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sor­k­in­i­sms — a su­per­cut

felix schwenzel

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schloss­bau­stel­le

felix schwenzel


dumm­heit und thi­lo baum

felix schwenzel

ich weiss nicht ob das wort dumm­heit zu thi­lo baums lieb­lings­wor­ten ge­hört, er be­nutzt es auf je­den fall recht häu­fig. goog­le fin­det auf sei­ner web­site un­ge­fähr 168 fund­stel­len (da sei­en be­reits ei­ni­ge dopp­lun­gen aus­ge­fil­tert, sagt goog­le). die an­geb­li­che dumm­heit an­de­rer men­schen be­schäf­tigt thi­lo baum je­den­falls sehr, sehr stark (es ist im­mer die dumm­heit der an­de­ren, nie sei­ne ei­ge­ne). selbst mein lieb­lings­wort arsch­loch habe ich in 10 jah­ren nur 68 mal auf wir­res.net ge­braucht (thi­lo baum auf thi­lo-baum.de nur ein­mal).

mir fiel thi­lo baums ob­ses­si­on mit der dumm­heit der an­de­ren kürz­lich mal wie­der auf, als er die­se kri­tik von tina groll an sei­nem jüngs­ten buch als „das dümms­te“, was er je­mals über sein buch „Denk mit!“ ge­le­sen habe. lei­der hat er die­se kri­tik an der kri­tik sei­nes bu­ches wie­der von sei­ner web­sei­te ge­löscht. so fing das da­mals an:


vor ein paar ta­gen wo­chen schrob thi­lo baum über die dumm­heit des men­schen. ganz ge­ne­rell, des men­schen. die gan­ze mensch­heit also, aus­ser thi­lo baum na­tür­lich wahr­schein­lich.

in die­sem ar­ti­kel (ein­sor­tiert in „all­tags­phi­lo­so­phie“) ste­hen auch sehr schö­ne sät­ze, de­nen ich un­ein­ge­schränkt zu­stim­men mag:

Ich er­ken­ne an und re­spek­tie­re fol­ge­rich­tig, dass auch mir ge­ne­tisch oder auch im Ver­hal­ten eher fer­ne Tie­re ein We­sen ha­ben, spü­ren, le­ben, eine Wür­de ha­ben. Vor­aus­set­zung da­für ist das biss­chen De­mut an­zu­er­ken­nen, dass wir nicht der Na­bel der Welt sind und dass es um uns nicht geht. Und das ist ei­gent­lich ganz leicht.

leicht ist es ganz of­fen­sicht­lich nicht, denn zwei ab­sät­ze spä­ter be­weist er, dass er den (dum­men) men­schen, doch als den na­bel der welt an­sieht:

Das Ge­gen­teil von Ego­zen­trik ist die Fä­hig­keit, die Per­spek­ti­ve ei­nes an­de­ren ein­zu­neh­men. Aus Sicht an­de­rer Tie­re über­le­ben wir Men­schen ei­nen Win­ter nicht ohne Hilfs­mit­tel, brau­chen so­gar zum Hin­set­zen ein Werk­zeug und sind da­bei, den Pla­ne­ten zu zer­stö­ren. War­um soll­ten wir mehr Wür­de ha­ben als Tie­re, die den Pla­ne­ten nicht zer­stö­ren?

(her­vor­he­bung von mir)

wir zer­stö­ren den pla­ne­ten? fal­scher, an­thro­po­zen­tri­scher kann man das fast nicht aus­drü­cken. das was wir um­welt­zer­stö­rung nen­nen, ist ei­gent­lich die zer­stö­rung un­se­rer na­tür­li­chen le­bens­grund­la­gen. wir zer­stö­ren uns selbst, ge­fähr­den un­ser über­le­ben. die na­tur über­lebt uns men­schen alle, für die na­tur sind wir nicht schlim­mer als ein paar na­tur­ka­ta­stro­phen. ganz ohne den men­schen ha­ben na­tur­ka­ta­stro­phen es in der erd­ge­schich­te ge­schafft, 99 pro­zent al­ler je­mals exis­tie­ren­den ar­ten von le­ben aus­ster­ben zu las­sen. trotz­dem ha­ben na­tur­ka­ta­stro­phen es in den letz­ten 3,5 mil­li­ar­den jah­ren nicht ge­schaft die na­tur, oder ge­nau­er das le­ben auf die­sem pla­ne­ten zu zer­stö­ren. im ge­gen­teil, vie­le ka­ta­stro­phen er­mög­lich­ten vie­len le­bens­for­men erst das en­ste­hen. ge­nau­so wird es der mensch nicht schaf­fen „den pla­ne­ten zu zer­stö­ren“ oder das le­ben auf die­sem pla­ne­ten aus­zu­lö­schen.

den pla­ne­ten zer­stö­ren wird die son­ne, in ca. 5 mil­li­ar­den jah­ren, ganz si­cher nicht der mensch. für den pla­ne­ten ist der mensch eine art juck­reiz, nicht viel mehr. die na­tur braucht uns nicht und der mensch stört die na­tur auch nicht über­mäs­sig. der bio­lo­ge jo­nas salk soll das ein­mal so aus­ge­drückt ha­ben:

If all the in­sects were to di­s­ap­pear from the earth, wi­thin 50 ye­ars all life on earth would end. If all hu­man beings di­s­ap­peared from the earth, wi­thin 50 ye­ars all forms of life would flou­rish.

(quel­le)

trotz­dem, bis auf die­se bei­den denk­feh­ler, dass er selbst nicht auch dumm sein könn­te und dass der mensch den pla­ne­ten zer­stö­ren könn­te, hat thi­lo baum na­tür­lich in al­lem was er sagt, und noch nicht ge­löscht hat, recht. ego­zen­trik, oder ge­nau­er an­thro­po­zen­trik ist ein klas­si­sches mensch­heits­pro­blem.


ken ro­bin­son ist üb­ri­gens gar nicht dumm, aber da­für von be­rufs we­gen an­thro­po­zen­trisch. aus die­ser gran­dio­sen TED-prä­sen­ta­ti­on habe ich auch das zi­tat von jo­nas salk. der vor­trag von ken ro­bin­son ist üb­ri­gens ex­trem phil­an­throp und kommt trotz al­ler kri­tik an uns men­schen ohne das wort dumm­heit aus.

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queens in ham­burg

felix schwenzel

am sonn­tag wa­ren die queen mary 2 und die queen eli­sa­beth ge­mein­sam in ham­burg, wahr­schein­lich güns­tig tan­ken oder so. ich be­kom­me das manch­mal mit, weil un­ser schlaf­zim­mer ei­nen blick auf den ha­fen er­laubt und ich manch­mal von mei­nem lap­top auf­ste­he wenn ich län­ger als 5 mi­nu­ten ne­bel­horn­ge­tu­te höre. ne­bel­hör­ner kön­nen be­deu­ten, dass ein schiffs­füh­rer kei­ne aus­rei­chen­de sicht hat, dass eine schiffs­kol­li­si­on be­vor­steht oder dass ein eit­les, fet­tes kreuz­fahrt­schiff in den ha­fen ein- oder aus­fährt. al­les drei sehe ich mir ger­ne aus dem fens­ter an, ob­wohl es bis­her je­des­mal ein kreuz­fahrt­schiff war. ne­bel hab ich bis­her auch nur ein­mal in ham­burg er­lebt.


ei­gent­lich woll­ten wir am sonn­tag kir­schen pflü­cken ge­hen. da mein te­le­fon aber von ho­her re­gen­wahr­schein­lich­keit aus­ging (die aber nicht wirk­lich ein­traf), sind wir dann in die deich­tor­hal­len ge­gan­gen. dort gab es frei­en ein­tritt zum ho­ri­zon field von ant­o­ny gorm­ley und schlaich ber­ger­mann und part­ner. das ho­ri­zon field ist eine fuss­ball­feld gros­se platt­form die sie­ben­ein­halb me­ter hoch in ei­ner der deich­tor­hal­len an acht sei­len auf­ge­hängt ist.

wenn man be­reit ist, sich die schu­he aus­zu­zie­hen, kann man das feld be­tre­ten. ich fand das ziem­lich un­an­ge­nehm, weil nicht nur die platt­form selbst schwang, son­dern auch der bo­den ex­trem fe­der­te und sich an­fühl­te wie eine leich­te lat­ten­kon­struk­ti­on. ich habe zwar gros­ses ver­trau­en in bau­in­ge­nieu­re, aber leicht­bau ist mei­ne sa­che nicht. ich mags mas­siv, zu­min­dest wenn ich drauf rum­lau­fen soll.

auf der platt­form ver­liess mich dann doch das ver­trau­en in die bau­in­ge­nieu­re, als ich die hal­ter sah, mit de­nen die sei­le an der dach­kon­struk­ti­on an­ge­flanscht wa­ren. ob­jek­tiv si­cher zu un­recht, sub­jek­tiv aber, wie ich fin­de, to­tal nach­voll­zieh­bar.


