das beste an diesem artikel von anke domscheit berg ist die überschrift. der rest ist, vorsichtig formuliert, enttäuschend. ein untrügliches warnzeichen für mangelhafte textqualität, ist der gebrauch von mehr als einem satzzeichen hintereinander, dem sogenannten deppenausrufezeichen.
wenn anke domscheit berg dann aber die zivilgesellschaft als zu doof für die rettung der demokratie erklärt („[Diese Wahrheit] nicht ausreichend verstanden“) und ausgerechnet meint, dass die sendung von markus lanz „eine gute Gelegenheit für diese Art von Aufklärung“ sei, dann ist auch meine vorletzte hoffnung zerplatzt, dass sich in der piratenpartei auch kluge köpfe finden lassen.
daniel köhler spricht mit christopher lauer, in einem uslarisch angehauchten, kommentiertem interview. hab ich gerne gelesen und wieder mal ein bisschen verständnis für jemanden gewonnen, der mich in der regel von vorne bis hinten verstört. möglicherweise ist das interview von christopher lauer mit holger klein in dieser hinsicht noch aufschlussreicher, aber nachdem ich 22 vielversprechende minuten dort reingehört habe, hatte ich keine gelegenheit mehr, mir die restliche stunde anzuzuhören.
wo ich aber daniel köhler widersprechen muss: lauer ist kein pfau. wenn ich christopher lauer mit einem tier vergleichen müsste, wäre er zoo-pavian. auf dem affenfelsen fühlt er sich nicht unwohl, ist sich aber durchaus bewusst, dass jede bewegung von ihm von gaffern beobachtet wird. er weiss, dass er hin und wieder mit nüssen oder apfelstückchen geworfen wird. er weiss auch, dass er dem publikum, aber auch den anderen pavianen, zeigen muss, dass er alpha ist. deshalb startet er alle 10 bis 20 minuten laut schreiend und rennend scheinangriffe auf andere affen und alphas. vor allem aber ist sich lauer neben all dem imponiergehabe nicht zu schade dafür, sich auch mal zum affen zu machen.
reinhard breidenbach von der mainzer allgemeine zeitung räumt erstmals ein, zitate von michael hartmann gefälscht zu haben.
sollte im vorhergehenden satz der anschein entstanden sein, dass reinhard breidenbach gesagt habe, er sei ein zitatefälscher, bedauere ich das. denn mit reinhard breidenbach habe ich weder geredet, noch hat er gleichlautendes selbst geäussert. ich habe mir den satz einfach aus dem arsch gezogen.
wolfgang michal zeigt, dass der BND schon immer das ziehkind der US-geheimdienste war:
Die deutsch-amerikanische Geheimdienst-Kooperation existiert seit fast 70 Jahren. Ohne diese „Kooperation“ gäbe es den BND gar nicht. Denn der BND ist das Zieh- und Hätschelkind der US-Army und später der CIA gewesen. Sinnigerweise lautete der interne CIA-Deckname „DAD“, zu deutsch: Papi.
das kann man möglicherweise auch bald auf heftig.co, mit einer hochgejazzten überschrift, sehen. ich fand das video von zwei damen, die das strandzelt und die strandstühle von irgendwem zu klauen versuchen, einfach witzig. auch wenn das ende etwas überraschend ist.
lucky strike hat das moderne äquivalent zur marlboro-werbung erfunden. so wie niemand kaum jemand der marlboro raucht, auf einem pferd durch den amerikanischen westen reitet, wird niemand kaum jemand der luky strike raucht, facebook nicht benutzen. aber die vorstellung das leben zu geniessen, so wie ein cowboy seine pausen oder seinen feierabend geniesst, schien für sehr, sehr viele menschen sehr attraktiv zu sein. genauso ist die vorstellung für sehr, sehr viele menschen sehr attraktiv attraktiv zu sein scheint, mal dem alltagsrauschen, dem geschnatter des netzes zu entfliehen — auch wenn das de-fakto kaum jemand jemals macht.
Aber meine Vermutung ist auch schon lange, dass ein hoher Frauenanteil in Führungskreisen genau nicht dazu führt, dass Frauen und das, was sie tun, in den Fokus rücken, dass Frauen und ihre Initiativen und Perspektiven mehr wahrgenommen werden als anderswo. Sondern dass vielleicht gerade im Gegenteil diese Frauen aus einem vermutlich nicht wirklich bewussten, sondern unterschwelligen Anpassungsgestus heraus vermeiden möchten, zu sehr “Frauenkram" zu machen.
