auf der republica treffen sich heute und in den beiden folgenden tagen 900 leute die ins internet schreiben und sprechen oder darin lesen. die veranstalter nennen diese leute „Blogger und andere Netzbewohner“.
was machen diese ganzen menschen hier? manche hören sich vorträge an, manche unterhalten sich aber die meisten werden über die veranstaltung einfach berichten. 900 leute die normalerweise über alles mögliche berichten, berichten von einer veranstaltung von der 900 andere auch berichten.
die ganze veranstaltung wird live gestreamt, es werden in kürze alle panels und workshops als audio- oder video-aufzeichnungen herunter zu laden sein, fast alle bloggen, twittern, flickern, twittern, smsen ihre eindrücke, meinungen, fotos und filmchen ins internet oder sonstwohin. zeitungen berichten im vorfeld und sicher auch im nachhinein, das fernsehen wird berichten, klassisches fernsehen, IPTV, radiosender, podcaster. die 900 die hier sind konsumieren alles auf einmal: sie hören und gucken sich die veranstaltung an, lesen und sehen was andere darüber schreiben oder foto- oder videografieren. wer kein gerät zum publizieren dabei hat, wird hier als behinderter angesehen. publish or stay home. oder so.
und genau diese kommunikationsmetaebene, von einer veranstaltung zu berichten über die fast tausend andere ebenfalls berichten und dabei unmengen an daten zu produzieren, genau das ist hier auf der republica das thema.
es gibt zwar auch ein paar alibithemen, von sozialen netzwerken oder der unleidigen debatte blogger vs. journalisten oder wer bessere qualität produziere, blogger, journalisten, bloggende journlisten oder twitternde blogger oder sonstwas. aber eigentlich geht es nur darum unmengen an meinungen, bildmaterial und daten zu produzieren. und am ende zu gucken wer diese unmengen an daten am besten verträgt, verdaut oder am elegantesten wieder vergisst. oder so. was weiss ich.
ich werde hier auf jeden fall ein wenig darüber berichten wie und was andere hier so berichten. vielleicht gibts auch noch einen zweiten film über die republica bei watchberlin. hier ist der erste.
heute hab ix in der fas ein paar texte über tibet und china gelesen. das war besser als alles was ich bisher online gelesen habe. nicht dass es nicht auch online viel gutes zu lesen gäbe, nur offensichtlich hatte ich irgendwelche gründe dass in dieser form nicht zu tun. ich lese wirklich viel online und vor allem, eigentlich, auch gerne. ich würde sogar sagen, ich mag die haptik von texten die ich online lese. das scrollen der texte mit zwei fingern auf dem touchpad, die möglichkeit text zu markieren, zu vergrössern, zu kopieren, das ist alles grossartig. ich lese gerne und viel online.
trotzdem, manche texte durchdringen, wenn sie mir online begegnen, nicht meine aufmerksamkeitsschwelle. selbst wenn ein text bei bloggern die ich schätze oder bei rivva auftaucht, also gewiss ein wenig relevanz hat, manche texte schaffen es einfach nicht, mich dazu zu bringen mich weiter mit ihnen zu beschäftgen als sie für später zu bookmarken oder in einem der 30 geöffnen tags, bis zum nächsten browserabsturz, versauern zu lassen. gute oder empfohlene texte zu lesen geht manchmal auch einfach nicht, keine zeit, keine lust, gerade andere sachen im kopf. eine strategie die ich mir für texte die mich später, in einer ruhigen minute interessieren könnten zurechtgelegt habe, ist sie per instapaper zu markieren und in der ruhigen minute auf dem laptop oder dem handy zu lesen. aber auch das klappt nicht immer.
eine zeitung zu kaufen hingegen ist ein bewusster akt, meist tue ich das bevor ich bahn fahre oder ein paar stunden zeit habe und lese sie dann, beispielsweise sonntags, in ruhe, in einem café. ich muss dann keinen apparat rausholen, mir keine sorgen um strom oder das (zu kleine) handydisplay zu machen, ich lege die zeitung auf den tisch, stelle einen kaffee daneben und lese. die zeitung kann ich umblättern und lesen, mehr aber nicht. wenn ich einen artikel onlin lese, spielt sich mein mailprogramm oft wichtig in den vordergrund und ruft: „neue mails“ oder twitter quäckt mir wieder 200 tweets entgegen, mir fallen am rechner immer 200 sachen ein, die ich tun könnte statt einen längeren artikel zu lesen.
die zeitung bietet weniger ablenkung. zeitung lesen ist kontemplativ, in zeitungen kann man versinken, man kann sich sogar dahinter verstecken.
