuters meinung einen sexuellen übergriff darstellen und die privatshäre dieser frauen verletzen?
weil irgendwelche leute in den bildern rumgekritzelt haben und das gekritzel zu kunst erklärt haben. mathias winks begründet die zurschaustellung der bilder auf seinem blog wie folgt (ich verlinke die quelle nicht):
Das Fappening wird ganz sicher nicht an Euch vorbeigegangen sein, hier [link entfernt] hatte ich bereits drüber gesprochen. Seit ein paar Tagen gibt es nun einen Grund, das Internet noch mehr zu lieben: unterschiedliche Künstler haben die Celebrity Nacktpics jetzt nicht nur entschärft, sie haben Kunstwerke aus ihnen gemacht und sammeln diese im Unfappening-tumblr. Wer die Original-Bilder bis jetzt noch nicht gesehen hat, der sollte auch nicht weiter recherchieren – das hier ist wayyyyy better:
The fappening happened. We can’t change that. But we can cover it up. It’s the least we can do. Here we show the works of artists who did so.
(mir hat man in köln mal mein auto aufgebrochen und meine damaligen habseligkeiten in der umgebung drapiert: auf bäume und in maschendrahtzäune gehängt. mathias winks hätte die kleinen kunst-installationen der kölner sicher geliebt und das viel, viel besser gefunden als wenn die typen meine klamotten einfach selbst benutzt hätten.)
rené walter erklärt auf seinem blog ähnlich euphorisch wie grossartig geklaute und verletzende dinge sein können, wenn irgendjemand das wort „kunst“ benutzt (ich verlinke die zitatquelle hier auch nicht):
Illustratoren malen auf den geleakten Nackedeibildern rum. Großartig! Und ich finde, es sollte viel mehr bunt angemalte Hacks geben. Wenn bei dem ganzen Drama am Ende dann noch Kunst bei rauskommt, dann hatte das ganze immerhin irgendwas gutes.
The fappening happened. We can’t change that. But we can cover it up. It’s the least we can do. Here we show the works of artists who did so.
es ist also die kunst, die es diesen (und vielen anderen) bloggern und wahrscheinlich auch anderen medien jetzt (vermeintlich) ermöglicht intime und private bilder prominenter frauen zu zeigen, weiterzuverbreiten und jovial zu kommentieren?
ich habe eine ganze weile gebraucht um zu begreifen, dass mathias winks und rené walter glauben könnten, sie täten hier etwas gutes. in meiner anfänglichen wut, die ich ins facebook kippte, unterstellte ich mathias winks mangelnden anstand und fehlende empathie gegenüber den opfern der sexuellen übergriffe. dass ein mensch, der noch bei allen sinnen ist, glauben könnte, dass übermalte, aufgehübschte, „entschärfte“ intime und private bilder jetzt nicht mehr die würde oder die privatshäre der prominenten frauen verletzen würde, hielt ich nicht für möglich.
nach ein paar tagen des nachdenkens, halte ich es tatsächlich für möglich, dass manche blogger glauben, dass ein paar pinselstriche aus etwas verletzendem, übergriffigen und für die betreffenden extrem unangenehmen etwas schönes, angenehmes und wohliges machen könnten. aus meiner sicht ist diese haltung zwar vollkommen merkbefreitheit, aber immerhin ist das eine mögliche erklärung.
Nun werden unter dem Schlagwort „unfappening“ von Künstlern veränderte Versionen dieser Bilder verbreitet: Über die nackten Körper der Frauen sind amateurhaft Kleidungsstücke gepinselt. Ich halte die Veröffentlichung dieser veränderten Bilder für ähnlich widerlich, wie die Publikation der Originalversionen.