Schirrmacher war das konsequente Paradox. Er hat Macht ausgeübt, aber nie die Machtfrage gestellt. Er war ein Seismograf, hat aber keine Trends erspürt. Er hat das Feuilleton entpolitisiert, indem er es scheinbar politisierte. Er gab sich radikal und manchmal links, war aber nur der Schlaueste unter den Konservativen. Er rief die Revolution aus und wollte jeden Wandel verhindern.
anne schüssler fasst, unter anderem, sehr gut verständlich zusammen, warum es zu kurz gedacht und beleidigend ist, menschen die den frauenanteil von projekten genauer unter die lupe nehmen „erbsenzähler“ zu nennen.
gerade bei journalistischen projekten, konferenzen oder talkshows zeigt sich übrigens, dass das problem des oft sehr geringen frauenanteils vor allem ein symtom ist. ein symptom für die unfähigkeit über seinen tellerrand hinauszuschauen und über die üblichen verdächtigen, freunde, verwandte oder fick-bekanntschaften hinaus leute zu finden. jeder der schonmal geschafft hat der einen oder anderen fernsehtalkshow zu folgen, weiss, dass man dort immer die gleichen gesichter sieht. das talent- oder gesprächpartner-scouting besteht offenbar im wesentlichen daraus den eigenen rollodex durchzuflippen und zu schauen, wen die kollegen so einladen.
deshalb sollte man nie aufhören den verantwortlichen die talkshowgäste aussuchen, redaktionen zusammenstellen oder konferenzen zusammenstellen in den hintern zu treten. momentan finde ich die frauen-quote ein hervorragendes werkzeug dafür (es gibt mehr) -- und quoten-diskussionen sind darüberhinaus der ultimative arschlochfilter. wie menschen auf quoten-diskussionen reagieren kann sehr entlarvend sein.
Noch im Mai hatte der ehemalige NSA-Chef General Keith Alexander erklärt, dass Edward Snowden auf keinen Fall auf solche Überwachungsdaten haben zugreifen können und lügen würde, wenn er das behauptet. Jetzt wurde Keith Alexander erneut einer Lüge überführt.
Am Ende ist Hans-Jürgen Papier bemüht, einen versöhnlichen Abschluss der Diskussion zu finden. Bei aller Kritik sei doch festzuhalten: „Der Rechtsstaat bekämpft seine Gegner und Kritiker ausschließlich mit den Mitteln des Rechtsstaats“. Ein Rechtsstaat, der sich unter anderem auch durch seine Meinungs- und Pressefreiheit auszeichnet. Wenig später sitze ich im Auto, als das Telefon klingelt:
- „Range hier. Sie hatten mich vorhin interviewt...“
police squad war quasi der vorläufer der nackte-kanone-reihe von david und jerry zucker und jim abrahams. die sechs folgen der nach sechs folgen abgesetzten fernsehserie aus den früher 80er jahren sind jetzt alle auf youtube (eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs). allein beim vorspann muss ich mich jedesmal wegschmeissen.
vor ein paar tagen in der ubahn saß mir eine frau gegenüber, die auf dem bildschirm ihres offenbar ausgeschalteten iphones herumwischte und tippte. hin und wieder legte sie dich das telefon in den schoss und tippte etwas auf einer kleinen funktastatur. von den angeschlossenen kopfhörern hatte sie nur einen ins ohr gesteckt.
wegen ihres blindenstocks wusste ich natürlich sofort, das die frau blind war, aber die nutzung eines iphones ohne beleuchtung, ohne sichtbaren bildschirm fand ich enorm faszinierend.
das spart bestimmt irre viel batterie, wenn man ohne bildschirmbeleuchtung unterwegs ist. andererseits (ich hab das voice-over-feature später mal ausprobiert) quatscht das telefon dann die ganze zeit. das kostet ja möglicherweise auch akku.
das voice-over-feature ist jedenfalls ziemlich faszinierend: wenns aktiviert ist, führen berührungen von bildschimbereichen dazu, dass sie vorgelesen oder beschrieben werden. doppel-tappen, wählt den bereich oder schalter dann aus, scrollen kann man dann mit mehreren fingern.
ein magazin, dessen aktueller titel „was wäre wenn wir die welt neu denken?“ lautet, wird von vielen leserinnen dafür kritisiert, dass es nicht weiter denkt als bis zum ersten besten gesprächspartner. was liegt da näher, als angesichts dieser zu 90 prozent sachlich vorgetragener kritik „unbehagen“ zu spüren, weil diese aufforderung zum „umdenken“ wie „umerziehen“ ankommen könnte?
und wäre es wirklich besser ein magazin, an dem man einen bestimmten aspekt zu kritisieren hat, nicht mehr zu kaufen, als öffentlich kritik daran zu üben, in der hoffnung dass es besser wird? in meiner welt kann man eine suppe noch als versalzen kritisieren, ohne ein überlegenes rezept vorzulegen oder eine kochmütze zu tragen.