nach dem ho­ri­zon field sind wir dann durch die spei­cher­stadt nach hau­se ge­lau­fen. dort lag am ende ei­ner fuss­gän­ger­zo­ne, die mich ein biss­chen an main street in dis­ney­land er­in­ner­te, die queen mary 2.

die spei­cher­stadt war höl­lisch voll, am baum­wall stau­ten sich au­tos und men­schen­mas­sen beim ver­such die spei­cher­stadt wie­der zu ver­las­sen. die bei­fah­re­rin be­merk­te mehr­fach sehr ge­nervt, dass es kei­ne gute idee war, durch die spei­cher­stadt nach hau­se zu ge­hen. glück­li­cher­wei­se war es dies­mal ihre ei­ge­ne idee.


am sonn­tag abend war ich dann re­la­tiv früh er­schöpft und schlief aus­nahms­wei­se mal so ge­gen halb elf ein. ich muss mon­tags ja früh raus um den sechs-uhr-zug nach ber­lin zu neh­men. aus mei­ner ers­ten tief­schlaf­pha­se riss mich dann aber das kind, so ge­gen halb zwölf: das kind hat­te sei­nen schlüs­sel ver­ges­sen und rief an, um sich die türe öff­nen zu las­sen.

ich schlief re­la­tiv flott wie­der ein — bis mich so ge­gen ein uhr ein schreck­li­cher ope­ret­ten-alp­traum aus dem schlaf scheuch­te. nur die ope­ret­ten-mu­sik hör­te nicht auf als ich die au­gen auf­schlug. es hör­te sich an, als hiel­te an­drew llyod web­ber ei­nen voll auf­ge­dreh­ten mu­si­cal-blas­ter vor un­ser (ge­öff­ne­tes) schlaf­zim­mer­fens­ter. tat­säch­lich hat­te man wohl so eine art ab­schieds­fei­er an den lan­dungs­brü­cken für die queen mary 2 vor­be­rei­tet und dach­te, das schiff wür­de sich freu­en, wenn es zur aus­fahrt aus ham­burg mit et­was ge­spreiz­ter, kit­schi­ger ope­ret­ten- oder mu­si­cal­mu­sik be­schallt wür­de. um ein uhr nachts! sonn­tags! mit­ten in der stadt! voll auf­ge­dreht!

im­mer­hin hielt sich das schiff selbst zu­rück und trö­te­te nur eine mi­nu­te statt der üb­li­chen fünf auf sei­nen ne­blhör­nern rum. als die mu­sik und das ge­trö­te vor­bei war, konn­te man deut­lich hö­ren, wie un­ge­fähr vier leu­te hef­tig ap­plau­dier­ten und „bra­vo“ rie­fen. ich ver­mu­te das wa­ren olaf scholz und der lei­ter des ham­bur­ger ord­nungs­amts mit ih­ren frau­en.

als ich ein­schlief, dach­te ich noch kurz, hof­fent­lich schi­cken die heu­te nacht nicht noch ne kunst­flie­ger­staf­fel über den ha­fen. war dann aber ru­hig.


koch­zau­ber

felix schwenzel

ges­tern ha­ben wir, die bei­fah­re­rin, das kind und ich, eine kos­ten­lo­se pro­be­box von koch­zau­ber.de mit drei mahl­zei­ten für 4 per­so­nen be­kom­men. die kis­te wur­de um neun uhr abends ge­lie­fert und ne­ben den zu­ta­ten für die drei mahl­zei­ten war ein acht­sei­ti­ges heft­chen mit drei re­zep­ten für die drei­er­box und zwei wei­te­ren für die fün­fer­box da­bei. nor­ma­ler­wei­se kos­tet die­se box 64 euro.

ab­ge­se­hen von den re­zep­ten selbst, ist das re­zept­heft­chen prall mit ad­jek­tiv­schwan­ge­rem sprach­müll ge­füllt:

Jetzt ist Bee­ren-Sai­son: Ob süß oder sau­er — hier ist für je­den Ge­schmack et­was da­bei.

Be­son­ders in den Mo­na­ten Juli und Au­gust ver­füh­ren uns Bee­ren ver­schie­dens­ter Ar­ten in den Ge­nuss­him­mel.

Da­mit Sie we­der beim Ein­kauf, noch bei der Re­zept­e­pla­nung ins Schwit­zen kom­men, ha­ben wir auch die­se Wo­che raf­fi­nier­te Le­cke­rei­en für Sie zu­sam­men­ge­stellt.

das mit dem sprach­müll im re­zept­buch ist ei­gent­lich egal, da die re­zep­te gut, knapp und nach­voll­zieh­bar ge­schrie­ben sind. das ers­te, dass ich heu­te mit­tag aus­pro­bier­te, blitz­pfann­ku­chen (aus dem back­ofen) mit zuc­ci­ni-to­ma­ten-sau­ce, hat OK ge­schmeckt und war in we­ni­ger als den an­ge­ge­be­nen 30 mi­nu­ten zu­be­rei­tet. die vier por­tio­nen ha­ben wir mit leich­tig­keit zu dritt weg­ge­putzt und nie­mand klag­te nach dem es­sen über durch­fall.

wo der sprach­müll aber wirk­lich nervt, ist auf der koch­zau­ber-sei­te selbst:

Un­se­re Koch­pro­fis, Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­ler und -psy­cho­lo­gen ent­wi­ckeln stän­dig neue Re­zep­te, die Sie ein­fach und schnell zu Hau­se nach­ko­chen kön­nen. Ko­chen Sie mit Ih­rem Part­ner, Ih­ren Kin­dern oder der ge­sam­ten Fa­mi­lie. Un­se­re Re­zep­te eig­nen sich ide­al für Haus­hal­te mit zwei oder vier Per­so­nen. Nie war ge­sun­de Er­näh­rung so ein­fach und hat zu­gleich die wert­vol­le Fa­mi­li­en­zeit wie­der in den Mit­tel­punkt ge­rückt.

die ha­ben er­näh­rungs­psy­cho­lo­gen bei koch­zau­ber, die re­zep­te ent­wi­ckeln? oder rü­cken die psy­cho­lo­gen un­se­re wert­vol­le „Fa­mi­li­en­zeit“ wie­der in den mit­tel­punkt? war­um stellt man bei koch­zau­ber ei­gent­lich kei­ne sprach­pro­fis ein?

an an­de­rer stel­le wer­den die „Koch­pro­fis, Er­näh­rungs­wis­sen­schaft­ler und -psy­cho­lo­gen“, die die re­zep­te ent­wi­ckeln, „Re­zept­wich­tel“ ge­nannt:

Die Re­zept­wich­tel: Un­se­re Er­näh­rungs­be­ra­ter und Pro­fi-Kö­che sind da­für zu­stän­dig, in­no­va­ti­ve, le­cke­re Re­zep­te zu ent­wi­ckeln, die beim Nach­ko­chen Freu­de be­rei­ten und gleich­zei­tig ein ge­sun­der Gau­men­schmaus sind.

ein flos­kel­pa­ra­dies. nur die fra­gen die mich wirk­lich in­ter­es­sie­ren, sind auf der koch­zau­ber.de-sei­te nicht her­aus­zu­fin­den:

  • wo­her kom­men die pro­duk­te ge­nau?
  • tra­gen die pro­duk­te bio-sie­gel?
  • wer sind die lie­fe­ran­ten? wer lie­fert ge­mü­se, wer das fleisch?
  • wie wird die kühl­ket­te wäh­rend des trans­ports bei­spiels­wei­se von hack­fleisch ein­ge­hal­ten? gut wulks­fel­de, von de­nen wir uns vor ei­ni­ger zeit re­gel­mäs­sig ha­ben be­lie­fern las­sen, ver­zich­te­te bei­spiels­wei­se auf die aus­lie­fe­rung von hack­fleisch im som­mer. koch­zau­ber nicht. hat koch­zau­ber kühl­wa­gen? lie­fert es be­son­ders schnell aus dem kühl­haus? (wenn der trans­port wie auf der sei­te an­ge­ge­ben im­mer mitt­wochs ab 17 uhr statt­fin­det, ist un­ser hack­fleisch im­mer­hin 4 stun­den un­ter­wegs ge­we­sen.)
  • wo­her kom­men die re­zep­te? jetzt mal ehr­lich?
  • war­um gibts kei­ne fo­tos vom team, wie sieht ein „er­näh­rungs­psy­cho­lo­ge“ aus?
  • was pas­siert mit dem lie­fer­kar­ton? nimmt der fah­rer den bei der nächs­ten lie­fe­rung wie­der mit, soll er in den müll? auf der koch­zau­ber­sei­te steht dazu nichts.

statt­des­sen phra­sen:

Die Ein­käu­fer: Un­ser Ein­kaufs-Team setzt sich mit vol­lem En­ga­ge­ment da­für ein, dass un­se­rer Zu­ta­ten höchs­ten An­sprü­chen ge­recht wer­den. Bio­lo­gi­sche Er­zeu­gung, re­gio­na­le Her­kunft und sai­so­na­le Trends ga­ran­tie­ren höchs­te Qua­li­tät und ex­qui­si­ten Ge­schmack.