hinzu kommt, in der zeitung heute, also heute in der fas, waren mehrere seiten zum thema (tibet-schwerpunkt) zusammengefasst, alle artikel hatten einen gewissen qualitätsstandard, waren vorgefiltert, aber nicht so gefiltert, dass ich das gefühl hatte, dass etwas ausgelassen wurde, im gegenteil. die artikel beleuchteten, wenn nicht alle, so doch recht viele standpunkte. sicherlich hätte ich online qualitativ ähnliches finden können, wenn ich bereit wäre zu suchen, zu klicken, abzuwägen. nur, mit der zeitung heute im café brauchte ich das nicht. alles war fertg serviert, ich konnte es lesen, mir meine meinung bilden und sie jetzt ins internet schreiben. meine meinung zum thema tibet ist ganz einfach: das ist alles furchtbar kompliziert.
aber das wollte ich gar nicht sagen. was ich eigentlich sagen wollte: print ist noch lange nicht tot. zumindest nicht, solange es noch öffentliche cafés gibt.
augefallen ist mir der laden, weil am schaufenster steht „unter brasilianischer führung“, aber immer wenn ich daran vorbeilaufe, bräsig-blasse mitteleuropäer am empfang sitzen. offensichtlich arbeitet die brasilianische führung nicht am empfang, sondern vor allem an den texten.
nachvollziehen kann ich das oben zitierte versprechen auch nicht wirklich. als ich mich anfang der woche nach langer zeit mal wieder (im gesicht) rasiert habe, hat mir das essen danach auch nicht besser geschmeckt.
mal an zwei abenden die probe aufs exempel gemacht: einen abend sind wir zu dritt in eine pizzeria gegangen, wo jeder eine pizza und ein getränk orderten. die beifahrerin bestellte sich noch nen wein und ix extra sardellen. mit trinkgeld machte das insgesamt 37 euro, allerdings gabs noch kostenlos bruscetta als vorspeise.
gestern abend bin ix zum neueröffneten aldi um die ecke gelaufen, hab vier pizzen gekauft, extra mozzarella und salami, eine flasche wein, drei köstliche joghurt-getränke und ein toastbrot. sowohl ix, als auch das kind fanden die aldi-tiefkühlpizza um längen besser als die ausgetrocknete, viel zu dünne pizza beim italiener. der wein war auch klasse und alles zusammen hats 10 minuten arbeit gemacht und 12 euro gekostet.
und die pizza war (angeblich) auch noch in italien „handbelegt“:
heute über die „Evolution of Websites“ gelesen, wo man beispielsweise die apple website vor heute, vor 5 und vor 10 jahren gegenüberstellt untereinander abbildet. auch wenn kaum ein monat vergeht in dem ich nebenbei erwähne dass ich bereits seit anbeginn der menschheit ins internet schreibe, das kann ich auch: wirres heute gestern, vor 4einhalb, 5 und 10 jahren:
martina rellin, „eheexpertin“ in fünf vor neun oder drei vor neun oder so im fernseher: „viele frauen sind unglücklich in der ehe.“ die beifahrerin rief laut aus, dass frau rellin aber nicht mit ihr gesprochen hätte und dass sie ihr sicher was ganz anderes erzählt hätte. ich, leicht überrascht: „bist du verheiratet?“ sie, ganz leise, mit einer spur zimt in der stimme: „jaahaaa, ein bisschen!“
meine frage, mit wem sie denn verheiratet sei, beantwortete sie folgendermassen: „mit dir, du spacken!“
danach hat sie mir erzählt wie die oma ihres ex-freundes mal ihrem mann ne cola-flasche über den kopf gezogen hat.
werden frauen beim fernsehen immer so romantisch?
Das ist das Muster. Zuerst wird ein Bedrohungsszenario errichtet, „Terrorismus“ eignet sich dafür ausgezeichnet. Dann sucht der Gesetzgeber nach Wegen, um aus seiner Sicht notwendige Ermittlungen/Überwachungen möglich zu machen. Das geschieht regelmäßig über den Weg der maximalen Forderung und durch Einschränkung bestehender Rechte. Was Proteste und Verfassungsrichter auf den Plan ruft, die sich genötigt sehen, sogar neue Rechte zu definieren, um die Einschnitte zu begrenzen. Und es sind jedes Mal nicht etwa die von den Bürgern gewählten Politiker, die ihre Wähler vor dem Staat schützen, wie es ihre Aufgabe wäre. Es sind einige wenige, die sich mit dem letzten ihnen noch verbleibenden Mittel verteidigen: mit einem Hilfeschrei bei den Verfassungsschützern in Karlsruhe. Politiker dagegen zerstören den Staat, den sie vorgeben mit ihrem Handeln schützen zu wollen.