Gesundbrunnen hat drei Naherholungsgebiete: Die Panke, den Volkspark Humboldthain und das Gesundbrunnencenter.
Ich weiß nicht, ob das allen schon aufgefallen ist. Das Gesundbrunnencenter sieht aus wie ein riesiges Passagierschiff. Ich stelle mir manchmal vor, wie wir uns dort bei der nächsten Sintflut paarweise einfinden, um die Zeit bis nach dem Regen bei nanu nana zu vertrödeln.
Wobei man als Anwohnerin gar keine Sintflut braucht, um im Gesundbrunnencenterschiff die Zeit zu vertrödeln.
Die zwei größten und wichtigsten Geschäfte im Gesundbrunnencenter sind Saturn und real. Dort hält sich immer ungefähr ein Drittel der fast 90.000 Einwohner auf. Davon die meisten bei Saturn in der Handyabteilung. Dort ballt es sich, als gäbe es in Gesundbrunnen nicht noch 5.000 andere Handygeschäfte.
Die Strategie [...] ist betörend paradox: Google soll gleichzeitig verboten und dazu gezwungen werden, Verlagsinhalte in seinen Suchergebnissen anzuzeigen. Das Leistungsschutzrecht, wie Keese und seine Gefolgsleute es interpretieren, untersagt die ungenehmigte Anzeige von kurzen Textausschnitten und Suchergebnissen. Weil Google aber so marktbeherrschend ist, dass jemand, der hier nicht gelistet ist, im Netz fast unsichtbar wird, dürfe es andererseits die Inhalte, die es mangels einer Genehmigung nicht anzeigen darf, nicht einfach nicht anzeigen, weil das einen Missbrauch seiner Macht darstelle. Der Ausweg aus diesem logischen Dilemma (und, so hoffen die Verleger anscheinend, aus ihren existenziellen Nöten): Google darf die Ausschnitte anzeigen, muss aber dafür zahlen.
gegen diese glosse von jan klage ist eigentlich nichts einzuwenden, ausser das, was jan klage selbst über glossen sagt:
Schließlich bringt sie alles mit, was der latent überforderte Leser künftig brauchen könnte: sie ist kurz, weitgehend gedankenfrei und wimmelt nur so von Wiederholungen.
und ein paar der gedankenfreien gedanken, die jan klage in seiner glosse jeden absatz wiederholt, sind meiner meinung nach nicht nur gedankenfrei, sondern auch falsch.
klage meint unsere schreib- und lesegewohnheiten hätten sich durch digitale medien „grundlegend“ verändert:
Mehr als zwanzig Minuten lang, wird sich bald niemand mehr auf ein Buch konzentrieren können.
Die Literatur wird also kürzer.
die these, dass unsere aufmerksamkeitsspanne immer kürzer werde, ist vermutlich erstmals von sokrates aufgestellt worden und wäre dann damals schon quatsch gewesen. ich vermute man kann zu jedem zeitpunkt der literaturgeschichte lange, tiefschürfende texte neben kurzen, verdauungsfreundlich portionierten texten finden. es gab immer ernste kultur und unterhaltsame kultur und vor allem immer leute, die sich über die oberflächlichkeit oder mangelde substanz der unersten kultur beklagten.
natürlich gibt es trends und modeerscheinungen — aber aus der beobachtung von ein paar trends auf eine „grundlegende“ veränderung von verhaltensweisen zu schliessen ist quatsch und gedankenfreies, glossiges rumbehaupten.
gefunden habe ich den text bei maximilian buddenbohm und eben erst gesehen, dass die diskussion dort in eine ähnliche richtung geht: „Ich lese da nur Behauptungen.“ (wibke ladwig)
So gesehen verhält sich die heute-show zur Daily Show in etwa wie Annemarie Eilfeld (oder jedes andere Casting-Sternchen aus der RTL-Retorte) zu Aretha Franklin. Das hat weniger mit den teils durchaus gelungenen Einspielfilmen zu tun – wie denen von Martin Sonneborn, oder Sidekicks wie Gernot Hassknecht, der Karikatur öffentlich-rechtlichen Kommentatoren –, als vielmehr damit, dass den einzelnen Teilen ein sie zusammenhaltendes Leitmotiv fehlt, anders formuliert: eine Haltung. Und ein Moderator, der dafür steht.