auch an den wa­ren selbst sind kei­ne hin­wei­se auf die her­kunft oder die er­zeu­ger zu fin­den (aus­nah­me: die mar­ken­pro­duk­te. auf den fleisch­ver­pa­ckun­gen ste­hen die gross­händ­ler­na­men).
dass das auch an­ders geht, zeigt, wie­der mal, gut wulks­fel­de: zu je­dem le­bens­mit­tel (mehr oder we­ni­ger) ge­naue an­ga­ben wo­her es kommt.

an­de­rer­seits gab es an den le­bens­mit­teln von koch­zau­ber.de nichts aus­zu­set­zen. selbst der knob­lauch war OK, auch wenn es wit­zi­ger­wei­se nur zwei ein­zel­ne fuck­ing ze­hen gab.


ich hat­te schon so eine ah­nung als ich das an­ge­bot be­kam, eine kos­ten­lo­se kis­te zu tes­ten: der spass ist teu­er. mal­te prien von deut­sche start­ups hat sich mal die mühe ge­macht die kos­ten von di­ver­sen lie­fer­diens­ten wie koch­zau­ber durch­zu­rech­nen. er kommt auf ma­te­ri­al­kos­ten von un­ge­fähr 40% des kis­ten­prei­ses. nach mei­ner rech­nung sind le­bens­mit­tel im wert von ca. 27 euro in der 64-euro-kis­te drin, also auch um die 40% (rewe-prei­se). mit bio-avo­ca­dos und -zuc­chi­nis, knapp 30 euro. al­ler­dings sind die le­bens­mit­tel von koch­zau­ber mit si­cher­heit nicht „bio“ oder aus „kon­trol­liert öko­lo­gi­schem an­bau“. für uns ist das, für ein biss­chen kom­fort und ein paar re­zep­te, ei­nen ti­cken zu teu­er. 37 euro pro wo­che für die por­tio­nie­rung, lie­fe­rung und re­zep­tur von le­bens­mit­teln ist ein­fach zu­viel. zu­mal ich das ein­kau­fen von le­bens­mit­teln, nicht erst seit ich re­gel­mäs­sig zum wo­chen­markt gehe, sehr ger­ne ma­che. durch das in­ter­net, die­se un­glaub­li­che re­zept­ma­schi­ne, in die man ein paar zu­ta­ten ein­ge­ben kann und manch­mal tol­le re­zep­te aus­ge­wor­fen be­kommt, brin­gen mir star­re re­zept­vor­schlä­ge nicht so irre viel kom­fort­zu­wachs. we­gen des wo­chen­markts ha­ben wir schon vor ein paar jah­ren un­se­re wulks­fel­der ge­mü­se­kis­te auf­ge­ge­ben. der wo­chen­markt ist un­term strich ein­fach güns­ti­ger, di­rek­ter, fle­xi­bler und er­leb­nis­rei­cher.


die blitz­pfann­ku­chen (aus dem back­ofen) mit zuc­ci­ni-to­ma­ten-sau­ce wa­ren sa­hen so aus:

der ge­bra­te­ne blu­men­kohl mit au­ber­gi­nen­pü­ree müss­te ei­gent­lich ge­ba­cke­ner blu­men­kohl mit ei­nem klecks au­ber­gi­nen­pü­ree heis­sen, war aber auch her­vor­ra­gend zu­be­rei­tet. nur die por­tio­nie­rung ist den er­näh­rungs­be­ra­tern und pro­fi-kö­chen nicht so 100% ge­lun­gen. aufs back­blech habe ich nur 1,5 blu­men­köh­le be­kom­men, mit dem au­ber­gi­nen­pü­ree hab ich ge­ra­de mal 3 tel­ler­chen mit klei­nen häuf­chen fül­len kön­nen. das pü­ree war mit der an­ge­ge­be­nen men­ge li­met­ten­saft auch ei­nen gan­zen tick zu sau­er. mit grös­se­ren oder ei­ner au­ber­gi­ne mehr hät­te das si­cher bes­ser ge­passt. da­für stimm­te die zu­be­rei­tungs­zeit auf die mi­nu­te.

beim drit­ten re­zept, der „Hähn­chen­brust an fruch­ti­ger Me­lo­nen-Sal­sa“, ist für mei­nen ge­schmack ein ad­jek­tiv zu viel ent­hal­ten, das re­zept hört sich da­für sehr le­cker an. ich er­zäh­le es mal nach, ohne es bis jetzt ge­kocht zu ha­ben:

zwei me­lo­nen wür­feln, hähn­chen­brüs­te, die vor­her in ge­mah­le­nen ha­sel­nüs­sen ge­wälzt wur­den, an­bra­ten und im ofen aus­ga­ren. zu den me­lo­nen­wür­feln eine fein­ge­schnit­te­ne scha­lot­te, zwei klein ge­wür­fel­te avo­ca­dos, li­met­ten­saft, es­sig, ho­nig, oli­ven­öl, salz und pfef­fer hin­zu­ge­ben.

mich dünkt es al­ler­dings, dass die „Re­zept­ent­wick­ler“ vom koch­zau­ber le­dig­lich re­zept­samm­ler und -va­rie­rer sind. zu­min­dest gibt es ein paar ähn­lich le­cker klin­gen­de re­zep­te im netz (1, 2, 3). das soll jetzt nicht haar­spal­te­risch er­schei­nen, ich wür­de ein­fach ger­ne ge­nau­er er­fah­ren, was bei koch­zau­ber pas­siert. wie „ent­wi­ckelt“ koch­zau­ber die re­zep­te, ko­chen die wirk­lich al­les ein­mal nach oder nur ein food­sty­list, für die re­zept­fo­tos? wel­che koch­bü­cher, koch­blogs, web­sei­ten, fern­seh­kö­che sor­gen für in­spi­ra­ti­on? koch­zau­ber hat doch ein blog. war­um nicht statt mar­ke­ting- und flos­kel­b­lah ein­fach mal die pro­zes­se zei­gen, be­schrei­ben was die „Koch­pro­fis“ so ma­chen? so, dass es sich an­hört als sei es von men­schen ge­schrie­ben.


ich fin­de die idee von koch­zau­ber, die ge­nau be­trach­tet na­tür­lich auch nicht be­son­ders ori­gi­nell ist, nicht schlecht. uns ist das aber viel zu teu­er und un­fle­xi­bel. dazu kommt, dass mir die mar­ke­ting­flos­keln auf den geist ge­hen. der bau­er auf dem wo­chen­markt spricht bei­na­he ohne ad­jek­ti­ve, nimmt wor­te wie „Ge­nuss­him­mel“ nicht in den mund und for­dert mich nicht auf, ihn auf face­book zu be­su­chen, wenn ich mich ge­ra­de mit ihm un­ter­hal­te. wer wert auf öko­lo­gi­sche er­zeu­gung, fir­le­fanz­lo­se an­spra­che und trans­pa­renz legt, ist mit diens­ten wie dem von wulks­fel­de bes­ser auf­ge­ho­ben. re­zept­vor­schlä­ge lie­gen bei den ge­mü­se­kis­ten, die ich ken­ne, auch im­mer bei, man kann sa­chen die man nicht mag aus­schlies­sen und die lie­fe­rung klapp­te zum bei­spiel bei wulks­fel­de auch, wenn nie­mand zu­hau­se war. im­mer­hin, das kern­stück der zau­ber­kis­te, die le­bens­mit­tel und die re­zep­te, wa­ren sehr in ord­nung. nur das drum­rum, das tra­la­la und der preis sind ein pro­blem. für uns.


[nach­trag 14.07.2012]
ges­tern mit­tag habe ich das letz­te re­zept aus der box zu­be­rei­tet: die hähn­chen­brust mit me­lo­nen-sal­sa. die bei­den me­lo­nen wa­ren ex­trem gut (ge­nau der rich­ti­ge rei­fe­grad, süss, von in­nen duf­tig, von aus­sen ein biss­chen stin­kig). die avo­ca­dos wa­ren auch auf den punkt ge­reift. an den me­lo­nen und avo­ca­dos gabs also nichst aus­zu­set­zen, aber das hüh­ner­fleisch roch lei­der sehr, sehr stark nach fau­len ei­ern, auch nach aus­gie­bi­ger spü­lung un­ter kla­rem was­ser. der ge­ruch ver­lor sich auch nach dem bra­ten nicht ganz, im­mer­hin war der ge­schmack OK. das min­dest­halt­bar­keits­da­tum wäre erst am nächs­ten tag ab­ge­lau­fen.


fake, nicht klas­sisch

felix schwenzel

chris­toph stock­bur­ger schreibt auf spie­gel.de über „Irre Drifts in den Stra­ßen von San Fran­cis­co“ und meint da­mit ein neu­es vi­deo von je­man­den der ganz gut auto fährt. kann man sich an­gu­cken, find ich.

chris­toph stock­bur­ger schreibt:

In ei­nem Ford Fi­es­ta HFHV mit 660 PS (Von null auf hun­dert in 1,8 Se­kun­den) kurvt er durch die ka­li­for­ni­sche Me­tro­po­le, ohne sich da­bei um Ge­gen­ver­kehr, rote Am­peln oder Cops küm­mern zu müs­sen. Nur ei­ni­ge der klas­si­schen Ca­ble Cars tau­chen auf den ab­ge­sperr­ten Stra­ßen auf - um von Block mit qual­men­den Rei­fen um­kreist zu wer­den.