Denn natürlich wird die nackte Version immer mitgedacht. Man profitiert so also noch ein weiteres mal vom Leid der Opfer des Übergriffes und jazzt seine Clickzahlen hoch. Des Weiteren sind die Bilder immer noch nicht – auch nicht in ihrer veränderten Form – von den Frauen zur Publikation freigegeben. Sie werden also weiterhin als Objekt behandelt, ohne Agency und Rechte.
er findet die veröffentlichung der bilder „widerlich“ — wie ich finde, zu recht.
der blogger perez hilton hat vor jahren einiges an berühmtheit mit seinem gossip-blog erreicht. er nutzte auf seinem blog ausgiebig paparazzi-bilder und kritzelte kommentare hinein, um mit diesem kniff lizenzzahlungen aus dem weg zu gehen: er erklärte die mit seinen kritzeleien versehenen bilder einfach zu kunst. nach dieser logik könnte man jetzt auch snuff-filme oder bilder mit extremer gewaltdarstellung zeigen, wenn man sie nur ein bisschen „entschärft“ oder smilies reinmalt. man könnte fotos von obduktionen oder unfallopfern zeigen, wenn man ein paar blümchen reinphotoshoppt. boulevardmedien könnten die gestohlene krankenakte von michael schumacher zeigen, wenn vorher ein illustrator ein paar ornamente aufs papier zaubert. man könnte die fotos von flugzeugabsturzopfern aus facebook zusammenklauben, ein bisschen „illustrieren“ und dann einen artikel mit diesen fotos in sein blog packen und zum beispiel so anteasern:
Illustratoren malen auf den Facebookprofilbildern der Absturzopfer von Air France Flug 447 rum. Großartig! Es sollte sowieso und überhaupt viel mehr bunt angemalte Opferbilder geben. Wenn bei dem ganzen Drama am Ende dann noch Kunst bei rauskommt, dann hatte das ganze immerhin irgendwas gutes.
das leid der opfer und die würde der abgebildeten haben sich nach dieser logik der kunst unterzuordnen. das dachte sich vor einer weile auch ein amerikanischer wurzelsepp, der kurz nach dem #celebleak ankündigte, eine ausstellung der entwendeten nacktbilder zu organiseren. das wurde mitllerweile wieder abgeblasen, zeigt aber die haltung die hinter einem solchen kunstverständnis steckt: kunst als gelebte rücksichtslosigkeit und selbstdarstellungszwang auf kosten anderer.
oder anders gesagt: , die vor allem durch hemmungslosigkeit, eine ausgeprägte egalhaltung, sensationsgier und me2-viral-wellen-reiten besticht. oder um das milder auszudrücken, die angst eine virale welle zu verpassen — und damit besucher- und werbeumsatzrückgänge zu verkraften — scheint bei einigen bloggern die fähigkeit nachzudenken beschädigt zu haben — und ihnen die gleichen beruflich bedingten haltungsdeformationen wie boulevardjournalisten zugefügt zu haben.
ich weiss nicht ob dieser artikel jetzt wirklich differenziert geworden ist. wahrscheinlich eher nicht. ich könnte den bloggern, die die #unfappening-bilder veröffentlicht haben, auch, statt profitgier und aufmerksamkeitssucht, guten willen unterstellen. mir gelingt es aber einfach nicht zu verstehen, wie man bilder zeigen kann, die die darauf abgebildeten nicht veröffentlicht sehen wollen. mir gelingt es auch nicht das mit verschiedenen „schamgrenzen“ zu erklären, da es bei der intimshäre von menschen nicht ausschliesslich um primäre oder sekundäre geschlechtsmerkmale geht. ich verstehe einfach nicht, warum eine übermalte persönlichkeitsrechtsverletzung besser als das original sein soll — oder warum das „großartig!“ sein soll. aber vielleicht kann mir das ja jemand erklären.
1) wer das wort „leaks“ für diese angriffe benutzt müsste über sein gestohlenes fahrrad eigentlich auch als geleakten besitz reden.
[nachtrag 28.09.2014, kurz vor eins] sascha lobo findet meine vermutung, dass das „arschige“ verhalten von einigen bloggern mit der professionalisierung zu tun haben könnte abwegig. möglicherweise hat er da recht, unter anderem weil er leider meisten recht hat, wenn wir verschiedener meinung sind. unter anderem sagt er:
Die Professionalisierung macht niemandem zum Arsch, der nicht schon vorher einer war. Sie macht es bloß einfacher sichtbar.
dass man bei der professionalisierung genaugenommen differenzieren muss, nämlich einerseits dass man als profi jemanden bezeichnet der besonders gute arbeit liefert und andereseits auch jemanden bezeichnet, der von seiner arbeit lebt, darauf weist christoph boecken im gleichen strang hin.
ob mein artikel aber besser mit „schrankenlose aufmerksamkeitsgier führt möglicherweise zu haltungsschäden und merkbefreiung“ — darüber schlafe ich jetzt nochmal eine nacht.