alles richtig. bei oliver welke eine haltung zu finden, die über „alle sind doof, insbesondere politiker“ hinausgeht, dürfte sehr schwer sein. und jon stewart ist eben nicht nur brilliant und leidenschaftlich, sondern lässt seine haltung auch mal durch seine witze durchschimmern. allerdings leidet auch stewarts sendung an ritualisiertem bashing der üblichen verdächtigen und der klassischen kabarettisten-haltung, die selten über ein „die da oben sind doof und machen sich die taschen voll“ hinausgeht.
mit anderen worten: auch bei der daily show laufen regelmässig unsäglich dumme und stereotype einspielfilmchen, die dialoge mit pseudo-korrespondenten sind meistens so albern und uninspiriert, dass man sie vorspulen muss. man merkt nicht in jeder sendeminute der daily show die von leonard novy attestierte brillianz der autoren.
trotzdem sehe ich mir jon stewart regelmässig an. weil zumindest seine einleitungsmonologe fast immer unterhaltsam und manchmal brilliant und abseitig sind. und manchmal spürt man eben auch, dass ihm das was er macht nicht egal ist.
kurzfassung: alles dumm, sowohl google zu zwingen etwas zu vergessen, weil es unweigerlich zu zensur führt, als auch zu beantragen vergessen zu werden, weil das eben auch ruck-zuck zum streisand-effekt führt.
offenbar ist der industrie und den verhandlungsführern des freihandelsabkommen „geistiges eigentum“ wichtiger als öffentliche gesundheit. ich will nicht in einer industriokratie leben.
1/ you can recognize genuinely smart people by their ability to say things like “I don't know" “Maybe you're right" and “I don't understand"
caspar clemens mierau sagt, dass „niemand“ jung & naiv schaue, dass tilo jung sich nicht für seine zuschauer interessiere und dass tilo jung frauen vor allem als „Befriedigungs-Objekte“ sieht und offenbar mit müttern „untenrum“ ein problem hat.
ich würde das differenzierter ausdrücken: es ist doch schön, dass google, die krautreporter und die grimme-online-preis-jury tilo jung ein paar gelegenheiten gegeben haben, sich selbst irre toll zu finden. ich gönne ihm das.
lorenz matzat empfiehlt den piraten die spaltung. keine ahnung ob das ne gute idee ist, eine gelegenheit den namen los zu werden, wäre es aber.
vorgestern habe ich mir das video von christopher lauers rede zur kandidatur als politischer geschäftsführer angesehen. lauers mischung aus selbstironie und arroganz, analytischer schärfe und schwerverständlichem zynismus und sein unnachvollziehbares pendeln zwischen quatsch, ironie und ernst ist unterhaltsam und erfrischend, aber auch verstörend.
hätte ich die wahl zwischen sonneborn und lauer, würde ich allerdings lauer wählen.
siehe auch: „Seid fruchtbar und spaltet euch“ (eine bessere und passendere überschrift wäre natürlich gewesen: „seid furchtbar und spaltet euch“)
abgesehen davon, dass ich die emotional manipulative verarschungsscheissse von heftig & co. sehr viel abstossender finde, als die bescheuerten und offenbar nutzlosen experimente die facebook hier durchgeführt hat, verstehe ich die aufregung darüber nicht. die facebook-timeline wird ja schon seit jahren von facebook manipuliert und algorithmisch gefiltert. vermutlich hilft das auch ganz gut, irrelevantes und uninteressantes auszublenden, aber ein bisschen mehr transparenz darüber würde facebook auch ganz gut stehen.
warum bietet facebook zum beispiel nicht mehr an, die timeline auf ungefiltert umzuschalten? ich vermute die meisten würden dann deutlich sehen, dass die filter ein segen sind.
das facebook die AGB erst monate nach den experiementen um eine forschungsfreikarte ergänzt hat, erscheint mir ein bisschen wie eine verdeckte bitte von facebook, sie doch bitte mal wieder zu verklagen.
fabu zieht ein fazit der ebay-kollektionen-kampagne, an der ich auch beteiligt war. der wichtigste punkt ist die frage, warum die kollektionen nicht mit einem anreiz verbunden sind, wie beispielsweise einer beteiligung an verkaufserlösen. denn so wie die kollektionen derzeit umgesetzt sind, sind sie sehr pflegeintensiv (bilder verschwinden, artikel sind nach dem verkauf nicht mehr verfügbar). die anreize für ebay-normalnutzer solche kollektionen anzulegen und zu pflegen sind hingegen wenig intensiv.