(her­vor­he­bung von mir)

im vi­deo sieht man aber kei­ne „klas­si­schen Ca­ble Cars“, son­dern tou­ris­ten-bus­se, die so aus­se­hen wie ca­ble cars:

ech­te, „klas­si­sche“ ca­ble cars ha­ben kei­ne rei­fen, son­dern stahl­rä­der und se­hen ein biss­chen an­ders aus.

nicht, dass das in ir­gend­ei­ner form wich­tig wäre, aber ich woll­te ein­fach mal los­wer­den, dass ich das sehr lieb­los fin­de, was chris­toph stock­bur­ger da ge­schrie­ben hat.

dass es auch an­ders geht, zeigt die bild­un­e­tr­schrift un­ter die­sem mu­schel­vi­deo auf spie­gel.de. statt wie das hal­be in­ter­net von ei­ner mu­schel­zun­ge zu schrei­ben, schreibt spie­gel-on­line:

Ein In­ter­net­vi­deo zeigt eine Ve­nus­mu­schel mit ei­ner schein­ba­ren Vor­lie­be für Salz. Sie schiebt ih­ren Fuß aus dem Pan­zer. Doch so­fort mel­den ihre Sin­nes­zel­len Ge­fahr.

mu­scheln ha­ben näm­lich gar kei­ne zun­gen.


ca­ble car bild von ma­rio six­tus, cc li­zen­ziert. bus-bil­der von hier.


wer­bung

felix schwenzel

ich habe mich ja schon­mal vor ner wei­le ge­fragt, war­um on­line-wer­bung ei­gent­lich ner­ven muss. zap­peln, zu­cken, fla­ckern, wa­ckeln, täu­schen. ich frag­te mich, was ei­gent­lich so schlecht am prin­zip der print­wer­bung war. ein gan­ze, hal­be oder vier­tel sei­te, im op­ti­mal­fall ge­füllt mit ei­nem mo­tiv und ei­nem wer­be­spruch. igno­ri­er- und über­blät­ter­bar, aber manch­mal auch die auf­merk­sam­keits­chwel­le er­rei­chend.

on­line war am an­fang das ban­ner. als die wer­be­trei­ben­den mit­be­ka­men, dass die le­ser von web­sei­ten lern­ten, die­se ban­ner zu igno­rie­ren, fin­gen sie an, sie zu ani­mie­ren. spä­ter, um auf­merk­sam­keit zu be­kom­men, leg­ten sie an­zei­gen über die sei­ten, stör­ten den text­fluss mit ein­ge­scho­be­ner wer­bung. man­che sei­ten wur­den so voll mit wer­bung ge­la­den, dass man den ei­gent­li­chen in­halt mit der lupe su­chen muss­te. ban­ner­wer­bung nerv­te meis­tens nur und frass durch den gross­zü­gi­gen ein­satz von schlecht pro­gram­mier­tem flash auch noch gros­se tei­le der pro­zes­sor­leis­tung.

ei­nen gross­teil von goo­gles frü­hem er­folg kann man si­cher­lich mit der er­fin­dung (oder ge­nau­er ver­mark­tung) der un­auf­drig­li­chen und manch­mal kon­text­sen­si­ti­ven ad­sen­se-text­an­zei­ge be­grün­den. trotz ih­rer nicht-ner­vigkeit und un­auf­dring­lich­keit wur­de sol­chen an­zei­gen teil­wei­se gros­se auf­merk­sam­keit zu­teil. den wer­be­trei­ben­den reicht das aber schon län­ger nicht mehr, auch goog­le-ad­sen­se lie­fert mitt­ler­wei­le bun­te, ani­mier­te nerv-ban­ner aus, trackt die be­nut­zer über web­sei­ten hin­weg, um ih­nen meis­tens ir­rele­van­ten stuss vor­zu­zu­cken.

da­mals frag­te ich mich, war­um on­line-wer­bung nicht auch so aus­se­hen könn­te:

schon klar, on­line­wer­bung ist zum gros­sen teil kei­ne image- oder mar­ken-wer­bung, son­dern will die be­su­cher von web­sei­ten weg­lo­cken, auf die ei­ge­nen an­ge­bo­te. das grund­prom­blem bleibt aber: auf­merk­sam­keit durch schrei­en oder rum­zu­cken funk­tio­niert nur für kur­ze zeit. es ist ein psy­cho­lo­gi­sches pro­blem; wer auf dau­er auf­merk­sam­keit be­kom­men möch­te, muss durch in­ter­essanz und nicht pe­ne­tranz punk­ten. un­ter­hal­tung, statt stö­rung. in­tel­li­genz, statt stumpf­heit und mas­se. wer­bung ge­winnt bei mir glaub­wür­dig­keit durch kon­stanz und selbst­be­schrän­kung.

wer­bung kann so gut sein, dass sich man­che men­schen* wer­bung so­gar in aus­stel­lun­gen an­se­hen oder im kino. on­line pas­siert das den we­nigs­ten men­schen. ich kann mich an kein on­line-ban­ner er­in­nern, von dem ich sa­gen wür­de: wow, das war gut (was auch dar­an lie­gen kann, dass ich sie meis­tens tech­nisch und psy­cho­lo­gisch aus­blen­de). im print oder im fern­se­hen ha­ben ich vie­le ge­se­hen, von de­nen ich sa­gen wür­de: wow. man­che wer­bung hat es ge­schafft sich tief ins kol­lek­ti­ve ge­däch­nis (zu­min­dest meins) ein­zu­gra­ben. on­line-wer­bung eher nicht. war­um ist das so?


vor ein paar ta­gen sah ich auf su­per­le­vel die­se an­zei­ge:

die an­zei­ge er­in­ner­te mich an die „the deck“-wer­bung auf dar­ing-fire­ball: ein bild, ein text, eine an­zei­ge. sonst nix. auf su­per­le­vel er­kann­te ich die an­zei­ge zu­nächst gar nicht als an­zei­ge, was wie­der­um mei­ne auf­merk­sam­keit er­höh­te und dazu führ­te, dass ich mir die an­zei­ge nä­her an­sah. und auf das wort stilan­zei­ge klick­te. dort las ich in den richt­li­ni­en für wer­be­kun­den:

Das An­zei­gen­bild muss in ei­ner Bild­da­tei (zB. JPG, PNG, GIF) mit den Ma­ßen 130px (ho­ri­zon­tal) zu 100px (ver­ti­kal) an­ge­lie­fert wer­den.
[…]
Das Er­schei­nungs­bild der An­zei­ge soll­te Auf­merk­sam­keit auf sich zie­hen kön­nen, stilan­zei­gen be­hält sich aber vor, nach frei­em Er­mes­sen zu bun­te oder in zu grel­len Far­ben ge­hal­te­ne An­zei­gen ab­zu­leh­nen.

Der Text je­der stilan­zei­ge hat die Funk­ti­on, das auf dem Bild an­ge­zeig­te Pro­dukt bzw. Ser­vice zu be­schrei­ben. Fas­sen Sie hier kurz und prä­gnant die wich­tigs­ten In­for­ma­tio­nen und Vor­tei­le Ih­res Pro­duk­tes zu­sam­men. Er­laubt sind ma­xi­mal 80 Zei­chen.

in den richt­li­ni­en für blog­ger:

Da wir un­se­ren Wer­be­kun­den ex­klu­siv den ein­zi­gen Wer­be­platz auf den Blogs an­bie­ten möch­ten, ist an­de­re Ban­ner­wer­bung lei­der nicht er­laubt. Da­von aus­ge­nom­men sind ge­spon­ser­te Blog­pos­tings, die Be­wer­bung von ei­ge­nen Pro­duk­ten und/oder nicht ver­gü­te­te An­zei­gen auf an­de­re Pro­jek­te/Web­sites/Blogs.
Die­se Ex­klu­si­vi­tät bie­tet den gro­ßen Vor­teil, dass wir ei­nen hö­he­ren TKP für dich aus­han­deln kön­nen.