[nachtrag 12.10.2014] heute nacht hat mir mathias winks auf facebook eine nachricht geschickt, in der er mir mitteilte, dass er den artikel zum „unfappening“ „rausgenommen“ hätte.
wahnsinnig langer und grässlicher artikel über den absturz des air france flug 447 2009. der artikel hilft aber nicht nur dabei die flugangst zu erhöhen, sondern auch dabei, etwas darüber erfahren wie wir menschen so ticken und wie zentral funktionierende kommunikation für unser überleben ist: „The gist of it was that teamwork matters far more than individual piloting skill.“
peter bürger plädiert polemisiert für pazifismus:
Hunger, Ebola oder Genozid bekämpfen, den Dialog der Kulturen, Weltanschauungen, Religionen und Konfessionen in Gang setzen, Gewalt vorbeugend verhindern, Konflikte schlichten bzw. mildern, Kooperationen zugunsten zukünftiger Generationen anbahnen oder irgendein bedeutsames Problem der menschlichen Zivilisation lösen, das alles kann der Krieg mit seinen Beherrschungswissenschaften nicht und das alles wollen die mächtigsten Akteure, soweit ihre eigenen Interessen unberührt bleiben, auch nicht.
Diese Feststellung basiert nicht auf einem moralischen Urteil, sondern auf Empirie.
der artikel ist nicht schlecht, aber auch nicht überragend. und natürlich gibt es beim thema krieg oder bei fragen um den einsatz des militärs viele fragen und wenig alternative denkmodelle, aber vor allem — und dieses wort fehlt mir in peter bürgers artikel — viel zu wenig zweifel.
filme und serien die den bechdel-test bestehen neigen dazu auch andere stereotypen zu umschiffen und insgesamt erfreulicher für den zuschauer zu sein. zeigt zumindest meine erfahrung beim bingen.
Datenhandel aus reinem Gewinninteresse ist schlimmer als staatliche Totalüberwachung. Das ist nicht mehr bigott, das ist schon trigott.
ralf stegner, ein schleswig holsteinischer SPD spitzenpoliker, verreisst das neue buch der ehemaligen schleswig holsteinischen SPD lokalpolitikerin susanne gaschke. wahrscheinlich sehr zu recht:
Die „Clintons von der Förde“, wie Susanne Gaschke unter Berufung auf Journalistenkollegen und nur scheinbar selbstironisch sich und ihren Mann, den SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels, nennt, seien für die eher mittelmäßigen Repräsentanten der Landespolitik eine große Bedrohung gewesen. Deshalb, so mutmaßt Gaschke, hätten diese alles unternommen, um eine vom Volk direkt gewählte Oberbürgermeisterin scheitern zu lassen. Dieses „direkt gewählt“ betont Gaschke mehrmals. Dabei beklagt sie die Mängel der Kommunalverfassung, weil die ebenfalls eher mäßig begabten Mitglieder der Kieler Ratsversammlung allzu viel mitzureden hätten. Damit würden die Wirkungsmöglichkeiten einer durch direkte Volkswahl legitimierten Oberbürgermeisterin ungerechtfertigterweise beschränkt.
ende oktober wird die liste sicherlich um einen weiteren grässlichen fehler erweiterert: türkisfarbene ordner im finder von os x yosemite.
At the moment, Ello is a free, closed-source social network, with no export tools or an API, fueled by venture capital and a loose plan for paid premium features. I think it's fair to be skeptical.
Ich habe zig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interviewt. Nie hat von denen eine Wert darauf gelegt, „Professor“ oder „Doktor“ genannt zu werden. Einige haben sogar ausdrücklich darauf bestanden, dass ich sie nicht so nenne. Auf eine Nennung legen immer nur die Leute wert, die alles andere machen, als wissenschaftlich zu arbeiten. Ich kann solche Menschen nicht ernst nehmen.
meine worte. leute die auf der nennung ihres titels bestehen wirken auf mich fast ausnahmslos wie poser. ein paar schöne weitere gedanken findet man in den kommentaren bei holgi.