ein kleines jquery-dings, mit dem ich die links hier kommentierbar gemacht habe. ok. kommenterbar waren sie schon länger, hat nur kaum jemand genutzt. und vor allem kaum jemand gesehen. jetzt sollte das besser sichtbar sein, zumindest mit desktop-browsern. auf mobilden browser habe ich es ausgeblendet. möglicherweise gibt es andere probleme, aber am HTML habe ich nichts verändert. für feedleser oder leser in privat-aggregatoren sollte sich nix ändern.
meike von wengen denkt darüber nach, was andreas bernard in einer sendung sagte, in der sie auch anwesend war:
Und das ist das, was schon irritierend ist. Dass wir jetzt das freiwillig und selbständig machen, wofür vor 80 Jahren ein totalitärer Staat notwendig war.
Im Unterschied zu Ihnen trage ich das [die Totalüberwachung der deutschen Bevölkerung, inklusive mir] mit Fassung, Herr Kollege Gysi.
Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden und - Vorsicht: jetzt kommt die Täterbiographie des späteren Opfers zum Vorschein - den Google-Suchmaschinen freiwillig überreicht worden.
Die Inhalte werden sogar für Google optimiert, auf dass sie sich geschmeidig in die Algorithmenparade einfügen. Wir haben Google nicht nur unsere Augen und Hände, sondern auch unsere Autorenhirne und Leserherzen zur Verfügung gestellt; so dass dem Vorgang der Google-Ermächtigung zunächst alles Zwanghafte fehlt.
die erste behauptung von steingart ist eine glatte lüge und in ihrer absolutheit so grössenwahnsinnig und realitätsfern dass man den eindruck hat, steingart wäre ein schüler muhammad as-sahhafs. mir kam aber noch ein ganz anderer gedanke. wenn steingart hier mal wieder das alte lied der erbsünde der verleger singt, die ihre inhalte angeblich kostenlos vor die säue leser und crawler warfen, ist es vielleicht auch mal zeit ein anderes lied zu summen: nämlich zu überlegen, ob es klug von google war, verlagen die dienstleistung der erschliessung, indexierung und zugänglichmachung von verlagswaren kostenlos anzubieten. natürlich war es klug, aber es zeigt eben auch, wie sehr wir alle oft den wert von kostenlosen und allgegenwärtigen angeboten unterschätzen. mehr noch: kostenlose dienstleistungen führen in vielen fällen nicht zu lobeshymnen, sondern zu bitteren klageliedern.
es zeigt aber auch wie absurd die argumentation der verleger ist. verlage haben jahrelang gut davon gelebt, die informationen oder anzeigen von dritten zu exponieren und potenziell interessierten zugänglich zu machen. die älteren werden sich erinnern, früher haben zeitungen das gemacht, was google heute macht. davon haben zeitungen und zeitschriften relativ prächtig gelebt und grosszügig dafür kassiert. die leistung für die die verleger in der vergangenheit viel geld haben wollten, für diese leistung sollen suchmaschinen jetzt geld geben. das ist in etwa so, als ob man für eine kleinanzeige die man in den aachener nachrichten schaltet nicht vier euro achtzig zahlen müsste, sondern 10 prozent der einnahmen der aachener nachrichten ausbezahlt bekäme.
die mexikanische journalistin alma guillermoprieto über papst franziskus:
“May God protect us from the fear of change,” said Francis on his way to his diplomatic visit to the Middle East last month. He was undoubtedly referring to the need for peace in the region, but also to the mess waiting for him back home.
das ist ein langes und differenziertes portrait eines priesters, von dem andere konservative einen entscheidenden aspekt lernen können: menschlichkeit, also menschenliebe, statt institutionenliebe.
meine begeisterung für das journalismus-projekt matter (wikipedia-link dazu) ist übrigens auch sehr, sehr gross. lange, gut recherchierte und geschriebene, alle paar tage, ohne aktualitätszwang veröffentlichte artikel. wenn krautreporter auch nur halb so gut wird, wird alles gut.