80 zei­chen text, ein bild. eine ex­klu­si­ve an­zei­ge. gross­ar­tig.


seit ein paar jah­ren bin ich mit­glied im wer­be­netz­werk adi­cal ad­na­ti­on, das vor kur­zem von mo­ko­no auf­ge­kauft wur­de und mo­ko­no dann von po­pu­lis. ad­na­ti­on woll­te blog­gern ein ein­kom­men durch wer­bung si­chern. trotz ei­ni­ger an­stren­gun­gen hat das (bei mir) nie so be­son­ders gut ge­klappt. ei­ner­seits weil es of­fen­bar sehr schwer war, wer­be­trei­ben­de da­von zu über­zeu­gen auf blogs zu wer­ben, an­de­rer­seits weil die wer­bung, wenn es mal klapp­te wer­be­trei­ben­de zu über­zeu­gen, eher kon­ven­tio­nell (fla­shig, zap­pe­lig, schrei­end) da­her­kam. ich habe ein paar hun­dert euro über die jah­re ein­ge­nom­men und weiss nicht ob ich mich mehr über die ab­we­sen­heit oder die an­we­sen­heit von wer­bung är­ger­te. und auch die über­nah­me durch mo­ko­no/po­pu­lis hat dar­an nichts ge­än­dert: es gab kei­ne bis we­nig wer­bung — und wenn es wel­che gab, war die meist so ner­vig, dass ich sie in die­ser form ei­gent­lich gar nicht auf mei­nem blog se­hen woll­te. zu­mal seit der mo­ko­no/po­pu­lis-über­nah­me auch noch ein rei­gen an track­ing­codes mit der wer­bung mit­ge­schickt wur­de, je nach wer­bung bis zu sechs oder sie­ben track­ing­codes.


seit ei­ni­gen mo­na­ten über­leg­te ich die zu­sam­men­ar­beit mit po­pu­lis zu be­en­den oder ru­hen zu las­sen und viel­leicht zu ver­su­chen mich selbst zu ver­mark­ten. letz­te wo­che habe ich mich dann ent­schie­den, wenn man mich dort ha­ben woll­te, bei stilan­zei­gen mit­zu­ma­chen. stilan­zei­gen sag­te mir zu, al­ler­dings auch, dass sie der­zeit nicht be­son­ders vie­le (kei­ne) kam­pa­gnen hät­ten. man ar­bei­te an der aqui­se. auch wenn die er­fah­rung dem wi­der­spricht, hof­fe ich doch sehr, dass vie­le wer­be­trei­ben­de, ver­mark­ter oder auf­merk­sam­keits­be­dürf­ti­ge das ein­leuch­ten­de kon­zept von stilan­zei­gen zu wür­di­gen wis­sen und dort vie­le an­zei­gen kau­fen. und ich hof­fe na­tür­lich, dass vie­le an­de­re blog­ger sich das mal an­se­hen.

ab mon­tag steht hier eine stilan­zei­gen ei­gen­wer­bung. ich bin ge­spannt wie und ob das wei­ter­geht. und wenn das al­les schei­tert, dann mit stil.

hört sich pa­ra­dox an und ist viel­leicht auch dumm, aber ich habe hier lie­ber wer­bung die we­der mich, noch mei­ne le­ser nervt, als da­mit geld zu ver­die­nen. aber, und jetzt wie­der­ho­le ich mich, ich hof­fe sehr, dass das kon­zept der nicht ner­ven­den wer­bung auch in deutsch­land eine chan­ce be­kommt und er­folg hat.


die bei­fah­re­rin er­zähl­te mir kürz­lich, dass sie auf da­wan­da, ein la­den den sie durch und durch sym­pa­thisch fin­det, kürz­lich nach ra­die­run­gen ge­sucht und in den such­ergeb­nis­sen her­um­ge­blät­tert hat. kurz dar­auf wur­de sie auf al­len mög­li­chen dritt­sei­ten (un­ter an­de­rem spie­gel-on­line) mit wer­be­an­zei­gen von da­wan­da kon­fron­tiert, die ihr die ra­die­run­gen die sie vor­her an­ge­se­hen hat­te noch­mal zeig­ten.

da­mit die wer­be­stra­te­gen von da­wan­da und die „tar­ge­ting“-spe­zia­lis­ten, die sich so­was aus­den­ken, ver­ste­hen was für ein kran­ker scheiss das ist, ver­su­che ich das mal in ein bei­spiel aus der al­ten zeit, wo man noch in ge­schäf­ten ein­kauf­te, zu ver­pa­cken: je­mand der in ei­nen an­ti­qui­tä­ten-la­den geht, sich dort ein paar ra­die­run­gen an­sieht und den la­den wie­der ver­lässt, weil er nix ge­fun­den hat, wäre si­cher nicht be­geis­tert, wenn ihn ein clown aus dem la­den hin­ter­her­läuft. wenn die­ser clown ihm dann durch die stadt folgt, vor ihm rum tanzt und ihm die bil­der die er of­fen­bar nicht ha­ben woll­te auf pla­ka­ten zeigt — ist das dann gute wer­bung?

eher nicht. der la­den, der sol­che clowns durch die ge­gend schickt um ehe­ma­li­ge be­su­cher zu ver­fol­gen, wirkt du­bi­os. oder wie die bei­fah­re­rin das aus­drück­te: „ei­nen la­den wie da­wan­da kann man doch ei­gent­lich nicht doof fin­den. aber die ha­ben mit ih­ren an­zei­gen das un­mög­li­che ge­schafft, ich fin­de da­wan­da jetzt sehr, sehr zwei­fel­haft.“


*) ich


bo­nes, duck, brains, chains, mus­cles, tee­th

felix schwenzel


tritt il­se ai­gner aus dem mel­de­amt aus?

felix schwenzel

tritt ilse ai­gner jetzt ei­gent­lich öf­fen­ti­ch­keits­wirk­sam aus dem mel­de­amt aus, we­gen dem man­geln­den da­ten­schutz? wie da­mals bei face­book?

06.07.2012 19:31 via web Re­p­ly Ret­weet Fa­vo­ri­te 

@di­plix fe­lix schwen­zel

ne­ben der tat­sa­che, dass ich in die­sen tweet (na­tür­lich) ei­nen tipp­feh­ler ein­ge­baut habe, woll­te ich dem tweet oben ei­gent­lich nur et­was kon­text zu­teil wer­den las­sen.

ilse ai­gner trat am 3. juni 2010 aus face­book aus (sie­he auch spon dazu), nach­dem sie sich mit dem face­book-ma­na­ger ri­chard al­len ge­trof­fen hat­te. in ih­rem of­fi­zi­el­len state­ment sag­te sie da­mals:

Ich habe mich nach ei­nem Ge­spräch mit Ver­tre­tern von Face­book dazu ent­schie­den, mei­ne Mit­glied­schaft zu be­en­den. Als Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin kann und will ich es nicht ak­zep­tie­ren, dass ein Un­ter­neh­men wie Face­book ge­gen das Da­ten­schutz­recht ver­stößt und die Pri­vat­sphä­re sei­ner Mit­glie­der in wei­ten Tei­len igno­riert.

am 29. juni 2012 ver­ab­schie­de­te der bun­des­tag ein ge­setz zur „Fort­ent­wick­lung des Mel­de­we­sens“, von dem pa­trick beuth auf zeit.de meint, dass es „auch Ge­setz zur Rück­ent­wick­lung des Da­ten­schut­zes“ heis­sen könn­te. nicht nur bleibt es da­bei, dass der wei­ter­ga­be pri­va­ter adress­da­ten aus­drück­lich wi­der­spro­chen wer­den muss, ob­wohl die re­gie­rung an­fangs ei­nen opt-in-me­cha­nis­mus für die adress­han­del-er­laub­nis ver­spro­chen hat­te. zu­sätz­lich be­sagt das ge­setz, dass auch bei ei­nem wi­der­spruch, die da­ten „zur Be­stä­ti­gung oder Be­rich­ti­gung be­reits vor­han­de­ner Da­ten“ ge­nutzt wer­den kön­nen. also prak­tisch im­mer.

ma­nu­el hö­fer­lin von der FDP-bun­des­tags­frak­ti­on sagt dazu (via):

Wir ha­ben das Recht der be­trof­fe­nen Per­son, ei­ner au­to­ma­ti­sier­ten Mel­de­re­gis­ter­aus­kunft zu wi­der­spre­chen, ge­stri­chen. Be­vor hier wie­der das Ge­schrei aus der Op­po­si­ti­on kommt: Die Ent­schei­dung war rich­tig.

der grund da­für liegt auf der hand: ge­schäf­te. di­rekt­mar­ke­ting-, in­kas­so­un­ter­neh­men, ver­wer­tungs­ge­sell­schaf­ten wie die GEZ wür­den emp­find­lich in ih­ren ab­läu­fen ge­stört, wenn sie nicht au­to­ma­tisch auf ak­tu­el­le mel­de­re­gis­ter­da­ten zu­grei­fen könn­ten. der da­ten­schutz muss da zu­rück­tre­ten vor dem ge­mein­wohl den ge­schäft­in­ter­es­sen.

noch­mal zu­rück zu ilse ai­gner. die sag­te 2010:

Auch der Um­gang im welt­wei­ten In­ter­net braucht Re­geln, die Da­ten­schutz und Pri­vat­sphä­re si­chern.

