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Alles ist ein Spiel (t3n 69)

Wenn man einen Hund hat, verschwimmen die Grenzen zwischen Ernst und Spiel. Eigentlich ist für einen Hund alles Spiel. Ob ein Ball fliegt oder ein Kaninchen auf einer Wiese wegläuft, scheint für Frida, unseren Pudel, einerlei. Ihre Euphorie und ihr Ehrgeiz sind für beide Reize gleich groß. Der Ball ist genauso echt wie das Kaninchen.
Um Frida vom Jagen abzubringen, mussten wir uns ein besseres Spiel ausdenken. Die erste Spielregel des neuen Spiels lautet: Wenn sie einen Vogel, ein Kaninchen oder ein anderes hetzbares Tier sieht, muss sie kurz stillhalten und uns anschauen. Erst wenn wir es sagen, läuft sie los. Im neuen Spiel wird dann allerdings kein Tier gejagt, sondern ein Stück Käse oder der kleine, schnelle und flummiähnliche Lieblingsball von Frida.
Das neue Spiel findet sie so gut, dass sie innerhalb von ein paar Wochen im Angesicht von hetzbarem Wild eine ausgezeichnete Impulskontrolle entwickelt und das Jagen für das neue Spiel so gut wie aufgegeben hat. Was sie eigentlich gelernt hat: Spiele mit ihren Sozialpartnern – uns – machen mehr Spaß, als alleine zu spielen.
Hundetrainer sagen, dass Hunde am besten lernen, wenn sie entspannt sind. Ein Hund, der Stress oder Ängste hat, spielt nicht — und lernt schwerer. Das ist bei Menschen nicht anders. Ängste essen, frei nach Rainer Werner Fassbinder, nicht nur die Seele auf, sondern auch das Spiel. Und wo kein Spiel ist, fällt das Lernen mitunter auch schwer.
Ich war lange ein ziemlich schlechter Schüler, bis ich irgendwann anfing, die Schule als Spiel zu betrachten. Dabei geholfen hat mir wahrscheinlich, dass ich zwei Mal eigentlich sitzengeblieben wäre, aber beide Male doch noch versetzt wurde, weil ich die Nachprüfung in Französisch schaffte. Der Nachhilfelehrer, der mir dabei geholfen hat, dürfte einen entscheidenden Anteil daran gehabt haben, dass ich die Schule nach dieser Erfahrung auf eine leichtere Schulter nahm.
Spätestens als ich dann im dritten Jahr mit zwei Sechsen auf dem Versetzungszeugnis keine Nachprüfung mehr machen konnte und tatsächlich die neunte Klasse wiederholen musste, änderte sich meine Haltung zur Schule. „Was soll jetzt noch großartig passieren?“, fragte ich mich und begann, die Schule als Spiel zu betrachten. Eines, das mir sogar Spaß machte. Der Ernst, der Druck, die Ängste waren gewichen – und ich begann spielerisch, mich zum nächsten Level vorzuarbeiten. Ich hatte meine Stärken kennengelernt und wusste, dass ich – wenn‘s drauf ankam – auch abliefern konnte. Ich erkannte, dass ich mich und die Lehrer mit Interesse am Lehrstoff manipulieren konnte. Weil ich plötzlich Interesse an diesem Spiel hatte, entwickelten die Lehrer Interesse an mir – und ich entwickelte Motivation und Neugier.
Die Schule als Spiel zu betrachten, manipulierte sozusagen meine Haltung zur Schule. Probleme, Aufgaben, Herausforderungen, die sich in einem Spiel stellen, motivieren eher. Herausforderungen, die im Rahmen einer ernsten Pflicht daherkommen, begegnet man oft mit Widerstand und Trotz.
Wenn ich mit Frida spiele oder tobe, ist alles erlaubt. Sie darf mich (wohldosiert) beißen und anrempeln, darf auf Spielgegenständen rumkauen und zerren – und doch gelten strenge Regeln:
- Alle Beteiligten können das Spiel jederzeit beenden
- Niemand fügt dem anderen absichtlich echte Schmerzen zu
Im Spiel kann man – wie im Traum – Dinge ausprobieren, die im Ernst, im sozialen Kontext, problematisch sein könnten. Man kann sich an Grenzen herantasten. Im Spiel ist das Risiko überschaubar, und doch lernt man – absichtlich oder zufällig – wichtige Lektionen und gegebenenfalls nützliche Verhaltensweisen fürs „echte Leben“.
Wenn man die Herausforderungen, die einem das Leben vor die Füße spült, als Spiel begreift, gewinnt man aber nicht nur Motivation und Spaß am Lernen und Ausloten von Grenzen und Regeln. An Probleme spielerisch heranzugehen, kann auch dazu führen, dass man den Ernst des Lebens auf Distanz hält.
Die Angst vor dem Scheitern ist im Spiel wie weggeblasen: Man kann es ja beliebig oft erneut probieren. Man könnte sagen – wieder frei nach Rainer Werner Fassbinder: Spiel essen Ängste auf.

der sauerteig hatte heute etwas bessere laune, deshalb war das kosakenbrot heute zum frühstück ne nummer fluffiger als letztes mal
waschbär, fuchs, pause, diszipliniertes laufen und hinterher laufen. wunderbarer morgenspaziergang. ne katze, bullen und sehr viele bunte vögel haben auch unseren weg gekreuzt.
kosakenbrot nach dem plötzblog. extrem lecker (gleich ein viertel eingeatmet) ne spur zu wenig fluffig, schmeckt und fühlt sich aber richtig an.
🏖
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man sieht’s im video nicht besonders deutlich, aber das müsste ein dachs sein. mitten in den rehbergen. waschbären gibt’s hier auch massig, aber dass ein dachs so ruhig bleibt wenn ein mensch und ein pudel ihn kurz vor seinem bau beobachten, hat mich dann auch gewundert.
für mich war’s natürlich auch ein erfolg, weil ich frida mal wieder meine kompetenz in sachen (potenzielle) beute aufstöbern demonstrieren konnte. seit ich ihr glaubhaft machen konnte, dass die jagd, das stöbern und fixieren mit mir mehr spass macht, als auf eigene faust, schleichen wir auf der suche nach beute, seite an seite, durch die wälder und parks. mehr als schleppleinenlänge entfernt sie sich dabei kaum noch von mir. und so kann sie mittlerweile auch ganz gut aufs hetzen verzichten.
an der genauigkeit beim fuss-auf-der-treppe spiel arbeiten wir noch.
solange unterm tisch ne decke (oder jacke) liegt, ist das für frida ein platz in der ersten reihe.