wie immer, alles richtig was seth godin hier sagt:
In the long run, though, the smart producer wins, because the consumer comes to forget how to produce. As producers consolidate (and they often do) they are the ones who ultimately set the agenda.
deshalb: lasst uns nicht vergessen wie man sachen selbst macht. vor allem wichtige dinge wie essen, vernetzung oder werkzeuge instandhalten.
bei real gibts gerade fertiges „pulled pork“ in der kühltheke. von diesem hersteller, für 5 euro. weil wir das gelöste schweineflisch in unserem amerika-urlaub mehrfach gegessen haben (einmal fix und fertig mit bbq-sosse vom trader joes, einmal bei subway und einmal fix und fertig ohne bbq-sosse bei freunden), wurde ich im real kurz sentimental und kaufte die packung. das stück soll 30 minuten im ofen schmoren und während es da so schmorte, habe ich eine bbq-sosse gebaut, ungefähr nach diesem rezept. meine barbeque-sosse ging so:
50 gramm tomatenmark
50 gramm tomatensaft (ausgesiebte dosen-pizza-tomaten von aldi, kann auch gerne etwas mehr sein)
30 gramm dunkler balsamico essig
30 gramm brauner rohrzucker
10 gramm honig
1 teelöffel salz
1 gehäufter teelöffel flying goose sriracha hot chili sauce mit knoblauch
am einfachsten ist es einen kleinen kochtopf auf eine küchenwaage zu stellen und alles einzufüllen, gut durchzurühren und danach die sosse 5 bis 10 minuten aufzuwärmen (kleine flamme, gut rühren). die 30 minuten köcheln im originalrezept halte ich für überflüssig.
die flying goose sriracha hot chili sauce mit knoblauch (hellbrauner deckel) ist übrigens die beste sriracha sosse der welt. die flying goose marke gibt’s zwar in unserem lieblings asia shop, aber die mit knoblauch haben wir die bisher nur beim türken gefunden. dort kostet sie um die 3 euro. bei amazon 8. das zeug ist aber wirklich toll. wir scherzen mittlerweile bei fast jedem essen: we put that shit on everything.
die bbq-sosse war super, zum pulled pork gab’s brot und bohnen und ein bisschen dosenmais. keine klagen, keine bilder (war zu lecker zum fotografieren).
+++Endlich+++ Das vereinfachte Formular für alle, die "ja keine Nazis sind, aber man wird ja wohl noch sagen dürfen". pic.twitter.com/fdG5EwGALT
When Jim Henson died in 1990, Disney Imagineers sent this drawing of Mickey consoling Kermit to his mourning company. pic.twitter.com/uNemlAskpt
Sätze, die mich sprachlos machen. „Die Haut von den Bratwürsten entfernen und in die Form eines Schnitzels bringen.“ chefkoch.de/rezepte/224459...
ein magazin mit einer frau die offenbar gerade geschlechtsverkehr hat (oder sich den nacken wäscht) auf dem titelblatt. das magazin sagt von sich selbst:
BLOCK ist ein magazin für alles.
Wir trauen unseren Lesern einiges zu; dass sie intelligent sind, neugierig und flexibel und vielleicht sogar, dass sie unsere Finanzierung möglich machen.
ich weiss nicht, ob ich intelligent genug bin ein magazin zu kaufen, das wie jedes andere null-acht-fünfzehn-heft (oder billige deo-werbung) versucht mit nackten frauen aufmerksamkeit zu erregen. genau diese ausgelullte strategie sagt mir eigentlich, dass die macher des magazins mich eben genau nicht meinen kopf ansprechen wollen, sondern meinen unterleib. nackte titelfrauen sind für mich mittlerweile ein klares zeichen von kreativer kapitulation.
im facebook von alexander von streit gefunden, wo sich auch die herausgeberin des block-magazins (theresia enzensberger) zu ihren „graphischen Konzept“ äussert.