die mel­de­äm­ter sind nicht teil des in­ter­nets und brau­chen des­halb den da­ten­schutz und die pri­vat­sphä­re nicht zu si­chern? wie­so kann ilse ai­gner das bei face­book nicht ak­zep­tie­ren, bei den mel­de­äm­tern aber schon?


sie­he auch:


un­ab­sicht­li­che iro­nie?

felix schwenzel

ich muss seit sonn­tag im­mer la­chen, wenn ich auf spie­gel-on­line die wer­bung für den neu­en spie­gel sehe:

mög­li­cher­wei­se ist das aber gar kei­ne un­ab­sicht­li­che iro­nie, wenn man wer­bung für eine „di­gi­ta­le diät“ mit wer­bung für die ei­ge­ne di­gi­ta­len apps, di­gi­ta­len aus­ga­ben und di­gi­ta­len dis­kus­si­ons­fo­ren kom­bi­niert.

viel­leicht wird man mit sol­chen ab­sur­di­tä­ten ein­fach zeu­ge, in was für eine ver­fah­re­ne si­tua­ti­on sich der spie­gel mit sei­ner fun­da­men­ta­len wir-has­sen-di­gi­tal-hal­tung ma­nö­vriert hat. das ist wie ei­nen er­trin­ken­den zu be­ob­ach­ten, der ein t-shirt mit der auf­schrift „FUCK YOU DLRG!“ trägt. dem­nächst dann auf dem spie­gel-ti­tel: „wie sie ihre sor­gen los wer­den, in­dem sie we­ni­ger le­sen“ oder „so kün­di­gen sie ihre zeit­schrif­ten-abos“.


glaub­wür­dig­keit

felix schwenzel

Als Hort der Glaub­wür­dig­keit sind Print­me­di­en un­er­setz­lich.
— Hu­bert Bur­da

zi­tat­quel­le: „die zeit“, sei­te 35, /via turi2


streit­stein

felix schwenzel

am mon­tag im iCE las ich im ta­ges­spie­gel die­sen ar­ti­kel über ein zehn jah­re al­tes, leicht eso­te­ri­sches, aber ganz nied­li­ches pro­jekt von wolf­gang kra­ker von schwar­zen­feld aus fünf stei­nen ir­gend­wo in ei­nem park in ber­lin. in dem ar­ti­kel geht es um in­dia­ner, die den stein zu­rück wol­len, um den künst­ler, der mein­te alle pa­pie­re und ein­ver­ständ­nis­se für die aus­fuhr des steins zu ha­ben und um po­li­tik. schön dif­fe­ren­ziert von kat­ja rei­mann zu­sam­men­ge­schrie­ben. na­tür­lich hab ich den ar­ti­kel im lau­fe der wo­che fast wie­der ver­ges­sen, weil man ta­ges­spie­gel­ar­ti­kel auf pa­pier ja nicht bei pin­board spei­chern kann.

dann fiel mir in mei­nem RSS-fluss die­ser ar­ti­kel auf bo­ing­bo­ing.net auf. er ist vom reu­ters jour­na­lis­ten ste­phen brown, der ihn auf eng­lisch, et­was kür­zer und et­was we­ni­ger dif­fe­ren­ziert als kat­ja rei­mann auf­schrob. be­mer­kens­wert zu­min­dest, dass der brown-ar­ti­kel auf bo­ing­bo­ing eine na­he­zu wort­glei­che über­nah­me aus ste­phen browns blog ist.

ich fin­de das ein kit­ze­klei­nes biss­chen be­mer­kens­wert. ei­ner­seits weil ein kla­rer hin­weis und link auf das cross­post fehlt (im­mer­hin ver­linkt bo­in­bo­ing auf browns blog). an­de­rer­seits frag ich mich, war­um man das nicht ein­fach ver­lin­ken konn­te. ir­gend­we fühlt sich die­ses syn­di­zie­ren von tex­ten (was auch die huf­fing­ton post und car­ta.info ger­ne ma­chen) an wie in den 80er-jah­ren in ame­ri­ka­ni­schen ta­ges­zei­tun­gen ver­tei­len von tex­ten an meh­re­re stel­len voll 80er-jah­re-mäs­sig an.

und jetzt „Ein schö­ner Bro­cken“ von kat­ja rei­mann le­sen.


mis­an­thro­pie ist scheis­se

felix schwenzel

If I’ve lear­ned any­thing, it’s that we can never let the cha­os and in­ju­s­ti­ce make us so blind with an­ger that we be­co­me part of the pro­blem. Un­der­stan­ding, com­pas­si­on, kind­ness and love are the only true re­vo­lu­tio­na­ry ide­als. When we com­pro­mi­se tho­se we be­co­me what we des­pi­se and we lose our hu­ma­ni­ty.

bo­nes s03 e02

ein biss­chen pa­the­tisch, aber sehr wahr. ich glau­be ame­ri­ka­ni­sches fern­se­hen schult mich sehr in pa­thos-to­le­ranz und -ingno­ranz. schlimm wird der das pa­thos des ame­ri­ka­ni­schen fern­se­hens erst durtch die syn­chro­ni­sie­rung. glaub ich.


the news­room

felix schwenzel

eben die ers­te fol­ge von aa­ron sor­kins neu­er HBO-se­rie „the news­room“ ge­se­hen. und ix bin be­geis­tert. sor­kin ist wie­der min­des­tens so gut wie zu the „west-wing“-zei­ten. dia­lo­ge, die bei­des sind, leicht pa­the­tisch und la­ko­nisch. dia­lo­ge vol­ler die am bes­ten funk­tio­nie­ren, wenn die prot­ago­nis­ten wie irre durch die ge­gend lau­fen, schnell, so ge­schlif­fen, dass kein mensch sie sich spon­tan aus­den­ken könn­te, und doch wahr­haf­tig und rea­lis­tisch. sor­kins fern­seh­sen­dun­gen sind voll mit über­durch­schnitt­lich in­tel­li­gen­ten men­schen*, die stän­dig ge­schlif­fe­ne re­den hal­ten und doch wirkt jede si­tua­ti­on, bis ins letz­te au­gen­zwin­kern, rea­lis­tisch.

nach­dem ich die ers­te fol­ge von the news­room ge­se­hen habe, wünsch­te ich mir nichts sehn­li­cher, als die gan­ze ers­te staf­fel the news­room als uk-im­port DVD ne­ben mir lie­gen zu ha­ben und die nacht über 8 fol­gen nach­ein­an­der se­hen zu kön­nen. wie das manch­mal bei „the west wing“ oder „the wire“ pas­sier­te. is aber nicht. auf die DVD müs­sen wir min­des­tens ein jahr war­ten.

ame­ri­ka­ner kön­nen sich auf you­tube mit der ers­ten fol­ge an­fi­xen las­sen. eu­ro­pä­er müs­sen sich ei­nen VPN-zu­gang be­sor­gen (af­fi­lia­te- und ra­batt-code PVUVGHT für black VPN) und gut eng­lish kön­nen um sich an­fi­xen zu las­sen.


dan ra­ther moch­te den news­room:

I'm awa­re that my musings run coun­ter to some of the more pro­mi­nent ear­ly re­views in high-pro­fi­le pu­bli­ca­ti­ons such as The New Yor­ker and the New York Times. But with all due re­spect (and I have a lot of it for tho­se re­view­ers), I just don't think they "get it"; they'­ve so­mehow missed the breadth, depth and "got it right" qua­li­ties –- and im­portance — of News­room. May­be it's be­cau­se they are print peo­p­le. Then, too, may­be they'­re right and I'm wrong. I never rule out the pos­si­bi­li­ty of that. But I've li­ved in the world of te­le­vi­si­on news­rooms for most of my adult life. I know the peo­p­le, the ve­nues and the chal­lenges — the sa­tis­fac­tions of suc­cess and the he­art­break when things go awry. From whe­re I sit and ba­sed on my ex­pe­ri­ence, Sor­kin and crew have got it ama­zin­gly right, even when they over talk it.

But if you lik­ed the mo­vies Ci­ti­zen Kane, Net­work, and Broad­cast News, if you lik­ed the te­le­vi­si­on se­ries West Wing, Mad Men, or The Good Wife, you'­re go­ing to love News­room. At least the first in­stall­ment. And if Sor­kin, his wri­ters and their ex­cel­lent ac­tors can main­tain this le­vel, you'll pro­ba­b­ly like the full run.

It has the po­ten­ti­al to be­co­me a clas­sic.


*) jeff da­ni­els wirkt bei sei­nem auf­tritt bei craig fer­gu­son nicht über­in­tel­li­gent, aber in der sen­dung schon. aber ein klas­se schau­spie­ler, das ist er durch­aus.


[nach­trag 27.06.2012]
sa­rah ni­co­le pri­ckett hat mit aa­ron sor­kin ge­spro­chen und die show ganz gut se­ziert:

Months be­fo­re see­ing the pi­lot, I read its en­ti­re (lea­k­ed) script. […] The gre­at Ame­ri­can dialec­tic – op­ti­mism and rea­lism, faith and re­ason – is thril­lingly ani­ma­ted on­screen, but hard­ly mo­re­so than on the page. I had to watch the show twice just to be­lie­ve (a) how good that script was and (b) how in­cre­di­bly con­vin­ced of its good­ness, in every sen­se of “good,” it was.