„Der Rechtsstaat verliert seine Konturen“, sagt der Frankfurter Rechtsprofessor Peter-Alexis Albrecht. Die Politik schleife das Recht ab, statt es zu bewahren und es als das wichtigste Instrument der Demokratie zu erhalten.
schon klar, dass die fatzkes die dem bldblog immer erbsenzählerei oder „gähnend langweilige Korinthenkackerei“ vorwerfen, den sinn des bildblogs trivialisieren oder das aufzählen von widersprüchen und bigotterie als rumgewichse abkanzeln oder dem bildblog ständig vorwerfen doch auf exakt dem gleichen niveau wie die bild selbst zu stehen, heute in ihren rattenlöchern bleiben und die schnauze halten.
schliesslich fällt es schwer eine meldung über zwei bild-reporter die einen unbeteilgten autofahrer nötigen und fotografieren als triviale erbsenzählerei abzutun. man stelle sich mal vor, zwei blogger hätten eine solche kamikaze-aktion gemacht; die süddeutsche, die faz und diverse chefredakteure persönlich würden kübelweise und wochenlang hasstiraden und warnungen vor dem bösen internet und den gefährlichen bloggern auskippen. bei der bildzeitung regt sich keiner mehr auf. da scheint eine solche praxis das normalste der welt zu sein und keinen qualitätswächter oder niveaubeauftragten an seinem qualitätswächterschreibtisch zu einem kopfkratzen zu ermuntern.
oder wenn die bild zum hundersten male das privatleben von menschen in ekelhaftester weise an die öffentlichkeit zerrt, gegen deren willen und gegen jeden anstand, da fällt es einem ja eigentlich schwer zu sagen, och, ja mei, fehler machen wir doch alle mal — und trotzdem wird die bild weiter irgendwie als harmlose unterhaltung und quelle eigener berichterstattung angesehen.
mir scheint die bildzeitung hat mittlerweile sowas wie absolute narrenfreiheit erreicht. naja. zumindest bei den narren. und es ist dann ja auch angennehmer sich von bild bezahlen zu lassen, als sich um irgendwelche menschenverachtenden korinthen zu kümmern.
andererseits, velleicht ist die strategie unangenehmes, ekliges, empörendes oder abstossendes einfach auszublenden oder wegzuparfümieren gar nicht so dumm. ich mach das auch oft und schreibe in letzter zeit viel weniger über meine verdauung. nur das aktive trivialisieren und verharmlosen, das ekelt mich dann doch ein bisschen. und deshalb sage ich es jetzt doch: peter turi lässt sich nicht nur von bild bezahlen, er riecht auch ziemlich stark aus dem mund.
ich finde twitter faszinierend. twitter ist das klassische bespiel dafür, dass manche dinge mehr als die summe der einzelteile sind. denn die einzelteile sind wenig faszinierend: 140-zeichen nachrichten die man nach einer anmeldung auf einer webseite ins internet schreiben kann und wo sie jeder lesen kann. ausserdem kann man auch leuten „folgen“ und bekommt dann deren 140-zeichen-nachrichten angezeigt.
na und?
witzigerweise entwickelt sich aus diesem ziemlich beschränkten rahmen ein ziemlich komplexes gebilde. über 300 leuten dabei zuhören wie sie nichtigkeiten absondern, rumplappern? es ist zumindest nicht langweilig. man verpasst zwar nichts, wenn man da nicht mitliest oder nicht mitmacht, aber umgekehrt verpasst man auch nichts, wenn man da mitmacht und mitliest. als vor einem jahr der grimme-online award seine preisträger vorzeitig ejakulierte, habe ich zuerst davon via twitter davon erfahren. techniknews haben sich früher in etwa so verbreitet: amerikanische blogs, wired.com, deutsche blogs, heise.de und drei wochen später spiegel online. heute erfährt man alles zuerst via twitter. naja. fast alles. vieles.
cem basman hat das faszinierende an twitter kürzlich in drei teilen beschrieben:
Das blöde ist: Wahrscheinlich werden das wieder nur die kapieren, die eh twittern. Ich hab mich ja daran gewöhnt. Twitter ist so dermaßen banal, unwichtig und irrelevant wie ein Lächeln. Versuch mal jemandem, der noch nie ein Lächeln gesehen hat, zu erklären was daran so toll ist.