Ganze drei Mal falle ich dem Express Train zu Opfer. Ich steige in einen Zug, er fährt kilometerweit weiter, als er sollte. Ich steige aus, fahre zurück, wieder viel weiter als ich sollte. Das ganze wiederholt sich ein paar Mal. In den Stunden, die ich in falschen Zügen verbringe, perfektioniere ich mein Poker Face. Keiner soll wissen, dass ich hier falsch bin.
cs lewis meint im erwachsenalter kindisch zu sein, sei ein zeichen von erwachsen-sein:
When I became a man I put away childish things, including the fear of childishness and the desire to be very grown up.
das gilt übrigens für sehr viele andere dinge auch. wer klug ist, sollte keine angst davor haben dumm zu wirken, wirklich mutige menschen müssen ihren mut nicht ständig beweisen.
manfred klimek über einen zerfallenden hermes phettberg.
"Mir geht es besser als vielen anderen", wiegelt Phettberg ab; wissend, dass er für das letzte bisschen Autonomie dankbar sein muss; der dankbar ist, dass man ihn noch besucht, nicht zur Gänze ins Aus drängt, ihn weiterhin als unerzogenen Buben, Schwulen, Masochisten und Intellektuellen wahrnimmt.
raum für entwicklung ist da. die pilot-folge hat mich zwar nicht irre neugierig gemacht, vieles an der geschichte war so stereotyp und vorhersehbar wie in einer talkshow, aber die nächsten paar folgen werde ich mir wohl noch ansehen, bevor ich mich möglicherweise gelangweilt anderen herausforderungen serien widme.
vor zwei tagen habe ich den ahnungslosen, unsäglichen und hetzerischen text von jan fleischhauer zum thema inklusion an schulen auf spiegel online verlinkt. dankenswerterweise gibt es auch menschen, die offenbar spass am nachdenken, reflektieren und differenzieren haben. wenn man die liest, fällt einem auf, was für ein flachdenker und vorurteilsaffiniciado jan fleischhauer ist und wie lieblos er mit seinem intellekt umgeht.
dr. mutti über inklusion und (unter anderem) über die vermeintliche lösung kinder in förderschulen, raus aus den „normalen“ schulen, zu schaffen:
Deshalb scheint mir - wenn Segregation in homogene Lerngruppen das Erfolgsrezept für individuelle Förderung und Chancengleichheit sein soll - die Förderschule keineswegs als eine echte Lösung. Denn dort bleibt zunächst der individuelle Rest - lernbehindert, geistig behindert, körperbehindert, verhaltensauffällig - heterogener kann man sich eine Lerngruppe kaum ausdenken. Dass diese Lösung immer noch als Endpunkt in der Debatte genannt wird, ist nur plausibel, wenn dann dieser “Rest", die Förderschule, aus dem Blickfeld ist. Nur dann scheint alles in Ordnung.
der lehrer jan-martin klinge über inklusion:
Mein Leben wäre einfacher, wenn ich die Hauptschul- und Realschulkinder nicht in meiner Klasse hätte. Wenn ich nur die Katharinas und Magdalenas und Hendriks und Friedrichs unterrichten müsste. Das Problem ist nur:
Ich wäre nicht dabei.
Denn ich war ein Klassenkasper, die nur mit viel Geduld und Förderung der Lehrer durch die Schule getragen wurde.
christian fischer, sehr lang, sehr differenziert, über inlusion:
Und da wir ja alle wissen, das Schule viel, viel mehr ist, als reine Wissensvermittlung, freuen wir uns, dass so alle, egal ob ob mit oder ohne Beeinträchtigung irgendeiner Art miteinander lernen und miteinander leben. Jeder lernt von andern. Immer.
offenbar wurden viele gedanken der inklusion auch bei den krautreportern umgesetzt. so ist es offenbar kein problem, jemanden, der nach ansicht von christian ankowitsch „daran scheitert, wenigstens eine konsistente These zu formulieren“, in die redaktion zu integrieren.
(den text von andrea hanna hünniger habe ich auch vor ein paar tagen verlinkt, aber christian ankowitsch kritisiert dekonstruiert den text sehr viel differenzierter.)
Die Kleidungsaussage einer Frau wird [...] auf ihre Teilhabe am oder ihre Verweigerung des Feminismus gewertet. Die Kleidungsauswahl eines Mannes wird als Mittel zur Hervorhebung seiner (künstlerischen/beruflichen) Persönlichkeit gesehen.
Die Objektifizierung findet also gar nicht in dem Moment statt, in dem eine Frau leicht bekleidet auf die Bühne tritt, um sich im Rahmen einer Show zu einem Sexobjekt zu stilisieren, sondern viel früher, in dem Moment in dem sie vor die Wahl gestellt wird, entweder Feministin zu sein oder optisch mit Bildern von Weiblichkeit zu spielen.