How to get un­der Aa­ron Sor­kin’s skin (and also, how to high-five pro­per­ly) [/via ste­fan nig­ge­mei­er]


denk­mä­ler

felix schwenzel

alex­an­dra scha­de kri­ti­siert hei­ner geiß­ler, der die sie­ges­säu­le spren­gen möch­te:

[Ich hal­te] das Ab­rei­ßen von Denk­mä­lern für den fal­schen Weg, um sich mit der Ge­schich­te aus­ein­an­der­zu­set­zen. So ge­ra­ten Er­eig­nis­se eher in Ver­ges­sen­heit, als dass sie ins na­tio­na­le Ge­dächt­nis über­ge­hen und auf­ge­ar­bei­tet wer­den. Und wer bit­te darf ent­schei­den, wel­che Denk­mä­ler ste­hen blei­ben dür­fen und wel­che nicht? Wenn man Geiß­ler kon­se­quent wei­ter­denkt, müss­te man auch an­de­re Preu­ßen-Bau­ten wie Bran­den­bur­ger Tor, Staats­oper oder Reichs­tag ab­rei­ßen.

in dem vi­deo, in dem sich geiß­ler für die spren­gung aus­spricht, nutzt geiss­ler vie­le wor­te („un­nö­tig“, „sinn­los“, „däm­lich“, „häss­lich“, „künst­le­ri­sches de­sas­ter“) die, wür­den sie als kul­tu­rel­ler mass­stab ge­nutzt, wohl zur be­sei­ti­gung oder spren­gung der hal­ben re­pu­blik füh­ren wür­den. auch wenn geiß­ler die kri­tik an der sie­ges­säu­le im fe­bru­ar noch et­was dif­fe­ren­zier­ter for­mu­lier­te, schrammt er grund­sätz­lich am kern­ge­dan­ken von denk­mä­lern vor­bei:

denk­mä­ler sol­len er­in­nern, nicht glo­ri­fi­zie­ren. denk­mä­ler kön­nen zum den­ken an­re­gen, tun sich aber eher schwer da­mit men­schen zu fa­na­ti­sie­ren oder „rechts­kon­ser­va­ti­ves und deutsch­na­tio­na­les Ge­dan­ken­gut“ zu ver­brei­ten.

mal ernst­haft: ist geiß­ler wirk­lich so merk­be­freit, dass er nicht zu se­hen ver­mag, dass die sie­ges­säu­le (und un­zäh­li­ge an­de­re denk­mä­ler) in ih­rer be­deu­tung längst um­ge­wid­met wur­den? denk ich an die sie­ges­säu­le, fal­len mir zu­erst tech­no-kack und ein schwu­len-ma­ga­zin ein. denk ich an kai­ser wil­helm, fällt mir zu­erst tau­ben­ka­cke ein. denk­mä­ler sind le­dig­lich in der theo­rie und in den köp­fen von sehr al­ten men­schen eh­run­gen.


selbst­de­mon­ta­ge mit er­klär­tex­ten

felix schwenzel

arno frank hat sich eine oder ein paar fol­gen der doku „Lo­thar - Im­mer am Ball“ an­ge­se­hen und dar­über auf spie­gel-on­line ge­schrie­ben:
Klug wie ein Kühl­schrank

klug wie ein kühl­schrank, da­mit ist lo­thar mat­thä­us ge­meint. arno frank zi­tiert aus­gie­big aus der doku und be­nutzt wahr­schein­lich ziem­lich na­he­lie­gen­de wor­te: „sechs­tei­li­ges Schla­mas­sel“, „an­rüh­rend“, „bi­zarr“.

er be­klagt sich aber, dass die doku es nicht mat­thä­us selbst über­lässt, sich selbst „vor­zu­füh­ren“:

[…] Die­ser Mo­ment wird von hä­mi­scher Co­me­dy-Mu­sik und der ge­häs­si­gen Er­zähl­stim­me aus dem Off rui­niert, de­ren stets ma­li­ziö­ser Ton vor­gibt, wie man das al­les fin­den soll: dumm.

gleich­zei­tig kann es sich aber auch arno frank nicht ver­knei­fen nach ei­nem lan­gen voll­zi­tat von mat­thä­us vor­zu­ge­ben wie man das al­les zu fin­den hat. näm­lich dass mat­thä­us im „Ober­stüb­chen“ nicht ganz in ord­nung sei.

eine sich selbst und ihre mit­tel kri­ti­sie­ren­de kri­tik. das ist mal in­no­va­tiv. /via riv­va.de


kat­zen­pis­se-ge­ruch und jür­gen vo­gel am ha­cke­schen markt

felix schwenzel

am und um den ha­cke­schen markt roch es heu­te leicht nach kat­zen­pis­se. ei­gen­ar­ti­ger­wei­se mag ich den ge­ruch grund­sätz­lich, ob­wohl ich für kat­zen nicht viel üb­rig habe (was wohl auf ge­gen­sei­tig­keit be­ruht). leich­ter kat­zen­pis­se-ge­ruch er­inn­ernt mich an den dach­bo­den des (ehe­ma­li­gen) stalls an un­se­rem da­ma­li­gen haus in aa­chen. dort hat­te ich mich al­ter­na­tiv zu mei­nem kin­der­zim­mer häus­lich ein­ge­rich­tet. ein tisch, ein stuhl, eine de­cke und spiel­zeug nach wahl. ein­mal ha­ben dirk und ich dort die kon­sis­tenz und ad­hä­si­ons­fä­hig­kei­ten von slime ge­tes­tet. die ober­flä­chen­haf­tung von slime war in der tat, wie wir er­war­te­ten, recht ge­ring. mit aus­nah­me der haa­re, wie wir her­aus­fan­den, als ich das zeug in dirks haa­re goss. als so­fort­mass­nah­me ge­gen die grün ver­kleb­ten haa­re über­leg­ten wir uns die so­for­ti­ge ent­fer­nung des slime mit­tels ei­ner sche­re. dirk und ich wa­ren mit dem er­geb­nis zu­frie­den, die mut­ter von dirk, die fri­seu­rin war, emp­fahl mir, als sie dirk sah, sehr nach­drück­lich ei­nen be­rufs­weg in ei­ner an­de­ren bran­che als dem fri­seur­hand­werk.

in die­sem dach­bo­den roch es im­mer so, wie es heu­te am ha­cke­schen markt roch. nach kat­zen­pis­se. ob es am ha­cke­schen markt al­ler­dings wirk­lich nach kat­zen­pis­se roch oder ob ich den ge­ruch aus ir­gend­ei­nem un­er­find­li­chen grund selbst emi­tier­te, weiss ich lei­der nicht mit ge­wiss­heit.

an der spar­kas­se am ha­cke­schen markt sit­zen fast im­mer um spen­den bit­ten­de pun­ker. manch­mal sit­zen die auch in der wind­fal­le der bank und öff­nen die tü­ren für die geld­au­to­ma­ten-jun­kies die rein und raus­lau­fen. heu­te sas­sen die pun­ker vor der bank. als jür­gen vo­gel in die bank lief rief ei­ner der pun­ker laut „ist das der dings?“ was mei­ne und die auf­merk­sam­keit von jür­gen vo­gel kurz auf den pun­ker lenk­te. wir sa­hen den pun­ker bei­de kurz an, jür­gen vo­gel im wind­fang der bank, ich im vor­bei­lau­fen an der bank. als der pun­ker jür­gen vo­gels freund­li­ches ge­sicht sah, rief er „ja das is­ser! du bist der bes­te schau­spie­ler von al­len!“

jür­gen vo­gel grins­te, ich lief wei­ter. mir fiel nichts wei­ter auf, aus­ser das jür­gen vo­gel ge­nau­so klein war, wie ich mir das vor­ge­stellt hat­te und dass es leicht nach kat­zen­pis­se roch.