michel friedman redet keift mit dem FDP-generalsekretär dirk niebel. keine ahnung ob ich das zu gucken empfehlen kann. bemerkenswert fand ich aber zweierlei. eineseits einen unsäglichen wortwechsel über doktor-titel, den niebel mit leichtigkeit auf das argumentative niveau eines meiner geschichts-lehrer senkte und der mit einer kleinen despektierlichkeit von friedman begann:
friedman: dann kommen wir doch mal zurück auf guido westerlein. niebel: sie meinen herrn doktor westerwelle?
ausserdem bemerkenswert, wie friedman am ende des gesprächs niebel, je nach perspektive, die hand oder den oberschenkel tätschelt.[via]
apropos zeit.de. vor 12 jahren antwortete ich mal auf einen aufruf von anko ankowitsch im zeit-newsletter, geschichten aus dem internet an die zeit-redaktion zu mailen. user generated content gab es damals noch nicht als wort, wurde aber, wie man sieht, bereits praktiziert. ich schrob damals drei mails an die redaktion und eine wurde tatsächlich ausgewählt und im zeitmagazin 43/1996 abgedruckt. hier ist die original mail.
in der mail schrieb ich auf, wie ich mich auf der suche nach möglichkeiten meine damalige „homepage“ bekannt zu machen, in jedes gästebuch oder sonstwas eintrug um dort die adresse meiner seite zu hinterlassen (sowas nent man heute kommentarspam). einmal hinterliess ich auch irgendwo mein geburtsdatum und wurde im darauf folgenden jahr mit glückwunschmails von fremden leuten zugeballert.
heute, zwölf jahre später, funktioniert das noch ähnlich. wenn man sein geburtsdatum bei xing hinterlässt oder twittert oder ins internet schreibt, bekommt man auch ganz viele glückwünsche von leuten die einem sonst vielleicht nicht gratulieren würden. fremde gratulieren mir mittlerweile keine mehr, man kennt sich ja.
die gröner und ich haben ja nicht nur am gleichen tag geburtstag, sondern auch im gleichen jahr. früher hat sie immer viel mehr kommentare unter ihre geburtstagseinträge bekommen als ix, da war ich immer furchtbar eifersüchtig. jetzt bekommt sie keine kommentare mehr unter ihre geburtstagseinträge. dafür tweets. beeindruckend das gerechtigkeitsempfinden der leute bei twitter. fast alle gratulierten ganz doll ausgeglichen an @ankegroener @svensonsan @diplix.
was ich eigentlich sagen wollte: vielen dank für die glückwünsche per mail, IM, twitter, sms, telefon und hand. ix habe mich über jeden einzelnen gefreut und heute zum ersten mal alle meine abonierten tweets gelesen. und natürlich nochmal alles gute an anke, svensonsan und wilhelm.
der zugang zur zeit online-redaktion ist auf gewisse weise abenteuerlich. zuerst geht man am speersort nummer eins an einem wahrlich majestätischem „die zeit“-logo vorbei in einen aufzug, findet sich im dritten stock an einem ziemlich okeyen empfangstresen wieder, läuft durch ein paar flure der print-redaktion, öffnet nach ungefähr einem kilometer redaktionflur eine dicke feuerschutztüre die in ein abgeranztes, staubiges treppenhaus führt, geht an abblätternden putz und heraushängenden kabeln eine etage tiefer und voilá, schon befindet man sich in der zeit online-redaktion. kein empfang, nur ein selbstausgedrucktes blatt mit der aufschrift „zeit.de“ hängt am eingang. obwohl „eingang“ übertrieben ist. feuerschutztüre nennt man sowas.
in der (sehr) grossen redaktions-teeküche durfte ich heute mittag vor ein paar redakteuren ein stündchen über die zeit.de plaudern. blattkritik nennen journalisten das.
ich gehe zwar davon aus, dass es ausserhalb der zeit online-redaktion niemanden interessiert wie ich die zeit.de finde (möglicherweise interessiert es innerhalb der redaktion auch niemanden), aber ich fasse trotzdem nochmal ein paar gedanken dazu zusammen.
mein hauptproblem mit zeit.de ist, dass ich die seite furchtbar gelayoutet finde. nichts von der grosszügigkeit der print-titelseite findet sich auf der homepage. wo die printausgabe die obere hälfte fast ausschliesslich und enorm verschwenderisch mit einem grossen aufmacherfoto und einem riesigem logo füllt, ist die titelseite im internet kleinteilig, zerfasert, gequetscht, zu verspielt und überladen, auch ohne werbung.