[nachtrag] auf twitter entspannte sich eine kleine diskussion über das titelbild des aktuellen block magazins. wolfram steckbeck findet es sexistisch . rico grimm fragt ironisch ob rubens , picasso, goya oder newton auch sexistisch seien. ich kann die frage nicht beantworten, aber ich frage mich, ob wir das frauenbild, das aus von männern kreierter kunst des frühes 17. jahrhundert, des späten 19ten jahrhundert, der 30er oder 70er jahre spricht, als beispiel für die abwesenheit von sexismus nehmen sollten. picasso hat frauen nicht besonders gut behandelt, wenn man seinen biographen oder seinen geliebten glauben darf. aber dass picasso mit hoher wahrscheinlichkeit ein ziemliches arschloch war oder ob man in kunst sexismus erkennen kann (oder überhaupt danach suchen sollte) frage ich mich aber eigentlich auch gar nicht.
ich frage mich: was will uns das block magazin mit dem titelblatt eigentlich sagen?
die herausgeberin theresia enzensberger sagt:
Die Idee hinter unserem grafischen Konzept ist unter anderem, dass Visuelles nicht nur zur Illustrierung dienen muss, sondern dass Kunst auch mal alleine stehen kann. Das Bild stammt aus einer Fotostrecke eines jungen Fotografen, die im Heft abgedruckt wird […]
die nackte auf dem titel ist also kunst und soll für sich alleine stehen. ich glaube das funktioniert nicht. genauso wie eine nackte in einem spind oder auf einer seite zwei sich nicht von ihrem kontext lösen kann, kann sich sich eine nackte auf dem titelblatt eines magazins nicht ohne weiteres vom magazin-kontext lösen (ein magazin ist kein museum, kein weisser raum).
nackte auf dem titel fördern den verkauf von magazinen (angeblich) seit jahrzehnten. das kann man gut finden, doof finden, als marktgegeben hinnehmen oder mit diesem motiv spielen, es brechen, uminterpretieren, karikieren — was auch immer.
aber auf dem block-magazin-#2-titel passiert nichts dergleichen. das titelbild liefert aus sich heraus keinen kontext, keine position, keine geschichte. man sieht, was man tausend anderen magazin-titeln auch sieht: eine schöne nackte frau in einer ansprechenden komposition. und wie bei tausend anderen titelbildern erkennt man keinen sinn darin, dass die frau nackt ist. es könnte bedeuten dass im heft noch mehr aufnahmen von nackten zu finden sind, es könnte eine sponsoringkampagne eines nassrasiererherstellers sein, es könnte bedeuten dass der bildredaktion das bild irgendwie gefallen hat oder dass man keinen mut für ein ungewohntes oder irritierendes titelbild hatte oder einfach gefallen an schön anzusehenden stereotypen motiven findet (und die dann als kunst zu verkaufen versucht).
@diplix Als Teil einer Fotostrecke, als wunderbare Komposition, als neue Interpretation des klassischen Aktes, als... undsoweiter
hmm. so könnte man natürlich auch den pirelli-kalender oder den victoria-secret-katalog beschreiben. und ix mir hätte schon etwas früher denken können, dass ich als zielgruppe für das block-magazin nicht mal ansatzweise in frage komme.
vielleicht ist es auch zeit dafür, dass die brandeins mal wieder scheitert. sich radikal neu denkt, neu erfindet. von bequemlichkeit, selbstverliebtheit und arroganz befreit. und wieder mehr fragen stellt, als antworten zu geben
ich weiss zwar nicht ob ein strategisches investment in die brandeins unbedingt etwas gutes ist oder der brandeins die letzten lebensfunken raubt, aber zumindest könnte so eine geld- und klugscheisser-spritze den alten kampfgeist der brandeins wieder wecken.
schöne analyse von mark wachholz, warum es deutsche fernseh-produktionen schwer haben und weiterhin schwer haben werden. /über facebookhier gefunden
weise worte von peter glaser. unglück kommt aus ordnung. das gilt übrigens auch im politischen sinn:
Die eigentliche Gefahr kommt aus der Ordnung. Feststellen kann man das beispielsweise, wenn man gerade renoviert hat. Alles ist frisch und vollkommen, die Wandfarbe leuchtet, das Parkett schimmert, das Tischtuch ergibt sich faltenlos seiner Funktion. Das einzige, was noch stört, ist man selbst. Ich bin in dem Stzenario ein vor potentieller Unordnung dräuendes Potential. Die Idee der Vollendung ist eine grosse Falle und in solchen Momenten schnappt sie zu. Man denkt, dass man glücklich sein würde mit der schönen neuen Wohnung, aber sie macht einen fertig. Sie macht eineml klar, dass man stört.