Disclaimer: Ich verfasse unregelmäßig Nachtkritiken für Welt Online.
warum thore barfuss „disclaimer“ statt „disclosure“ oder „offenlegung“ schreibt? ich vermute seine erklärung dafür wäre: „sagt doch jeder so“. nach diesem motto ist auch der rest des textes verfasst.
ich bin sicher, jan fleischhauer hat für diesen kommentar mit betroffenen geredet und sich inklusion vor ort angesehen oder mit mindestens einem experten geredet, bevor er sich über deren vokabular lustig gemacht hat. ich bin ganz sicher, dass er seine meinungsbildung nicht nur auf basis von ein paar übergeigten zeitungsartikeln durchgeführt hat.
ralf schwartz sagt in etwa das, was lars thomson vor einer weile sagte: die autoindustrie droht von der elektromobilität und vor allem von tesla auf dem falschen fuss erwischt zu werden.
[W]er heute eine ernsthafte, konkurrentfähige, begeisternde Website produzieren möchten, auf der Zehntausende mit Lieferungsanspruch täglich mit neuem Content versorgt werden sollen (und diesen vielleicht diskutieren, teilen wollen), einigermaßen Ausfallsicher, dann wird man wahrscheinlich schon ein wenig Geld mehr in die Hand nehmen müssen. Von interaktiven Grafiken, Sondernwünschen für einzelne Artikel, Fehlerbehebung und dem ganzen anderen Kram will ich gar nicht anfangen.
hört sich alle richtig an, was nico brünjes da sagt. logisch, dass ein ITler sagt: „steckt mehr geld in die IT“. aber ich würde gerne was ganz anderes sagen:
wenn man 15 oder 14 tausend leute nach geld fragt, hat man potenziell auch genauso viele leute, die einem dabei reinquatschen was man mit seinem geld macht. das phänomen kennt man ja schon von klassichen zeitungsabos: wenn abonnenten etwas nicht passt, schreiben sie leserbriefe, die nicht selten mit der drohung enden, das abo zu kündigen. sagt man etwas doofes auf twitter, purzeln die entfollowungen.
wenn man nur einen verleger oder herausgeber hat, muss man sich nur mit dem ums geld, die strategie, die konzepte streiten. wenn man aber einen monat lang versucht, leute zu motivieren sich mit seinem produkt zu identifizieren, hoffnungen auf rettung, bessermachen auf sich projezieren lässt, hat man es plötzlich mit tausenden köpfen zu tun, die sich innerlich dem wohl des projekts verbunden fühlen. ob das nun berechtigt ist oder nicht, aber die krautreporter werden meiner meinung nach in die geschichte eingehen, als das am kritischsten und aus grösster nähe beäugtem journalistische projekt jemals.
wenn sebastian esser es laut sz (via turi) schon belastend fand „vier Wochen lang die Fresse poliert zu bekommen“, wird er sich nach 12 monaten wohl nach einem superlativ für „belastend“ umgucken müssen. viele tausend besserwisser, bestens vernetzt, sehr viele mit publizistischem hintergrund werden jeden fehler, jede kleine dummheit, unbedachte äusserung auf goldwaagen legen und auseinanderpflücken.
viele krautreporter waren wohl genervt von den übergeigten erwartungen die in der finanzierungsphase an das projekt gestellt wurden. aber ich glaube die erwartungen werden zum start des projekts noch mal ein paar takte übergeigter sein. so übergeigt, dass die erwartungen von sehr, sehr vielen unterstützern wohl enttäuscht werden. was sebastian esser dann möglicherweise als belastend empfindet.
stimmt. das ist kaum erträglich, allerdings nicht das was einem dort mitgeteilt wird, sondern wie es geschrieben wurde. wie auf pathoskoks.
The Verge mit einem fetten Special über Eboy aus Berlin, die Mitte der Neunziger Pixel-Art neu erfanden und damit eine Retro-Welle in Design und Gaming lostraten, die bis heute anhält. Großartig!
bei nerdcore ist das sehenswerte video eingebettet, auf the verge selbst auch, aber noch sehr viel text und bildmaterial.
Wir sollten alle regelmäßig Nachrufe auf alle unsere noch lebenden Bekannten schreiben, um uns ihrer Bedeutung für uns zu vergegenwärtigen.
... und schreibt einen „Nachruf“ auf christian heller. wobei ich mich ja frage, warum man nachrufe auf lebende menschen schreiben sollte, wenn man auch einfach oden schreiben kann. mach ich auch ab und zu, aber wir alle sollten das viel öfter machen. /bei ode ole reissmann gefunden.