ich bin im prinzip mit der zeit aufgewachsen (also eigentlich mit der „die zeit“ aufgewachsen). deutsch habe ich quasi in der zeit gelernt. und ich habe immer schon die entschleunigten, hintergründigen und fundierten artikel der zeit geschätzt, die sich schon ende der achtziger jahre wohltuend vom gehetzten nachrichtengeschrei im fernsehen und manchen tageszeitungen abhoben. und das layout! irgendwann anfang (oder mitte) der neunziger jahre wurde die zeit komplett entrümpelt, typografisch aufgeräumt und mit enorm viel weissraum ausgestattet. dieser zeit-relaunch hat mein ästhetisches empfinden und mein stilempfinden entscheidend geprägt.
online kann ich diesen stil nicht finden. neben meinem subjektiven rumgemäkel an der grafik, was sicher sehr ungerecht ist, habe ich bei der online-zeit vor allem ein problem mit der zugänglichkeit. anderes gesagt: ich finde mich nicht zurecht auf der seite (obwohl — es geht auch ne spur übersichtlicher — hier für blinde).
trotzdem, manche recherchen google führte mich immer wieder zu guten, hintergründigen artikeln auf zeit.de. nur über die zeit.de-seiten finde ich selten artikel auf zeit.de. das kann daran liegen, dass ich zeit.de ausserhalb der vorbereitung von blattkritiken eher selten besuche und vor allem in der regel auch gar nicht auf die idee komme die seite zu besuchen. aber vieleicht ist es auch gar nicht so sehr am mangelnden profil von zeit.de oder der mangelhaften zugänglichkeit oder übersichtlichkeit, vielleicht interessiert sich einfach keiner für die zeit.de. bei den rivva leitmedien steht die zeit.de heute auf platz 110. auch kaum eins der vielen (teilweise gar nicht mal so schlechten) zeit.de-blogs findet, laut rivva, in der blogwelt ein echo. warum?
die zeit.de ist voller erbsen die man zählen kann. ich hatte mir vor der blattkritik drei DIN-A4-seiten mit erbsen ausgedruckt. eine exemplarische beispielerbse davon ist die kreativität, bzw. wuscheligkeit mit der man auf zeit.de ressorts und kategorien einfach nach gutdünken benennt:
mal heisst es auf der startseite „KURZMELDUNGEN“, zweihundert pixel weiter unten steht „weitere Kurznachrichten“, klick man auf den link, werden einem „News“ (vor allem vom tagesspiegel) präsentiert die unterteilt sind in „LETZTE MELDUNGEN“, „TOP NEWS“ und ein paar ressorts. ganz unten kann man dann auf „WEITERE NACHRICHTEN“ klicken, die sich dann in der URL „/news/leben/“ nennen.
ebenfalls auffällig fand ich wie lieblos die eigentlich famosen autoren-seiten gepflegt werden. auf der startseite findet man neben helmut schmidt und joschka fischerharald martenstein angeteasert. seine fürs blatt geschriebenen kolummen sind tatsächlich komplett aufgelistet (allerdings ohne veröffentlichungsdatum), die aktuellste vom 13. märz steht ganz oben. nur die videokolummnen von martenstein sind offenbar seit august letzten jahres nicht mehr aktualisiert worden. warum? kann man das nicht automatisieren? die „normalen“ kolumnen sind identisch mit dem material aus dem archiv und wahrscheinlich per rss eingebunden? achso, nee. der rss-feed funktioniert seit dem 21.02.2008 nicht mehr. komplett leer.
das ist exemplarisch: gute ansätze, gute ideen werden umgesetzt und dann auf halben wege liegen gelassen, sich selbst überlassen und vergessen. ob jemals ein zeit-redakteur einen blick in die auf jeder zeit.de-seite angeteaserten mobile zeit.de-seite geworfen hat? hier wird behauptet, der „neue Service“ würde eine „aktuelle Auswahl der Inhalte von ZEIT online zur Verfügung“ stellen. stimmt. das funktioniert aber nur wenn der artikel kein video und keine bildergalerie ist. dann landet man nämlich, beispielsweise wenn man auf die überschrift „Martenstein:Schuldenfrei durch Dauerstreik“ klickt, auf einer leeren seite. ebenso leer sind die ressorts. guckt sich das echt niemand an? und was ist mit m.zeit.de (hab ix schonmal vor nem jahr gefragt)?
vieles ist gut auf zeit.de, aber vieles ist auch im argen. ob und was sich mit dem neuen online-chefredakteur wolfgang blau ändern wird, werde ich hoffentlich in meinem feedreader, bzw. hier lesen können. oder?