kai biermann stellt fest, dass apple davon ausgeht, dass niemand die itunes AGB liest. wer sie trotzdem mal lesen will, kann das hier machen: auf englisch oder auf deutsch. CNN hat vor drei jahren mal gefragt, was da denn eigentlich drinsteht und warum das nicht kürzer geht. kurz gesagt: es hat juristische gründe, aber vor allem sind vertragspartner von apple und die angst verklagt zu werden schuld.
dass es auch kürzer geht, zeigt apple derzeit bei den datenschutz-hinweisen. zumindest auf englisch, da wendet sich tim cook direkt an die benutzer. das ist zwar kürzer, aber auch marketingsprachenhaltiger. die richtigen datenschutzhinweise sind dann aber wieder gewohnt unlesbar: englisch, deutsch.
aber ganz abgesehen davon, egal ob lang oder kurz, ob super verständlich oder in juristensprache. niemand liest irgendwas. das weiss jeder der im support arbeitet mit menschen zu tun hat.
(zum thema datenschutz: mike masnick ist sehr begeistert, dass es jetzt einen wettbewerb um die besten eingebauten datenschutz-technologien gibt.)
mich interessieren 80% der produkte von apple nicht. ich habe nie einen ipod besessen, ich verstehe warum leute das macbook air haben wollen, will aber keins, einen desktop mac will ich auch nicht, ipads sind toll, aber ich muss keins haben. so wird es wohl auch in den nächsten jahren bei der apple uhr aussehen: interessant, hat potenzial, verkauft sich wahrscheinlich wie kürbisgewürzmilchkaffee, interessiert mich aber nicht.
das geniale an apple ist allerdings, dass sie keinen wert auf die meinung von leuten wie mir legen. sie bauen dinge die extrem hohe qualität haben und die grosse begehrlichkeiten wecken. wie das bei der apple watch funktionieren könnte, hat john gruber mal wieder brilliant herausgearbeitet. /via
an diesem text kann man übrigens auch sehen, warum es so wenig gute technikjournalisten (oder blogger) gibt. es reicht nämlich nicht sich gut mit den produkten über die man schreibt auszukennen, gut vernetzt zu sein oder einen flotten schreibstil zu haben, das wichtigste ist und bleibt die fähigkeit nachzudenken und
eins und eins addieren zu können293847 durch 4348 dividieren zu können.
diese ganzen hitler-geschichten, die ja glaube ich auch mit einer grossen regelmässigkeit im spiegel stehen, dem sturmgeschütz der demokratie, sollten uns eigentlich immer eindringlich daran erinnern, dass krieg keine lösung ist, oder wie helmut schmidt sagt, scheisse ist. ich glaube wir vergessen das aber mehr und mehr. das sollten wir aber nie vergessen.
Sturmgeschütze sind mit einer Kanone bestückte Vollketten-Panzerfahrzeuge der Sturmartillerie. Sie wurden in den 1930er Jahren in Deutschland als Unterstützungswaffe der Infanterie entwickelt und im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. [...] Um seine Hauptaufgabe - das Niederkämpfen von aus der Entfernung nur schwer wahrnehmbaren gegnerischen Stellungen - erfüllen zu können, musste sich das Sturmgeschütz der gegnerischen Hauptkampflinie nähern, der Kommandant musste Widerstandsnester aufgrund eigener Beobachtung orten und diese im Direkten Richten bekämpfen.
wer sagt ich hätte recht, bekommt natürlich gleich einen zurück-link von mir spendiert. aber vor allem verlinke ich diese schöne linksammlung, weil dadrin eine olle DDR-polizei-reportage auf youtube eingebettet ist. oder wegen des links auf nilzenburgers vorruf auf boris becker. oder ... ach, klickt doch einfach selber.
auf der verlinkten seite ist ein youtube-film über einen überdimensionierten wohn-bunker eines millionärs zu sehen. hier sind ein paar flickr bilder des bunkers (2, 3, 4, 5, 6). ich stelle dazu fest: der besitz von sehr viel geld, garantiert keinesfalls guten geschmack. im gegenteil.
... fällt johannes kretzschmar „kein guter Titel mit Stuhlgang-Wortwitz ein“. mir auch nicht. nur einzelne worte wie stuhlgang, darmstuhl, verdaustuhl, intestuhl.