Es wird ja immer viel darüber geschrieben, dass Blogs auch nicht mehr funktionieren. Dass man sich eine thematische Lücke suchen muss. SEO nicht vergessen. Das ist alles Quatsch. Das verlinkte Blog lese ich seit Jahren, ich kenne sogar noch seine alte Seite, bevor er zu WordPress gezogen ist. Es ist das Blog eines 81jährigen, sehr munteren Deutschen, der 1957 in die USA ausgewandert ist und seinen Lebensabend mit seiner Frau irgendwo in Arkansas verbringt. Er bloggt über seine Enkelin, sein kleines Anwesen, dass Kaff in dem er lebt. Er fotografiert seine Katze (viel zu selten) aber auch mal seinen neuen Drucker oder Blumen. Er schreibt über seine Frau, seine Zeit in Deutschland, wie er es in den USA geschafft hat und übers Wetter. Das ist alles gar nicht literarisch aber das ist auch vollkommen egal. Ich folge diesem liebenswerten Menschen so lange, dass er mir ans Herz gewachsen ist. Es ist also kein besonderes Blog, aber es macht alles genau so, wie es ein Blog machen sollte. Ich freue mich über jeden neuen Eintrag. Warum ich das jetzt hier verlinke? Vor ein paar Tagen schrieb er:
Warum habe ich nicht damals die Fragen an Leute gestellt als sie noch am Leben waren. Heute ist es zu spaet, weil sie weggestorben sind und heute moechte ich von ihnen so vieles wissen, beispielsweise auch bei meinen Grosseltern, wie zu deren Zeiten vieles war. Aber warum haben sie mir selber nicht so vieles aus ihrem Leben erzaehlt, auch wenn es nicht unbedingt so super interessant sein musste?
Da dachte ich: Stimmt, warum habe ich dieses wunderbare kleine Blog nicht schon viel früher verlinkt.
christoph kappes denkt, gar nicht so übellaunig wie die überschrift suggeriert, über die krautreporter und crowdfunding nach. wie immer bei christoph kappes, sehr lesenswert und klug.
alle aufnahmen aus dem revolverlauf für die eröffnungssequenz der james bond filme von 1962 bis 2012. wenn man sich den clip laut anhört, kann man unfreuwillig unfreiwillig zuhörende damit in den wahnsinn jagen.
wie fast immer, finde ich die teile der daily show die mit krawall und schnittkunst darauf getrimmt sind leute vor der kamera dumm dastehen zu lassen, nur so mittelgut. auch wenn es sehr oft arschlöscher sind, die dann am ende dank der schnittkunst doof dastehen. noch peinlicher ist dann allerdings noch der behind-the-scenes-bericht über die aufnahmen für den einspieler von kyle russell auf techcrunch.
ikea bedroht den macher der grossartigen ikea hackers website mit, wie cory doctorow meint, falschen markenrechtsansprüchen:
Ikea's C&D is, as a matter of law, steaming bullshit. There's no trademark violation here -- the use of Ikea's name is purely factual.
egal ob die ansprüche rechtmässig sind oder nicht, die tatsache, dass ikea versucht diese sache von anwälten erledigen zu lassen, also dass ikea fans lieber bedroht als mit ihnen zu sprechen, ist schon erschütternd und kurzsichtig. so wie die grauen herren in momo die zeit stehlen, stehlen die anwälte ikea image und marketingmillionen.
Diese eine, falsche Geschichte aber war der konkrete Auslöser des Rücktritts, und wer weiß, ob die Staatsanwaltschaft auch ohne sie die Aufhebung der Immunität beantragt hätte, und ob Wulff nicht dann im Amt geblieben wäre, beschädigt, aber, wie das so ist, mit der Chance, die Leute wieder für sich zu gewinnen. Jedenfalls muss man diese Episode kennen, um zu verstehen, warum Wulff meint, sein Rücktritt sei falsch gewesen. Ich kann seine Fassungslosigkeit verstehen, dass die Medien sich für diese Dinge so gar nicht interessieren. Dass die, die ihm jetzt wieder „Mehr Selbstkritik!“ zurufen, in größeren Teilen dazu selbst nicht in der Lage sind.
tl:dr: thomas schulz war auf ein facebook-event in „kleiner Runde“ eingeladen, darf aber nichts darüber schreiben (ausser dass ihm facebook sehr ambitioniert erscheint).