„ich has­se pa­thos“

felix schwenzel

sehr schö­ne do­ku­men­ta­ti­on sen­dung über her­bert feu­er­stein und bas­ti­an pas­tew­ka und her­bert feu­er­steins 75ten ge­burts­tag: „Herr Feu­er­stein wird 75 und Herr Pas­tew­ka fei­ert ihn

ei­gen­ar­ti­ger­wei­se ist die sen­dung nicht in der ARD-me­dia­thek, son­dern nur von je­man­dem pri­vat hoch­ge­la­den auf you­tube. das ist na­tür­lich auch ein weg der web-de­pu­bli­zie­rung zu ent­ge­hen: gar nicht erst im web pu­bli­zie­ren.

die sen­dung habe ich mir an­ge­se­hen, weil ich die­sen ziem­lich pa­the­ti­schen text von ste­fan kuz­ma­ny ge­le­sen habe. schreibt der ei­gent­lich im­mer mit die­ser ver­krampf­ten lo­cker­heit, der kuz­ma­ny?

ich muss­te wäh­rend sen­dung meh­re­re male in mich hin­ein­ki­chern und fand das zu­sam­men­spiel von pas­tew­ka und feu­er­stein sehr wit­zig. auch wenn feu­er­stein am an­fang der sen­dung sagt, dass er pa­thos has­se, wird er ein­mal doch ein biss­chen pa­the­tisch und dagt ir­gend­wann mal: „das le­ben ist ein ein­zi­ges ab­schied­neh­men.“ viel­leicht woll­te er aber auch ein­fach mal wie­der was doo­fes sa­gen und es rutsch­te ihm aus­ver­se­hen pa­the­tisch raus.


spie­gel mar­ken­kam­pa­gne jetzt hin­ter pay­wall?

felix schwenzel

die et­was pein­li­che spie­gel-„mar­ken­kam­pa­gne“ die der spie­gel mit­te mai mit ei­ner pres­se­mit­tei­lung an­kün­dig­te („Die Grund­idee der Mar­ken­kam­pa­gne: [blah] Jour­na­lis­ten, die Wo­che für Wo­che die Re­pu­blik mit ih­ren Ar­ti­keln be­geis­tern und da­bei nicht nur Po­li­ti­ker in Atem hal­ten.“) und über die ich mich letz­ten mo­nat köst­lich amü­siert habe, ist aus dem down­load-ser­vice der spie­gel-grup­pe ver­schwun­den.

der alte down­load­link ist jetzt pass­wort­ge­schützt (goog­le-cache) und die na­vi­ga­ti­on um ei­nen na­vi­ga­ti­ons­punkt („Down­load-Ser­vice Mar­ken­kam­pa­gne“) är­mer ge­wor­den:

über den goog­le cache fin­det man die bild­mo­ti­ve aber nach wie vor:

kei­ne ah­nung ob der spie­gel die mar­ken-kam­pa­gne schon nach 30 ta­gen ein­ge­stampft hat oder hin­ter ei­ner halb­durch­läs­si­gen pay­wall hat ver­schwin­den las­sen. kon­se­quent wäre es ja.


pres­se­freund­li­cher kel­ler

felix schwenzel

ste­fan nig­ge­mei­er ist et­was an­ge­säu­ert:

Der Ent­wurf stand am Vor­mit­tag, spä­tes­tens 10:26 Uhr, im Netz. Seit­dem liegt er dem gan­zen fuck­ing In­ter­net vor.

»Spie­gel On­line«, »Zeit On­line« und di­ver­se räu­di­ge Blogs le­gen den Ent­wurf ih­ren Le­sern per Link vor. Die »Süd­deut­sche Zei­tung« teilt ih­ren Le­sern mit, dass ihr der Ent­wurf vor­liegt.

neu ist die lin­kall­er­gie von gros­sen me­di­en­häu­sern und der SZ im spe­zi­el­len ja nicht ge­ra­de. fas­zi­nie­rend fin­de ich aber, dass blät­ter wie die süd­deut­sche ihre pein­li­chen phra­sen wie „[ir­gend­ein scheiss] liegt die­sem blatt vor“ oder „wie [wir wich­tig­tu­er] aus gut in­for­mier­ten krei­sen er­fuh­ren“ ein­fach nicht mit ei­ner we­ni­ger wich­tig­tue­ri­schen aus­drucks­wei­se er­set­zen wol­len.

ei­gent­lich woll­te ich aber auch nur mei­ne as­so­zia­ti­on zu ste­fan nig­ge­mei­ers über­schrift („Geht ster­ben (10)“) und dem leis­tungs­schutz­recht (all­ge­mein und spe­zi­ell) auf­schrei­ben:

ich muss­te eben auf dem klo auch dar­an den­ken was die ver­le­ger und die stum­pen vom sprin­ger ver­lag ei­gent­lich wol­len. es scheint tat­säch­lich so eine art rück­zug in den kel­ler zu sein, aus angst auf der stras­se, an der fri­schen luft, nicht ge­nü­gend auf­merk­sam­keit und geld ma­chen zu kön­nen. im dunk­len kel­ler, der schwer zu fin­den ist und ein­tritt kos­tet, soll das dann mit dem geld­ver­die­nen mit jour­na­lis­ti­schen in­hal­ten bes­ser wer­den. lo­gisch.


[nach­trag 15.06.2012, 8:35h]

chris­toph kee­se hat ges­tern na­tür­lich auch et­was zum leis­tungs­schutz­recht ge­schrie­ben:

Der Ge­setz­ent­wurf des Leis­tungs­schutz­rechts für Pres­se­ver­la­ge ist in Blogs und Tweets heu­te leb­haft dis­ku­tiert wor­den. Es über­wiegt die Kri­tik. Das neue Recht wer­de Blog­gern scha­den, die Mei­nungs­viel­falt be­schrän­ken und das Netz zer­stö­ren, heißt es. Un­klar­heit der Ge­wer­be­de­fi­ni­ti­on füh­re zu Rechts­un­si­cher­heit, Ab­mahn­wel­len und Pro­zess­la­wi­nen. Doch die Sor­gen sind über­trie­ben.

in­ter­es­sant fin­de ich, dass er kei­nen der kri­ti­schen bei­trä­ge in blogs und tweets ver­linkt und nicht etwa schreibt „die Sor­gen sind un­be­grün­det“, son­dern „die Sor­gen sind über­trie­ben“. das lässt wirk­lich schlim­mes be­fürch­ten.

auch amü­sant, dass er meint pri­va­te blog­ger könn­ten mit dem leis­tungs­schutz­recht geld ver­die­nen, in­dem sie ihre tex­te li­zen­sie­ren. klar, 10 se­mes­ter jura-stu­di­um und je­der blog­ger ist dank des leis­tungs­schutz­rechts in der lage li­zen­zen zu ver­han­deln und ab- und an­zu­mah­nen. käuf­män­ni­sches wis­sen scha­det dem pri­vat­blog­ger beim ver­wal­ten der ein­nah­men na­tür­lich auch nicht.


asym­me­trie ge­gen pfei­fen

felix schwenzel

das neue mac­book pro mit be­son­ders hoch­auf­lö­sen­dem bild­schirm hat lüf­ter mit asym­me­trisch an­ge­ord­ne­ten flü­gel­rä­dern um den ge­räusch­pe­gel der lüf­ter zu sen­ken. oder wie ap­ple das in sei­nem schlecht über­setz­ten mar­ke­ting­sprech aus­drückt:

Asym­me­trisch plat­zier­te Flü­gel­rä­der und rück- und seit­wär­ti­ge Öff­nun­gen für den Luft­strom be­we­gen be­son­ders viel Luft und re­du­zie­ren da­bei auch die akus­ti­sche Be­ein­träch­ti­gung.

akus­ti­sche be­ein­träch­ti­gung. mein lie­ber schol­li. nicht we­ni­ger auf­ge­bla­sen, aber kür­zer auf eng­lisch:

The asym­me­tri­cal­ly spa­ced im­pel­ler blades with back and side air­flow vents work tog­e­ther to move the ma­xi­mum amount of air while re­du­cing to­nal im­pact.

da­von ge­hört habe ich zu al­ler­erst im mac­book-pro­mo-vi­deo, in dem jo­na­than ive das de­sign des neu­en lap­tops als „ge­nui­ne­ly new“ be­zeich­ne­te.

lauf­ge­räusch­fre­quenz bei sy­m­e­tri­schen ven­ti­la­tor-schau­feln
lauf­ge­räusch­fre­quenz bei asy­m­e­tri­schen ven­ti­la­tor-schau­feln

wo­bei die tech­nik um die ge­räu­sche des lüf­ters lei­ser er­schei­nen zu las­sen al­les an­de­re als neu ist. zu­schau­er der sen­dung mit der maus wis­sen das. in die­sem maus-clip wird er­klärt (ab ca. mi­nu­te 2:50), war­um die pro­fi­le von au­to­rei­fen asym­me­trisch an­ge­ord­net sind: sy­m­e­tri­sche, also gleich gros­se pro­fi­le, wür­den ein un­an­ge­neh­mes pfei­fen aus­lö­sen, asym­me­trisch an­ge­ord­ne­te pro­fi­le ver­tei­len sich über ein brei­te­res fre­quenz­spek­trum.


khoi vinh fin­det die ap­ple pru­dukt-pro­mo-vi­de­os üb­ri­gens et­was aus der zeit ge­fal­len:

Ap­ple’s pro­duct vi­de­os re­main trap­ped in time, fol­lo­wing the same for­mat that their vi­de­os from the last de­ca­de fol­lo­wed: tal­king head shots of Ap­ple exe­cu­ti­ves as they wax ef­fu­si­ve­ly about wha­te­ver new pro­duct they’re in­tro­du­cing.

find ich auch. aber wahr­schein­lich könn­te man aus den pro­mo-vi­de­os ei­nen wun­der­ba­ren und irre wit­zi­gen mas­hup schnei­den.